Inhaltsangabe
Vorwort 2
1 Einleitung 3
1.1 Methoden der Befragung 3
1.2 Grundlagen der Befragung 5
2 Menschen mit Beeinträchtigungen als Adressaten von Befragungen 6
2.1 Definition und Arten von Beeinträchtigungen 7
2.2 Regeln im Umgang mit beeinträchtigten Personen 9
2.3 Voraussetzungen für eine Befragung 10
2.3.1 Befragung von Menschen mit Sehbehinderung 11
2.3.2 Befragung von Menschen mit Hörbehinderung bzw. Taubheit 12
2.3.3 Befragung von Menschen mit Lernschwächen 14
2.3.4 Befragung von Menschen mit physischen Beeinträchtigungen 17
2.3.5 Befragung von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen 17
2.4 geeignete Befragungsmethoden für Menschen mit Beeinträchtigungen 18
2.4.1 Das Interview 19
2.4.2 Der Fragebogen 19
2.4.3 Studie zur „Sozialen Lage gesundheitlich beeinträchtigter Studierender“ 20
3 Fazit 21
3.1 Methodenprobleme 21
3.2 empirische Erkenntnisse 22
3.3 persönliche Schlussbetrachtung 24
5 Literaturverzeichnis 26
6 Abkürzungen 29
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VORWORT
In der vorliegenden Arbeit habe ich mich mit der Befragung von Personen mit Beeinträchtigungen auseinandergesetzt.
Die Literaturrecherche gestaltete sich sehr schwierig, da zu diesem Thema bislang kaum Erkenntnisse vorliegen. Es hat sich bei den intensiven Nachforschungen jedoch zumindest herausgestellt, dass der deutschsprachige Raum dem englischsprachigen, sprich Großbritannien und USA, in Sachen Partizipation und hier im Speziellen der Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen hinterher hinkt.
Die Ausarbeitung dieses Themas stützt sich neben den bekannten Autoren der Methoden empirischer Sozialforschung wie Atteslander, Friedrichs, Flick, Lamnek, Mayer ua daher hauptsächlich auf folgende Literatur bzw. Internet-Seiten: Leseschwierigkeiten Zunehmende und Probleme mit dem
Sprachverständnis. Alexandra Zaugg. 2007.
Soziale Lage gesundheitlich beeinträchtigter Studierender 2006. Angela Wrobiewski/Martin Unger/Roswitha Schilder. 2007. Bedarfsanalyse zur Arbeitsintegration von Menschen mit Hörbehinderungen in der Steiermark. Studie im Auftrag der Landesgeschäftsstelle Steiermark des Bundessozialamtes. 2004.
University of Sheffield, GB: Disability and Dyslexia Support Service. In: www.shef.ac.uk/disability/interview, abgerufen am 09 05 2008. American Psychological Association, USA: Interviewing Applicants with Disabilities. In: www.apa.org./apags/diversity/interview.html, abgerufen am 07 05 2008.
Da zu diesem Thema alleine schon die umfassende Stichprobenerhebung von beeinträchtigten Personen eine Seminararbeit rechtfertigt, beschränke ich mich in dieser Arbeit auf die Reaktionsebene und spreche die Selektionsebene nur dann an, wenn diese entsprechende Relevanz einnimmt.
Zu Beginn werde ich mich damit beschäftigen, wie eine Befragung generell sein soll. Der Einfachheit halber umreiße ich hier die Methoden der quantitativen und qualitativen Befragung nur in Form des Fragebogens und des Interviews.
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Anschließend möchte ich auf die Definition von Beeinträchtigten lt. WHO und die diversen Arten von Beeinträchtigungen eingehen. Danach befasse ich mich mit den Regeln einer Befragung im Umgang mit beeinträchtigten Personen sowie den allgemeinen Voraussetzungen für die Befragung dieser Klientel.
Anschließend möchte ich etwas vertiefender die der jeweiligen Beeinträchtigung zugrunde liegenden Erfordernisse für eine Befragung (Fragebogen, Interview) herausarbeiten, um die Komplexität dieser Thematik aufzuzeigen. Zum Schluss gehe ich noch auf die Methodenprobleme sowie einige Expertenbeiträge und -meinungen zur Befragung von speziellen Zielgruppen anlässlich der Tagung „Grenzen und Herausforderungen der Umfrageforschung“ ein und werde versuchen, diese kritisch zu beleuchten. 1. Einleitung
Die Befragung ist ein zentrales Element der Empirischen Sozialforschung. Damit werden systematisch Informationen über Einstellungen, Meinungen, Wissen und Verhaltensweisen von Menschen gesammelt und ausgewertet. Der Forscher bedient sich dazu sowohl quantitativer als auch qualitativer Forschungsmethoden.
1.1 Methoden der Befragung
Die Unterscheidung zwischen quantitativer und qualitativer Sozialforschung ist das Ergebnis des Methodenstreits, der im Zuge der Etablierung der Soziologie zur eigenständigen Wissenschaft entbrannte.
Weber’s Grundposition einer eigenen sozialwissenschaftlichen Methodik ist durch das Verstehen gekennzeichnet, welches jedes Handeln mit einem subjektiven Sinn verbindet. (vgl. Esser, 1999: 5; vgl. Reinhold, 2000: 703) Dem zufolge ist die empirische Sozialforschung methodisch stark qualitativ ausgerichtet. Mayring schreibt hinsichtlich der Unterscheidungsmerkmale von qualitativen und quantitativen Analysen, dass „sobald Zahlbegriffe und deren In-Beziehung-Setzen durch mathematische Operationen bei der Erhebung oder Auswertung verwendet werden, von quantitativer Analyse zu sprechen [ist, Anm. d. Verf.], in allen anderen Fällen von qualitativer Analyse.“ (Mayring, 2000: 16) Während die qualitative Analyse die Komplexität des Untersuchungsgegenstandes erfasst, zerteilt die
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quantitative Analyse ihren Gegenstand in einzelne Variable und nimmt ihm damit die eigentliche zu Grunde liegende Bedeutung.
Mayring misst der qualitativen Untersuchung in der Empirischen Sozialforschung zwar eine höhere Bedeutung zu, räumt aber gleichzeitig ein, dass bei einer anspruchsvollen Forschung stets auch ein gewisser Anteil an quantitativer Analyse mit enthalten sei. Dazu stellt er drei Phasen im Forschungsprozess auf: I Qualitative Analyse
Am Anfang jeder wissenschaftlichen Arbeit muss man zunächst wissen, was untersucht werden soll. Die Fragestellung, Begriffs- und Kategorienfindung sowie Analyseinstrumente sind Hauptbestandteile inhaltsanalytischer Arbeit und demzufolge eine qualitative Vorgehensweise. II Quantitative (oder auch qualitative) Analyse In der zweiten Phase können (müssen aber nicht) quantitative Analyseschritte folgen. Wichtig dabei ist es, jene Punkte im Analyseprozess, an welchem nun quantitative Operationen einsetzen, genau zu benennen. Diese Hilfsmittel werden eingesetzt, um zu weiteren, exakteren Aussagen über den Untersuchungsgegenstand zu gelangen. III Qualitative Analyse
In weiterer Folge müssen die Ergebnisse der quantitativen Operationen verbalisiert und auf die ausgehende Fragestellung rückgeführt werden. Die Interpretation der abstrakten Zahlen ist wiederum ein qualitativer Analyseschritt. (vgl. Mayring 2000: 19f)
Die qualitative Forschung hat sich in den Sozialwissenschaften, der Soziologie und der Psychologie etabliert. Zahlreiche Methoden, die ganz spezifisch je nach zu untersuchendem Gegenstand, nach Voraussetzung und Zielverfolgung eingesetzt werden, stehen den Sozialforschern zur Verfügung. Jede fundierte empirische Forschung wird sich neben der qualitativen Analyse auch der quantitativen Analyse bedienen - und zuweilen ist dies nicht unerlässlich wie sich in der folgenden Betrachtung zur Befragung von beeinträchtigten Personen herausstellen wird.
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1.2 Grundlagen der Befragung
Neben einer gut durchdachten Auswahl der Stichprobe, die einer möglichst genauen Abbildung der Grundgesamtheit Rechnung trägt, spielt die Fragestellung selbst eine entscheidende Rolle, um an repräsentative Aussagen zu gelangen. Personen, die befragt werden, müssen nämlich mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen. Sie müssen
Eine Frage zu verstehen heißt nicht nur, dass der Befragte dem Interviewer seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt und dieser wiederum laut und deutlich spricht, sondern das Verständnis einer Frage läuft zusätzlich auf zwei Ebenen ab: auf der Ebene des semantischen und der Ebene des pragmatischen Verständnisses. Zum semantischen Verständnis gehört, dass eine Frage bzw. ein Begriff
- bekannt ist
- klar formuliert wird
- nicht mehrdeutig ist (zB Olive - Obst oder Fenstergriff, Bank -Sitzgelegenheit oder Geldinstitut)
- von unterschiedlichen Befragungsgruppen nicht unterschiedlich verstanden wird (zB Instrument - der Mediziner versteht darunter etwas anderes als der Musiker oder der Forscher)
- nicht individuell interpretiert werden kann
- uam. (vgl. Porst, 2008: 19f)
Beim pragmatischen Verständnis muss sich die Zielperson die Frage stellen, was denn der Forscher von ihr wissen will und welche Information der Befragte für sein Urteil heranziehen soll. Der Interviewer bzw. der Fragebogen soll daher informativ
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und eindeutig sein. Hilfreich sind dabei die vier Grundregeln der kooperativen Kommunikation nach Grice (1975): 1. Maxim of Quantity
Angaben so informativ wie nötig, aber nicht mehr als notwendig 2. Maxim of Quality wahre Angaben machen, die zutreffen 3. Maxim of Relation
Angaben, die für die Zielerreichung relevant sind 4. Maxim of Manner
eindeutige Angaben; keine Mehrdeutigkeiten, umständliche Formulierungen (vgl. Porst, 2008: 22)
In Anbetracht der hier nur in aller Kürze umrissenen Komplexität der Fragestellung in einem Fragebogen bzw. Interview ist nachvollziehbar, wie schwierig - ja fast unmöglich - sich eine Befragung gestalten muss, die beeinträchtigte Personen in die Stichprobe einer allgemein gefassten Grundgesamtheit mit einschließt. Doch bereits eine auf die eingeschränkte Population beeinträchtigter Personen ausgerichtete Befragung verlangt zum einen ein breites Spektrum an Fachwissen zu den einzelnen Ausformungen von Beeinträchtigungen und zum anderen ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl bei der jeweiligen Methodenauswahl.
2 Menschen mit Beeinträchtigungen als Adressaten von Befragungen
Es gibt zahlreiche Personen mit unterschiedlichsten Arten von Beeinträchtigungen bzw. Behinderungen, die in Befragungen zu wenig bis gar keine explizite Berücksichtigung finden und demzufolge in „repräsentativen“ Umfragen kaum bis gar nicht vertreten sind.
Dieser Grundproblematik hat sich meinen Recherchen zufolge noch kein Wissenschafter explizit angenommen, wohl auch der nicht zu leugnenden Komplexität wegen. Allerdings gibt es zumindest auf bestimmte, homogen erscheinende, Zielgruppen ausgerichtete Befragungen wie zB die Befragung von Personen mit Seh- oder Hörbehinderungen.
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2.1 Definition und Arten von Beeinträchtigungen
Der Terminus „Beeinträchtigung“ wird meist sofort mit körperlicher Behinderung, Querschnittlähmung und Rollstuhl in Verbindung gebracht. Doch Beeinträchtigungen sind verschiedener Natur und unterschiedlicher
Beeinträchtigungsgrade. Die WHO definiert Beeinträchtigungen wie folgt: “Disabilities is an umbrella term, covering impairments, activity limitations, and participation restrictions. An impairment is a
problem in body function or structure; an activity limitation is a difficulty encountered by an individual in executing a task or action; while a participation restriction is a problem experienced by an individual in involvement in life situations. Thus disability is a complex phenomenon, reflecting an interaction between features of a person’s body and features of the society in which he or she lives.” (WHO in: www.who.int/topics/disabilities)
Sie geht in ihrer Definition, kurz ICIDH 1 genannt, aus dem Jahr 1980 von drei Gruppen aus: impairment (Schädigung)
Mängel oder Abnormitäten der anatomischen, psychischen oder physiologischen Funktionen und Strukturen des Körpers disability (Beeinträchtigung)
Funktionsbeeinträchtigung oder -mängel aufgrund von Schädigungen, die typische Alltagssituationen behindern oder unmöglich machen handicap (Behinderung)
Nachteile einer Person aus einer Schädigung oder Beeinträchtigung Diese Definition ist allerdings sehr defizitorientiert und entstammt an sich der medizinischen Kategorisierung von Behinderung, weshalb die WHO im Jahr 2001 eine neue Einteilung in Anlehnung an die Dreigliedrigkeit des Vorgängermodells, jedoch unter Miteinbeziehung von Umweltfaktoren wie Assistenz und
1 International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps
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Arbeit zitieren:
Elke Kornberger, 2008, Befragung von Personen mit Beeinträchtigungen, München, GRIN Verlag GmbH
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