Gliederung
1. Einleitung 3
2. Die Person Anna Amalia von Sachsen-Weimar 7
2.1 Herkunft - Das Haus Braunschweig-Wolfenbüttel 7
2.2 Hochzeit mit Ernst August II. Constantin zu Sachsen-Weimar-Eisenach 13
im Jahr 1756
2.2.1 Das Haus Sachsen-Weimar 17
2.3 Erwartungen an Anna Amalia als neue „Landesmutter“ 19
3. Die Regierungszeit Anna Amalias (1759-1775) 22
3.1 Selbstregentin und Mitregentschaft 24
3.1.1 Geheimes Consilium und Landesstände 26
3.1.2 Unterstützung des Braunschweiger Hofes 29
3.2 Außenpolitische Maßnahmen und Erfolge 30
3.3 Landespolitik und Administration 31
3.4 Das Ende der Regentschaft Anna Amalias 32
4. „Erhabenes verehrend, Schönes genießend, Gutes wirkend“ - Die 37
Bedeutung Anna Amalias für das klassische Weimar
4.1 Die Weimarer Bibliothek 39
4.1.1 Die Wolfenbütteler Bibliothek als Vorbild 42
4.1.2 Die Schriften Anna Amalias 43
4.2 Die Bedeutung der Italienreise für Anna Amalia und Weimar 45
4.3 Anna Amalia und Johann Wolfgang von Goethe 47
5. Der Mythos Anna Amalias 48
5.1 Die Bedeutung für die thüringische Residenz 49
5.1.1 Anna Amalia als ewige Legende 49
5.2 Weimar als „ästhetische“ Marke 51
6. Zusammenfassung 53
Abk ürzungsverzeichnis 56
Quellen - und Literaturverzeichnis 57
Quellen 57
Literatur 59
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1. Einleitung
Anna Amalia zählt heute wohl zu den bedeutendsten Frauen in der Geschichte des Herzogtums Sachsen-Weimar und des Landes Thüringen, und wird als eine herausragende Vertreterin der geistesgeschichtlich bedeutenden Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert bezeichnet 1 .
Joachim BERGER kritisiert, dass das Leben der Regentin oftmals einseitig nachgezeichnet wird, bei dem vieles verbessert und verschönert wird 2 . So zeigt sich häufig ein Bild der Herzogin, welches durch Künste, Literatur und Kultur charakterisiert wird.
Doch Anna Amalia war nicht nur „Wegbereiterin der Weimarer Klassik“ 3 , sondern nach ihrer Hochzeit mit Ernst August Constantin von Sachsen-Weimar im Jahr 1756 und dessen Tod kurze Zeit später auch vormundschaftliche Regentin für ihren minderjährigen Sohn und Thronnachfolger Carl August. Diese politische Phase im Leben der Anna Amalia soll nachfolgend erläutert und analysiert werden. Dabei soll die These im Vordergrund stehen werden, dass Anna Amalia mit ihrer Regentschaft den Weimarer Staat sowohl außen- als auch landespolitisch konsolidieren konnte, um diese anschließend zu verifizieren beziehungsweise zu falsifizieren. Um die Person Anna Amalia von Sachsen-Weimar vor allem als aufgeklärte Regentin zu beschreiben, wird im hinführenden Kapitel die Herkunft und Erziehung der Herzogin erläutert. Dabei wird insbesondere auf den sie prägenden Erzieher, Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem eingegangen und das Verhältnis zu ihrem Vater, Herzog Karl I. von Braunschweig-Lüneburg, bewertet. Die Hochzeit mit Ernst August II. Constantin zu Sachsen-Weimar bedeutete einerseits einen tiefen Einschnitt im bis dahin beschaulichen Leben der zukünftigen Herzogin, andererseits bot sie auch Aufstiegsmöglichkeiten und Repräsentation. Doch Anna Amalias Aufgabe als neue „Landesmutter“ war es zunächst nur, einen Sohn zu gebären und damit die dynastische Erbfolge zu sichern.
1 HENKEL, Gabriele; OTTE, Wulf, Herzogin Anna Amalia - Braunschweig und Weimar. Stationen eines Frauenlebens im 18. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Braunschweigischen Landesmuseums 79, hg. von Gerd BIEGEL), Braunschweig 1995, S.7 [Im Folgenden kurz: HENKEL, Stationen].
2 BERGER, Leonie und Joachim, Anna Amalia von Weimar. Eine Biographie, München 2006, S.7f. [Im Folgenden kurz: BERGER, Biographie].
3 Vergleiche dazu im Titel: SALENTIN, Ursula, Anna Amalia. Wegbereiterin der Weimarer Klassik, Köln Weimar Wien 3 2001 [Im Folgenden kurz: SALENTIN, Anna Amalia].
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Nach dem Tod ihres Mannes Ernst August II. Constantin musste Anna Amalia als Herzogin von Sachsen-Weimar schließlich ihrer Bezeichnung „regierende Herzogin“ 4 gerecht werden und für ihren ältesten Sohn Carl August die obervormundschaftliche Regierung übernehmen. In ihren autobiographischen Aufzeichnungen schreibt Anna Amalia über diese Zeit: „In meinem 18ten Jahr fing die größte Epoche meines Lebens an. Ich wurde zum zweytenmahl Mutter, wurde Wittib (Witwe, d.A.), Obervormünderin und Regentin.“ 5 . Die junge Herzogin war anfangs kaum in der Lage, ihre neue verantwortungsvolle Aufgabe auszuführen und hatte in den Landesständen und dem Geheimen Consilium, aber auch in ihrer Braunschweiger Familie, hilfreiche Unterstützer und Mitregenten. Fortführend werden Anna Amalias außenpolitische Maßnahmen und Erfolge, welche sich insbesondere auf den Siebenjährigen Krieg, welcher von 1756 bis 1763 andauerte, beziehen, untersucht und bewertet, um schließlich die eigene Landespolitik und Administration in Weimar zu evaluieren. Das Ende der vormundschaftlichen Regentschaft der Weimarer Herzogin war ein freiwilliger Rückzug Anna Amalias aus den Regierungsgeschäften zugunsten ihres Sohnes und Thronnachfolgers Carl August.
Im vierten Kapitel soll die Bedeutung der Herzogin Anna Amalia für das klassische Weimar in der Neuzeit anhand ihres eigenen Wirkens, dem Aufbau der Bibliothek und der Förderung gelehrter Persönlichkeiten herausgearbeitet werden. Abschließend wird untersucht, ob und inwieweit die Person Anna Amalias einer Legende zugesprochen werden kann beziehungsweise soll die Frage geklärt werden, ob es sich bei der Herzogin um einen Mythos einer Regentin handeln kann. Ihre Erfahrungen als braunschweigische Tochter, als Ehefrau und Witwe, als obervormundschaftliche Landesregentin und als Vorsteherin eines Hofes verarbeitet die Herzogin Anna Amalia in einem autobiographischen Fragment 6 , welches auf 1772 datiert wird 7 . Diese Quelle bietet neben den erhaltenen Briefen von und an die Herzogin Anna Amalia sowie ihren sonstigen Selbstzeugnissen einen authentischen Einblick in
4 Die Eisenacher Regierung versprach Anna Amalia, man werde sie „als unsere theuerste mit allen fürstlichen Tugenden und hohen Eigenschaften begabte Landes Mutter verehren.“, Regierung Eisenach an Anna Amalia, Eisenach 23.3.1756, in: ThHStAW A 146 (o.S.).
5 Anna Amalia, Autobiographisches Fragment, GSA 36/VII, 18, zitiert nach: WAHL, Volker, „Meine Gedanken“. Autobiographische Aufzeichnung der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar. „Andenken“ und „Grabinschrift“, in: RAABE, Paul (Hg.), Wolfenbütteler Beiträge. Aus den Schätzen der Herzog August Bibliothek, Band 9, Wiesbaden 1994, S.99-122, hier: S.108 [Im Folgenden kurz: WAHL, Meine Gedanken].
6 Anna Amalia, Autobiographisches Fragment, GSA 36/VII, 18, abgedruckt bei: WAHL, Meine Gedanken, S.101-117.
7 HENKEL, Stationen, S.21.
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die Gefühlswelt der jungen Regentin und gibt Ansätze für Interpretationen. Dennoch weisen diese wenigen vorhandenen Zeugnisse bestimmte Lücken auf - so ist das autobiographische Fragment Anna Amalias während einer Krise 8 entstanden und das einzige überlieferte Tagebuch 9 in der Ausnahmesituation ihres Italienaufenthalts 10 .
Die Quellenlage zum Italienaufenthalt der Herzogin ist hingegen sehr gut, so ist ein dichter Briefwechsel sowohl der Herzogin selbst als auch ihrer Begleiter während der Reise überliefert 11 .
Das gesamte Hausarchiv der Fürstenfamilie zu Sachsen-Weimar ist im 19. Jahrhundert von vermeintlich kompromittierenden Stücken gesäubert worden 12 , so dass heute insgesamt nur wenige persönliche Quellen vom Wirken Anna Amalias, insbesondere während ihrer vormundschaftlichen Regentschaft, zeugen. Die älteren Biographien 13 zu Anna Amalia stützen sich im wesentlichen auf einen selektiven Ausschnitt ihrer autobiographischen Aufzeichnungen, ihres handschriftlichen Briefwechsels und publizierte Erinnerungen 14 . Seit den 1940er Jahren versiegen umfangreichere Quellenstudien. Erst anlässlich eines Kolloquiums zum 250. Geburtstag Anna Amalias im Jahr 1989 setzte man sich erneut intensiv mit der Herzogin auseinander 15 .
BERGER 16 hat erstmals den Nachlass der Herzogin Anna Amalia, welcher zahlreiche Faszikel mit eigenhändigen Aufzeichnungen, Exzerpten, Sammlungen und
8 Das autobiographische Fragment ist vermutlich nach dem Tod von Anna Amalias Vertrauten, dem Geheimen Rat Johann Poppo von Greiner im Jahr 1772 entstanden. Vergleiche dazu auch Kapitel 2.1 dieser Arbeit.
9 Anna Amalia, Journal (eigenhändig), Teil 1: 15.8.-31.12.1788; Teil 2: 1.1. -31.12.1789; Teil 3: 1.1. -10.6.1790; ThHStAW HA XVIII 153-155.
10 BERGER, Biographie, S.9.
11 BERGER, Joachim, Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach (1739-1807). Denk- und Handlungsspielräume einer „aufgeklärten“ Herzogin, Heidelberg 2003, S.556 [Im Folgenden kurz: BERGER, Aufgeklärte Herzogin].
12 BERGER, Biographie, S.9.
13 ARNDT, F., Mütter berühmter Männer, Heft 3: Anna Amalia, Herzogin von Sachsen-Weimar, die Mutter Carl Augusts, Berlin 1872 [Im Folgenden kurz: ARNDT, Mütter]; BORNHAK, Friderike, Anna Amalia, Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, die Begründerin der klassischen Zeit Weimars. Briefwechsel Anna Amalias mit Friedrich dem Großen, Berlin 1892 [Im Folgenden kurz: BORNHAK, Briefwechsel]; SCHÜDDEKOPF, Carl, Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Abt Jerusalem, in: Braunschweigisches Magazin, Nr. 10, 1901 [Im Folgenden kurz: SCHÜDDEKOPF, Herzogin]; BODE, Wilhelm, Amalie Herzogin von Weimar, Band 1 (Das vorgoethische Weimar), Berlin 1908 [Im Folgenden kurz: BODE, Amalie]; HEUSCHELE, Otto, Herzogin Anna Amalia. Die Begründerin des weimarischen Musenhofes, München 2 1949 [Im Folgenden kurz: HEUSCHELE, Begründerin].
14 Vergleiche unter anderen: LYNCKER, Karl, Am weimarischen Hofe unter Amalien und Karl August. Erinnerungen, hg. von SCHELLER, Marie, Berlin 1912.
15 Publiziert in: RAABE, Paul (Hg.), Wolfenbütteler Beiträge. Aus den Schätzen der Herzog August Bibliothek, Band 9, Wiesbaden 1994 [Im Folgenden kurz: RAABE, Beiträge].
16 BERGER, Aufgeklärte Herzogin.
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Manuskripten sowie dem Reisejournal aus Italien umfasst 17 , durchgearbeitet und ausgewertet. Neuere Biographien zu Anna Amalia, wie von Anette SEEMANN 18 , Ursula SALENTIN 19 sowie von Leonie und Joachim BERGER 20 erheben oftmals keinen Anspruch auf Vollständigkeit und bieten einen Einblick in das Leben der Herzogin, beziehen sich jedoch meist auf die künstlerischen Aspekte im Wirken Anna Amalias. Das Ehepaar BERGER versucht in fast poetischen Formen, die Regierungsjahre der Regentin tiefergehend zu analysieren.
Der nachfolgende Text hat den Anspruch, Gedanken zum Mythos Anna Amalias herauszukristallisieren und ihre besonderen Leistungen hinsichtlich ihrer Regentschaft, aber auch ihrer Kunstzuneigung darzustellen und ein Stück weit zu würdigen.
17 ThHStAW HA A XVIII 1-169, Teile im Goethe- und Schillerarchiv der Klassik-Stiftung Weimar und in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar.
18 SEEMANN, Annette, Anna Amalia. Herzogin von Weimar, Frankfurt am Main und Leipzig 2007 [Im Folgenden kurz: SEEMANN, Anna Amalia].
19 SALENTIN, Anna Amalia.
20 BERGER, Biographie.
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2. Die Person Anna Amalia von Sachsen-Weimar
Die braunschweigische Prinzessin Anna Amalia wurde als zweitälteste Tochter Herzog Karls I. von Braunschweig-Lüneburg und der Prinzessin von Preußen und Schwester Friedrichs II., Philippine Charlotte am 24. Oktober 1739 im Schloss zu Wolfenbüttel geboren 21 . Nachdem die Herzogin ihre Jugend zum größten Teil in Braunschweig verbrachte, wurde sie im Jahr 1756 mit Ernst August II. Constantin zu Sachsen-Weimar verheiratet, ein Schritt, der ihr ganzes zukünftiges Leben bestimmen und ihre Persönlichkeit prägen sollte.
2.1 Herkunft - Das Haus Braunschweig-Wolfenbüttel
Karl I. war seit 1735 der regierende Herzog Braunschweig-Wolfenbüttels und lehnte das mit 70 Quadratmeilen eher kleine und stark zersplitterte Fürstentum seitdem außenpolitisch eng an Preußen an 22 . Die wichtige Beziehung zu Preußen wurde mehrfach befestigt: zum einen durch die eigene Heirat Karls I. mit Philippine Charlotte, zum anderen durch die Ehe seiner Schwester Elisabeth Christine von Braunschweig mit Friedrich II. von Preußen und schließlich durch die Verbindung seiner Schwester Luise Amalie mit dem Preußenprinzen August Wilhelm 23 .
Karl I. bemühte sich, die Staatsverschuldung in seinem Fürstentum, welche hauptsächlich durch eine übergroße Armee verursacht wurde, im Sinne des Merkantilismus durch die Ansiedlung von Unternehmen, Etablierung von Manufakturen und die Vereinheitlichung des Steuerwesens einzudämmen 24 . Jedoch konnten die Schulden erst unter Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, welcher von 1780 bis 1806 regierte, mit Hilfe englischer Subsidien endgültig beseitigt werden. Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel wurde im 18. Jahrhundert das Zentrum der nordwestdeutschen Aufklärung, so lehrten unter anderen die Professoren Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, Johann Joachim Eschenburg, Karl Christian Gaertner, Justus Friedrich Wilhelm Zachariae und Johann Arnold Ebert am Collegium Carolinum in Braunschweig. Jerusalem und Ebert waren zudem als Lehrer der späteren Herzogin Anna Amalia tätig.
21 Vergleiche dazu u.a.: SCHEEL, Günter, Braunschweig-Wolfenbüttel und Sachsen-Weimar in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts - Dynastische, politische und geistige Beziehungen, in: RAABE, Beiträge, S.1-30, hier: S.3 [Im Folgenden kurz: SCHEEL, Beziehungen]; SEEMANN, Anna Amalia, S.11; BERGER, Biographie, S. 14; BERGER, Aufgeklärte Herzogin, S. 46.
22 Belege für Zahlenangabe: MODERZACK, Richard, Braunschweigische Stadtgeschichte, Band 1, Braunschweig 1985, S.69.
23 SEEMANN, Anna Amalia, S.11.
24 HENKEL, Stationen, S.17; SCHEEL, Beziehungen, S.2.
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Heinrich WALL schreibt in seiner Dissertation über „Die Entwicklung der deutschen Dichtung im 18. Jahrhundert und die Männer des Braunschweiger Kreises“ 25 und führt die wichtigsten, wenn auch nur die gedruckten Quellenschriften und die Forschungsliteratur zur Interpretation des Verhältnisses des Abtes Johann Friedrich Willhelm Jerusalem zu Anna Amalia auf. Seit WALL gibt es keine weitere Schrift, die noch einmal die Frage nach dem Einfluss des Abtes auf Anna Amalia im Zusammenhang der Beziehungen des Braunschweiger Hofes auch zu Weimar thematisiert hätte 26 . Die Quellen stellen nur eine dürftige Überlieferung der Zeugnisse über die Beziehung Anna Amalias zum Abt Jerusalem dar, so existiert kein überlieferter Briefwechsel zwischen Anna Amalia und Jerusalem - mögliche Briefe sind entweder verloren gegangen oder mit weiteren Familienpapieren des herzoglichen Hauses beim Brand des Schlosses zu Braunschweig im Jahr 1830 vernichtet worden 27 . Nur zwei überlieferte Briefe vom 6. Februar 1772 und vom 9. März 1772 des Abtes an Anna Amalia befinden sich im Staatsarchiv Weimar, und wurden bereits 1901 von Carl SCHÜDDEKOPF im Braunschweigischen Magazin veröffentlicht 28 . Diese Briefe gelten seither als die zentralen Belege für den erzieherisch-beratenden Einfluss Jerusalems auf Anna Amalia 29 . Jedoch zweifelt Gotthardt FRÜHSORGE „ein enges, im kontinuierlichen beratenden Austausch begründetes Vertrauensverhältnis zwischen dem Braunschweiger Prinzenerzieher und der Herzogin nach ihrem Weggang“ an 30 .
Johann Friedrich Willhelm Jerusalem (1709-1789) wird als ein „Mann des Überganges, an der Wende zweier Epochen“ bezeichnet 31 . Er tritt im Juni 1742 in den Dienst des braunschweigischen Herzogs Karl I., wird zunächst als Erzieher des Erbprinzen Karl Wilhelm Ferdinand verpflichtet und zudem mit verschiedenen Aufgaben zum Predigtamt berufen. Neue Quellenbefunde lassen die Funktion des „Gelehrten als Hofmann“ 32 deutlich hervortreten. Jerusalem übernahm seitdem auch die Erziehung
25 WALL, Heinrich, „Die Entwicklung der deutschen Dichtung im 18. Jahrhundert und die Männer des Braunschweiger Kreises“, Braunschweig 1925.
26 FRÜHSORGE, Gotthardt, Der Abt Jerusalem als Erzieher und Berater Anna Amalias, in: RAABE, Paul (Hg.), Wolfenbütteler Beiträge. Aus den Schätzen der Herzog August Bibliothek, Band 9, Wiesbaden 1994, S.55-65, hier: S.55 [Im Folgenden kurz: FRÜHSORGE, Abt Jerusalem].
27 Ebd., S.57.
28 SCHÜDDEKOPF, Herzogin.
29 FRÜHSORGE, Abt Jerusalem, S.57.
30 Ebd. S. 59; Vergleiche dazu auch: BERGER, Aufgeklärte Herzogin, S.54.
31 FRÜHSORGE, Abt Jerusalem, S.60.
32 Vergleiche im Titel: FRÜHSORGE, Gotthardt, Johann Friedrich Wilhelm: Der Gelehrte als Hof-Mann, in: POLLMANN, Klaus Erich (Hg.), Abt Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem (1709-1789). Beiträge zu einem Colloquium anlässlich seines 200. Todestages, Braunschweig 1991, S.43-51; Ein biographischer Artikel, der 1753 für einen nicht gedruckten Hofkalender angefertigt wurde, nennt Jerusalem seit 1742 mit der „Unterweißung des durchlauchtigsten Erbprinzen und der ältesten durchlauchtigsten Prinzessin“,
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Anna Amalias, noch vor ihrem dritten Lebensjahr 33 . In den von ihm jährlich verfassten Berichten an Herzog Karl I. 34 wird deutlich, dass der Unterricht der Fürstenkinder nicht nur aus einer schematischen Wissensvermittlung bestand, sondern individuell und situativ angepasst wurde. „Das Ziel dieser Erziehung war, ganz im Sinne einer aufgeklärten Pädagogik, die Vorbereitung auf die Pflichten des Erwachsenenlebens durch die Entwicklung und Förderung der jeweiligen Möglichkeiten des Kindes.“ 35 . Ein genauer Stundenplan für Anna Amalia ist nicht überliefert, sie wurde aber im Lesen, Schreiben, Rechnen, in Religion, Geographie und Latein unterrichtet, zudem in englischer und deutscher Sprache, Geschichte, Naturwissenschaften und Mathematik sowie in Zeichnen, Tanzen, Instrumenten- und Kompositionslehre 36 .
Über die ersten zehn Lebensjahre der Prinzessin ist nicht viel mehr bekannt, da aus dieser Zeit nur sehr wenige Quellen erhalten sind 37 . Ab 1748 wurde Anna Amalia gemeinsam mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Sophie Caroline Marie unterrichtet 38 . Im Oktober 1748 wurden die Prinzessinnen dem neuen Wolfenbütteler Hofkaplan Matthias Theodor Christoph Mittelstaedt 39 anvertraut. Einen eigens besoldeten Lehrer
also Carolines, beschäftigt. Vergleiche dazu NStAW VI Hs.10, Nr. 6, Bl.171; BERGER, Aufgeklärte Herzogin, S.51.
33 HENKEL, Stationen, S.18; SEEMANN, Anna Amalia, S.13.
34 Die Berichte von 1750 und 1751 sind fragmentarisch im Nachlass Jerusalems erhalten geblieben und abgedruckt bei: ZIMMERMANN, Paul, Abt Jerusalems Berichte über die Erziehung der Kinder Herzog Karls I. insbesondere des Erbprinzen Karl Wilhelm Ferdinand, in: Jahrbuch des Geschichtsvereins für das Herzogtum Braunschweig, 5. Jahrgang, 1906, S.129-164, hier: S.133-152.
35 HENKEL, Stationen, S. 18.
36 1757 wurde von Dorothea Henriette von RUNCKEL ein Fächerkanon für Fürstentöchter entwickelt, der neben Religion und „Sittenlehre“ auch Schreiben, Rechnen, Sprachen, Geografie, Tanzen und die „Vernunftlehre“ zum Erkennen der Wahrheit vorsieht. Weiterhin sollen die „nützlichen und angenehmen Kenntnisse“ wie Musik, Zeichnen, Poesie, Mythologie und Hauswirtschaft unterrichtet werden. Vergleiche zur Ausbildung von Fürstentöchtern: KLEINAU, Elke; MAYER, Christine (Hg.), Erziehung und Bildung des weiblichen Geschlechts. Eine kommentierte Quellensammlung zur Bildungs- und Berufsbildungsgeschichte von Mädchen und Frauen, Band 1, Weinheim 1996, S. 39-42 [Im Folgenden kurz: KLEINAU, Erziehung]; SEEMANN, Anna Amalia, S.15; BERGER, Biographie, S. 19; BERGER, Aufgeklärte Herzogin, S.55. Das Unterrichtsprogramm für Anna Amalia und ihre ältere Schwester Caroline entsprach in etwa der Praxis des Bayreuther Hofes; Vergleiche dazu ThHStAW A 67c, Bl.2; ThHSTAW A 67a, Bl.38-40.
37 BERGER, Aufgeklärte Herzogin S.46-48; SCHEEL, Beziehungen, S.8; BERGER, Biographie, S.19.
38 Prinzessinnen im 17. und 18. Jahrhundert wurden meist ohne Rücksicht auf den Altersunterschied und individuelle Fähigkeiten gemeinsam unterrichtet; Vergleiche dazu auch: MULTER, Rita, Pädagogische Perspektiven in deutsche Fürstenspiegeln und Erziehungsinstruktionen von Fürstinnen und für Fürstinnen in der Frühen Neuzeit, Diss. Eichstätt 1998, S.244f., 260, 263f., 266f. [Im Folgenden kurz: MULTER, Pädagogische Perspektiven].
39 Der Schulrektorensohn wurde 1712 im brandenburgischen Frisack geboren, hatte die Schule des Waisenhauses zu Halle besucht und an der dortigen Universität Theologie studiert. In den Jahren 1744 bis 1747 bekleidete er Pastorenstellen in Lübeck und Krahne. Den Kontakt zum braunschweigischen Geheimen Rat Schrader von Schliestdt stellte er im Juni 1748 über Otto Johann von Wittorf, dem Hofmeister des Erbprinzen, her. Schrader von Schliestedt war zu dieser Zeit der Berater Herzog Karls I. Die wichtigste Funktion Mittelstaedts am braunschweigischen Hof war die sonntägliche Predigt in der Schlosskirche vor der fürstlichen Familie, die er jeden dritten Sonntag im Monat an Hofprediger Jerusalem abtrat. Vergleiche dazu u.a.: FREIST, Friedrich Wilhelm, Die Pastoren der braunschweigischen
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für die Prinzessinnen konnte oder wollte sich das herzogliche Haus nicht leisten. Die Funktion des Oberaufsehers über die Erziehung der Prinzessinnen übernahmen keine adligen Hofmeister, wie allgemein üblich, sondern diese Funktion wurde von den Gouvernanten übernommen 40 . Mittelstaedt löste den Abt Jerusalem vor allem in der religiösen Unterweisung ab, die in der Prinzessinnenerziehung traditionell den höchsten Rang einnahm 41 . Ab dem Jahr 1748 erhielt Anna Amalia zudem Klavierunterricht vom Kapellisten und Kammermusikus J. Gottfried L. Schwanenberger 42 .
Im Jahr 1754 berichtete der Abt Jerusalem über Anna Amalia: „Glauben Sie aber jetzt nicht, dass ich Ihnen dieserwegen Recht gebe, Ihre Schwester Amélie ihr nachzusetzen. Sie müssen wissen, dass diese von ihrem 2en Jahre an meine heroine gewesen ist. Sie sollen auch Ihren caracter kennen. Sie hat die brillante Lebhaftigkeit nicht, aber eben den soliden Verstand, die feine Empfindung, das edele Hertz. [...] Sie wird daher vielleicht nie von allen gekannt werden, den sie wird auch ihre Wolthaten verbergen, aber denen, die das Glück haben ihr nahe zu seyn, wird sie allemal unendlich schätzbar seyn.[...]“ 43 . Diese Beschreibung klingt zunächst positiv, vergleicht man sie jedoch mit der älteren Schwester Sophie Caroline Marie, so wird deutlich, dass diese die eigentlich favorisierte Schülerin des Abtes Jerusalem war, da sie in allen höfischen Verhaltensweisen brillierte, während Anna Amalia wesentlich unsicherer und zurückhaltender war 44 .
Anna Amalias Vater, Herzog Karl I., wohnte dem Unterricht nicht bei, ihre Mutter Philippine Charlotte hingegen kontrollierte zumindest den Tanzunterricht 45 . Daneben nahmen die Kinder einmal am Tag eine gemeinsame Mahlzeit mit der Mutter ein, eine Sitte, die auch Anna Amalia später als Mutter weiterführen sollte 46 . Karl I. verabschiedete im Jahr 1748 lediglich einen von Jerusalem entworfenen Unterrichtsplan 47 als verbindliche Vorgabe 48 .
evangelisch-lutherischen Landeskirche seit Einführung der Reformation, Bd.2, Wolfenbüttel 1974, S.207; BERGER, Aufgeklärte Herzogin, S.54f.
40 BERGER, Aufgeklärte Herzogin, S.55.
41 MULTER, Pädagogische Perspektiven, S.142, 153, 157, 163f.
42 Besoldungsquittungen für Schwanenberger in: NStAW 4 Alt 19, Nr. 1435.
43 SCHÜDDEKOPF, Herzogin, S.73; BERGER, Biographie, S.20.
44 SEEMANN, Anna Amalia, S.21.
45 BERGER, Aufgeklärte Herzogin, S.49; Philippine Charlotte schreibt in einem Brief an ihren Mann Herzog Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel (vor dem 5. Oktober 1748): „[...] les Enfans ont été très joli chacun selon sa portée.“, in: NStAW 1 Alt 22, Nr. 756, Bl. 166.
46 SEEMANN, Anna Amalia, S.15.
47 Es gilt zu bedenken, dass der Unterrichtsplan Jerusalems wahrscheinlich bis 1756 fortentwickelt wurde. Vergleiche dazu: BERGER, Aufgeklärte Herzogin, S.57.
48 Reskript Carls I. von Braunschweig-Wolfenbüttel an Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, „die Information der fürstlichen Kinder betreffend“, Wolfenbüttel 25.10.1748 (Konzept; das Original wurde
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Aus der Kindheit der späteren Herzogin sind zwei von Anna Amalia eigenhändig verfasste Dokumente überliefert. Aus dem Jahr 1746 existiert im Niedersächsischen Staatsarchiv Wolfenbüttel ein Brief an ihren Vater in französischer Sprache 49 . Dieser Brief ist eine Rechtfertigung für mangelhafte Lernerfolge und gleichzeitig eine Versicherung ihrer kindlichen Liebe: Sie liebe den Vater nicht weniger als ihre Geschwister, auch wenn ihre Leistungen mit denen derselben noch nicht Schritt halten können. Der zweite Brief vom 1. August 1748 ist ein Glückwunschschreiben der neunjährigen Prinzessin zum Geburtstag ihres Vaters 50 : „Mon très chèr Papa. Je ne puis vous présenter les prémices de ma plume dans un tems plus favorable, qu’en vous rendant les justes devoirs digne de l’honneur que j’ai d’être un très profond respect, Mon très chèr Papa,[…]. “ 51 .
Die wenigen vorhandenen Quellen zu Anna Amalias Kindheit und Jugendzeit lassen nur ein unvollständiges Bild von der Herzogin entstehen. Sie deuten jedoch nicht auf eine außergewöhnliche und dramatische Jugend hin, wie dies überwiegend in der älteren biographischen Literatur als Tatsache berichtet wird 52 .
Am 28. Dezember 1754 wurde Anna Amalia in der Schlosskirche zu Wolfenbüttel von Mittelstaedt 53 konfirmiert und tat damit einen wichtigen Schritt in die Mündigkeit 54 . Im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar wurden autobiographische Aufzeichnungen Anna Amalias 55 gefunden, die Volker WAHL als ein wertvolles Selbstzeugnis von der Hand der Weimarer Herzogin im Bild veröffentlich hat 56 . Diese Aufzeichnungen stehen unter der Überschrift „Meine Gedanken“ und wurden im Nachlass Johann Wolfgang Goethes gefunden. Es handelt sich hierbei um 4 beidseitig beschriebene Blätter, von denen die Forschung annimmt, dass sie um 1772 entstanden sind 57 . Dafür spricht der Tod des Geheimen Rats Johann Poppo von Greiner (1708-1772) 58 , über welchen Anna
am 26.10.1748 zugestellt), NStAW 2 Alt 71, Bl. 2; Jerusalems Entwurf des Unterrichtsplans, ohne Datum: ebd., Bl. 3-10; BERGER, Biographie, S.20; BERGER, Aufgeklärte Herzogin, S.51.
49 NStAW 1 Alt 24, Nr. 304, Blatt 2a-3a.
50 NStAW 1 Alt 24, Nr. 304, Bl. 4a-5b.
51 Abgedruckt bei: SEEMANN, Anna Amalia, S.16f.
52 Vergleiche dazu u.a.: BORNHAK, Briefwechsel, S.6; HASSEL, Henriette, Geschichte der Deutschen Frauenwelt in der Culturbewegung der Zeiten bis zur Gegenwart. Mitgabe für Frauen und Töchter der gebildeten Stände, Braunschweig 1898, S.305; BODE, Amalie, S. 2f.; HEUSCHELE, Begründerin, S.38f.; ARMENAT, Gabriele, Frauen aus Braunschweig, Braunschweig 3 1991, S.46.
53 BERGER, Aufgeklärte Herzogin, S.59.
54 SCHÜDDEKOPF, Herzogin, S.73-76.
55 Die Handschrift Anna Amalias wird im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar unter der Signatur GSA 36/VII, 18 aufbewahrt.
56 WAHL, Meine Gedanken, S.102-116.
57 WAHL, Meine Gedanken, S.99.
58 Zum Geheimen Rat und Geheimen Consilium vergleiche Kapitel 3.1.1 dieser Arbeit.
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Amalia als väterlichen Freund mit viel Liebe in ihren Aufzeichnungen schreibt: „Ich fand endlich ein(en) Freund mit aller der Freude, die man empfindet, wenn man einen Schatz gefunden hat. Wie glücklich und wie froh war ich! Mit Freuden unternehme ich, von diesen ehrwürdigen Man zu sprechen und meine Dankbarkeit gegen ihn der ganzen Welt bekannt zu machen. Er hieß Greiner, war Geheimder Rath und saß mit in dem Geheimde Conseille. [...] Dieses war der Mann, in deßen Arme ich mich warf, ich liebte ihm als meinen Vater.“ 59 . Anna Amalia befand sich zu dieser Zeit in einer persönlich schwierigen Situation. Sie führte, 33 Jahre alt und bereits seit 14 Jahren verwitwet, die Regierungsgeschäfte 60 und die Vormundschaft über ihre Söhne Carl August und Constantin 61 .
Anna Amalia wurde seit frühester Kindheit im Hinblick auf ihren fürstlichen Stand auf ihre zukünftigen Aufgaben am Hof vorbereitet, worüber sie in ihren autobiographischen Aufzeichnungen berichtet: „Meine Erziehung zielte auf nichts weniger, als mich zu eine(r) Regentin zu bilden. Sie war, wie alle Fürstenkinder erzogen werden. Diejenigen, die zu meiner Erziehung bestimmt waren, hatten noch selbst nöthig, gouverniret zu werden. Eine Person, die sich völlig ihren Leidenschaften überließ, war die, die ein junges Herz führen sollte. Sie hatte leider viele Leidenschaften, folglich auch viele Launen, die ich allein entgelten musste. Nicht geliebt von meinen Eltern, immer zurückgesetzt, meinen Geschwistern in allen Stücken nachgesetzt, nannte man mich nur den Ausschuß der Natur. [...] Es brachte mich öfters zur Verzweiflung sogar, dass ich einmahl mir das Leben ne(m)en wollte.“ 62 .
In dieser Passage kommt deutlich zum Ausdruck, dass Anna Amalia darunter gelitten hatte, dass die Eltern ihre ältere Schwester Sophie Caroline Marie bevorzugten 63 und dass diese „von der Natur aus mit den äußeren Vorzügen des weiblichen Geschlechts vorzüglicher ausgestattet war“, während sie sich nur überdurchschnittlicher geistiger Fähigkeiten rühmen konnte 64 . Dieses Trauma hat die Prinzessin ihr ganzes Leben lang begleitet, aber andererseits war ihre Mutter für sie die wichtigste Bezugsperson 65 .
59 Anna Amalia, Autobiographisches Fragment, GSA 36/VII, 18; zitiert nach WAHL, Meine Gedanken, S.112-114.
60 Zur Vormundschaftsregierung Anna Amalias vergleiche Kapitel 3 dieser Arbeit.
61 HENKEL, Stationen, S.21.
62 Anna Amalia, Autobiographisches Fragment, GSA 36/VII, 18; zitiert nach WAHL, Meine Gedanken, S.106.
63 Es kann aber nicht als gesichert gelten, dass die Mutter Philippine Charlotte Anna Amalias Schwester Caroline bevorzugte. Vergleiche dazu HENKEL, Stationen, S.22.
64 SCHEEL, Beziehungen, S.10; HENKEL, Stationen, S.22.
65 NStAW 1 Alt 5 Nr. 784, Blatt 32, 58-78; NStAW 1 Alt 25 Nr. 291, Blatt 6, gedruckt in: DROYSEN, Hans (Hg.), Aus den Briefen der Herzogin Philippine Charlotte von Braunschweig, Band 1 (1732-1768),
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2.2 Hochzeit mit Ernst August II. Constantin zu Sachsen-Weimar-Eisenach im Jahr 1756
Als am 19. Januar 1748 der Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar starb, hinterließ er als Waisenkind den damals elfjährigen Erbprinzen Ernst August II. Constantin (geb. 1737) sowie einen stark verschuldeten Staat. Über die Vormundschaft für den minderjährigen Erbprinzen verhandelte man nicht nur vor dem Reichshofrat in Wien, sondern auch auf dem Reichstag in Regensburg 66 , so dass auch das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel mit dieser Angelegenheit befasst war. Die Vormundschaft 67 über den jungen Prinzen wurde sowohl von Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1699-1772) als auch von Herzog Franz Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1697-1764) beansprucht. Am 17. September 1749 wurde ein Vergleich 68 geschlossen, welcher bestimmte, dass Franz Josias von Coburg die vormundschaftliche Regierung in Weimar, Friedrich III. von Gotha hingegen jene dem mit Weimar verbundenen Fürstenhaus Eisenach führen sollte 69 .
Der Erbprinz war häufig krank, so dass man seinen baldigen Tod befürchtete und daher in Weimar beschloss, möglichst rasch für Ernst August II. Constantin die Volljährigkeitserklärung, die „venia aetatis“ 70 , durch den Kaiser in Wien zu erhalten und ihn dadurch zu einer Heirat zu ermutigen. Nachdem Ernst August II. Constantin im Jahr 1755 die Regierung im Fürstentum Sachsen-Weimar übernommen hatte, sandte der Direktor des Weimarer Obervormundschaftskollegiums Carl Gustav von Mandelsloh am 2. Februar 1755 einen Brief an Herzog Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel: er teilte Ernst August II. Constantins Absicht mit, eine der Töchter Karls I. zu heiraten und bat um ein Bild der von ihm für diese Heirat auszuwählenden Tochter 71 .
Offensichtlich erhielt Mandelsloh eine positive Antwort aus Braunschweig, denn bereits am 10. Februar 1756 brach Ernst August II. Constantin mit seinem ehemaligen Erzieher und nunmehr leitenden Minister Heinrich Reichsgraf von Bünau und dem Hofrat Jacob
Wolfenbüttel 1916 (Quellen und Forschungen zur braunschweigischen Geschichte 8), S.136-139 [Im Folgenden kurz: DROYSEN, Briefe]; SCHEEL, Beziehungen, S.11.
66 Vergleiche HUSCHKE, Wolfgang, Politische Geschichte von 1572-1775. Die Weimarischen Nachfolgestaaten, in: PATZE, Hans; SCHLESINGER, Walter (Hg.), Geschichte Thüringens, Band 5,1,1, Köln und Wien 1982, S.251-388, hier: S.304 [Im Folgenden kurz: HUSCHKE, Politische Geschichte].
67 Zur Vormundschaft über Ernst August Constantin (1748-1756) und dessen Regierung (1756-1758) vergleiche: MENTZ, Georg, Weimarische Staats- und Regentengeschichte vom Westfälischen Frieden bis zum Regierungsantritt Carl Augusts, Jena 1936, S.32-38 [Im Folgenden kurz: MENTZ, Staats- und Regentengeschichte]; HUSCHKE, Politische Geschichte, S.367-374.
68 Text des Vergleichs: NStAW 1 Alt 5 Nr. 779, Bl. 140-143.
69 SCHEEL, Beziehungen, S.4f.
70 Vergleiche dazu: SEEMANN, Anna Amalia, S.32.
71 NStAW 1 Alt 24 Nr. 304, Bl. 6-7a.
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Maria Moeßner, 2008, Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar (1739-1807), München, GRIN Verlag GmbH
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