Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Kommunikative Missverständnisse: 4
3. Verwendung des Wortes „Missverständnis“: 6
4. Äußere Ordnung - Missverständnistypen: 8
5. Innere Ordnung - Binnenstruktur von Missverständnissen: 11
5.1 Aufspüren von Missverständnissen im Gespräch: 12
5.2 Missverständnisindikatoren: 12
5.3 Umgang mit Missverständnissen im Gespräch: 13
5.4 Missverständnisklärung: 15
6. Unechte Missverständnisse: 16
7. Konzept der Gesichtskontrolle / Kooperative Gesprächsleistungen: 17
8. Schluss: 20
9. Literaturverzeichnis. 22
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1. Einleitung
Missverständnisse. Jeder produziert welche, jeder verwendet den Begriff, jeder hat darunter zu leiden. Sie geschehen auf allen möglichen Ebenen des kommunikativen Miteinanders. Sowohl in der alltäglichen Kommunikation am Frühstückstisch treten sie auf, als auch im diplomatischen Austausch hoher politischer Kreise waren sie schon die Ursache für so manche heikle Situation.
Diese Hausarbeit wird sich nun vornehmlich den Missverständnissen in Gesprächen im Rahmen der Gesprächsanalyse widmen und sich im Hauptteil mit Missverständnistypen sowie der Struktur dieser eigenen Gesprächssequenzen auseinander setzen. Im Einzelnen folgt einem ersten Kapitel, das sich definitorisch dem Begriff des „kommunikativen Missverständnisses“ zu nähern versucht, eine Betrachtung, in welchen Kommunikationssituationen und mit welchen Bedeutungsabsichten das Wort „Missverständnis“ im Sprachgebrauch verwendet werden kann. Die beiden anschließenden Kapitel bilden dann das Mittelstück und zudem den Schwerpunkt dieser Hausarbeit. Zunächst wird anhand von Beispielen auf unterschiedliche Typen von Missverständnisse, die sich grob in manifeste und verdeckte aufteilen lassen, eingegangen, um sich danach der Binnenstruktur von Missverständnissen zuzuwenden. Dies geschieht in vier Einzelaspekten , die jeweils in einem Unterkapitel behandelt werden. In nachstehender Reihenfolge: zuerst das Aufspüren von Missverständnissen im Gespräch, dann Missverständnisindikatoren, an dritter Stelle der Umgang mit Missverständnissen im Gespräch und schließlich die Missverständnisklärung. Nachdem im folgenden fünften Kapitel auf unechte Missverständnisse als Mittel kommunikationsstrategischen Handelns eingegangen wird, bildet die Auseinandersetzung mit dem Konzept der Gesichtskontrolle und kooperativen Leistungen im Gespräch, explizit in Missverständnissituationen, den abschließenden Teil dieser Hausarbeit. Literatur zum Gegenstand der Gesprächsanalyse ist zwar im umfangreichen Maße vorhanden, das Thema „Missverständnis“ wird aber im Großen und Ganzen dabei ausgeklammert. Die Ausnahme hierbei bildet jedoch die Arbeit Volker Hinnenkamps über „Missverständnisse in Gesprächen“, die nicht nur den gleichen Titel wie diese Hausarbeit besitzt, sondern auch als Leitfaden meiner Bemühungen gedient hat.
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2. Kommunikative Missverständnisse:
Im Prozess der Kommunikation sind alle Beteiligten gemeinsam am Entstehen des Sinns dieser jeweiligen Kommunikationssituation beteiligt. Verständigungsprobleme auf der Inhaltsebene wie auch auf der Beziehungsebene führen allerdings oft dazu, dass der Sinn der gemachten Aussagen von einer der agierenden Parteien nicht erkannt wird oder erkannt werden kann. Dazu Knoblich:
„Das sprachliche Missverständnis ist jene Fehlleistung, die darin besteht, dass ein Sprachteilhaber nicht den gleichen Sinn mit einem Wortbestandteil, einem Wort oder einer Äußerung verbindet wie ein anderer oder die Gesamtheit der Mitteilhaber es bislang taten.“ (Knobloch 1968: 237)
Ein kommunikatives Missverständnis liegt vor, wobei die meisten davon auf Verhörern und Referenzproblemen basieren. Auch Mehrdeutigkeiten stellen eine Ressource von Missverständnissen dar. Selting umschreibt in diesem Sinne das Missverständnis als Verständigungsproblem, das auf das Verstehensproblem eines der Teilnehmer zurückzuführen ist, aber beide Kommunikationspartner im Gespräch betrifft. „Von Missverständnissen wird hier gesprochen, wenn Verständigungsprobleme darauf zurückgehen, dass beide Interaktionspartner als Rezipienten wechselseitig die Bezugsäußerungen des anderen nicht bzw. nicht der Verwendungsweise des Produzenten gemäß verstanden haben. In diesem Sinne sind Missverständnisse als wechselseitige Verständigungsprobleme beider Teilnehmer definiert, die auf je einseitige Verstehensprobleme zurückgehen.“ (Selting 1987: 147)
Die auch von Selting gebrauchten Formulierungen „Verstehen“ und „Verständnis“, beziehungsweise die negativen Ausdrücke „Missverstehen“ und „Missverständnis“ sollten noch voneinander abgegrenzt werden. Im Gegensatz zum Missverstehen besteht nämlich beim Missverständnis durchaus ein Verstehen, aber, und das ist der Unterschied, ein Falsches. Missverständnisse sind folglich Umwege des Verstehens, die einen Mehraufwand, eine Bearbeitung und eine Korrektur der Kommunikationsteilnehmer erfordern, um das Gespräch auf den rechten Weg zurückzuführen. (vgl. Hinnenkamp 1998: 12) Situations- und Kontextgebundenheit der Sprache, unterschiedliche Wissensstände der Gesprächspartner sowie Mehrdeutigkeiten auf allen Ebenen der Kommunikation sind natürliche und notwendige Bestandteile zwischenmenschlicher Kommunikation. Allerdings erweisen sich insbesondere aufgezählte Faktoren oft als Stolpersteine in der alltäglichen Kommunikationspraxis und führen regelmäßig zu Missverständnissen. Schwarz definiert diese Missverständnisse der Bedeutungsebene recht prägnant:
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„Die Missverständnisse auf der Bedeutungsebene beruhen entweder auf nicht-gleichen Zeichen- und Erkenntnisstand der Kommunikationspartner oder auf einer dem konkreten Kommunikationsereignis nicht adäquat angepassten kommunikativen Aktivität der Partner, die sich in nicht-adäquaten Sprachgestaltung durch den Sender und nicht-adäquate Dekodierungsleistung durch den Empfänger aufgliedern lässt.“ (Schwarz 1973. 153) Verständlich ist also nicht eine Äußerung oder ein Text für sich, sondern eine Äußerung oder ein Text für einen bestimmten Adressaten in einem bestimmten Zusammenhang. Verständlichkeit ist folglich zu einem beträchtlichen Teil eine Frage der wechselseitigen Abstimmung von Kommunikationspartnern. Auf der einen Seite wird ein reflektierter Sprecher die Art und Weise seiner Aussage gezielt darauf abstimmen, welche Annahmen er über Fähigkeiten, Wissen und Annahmen seines Gegenübers macht. Auf der anderen Seite muss sich der Hörer umgekehrt beim Verstehen und Interpretieren der Äußerungen des Sprechers auf seine eigenen Annahmen über Fähigkeiten, Wissen und Annahmen des Gegenübers stützen. Diese Verschränkung der Wissensbestände, das so genannte gemeinsame Wissen der Gesprächspartner, spielt eine grundlegende Rolle beim Kommunizieren in Bezug auf die Verständlichkeit. (vgl. Schäflein-Armbruster 1994: 494) Missverständnisse können nun genau an den Schnittstellen auftreten, an denen dieses gemeinsame Wissen, das in der Gesprächssituation vorausgesetzt wird, Lücken aufweist oder gestört ist. Lavric fasst diesen Gedanken auf:
„Missverständnisse beruhen auf falscher Partnereinschätzung (seitens des Sprechers meist bezüglich des Vorwissens, seitens des Hörers bezüglich der Intention).“ (Lavric 1990: 40) Kommunikanten bedürfen ständig der Indizien und Signale, die es ihnen erlauben, intendierte Schlussfolgerengen zu ziehen und Deutungen zu tätigen, um im Endeffekt den Sprecher zu verstehen. Nicht immer wird dabei nur mit Worten etwas gesagt, sondern auch Präsuppositionen, Implikationen sowie paralinguistische und nonverbale Mittel kommen zum Einsatz und haben Einfluss auf die Kommunikation. (vgl. Hinnenkamp 1998: 177) Auch aus diesen genannten Formen können Missverständnisse resultieren, sobald einer der Kommunikationsteilnehmer Probleme mit der richtigen Deutung des Gemeinten hat. Gumperz spricht in diesem Zusammenhang von „Kontextualisierungshinweisen“: „…die Bedeutungen von Kontextualisierungshinweisen (sind) implizit; man kann nicht direkt über sie reden. Ihr Wert als Signale sind davon abhängig, dass sich die Beteiligten stillschweigend ihrer Bedeutsamkeit bewusst sind. Solange alle Beteiligten die relevanten Hinweise bemerken und verstehen, gibt es kein Problem. Wenn ein Hörer allerdings einen
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Hinweis nicht bemerkt oder sich über seine Funktion nicht im Klaren ist, können die Interpretationen differieren und Missverständnisse auftreten.“ (Gumperz 1978: 118) Darüber hinaus besteht das Phänomen der interkulturellen Missverständnisse. Diese entstehen, wenn Angehörige zweier verschiedener Kulturen die Kontakt- und Interaktionssituation, in der sie einbezogen sind, unterschiedlich und widersprüchlich interpretieren und dementsprechend handeln. Dies ist der Fall, wenn die Kommunikationsakteure aus zwei untereinander fremden, historisch unterschiedlich geprägten Erfahrungsräumen stammen und keinen gemeinsamen subjektiv gemeinten Sinn besitzen, so dass sie in zwei kaum zu vereinbarenden Entschlüsselungsmechanismen operieren. (vgl. Hinnenkamp 1998: 60) Kommunikationsbarrieren bestehen folglich, wenn die Partner unterschiedliche Codes benutzen. Dies ist allerdings nicht nur dann der Fall, wenn Ausländer mit Einheimischen sprechen, sondern auch unter Einheimischen gelten unterschiedliche Codes wie die verschiedenen Dialekte. (vgl. Löffler 1994: 42). Komplizierter wird es dagegen, wenn vordergründig dieselbe Sprache gesprochen wird, aber unterschiedliche Kommunikationsgewohnheiten aufeinander stoßen. Diese äußern sich beispielsweise in unterschiedlichen Verhaltensweisen und Gesprächsbenehmen, die man mit dem Volkscharakter, der Geschlechtszugehörigkeit, mit unterschiedlichen historischen Entwicklungen und Erziehungs- und Verhaltensstilen im Elternhaus, in der Schule und der Öffentlichkeit in Zusammenhang bringt. Genannte subkulturelle Unterschiede bringen dann vielfach Missverständnisse auf der Beziehungsebene mit sich. (vgl. Löffler 1994: 44) Missverständnisse, in den bis hier aufgezeigten Formen, erweisen sich als Störungen des Kommunikationsablaufs und sind, wo sie auftauchen, Hindernisse im Gesprächsverlauf, die es gilt auszuräumen und zu überwinden.
Dies ist möglich, da anders als bei den Bedingungen und Regeln, die die natürliche Gesprächskommunikation , d.h. dialogisches, sprachliches Handeln in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, bestimmen und in der Kommunikation weitgehend unbewusst praktiziert werden, neben Kommunikationskonflikten auch bei Missverständnissen,
ansatzweise und auf den Einzelfall bezogen, über eben jene Regeln reflektiert wird. (vgl. Brinker / Sager 2006: 19)
3. Verwendung des Wortes „Missverständnis“:
Nicht nur im alltäglichen Sprachgebrauch wird das Wort „Missverständnis“ ab und an genutzt. Insbesondere, so ist meine Einschätzung, begegnet uns die Verwendung des Wortes bemerkenswert oft im öffentlichen Leben in den Medien, wenn beispielsweise ein Vertreter
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Arbeit zitieren:
Stefan Schusterbauer, 2006, Missverständnisse in Gesprächen, München, GRIN Verlag GmbH
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