Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI
Abk ürzungsverzeichnis VII
1 Solarstrom aus dem Munitionsdepot 1
1.1 Zielstellung Nutzen und Verwertbarkeit der Ergebnisse 2
1.2 Methode und Aufbau 2
1.3 Zusammenarbeit mit anderen Stellen. 3
2 Standortbeschreibung 4
2.1 Geographie 4
2.2 Fauna und Flora 8
2.3 Gebäudebestand 14
2.3.1 Lagerbunker 16
2.3.2 Lagerhäuser 18
2.3.3 Betriebsgebäude 22
2.4 Wegenetz und Rangierflächen 26
2.5 Wasser- und Stromversorgung 26
2.6 Entwässerung 27
2.7 Umzäunung 27
2.8 Altlasten 28
3 Anlagenplanung 29
3.1 Funktionsprinzip Photovoltaik 29
3.2 Sonneneinstrahlung 31
3.3 Modulorientierung 36
3.4 Verschattung 40
3.5 Modulstandorte 41
3.6 Systeme und Komponenten 45
3.7 Montagesysteme 47
3.8 Nachführanlagen 54
3.8.1 Technische Anforderungen und Auswahl 54
3.8.2 Mindestabstand 58
3.9 Solarmodule 60
3.10 Wechselrichter 64
3.10.1 Auslegungsprogramm Sunny Design 65
3.10.2 Anlagenauslegung 66
III
Inhaltsverzeichnis
3.10.3 Ergebnis 72
3.11 Verkabelung 74
3.11.1 Solarkabel und Anschlusskontakte. 74
3.11.2 Auslegung 76
3.11.3 Leitungsnetz im Depot 77
3.12 Blitzschutz 77
3.13 Einspeisezähler 78
4 Vorarbeiten 80
4.1 Vermessung 80
4.2 Totholzbeseitigung. 81
4.3 Rodung 83
4.4 Zaunbau 84
4.5 Dachflächenräumung 85
4.5.1 Bodenabtrag 85
4.5.2 Verfahrenstechnik 86
4.5.3 Schutzanstrich 88
4.5.4 Luftschächte und Blitzableiter 88
4.5.5 Reinigung der Montageflächen 88
4.6 Abfallbeseitigung und Kehrarbeiten 89
4.7 Wild und Jagd 89
5 Ausgleichsmaßnahmen 91
6 Landschaftspflege 93
6.1 Aufgabenstellung 93
6.2 Einsatz von Weidetieren 95
7 Schlussbetrachtung 103
7.1 Zusammenfassung 103
7.2 Weiterer Arbeitsbedarf 114
Glossar 116
Literaturverzeichnis 124
Anlagenverzeichnis 130
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Luftaufnahme Depot Nottebrock und Umgebung
Abb. 2: Besondere Tierarten
Abb. 3: Vegetation und Landschaftsbild
Abb. 4: Bunker Typ B 205 Frontansicht
Abb. 5: Bunker Typ B 119 - Frontansicht
Abb. 6: Bunkertypen B 119 und B 205 - Rückansicht
Abb. 7: Lagerhaus Typ 843 mit Schutzmauern im Torbereich
Abb. 8: Lagerhaus Typ 571.
Abb. 9: Lagerhaus Typ 513.
Abb. 10: Lagerhaus Typ 109.
Abb. 11: Lagerhaus Typ 78 mit Schutzwällen
Abb. 12: Lagerhäuser Typ 27 - Nissenhütten
Abb. 13: Inspektionshalle
Abb. 14: Garage im Zufahrtsbereich des Depots
Abb. 15: Wachgebäude
Abb. 16: Hundezwinger mit Futterhaus
Abb. 17: Depotumzäunung mit Scheinwerferanlage
Abb. 18: Stromerzeugung in einer Silizium-Solarzelle
Abb. 19: Photovoltaikanlage
Abb. 20: Photovoltaikpotenzial europäischer Länder
Abb. 21: Photovoltaikpotenzial in der Region Münster
Abb. 22: Jährliche Sonneneinstrahlung horizontale PV-Module
Abb. 23: Jährliche Sonneneinstrahlung neigungsoptimierte PV-Module
Abb. 24: Standort für Solarmodule Montagefläche
Abb. 25: Standorte für Solarmodule auf dem Bunkerareal
Abb. 26: Leistungsvergleich starrer zu nachgeführter Photovoltaikanlage
Abb. 27: Sonnenstand im Laufe des 21.06. und 21.12.07
Abb. 28: Sonnenstand bezogen auf Bunker C7 am 21.06.07
Abb. 29: Sonnenstand bezogen auf Bunker C7 am 21.12.07
Abb. 30: Zweiachsige Nachführanlage Solar-Trak 1000
Abb. 31: Größenunterschied Nachführanlage ST 1000 und ST 2000
Abb. 32: Verschattungsberechnung Mindestabstand Nachführanlagen
Abb. 33: Mindestabstand und Montageposition der Nachführanlagen
Abb. 34: Photovoltaikmodul Kyocera KD210GH-2P
Abb. 35: Programmoberfläche Sunny Design Schritt 1
V
Abk ürzungsverzeichnis
Abb. 36: Programmoberfläche Sunny Design Schritt 2 69
Abb. 37: Programmoberfläche Sunny Design Schritt 3 70
Abb. 38: Programmoberfläche Sunny Design Schritt 4 71
Abb. 39: Wechselrichter SMA Sunny Mini Central 10000 TL 72
Abb. 40: Solarkabel und Solarsteckverbinder. 76
Abb. 41: Einspeisezähler 79
Abb. 42: Totholz. 82
Abb. 43: Landschaftspflegerischer Handlungsbedarf 94
Abb. 44: Moorschnucken und Harzziege 99
Abb. 45: Die Sonne eine unerschöpfliche Energiequelle 113
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Geographische Daten Depot Nottebrock 5
Tab. 2: Fauna im Depot Nottebrock 10
Tab. 3: Pflanzenvorkommen im Depot Nottebrock 13
Tab. 4: Gebäudebestand im Depot Nottebrock 15
Tab. 5: Solarmodulneigung und Einstrahlung 37
Tab. 6: Geeignete Modulstandorte auf dem Bunkerareal 44
Tab. 7: Nutzbare Dachfläche 44
Tab. 8: Sonnenstand am 21.06. und 21.12.07 über Münster/Westf. 51
Tab. 9: Technische Daten Nachführanlage Solar-Trak 1000 55
Tab. 10: Technische Daten Photovoltaikmodul Kyocera KD210GH-2P 63
Tab. 11: Technische Daten Wechselrichter SMA Sunny Mini Central 73
Tab. 12: Materialaufkommen Bodenabtrag 86
Tab. 13: Ausgewählte Schafrassen zur Landschaftspflege Teil I 100
Tab. 14: Ausgewählte Schafrassen zur Landschaftspflege Teil II 101
Tab. 15: Ausgewählte Ziegenrassen zur Landschaftspflege 102
Tab. 16: Zusammenfassung Standortbeschreibung Teile I und II 104
Tab. 17: Zusammenfassung Anlagenplanung Teile I bis III 106
Tab. 18: Zusammenfassung Vorarbeiten 109
Tab. 19: Zusammenfassung Ausgleichsmaßnahmen und Landschaftspflege 110
Tab. 20: Planungs-Checkliste für eine netzgekoppelte PV-Anlage. 111
Tab. A-1: Vorgehensweise beim Bau einer netzgekoppelten PV-Anlage 131
Sofern bei Abbildungen und Tabellen keine abweichende Quellenherkunft angegeben
ist, handelt es sich um eigene Darstellungen.
VI
Abkürzungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
A Autobahn AC alternating current, Wechselstrom B Bundesstraße BfLR Bundesanstalt für Landeskunde und Raumforschung BLGL Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landschaftspflege BMJ Bundesministerium der Justiz BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland DC direct current, Gleichstrom EEG Erneuerbare-Energien-Gesetz (siehe auch Glossar) GIS Geographisches Informationssystem K Kreisstraße LB Lagerbunker LH Lagerhaus MBV NRW Ministerium für Bauen und Verkehr Nordrhein-Westfalen
mündl. mündlich
NABU Naturschutzbund Deutschland NH Nissenhütte NN Normalnull NRW Nordrhein-Westfalen PV Photovoltaik rd. rund St. Stück V Volt WR Wechselrichter
VII
1 Solarstrom aus dem Munitionsdepot
1 Solarstrom aus dem Munitionsdepot
Bereits im Jahr 1993 haben sich die britischen Streitkräfte aus ihrem bei Münster-Amelsbüren gelegenen Munitionsdepot Nottebrock zurückgezogen. Das bundeseigene Areal fiel danach in den Verantwortungsbereich der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die u. a. mit dem Flächen- und Gebäudemanagement staatlicher Liegenschaften betraut ist. 1
Da seitens des Militärs kein Bedarf mehr bestand, wurde fortan schwerpunktmäßig nach einem zahlungskräftigen Käufer für diese Immobilie gesucht. Infolge verschiedener Gründe, die hauptsächlich mit den rechtlichen und baulichen Gegebenheiten im Zusammenhang stehen, konnte das Depot bisher jedoch nicht veräußert werden. Aus gleichem Grund ergab sich bis dato abgesehen von Jagd und Forstwirtschaft auch keine geeignete Anschlussnutzung durch einen Pächter. Derzeit stehen allerdings zwei interessante, durchaus Erfolg versprechende Nutzungskonzepte für das ehemalige Depot der Royal Army zur Diskussion:
Eine Investorengemeinschaft plant, hier eine extensive Freilandhaltung von Schweinen einzurichten. Angedacht ist, eine robuste, lokale und im Bestand gefährdete Schweinerasse ganzjährig sowohl auf den vorhandenen Freiflächen als auch im Wald zu halten. Dieses Vorhaben war Thema der vorangegangenen Projektarbeit „Grundlagen und haltungstechnische Einrichtungen für die Schweinefreilandhaltung im Depot Nottebrock“. 2
Daneben besteht gegenwärtig die Überlegung, auf dem weitläufigen Bunkerareal der Liegenschaft, eine leistungsfähige Photovoltaikanlage zur Erzeugung und Einspeisung von Solarstrom in das öffentliche Versorgungsnetz aufzubauen. Deren Planung ist Gegenstand dieser Projektarbeit.
In Hinsicht auf die Standortbedingungen im Depot Nottebrock sind die extensive Schweinefreilandhaltung und der Betrieb einer Photovoltaikanlage grundsätzlich vereinbar. Beide Nutzungsvarianten lassen sich parallel im Depot umsetzen. Sie schließen sich unter den bestehenden Umständen nicht gegenseitig aus.
1 Siehe dazu www.bundesliegenschaften.de und www.bundesforst.de.
2 Vgl. Blumberger (2008), S. 1ff.
1
1 Solarstrom aus dem Munitionsdepot
1.1 Zielstellung utzen und Verwertbarkeit der Ergebnisse
Im Rahmen dieser Projektarbeit soll eine für das Munitionsdepot Nottebrock geeignete Photovoltaikanlage technisch geplant werden, die unter den vor Ort gegebenen Umständen in Ertrag bringender Weise realisierbar ist.
Die Ausführungen sollen einem potenziellen Anlagenbetreiber als technische Informationsbasis, bei der Erstellung einer PV-Anlagenausschreibung für das Depot sowie beim Vergleich von entsprechenden Händler- und Installateurangeboten dienen. Ferner wird mit der Projektarbeit auch Bauherren und Investoren unabhängig vom Depot Nottebrock, die sich für die Errichtung einer Photovoltaikanlage interessieren, eine praxisorientierte Übersicht der wichtigsten technologischen Grundlagen und notwendigen Anlagenkomponenten zur Verfügung gestellt. Die hier praktizierte Vorgehensweise lässt sich als Leitlinie bei der Planung ähnlicher Vorhaben heranziehen und unter Berücksichtigung der standörtlichen Voraussetzungen bedarfsgerecht adaptieren.
1.2 Methode und Aufbau
Die Planungsarbeit erfordert zunächst die Einarbeitung in die Grundlagen der Photovoltaik anhand der einschlägigen Fachliteratur. Daneben bieten sich fachbezogene Internetseiten und von Herstellern bereitgestellte, überwiegend praxisbezogene Informationsmaterialien zur Recherche und Auswertung an. Spezielle Sachverhalte werden nach Bedarf mit Fachleuten in persönlichen Gesprächen erörtert. Sofern es zweckmäßig erscheint, auch direkt vor Ort im Depot Nottebrock.
Im Zuge der objektbezogenen Anlagenplanung werden verschiedene Aufgaben mithilfe der Auslegungssoftware Sunny Design und dem Programm Schletter-Verschattungsberechnung ausgeführt. Diese branchenspezifischen Computerprogramme stellen die jeweiligen Hersteller für die Projektarbeit zur Verfügung.
Daneben sind verschiedene praktische Tätigkeiten im Depot notwendig. In erster Linie die Erfassung und Vermessung der im Fokus stehenden Gebäude. Außerdem ist in einigen Fällen die Anfertigung von Fotos auf dem Depotgelände angebracht, um auch
2
1 Solarstrom aus dem Munitionsdepot
optisch Zusammenhänge darstellen und bestimmte Eindrücke adäquat vermitteln zu können.
Die Arbeit gliedert sich in sieben Kapitel. Im anschließenden zweiten Kapitel werden verschiedene planungsrelevante Standortfaktoren erfasst und kurz beschrieben. Auf dieser Grundlage erfolgt die praxisbezogene PV-Anlagenplanung im dritten Kapitel. Im Vorfeld der Installation sind im Depot einige standortspezifische praktische Vorarbeiten notwendig, die in Kapitel vier dargestellt werden. Für das Nottebrock geeignete Ausgleichsmaßnahmen zum Bau einer Photovoltaikanlage stehen im fünften Kapitel im Vordergrund. Um den reibungslosen Anlagenbetrieb zu gewährleisten, sind im Hinblick auf die vielfältigen Wald- und Grünflächen vor Ort, bestimmte Landschaftspflegemaßnahmen durchzuführen. Diese werden in Kapitel sechs erörtert. Abschließend erfolgt eine zusammenfassende Schlussbetrachtung im siebten und letzten Kapitel. 3
1.3 Zusammenarbeit mit anderen Stellen
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIma), Dienststellen Münster und Dortmund, hat für den Zeitraum der Projektbearbeitung eine Betretungserlaubnis für die Liegenschaft Nottebrock erteilt. Außerdem hat die BIma Kartenmaterial und verschiedene das Depot betreffende Dokumente zur Auswertung bereitgestellt.
Eine Zusammenarbeit mit dem früheren Besitzer des Munitionsdepots, der britischen Armee, erfolgte nicht. Leider zeigte sich bereits bei der vorangegangenen Projektarbeit zur Schweinefreilandhaltung, dass bei den dort zuständigen Dienststellen kein infrage kommendes Material mehr verfügbar ist. 4
3 Die Abbildungen auf der Titelseite versinnbildlichen zentrale Themen der Arbeit das Bunkerareal
als vorgesehener Anlagenstandort; die Schafherde vor den Solarmodulen steht für die Aspekte
Umweltfreundlichkeit und spezielle Landschaftspflege; der Stromleitungsmast symbolisiert die Ein-
speisung des erzeugten Solarstroms in das öffentliche Versorgungsnetz. Fotos: (1) eigene Aufnahme,
(2) Langrock, (3) Verbund Wien.
4 Siehe dazu www.bfgnet.de.
3
2 Standortbeschreibung
2 Standortbeschreibung
In den folgenden Kapiteln werden verschiedene planungsrelevante Aspekte im Hinblick auf den Bau einer Photovoltaikanlage im Depot Nottebrock dargestellt. 5
Um den Gesamtkontext darzustellen, in den die geplante Anlage eingebettet sein wird, beschränkt sich die Betrachtung nicht ausschließlich auf den vorgesehenen Anlagen-standort auf dem Bunkerareal. Dagegen erscheint es zweckmäßig, das Depot insgesamt in den Fokus zu rücken. Auch deshalb, da im Rahmen eines eventuell notwendigen Baugenehmigungsverfahrens nicht nur die Einhaltung von technischen Vorschriften, sondern auch umweltbezogene ökologische Fragestellungen seitens der zuständigen Behörden überprüft werden insbesondere bei Anlagen im Außenbereich wie dem Depot Nottebrock.
2.1 Geographie
Das Depot Nottebrock ist ein etwa 26 ha (255.713 m²) umfassendes, früheres britisches Munitionsdepot. Ungefähr 9 ha dieser Fläche sind mit verschiedenen Bunkern, Lager-und Betriebsgebäuden bebaut bzw. in Form von Wegen und Rangierflächen baulich befestigt. Rund 17 ha des Areals bestehen aus begrünten Freiflächen und Mischwald.
Das Depot liegt auf 57,5 Metern über NN am nördlichen Rand des 2.228 ha großen Waldgebiets Davert im Kernmünsterland. Das Relief kann als eben, stellenweise mit aufgeschütteten Erdwällen, bezeichnet werden.
Seit der Außerdienststellung des Depots im Januar 1993 wurde das Areal, abgesehen von Holzeinschlag und Jagdbetrieb, nicht anderweitig genutzt. Infolgedessen ist das Gelände inzwischen stark verwildert. Daneben sind Schäden durch Vandalismus und Diebstahl von technischen Einrichtungen und Bauteilen festzustellen.
Mit Fahrzeugen ist die Liegenschaft über die Bundesstraße 54 sowie die Kreisstraßen 39 und 41 erreichbar. Darüber hinaus befinden sich die Bundesautobahnen 1 und 43, der Dortmund-Ems-Kanal sowie die Bahnlinie Dortmund-Hamm-Münster in unmittelbarer Nähe. Darüber hinaus verlaufen im Umfeld mehrere Reit-, Wander- und Radwege.
5 Vgl. Blumberger (2008), S. 7ff.
4
2 Standortbeschreibung
In südwestlicher Richtung liegen in wenigen Kilometern Entfernung die Gemeinden Davensberg und Ottmarsbocholt, östlich Rinkerode, im Norden Amelsbüren, Hiltrup und die kreisfreie Stadt Münster/Westfalen.
In der Tabelle 1 sind die wichtigsten geographischen Daten zum Depot Nottebrock zusammengefasst. 6
Tab. 1: Geographische Daten Depot Nottebrock
6 Vgl. Sabelus (1993), S. 1ff.; Landesvermessungsamt NRW (2003) Blatt 4111; BfLR (1960), S. 13f
5
2 Standortbeschreibung
Eine Luftaufnahme vom 10. 06. 2006 zeigt das Depot und dessen nähere Umgebung auf der Abbildung 1. Nutzungsart, Struktur und Größe der land- und forstwirtschaftlichen Flächen haben sich bis heute, ebenso wie Hofstellen und Verkehrswege, nicht wesentlich verändert. Lediglich im äußersten Nordwesten entsteht gegenwärtig ein neues Wohnbaugebiet. Infolgedessen wird sich zukünftig das Landschaftsbild in diesem Bereich deutlich wandeln.
Verschiedene bauliche Details der Liegenschaft sind auf dem beigefügten Lageplan (Anlage 3) eingezeichnet.
6
2 Standortbeschreibung
Abb. 1: Luftaufnahme Depot Nottebrock und Umgebung. Die Markierung zeigt annähernd den Verlauf der Umzäunung Sichthöhe 1780 m (Quelle: Google Earth, 2008)
7
2 Standortbeschreibung
2.2 Fauna und Flora
Es kann davon ausgegangen werden, dass die im angrenzenden Waldgebiet Davert heimischen Tierarten grundsätzlich auch im Depot Nottebrock dokumentierbar sind.
Bei einer faunistischen Kartierung wurden insgesamt 31 unterschiedliche Säugetierarten nachgewiesen. Dazu zählen typische Waldbewohner wie Baummarder, Dachs, Eichhörnchen und Rotfuchs neben Reh-, Schwarz- und Damwild. Weiter finden sich Niederwildarten wie Feldhase, Wildkaninchen und Fasan regelmäßig ein.
Das reichhaltige Alt- und Totholzdargebot begünstigt das Vorkommen von Höhlenbrütern wie dem seltenen Mittelspecht und anderen Spechtarten, der Hohltaube und verschiedenen Eulen. Die raue Borke alter Eichen, sich zersetzende tote Stämme, Kronenäste und verwaiste Spechthöhlen beherbergen alle neun in Deutschland nachweisbaren Fledermausarten. Insgesamt konnten 156 Vogelarten registriert werden. Genannt seien exemplarisch Waldschnepfe, Waldbaumläufer, Neuntöter, Eisvogel, Nachtigall, Pirol und Trauerschnäpper. In Baumgipfeln horsten Rotmilan, Mäusebussard, Wespenbussard, Habicht und Sperber. Rabenvögel wie die Saatkrähe, Rabenkrähe oder Eichelhäher und Elster gehen ebenfalls im Depot auf Nahrungssuche.
In den nass-feuchten Sumpfzonen und Moorbereichen, den zahlreichen Entwässerungsgräben und Kleingewässern leben diverse Amphibien. Darunter zahlreiche Frösche wie der Grasfrosch, Laubfrosch und verschiedene Molcharten, z. B. der Kammmolch. An trockenen Standorten leben Reptilien wie die Blindschleiche, Waldeidechse, Ringelnatter oder die Kreuzotter. Ferner kommen Libellen und Schmetterlinge in mannigfacher Vielfalt vor. Die vom Aussterben bedrohte Kleinlibellenart Helm-Azurjungfer oder der farbenprächtige Kaisermantel-Schmetterling sind besonders hervorzuheben.
Die Abbildung 2 zeigt verschiedene bestandsgefährdete Arten, die im Nottebrock noch regelmäßig anzutreffen sind. In der Tabelle 2 ist eine Auswahl der örtlich vorkommenden Tierarten mit ihren wissenschaftlichen Bezeichnungen aufgeführt. 7
7 Vgl. Beulting (2002), Internet; Infosystem Natura 2000 (2006), Internet; Jurisch (2006), Internet
8
2 Standortbeschreibung
Abb. 2: Besondere Tierarten: Wespenbussard, Mittelspecht, Kaisermantel, Helm-
Azurjungfer (Fotos: Grömping, Leillinger, Szczepanski, Kiel von links)
9
2 Standortbeschreibung
Auch der Baumbestand im Depot Nottebrock entspricht weitgehend dem Typus des benachbarten Waldgebiets Davert. Naturnahe, bodenständige Laubwaldgesellschaften unterschiedlicher Altersklassen, je nach Standort mit einer opulenten Kraut- und Strauchschicht, prägen das Erscheinungsbild. Stieleichen und Rotbuchen dominieren. Daneben stocken Rosskastanien, Ulmen, Eschen, Weißdorn und Holunder. Vornehmlich an feuchteren Standorten wachsen Erlen, Espen, Sandbirken und Weiden. Darüber hinaus finden sich Waldkiefern, Lärchen und Fichten. Nadelgehölze sind insgesamt nur in geringer Anzahl vorhanden.
Unterhalb des dichten Kronendaches gedeihen niedrigwüchsige Krautschichten mit genügsamen Arten wie Adlerfarn, Sauerklee, Zweiblättrige Schattenblume, Waldgeißblatt, Faulbaum, Dornfarn, Pfeifengras, Brombeere, Brennnessel sowie in nass-feuchten Zonen diverse Seggenarten. Die Abbildung 3 zeigt einen charakteristischen Ausschnitt des artenreichen Mischwalds im Depot sowie eine typische Freifläche. In der Tabelle 3 ist eine exemplarische Zusammenstellung der lokalen Pflanzenarten aufgeführt. 8
Durch den Bau und Betrieb der Photovoltaikanlage im Depot Nottebrock ist eine nachhaltige Beeinträchtigung der lokalen Artenvielfalt, etwa infolge einer Verschlechterung der Lebensbedingungen für bestimmte Tier- oder Pflanzenarten, nicht zu erwarten. Es muss zwar an den geplanten Anlagenstandorten die derzeit bestehende Vegetation verhältnismäßig kleinflächig beseitigt werden, aber gesetzlich geschützte seltene Pflanzenarten sind auf den betroffenen Montageflächen indes nicht vorzufinden. Insgesamt ist davon auszugehen, dass auch langfristig keine negativen Veränderungen im gegebenen Naturhaushalt eintreten. Die Photovoltaik ist eine äußerst umweltverträgliche Methode der Energiegewinnung. Dies gilt insbesondere im Nottebrock, da hier zur Installation der Anlagenkomponenten keine unversiegelten Flächen (Wald, Grünland oder Ackerboden) in Anspruch genommen werden. Ferner arbeitet die Photovoltaikanlage völlig emissionsfrei. 9
Dagegen ist damit zu rechnen, dass die Solarmodule regelmäßig durch Vogelkot und Laub der angrenzenden Waldbäume verunreinigt werden. Die damit entstehenden Verschattungen führen zu Ertragseinbußen. Mehr zu diesem Thema im Kapitel 3.4.
8 Vgl. Beulting (2002), Internet
9 Vgl. Schulhof (2008), mündl.; Sander (2008), mündl.; MHH (2008 a), S. 4
11
2 Standortbeschreibung
2.3 Gebäudebestand
Mit dem Bau des Munitionsdepots wurde bereits in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs 1944/45 begonnen. Die beanspruchte Bebauungsfläche war seinerzeit noch Reichseigentum. Sie wurde der damaligen britischen Besatzungsarmee unentgeltlich und auf unbestimmte Zeit überlassen. Der Großteil der heute noch vorhandenen Gebäude stammt aus dem Zeitraum 1954 bis 1985. 10
Auf dem Areal existieren derzeit insgesamt 151 Gebäude. Je nach ursprünglichem Verwendungszweck variieren Bauform, Abmessungen, Nutzfläche, Raumvolumen, technische Ausstattung, räumliche Lage und die Beschaffenheit der Zuwegung. Zum Bestand zählen 38 Munitionsbunker, 49 Munitionslagerhäuser, 60 Nissenhütten sowie vier unterschiedliche Betriebsgebäude. 11
Die Tabelle 4 zeigt eine Übersicht des Gebäudebestandes im Depot. In den anschließenden Kapiteln werden die unterschiedlichen Gebäudetypen kurz beschrieben.
10 Vgl. Sabelus (1993), S. 1ff.
11 Der Kanadier Peter Norman Nissen entwickelte 1916 im Auftrag der britischen Regierung die nach
ihm benannte Behelfsunterkunft für Soldaten. Vorgabe war, dass die Hütten von maximal vier
Männern in höchstens vier Stunden aus Fertigbauteilen zu errichten waren. Die Nissenhütten wurden
auch zur Lagerung von diversen Materialien errichtet. Vgl. Epoche 3 (2008), Internet
14
2 Standortbeschreibung
2.3.1 Lagerbunker
Auf dem Depotgelände existieren zwei von der Bauart ähnliche Bunkertypen, in denen die britischen Streitkräfte früher Panzer- und Artilleriemunition unterschiedlichen Kalibers gelagert haben. Es handelt sich um die in Deutschland vielfach errichteten Standardbaumuster der Typen B 205 und B 119.
Der Bunker B 205 ist ein eingeschossiger Lagerbunker in massiver Stahlbeton-Bauweise mit vier Lagerkammern, welche jeweils mit einem separaten Stahlschiebetor ausgestattet sind. Der Bodenbelag ist aus Gussbeton. Mehrere Stromanschlüsse sowie elektrische Beleuchtungseinrichtungen sind im Innenraum und außenseitig im Torbereich vorhanden. Die Belüftung erfolgt über regulierbare Öffnungen im Fußboden-und Deckenbereich. Die Wasserversorgung verläuft über Rohrleitungen, Hydranten und Zisternen. Die Zuwegung erfolgt über Asphaltwege und mit Betonsteinpflaster befestigte Rangierflächen. Zur Tarnung sind die Bunker mit einem geschlossenen Grasteppich bedeckt.
Die Abbildung 4 zeigt einen Bunker des Typs B 205 in der Frontansicht. Die Stahltore werden zur Seite aufgeschoben.
Abb. 4: Bunker Typ B 205 Frontansicht
16
2 Standortbeschreibung
Die Bunker des Typs B 119 sind, was die Bauausführung, technische Ausstattung, Zuwegung und Rangierfläche anbelangt, identisch mit dem vorgenannten Typ B 205. Einziges Unterscheidungsmerkmal ist, dass dieses Baumuster nur über einen Lagerraum verfügt, im Gegensatz zum Typ 205 mit vier Bunkerkammern. Dementsprechend hat dieser Typ statt vier Schiebetoren auch nur ein Tor.
Auf der Abbildung 5 ist ein Bunker des Typs B 119 mit geöffnetem Schiebetor abgebildet. Die nachstehende Abbildung 6 zeigt die Typen 205 und 119 rückseitig. Erkennbar ist zudem die lineare Anordnung der Bauwerke auf dem Gelände. Eine Gesamtübersicht vermittelt der Lageplan des Depots in Anlage 3.
Abb. 5: Bunker Typ B 119 Frontansicht
17
2 Standortbeschreibung
Abb. 6: Bunkertypen B 119 (links, mittig) und B 205 (rechts) Rückansicht
2.3.2 Lagerhäuser
Auf dem Gelände befinden sich ebenfalls militärbautechnisch standardisierte Lagerhäuser der Typen 843, 571, 513, 109, 78/77 und 27, die sog. Nissenhütten. Diese Leichtbauwerke sind für ältere Liegenschaften der britischen Armee aus der Nachkriegszeit kennzeichnend.
Nach Grundfläche und Raumvolumen sind die Lagerhäuser des Typs 843 die größten Gebäude des Depots. Es handelt sich um eingeschossige, freitragende Hallen aus Ziegelmauerwerk. Die Hallen sind innen nicht unterteilt, d. h., es existiert lediglich ein Lagerraum. Das zu beiden Seiten leicht abfallende Dach besteht aus Stahlbeton und einer zusätzlichen Bitumenbahnabdeckung. Der Bodenbelag ist aus Beton gefertigt. Beleuchtungseinrichtungen sind innen wie außen im Torbereich vorhanden. Des Weiteren verfügt dieses Baumuster über mehrere Belüftungsöffnungen im Fußboden und Deckenbereich, einen Strom- und Wasseranschluss sowie jeweils ein Stahlfalttor an den Kopfseiten. Zuwegung und Rangierflächen sind asphaltiert. Im Gegensatz zu allen anderen Gebäuden sind bei diesem Typ Schutzmauern zur Eindämmung von Sprengstoffexplosionen im Torbereich errichtet worden. Auf der Abbildung 7 ist der Gebäudetyp 843 dargestellt.
18
2 Standortbeschreibung
Abb. 7: Lagerhaus Typ 843 mit Schutzmauern im Torbereich.
Die Lagerhäuser der Typen 571, 513, 109, 78 und 77 sind - was ihre Bauweise, Material und technische Ausstattung betrifft - relativ gleichartig. Je nach Typ variieren hingegen Bauform, Raumvolumen und Nutzfläche. Die eingeschossigen, freitragenden Lagerhäuser wurden in Skelettbauweise aus Stahlbetonfertigteilen erstellt und zum Teil anschließend verputzt und mit einem Schutzanstrich versehen. Die Dächer bestehen ebenfalls aus Betonfertigteilen und einer zusätzlichen Abdeckung aus Bitumenbahnen. Alle Häuser verfügen jeweils nur über einen Lagerraum mit betoniertem Fußboden. Die Belüftung erfolgt über verschiedene Lüftungsöffnungen im Dachbereich. Stromanschlüsse (230-Volt, teilweise auch 380-Volt) und Beleuchtungseinrichtungen sind innen wie außen vorhanden. Die Wasserversorgung der Gebäude verläuft über direkte Leitungsanschlüsse bzw. über die Entnahme an Hydranten und aus Zisternen, die sich an mehreren zentralen Stellen auf dem Areal befinden. Der Zugang erfolgt bei allen Gebäuden über einfache Stahltore, beim Typ 571 ist ein zusätzliches Stahlflügeltor vor-handen. Als Zuwegungen dienen ausschließlich Asphaltwege. Die Rangierflächen im Bereich der Tore sind in gleicher Weise mit einem Asphaltbelag befestigt. Eine Ausnahme bilden hier die Lagerhäuser 78 und 77. Hier ist der Torbereich lediglich tiefgründig geschottert.
19
2 Standortbeschreibung
Aus Sicherheitsgründen wurden im direkten Umfeld der Lagerhäuser Erdwälle aufgeschüttet, die heute ähnlich wie bei den Bunkern, in vielfältiger Weise bewachsen sind. Die nachfolgenden Abbildungen 8 bis 12 zeigen die erwähnten Lagerhaustypen im gegenwärtigen baulichen Zustand.
Abb. 8: Lagerhaus Typ 571
Abb. 9: Lagerhaus Typ 513
20
2 Standortbeschreibung
Abb. 10: Lagerhaus Typ 109
Abb. 11: Lagerhaus Typ 78 mit Schutzwällen im Seitenbereich (Typ 77 identisch).
Auf den Abbildungen 10 und 11 sind im Seitenbereich Detonationsschutzwälle erkennbar. Diese Erdwälle wurden jeweils in U-Form bis etwa zur Höhe des Dachfirstes um die Lagerhäuser aufgeschüttet, um im Falle von Sprengstoffexplosionen Munitionssplitter und Druckwellen abfangen zu können.
21
2 Standortbeschreibung
Der Typ 27 Nissenhütte besteht im Wesentlichen aus verzinkten Wellblechelementen. Die Front- und Rückseiten wurden jeweils einreihig mit Klinker aufgemauert. Die Hütten verfügen über eine Holztür, Belüftungsöffnungen und einen Bodenbelag aus verdichtetem Schotter. Beleuchtungseinrichtungen sowie Strom- und direkte Wasseranschlüsse sind nicht vorhanden. Alle Hütten sind über das Wegenetz des Depots zugänglich. Im Umfeld der Nissenhütten wurde der Boden mit Schotter befestigt.
Eine Auswahl der baugleichen Hütten ist auf der Abbildung 12 dargestellt. Die Hütten stehen nicht einzeln verteilt auf dem Depotgelände, sondern zusammengefasst in 5er-Gruppen. Eine Übersicht dazu bietet der Lageplan in Anlage 3.
Abb. 12: Lagerhäuser Typ 27 - Nissenhütte
2.3.3 Betriebsgebäude
Neben den genannten Lagergebäuden befinden sich noch weitere Gebäude auf dem Gelände des Depots. Sie dienten seinerzeit nicht zur Einlagerung von Munition, sondern hatten verschiedene funktionelle Zwecke im Zusammenhang mit dem Betrieb des Depots inne. Es handelt es sich um eine Inspektionshalle, eine Garage, ein Wachgebäude sowie die früheren Hundezwinger mit angeschlossenem Futterhaus.
22
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Burkhard Blumberger, 2008, Planung einer netzgekoppelten Photovoltaikanlage im früheren Munitionsdepot Nottebrock, München, GRIN Verlag GmbH
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