Grundlagen und haltungstechnische Einrichtungen für die
Schweinefreilandhaltung im Depot ottebrock
Hochschule Anhalt (FH) – Sommersemester 2008
Zusatzprojekt im Fachgebiet Landtechnik und Bauwesen
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ............................................................................................VII
Tabellenverzeichnis ............................................................................................... VIII
Abkürzungsverzeichnis IX
1 Konversion britisches Munitionsdepot ottebrock 1
1.1 Schweinefreilandhaltung als Nutzungsalternative 2
1.2 Problem und Zielstellung 5
1.3 Methode und Aufbau 5
1.4 Zusammenarbeit mit anderen Stellen 6
2 Technische Infrastruktur........................................................................................7
2.1 Wegenetz und Rangierflächen 7
2.2 Trinkwasserversorgung 10
2.3 Elektrischer Strom 11
2.4 Gebäudebestand 11
2.4.1 Lagerbunker Typ 205 12
2.4.2 Lagerbunker Typ 119 13
2.4.3 Lagerbunker Typ 205 15
2.4.4 Lagerhäuser Typen 571 513 109 78 77 16
2.4.5 Lagerhaus Typ 27 Nissenhütte 20
2.4.6 Inspektionshalle und Garage 22
2.4.7 Wachgebäude 24
2.4.8 Hundezwinger und Futterhaus 26
2.5 Häusliches Abwasser 27
2.6 Entwässerungssystem 28
2.7 Umzäunung 30
2.8 Zusammenfassung 33
3 Haltungskonzept 36
3.1 Nutzfläche 39
3.1.1 Altlasten und Entsorgungsmaterial 39
3.2 Tierbestandsgröße 40
3.3 Schweinerasse 41
3.4 Futtermittel 42
3.5 Abferkel- und Aufzuchtställe 44
3.6 Familienställe 45
3.7 Quarantäneställe 47
IV NA
Inhaltsverzeichnis
3.8 Lagerräume 48
3.9 Werkstatt- und Wirtschaftsgebäude 50
3.10 Sonstige Gebäudenutzungen 50
3.11 Flächen- und Herdenmanagement 51
3.12 Zusammenfassung 54
4 Rechtliche Rahmenbedingungen und Vorgaben 59
4.1 Tierhaltungsrecht 59
4.1.1 Schweinehaltungshygieneverordnung 60
4.1.2 EG-Verordnung Ökologischer Landbau 64
4.2 Baurecht 67
4.3 Zusammenfassung 69
5 Haltungstechnische Einrichtungen 71
5.1 Einfriedung 71
5.1.1 Außenzaun 71
5.1.2 Innenzaun 74
5.1.3 Ein- und Ausgänge 75
5.1.4 Stromversorgung 77
5.2 Stallgebäude 78
5.3 Lagerräume 80
5.4 Einstreu 80
5.4.1 Einstreumaterial 80
5.4.2 Streuschwelle 81
5.4.3 Stallmist 82
5.5 Wassertränke 83
5.5.1 Trinkwasserversorgung 83
5.5.2 Behälter und Befüllung 84
5.5.3 Wasserversorgung bei Frost 86
5.6 Futterstelle 88
5.6.1 Fütterungsart 88
5.6.2 Futtertrog 89
5.7 Auslaufsicherung 92
5.8 Schattenspender 94
5.9 Suhle 95
5.10 Scheuereinrichtungen 98
5.11 Fang- und Fixiereinrichtungen 99
5.12 Tiertransport 100
5.13 Reinigung und Desinfektion 102
V NA
Inhaltsverzeichnis
5.14 Kadaverentsorgung 103
5.15 Laden und Transportieren 105
5.16 Zusammenfassung 105
6 Zusammenfassung 110
Literaturverzeichnis 121
Anlagenverzeichnis 127 NA
Erklärung 132 NA
VI NA
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb 1: Schweinehirten mit Herden und Hütehunden 4
Abb 2: Gut ausgebautes Wegenetz im Depot Nottebrock 7
Abb 3: Wildwuchs auf den Verkehrswegen 8
Abb 4: Ausbreitung von Sukzessionspflanzen auf den Rangierflächen 9
Abb 5: Lagerbunker Typ 205 Frontansicht 12
Abb 6: Lagerbunker Typ 205 Rückansicht 13
Abb 7: Lagerbunker Typ 119 Vorderansicht 14
Abb 8: Bunkerreihen der Typen 205 119 in der Rückansicht 14
Abb 9: Lagerhaus Typ 843 15
Abb 10: Lagerhaus Typ 843 mit Schutzmauern im Torbereich 16
Abb 11: Lagerhaus Typ 571 18
Abb 12: Lagerhaus Typ 513 18
Abb 13: Lagerhaus Typ 109 19
Abb 14: Lagerhaus Typ 78 mit Schutzwällen 19
Abb 15: Lagerhäuser Typ 77 20
Abb 16: Lagerhäuser Typ 27 Nissenhütten 21
Abb 17: Inspektionshalle 23
Abb 18: Garage 24
Abb 19: Wachgebäude 25
Abb 20: Regimentsschild Royal Army Veterinary Corps 26
Abb 21: Hundezwinger mit Futterhaus 27
Abb 22: Verlandete Entwässerungsgräben 29
Abb 23: Depotumzäunung mit Scheinwerferanlage 32
Abb 24: Buntes Bentheimer Schwein 42
Abb 25: Nissenhütte Typ 27 Innenraum 44
Abb 26: Temperaturabhängige Liegeposition von Schweinen 46
Abb 27: Lagerhaus Typ 513 Innenraum 47
Abb 28: Innenräume des Lagerbunkers Typ 205 49
Abb 29: Arttypisches Wühlverhalten von Schweinen 52
Abb 30: Wildschutzzaun Ursus Wildgatter 73
Abb 31: Britisches Warnschild am Depotzaun 73
Abb 32: Hütten für die Schweinefreilandhaltung 79
Abb 33: Temperaturempfindlichkeit 81
Abb 34: Steinzeugtröge und Holzkübel 85
Abb 35: Verschiedene Trinkwassertanks 86
VII NA
Abbildungsverzeichnis
Abb 36: Separate Futterstelle für Ferkel 91
Abb 37: Hütte mit Ferkelveranda 93
Abb 38: Ganztägig schattig-kühle Plätze 95
Abb 39: Einrichtung von Suhlen 96
Abb 40: Natürliche Suhlstellen 97
Abb 41: Körperpflege 99
Abb 42: Tiertransport in der Schweinefreilandhaltung 101
Abb 43: Schweinetransport in Thailand 102
Abb 44: Nissenhütten im Außenbereich 104
Tabellenverzeichnis
Tab 1: Zusammenfassung technische Infrastruktur 34
Tab 2: Zusammenfassung technische Infrastruktur Gebäudebestand 35
Tab 3: Ableitungen aus dem arteigenen Verhalten von Schweinen 37
Tab 4: Förderungskriterien für die artgerechte Schweinehaltung 38
Tab 5: Zusammenfassung Haltungskonzept Teile I IV 55
Tab 6: Auflagen für die Schweinefreilandhaltung Teile I II 62
Tab 7: Auflagen für die Ökologische Schweinefreilandhaltung Teile I II 65
Tab 8: Zusammenfassung rechtliche Rahmenbedingungen 70
Tab 9: Technische Anforderungen an den Außenzaun 72
Tab 10: Trinkwasserbedarf von Schweinen 83
Tab 11: Trinkwasserversorgung bei Frost 87
Tab 12: Zusammenfassung haltungstechnische Einrichtungen Teile I IV 106
Tab 13: Inventarverzeichnis haltungstechnische Einrichtungen Teile I IV 116
Tab 14: Geographische Daten Depot Nottebrock 128
Sofern bei Abbildungen und Tabellen keine abweichende Quellenherkunft angegeben
ist handelt es sich um eigene Darstellungen
VIII NA
Abkürzungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
BfLR Bundesanstalt für Landeskunde und Raumforschung
BMJ Bundesministerium der Justiz
e. A. eigene Aufnahme
ebd. ebenda
GV Großvieheinheit
ha Hektar
IGN Internationale Gesellschaft für Nutztierhaltung
IM NRW Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen
Kap. Kapitel
LANUV NRW Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-
Westfalen
LB Lagerbunker
LH Lagerhaus
LG Lebendgewicht
LWK Landwirtschaftskammer
MUNLV NRW Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
NH Nissenhütte
NRW Nordrhein-Westfalen
SchHaltHygV Schweinehaltungshygieneverordnung
TBA Tierkörperbeseitigungsanstalt
V Volt
IX
1 Konversion britisches Munitionsdepot Nottebrock
1 Konversion britisches Munitionsdepot ottebrock
1
Seitdem wurde eine Vielzahl nunmehr
1 Konversion britisches Munitionsdepot Nottebrock
3
Da sich seit dem Abzug der Briten, abgesehen von Jagdverpachtung und Holzeinschlag, keine weiteren Nutzungen des Depots ergeben haben, verwundert es nicht, dass diese Liegenschaft inzwischen zu den schwer vermittelbaren „Problemfällen“ im Portfolio der zum Verkauf bzw. zur Verpachtung angebotenen Bundesimmobilien zählt.
1.1 Schweinefreilandhaltung als utzungsalternative
sowie dem nicht minder populären „Lehrbuchs der
– ebenso zur Verfügung,
wie eine vielfältige Kraut- und Grasvegetation. Mit Aufgabe der Grünflächenpflege seitens der Standortverwaltung (Mahd, Gehölzrückschnitt etc.) konnten sich im Laufe der Zeit Fauna und Flora wieder ungehemmt und naturnah entfalten.
1 Konversion britisches Munitionsdepot Nottebrock
6
Brehm beschreibt die Nahrungsgewohnheiten weiter mit eindrucksvollen Worten:
7
Professor Otto Schmeil charakterisiert das Wildschwein als einen „alles fressenden Wühler ohne gleichen“. Ebenso beeindruckend schreibt er über die Nahrungssuche des von ihm genannten „Durchbrecher des Dickichts“ folgendes:
1 Konversion britisches Munitionsdepot Nottebrock
8
9
1 Konversion britisches Munitionsdepot Nottebrock
Auch im ehemaligen Munitionsdepot Nottebrock könnte man demnach eine extensive Freilandhaltung – angelehnt an die arteigenen Verhaltensmuster von Schweinen – in einem optimalen Umfeld realisieren und nicht zuletzt dank der örtlichen Futtermittel, außergewöhnliche, besonders attraktive Qualitätsprodukte erzeugen.
1.2 Problem und Zielstellung
Die zur Diskussion stehende Umnutzung einer militärischen Liegenschaft hin zur exten- siven Zucht und Haltung von Schweinen ist nach heutigem Erkenntnisstand in Deutsch- land noch nicht durchgeführt worden. Andere Haustierarten wie Schafe, Rinder oder Pferde werden zwar auf Truppenübungsgeländen, ehemaligen Depot- und Kasernenan- lagen, Schießbahnen, Flugplätzen und dgl. gehalten, Vergleichsbetriebe mit Schweine- haltung existieren dagegen in dieser Form bisher nicht. Lediglich Erfahrungen von Tierhaltern die Freilandschweine auf üblichen landwirtschaftlichen Flächen halten, ste- hen in beschränktem Umfang zur Verfügung. Im Hinblick darauf, besteht das Ziel die- ser Arbeit darin, eine Übersicht der speziell im Depot Nottebrock notwendigen hal- tungstechnischen Einrichtungen zu erarbeiten. Die Arbeit soll als praxisorientierter Leit- faden beim Aufbau einer extensiven Schweinefreilandhaltung vor Ort dienen.
1.3 Methode und Aufbau
Für die Arbeit wurde in erster Linie einschlägige Fachliteratur sowie infrage kommende Quellen aus dem Internet ausgewertet. Daneben fanden persönliche Informationsge- spräche statt, in denen verschiedene Einzelfragen zum intendierten Thema erörtert wur- den. Ferner waren auch praktische Tätigkeiten im Depot Bestandteil der Arbeiten. Dazu zählte vor allem die Bestandsaufnahme der örtlichen Gegebenheiten, einschließlich Vermessung und fotographischer Dokumentation.
Die vorliegende Projektarbeit umfasst insgesamt sechs Kapitel. Zunächst werden die Grundlagen für die Schweinefreilandhaltung im Nottebrock dargestellt: Im anschlie- ßenden Kapitel 2 die gegebene technische Infrastruktur des Depots, in Anlehnung daran ein entsprechendes Haltungskonzept in Kapitel 3, gefolgt von den verbindlichen rechtli- chen Rahmenbedingungen und Vorgaben in Kapitel 4. Auf Basis dieser Grundlagen werden dann im Schwerpunkt-Kapitel 5 die erforderlichen haltungstechnischen Einrich-
5
1 Konversion britisches Munitionsdepot Nottebrock
tungen für die Freilandhaltung im Depot erarbeitet. Eine abschließende Zusammenfas- sung der Ausführungen erfolgt in Kapitel 6 am Ende der Arbeit.
1.4 Zusammenarbeit mit anderen Stellen
10
2 Technische Infrastruktur
2 Technische Infrastruktur
In den nachfolgenden Abschnitten werden verschiedene infrastrukturelle Komponenten im Depot Nottebrock betrachtet, die im Hinblick auf die hier geplante Schweinefrei- landhaltung relevant erscheinen.
2.1 Wegenetz und Rangierflächen
12
2 Technische Infrastruktur
Es existieren ursprünglich für den militärischen Schwerlastverkehr ausgelegte, durchge- hend asphaltierte Fahrstraßen unterschiedlicher Breite und Streckenführung sowie mit Schotter befestigte Fußwege. Letztere wurden vorrangig im Rahmen der Bewachung des Areals genutzt.
Die Rangierflächen im Umfeld der Gebäude und deren Eingangsbereiche sind mit Be- tonsteinpflaster versehen, asphaltiert oder, wie im Falle der Nissenhütten und Hunde- zwinger, teilweise geschottert.
Im Randbereich der Fahrwege ist durch Wurzelwachstum stellenweise der Asphaltbelag brüchig. Im Hinblick auf eine land- und forstwirtschaftliche Nutzung des Depots stellen diese relativ geringfügigen Schäden allerdings kein Bewirtschaftungshindernis dar. Gleichwohl sollte aber wild wachsendes Gehölz, das sich nunmehr auch im Bereich der Wege und Rangierflächen ausbreitet, entfernt werden, um ein schadenfreies Befahren des Areals mit Fahrzeugen und Maschinen zu ermöglichen. Vor allem die Fugen im Betonpflaster und Risse im Asphalt bieten zahlreichen Pflanzen eine Grundlage um auf den befestigten Verkehrsflächen nachhaltig Fuß zu fassen. Die nachstehenden Abbil- dungen spiegeln die beschriebene Problematik zutreffend wieder. Insbesondere auf der Abbildung 3 ist die asphaltierte Fahrstraße kaum noch als solche zu erkennen.
Wildwuchs auf den Verkehrswegen. Der Pfeil zeigt den Verlauf des Weges.
8
2 Technische Infrastruktur
Die oben dargestellte Situation trifft derzeit auf einen Großteil des Wegenetzes im Be- reich der Lagerhäuser zu. Noch kann mit Rückschnitt- und Pflegemaßnahmen, die einen relativ geringen personellen wie technischen Aufwand erfordern, der Wildwuchs besei- tigt und somit einer ansonsten unausbleiblichen weiteren Schädigung der Straßendecke vorgebeugt werden.
In gleicher Weise ist die zunehmende Ausbreitung von Gräsern und einzelnen Bäumen auf den Rangierflächen vor den Bunkern zu unterbinden. Durch deren Wurzelwachstum wird stellenweise der Pflasterbelag aufgelockert und instabil. Dadurch entstehen ver- breiterte Fugen und Löcher, was im Endeffekt zu einer noch weiter gehenden Ansied- lung von unerwünschten Sukzessionspflanzen in diesem Bereich führt.
Ausbreitung von Sukzessionspflanzen auf den Rangierflächen
Die Struktur und der Verlauf des Wegenetzes sowie die Lage und Größe der Rangier- flächen sind auf dem Lageplan des Depots in der Anlage 3 ersichtlich.
Die Liegenschaft ist mit Kraftfahrzeugen über die Kreisstraßen 39 und 41 (hier direkter Anschluss an das Wegenetz) sowie die Bundesstraße 54 zu erreichen. Darüber hinaus verlaufen im Umfeld des Areals mehrere markierte Reit-, Wander- und Radwege. Er- gänzende geographische Daten sind in der Anlage 1 aufgeführt. Einen Gesamtüberblick
9
2 Technische Infrastruktur
13
2.2 Trinkwasserversorgung
Im Depot Nottebrock wird die Trinkwasserversorgung über ein flächendeckendes Rohr- leitungssystem sichergestellt, das direkt an das Versorgungsnetz der örtlichen Stadtwer- ke Münster angeschlossen ist.
Im Hinblick auf die jeweiligen Gebäudetypen werden die Möglichkeiten zur Versor- gung mit Trinkwasser detailliert im Kapitel 2.4 (Gebäudebestand) eruiert. Teilweise verfügen die Gebäude bauseitig über eigene Wasserleitungsanschlüsse, wie z. B. die unterschiedlichen Betriebsgebäude. Dort wo diese Installationen nicht vorhanden sind, kann Trinkwasser an Hydranten oder aus Wasserzisternen entnommen werden, die sich an verschiedenen zentralen Stellen auf dem Gelände befinden. Ursprünglich waren die- se Einrichtungen im Brandfall zur Bereitstellung von Löschwasser vorgesehen.
Der technische Zustand der Rohrleitungen und Zisternen kann gegenwärtig als ein- wandfrei beurteilt werden. Dagegen lassen sich in unterschiedlichem Ausmaß Schäden an einzelnen Wasserarmaturen im Gebäudebereich und zudem an mehreren Hydranten feststellen. Fallweise wurden einzelne Bauteile demoliert oder auch vollständig entfernt.
Der Reparaturbedarf an den Versorgungseinrichtungen hängt prinzipiell vom künftigen Nutzungskonzept respektive dem Flächen- und Gebäudemanagement ab. So ist es aller Voraussicht nach nicht erforderlich alle im Depot vorhandenen Wasserarmaturen wie- der instand zu setzten, d. h. beispielsweise „jeden Wasserhahn“ zu erneuern. Gleiches gilt für die zahlreichen Hydranten. Auf dieses Thema wird daher noch in den Kapiteln 3 und 5 (Haltungskonzept und haltungstechnische Einrichtungen) eingegangen.
2 Technische Infrastruktur
2.3 Elektrischer Strom
Analog zur Trinkwasserversorgung erfolgt auch die Versorgung mit elektrischem Strom über das Leitungsnetz der örtlichen Stadtwerke. Derzeit ist die Zuleitung bis auf weite- res eingestellt. Welche Gebäude mit Stromanschlüssen ausgestattet sind, wird im Kapi- tel 2.4 (Gebäudebestand) im Einzelnen betrachtet.
Leider ist momentan eine Vielzahl der oberirdischen Stromleitungen, Steckdosen und Verteilerkästen in nicht funktionstüchtigem Zustand. Die genannten Einrichtungen wur- den – vergleichbar mit der Wasserinstallation – teilweise mutwillig zerstört oder es wurden ausgesuchte elektronische Bauteile mehr oder weniger unfachmännisch demon- tiert und entwendet.
Auch hier richtet sich der Instandsetzungsumfang nach dem künftigen Bedarf an elektri- scher Energie im Rahmen der Schweinefreilandhaltung. Demnach wird auch dieser As- pekt erneut in den Kapitel 3 und 5 (Haltungskonzept und haltungstechnische Einrich- tungen) entsprechend aufgegriffen.
2.4 Gebäudebestand
lassen sich aufgrund erheblicher Vandalismusschäden nicht mehr
sinnvoll nutzen. Deren Renovierung ist aus Kostengründen in absehbarer Zeit nicht vorgesehen.
2 Technische Infrastruktur
che von ca. 6.026 m² zur Disposition. Der im Nottebrock vorhandene Gebäudebestand wird in den folgenden Abschnitten im Detail betrachtet.
2.4.1 Lagerbunker Typ 205
Beim Lagerbunker des Typs 205 handelt es sich um einen eingeschossigen Bunker in massiver Stahlbeton-Bauweise mit vier Lagerkammern, welche jeweils mit einem sepa- raten Stahlschiebetor ausgestattet sind. Der Bodenbelag ist aus Gussbeton. Mehrere Stromanschlüsse sowie elektrische Beleuchtungseinrichtungen sind im Innenraum und außenseitig im Torbereich vorhanden. Die Belüftung erfolgt über mehrere regulierbare Öffnungen im Fußboden- und Deckenbereich. Die Wasserversorgung verläuft über Rohrleitungen, Hydranten und Löschwasserzisternen im Nahbereich. Die Zuwegung erfolgt über Asphaltwege und mit Betonsteinpflaster befestigte Rangierflächen.
Zur besseren Tarnung sind die Dach- und Seitenflächen der Gebäude mit einem dichten Grasteppich begrünt. Früher wurden diese Flächen von der britischen Standortverwal- tung regelmäßig flächendeckend gemäht. Heute hat sich infolge der nicht mehr durch- geführten Geländepflege sukzessiv eine vielfältige Vegetation auf den Bunkern ange- siedelt. Die Abbildung 5 zeigt einen Lagerbunker des Typs 205 in der Frontansicht. Die Stahltore werden jeweils zur Seite aufgeschoben, so dass maximal zwei Lagerkammern zeitgleich geöffnet werden können.
Lagerbunker Typ 205 – Frontansicht
12
2 Technische Infrastruktur
Alle 13 Bunker des Typs 205 können unmittelbar genutzt werden. Soweit erforderlich, müssten lediglich in einigen Gebäuden Vandalismusschäden an der Elektroinstallation behoben werden.
Die Rückseite dieses Bunkertyps ist auf der Abbildung 6 dargestellt. Infolge des an- gesprochenen „Wildwuchses“ ist der Bunker – zumindest während der Vegetationspha- se – nicht sofort als solcher eindeutig zu erkennen. Erst recht nicht aus der Luft. Doch bei näherer Betrachtung „verraten“ die verzinkten Luftschächte das militärische Bau- werk.
Lagerbunker Typ 205 – Rückansicht. Die Pfeile zeigen die Luftschächte.
2.4.2 Lagerbunker Typ 119
Die Lagerbunker des Typs 119 sind, was die Bauausführung, technische Ausstattung, Zuwegung und Rangierfläche anbelangt, identisch mit dem vorgenannten Typ 205. Ein- ziges Unterscheidungsmerkmal ist, dass dieses Baumuster nur über einen vergleich- sweise großen Lagerraum verfügt, im Gegensatz zum Typ 205 mit vier relativ schmalen und insgesamt deutlich kleineren Bunkerkammern. Dementsprechend hat dieser Typ statt vier Schiebetoren auch nur ein Tor.
Unbeachtet der auch hier leider zu verzeichnenden Vandalismusschäden an der elektri- schen Installation, können alle 25 Bunker direkt in Gebrauch genommen werden.
13
2 Technische Infrastruktur
Auf der nachstehenden Abbildung 7 ist ein Bunker des Typs 119 mit geschlossenem Schiebetor abgebildet. Deutlich erkennbar sind zudem die Lüftungsöffnungen im Bo- denbereich vorn sowie der Luftabzugsschacht auf dem Dach des Bunkers.
Lagerbunker Typ 119 – Vorderansicht
Die nachstehende Abbildung 8 zeigt die Typen 205 und 119 rückseitig. Die begrünte Dach- und Seitenfläche der Bunker beträgt allein etwa 9.000 m². Diese Fläche ist im Rahmen des zukünftigen Nutzungskonzeptes als Weidefläche eingeplant.
Erkennbar ist die durchgehend lineare Anordnung und Verteilung der Bauwerke auf dem Gelände. Eine Gesamtübersicht dazu bieten der Lageplan in Anlage 3 und die Luftaufnahme in Anlage 2.
Bunkerreihen der Typen 205 und 119 in der Rückansicht
14
2 Technische Infrastruktur
2.4.3 Lagerhaus Typ 843
Nach Grundfläche und Raumvolumen sind die drei Lagerhäuser des Typs 843 die größ- ten Gebäude des Depots. Es handelt sich um eingeschossige, freitragende Hallen (keine Stützen im Innenraumbereich) aus Ziegelmauerwerk. Die Hallen sind innen nicht unter- teilt, d. h. es existiert lediglich ein einzelner, vergleichsweise großer Lagerraum. Das zu beiden Seiten leicht abfallende Dach besteht aus Stahlbeton und einer zusätzlichen Bi- tumenbahnabdeckung. Wie bei den Bunkern auch, ist der Bodenbelag vollständig aus hochbelastbarem Beton gefertigt. Beleuchtungseinrichtungen sind innen wie außen im Torbereich vorhanden. Des Weiteren verfügt dieses Baumuster über mehrere Belüf- tungsöffnungen im Fußboden- und Deckenbereich, einen Strom- und Wasseranschluss sowie jeweils ein Stahlfalttor an den Kopfseiten. Zuwegung und Rangierflächen sind vollständig asphaltiert. Im Gegensatz zu allen anderen Gebäuden sind bei diesem Typ Schutzmauern zur Eindämmung von Sprengstoffexplosionen im Torbereich errichtet worden.
Bei allen drei Hallen sind in unterschiedlichem Ausmaß Dachrinnen und Fallrohre so- wie die Elektroinstallation teilweise schadhaft. Ansonsten lassen sich diese Baumuster uneingeschränkt nutzen.
Auf der Abbildung 9 ist der Gebäudetyp 843 dargestellt. Die Hallen sind baugleich er- richtet worden und stehen in geringem Abstand nebeneinander.
Lagerhaus Typ 843
15
2 Technische Infrastruktur
Auf der folgenden Abbildung 10 ist im linken Bildbereich eine der jeweils zwei Schutzmauern zu sehen. Im Falle von Munitions-Explosionen galten aus Sicherheitsas- pekten die Stahltore als Schwachstellen. Sie hätten dem Detonationsdruck aller Voraus- sicht nach am ehesten nachgeben, sodass hier im vorderen und hinteren Torbereich die entsprechenden Mauern errichtet wurden. Die zur Verfügung stehende Rangierfläche wird durch diese Schutzmaßnahme leider beträchtlich eingeengt – insbesondere beim Transport von Lasten mit Anhängerfahrzeugen.
Lagerhaus Typ 843 mit Schutzmauern im Torbereich
2.4.4 Lagerhäuser Typen 571 – 513 – 109 – 78 – 77
Die Lagerhäuser der Typen 571, 513, 109, 78 und 77 sind, was ihre Bauweise, verwen- dete Materialien und technische Ausstattung betrifft, gleichartig. Je nach Typ variieren hingegen Bauform, Raumvolumen und Nutzfläche. Die eingeschossigen, freitragenden Lagerhäuser wurden in Skelettbauweise aus Stahlbetonfertigteilen erstellt und zum Teil anschließend verputzt und mit einem Schutzanstrich versehen. Die Dächer bestehen ebenfalls aus Betonfertigteilen und einer zusätzlichen Abdeckung aus Bitumenbahnen. Alle Häuser verfügen jeweils nur über einen betonierten Lagerraum. Die Belüftung er- folgt über verschiedene Lüftungsöffnungen im Dachbereich. Stromanschlüsse und Be- leuchtungseinrichtungen sind innen wie außen vorhanden. Die Wasserversorgung der Gebäude verläuft über direkte Leitungsanschlüsse bzw. über die Entnahme an Hydran-
16
2 Technische Infrastruktur
ten und aus Zisternen, die sich an mehreren zentralen Stellen auf dem Areal befinden. Der Zugang erfolgt beim Typ 571 über ein Stahlflügeltor, bei allen anderen Gebäuden über einfache Stahltore unterschiedlicher Abmessung. Als Zuwegung dienen aus- schließlich Asphaltwege. Die Rangierflächen im Bereich der Tore sind in gleicher Wei- se mit einem Asphaltbelag befestigt. Eine Ausnahme bilden hier die Lagerhäuser 78 und 77. Hier ist der Torbereich lediglich tiefgründig geschottert.
Aus den genannten Sicherheitsgründen wurden im direkten Umfeld der Lagerhäuser Erdwälle aufgeschüttet, die heute, ähnlich wie bei den Bunkern, in vielfältiger Weise bewachsen sind. Fallweise schränken diese Schutzwälle die potentiellen Rangiermög- lichkeiten für einschlägige land- und forstwirtschaftliche Maschinen ein.
Im Hinblick auf den Zustand der beschriebenen Baumuster ist festzustellen, dass auch hier mehr oder weniger umfangreiche Schäden an den Elektroinstallationen zu beheben sind. Des Weiteren sind bei einigen Gebäuden stellenweise Dachrinnen und Fallrohre auszubessern. Davon abgesehen können die Lagerhäuser uneingeschränkt in Gebrauch genommen werden. Die nachfolgenden Abbildungen 11 bis 15 zeigen die erwähnten Lagerhaustypen im gegenwärtigen baulichen Zustand.
2 Technische Infrastruktur
Lagerhaus Typ 571
Lagerhaus Typ 513
An einigen Gebäuden befinden sich neben den obligatorischen Steckdosen für 230-Volt Wechselstrom ergänzend Anschlüsse für 380-Volt Dreiphasenwechselstrom, dem sog. Kraft- oder Starkstrom. Diese Steckdosen wurden seinerzeit grundsätzlich außen neben
18
2 Technische Infrastruktur
dem Eingangstor montiert – so auch beim einzigen Gebäude des Typs 109. Welche Art von (energieaufwendigen) Geräten die britische Armee in früheren Zeiten damit betrie- ben hat und warum die Steckdosen nur an bestimmten Lagerhäusern installiert wurden, lässt sich heute nicht mehr mit Bestimmtheit nachvollziehen. In der Land- und Forst- wirtschaft gibt es fraglos eine Vielzahl von Geräten die mit Kraftstrom angetrieben werden.
Lagerhaus Typ 109. An diesem und verschiedenen weiteren Lagerhäusern befinden sich außen zusätzlich Starkstromanschlüsse 380 Volt.
Lagerhaus Typ 78 mit Schutzwällen im Seitenbereich
19
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Burkhard Blumberger, 2008, Grundlagen und haltungstechnische Einrichtungen für die Schweinefreilandhaltung im Depot Nottebrock, Munich, GRIN Publishing GmbH
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