Inhaltsverzeichnis
Abbildungs - und Tabellenverzeichnis IV
Abk ürzungsverzeichnis V
1.Einleitung 1
I.
2. Entwicklungsländer im Welthandel 3
2.1 Begriffliche Erklärung 3
2.2 Handel und Entwicklung 5
2.2.1 Gründe für die Teilnahme von Entwicklungsländern am Welthandel 5
2.2.2 Statische und dynamische Wohlfahrtseffekte 7
2.2.3 Entwicklungshemmende Wirkung des Außenhandels 9
2.3 Freihandel versus Protektionismus 10
2.4 Handelspolitiken der Entwicklungsländer 15
2.4.1 Importsubstituierende Industrialisierung 15
2.4.2 Exportorientierte Industrialisierung 17
2.5 Dollar/Kraay-Studie 19
II.
3. Welthandelsorganisation 21
3.1 Entstehung 21
3.2 Organisation und Aufgaben 23
3.3 Vertragswerk 26
3.4 Grundprinzipien 28
3.5 Notwendigkeit 29
4. Entwicklungsländer im Ordnungssystem der WTO 30
4.1 Ordnungsfunktion des WTO-Systems 30
4.2 Sonderregeln des GATT für Entwicklungsländer 32
4.2.1 Ausnahme vom Reziprozitätsprinzip 32
4.2.2 Zollpräferenzen für Entwicklungsländer 33
4.2.3 Erlaubnis zur mengenmäßigen Importbeschränkung
und zu Exportsubventionen 34
4.2.4 Nicht-Anwendbarkeit von Schutzmaßnahmen eines
Landes bei Importen aus Entwicklungsländern 34
5. Auswirkungen der WTO-Handelsrunden auf Entwicklungsländer 35
5.1 Doha-Runde 35
5.2 Uruguay-Runde 36
5.2.1 Von nicht-tarifären Handelsbeschränkungen zu festen Zöllen im GATT 36
5.2.2 Welttextilabkommen 38
5.2.3 Protektionismus der Industrieländer 39
5.2.4 Anti-Dumping-Maßnahmen 40
5.2.5 Exportsubventionen 41
5.2.6 GATS- und Trips-Abkommen 42
6. Perspektiven der Entwicklungsländer im Welthandel 43
6.1 Integration der Entwicklungsländer in den Welthandel 43
6.2 „Aid for Trade“ im Rahmen der Entwicklungshilfe 44
6.3 Handelsinitiativen als Alternativen zur Entwicklungshilfe 45
7. Schlussbetrachtung 47
Literaturverzeichnis 50
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abbildungen
Abb. 1- Wohlfahrtseffekte aus Außenhandel 8
Abb. 2 - Optimalzoll und Gefangenendilemma 13
Abb. 3 - „Free Trade for One“-Theorem 14
Abb. 4 - Anteile am Weltexport 18
Abb. 5 - Dollar/Kraay-Studie 20
Abb. 6 - Entscheidungsstruktur WTO 23
Abb. 7 - Streitschlichtungsfälle WTO 25
Tabellen
Tab. 1 - Durchschnittliche Protektionssätze 17
Tab. 2 - Bisherige GATT-Runden 22
Tab. 3 - NTBs vor und nach der Uruguay-Runde 37
.
Abkürzungsverzeichnis
AKP - Gruppe der afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten
BIP - Bruttoinlandsprodukt
BNE - Bruttonationaleinkommen
EU - Europäische Union
FDIs - Ausländische Direktinvestitionen
GATS - Allgemeines Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen
GATT - Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen
HDI - Human Development Index
IWF - Internationale Währungsfond
LIC - Low Income Country
LMIC - Lower-Middle Income Country
MIC - Middle Income Country
NTBs - Nicht-tarifäre Handelsbeschränkungen
OECD - Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
PKE - Pro-Kopf-Einkommen
SWAV - Schnell wachsende asiatischen Volkwirtschaften
TRIPS - Handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums
TPRM - Trade Policy Review Mechanism
UMIC - Upper-Middle Income Country
WTO - Welthandelsorganisation
1. Einleitung
Am 29. Juli 2008 wurde die aktuelle Welthandelsrunde, die „Doha-Entwicklungsrunde“, auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Die entscheidende Ministerkonferenz 2003 im mexikanischen Cancún scheiterte kläglich und die streitenden Vertreter der Entwicklungs- und Industrieländer gingen ohne konkrete Ergebnisse auseinander. Die Ursachen hierfür sind abgesehen von den stark divergierenden Forderungen von Industrie- und Entwicklungsländern, vor allem in den neu geschaffenen Machtverhältnissen innerhalb der Welthandelsorganisation (WTO) zu finden. Durch den Zusammenschluss von einundzwanzig Schwellen- und Entwicklungsländern zur „Gruppe der 21“ entstand ein einstimmiger Vertreter („Anwalt für die Dritte Welt“) dieser Staaten, der sich in den Verhandlungen mit den Industriestaaten auf Augenhöhe messen konnte. In den Verhandlungen von Cancún machten die „Gruppe der 21“ unmissverständlich klar, dass sie den „Freihandel à la carte“ der Industrieländer nicht weiter hinnehmen werden und eher keine als für sie schlechte Vereinbarungen eingehen werden. Auch wenn diese Ergebnisse grundsätzlich für keine der Parteien befriedigend sein sollten, fühlten sich besonders die Globalisierungskritiker als Sieger in ihrem Kampf gegen die „unfairen Handelspraktiken“ der Industrieländer [Duwendag 2006, S. 55 ff.].
Das aktuelle Scheitern der Doha-Runde ist letztendlich auch auf die negativen Erfahrungen der Entwicklungsländer aus den vergangenen Verhandlungsrunden zurückzuführen. Insbesondere die Ergebnisse der Uruguay-Runde von 1986 bis 1993 waren für die meisten Entwicklungsländer enttäuschend, da sie weiterhin nur unzureichend in den Welthandel integriert wurden und viele Entwicklungsländer nach den Vereinbarungen finanziell noch schlechter dastanden als zuvor. Die Entwicklungsländer waren unzufrieden mit den Verhandlungstaktiken der Industrieländer und forderten diese auf, nicht nur vom „freien Handel“ zu reden sondern diesen auch zuzulassen. Die Teilnahme der Entwicklungsländer am freien Welthandel unter fairen Bedingungen ist für deren Entwicklung von enormer Bedeutung [Sautter 2004, S.124].
In dieser Arbeit soll ein Überblick über die Situation der Entwicklungsländer im Welthandel und vor allem im Rahmen des Vertragswerks der Welthandelsorganisation gegeben werden. Sie hat das Ziel, Perspektiven der Entwicklungsländer aufzuzeigen so wie insbesondere Wege, wie diese gewinnbringend und entwicklungsfördernd am internationalen Handel teilnehmen.
Im ersten Teil soll zunächst die Grundproblematik der Entwicklungsländer im Welthandel erläutert werden, mit besonderem Fokus auf den Einfluss von internationalem Handel auf Entwicklung. Grundsätzlich ergibt sich hieraus die theoretische Frage ob es für Wachstum und Wohlstand eines Entwicklungslandes besser ist, sich entweder „liberal“ oder „protektionistisch“ auf dem Weltmarkt zu verhalten. Anschließend sollen die beiden gängigen Handelspolitiken der Entwicklungsländer „Importsubstituierende Industrialisierung“ sowie „Export-orientierte Industrialisierung“ vorgestellt und erläutert werden. Zum Abschluss wird Bezug auf eine Studie von Dollar und Kraay genommen, die den Einfluss von Globalisierungsaktivitäten auf Wirtschaftswachstum untersucht.
Der zweite Teil gibt einen Einblick in die Organisation und Aufgaben der WTO und analysiert deren Bedeutung für die Entwicklungsländer. Im Mittelpunkt dieses Abschnitts stehen insbesondere die Kritik an der WTO und ihren Handelsliberalisierungsrunden mit besonderem Augenmerk darauf, ob internationaler Handel im Hinblick auf Entwicklungsländer fair gestaltet wird und wie die aktuelle Perspektive der Entwicklungsländer im Welthandel verbessert werden kann.
I.
2. Entwicklungsländer im Welthandel
In diesem Kapitel soll die Rolle der Entwicklungsländer im Welthandel dargestellt werden. Vorab soll erläutert werden, wie sich Entwicklungsländer definieren, wie Entwicklung gemessen wird und vor allem welche Länder unter diese Sammelbezeichnung fallen. Anschließend werden der Einfluss von Handel auf Entwicklungsländer sowie mögliche Handelsstrategien der Entwicklungsländer diskutiert.
2.1 Begriffliche Erklärung
Grundsätzlich wird der Begriff „Entwicklungsland“ überwiegend für Länder gebraucht, die in ihrem Entwicklungsstand hinblickend auf die als Norm angesehenen Industrieländer als „rückständig“ zu bezeichnen sind [Hemmer 1988 S.5]. Die von Hemmer aufgestellte Definition von Entwicklung als „positive Veränderung des Entwicklungsstandes in der Zeit“ geht mit dieser Erklärung konform [Sell 1993, S.1]. Allerdings existiert für den Begriff „Entwick-lungsland“ an sich keine offiziell und universal akzeptierte Definition [Meier und Rauch 2005, S.2]. Vielmehr gibt es mehrere synonym verwendete Ausdrücke wie „Wachstumsländer“ oder „unterentwickelte Länder“ [Hemmer 1988, S.5].
Die Volkswirtschaft eines Entwicklungslandes weist ein sehr geringes Maß an Wohlstand auf. Kennzeichnend für Entwicklungsländer ist, dass sich diese Armut in Unterernährung, Krankheit, hoher Säuglingssterblichkeit, niedriger Lebenserwartung, schlechte medizinische Ver-sorgung, geringe Bildungsmöglichkeiten, Analphabetentum, schlechten Wohnbedingungen und sehr geringen Einkommensmöglichkeiten wiederspiegelt. Zusätzlich ist das im Vergleich zu anderen entwickelten Ländern auf der Welt bereits sehr geringe Realeinkommen pro Kopf in einem Entwicklungsland sehr ungleichmäßig verteilt. Die Schere zwischen arm und reich ist auch deshalb so groß, weil es meist keinen Mittelstand gibt, sondern in der Regel einen relativ großen armen Bevölkerungsanteil sowie einen relativ kleinen Anteil an reichen Menschen. Die Lorenz-Kurve 1 und der Gini-Koeffizient 2 gelten hierbei als empirische Mittel zum Nachweis von Ungleichheit innerhalb eines Landes. In Entwicklungsländern haben der land-
1 Die Lorenzkurve ist eine grafische Darstellung der personellen Einkommensverteilung, die zeigt, wie viel Pro-
zent der Einkommensbezieher wie viel Prozent des Gesamteinkommens erhalten [Meyers Lexikon 2008].
2 Der Gini-Koeffizient ist eine statistische Maßgröße zur Kennzeichnung der relativen Konzentration und beruht
auf dem Konzept der Lorenzkurve. Er ist bei völliger Gleichverteilung gleich 0 und bei vollkommener Konzent-
ration gleich 1 [Wirtschaftlexikon, 2008].
wirtschaftliche Sektor und die natürliche Rohstoffgewinnung einen im Vergleich zum industriellen Sektor sehr hohen Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) und an der Beschäftigung des Landes. Interessanterweise hat auch der Dienstleistungssektor speziell im Binnenhandel viel mehr Beschäftigte als das dortige Industriegewerbe. Als Ursachen für die schlechten Bedingungen in Entwicklungsländern gelten überwiegend ein zu starkes Bevölkerungswachstum, fehlende Institutionen, mangelnde Kapitalbildung, nicht vorhandenes Unternehmertum sowie eine hohe Auslandsverschuldung [Siebert 1997, S.119 ff.]. Um den Entwicklungsprozess bzw. den Entwicklungsstand auf der Welt genau zu messen und zu klassifizieren gibt es mehrere unterschiedliche Indikatoren und Maßgrößen, welche besonders in Bezug auf die Verteilung von Entwicklungshilfe und Krediten eine wichtige Rolle spielen.
Die Weltbank zum Beispiel klassifiziert die Entwicklungsländer ausschließlich anhand ihres Bruttonationaleinkommens (BNE) -pro Kopf in Länder mit niedrigem Einkommen (LIC), sowie Länder mit mittlerem Einkommen (MIC). Die Länder mit mittleren Einkommen werden wiederum unterteilt in eine untere (LMIC) und in eine obere Einkommensgruppe (UMIC). Die Entwicklungsländer nach Klassifizierung der Weltbank befinden sich geographisch bis auf einige Ausnahmen in den Regionen Lateinamerika, Nordafrika und dem Mittleren Osten, Sub-Sahara-Afrika, Asien oder in den Staaten der ehemaligen Sowjetrepublik. Die „entwickelten“ Länder hingegen befinden sich mit Ausnahme von Japan, Australien und Neu-seeland überwiegend in Westeuropa oder Nordamerika [Todaro und Smith 2006, S.38 f.].
In den letzten Jahren hat sich allerdings der Human Development Index (HDI) als bevorzugtes Messinstrument für Entwicklung herausgestellt, da dieser Index zusätzlich zum Pro-Kopf-Einkommen (PKE) des Landes noch weitere Indizes für Lebenserwartung und Bildung beinhaltet. Damit ist er aussagekräftiger und flexibler als die Klassifizierung nach dem Prinzip der Weltbank [Meier und Rauch 2005 S.2 f.].
Trotzdem sollte man bei Entwicklungsländern berücksichtigen, dass bei weitem nicht alle pauschal in die Kategorie eines „unterentwickelten Landes“ einzuordnen sind. Im Gegensatz zu einigen Ländern in Afrika oder Südasien haben in vielen Ländern Lateinamerikas und Südostasiens bereits starke Wachstumsprozesse eingesetzt, so dass diese Länder als „Schwellenländer“ bezeichnet werden. Vor allem die Länder, die in der Weltbankklassifizierung zur mittleren Einkommensgruppe zählen, wie Argentinien, Brasilien, Chile, Mexiko oder die asiati-
schen „Tiger-Staaten“ 3 haben die wirtschaftspolitischen Probleme der unterentwickelten Länder bereits vor langer Zeit erfolgreich gelöst und werden deshalb schon als „neue Industrieländer“ bezeichnet [Siebert 1997, S.124 f.].
2.2 Handel und Entwicklung
Im vorherigen Kapitel wurden bereits die Hauptmerkmale eines Entwicklungslandes sowie die Hauptursachen für die vorherrschenden schlechten Bedingungen in Entwicklungsländern angeführt. In der Entwicklungsökonomie gibt es mehrere wirtschaftwissenschaftliche Erklärungsansätze für Unterentwicklung. Neben den neoklassischen Erklärungsansätzen wie die „traditionellen“ und „neuen“ Wachstumstheorien dominieren vor allem die strukturalistischen Erklärungsansätze. Hierunter fallen Dualismus-Modelle, Teufelskreis-Modelle sowie Außen-handels-, Bevölkerungs- und Abhängigkeitstheorien [Wagner 1997, S.38 f.]. Insbesondere in den Außenhandelstheorien werden externe Faktoren als wesentliche Ursachen für Unterentwicklung genannt werden [Wagner 1997, S.47], jene Faktoren die im Rahmen der Integration in den Welthandel den Entwicklungsprozess der Entwicklungsländer verlangsamen oder sogar verhindern. Gegensätzlicher Meinung sind vor allem die neoklassisch geprägten Ökonomen, die mit der Vorteilhaftigkeit des internationalen Handels argumentieren [Hemmer 2002, S.272].
2.2.1 Gründe für die Teilnahme von Entwicklungsländern am Welthandel
Nach den Erkenntnissen neoklassischer Theorien existieren mehrere Bestimmungsgründe für die Entwicklungsländer, internationalen Handel zu betreiben. Insbesondere Entwicklungsländer sind aufgrund ihrer unzureichenden Verfügbarkeit an Ressourcen und Produktionsfaktoren sowie mangelndem technischen Wissen häufig nicht in der Lage, bestimmte Güter zu produzieren, obwohl eine große Nachfrage danach besteht und die Produktion dieser Güter für den Entwicklungsprozess sehr wichtig wäre. Um dieses Versorgungsdefizit zu beseitigen hat das betrachtete Land im Rahmen des internationalen Warenaustausches aber die Möglichkeit, den fehlenden Faktor zu importieren. Umfasst dieses Entwicklungsdefizit technisches und organisatorisches Wissen, kann die Produktion des Gutes nicht nur realisiert, sondern sogar verbessert werden, da die verfügbaren Faktoren nun effizienter ausgenutzt werden können als vorher [Hemmer 2002, S. 272 f.].
Der Begriff „Tigerstaaten“ ist eine zusammenfassende Bezeichnung für die vier asiatischen Staaten Hongkong,
Singapur, Südkorea und Taiwan (s. Kapitel 2.4.2).
Weiterhin kann Außenhandel unter der Voraussetzung, dass die gehandelten Güter in jedem Land produziert werden können, mit Hilfe internationaler Spezialisierung zur Erhöhung der Wohlfahrt sämtlicher internationalen Handelspartner führen. Die Wohlfahrtssteigerung macht sich durch die größeren Konsummöglichkeiten bemerkbar. „Jedes Land kann durch Außen-handel höhere Konsumpunkte erreichen, wenn es sich auf den Export des Gutes spezialisiert in dem es einen preisbestimmten Wettbewerbsvorteil auf dem Weltmarkt besitzt und im Gegenzug das Gut importiert in dem es dort einen Preisnachteil hat“ [Hemmer 2002, S.273 f.]. Grundlage der neoklassischen Theorien ist das „Prinzip der absoluten Kostenvorteile“ 4 von Adam Smith. Die Theorie von Smith wurde von Ricardo 5 sowie von Heckscher/Ohlin 6 weiterentwickelt. Diese kamen zu dem Ergebnis, dass sich Handel selbst dann für ein Land lohnt, wenn es keinen absoluten Kostenvorteil in der Produktion eines Gutes besitzt. Wenn sich dieses Land auf die Produktion des Gutes spezialisiert in dem es relativ den geringsten Nachteil besitzt, entsteht trotzdem ein verteilungsfähiger Überschuss [Zahrnt 2005, S.5]. Hemmer [2002, S.274 f.] ergänzt, dass internationaler Handel auch zu qualitätsbestimmten Wettbe-werbsvorteilen auf den Weltmärkten führen kann. Viele Wirtschaftssubjekte treffen Handelsentscheidungen nicht wegen vermeintlicher Preisunterschiede, sondern entscheiden sich für die Güter mit höherer Qualität. Aufgrund der besseren Qualität werden ausländische teurere Güter meist billigeren Inlandsgütern vorgezogen. Sicherlich ist dies ein Argument welches sich besonders auf den intraindustriellen Handel bezieht, der vornehmlich zwischen Industrieländern stattfindet [Hemmer 2002, S.274 f.].
Die durch die neoklassischen Freihandelstheorien geäußerten Wohlstands- und Wachstumssteigerungen wurden in vielen empirischen Untersuchungen bis heute regelmäßig neu bestätigt [Duwendag 2006, S.32].
4 Jedes Land spezialisiert sich auf die Herstellung des Gutes, welches es zu geringeren Kosten als das Ausland
produzieren kann. Durch internationalen Handel können dann im Tausch gegen diese Güter, andere Güter bezo-
gen werden, die im eigenen Land nur zu höheren Kosten hergestellt werden können [Rose und Sauernheimer
1992, S. 354].
5 Ricardo entwickelte 1816 auf Basis von Smith´s Ergebnissen die Theorie der komparativen Kostenvorteile und
führt Handel auf Unterschiede in den Arbeitsproduktivitäten der betrachteten Länder zurück [Heiduk 2004,
S.163].
6 Heckscher und Bertil Ohlin veröffentlichten 1933 aufbauend auf Ricardos Theorie das „Faktorproportionen-
theorem“, in dem Handel auf die unterschiedlichen relativen Faktorausstattungen der Wirtschaftsräume inner-
halb der betrachteten Länder zurückgeführt wird [Heiduk 2004, S, 43 ff.].
2.2.2 Statische und dynamische Wohlfahrtseffekte
Betrachtet man weitere Argumente für die Handelsliberalisierung einzelner Länder kommt man vor allem zu der Erkenntnis, dass Wohlfahrtsgewinne eine entwicklungsfördernde Wirkung besitzen. Generell wird zwischen statischen und dynamischen Wohlfahrtseffekten unterschieden [Siebert 1997, S.173].
Die Öffnung der Grenzen führt für beide Handelspartner zu statischen Wohlfahrteffekten. Rübel [2004, S.73] differenziert hierbei zwischen einem „Handelsgewinn“ und einem „Spezialisierungsgewinn“. Der Handelsgewinn bezeichnet die Realisierung einer Verbesserung der „Terms of Trade“ 7 . Wohingegen der Spezialisierungsgewinn den Gewinn kennzeichnet, der durch Umverteilung der Produktionsfaktoren auf die Herstellung des Gutes erzielt wird, bei dem ein komparativen Vorteil gegenüber dem Auslandsgut besteht [Rübel 2004, S.73]. Krugman und Obstfeld [2003, S.290] sprechen von Effizienzgewinnen durch Freihandel. Freihandel erhöht die nationale Wohlfahrt, in dem die durch einen Zoll verursachten Verzerrungen für Konsumenten und Produzenten beseitigt werden. Siebert [1997, S.174 f.] ergänzt die Vorteile aus Handel um einen „Vielfalteffekt“ in Bezug auf die verbesserten Wahlmöglichkeiten für den Konsumenten und ferner um einen Skaleneffekt, da mit zunehmendem Output die Durchschnittskosten der Produktion sinken.
Noch gravierender als die bereits genannten statischen Effekte sind die dynamischen Effekte aus Freihandel [Siebert 1997, S.175]. Durch die Teilnahme am Welthandel entstehen für die Unternehmen durch die Schaffung einer ständigen Wettbewerbssituation, Innovations- und Lern- bzw. Adaptionsmöglichkeiten, da sie versuchen müssen, mit den globalen Konkurrenten Schritt zu halten [Krugman und Obstfeld 2003, S.392 f.]. Aufgrund der neuen verschärften Konkurrenzbedingungen durch internationalen Wettbewerb ist es möglich, dass monopolistische Strukturen abgebaut werden können. Dies kann einen positiven Einfluss auf die nationalen Güterpreise und auf das Versorgungsniveau haben [Rübel 2004, S.76]. Ebenso werden die Unternehmen durch den Anpassungsdruck dazu gebracht, Kostensenkungspotentiale auszunutzen. Dies ist aber besonders im Falle von Arbeitsplatzabbau als Kostensenkungsinstrument
Die Terms of Trade werden berechnet, indem der Preisindex der Exporte durch den Preisindex der Importe in
heimischer Währung geteilt wird. Die Entwicklung der Terms of Trade zeigt, wie sich die (realen) Austausch-verhältnisse der exportierten und importierten Waren verändern. Steigen die Terms of Trade eines Staates, durch
eine Preissteigerung der eigenen Exportgüter und/oder durch eine Preissenkung der Importgüter, verbessert sich
die außenwirtschaftliche Position, da sich die Fähigkeit erhöht, mit dem gleichen Exportvolumen mehr Güter zu
importieren [Bundeszentrale für politische Bildung, 2008]
Arbeit zitieren:
BA Econ. Björn Schömann, 2008, Perspektiven von Entwicklungsländern im Welthandel - Die Rolle der WTO, München, GRIN Verlag GmbH
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