Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Hannibal und seine höchsten Offiziere. 4
3. C. Terentius Varro, L. Aemilius Paullus und ihre höchsten Offiziere. 7
4. Die Rolle der Befehlshaber in der Schlacht 9
5. Vorbedingungen der Schlacht. 11
6. Realitäten des Kampfgeschehens. 13
7. Schluss 18
8. Abkürzungsverzeichnis. 19
9. Quellenverzeichnis 19
10. Literaturverzeichnis. 19
2
1. Einleitung
Im Juli des Jahres 216 v. Chr. fand unweit der kleinen italischen Stadt Cannae in Apulien eine Schlacht zwischen den über die Alpen gezogenen karthagischen Truppen unter Hannibal und den zusammengezogenen Legionen der römischen Republik statt, die gleichzeitig zum Höhepunkt einer Reihe von Siegen gegen die Römer werden sollte, wie auch zum letzten großen Sieg Hannibals auf italischem Boden. Cannae gehört ohne Zweifel zu den bekanntesten Schlachten der Weltgeschichte und übt bis heute vor allem auf Berufsmilitärs eine große Faszination aus. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts widmete ihr ein preußischer Generalstabschef eine eigene Studie 1 um seine Strategie zu legitimieren und am Ende des 20. Jahrhunderts nannte der amerikanische General Schwarzkopf Cannae als Vorbild für seine Planungen im zweiten Golfkrieg 2 .
Dabei ist es sicherlich nicht zu verwegen zu behaupten, Cannae sei aber auch die „most quoted and least understood battle“ 3 , was sich zwar im Zuge der angloamerikanischen Militärhistoriographie als Geschichte von „battles and campaigns“ 4 etwas relativiert hat, aufgrund der schwierigen Quellenlage aber trotzdem noch eine gewisse Richtigkeit behält. Trotz aller Cannae zugeschriebener Bedeutung bleibt aber auf der einen Seite die Konstatierung einer nur „limited relevance of single `decisive battles´“ 5 für den zweiten punischen Krieg, auf der anderen Seite aber auch eine erneuerte Schlachtenhistorie, die sich zum einen durch einen Perspektivenwechsel hinweg vom Feldherrenhügel und hin zum einfachen Soldaten und zum anderen durch ein Aufbrechen tradierter Codierungen in der Beschreibung von Gewalt auszeichnet und auch die gesellschaftlichen Hintergründe stärker in den Vordergrund rückt, um so neue Erkenntnisse generieren zu können. 6 Bei der Rekonstruierung eines antiken Schlachtgeschehens steht vor allen anderen Problematiken die Schwierigkeit der Quellen, die nur als „quite exceptionally difficult“ 7 zu charakterisieren ist. Die mit weitem Abstand wichtigsten antiken Historiker, die über Cannae berichten, sind
1 Ein späterer Druck der erstmals 1909 bis 1913 erschienenen Schrift findet sich bei: v. Schlieffen, A., Cannae, in: v. Freytag-Loringhoven, H. (Hrsg.), Cannae, Berlin 1925, S. 1 - 263
2 Zu Schwarzkopfs Bewertung der Schlacht von Cannae: http://www.achievement.org/autodoc/page/sch0int-2 (abgerufen am 11.03.2008)
3 Samuels, M., The Reality of Cannae, in: Militärgeschichtliche Mitteilungen 47 1990, S. 7 - 31, S. 7 (Künftig zitiert: Samuels, 1990)
4 Einen Überblick über moderne Operationsgeschichtsschreibung mit deutlich frühneuzeitlichem Schwerpunkt bietet: Nowosadtko, J., Krieg, Gewalt und Ordnung. Einführung in die Militärgeschichte, Tübingen 2002, S. 138 - 149
5 Sabin, P., The mechanics of battle in the Second Punic War, in: Cornell, T., Rankow, B., Sabin, P. (Hrsg.), The Second Punic War. A reappraisal, London 1996, S. 59 - 80, S. 59 (Künftig zitiert: Sabin, 1996)
6 Hierzu besonders: Keegan, J., Das Antlitz des Krieges. Die Schlachten von Azincourt 1415, Waterloo 1815 und an der Somme 1916, Frankfurt 1991 (Künftig zitiert: Keegan, 1991)
7 Whatley, N., On the possibility of reconstructing Marathon and other ancient battles, The Journal of hellenistic Studies 84, London 1964, S. 119-139, S. 123 (Künftig zitiert: Whatley, 1964)
3
Polybius und Livius, auf deren Aussagen sich auch diese Schrift weitestgehend stützen muss. 8 Die Dominanz der beiden Historiker geht sogar so weit, dass Philip Sabin meint, dass „modern authors can do little beyond paraphrase and exegesis of these two“ 9 und so alles gewissermaßen spätere nur als Fußnoten zu Polybius und Livius begreift. Archäologische Quellen zum zweiten punischen Krieg sind rar gesät, so dass Markus Junkelmann hinsichtlich der gesamten republikanischen Zeit nur schreiben kann, dass es „nicht mehr als einige wenige Helme und Speerspitzen als archäologische Zeugen“ 10 gäbe. Als weitere Quellen müssen daher auch die Gesellschaften betrachtet werden, aus denen heraus die beiden Armeen entstanden sind.
Im Folgenden werden die höchsten Offizier und ihre Rolle in der Schlacht als am besten fassbare Exponenten der jeweiligen Oberschicht untersucht und danach die Schlacht der verschiedenen Soldaten auf den unterschiedlichen Teilen des Schlachtfeldes untersucht, um so die Ursachen für den Schlachtausgang zu erforschen.
2. Hannibal und seine höchsten Offiziere
Einige der wenigen durch die Quellen eindeutig gestützten Erkenntnisse zu Hannibals Heer betrifft die ethnische Zugehörigkeit der höchsten Befehlshaber, denen in der Schlacht Flügel und Zentrum anvertraut waren. Ohne Ausnahme sind sie als „Carthaginian aristocrats“ 11 zu charakterisieren und bei zumindest zwei von ihnen scheinen verwandtschaftliche Beziehungen zur Familie der Barkiden zu bestehen. Der mit Hannibal dem Zentrum des Heeres zugeordnete Mago wird als Hannibals Bruder betrachtet, der Befehlshaber des linken Reiterflügels, Hanno, kann Hannbals Neffe gewesen sein. 12 Neben diesen, mit militärischen Aufgaben betrauten Karthagern, tauchen im Kontext politischer Aktivitäten Hannibals auch so genannte synedroi auf, die vielleicht Repräsentanten der karthagischen Ratsversammlung waren, im Zusammenhang mit der taktischen Führung der Schlacht aber keinerlei Erwähnung finden. 13
8 Weiterführende Literatur und zitierfähige Ausgaben zu Polybius findet sich bei Bleicken, J., Geschichte der römischen Republik, München 2006, S. 253 - 254 und zu Livius bei Ebd., S. 251 - 252
9 Sabin, 1996, S. 62
10 Junkelmann, M., Die Reiter Roms. Teil III: Zubehör, Reitweise, Bewaffnung, Mainz 1992, S. 123
11 Daly, G., Cannae. The experience of battle in the Second Punic War, New York 2003, S. 127 (Künftig zitiert: Daly 2003)
12 Daly, 2003, S. 127, “Nun der karthagische Feldherr besprach sich mit seinem Bruder Mago und den Mitgliedern des Kriegsrats” (Polyb. 3, 71 (zit. nach H. Drexler [Üs.], Polybios. Geschichte. Band I, Zürich -Stuttgart, S. 266)) heißt es bei Polybius über Mago und „geführt von Einheimischen und unter dem Kommando des Hanno, des Sohns des Königs (Suffeten) Boamilkar“ (Polyb. 3, 42 (zit. nach H. Drexler [Üs.], Polybius. Geschichte. Band I, Zürich - Stuttgart, S. 231 - 232)) heißt es hinsichtlich Hannos.
13 Daly, 2003, S. 128
4
Der offensichtliche Zusammenhang zwischen punischer Oberschicht und der gerade bei Cannae so erfolgreichen Ausübung höchster militärischer Aufgaben zeigt einen Widerspruch zwischen dem, selbst in rezenten Werken noch reproduzierten, Bild Karthagos als einer „Handelskolonie“ 14 oder „Handelsrepublik[…]“ 15 und dem, durch die Quellen überlieferten, Bildes eines Stadtstaates auf, der den Krieg nach Italien brachte und dort das römische Bundesgenossensystem stärker bedrohte, als es einer der Nachfolgereiche Alexander des Großen vermochte. So beschreibt Gregory Daly Karthago im Gegensatz zu Rom als „not a militaristic society“ 16 . Martin Samuels umgeht das Problem in seiner Analyse der Schlacht von Cannae, indem er die punischen Kommandeure gleichsam als Ausnahmegestalten neben das tradierte Stereotyp des Krämers stellt und sie als „small group of noble Carthaginian families which had chosen war, rather than commerce, for their profession“ 17 tituliert. Das dieses, zu einem großen Teil erst nach der Zerstörung Karthagos geformte Bild so nicht haltbar ist, zeigt Walter Ameling in seiner 1993 erschienenen Habilitationsschrift auf. 18 Die Gründung Karthagos beschreibt er als „Agrarkolonisation“ 19 und auch für die spätere Entwicklung und Expansion der Stadt kann er nur das „Fehlen einer staatlichen Handelspolitik und einer Kaufmannsaristokratie“ 20 konstatieren. Aufgrund der auch für Karthago geltenden Dominanz der landwirtschaftlichen Produktion für jegliche Form menschlicher Zusammenschlüsse in der alten Welt raubt er dem Karthago Bild viel seiner Besonderheit. Auch die karthagische Nobilität, deren Exponenten bei Cannae als Befehlshaber in Erscheinung treten, sind hinsichtlich ihres Wertesystems von ihren römischen Gegenspielern nicht allzu stark zu unterscheiden. „Militärische Erfolge und die Bekleidung von Ämtern“ 21 sind für Ameling die wichtigsten Möglichkeiten zur Steigerung des sozialen Kapitals karthagischer Adeliger, zwischen denen ein „dauernder Wettbewerb herrschte“ 22 . Als Materialisation ihres Ansehens dienten zumindest in früherer Zeit Ringe, deren Anzahl „so groß war wie die Zahl der Feldzüge, an denen sie teilgenommen hatten“ 23 . Übrig bleibt vom Bild des nicht kriegstüchtigen Karthagos allein die Dominanz des „Söldnerheeres“ 24
14 Ameling, W., Karthago. Studien zu Militär, Staat und Gesellschaft, München 1993, S. 8 (Künftig zitiert: Ameling, 1993)
15 Huss, W., Die Karthager, München 1990, S. 344 (Künftig zitiert: Huss, 1990)
16 Daly, 2003, S. 126
17 Samuels, 1990, S. 20
18 Amelings weitgehende Begrenzung auf vor dem 1. Punischen Krieg entstandene Quellen beschränkt seinen Wert für die Beurteilung der Zusammensetzung späterer punischer Heere. In Bezug auf das Wertesystem der karthagischen Nobilität kann aber eine Kontinuität der Wirkungskräfte vermutet werden.
19 Ameling, 1993, S. 249
20 Ebd., S. 271
21 Ebd., S. 264
22 Ebd.
23 Huss, 1990, S. 344
24 Ameling, 1993, S. 223
5
hellenistischen Typs, welches Hannibal über die Alpen führte und die schon weiter zurückgehende Tradition der Anwerbung von Söldnern. Den Lösungsansatz für diesen Einwand sieht Ameling nicht in einer spezifisch anderen Mentalität der Karthager, sondern „im Bereich der Demographie“ 25 , die letztendlich zu einem Ausweichen auf die Indienstnahme von Söldnern führte, um die Lebensfähigkeit der karthagischen Wirtschaft zu erhalten. 26
Doch in einem wichtigen Punkt unterschieden sich punische hohe Offiziere von ihren Gegnern. Sie wurden nicht in einer jährlichen Wahl neu bestellt, sondern „were instead appointed for a specific military task“ 27 und besaßen im direkten Vergleich „weitreichende Kompetenzen“ 28 . Durch die längere Dienstzeit kam es so zur Ausbildung einer eigenen Militärtradition bei einigen karthagischen Familien der Nobilität, deren wichtigste sicherlich die Barkiden waren. 29 Trotz der dadurch gegebenen Sozialisation zum Befehlshaber und der Weitergabe von Erfahrungen gilt es aber immer zu beachten, dass an der Spitze einer antiken Armee kein durch Generalstabsarbeit geistig armierter „German war-lord with a trained staff“ 30 stand und damit auch den individuellen Fähigkeiten der jeweiligen Heerführer mehr Gewicht beizumessen ist.
Selbst der überaus kritische Hannibalbiograph Jakob Seibert kommt nicht umhin, dass Subjekt seiner Biographie als „exzellente[n] Schlachtentaktiker“ 31 und begabten Logistiker zu rühmen. Das ihm testierte „Einfühlungsvermögen in die Psyche des Gegners“ 32 wird sich sicherlich nicht nur beim Erkennen feindlicher Absichten, sondern auch bei der Auswahl geeigneter Unterfeldherrn ausgezahlt haben. Die von Seibert aufgeworfene rhetorische Frage, „welcher Feldherr konnte sich rühmen, daß seine Soldaten nie rebellierten“ 33 ist besonders vor dem Hintergrund der Heterogenität des Heeres und der Dauer der Operationen im Feindesland nicht hoch genug einzuschätzen.
Durch die Beratertätigkeit des Spartaners Xanthippus um die Mitte des dritten Jahrhunderts kann auf eine strikte Befehlskette entsprechend dem Vorbild des spartanischen Heeres geschlossen werden. 34 Die unbestrittene Führungsposition des Barkiden Hannibal unterstreicht diese Annahme aus einer anderen Argumentation heraus.
25 Ebd., S. 204
26 Zur Frage ob auch im zweiten punischen Krieg noch Bürgerkontingente kämpften, siehe Ameling, S. 194
27 Daly, 2003, S. 124
28 Huss, 1990, S. 346
29 Daly, 2003, S. 125
30 Whatley, 1964, S. 130
31 Seibert, J., Hannibal, Darmstadt 1993, S. 482 (Künftig zitier: Seibert, 1993)
32 Ebd., S. 483
33 Ebd.
34 Daly, 2003, S. 127
6
Arbeit zitieren:
Johannes Mauritius Schäfer, 2008, Die Schlacht von Cannae, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Schlacht von Cannae und ih...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Johannes Schäfer hat den Text Die Schlacht von Cannae veröffentlicht
Johannes Schäfer hat einen neuen Text hochgeladen
Rum Eigg Muck Canna and Sanday
The Ghosts of Cannae: Hannibal and the Darkest Hour of the Roman Repub...
Robert L. O'Connell
Die großen Schlachten der Antike
Kelly DeVries, Martin Dougherty, Iain Dickei, Phyllis G. Jestice, Rob S. Rice, Karin Schuler
0 Kommentare