Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Darstellung des deutschen Schulsystems 5
2.1. Historische Entwicklung. 5
2.2. Heutiges Schulwesen in Deutschland. 6
3. Probleme im deutschen Schulwesen. 9
3.1. Sortieren nach Leistung - ein Problem an sich? 9
3.2. Gewachsenes Chaos und Vortäuschen falscher Tatsachen 11
3.3. Die Risikoschüler. 13
4. Lösungsansätze 15
4.1. Vertikales vs. horizontales Schulsystem. 15
4.2. Verbesserung der Unterrichtsqualität 16
5. Schlussbemerkung 19
6. Literaturverzeichnis 21
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1. Einleitung
„Eine gute Bildung ist für die Jugend ein Zuchtmittel, für das Alter ein Trost, für den Armen Reichtum und für den Reichen ein Schmuck.“ (Diogenes von Sinope, etwa 400-323 v. Chr.)
Nach dieser Definition ist Bildung universell einsetzbar: Jeder Mensch kann auf vielfältige Weise von ihr profitieren, nachdem er sie (vielleicht widerwillig) in jungen Jahren genossen hat. Somit ist der Begriff der ‚guten Bildung’ durchaus positiv konnotiert.
Doch wie erlangt man eigentlich eine ‚gute’ Bildung - und wie lässt sich diese (inhaltlich) definieren? In erster Linie wird davon ausgegangen, dass vor allem die Schule uns ‚bildet’. Denn oft wird angeführt, sie habe einen sogenannten Bildungsauftrag inne; und das, was die Eltern ihren Kindern nicht beibringen können, müssen dafür professionell ausgebildete Lehrkräfte übernehmen. So werden einem jungen Menschen während seiner gesamten Schulzeit Dinge gelehrt, die ihm (offenbar) den späteren Alltag erleichtern sollen (während im obigen Zitat des Diogenes eine gute Bildung eher Mittel zum Zweck ist). Mit Aussagen wie „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“ versuchen die Lehrer entsprechend, ihre Schüler zu motivieren. Allerdings bleibt noch immer die Frage offen, was und wie und unter welchen Voraussetzungen gelehrt und gelernt werden soll. Eine Antwort scheint zunächst einfach, sind doch die Lerninhalte in einzelne Unterrichtsfächer eingeteilt, die (aller Wahrscheinlichkeit nach) den Anspruch erheben, für das Leben elementar zu sein. Doch es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, die relevanten Inhalte der einzelnen Fächer zu untersuchen; bedeutender scheint hier die Feststellung, dass die Schulzeit überhaupt eine entscheidende Phase im Leben eines Menschen darstellt. Und so kann auch gleichzeitig festgehalten werden, dass die Bedingungen, unter denen er dieses Wissen für sein späteres Leben erwerben kann, umso wichtiger scheinen; weil die Schulen letztendlich für die (Aus-)Bildung eines Menschen verantwortlich sind, kann gute Bildung auch nur in ‚guten’ Schulen erfolgen (wie diese aussehen könnten, wird an späterer Stelle geklärt). Es scheint also ein enger Zusammenhang zwischen der Art des Lernens bzw. Lehrens und der Bildung zu existieren. Wie aber oben schon angedeutet wurde, zeichnet eine ‚gute’ Bildung nicht nur die Fähigkeit aus, möglichst viel zu wissen, sondern auch die Gabe, dieses Wissen sicher anwenden zu können. Um festzustellen, ob und in welchem
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Maße jene Fähigkeiten bei den Schülern ausgebildet sind, können diese überprüft und die Ergebnisse mit anderen Bezugsgruppen verglichen werden. Dies ist bereits häufiger geschehen, und so wurden auch internationale Unterschiede aufgezeigt. Eines der bekanntesten Verfahren hierbei ist PISA: Dass bei den entsprechenden Tests von deutschen Schülern nur mittelmäßige Ergebnisse erzielt wurden, dürfte durch Schlagzeilen einiger Tageszeitungen (z.B.:„Wie dumm sind Deutschlands Schüler?“) allgemein bekannt sein. Während aber die Presse die deutschen Schüler persönlich für diese Misere verantwortlich macht, vermuten andere pure Unfähigkeit der Lehrer. Doch hat eine der beiden Seiten recht? Oder liegen die Ursachen wo anders? Wenn ja, wie könnten sie bekämpft werden?
All diesen Fragen soll in der vorliegenden Darstellung nachgegangen werden. Dabei wird zuerst das Interesse auf die historische Entwicklung des deutschen Schulsystems gestützt, um aufzeigen zu können, welche Ursprünge die aktuelle Lage haben könnte. In einem darauffolgenden Blick auf die heutige Situation der hiesigen Schulen sollen die gängigen Schulformen vorgestellt werden, damit im nächsten Abschnitt eventuelle Probleme diskutiert werden können, die sich daraus ergeben. Dabei wird auch die Lehrplanorganisation eine nicht ganz unerhebliche Rolle spielen. Ferner soll das Augenmerk auf die sogenannten ‚Risikogruppen’ gerichtet werden, um darzustellen, inwiefern gerade bestimmte
Schülergruppierungen von den zuvor genannten Dilemmata betroffen sind. Die letzte Einheit der Arbeit widmet sich den Vorschlägen zur Verbesserung der Schulsituation in Deutschland. Dabei sollen auch die zuvor diskutierten Probleme z.T. mit aufgegriffen werden, damit erörtert werden kann, wie sie sich beheben lassen - und die Bildungslage in Deutschland dadurch verbessert werden könnte. Zitate sind in der vorliegenden Arbeit als solche in Anführungszeichen kenntlich gemacht und mit Verweis auf die entsprechende Quelle in Klammern versehen. Alle anderen eingeklammerten Hinweise, z.B. (vgl. Kap. 2.1.), sind Binnenverweise dieser Arbeit.
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2. Darstellung des deutschen Schulsystems
2.1. Historische Entwicklung
Das deutsche Schulsystem der vergangenen Jahrhunderte orientierte sich vor allem an gesellschaftlichen Ständen der Schülerschaft. So konnten sich im Mittelalter nur bestimmte Leute überhaupt eine Schulbildung ihrer Kinder leisten; Wissen wurde den Zöglingen der Privilegierten dann durch Hauslehrer oder den Besuch einer Schule für ‚Gleichgestellte’ vermittelt (vgl. Friedrich 2006, S. 85). Bis zur Französischen Revolution genügte es außerdem, wenn die Arbeitnehmer einen gewissen Bildungsstand nachweisen konnten. Wo dieser erworben wurde, war letztendlich uninteressant, so dass Zeugnissen keine große Bedeutung beigemessen wurde. Im 18. Jahrhundert befahlen die Fürsten dagegen der Bevölkerung den Schul- bzw. Unterrichtsbesuch deren Kinder. 1 Hierbei wurde zwischen ‚höheren’ und ‚niederen Schulen’ differenziert. Weil die Kinder aus unterprivilegierten Familien aber an den höheren Schulen unerwünscht waren, blieb ihnen der Zugang zu diesen häufig verwehrt. So mussten sie die Volksschule besuchen (vgl. ebd.). Außerdem konnten die Eliten die (höhere) Schule für ihre Kinder frei wählen, während den Schülern aus ärmeren Verhältnissen eine bestimmte Volksschule (meist innerhalb des Wohnortes) vorgeschrieben wurde. Auch konnten sie sich - im Gegensatz zu der ‚einfachen’ Bevölkerung - oft einen Hauslehrer leisten. Der Einfluss des gesellschaftlichen Standes eines Kindes auf dessen Schulbesuch wirkte auch im 19. Jahrhundert fort. Erst im Kaiserreich wurde dieses System einem Strukturwandel unterzogen: Die höheren und niederen Schulen wurden weiter ausdifferenziert, und etwas später (1920) wurde von den Weimarer Demokraten die Grundschule durchgesetzt, die die Kinder aller Gesellschaftsschichten in den ersten vier Schuljahren gemeinsam besuchen sollten, bevor sie ab der 5. Klasse in weiterführende Schulen aufgeteilt wurden (vgl. Herrlitz et al. 1993, S. 231). Die Trennung nach Geschlechtern war jedoch in allen Schulen noch stark ausgeprägt und hielt z.T. bis in die 1960er Jahre an. (Heute ist sie nur noch an einigen Privatschulen, wie z.B. Internaten, präsent.) Überhaupt wurde in den 1960er Jahren das deutsche Schulsystem etwas aus seiner Traditionsverhaftung gelöst; integrative Schulwege kamen hinzu, wie die Einrichtung
1 Schul- und Unterrichtspflicht werden hier isoliert betrachtet. Unterrichtspflicht heißt, dass die Kinder
unterrichtet werden sollen (z.B. auch durch einen Hauslehrer bei sozial höher-gestellten Familien);
Schulpflicht bedeutet, dass die Kinder eine Schule besuchen müssen (vgl. dazu Friedrich 2006, S.
85f).
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von Orientierungsstufe oder Gesamtschule unschwer erkennen lassen. Außerdem entwickelte sich um 1960 eine überregionale Bildungspolitik (vgl. dazu Baumert et al. 1979, S. 11).
2.2. Heutiges Schulwesen in Deutschland
Das Schulwesen wird zunächst grob unterteilt in den Elementar-, den Primar-,
den Sekundar- und den Tertiärbereich.
Der Elementarbereich zeichnet sich aus durch den freiwilligen Besuch von Kindergärten oder Kindertagesstätten, die meistens von Kirchen, Kommunen oder Wohlfahrtsverbänden getragen werden. Darüber hinaus existieren bestimmte Vorschulen oder Förderkindergärten, die vor allem für die vom Schulbesuch zurückgestellten Kinder eingerichtet werden und deren Besuch dann verpflichtend sein kann (vgl. Friedrich 2006, S. 202).
Die Grundschule ist dem Primarbereich zuzuordnen. Ihr verpflichtender Besuch setzt unmittelbar nach der Kindergarten- bzw. Vorschulzeit ein. Seit Einführung der Grundschule (vgl. Kap. 2.1.) ist das Besondere an ihr, dass die Kinder aller sozialen Schichten und unterschiedlicher Leistungsstandards sie gemeinsam besuchen. In Deutschland beträgt ihr Besuch nur vier Jahre (mit Ausnahmen der Bundesländer Berlin und Brandenburg: sechs Jahre); neben Österreich und Slowenien ist Deutschland einer der wenigen OECD-Staaten, in denen dieser ‚Minusrekord’ erreicht wird, denn in allen anderen Ländern umfasst der gemeinsame Schulbesuch mindestens sechs Jahre (vgl. Brenner 2006, S. 37).
Nach der Grundschule beginnt die Sekundarstufe, deren Aufteilung schon etwas komplexer wirkt. (Wie an späterer Stelle gezeigt werden soll, wird auch zwischen dem Sekundarbereich I und dem Sekundarbereich II differenziert.) Hier setzt in Deutschland das sogenannte dreigliedrige Schulsystem ein: Aufgrund ihrer Grundschulleistungen wird den Schülern entweder der Besuch des Gymnasiums oder der Realschule oder der Hauptschule empfohlen. Diese Empfehlung ist allerdings nicht bindend, so dass die Schüler selbst bzw. ihre Eltern die Schullaufbahnentscheidungen mittragen können. Darüber hinaus existierte bis vor einigen Jahren in Niedersachsen und Bremen für das 5. und 6. Schuljahr noch die eigenständige Form der Orientierungsstufe; das gleiche Procedere um die Schullaufbahnempfehlungen begann entsprechend zwei Jahre später, die aber hier
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Arbeit zitieren:
Mirco Rauch, 2007, Noten für die Schule: Eine kritische Analyse des deutschen Schulsystems, München, GRIN Verlag GmbH
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