Inhalt
1. Entstehung des Begriffs 1
2. Historische Zusammenhänge 1
2.1. Entwicklung der Popular Song Industry 1
2.2. „Konsum“ populärer Musik im Amerika des ausgehenden 19. Jahrhunderts 2
2.3. Ein kurzer Überblick über die musikalischen Einflüsse in den damaligen USA 2
2.3.1. Minstrel Shows 2
3.3.2. Ragtime 3
3.3.3. Die amerikanische Operette 3
2.3.4. Die Vaudeville Show 4
3. Formen der Vermarktung 5
3.1. „Song Plugging“ 5
3.2. Einsatz kompositorischer Mittel 6
3.3. Verkaufszahlen und Urheberrecht 7
4. Die bedeutendsten Komponisten und ihre bekanntesten Songs 8
5. Zusammenfassung 9
6. Literatur 10
7. Anhang 11
1. Entstehung des Begriffs
Als das amerikanische „Music Publishing Business“ ein noch relativ junges, aber bereits in stetigem Wachstum befindliches Geschäft war, wurde der junge Songwriter Monroe H. Rosenfeld im Jahre 1899 vom „New York Herald“ beauftragt, einige Artikel zu diesem Thema zu verfassen.
Bei seinen Recherchen besuchte er unter anderem auch die Büros des Harry von Tilzer in der
28. Straße 42 West im Bereich um die 5th Avenue. Beim Verlassen eines dieser Büros vernahm er die Geräuschkulisse vieler gleichzeitig (aber unkoordiniert) erklingender Klaviere aus den Gebäuden der anderen dort ansässigen Musikverlage und verglich diesen Eindruck mit dem Aneinanderschlagen von Blechtöpfen oder auch Zinn-Pfannen. In den daraufhin zwischen 1900 und 1903 veröffentlichten Artikeln benutzte er diesen Vergleich, indem er den Verlagsdistrikt als Tin Pan Alley bezeichnete, was man in die deutsche Sprache sinngemäß mit „Zinn-Pfannen-Gässchen“ übersetzen könnte. Damit hatte er den Begriff für ein Phänomen geprägt, auf dessen Ursprünge und Entwicklung in den folgenden Abschnitten weiter eingegangen werden soll.
2. Historische Zusammenhänge
2.1. Entwicklung der Popular Song Industry
Die ersten Verlage, die sich auf die Vermarktung populärer Musik spezialisiert hatten, siedelten sich zwischen 1880 und 1885 im damaligen New Yorker Vergnügungsviertel zwischen dem Union Square und der 14. Straße an. Dafür stellvertretend werden hier T.B. Harms, Willlis Woodward & Company sowie M.Witmark & Sons erwähnt.
Als sich zwischen 1890 und 1900 die Theater und Restaurants verstärkt im Bereich um die
27. und 28. Straße zwischen der 5th Avenue und dem Broadway konzentrierten, zogen auch die Verlagshäuser in diese Gegend um.
Wie sich herausstellen sollte, entwickelte sich dieses Geschäft zu einem Wachstumsmarkt, und so kamen zu den bereits erwähnten Verlegern noch die Folgenden hinzu: Stern & Marks, Shapiro-Bernstein, Broder & Schlam, Charles K. Harris sowie Jerome H. Remick & Company.
Um für ihre Kompositionen höhere Gewinne zu erzielen, entschieden sich einige Komponisten zum Selbstverlag ihrer Werke. Das bekannteste Beispiel hierfür ist der Song „After the Ball“ von Charles K. Harris.
Dieser veröffentlichte den Titel im Jahre 1892 selbständig, nachdem er von den bereits erwähnten M.Witmark & Sons für das vorher bei ihnen verlegte „When the sun has set“ eine Gewinnbeteiligung von lediglich 84 Cent 1 erhalten hatte.
Harris verkaufte von „After the Ball“ 5 Millionen Exemplare und konnte vom Gewinn seinen eigenen Verlag gründen.
1 andere Quellen: 95 Cent
1
2.2. „Konsum“ populärer Musik im Amerika des ausgehenden 19. Jahrhunderts
Wenn wir heute von der Musikindustrie sprechen, verbinden wir damit wie selbstverständlich die Vorstellung von Tonträgern wie der Compact Disc und den dazugehörigen Abspielgeräten, von Video-Clips auf den gängigen Musik-Fernsehkanälen und den Möglichkeiten der neuesten Multimedia-Technologien.
Wie hat man sich jedoch die Situation um 1880 vorzustellen?
In den Jahrzehnten nach dem blutigen Sezessionskrieg (1861 - 1865) und der damit verbundenen Abschaffung der Sklaverei erwachte bei der amerikanischen Bevölkerung nach und nach wieder das Bedürfnis nach Zerstreuung und Unterhaltung.
Thomas A. Edison hatte das Prinzip der Schallplatte in Form von Staniolwalzen zwar bereits 1877 zum Patent angemeldet, von einer allgegenwärtigen Verfügbarkeit des Mediums war man aber noch weit entfernt, und auch die Qualität des Aufgezeichneten ließ noch sehr zu wünschen übrig.
Um die neuesten Schlager und Gassenhauer zu hören, ging man in Revuen und Musiktheater-vorstellungen, die in Theatern und sogenannten Variety-Halls aufgeführt wurden. Das Publikum wollte die Ohrwürmer gerne nachsingen, sich dazu selbst am Klavier begleiten oder begleiten lassen. Dazu wurden die Songs als sogenannte sheet music veröffentlicht. So bezeichnete man gedruckte Einzelausgaben die auf Sheets (sinngemäß: Notenblättern) erschienen und in der Regel für Klavier und Gesang arrangiert waren. Nachweislich nahm der Verkauf von Klavieren an private Haushalte in jener Zeit zu.
Auf diesem Weg konnte die Musik unter der Bevölkerung verbreitet werden, auch ohne dass jeder unbedingt die zum Song gehörige Show besuchen musste.
Die Grundlage für ein Verlagswesen war geschaffen, das sich vollständig auf den Bereich der Unterhaltungsmusik konzentrieren konnte; so, wie es im vorhergehenden Abschnitt bereits beschrieben wurde.
2.3. Ein kurzer Überblick über die musikalischen Einflüsse in den damaligen USA
Um sich die Entwicklung der Tin Pan Alley und ihrer Vermarktungsstrategien nur annähernd vorstellen zu können, ist es notwendig, den kulturellen Nährboden etwas näher zu betrachten, auf dem die Veröffentlichung und der Vertrieb von populärer Unterhaltungsmusik zu einer so einflussreichen künstlerischen und wirtschaftlichen Macht heranwachsen konnte. Sowohl die Vermischung der Lebensformen von Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen, als auch die bereits erwähnten Ergebnisse des Bürgerkrieges führten zu neuartigen Aufführungsformen und Musikstilen, die hier kurz beschrieben werden sollen.
2.3.1. Minstrel Shows
In Anlehnung an die fahrenden Spielleute (franz.: ménestrels, engl.: minstrels), die im Frankreich und England des 14. Jahrhunderts die Ritter bei ihren Sängerwettstreiten begleiteten, nannten sich in Nordamerika umherziehende Bänkel- und Moritatensänger Minstrels. Durch Einflüsse aus den Südstaaten und der dort zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch existierenden Sklaverei entwickelten sich daraus kleine Programme, in denen weiße Solisten sich als Schwarze verkleideten und schminkten und im „Negerslang“ singend und sprechend die Kultur der Afroamerikaner nachahmten.
Die Veranstaltungen wurden immer umfangreicher. Man trat auf Bühnen auf, sang Lieder, die vornehmlich vom Banjo begleitet wurden, tanzte dazu und karikierte in kleinen Sketchen das Alltagsleben.
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Stefan Huth, 2003, „Schlager vom Fließband“, Munich, GRIN Publishing GmbH
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