Inhalt
Vorwort 2
Der beschwerliche Weg 3
Die Eroberung Jerusalems 6
Die Belagerung 6
Die Franken nehmen die Stadt ein 8
Der Sieg und seine Folgen 9
Die Brutalität der Eroberer. 11
Fazit 14
Literaturverzeichnis 16
Vorwort
Ezekiel 5, 5: „Ista est Jerusalem,
in medio gentium posui eam, et in circuitu eius terras.”
Dieses Jerusalem, hier als Mittelpunkt der Welt dargestellt, war Ende des 11. Jahrhunderts nach Christus das Ziel eines eindrucksvollen Marsches der westeuropäischen Fürsten mit ihren Heeren. Nachdem Papst Urban II. dazu aufgerufen hatte, ins Morgenland zu ziehen und die heiligsten Stätten des Christentums von den Ungläubigen zu befreien, machten sich mehrere zehntausend Menschen, darunter hochrangige Fürsten, tapfere Ritter und fromme Geistliche, aber auch viele Frauen, Kinder und einfaches Fußvolk, auf ins weit entfernte Palästina, um die heilige Stadt der Christenheit zurückzugeben. Ihre Geschichte soll Thema der vorliegenden Arbeit sein. Dabei ist mein Ziel, den aktuellen Forschungsstand übersichtlich darzulegen und die verschiedenen Aspekte, aber auch Betrachtungsweisen der Chronisten und Historiker aus unterschiedlichen Kulturkreisen einzubeziehen. Insbesondere will ich dabei auf die zwei Fragen eingehen, inwiefern christliche Motive, wie die Rückeroberung Jerusalems für die Christen, wirklich für die Menschen ausschlaggebend waren, solche Strapazen auf sich zu nehmen und wie weit die von den Chronisten geschilderte Brutalität bei der Eroberung nötig und üblich war, beziehungsweise überhaupt der Realität entsprach.
Zuerst werde ich den Weg der einzelnen Heere von Westeuropa bis nach Jerusalem betrachten. Dieser beschwerliche Weg macht dementsprechend die Hauptsache der Literatur aus, die über den ersten Kreuzzug existiert. Eine der wichtigsten Quellen war in diesem Zusammenhang für mich „Der Weg nach Jerusalem“ von Humbert Fink. Er geht sehr detailliert auf das Thema ein und erklärt ebenso Zusammenhänge mit themaverwandten Fakten. Allerdings zieht er ab und zu etwas vorschnell Schlüsse über nicht ausreichend dargelegte Tatsachen. Auch meine verwendete Originalquelle, die „Gesta Francorum et aliorum Hierosolimitanorum“ von einem anonymen, zeitgenössischen Chronisten aus Süditalien war bei diesem Punkt, wie auch bei den meisten anderen Teilen
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meiner Arbeit, äußerst hilfreich. Auf diesen Gedanken folgt später die Eroberung Jerusalems an sich, aufgeteilt in Belagerung, Erstürmung und die Situation danach. Hier kamen neben der gerade genannten „Gesta Francorum“ hauptsächlich die Werke Peter Milgers und Guy Lobrichons, sowie das sehr knapp gehaltene Buch über die Kreuzzüge von Nikolas Jaspert zum Einsatz. Peter Milgers Arbeit besteht dabei größtenteils aus Zitaten von Originalquellen mit kurzen, eingeschobenen Anmerkungen. Beim finalen Punkt, der „Brutalität der Eroberer“ lieferten die meisten Informationen Kaspar Elm und Klaus Herbers in ihren Aufsätzen, die eher die aktuellsten Forschungsergebnisse darstellen. Im Großen und Ganzen kann man die Quellenlage als sehr gut bezeichnen. Vor allem durch die vorbildlichen Berichte der zeitgenössischen Chronisten ist es möglich, sich ein sehr genaues und weitestgehend unbeeinflusstes Bild zu machen.
Der beschwerliche Weg
Nachdem die meisten Anhänger des so genannten Volkskreuzzugs, die mehr oder weniger blauäugig ihren, der Kriegskunst fast komplett unkundigen Anführern Peter von Amiens, genannt der Einsiedler, und Walter Sans-Avoir, in den Krieg gegen die Heiden gefolgt waren, den Tod gefunden hatten 1 , brachen im Sommer bis Herbst 1096 mehrere Heere, von denen hauptsächlich fünf zu unterscheiden sind, angeführt von in kriegerischen Angelegenheiten vorzüglich ausgebildeten und hochrangigen Fürsten ebenfalls gen Osten auf. Nikolas Jaspert fasst die einzelnen Heere mit ihren Anführern in seinem Werk „Die Kreuzzüge“ folgendermaßen zusammen: „Das erste und größte Kontingent stellten die Süd- und Westfranzosen. Sie marschierten unter der Leitung des Grafen von Toulouse, Raimund IV. (…). Die zweite Truppe wurde von Lothringern unter Herzog Gottfried V. von Niederlothringen, genannt Gottfried von Bouillon (…), und seinem Bruder Balduin (…) gebildet. Die Normannen und Flamen stellten
1 Vgl. Fink,Humbert, Der Weg nach Jerusalem, S.82ff.
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das dritte Heer. Sie zogen unter Herzog Robert II. von der Normandie (…) sowie den Grafen Stephan von Blois (…) und Robert II. von Flandern (…). Hugo von Vermandois, der Bruder des französischen Königs Philipp I., führte ein viertes Kontingent an, während schließlich die süd-italienischen Normannen Bohe-mund (…), dem ältesten Sohn des mächtigen Robert Guiskard (…), unterstanden. Er wurde begleitet von seinem Neffen Tankred.“ 2 Den Oberbefehl übernahm nicht Papst Urban II. persönlich. Er entsandte vielmehr einen Legaten, der diese Aufgabe übernehmen sollte. So schloss sich ein gewisser Bischoff Adhemar von Le Puy zunächst dem Zug unter der Führung Raimunds von Toulouse an. 3 In der Realität erwies sich jedoch schnell, dass es keinen Oberbefehlshaber, erst Recht keinen geistlichen, geben konnte. Der Machtkampf zwischen den einzelnen Fürsten, die grundsätzlich von verschiedenen Motiven angetrieben in die Levante zogen und deswegen auch nicht nur leicht von einander abweichende Vorstellungen von ihrer „Pilgerfahrt“ hatten, wurde zu einer zusätzlichen Handlungsebene, die sich durch die gesamte Geschichte des ersten Kreuzzugs zieht. Dies ließ keinen Raum für eine alle Armeen umfassende Heerführung.
Zu einer einzigen Armee zusammenschließen sollten sich die Kreuzfahrer jedoch trotzdem, auch wenn dies angesichts eines fehlenden Oberbefehls schwer vorzustellen ist. Aber nur so bestand überhaupt eine Chance den beschwerlichen Weg bis nach Jerusalem durchzustehen. Als Zusammenführungspunkt erschien Konstantinopel am sinnvollsten. Bis dorthin waren die einzelnen Heere auf sich allein gestellt. Bohemund, sowie Robert von der Normandie und Hugo von Vermandois wählten teilweise den Seeweg: Sie überquerten von Italien aus die Adria. Letztgenannter musste bei dieser Gelegenheit ernste Verluste verzeichnen, als einige seiner Schiffe zwischen Bari und Dyrrhachion in einem Sturm kenterten und dabei viele seiner Männer ihr Leben verloren. Er selbst hatte jedoch das Glück, gerettet zu werden.
Auch auf dem Landweg war mit vielen Beschwerlichkeiten zu kämpfen, jedoch trafen nach und nach alle Heerführer mit ihren Männern in Konstantinopel ein, wo sie der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos erwartete, der sich zwar
2 Jaspert,Nikolas, Die Kreuzzüge, S.38.
3 Vgl. Fink,Humbert, Der Weg nach Jerusalem, S.154.
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Arbeit zitieren:
Josepha Mohr, 2007, Die Eroberung Jerusalems, München, GRIN Verlag GmbH
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