Inhaltsverzeichnis
I.) Einleitung. 3
II.) Prozess des Zerfalls Die Kluft zwischen liberalem und nationalem Lager. 4
II.1) Die Gründungspersönlichkeiten 4
Dr. Herbert Kraus 4
Viktor Reimann 6
II.2) Gründe für interne Parteidifferenzen verhängnisvolle Personalpolitik und
inhomogener Kader auf Länderebene 7
Verhängnisvolle Personalpolitik Besetzungsproblematik hinsichtlich der
F ührungspositionen 7
Inhomogene politische Ausrichtung der Landesverbände 7
Dr. Fritz Stüber 8
Gordon Gollob 10
Die steirische Parteiatmosphäre als Nährboden der nächsten Parteigeneration 11
Das „Breitner-Komitee“ - Zusammenarbeit verschiedener Gruppen zur
Verbreiterung der Basis 12
Die „Junge Front“ 12
Die Folgen der Personalpolitik am Beispiel „Neuwirth“ 13
Neuwirth - ein Opfer der „Aktion“ 14
II.3) Äußere Anzeichen einer Krise. 15
Wahlergebnisse 9.10.1949 15
Wahlergebnisse 22.2.1953 15
Das Problem der inhomogenen Wählerschaft 16
Keine klare politische Orientierung 16
Allgemeine politische Veränderungen 16
II.4)Stärkung der nationalen Kräfte durch die allgemeine Parteikrise 17
Das Scheitern der Regierungsverhandlungen Auswirkungen auf die
Parteizusammensetzung 17
Bundesverbandstag des VdU am 15./16. Mai 1956 - letzter Versuch Einheit zu
demonstrieren. 18
Ergebnisse und Auswirkungen der Wahlen vom 17. 10. 1954 18
weitere Verluste bei Landtagswahlen : 18
Gemeinderatswahlen 1955 Zurückdrängung des VdU 19
1
II.5) WdU Nicht Regierungsfähig ? 20
Bundespr äsidentschaftswahlen und ihre Auswirkungen auf den VdU 20
Die „Kraus - Eigenaktion“ 21
II.6) Neuformierung des freiheitlichen Lagers 22
Politische Reaktivierung eines Symbols Dipl. Ing. Reinthaller und der VdU 22
Zerfall der „alten“ Parteiorganisation. 23
Letzter Rettungsversuch. 23
Machtverschiebung innerhalb des VdU 23
III. Neubeginn Gründung der FPÖ. 24
III.1) Entstehung der „Freiheitspartei“ 24
Neuordnung des national - freiheitlichen Lagers keine einheitliche Richtung 25
schrittweise Reaktion der Landesgruppen: 25
Vollkommene Zersplitterung des VdU 27
Verschiedene Strömungen im nationalen Lager: 27
III.2) Durchbruch der Freiheitlichen 28
Finanzielle Probleme forcieren die Auflösung des VdU 28
Unionierung der freiheitlichen Gruppierungen 28
Erstes Wahlergebnis der „neuen“ Einheitspartei Oberösterreichische
Landtagswahlen (23. Oktober 1955) 29
III.3) Namensgebung der neuen Partei. 29
III.4) Kurzparteiprogramm. 30
III.5) 27. März 1956 „Krisensitzung in Salzburg“ 30
Ger üchte um die Kandidatenaufstellung. 30
Unklarheiten bezüglich des weiteren Schicksals des Vd.U 31
III.6) Gründungsparteitag der FPÖ in Wien- Im Zeichen der Einheit 31
Richtlinien der neuen freiheitlichen Partei : 32
„Untergrunddasein“ Schicksal der VdU-Restgruppen 32
III.7) Die Nationalratswahl 1956 - Belastungsprobe für die neue Partei. 33
Wahlergebnisse - 13. Mai 1956 im Vergleich zu den Ergebnissen der letzten
Nationalratswahlen 33
Parteiinterne Analyse des Wahlergebnisses 34
Innerer Zusammenhalt trotz negativer Wahlergebnisse 35
Sieger der Wahl - die große Koalition 36
2
III.8) Neuerlicher Versuch einer aktiven Mitregierung der FPÖ „Gemeinsam mit
der ÖVP für Dr. Denk“ 36
III.9) Dritter Bundesparteitag in Salzburg. 37
IV.) Zusammenfassung 38
V.) Literaturübersicht 39
3
I.) Einleitung
Die Parteigeschichte des national-liberalen Lagers in Österreich gestaltete sich seit der Parteigründung 1949 einigermaßen turbulent. Der Erfolg bei den Nationalratswahlen 1949 konnte bei den nachfolgenden Wahlen nicht mehr wiederholt werden. Schließlich kumulierten innere und äußere Ereignisse in der Auflösung des VdU (Verein der Unabhängigen) und der Gründung der FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs).Was waren die Gründe, die zum Auflösungsprozess des VdU führten? Warum kam es zum Zerwürfnis innerhalb der Partei, hatten die „Großparteien“ Einfluss auf dieses Geschehen? Wie stellte sich die „neue“ Partei dar, und welche Rolle wollte sie zukünftig spielen? In welcher politischen Atmosphäre vollzog sich dieser Wechsel?
Um diese Fragen beantworten zu können, teilte ich die Thematik „Zerfall und Neubeginn ~ Gründung der FPÖ“ in zwei Abschnitte. Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit den Gründen des VdU-Zerfalls. Innere und äußere Gegebenheiten trugen dazu bei. Die verhängnisvolle Personalpolitik des VdU-Parteigründers Kraus, die ihn in das parteipolitische Abseits brachte, soll durchleuchtet werden. Eine Analyse der Wahlverluste (Nationalratswahl 1953, Landtagswahlen 1954, Arbeiterkammerwahlen 1954) macht auch die veränderte politische Stimmung im Land sichtbar. Der Oppositionswille schwindet. Die Entnazifizierung ist zu Ende, man widmet sich lieber dem Wiederaufbau und dem gesellschaftlichen Aufstieg. Bedingt durch den inhomogenen Wählerpool des VdU wechseln daher viele ehemalige VdU-Wähler zu den Großparteien ( vor allem der ÖVP).
Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit der Gründung der FPÖ. Bestärkt durch schlechter werdende Wahlergebnisse und innerparteiliche Zerstrittenheit ging das nationale Lager siegreich hervor. Die Persönlichkeiten, die die „neue“ Partei dominierten und ihr Umgang mit den ersten Krisensituationen werden beschrieben. Diese Arbeit stützt sich auf Primärquellen (Zeitungsartikel) und Sekundärliteratur. Als besonders wichtig erwiesen sich die Erinnerungen der Parteigründer Kraus und Reimann. Politische Statistiken und kritische Analysen der Parteiprogramme und Politiker hinsichtlich ihrer nationalen Ausrichtung rundeten den Arbeitsbereich ab.
3
II.) Prozess des Zerfalls ~ Die Kluft zwischen liberalem und nationalem Lager
II.1) Die Gründungspersönlichkeiten
Besondere Bedeutung für Werdegang und „Zerfall“ des VdU besaßen innerhalb der Partei die Vertreter des „liberalen“ Lagers wie Dr. Herbert Kraus und Viktor Reimann.
Dr. Herbert Kraus
Kraus, am 18. 11. 1911 in Agram geboren, entstammte einer altösterreichischen Offiziersfamilie. Sein Vater, ein kaiserlich-königlicher Generalstabsoffizier, fiel bereits 1914 am Beginn des Ersten Weltkrieges.
Bedingt durch die häufigen Ortswechsel während seiner Kindheit kam Kraus in Kontakt mit Volksgruppenproblematik (in Italien machten er und seine Mutter Erfahrungen mit der angespannten Situation zwischen Italienern und Deutschen nach dem Krieg) und Sozialismus („Johlende Menschen zogen mit der Fahne durch die Straßen, schlugen Auslagen ein und plünderten. Einem rann das Blut von der Hand.“- Darauf seine Mutter: „Das sind die Roten. Die werden uns auch noch das Letzte wegnehmen. `Gnad uns Gott, wenn sie die Oberhand gewinnen.“ 1 ) . Die christliche Erziehung, die er im bischöflichen Konvikt in Brixen und im Jesuitengymnasium in Feldkirch genossen hatte, prägte seine Haltung zur Kirche. Großen Eindruck hinterließen auch die Kriegserlebnisse eines Onkels, wenn dieser von Leichtsinn, Übermut und Sinnlosigkeit des Krieges erzählte. Nach der Matura in Wien, 1930, bot ihm sein Onkel (Generaldirektor von Siemens) eine Stellung im „Technischen Büro“ der Firma Siemens in Linz an. Er hielt das Betriebsklima aber nicht lange aus und kündigte bereits wieder nach fünf Monaten. Daraufhin beschloss Kraus, in Wien zu studieren. Während seines Studiums an der Hochschule für Welthandel kam er mit verschiedenen politischen Sichtweisen in Berührung. Die vier Brüder seines Vaters vertraten den liberalen „Schoberblock“, seine Mutter und Mitschüler konnten sich eher mit der christlich-sozialen Partei identifizieren. Bekannte aus dem Arbeitermilieu standen auf der „roten Seite“ des politischen Spektrums. Im Laufe seiner Studienzeit kam er auch mit den Ideen Viktor
11 Herbert Kraus, „Untragbare Objektivität“. Politische Erinnerungen 1917 bis 1987 (Wien/München 1988) 13.
4
Frankls in Berührung, der als Dozent einen Vortrag über das kommende unheilvolle Schicksal der Juden hielt.
Bereits 1934 konnte sich Kraus persönlich ein Bild über den Umgang mit Juden im Deutschen Reich machen. Als er wegen der Gründung eines chemischen Betriebes nach Bochum reisen musste, wurde er auf der Rückreise Augenzeuge eines Judenboykotts in Nürnberg. Kraus las während seines Aufenthalts in Deutschland nationalsozialistische Propagandazeitschriften, von denen er sich nach eigenen Angaben abgestoßen fühlte. 2
1935 promovierte er mit einer Arbeit über den „Krisenzyklus in der Investitionsgüterindustrie“. Er bekam aufgrund seiner Fremdsprachenkenntnisse (Französisch, Russisch, Englisch, Holländisch, Tschechisch) den Posten eines Wirtschaftsredakteurs im „Neuen Wiener Journal“. 3 Bevor diese Zeitschrift aus Gründen der Arisierung eingestellt wurde, konnte er Kontakte zum privaten Berliner Wirtschaftspressedienst (NWD) und dem „Südost-Echo“ 4 knüpfen. 1939 ging Kraus endgültig nach Berlin und nahm beide Stellen an. 5
Im Herbst 1940 arbeitete Kraus als Sonderkorrespondent für fünf Wochen, während der deutsch-russischen Wirtschaftsverhandlungen, in Moskau. 6 Als 1941 seine Einberufung erfolgte, wirkte er zuerst qualifikationsbedingt (Sprach-und Ortskenntnisse) in der zentralen Auswertungsstelle der sowjetischen Wirtschaftsnachrichten, später gehörte er zeitweilig der umstrittenen „Heeresgruppe Süd“ an. Diese war für die Art und Weise ihrer „Bekämpfung des Partisanentums“ bekannt. Kraus kritisierte manche Aktionen seiner Heeresgruppe in Feldpostbriefen. Einige Briefe wurden abgefangen, und er wurde wegen „Wehrkraftzersetzung“ angeklagt. Seine Verhandlung fand im Oktober 1944 statt, zu Kriegsende am 8. Mai 1945 erfolgte ein Freispruch. 7 Während eines kurzen Heimaturlaubes im März 1945 wurde er kurzfristig Mitglied der Widerstandsbewegung O5. Seine Eindrücke, inklusive Kritik am kommunistischem System, manifestierte er im Buch „Russland 1941 - Volk, Kultur und Wirtschaft“. Nach Kriegsende konnte er sich
2 Kraus, Untragbare Objektivität 42-63.
4
Das „Südost-Echo“ gehörte zum Reichswirtschaftsministerium für den europäischen Osten.
5 Kraus, Untragbare Objektivität 87-90.
6
Kraus, Untragbare Objektivität 116-125.
7
Kraus, Untragbare Objektivität 132f.
siehe auch : Werner Müller-Kingspor, Neubegründung des freiheitlich-nationalen Lagers in Österreich von 1945 bis 1949 (phil. Diss.,Wien 1972) 146 - 153. 5
aufgrund seiner im Buch geäußerten Russlandkritik und seiner Tätigkeit bei der Abwehr nicht mehr in Wien niederlassen.
Kraus ging zu seiner Schwester und ihrem Mann nach Salzburg. Dort richtete er eine Anfrage an die amerikanische Militärverwaltung, ob er eine gesamtösterreichische Tageszeitung herausgeben dürfte. Dieser Anfrage wurde aber nicht stattgegeben. Er gründete ein Research-Institut „Berichte und Informationen des österreichischen Instituts für Wirtschaft und Politik“ als Ergänzung der demokratischen Einrichtungen. Kraus hoffte, dass eine unabhängige Forschung die Grundlage zu weitblickenden Konzepten und einer über dem Parteikader stehenden Objektivität schaffen könnte. 8 Durch den Rechtsanwalt Dr. Möbius, der ein Hilfskomitee für Flüchtlinge und befreite politische Häftlinge und Heimkehrer leitete, schloss Kraus Bekanntschaft mit Viktor Reimann und Rudolf Strasser, zwei ehemaligen KZ-Häftlingen. 9 Viktor Reimann beurteilte Kraus als einen „Mann des Kompromisses“ und „politischen Schauspieler ohne große Menschenkenntnis“ . Er hielt ihn für eine Persönlichkeit, die „vom Wesen her kein Parteiführer, eher Klubobmann und Finanzreferent“ gewesen sei. 10
Viktor Reimann
Reimann wurde am 25. 1. 1915 in Wien geboren. Nach dem Abschluss des Gymnasiums in Klosterneuburg studierte er zwei Jahre Theologie. er brach das Studium ab, um in Wien Geschichte zu studieren (Promotion 1939). Da er der Roman-Scholz-Gruppe angehört hatte, die gegen den Radikalismus des Nationalsozialismus gerichtet war, wurde er 1940 verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat von einem Volksgericht zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach dem Krieg wurde er stellvertretender Chefredakteur der Salzburger Nachrichten. 11
8 Reimann,Dritte Kraft 42.
siehe auch : Kraus, Österreich zwischen 1945 und 1955 (Wien79) 19. Müller-Klingspor, Neubegründung des freiheitlich-nationalen Lagers 100.
9 Kraus, Untragbare Objektivität 172-174. Kraus, Österreich 21.
10 Reimann, Dritte Kraft 39.
11 Werner Müller-Kingspor, 153.
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II.2) Gründe für interne Parteidifferenzen ~ verhängnisvolle Personalpolitik und
inhomogener Kader auf Länderebene
Interne Konflikte trugen zur Auflösung des, im Februar 1945, gegründeten VdU bei. Ursprünglich als Mittel zur Integration ehemaliger Nazis und anderer Unzufriedener sowie als liberales Gegengewicht zum Proporz der Großparteien erdacht 12 , wurde die Partei allgemein als Sammelbecken alter Nazis abgetan und nicht als „mitregierungsfähig“ betrachtet.
Verhängnisvolle Personalpolitik ~ Besetzungsproblematik hinsichtlich der Führungspositionen
Als „besonders schwierig und risikoreich“ stufte Kraus die Bildung des Funktionärskorps der neuen Partei ein. 13 Anders als in den bereits bestehenden Parteien, in denen die zukünftigen Funktionäre meist „von unten“ in ihre Führungspositionen hineingewachsen waren, war hier kein „Grundkader“ vorhanden. Von den Neomitgliedern des VdU schlossen sich einige aus Begeisterung und politischer Berufung der Partei an, andere sahen einen leichten politischen Aufstieg, quasi einen Versorgungsposten auf politischer Ebene, durch ihr Mitwirken innerhalb der jungen Partei. Kraus versuchte in dieser schwierigen Situation durch seine Art der Personalpolitik die rechte Ecke der Partei zurückzudrängen und durch Erweiterung der Parteibasis das liberale Element zu stärken. Sein „politisches Schach“ ging aber nicht auf. Aus Kompromissbereitschaft ließ er Parteifreunde fallen, die Hinzugekommenen waren meist die falsche Wahl. 14
Inhomogene politische Ausrichtung der Landesverbände
Diverse Vorfälle in den Bundesländern verstärkten den Eindruck, der VdU sei eine „Ehemaligenpartei“. Länderweise gab es große Unterschiede in der politischen Ausrichtung des Funktionärskader und des Wählerstockes. In der russisch besetzten Zone (Niederösterreich, Burgenland und das oberösterreichische Mühlviertel) gehörten die Wähler fast ausschließlich dem alten nationalen Lager an.
12 Kraus, Untragbare Objektivität 193-224.
13 Ebd. 217.
14 Reimann , Dritte Kraft 37f.
7
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Silvia Kornberger, 1998, Zerfall und Neubeginn – Die Gründung der FPÖ, München, GRIN Verlag GmbH
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Österreich nach dem Staatsvertrag
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
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