Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 4
1. Forschungsstand. 5
II. Hauptteil 7
1. Ein historischer Exkurs - die Entwicklung und Entstehung des
Eishockeysports 7
1.1 Die Entwicklung des Schlittschuhes 7
1.2 Geschichtlicher Abriss des Eishockeys 7
1.2.1 Eishockey in Deutschland 8
2. Das Wichtigste über Eishockey in Kürze 8
2.1 Die Spielidee. 9
2.2 Das Spielfeld. 9
2.3 Die Spielzeit. 10
2.4 Spielregeln. 11
2.4.1 Abseits. 11
2.4.2 Unerlaubter Weitschuss des Pucks. 11
2.4.3 Strafen 11
2.5 Taktik und Spielsysteme. 12
3. Anforderungsprofile der Sportart Eishockey. 13
3.1 Motorisches Anforderungsprofil 13
3.1.1 Kraft 13
3.1.2 Schnelligkeit 15
3.1.3 Ausdauer 16
3.1.4 Beweglichkeit. 17
3.1.5 Koordination 17
3.1.6 Zusammenfassung des motorischen Anforderungsprofils 20
3.2 Anforderungen im technisch-taktischen Bereich 21
3.2.1 Technische Voraussetzungen 22
3.2.1.1 Schlittschuhläuferische Fertigkeiten 22
3.2.1.2 Stocktechnik 23
3.2.2 Taktisches Verhalten 24
3.3 Anforderungen an das Persönlichkeitsprofil des Eishockeyspielers. 25
3.3.1 Soziales Verhalten in der Gruppe. 26
3.3.2 Mentaler Bereich 28
3.4 Zusammenfassung der Anforderungsprofile. 30
4. Eishockey im Kontext des Lehrplanes für bayerische Hauptschulen. 32
4.1 Das Profil des Faches Sport im Lehrplan 32
4.1.1 Aufgabe 32
4.1.2 Ziele 33
4.2 Die Ziele und Inhalte der Lernbereiche und die Möglichkeiten des
Eishockeyssportes diese zu er- bzw. auszufüllen 33
4.2.1 Gesundheit 33
4.2.2 Gesundheit und Eishockey. 34
4.2.3 Fairness/Kooperation 37
4.2.4 Fairness und Kooperation im Eishockey 38
4.2.5 Umwelt. 40
4.2.6 Eishockey und Umwelt 41
4.2.7 Leisten, Gestalten, Spielen. 42
4.2.8 Leisten, Gestalten, Spielen im Eishockey 44
4.3 Zusammenfassung: Eishockey und Lehrplan. 44
5. Eignung des Eishockeys als Schulsport über den Lehrplan hinaus. 45
5.1 Fordern statt Verwöhnen 45
5.1.1 Erkenntnisse der Verhaltensbiologie: Die menschlichen Triebe 47
5.1.2 Das System der menschlichen Triebe. 47
5.1.3 Die menschlichen Triebe 49
5.1.4 Der Aggressionstrieb 49
5.1.5 Zerstörung des verhaltensökologischen Gleichgewichts. 50
5.1.6 Die Folgen der Verwöhnung. 51
5.1.7 Möglichkeiten den Folgen der Verwöhnung zu begegnen 53
5.1.8 Eishockey als Lösungsalternative 53
5.1.9 Zusammenfassung Fordern statt Verwöhnen 54
6. Nachteile. 55
6.1 Hallensituation 55
6.2 Kosten. 56
6.3 Trainermangel. 56
6.4. Verletzungsrisiko 57
7. Das Erfurter Sportgymnasium. 58
7.1 Eishockey am Pierre-de-Coubertin-Gymnasium Erfurt. 58
8. Stundenbeispiel 60
III. Schlussbemerkung. 61
IV. Anhang 63
1. Interviews 63
2. Graphische Darstellung der Übungen 68
V. Quellenverzeichnis 71
1. Literaturverzeichnis. 71
2. Internetadressen. 71
3. Abbildungsverzeichnis 72
I. Einleitung
In meiner Laufbahn als Profieishockeyspieler musste ich immer wieder feststellen, dass die Bürger der Fußballnation Deutschland, insbesondere in Städten, in welchen die Sportart Eishockey über keine jahrzehntelange Tradition verfügt, häufig ein verzerrtes Bild vom Eishockeysport haben. Eishockey ist zwar durchaus als rasante und spannende Sportart beliebt, jedoch werden ihr auch übermäßige Härte oder gar Brutalität zugeschrieben. Die Gründe für dieses Zerrbild sind mannigfaltiger Natur: Zum einen ist Eishockey ein körperbetonter Sport, bei dem es in seltenen Fällen zu Prügeleien kommt, welche bei anderen Mannschaftsportarten in der Regel nicht zu finden sind. Diese handgreiflichen Auseinandersetzungen sind jedoch für viele Zuschauer, welche mehr an der Show als an dem tatsächlichen Sport interessiert sind, was nicht als negatives Attribut ausgelegt werden soll, der Höhepunkt “ihres” Eishockeyspiels. Zum anderen wird diese selektive Wahrnehmung durch die Dramatisierung in der medialen Berichterstattung verstärkt. Als Beispiel sei hier das von Unsportlichkeiten geprägte DEL (Deutsche Eishockey Liga) Spiel zwischen den Nürnberg Ice Tigers und den Frankfurt Lions vom 20.09.1997 genannt, welches von einigen Privatsendern, die sonst keine Eishockeyspiele übertragen, zur
Quotensteigerung ausgeschlachtet wurde 1 .
Da diese Reduzierung auf Raufereien der schnellsten Mannschaftssportart der Welt 2 nicht gerecht wird, versucht die vorliegende Arbeit in ihrem ersten Teil dem Leser Einblicke in die Sportart zu geben. Das Werk beschränkt sich dabei nicht nur auf die Regeln und den Spielverlauf, sondern beschäftigt sich unter anderem auch mit der Historie des Spiels, den zahlreichen Spielsystemen und der Taktik. An verschiedenen Stellen bekommt der Leser Informationen über den Sport aus erster Hand. Der erste Teil schließt mit einer Darlegung der Anforderungen, welche der Sport an die Spieler stellt, ab. Intention des zweiten Teils der Arbeit ist es, den Eishockeysport auf seine Eignung als Schulsport zu prüfen. Es werden die Vor- und Nachteile des Sportes, unter Berücksichtigung der Vorgaben des Lehrplans für bayerische Hauptschulen, vorgestellt. Das
1 vgl. Stern TV Sendung vom 28.10.1997 im RTL.
2 Capla, J.: Eishockey. Lauf- und Stocktechnik, Körperspiel, Taktik, Ausrüstung und Regeln,
Niedernhausen/Ts.(Falken) 1983, S. 22.
4
darauf folgende Kapitel untersucht, ob gerade die unbestrittene Härte des Spiels, ohne in ein Paradoxon zu verfallen, es besonders als Schulsport geeignet erscheinen lässt. Hierbei wird insbesondere zu den Standpunkten Felix von Cubes und seiner viel beachteten These “Fordern statt Verwöhnen” Stellung genommen. Abgerundet wird die Arbeit durch einen kurzen Einblick in das Erfurter Sportgymnasium, in dem sich Eishockey als Schulsport etabliert hat sowie einer kurzen Skizzierung des Ablaufes und der Inhalte einer Eishockeystunde an Schulen.
1. Forschungsstand
Der geringe Stellenwert des Eishockeysportes in Deutschland manifestiert sich bereits in der überschaubaren Auswahl eishockeyspezifischer Literatur, welche zudem meist Übersetzungen ausländischer Autoren sind. Als Gründe werden unter anderen angegeben, dass es die Deutschen im Eishockey, anders als im Fußball, bis dato nicht schafften einen eigenen Spielstil zu entwickeln 3 . Folglich wird bei den Lehrmaterialien auf Literatur ausländischer Urheber zurückgegriffen. Ein deutschsprachiges Werk, welches sich mit dem Problem der Etablierung des Eishockeysportes als Schulsport auseinandersetzt, existiert hingegen überhaupt nicht.
Der ehemalige tschechoslowakische Weltklassespieler Josef Capla schuf 1983 mit seinem Buch “Eishockey. Lauf- und Stocktechnik, Körperspiel, Taktik, Ausrüstung und Regeln” ein, trotz der enormen Entwicklung des Sportes in den letzten Jahren, bis heute anerkanntes Standardwerk. Capla nimmt darin nicht nur Stellung zu allen für Eishockeyspieler relevanten Bereichen wie Stocktechnik oder taktischem Verhalten, sondern bietet auch interessante Daten: beispielsweise Laufleistungen einzelner Spieler während eines Eishockeymatches oder die unterschiedlichen Geschwindigkeiten des Pucks bei den vielen verschiedenen Schussarten. Selbst der Ausrüstung und der Notwendigkeit der richtigen Wahl des Schlägers werden einige Kapitel gewidmet.
Als Leitfaden für Übungsleiter und Trainer dient das ebenfalls von Josef Capla in Zusammenarbeit mit Ullrich Horsch 1989 verfasste Buch “Eishockey.
3 Klein, G.: Die Droge Eishockey, Der Geheimreport, Pfaffenweiler (wero press) 1999, S. 85.
5
Training, Technik, Taktik.” Das offizielle Lehrbuch des Deutschen Eishockey Bundes nimmt insbesondere Bezug auf Trainingsaufbau sowie Trainingsinhalte. Auch in der Publikation des weltweit anerkannten tschechoslowakischen Sportwissenschaftlers Vladimir Kostka “Eishockey” liegt der Schwerpunkt auf der Trainingslehre. Im Gegensatz zum offiziellen Lehrbuch des Deutschen Eishockey Bundes steht jedoch nicht die technische, sondern die taktische Schulung im Vordergrund. Zahlreiche Illustrationen stellen die vielen verschiedenen Spielsituation und das geforderte richtige taktische Verhalten anschaulich dar.
Die Frage ob Eishockey ein geeigneter Schulsport ist, streifen John Barnett und Klaus Behn in ihrem Werk “Eishockey für Übungsleiter, Lehrer und Trainer” zumindest an der Peripherie. In den ersten sieben Seiten der Publikation erörtern sie welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um Eishockey als Schulsport installieren zu können. Gleichzeitig gehen die Autoren jedoch auch auf Probleme ein, welche Eishockey als Schulsport aufwirft und bieten schließlich Lösungsmöglichkeiten an. In den restlichen knapp zweihundert Seiten wenden sich die Verfasser wieder ausschließlich der Trainingslehre zu.
Während die Zielgruppe unter der Leserschaft der oben aufgeführten Werke hauptsächlich Spieler und Trainer sind, versucht der Augsburger Journalist Günter Klein in “Eishockey verständlich gemacht” den Sport einer breiten Masse näher zu bringen. Regeln und taktische Elemente werden, teils in stark vereinfachter Form, dargelegt. Aber auch auf die Unterschiede der kanadischen und russischen Spielweise oder auf große Eishockey-persönlichkeiten wird eingegangen.
Dem ebenfalls aus der Feder Kleins stammenden “Die Droge Eishockey” entnimmt der Leser zahllose Fakten aus dem Umfeld deutscher Eishockey Vereine: finanzielle Schwierigkeiten mancher Clubs, teilweise illegalen Machenschaft einiger Präsidenten, aber auch Probleme der deutschen Nationalmannschaft über das internationale Mittelmaß hinaus zukommen. Zahlreiche Primärquellen wie Interviews mit Spielern, Trainern und Managern machen das Buch äußerst wertvoll.
6
II. Hauptteil
1. Ein historischer Exkurs - die Entwicklung und Entstehung des Eishockeysports
Bereits bei einem Blick auf die Historie des Sportes wird man unweigerlich auf ein Attribut treffen, welches den Eishockeysport von allen anderen herkömmlichen Mannschaftssportarten unterscheidet: Es wird nicht auf den Füßen gelaufen, sondern zur Fortbewegung auf dem Eis werden Schlittschuhe verwendet. Aufgrund dieser Tatsache geht die Geschichte des Eishockeys bis in die Steinzeit zurück.
1.1 Die Entwicklung des Schlittschuhes
Die ersten Ahnen des modernen Schlittschuhes stammen aus der Steinzeit. Es waren geschliffene Knochen, mit deren Hilfe unsere Vorfahren in den Wintermonaten die zugefrorenen Seen und Flüsse schneller überwinden konnten 4 . Infolge der geologischen Begebenheiten wurden solche Knochenfunde meist in Skandinavien gemacht. Die Wiege des ersten Holz-Eisen-Schlittschuhes hingegen, ist mit großer Wahrscheinlichkeit die Niederlande 5 . Allerdings dauerte die Entwicklung vom geschliffenen Knochen zum ersten Schlittschuh bis ins 15. Jahrhundert. Heutzutage wird der Schuh aus synthetischen Leder gearbeitet, während die Kufe aus Plastik besteht und das Messer aus einer Stahllegierung. Aktuell wiegt der leichteste Eishockeyschlittschuh nur 775 Gramm.
1.2 Geschichtlicher Abriss des Eishockeys
Die Geschichte des Eishockeys niederzuschreiben bereitet selbst spezialisierten Historikern Probleme, da viele verschiedene Länder und Städte den Anspruch erheben, die Wiege dieses Sportes zu sein 6 . Aktuell gilt es jedoch als gesichert, dass das erste eishockeyähnliche Spiel 1856 von englischen Soldaten im Hafenbecken von Halifax praktiziert wurde 7 . Gespielt wurde noch mit einem Ball. Das erste dokumentierte Eishockeyspiel, bei dem
4 Capla, J.: Eishockey. S. 11 f.
5 ebd.
6 Eckert, H.: Eishockey Weltgeschichte, 3. Auflage, München (Copress) 1989, S. 7.
7 Eckert, H.: Eishockey Weltgeschichte, 3. Auflage, München (Copress) 1989, S. 7.
7
ein Puck, auch Scheibe genannt, den Ball ersetzte, fand am 3.März 1875 in Montreal statt. Von diesem Zeitpunkt an ging die Entwicklung des Sportes in Kanada rasend schnell vonstatten und bereits 1917 kam es zur Gründung der heute besten Liga der Welt: der NHL(National Hockey League).
1.2.1 Eishockey in Deutschland
Auch in Europa war die Ausbreitung des Eishockeysportes, ausgehend von England, nicht mehr aufzuhalten. Im Jahre 1897 fand das erste Eishockeyspiel auf deutschem Boden, in der Hauptstadt Berlin, statt 8. 1910 nahm erstmals eine deutsche Auswahl, unter der Schirmherrschaft des, 1888 gegründeten, Deutschen Eissport Verbandes an einer Europameisterschaft teil. Mit dem Gewinn der Bronzemedaille konnte eine deutsche Auswahl, wenn auch unter glücklichen Umständen, bei der Olympiade 1976 in Innsbruck den bis dato größten Erfolg des deutschen Eishockeys erringen. Zur Zeit steht die deutsche Nationalmannschaft auf dem 11. Platz der Eishockeyweltrangliste noch hinter kleinen Ländern wie Lettland oder der Schweiz. Allerdings spielen derzeit acht deutsche Nationalspieler in der NHL, so viele wie nie zuvor. Auf nationaler Ebene wurde 1958 die Eishockeybundesliga eingeführt. Diese, ebenso wenig wie ihre Nachfolgerin die 1994 eingeführte Deutsche Eishockey Liga, konnte nie auch nur in Ansätzen den Stellenwert der Fußballbundesliga erreichen. Modusänderungen und Skandale waren an der Tagesordnung. Derzeit spielen 16 Mannschaften in der Liga. Amtierender Meister sind die Eisbären Berlin.
2. Das Wichtigste über Eishockey in Kürze
Es gibt in Deutschland wohl kaum einen männlichen Mitbürger, der nicht mindestens einmal in seinem Leben gegen einen Ball getreten hat oder Ausschnitte eines Fußballspiels im Fernsehen verfolgte. Auch bei der weiblichen Bevölkerung erfreut sich Fußball immer größerer Beliebtheit, wie die jüngsten Erfolge der Frauennationalmannschaft beweisen. In Bezug auf den Eishockeysport könnte man diese Behauptung ruhigen Gewissens umkehren: Nur eine kleine Minderheit der Deutschen spielte jemals aktiv Eishockey. Die
8 Capla, J.: Eishockey, S. 14.
8
Gründe hierfür sind nicht nur in der wesentlich geringeren Popularität im Vergleich zum Fußball zu suchen, sondern auch in dem ungleich höheren Aufwand der betrieben werden muss, um das Eishockeyspielen zu ermöglichen. Während beim Fußball ein Ball und eine Wiese ausreichen, benötigt man für ein Eishockeymatch eine Eisfläche und jeder Spieler mindestens Schlittschuhe und einen Schläger.
Hinzu kommt, dass selbst das passive Erleben eines Eishockeyspiels eine Ausnahme bildet, da die Fernsehpräsenz des Sportes sogar in Spartenprogrammen gering ist.
Daher versucht dieses Kapitel dem Leser die Grundlagen des Spiels verständlich zu machen.
2.1 Die Spielidee
Ziel der schnellsten Mannschaftssportart der Welt ist es den Puck mit Hilfe des Schlägers ins gegnerische Tor zu schießen 9 . Die sich gegenüber stehenden Mannschaften dürfen jeweils maximal zwanzig Feldspieler und zwei Torhüter umfassen. Die Mindeststärke einer Mannschaft beträgt neun Spieler und ein Torwart. Aktiv auf dem Eis dürfen jedoch lediglich sechs Mann, in der Regel fünf Feldspieler und ein Torwart, am Spiel teilnehmen. Theoretisch könnten sechs Mann die gesamte Spielzeit über auf dem Eis stehen, doch aufgrund der hohen körperlichen Belastungen, welche die Sportart an die Spieler stellt, wird selbst in unteren Ligen der Fünferblock im Minutentakt ausgetauscht. Ein Zeitintervall, das mit Steigerung des Niveaus und damit des Tempos auf bis zu vierzig Sekunden fällt 10 .
2.2 Das Spielfeld
Für die, im Vergleich zur nordamerikanischen Eisfläche etwas größeren, europäischen Eisfläche gelten folgende Maße: Länge 60 bis 61 Meter, Breite 29 bis 30 Meter 11. Das Spielfeld ist, durch zwei blaue Linien, in drei Zonen oder Drittel unterteilt. Die Mittellinie trennt das Feld in zwei Hälften, hinzu kommen
9 Falken (Hrsg.): Eishockey: die offiziellen Regeln, Niedernhausen/Ts. (Falken) 1991, S. 9
10 Klein, G.: Eishockey, verständlich gemacht, München (Copress) 1992, S. 15.
11 Klein, G.: Eishockey, verständlich gemacht, S. 18.
9
noch die beiden Torlinien. Begrenzt wird es durch eine die gesamte Eisfläche umgebende Bande. Zur besseren Veranschaulichung hier eine Graphik:
Abbildung 1: Eishockeyfeld http://www.hockey-on ice.de/images/spielfeld.gif, 10.03.2008.
Die kleinen roten Punkte dienen als Anspielpunkte nach Unterbrechungen. Im Fachjargon als „Bullypunkte“ bezeichnet. 122 Zentimeter hoch und 183 Zentimeter breit sind jeweils die beiden Tore.
Bereits nach einem kurzer Blick auf die Beschaffenheit des Eishockeyfeldes, wird man aufmerksam auf eine Eigenschaft, welche der Eishockeysport exklusiv für sich in Anspruch nimmt: Auch hinter dem Tor wird weitergespielt.
2.3 Die Spielzeit
Anstatt der beim Fußball üblichen neunzig Minuten, dauert ein Eishockeyspiel genau eine Stunde, unterteilt in drei mal zwanzig Minuten. Jedoch wird während des Eishockeyspiels bei jeder Unterbrechung die Uhr angehalten, eine Regelung über die im Fußball zumindest schon einmal diskutiert wurde 12 . Dadurch übersteigt die Nettospielzeit eines Eishockeyspiels die der meisten Fußballspiele.
12 Klein, G.: Eishockey, verständlich gemacht, S. 21.
10
2.4 Spielregeln
Die gesamte Bandbreite der Regeln des Eishockeys darzustellen, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen 13. Dennoch sollten einige der wichtigsten Reglementierungen kurz beleuchtet werden.
2.4.1 Abseits
Hier im Wortlaut, die sich mit dem Abseits beschäftigende Regel 624: „Spieler der angreifenden Mannschaft können dem Puck nicht in die Angriffszone vorausgehen.“ 14
Das bedeutet, dass der Puck erst in die Angriffszone, das Drittel in dem das gegnerische Tor steht, gepasst oder geführt werden muss, bevor es der offensiven Mannschaft erlaubt ist, die Zone zu befahren. Obschon Unterschiede zur Abseitsreglementierung im Fußball zu erkennen sind, ist die Intention der Abseitsregel in beiden Sportarten die gleiche: Es wird vermieden, dass ein Stürmer permanent kurz vor dem gegnerischen Tor wartet.
2.4.2 Unerlaubter Weitschuss des Pucks
Schlägt ein Spieler den Puck aus der eigenen Hälfte, also vor der roten Mittellinie, hinter die gegnerische Torlinie, wird das Spiel unterbrochen und es gibt ein Anspiel an einem der Bullypunkte im Drittel der sich verfehlenden Mannschaft 15 . Diese Regel verhindert, dass sich eine Mannschaft insbesondere gegen Ende des Spiels ausschließlich darauf beschränkt den Puck wegzuschießen und das Ergebnis zu verwalten, ein Phänomen, welches im Fußball häufig zu beobachten ist.
2.4.3 Strafen
Ähnlich wie im Handball, ist die häufigste Form der Strafe mit der ein Spieler belegt wird, die Hinausstellung für zwei Minuten effektiver Spielzeit. Er muss von einer eigens dafür eingerichteten Strafbank, seiner Mannschaft zusehen, wie diese mit einem Mann weniger versucht, möglichst kein Gegentor zu bekommen. Handelten sich noch weitere Spieler seiner Mannschaft Strafen ein,
13 Zur Vertiefung der Regelkenntnisse des Eishockeysportes empfiehlt sich die Lektüre des Buches:
“Eishockey: die offiziellen Regeln“
14 Falken (Hrsg.): Eishockey: die offiziellen Regeln, S. 77.
15 Falken (Hrsg.): Eishockey: die offiziellen Regeln, S. 70.
11
muss diese sogar mit maximal zwei Mann weniger spielen. Gelingt es der in Überzahl spielenden Mannschaft ein Tor zu schießen darf der hinausgestellte Spieler wieder am Spiel teilnehmen. Die Bandbreite der
Regelüberschreitungen, die zu einer Zwei-Minuten-Strafe führen, reicht von Beinstellen über Ellbogencheck bis hin zu Unkorrekter Ausrüstung oder Spielverzögerung.
Für schwerwiegendere Fouls sieht der Strafenkatalog des Eishockeys Strafen vor, welche je nach der Schwere der Tat gestaffelt, in einer lebenslänglichen Sperre, etwa bei einer tätlichen Attacke auf einen Offiziellen 16 , kulminieren. Es sei an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt, dass ein korrekt ausgeführter Bodycheck, also der Gegner wird mit der Schulter ohne zu Hilfenahme des Stockes, der Arme, der Ellbogen oder des Knies gestoßen, keine Strafe nach sich zieht, auch wenn der Attackierte dabei zu Fall kommt.
2.5 Taktik und Spielsysteme
Obwohl der Körperkontakt erlaubt ist und von vielen Trainern auch erwartet wird, spielt für den Erfolg einer Mannschaft nicht nur die körperliche Konstitution der einzelnen Spieler eine große Rolle, sondern auch das taktische Zusammenspiel der gesamten Mannschaft.
In den 50er Jahren machte man sich in der damaligen Sowjetunion daran, das Spiel wissenschaftlich zu erfassen 17 . Bis zu diesem Zeitpunkt waren taktische Überlegungen im Eishockey kaum zum Tragen gekommen 18 . Als die Sowjets dann sensationell, bereits in den 70er Jahren leistungsmäßig dem Mutterland des Eishockeys Kanada auf Augenhöhe begegneten 19 , entwickelten auch andere führende Eishockeynationen Taktiken und verschiedene Spielsysteme. Im modernen Eishockey haben sich zwei bedeutende System etabliert: Das “Trapsystem” und das “Torpedosystem”. Im Kontext dieser Arbeit ist es nicht von Bedeutung näher auf die unterschiedlichen Spielsysteme einzugehen, wichtig jedoch für uns ist die Erkenntnis, dass das richtige Zusammenwirken der Mannschaft auf dem Eis als Kollektiv, ein entscheidender Erfolgsfaktor ist. Der Eishockeysport kennt viele
16 Klein, G.: Eishockey, verständlich gemacht, S. 33.
17 Klein, G.: Eishockey, verständlich gemacht, S. 37.
18 ebd.
19 Eckert, H.: Eishockey Weltgeschichte, S. 62.
12
Beispiele in denen eine taktisch gut eingestellte, geschlossen auftretende Mannschaft eine mit talentierteren Spielern besetzte aber weniger harmonierende Mannschaft besiegte. Erwähnenswert hierbei etwa das Abschneiden der Kassel Huskies Ende der neunziger Jahre in der DEL 20 .
3. Anforderungsprofile der Sportart Eishockey
Nachdem im vorangegangen Kapitel die wichtigsten Elemente des Spiels im Allgemeinen vorgestellt wurden, beschäftigt sich dieser Abschnitt mit der Frage welche Anforderungen der Sport an die Athleten stellt. Hierbei soll unter anderem aufgezeigt werden, dass der Eishockeyspieler nicht nur Fähigkeiten im motorischen oder technisch-taktischem Bereich, sondern auch auf mentalem bzw. sozialem Gebiet haben muss, um erfolgreich Eishockey spielen zu können. Im Umkehrschluss, wiederum kann aus den verschiedenen
Anforderungsprofilen abgeleitet werden, welche Segmente sowohl des Körpers als auch der Persönlichkeit, durch das Ausführen des Sportes besonders beansprucht und dadurch trainiert bzw. verbessert werden.
3.1 Motorisches Anforderungsprofil
Die im Verlauf der Arbeit bereits genannten Charakteristiken des Eishockeysportes, zum Beispiel das Laufen auf Schlittschuhen, das indirekte Spielen des Pucks mit dem Schläger oder etwa das erlaubte Körperspiel, machen den Sport in motorischer Hinsicht zu einem der anspruchsvollsten Sportarten überhaupt 21 . Die vielfältigen Ansprüche, welche das Spiel an die Athleten stellt, werden nun im Einzelnen dargelegt.
3.1.1 Kraft
Aus verschiedenen Gründen sollte der Sportler sowohl über kräftige Oberkörper- und Bein- als auch Rumpfmuskulatur verfügen.
20 Reichelt, P.: Superliga DEL, Die Chronik der Deutschen Eishockeyliga, Kassel (Aegon) 2004, S. 76 f.
21 Capla, J.: Eishockey. S. 20.
13
• Oberkörper
Die Oberkörpermuskulatur wird bei Zweikämpfen, Stockarbeit und dem Schießen beansprucht. Insbesondere beim Kampf um den Puck hat der Spieler mit der größeren Oberkörpermaximalkraft deutliche Vorteile gegenüber seinem schwächeren Kontrahenten 22 . Wenngleich einige Übungen zur Stärkung des Oberkörpers auf dem Eis erfolgen können, zum Beispiel gegenseitiges Schieben der Spieler oder Liegestütze auf dem Eis mit Stock, bietet es sich an, vor oder nach dem Eistraining einige Kräftigungsübungen zu absolvieren.
• Beine
Eine noch größere Bedeutung kommt der Beinmuskulatur zu. Der eishockeyspezifische Beinabstoß beansprucht sowohl die gesamte Beinstreckmuskulatur als auch die Beinabduktorengruppe 23 . Wichtig hierbei ist eine gute Kraftausdauer, um in den, oft nur vierzig Sekunden dauernden Spieleinsätzen, bei denen Pulsfrequenzen von 200 Schlägen in der Minute keine Seltenheit sind 24 , größtmögliche Leistung zu erbringen. Anders als die Oberkörpermuskulatur wird die Beinmuskulatur beim Training oder Spiel auf dem Eis genügend belastet, so dass Trockentraining zur Stärkung der Beine empfehlenswert aber nicht zwingend notwendig ist. In beiden Fällen, Bein- und Oberkörpermuskulatur, jedoch muss der Tatsache, dass Eishockey eine überaus rasante Sportart ist, Rechnung getragen werden und ein besonderes Augenmerk auf das Schnellkrafttraining gelegt werden.
• Rumpf
Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, weshalb der Rumpfmuskulatur, oder genauer der Bauch- und Rückenmuskulatur, im Eishockeysport eine so wichtig ist.
Der Rumpf übernimmt die wichtige Stützfunktion im Körper, welche die Stabilität des Spielers auf dem Eis entscheidend beeinflusst. Ein Athlet mit schwacher Rücken- und Bauchmuskulatur wird selbst bei leichten Berührungen des Gegenspielers zu Boden fallen und noch weniger in der Lage sein, harten
22 Landessportbund NRW e.V.(Hrsg.): Eishockey. Rahmentrainingskonzeption für Kinder und
Jugendliche im Leistungssport, Mülheim/Ruhr (Schiborr), 1994, S. 25.
23 ebd.
24 Capla, J.: Eishockey. S. 64.
14
Bodychecks zu widerstehen. Ferner ist der Rumpf aktiv an einigen Bewegungen (Passen, Schießen) beteiligt 25. Im Gegensatz zu den Muskelgruppen im Oberkörper und in den Beinen besteht die Rumpfmuskulatur fast ausschließlich aus langsamen Muskelfasern. Deshalb werden Rücken und Bauch am besten mit langsamen Bewegungen oder gar statischer Haltearbeit trainiert 26 .
Übungen zur Stärkung des Rumpfes außerhalb des Eises sind unerlässlich, da dieser allein durch Eistraining nur bedingt trainierbar ist. Es bleibt also festzuhalten, dass der Eishockeyspieler nahezu alle Muskelgruppen stählen muss, um ein gewisses Niveau an Spielstärke zu erreichen. Andererseits ist der Sport bestens geeignet die eigene Bein- und in geringerem Maße auch die Oberkörpermuskulatur zu stärken.
3.1.2 Schnelligkeit
Die Schnelligkeit der Athleten spielt im Eishockey selbstverständlich eine große Rolle. Unter dem Begriff Schnelligkeit versteht man in unserem Zusammenhang nicht bloß das Tempo der Bewegungen des Spielers auf dem Eis (Aktionsschnelligkeit), sondern auch seine Fähigkeiten Spielsituationen zu antizipieren und möglichst rasch darauf zu reagieren (Reaktionsschnelligkeit) 27 .
• Aktionsschnelligkeit
Durch die Gegebenheit nach relativ kurzer Belastungszeit auszuwechseln und sich zu erholen, besteht im Eishockey die Möglichkeit und auch Notwendigkeit nahezu die gesamte Einsatzzeit in höchster Geschwindigkeit zu absolvieren. Daher sollte die Aktionsschnelligkeit bei allen Spielern vorzüglich ausgeprägt sein. Man unterscheidet hier wiederum zwischen zyklischer und azyklischer Aktionsschnelligkeit.
Das geradeaus Sprinten bezeichnet dabei die zyklische Aktionsschnelligkeit. Freilich muss ein Spieler mehr Handlungen durchführen als lediglich in voller Geschwindigkeit in eine Richtung zu laufen. In den siebziger Jahren wurden die Aktionen eines sowjetischen Nationalspielers während eines Länderspiels
25 Landessportbund NRW e.V.(Hrsg.): Eishockey. 1994, S. 25.
26 ebd.
27 Horsch, U., Capla J.,: Eishockey. Training, Technik, Taktik. Reinbeck (Rohwolt), 1989, S. 74.
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Arbeit zitieren:
Sebastian Buchwieser, 2009, Eishockey unter dem Aspekt der Integration in den Schulsport der Hauptschulen, München, GRIN Verlag GmbH
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