Inhaltsverzeichnis:
íX vo µvPYYYYYX´´´´´YYXX. 1
2. dZuvl u oÆWZ o P YYYYXXXXX´´´YYXX 2
îXí( v v´´´´´YYYY2
2.1.1 W oÇoÆ lo ´´YXX´´XY 2-3
îXíXî Pl ´´´´YYYYXYX 3-4
2.1.2.1 P ÇZ o vPµ Z Pl ´´YYXX 4-5
2.1.2.2 S µl µ oo Pl ´´´ 5-6
2.1.2.3 PragmatisZ Pl ´´YYYYYXXX 6
îXíXï/ u Ì ´´´´YYYXX 7
îXîd u v o P µv Z W ou´´´YYYYXX 8-9
îXï o ( l vµvP v̵vP´´´YYYYYXXX 10-11
2.4 Funktionen von Ph o P uv´´´YYYY 11-13
3. Die Untersuchung t eine Evaluation mittels Fragebogen´´YXYXX 13
3.1 Vorüberlegungen´YYYXX´´YYYYXXYYYYXXX 13-14
3.2 Psycholinguistische und pragmatische Aspekte der Phraseologie´ 14
ïXîXíW ÇZ o vPµ Z l ´´´YXX 14-16
ïXîXî Z Á À vWZ o P uv´´YYYY 16-18
ïXïµ Z(ºZ µvP hv µZµvP´´´YYYYX 19
3.3.1 Die Versuchspersonen und die Durchführung hv µZµvPYXX 19
ïXïXîµ(µµv/vZo P Pv ´´XYYYY 19-24
ïXðµ Á µvP hv µZµvP´´´YYYXXYY 25-30
4. FazitYYXXX´´´´´´XXY 30-32
µ À Ì Zv ´´´´´YYYXY 33-35
Anhang
1. Einleitung
Phraseologismen begegnen uns regelmäßig in der Alltagssprache. c]&o]v]v<}vÁ(v^, cv Dµv Zov^ oder auch Formulierungen wie cPµv dP^ können als Beispiele dieses überaus großen Sprachbereichs gelten. Häufig dienen sie dabei der Erweiterung unseres Wortschatzes aber auch der Benennung und Verarbeitung der sprachlichen und vor allem der mentalen Welt. Auch in der Wissenschaft haben sie Aufmerksamkeit erhalten. Als Teildisziplin 1 der Lexikologie oder auch als selbstständige linguistische Disziplin ist die Phraseologie seit den 70er Jahren in den Fokus der Sprachwissenschaft gerückt. 2 Insbesondere Analysen von Werbesprache setzten Phraseologismen als allgemeingültig und bekannt voraus. 3
Diese Untersuchung soll überprüfen, ob die gängige Akzeptanz der Phraseologismen als tatsächlich gelten kann. Wie bekannt sind Phraseologismen? Wie oft werden sie verwendet, wie verstanden und wie erlernt? Welche Rolle spielt der Kontext dabei? All diese Fragen sollen im Zentrum dieser Arbeit stehen. Ihnen vorausgehend wird sowohl eine notwendige, ausführliche und wissenschaftliche Begriffsbestimmung als auch eine Analyse der Funktionen der Phraseologismen erfolgen.
Hierfür soll anhand einer Evaluation an einer Gesamtschule ermittelt werden, inwieweit die Schüler und Schülerinnen der 7. Jahrgangsstufe Kenntnisse von Phraseologismen haben. Um diesen Bereich untersuchen zu können, wurde ein Fragebogen mit ausgewählten Phraseologismen konstruiert und in zwei Klassen verteilt. Ziel dieser Untersuchung soll es sein, Informationen zum individuellen Wissen über Phraseologismen zu bekommen; dies in der Absicht, über verschiedene Typen von Phraseologismen qualitative Angaben zu erhalten, um diese in Beziehung zu kontextuellen Einflüssen auswerten zu können. Durch einen Vergleich von kontextlosen und kontextgebundenen Phraseologismen sollen anhand der Interpretationen der Probanden Erkenntnisse über die dem Kontext zukommende Rolle für das Verständnis der Phraseologismen gewonnen werden. Zudem soll die Identifikations-, Analyse-, sowie Synthesefähigkeit der Befragten bei ausgewählten
Phraseologismen überprüft werden. Zusätzlich soll versucht werden zu überprüfen, ob und inwiefern die individuellen Daten 4 der in der Befragung angesprochenen Probanden Einfluss auf die Bekanntheit bzw. Verwendung von Phraseologismen haben. Eine weitere wichtige, linguistisch bedeutsame Frage der Untersuchung ist es, inwieweit die semantische Struktur und die syntaktische Funktion eines Phraseologismus für den Charakter der Interpretation relevant sind.
1 Vgl. Fleischer, Wolfgang: Phraseologie der deutschen Gegenwartssprache. Leipzig: Bibliogr. Inst. 1982. S.8.
2 Vgl. Palm, Christine: Phraseologie. Eine Einführung. Tübingen: Narr 1995. XIf.
3 Vgl. Vesalainen, Marjo: Phraseme in der Werbung. In: Phraseologie: ein internationales Handbuch
zeitgenössischer Forschung. Hrsg. von Harald Burger u.a.. Berlin u.a.: de Gruyter 2007. S.292-302. Hier S. 298f.
4 Hierzu gehören Daten bezüglich: des Geschlechtes; der Dauer des Aufenthaltes in Deutschland; der
Sprachgewohnheiten; des Wohnortes (Umfeld); des Bildungsniveaus der Eltern (gemessen an dem Grad des
Schulabschlusses); des angestrebten Schulabschlusses der Befragten und der Lesegewohnheiten. Vgl. hierzu
Punkt a)-g) zu Beginn des Fragebogens.
1
2. Der Themenkomplex Phraseologie 2.1 Definition
Die Phraseologie ist eine sprachwissenschaftliche Forschungsrichtung, welche sich mit der Untersuchung von Phraseologismen beschäftigt. Sprachliche Ausdrücke sind dann als Phraseologismen zu erkennen, wenn sie zweierlei Voraussetzungen erfüllen: cv Zv ] aus mehr als einem Wort, zweitens sind die Wörter nicht für dieses eine Mal zusammengestellt, sondern es handelt sich um Kombinationen von Wörtern, die uns als Deutschsprechende genau in dieser Kombination (eventuell in Varianten) bekannt sind, ähnlich wie wir die deutschen Wörter (als ]vÌov lvvvX^ 5 In diesem Zitat werden durch Burger zwei wesentliche Merkmale eines phraseologistischen Ausdrucks näher beschrieben. Zum einen wird der Mehrwortcharakter, die Polylexikalität, und zum anderen der Einheitsstatus des Ausdrucks, die Festigkeit, genannt und als Kriterien dieses sprachlichen Phänomens festgelegt. Treffen diese beiden Kriterien auf einen sprachlichen Ausdruck zu, so spricht man von einem Phraseologismus, der der Kategorie cWZ}o}P]]uÁ]v^]vv^̵̵}vv].
Kann einem sprachlichen Ausdruck zudem noch eine übertragene, nicht aus den Bedeutungen der Einzelwörter erschließbare Bedeutung zugewiesen werden, so gilt er als idiomatisch. Die Idiomatizität beschreibt ein drittes, für die Klassifikation solcher Ausdrücke wichtiges Merkmal. Diese drei Merkmale zusammen lassen Burger von einer cPhraseologie im engeren Sinne^ sprechen. 6
Um noch einen genaueren und tiefgreifenderen Einblick in die wesentlichen Kriterien phraseologistischer Ausdrücke zu erlangen, werden die einzelnen Begriffe noch ausführlicher definiert und bezüglich ihrer Aussagekraft problematisiert.
2.1.1 Polylexikalität
] <]]µu P]o ]v >]µ o co]À µv}ou]Z (]v]^X 7 Ein
phraseologistischer Ausdruck besteht nach Vorgabe dieses Kriteriums aus mindestens zwei Wörtern. Einen sprachlichen Ausdruck als polylexikalisch zu erkennen, erfordert also lediglich t vorausgesetzt die Definition von Wort ist unstrittig t die Anzahl der vorliegenden Wörter zu zählen. Was ein Wort ist und welche Sonderformen es in den verschiedenen Fällen haben kann, ist nicht Teil dieser Arbeit und wird von mir, wie auch von anderen Autoren, ausgeklammert. 8 Burger weist in diesem Zusammenhang auf eine Besonderheit hin. Bei bilexikalischen Phraseologismen, die lediglich aus
5 Vgl. Burger, Harald: Phraseologie. Eine Einführung am Beispiel des Deutschen. 2. Auflage. Berlin: Erich
Schmidt Verlag 2003. S. 11.
6 a.a.O. S. 14f.
7 a.a.O. S. 15.
8 Vgl. Burger, Harald: Phraseologie. S. 15. sowie Pilz, Klaus D.: Phraseologie. Redensartenforschung. Stuttgart:
Metzler 1981. S.16.
2
Synsemantika t sogenannten Funktionswörtern t bestehen oder bei denen Autosemantika zunehmend ihre Bedeutung verloren haben, tritt oft der Prozess der Univerbierung, also die Verschmelzung zweier vormals autonomer Wörter zu einer neuen Worteinheit ein. An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass die Univerbierung bei zweigliedrigen Phraseologismen für den Status als Phraseologismus entscheidend istX s}uo Z}o}P]Z s]vµvPv Á] c'ÁZ o]v^ gewährleisten 9 ) haben durch Univerbierungsprozesse und anschließende (jetzt:
Rechtschreibreformen ihren Status als Phraseologismus abgesprochen bekommen. Die Zusammen-und Getrenntschreibung ist daher für die Phraseologie von immenser, wesensbestimmender Bedeutung. 10
Das Kriterium der Polylexikalität ist für das Erkennen eines Phraseologismus lediglich eine notwendige t nicht aber hinreichende t Bedingung. Auch jeder Satz, oft Satzglieder und jedwede Form von Text können diesen Mehrwortcharakter 11 aufweisen, ohne als Phraseologismus zu gelten. Als obere Grenze für die Mehrgliedrigkeit gilt der Satz. 12 Dies ist deshalb der Fall, weil für den Phraseologismus die Restriktionen der Menge der Komponenten 13 syntaktisch und nicht lexikalisch festgelegt sind. Die Bestimmung und Überprüfung dieses Kriteriums scheint also eindeutig. Für die Definition t also die Abgrenzung zu anderen sprachlichen Erscheinungen t kann dieses Merkmal allerdings nur ein Fundament tiefgreifender Untersuchungen sein.
2.1.2 Festigkeit 14
Das Kriterium Festigkeit ist schwieriger zu definieren, da zu bestimmen was als fest zu betrachten ist, nicht immer trennscharf und eindeutig zu klären ist. Dennoch - Phraseologismen können laut Burger als fest gelten, wenn sie in einem synchronen SprachquerscZv]cPµZo]Z^]vXEr weist dabei auf den Unterschied von Kennen und Gebrauchen hin und erklärt, dass einen phraseologistischen Ausdruck zu kennen noch nicht bedeutet, dass man ihn gebraucht. Der Gebrauch setzt jedoch die Kenntnis voraus. Es ergibt sich das Problem herauszufinden, was als allgemein gebräuchlich gilt. Weder die eigene Intuition noch der Rückgriff auf Wörterbücher, die oft ein in der aktuellen Sprache
9 Vgl. Köbler, Gerhard: Etymologisches Rechtswörterbuch. Tübingen: Mohr 1995. S.162.
10 vgl. hierzu Levin-Steinmann, Anke: Getrennt- und Zusammenschreibung aus phraseologischer Sicht. In:
Phraseologismen als Gegenstand sprach-und kulturwissenschaftlicher Forschung. Hrsg. von Csaba Földes u.a..
Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren 2004. S.405-417.
11 Vgl. Donalies, Elke: Idiom, Phraseologismus oder Phrasem? Zum Oberbegriff eines Bereichs der Linguistik.
In: Zeitschrift für germanistische Linguistik 22.3. Deutsche Sprache in Gegenwart und Geschichte. Berlin u.a.:
de Gruyter 1994. S.334 ± 349. hier S. 336.
12 U.Fix und A. Rothkegel unterschreiten in ihren Untersuchungen die Satzgrenze. Phraseologismen werden
dadurch lediglich ein Mehrwortcharakter, nicht aber eine Satzwertigkeit zugesprochen. In ihren Untersuchungen
bleiben dadurch satzwertige Phraseologismen wie Sprichwörter, Gemeinplätze u.a. als nicht unwesentlicher Teil
des Phraseologischen Bestandes unberücksichtigt. vgl. Fleischer, Wolfgang: Phraseologie der deutschen
Gegenwartssprache. S.125f.
13 Vgl. Burger, Harald: Phraseologie. S.15.
14 7HUPLQLZLHÄ6WDELOLWlW³:)OHLVFKHUXQGÄ)L[LHUWKHLW³+7KXQYHrwende ich ± wie auch Palm ± synonym.
Vgl. Palm, Christine: Phraseologie. S.29 u. S. 111.
3
nicht mehr verwendetes Material tradieren, helfen zu Eindeutigkeit zu gelangen. Klammert man jedoch die ständige Veränderung der Umwelt und den damit verbundenen, kontinuierlichen und unaufhaltsamen Wandel der Sprache aus, so könnten umfassende und äußerst aufwendige Tests und Befragungen Antwort auf die Frage der Gebräuchlichkeit geben. Burger unterscheidet unter dieser Überschrift zwischen psycholinguistischer Festigkeit, struktureller Festigkeit und pragmatischer Festigkeit, die alle als Kriterien der Gebräuchlichkeit einer Wortverbindung anzusehen sind.
2.1.2.1 psycholinguistische Festigkeit
Er erklärt, dass Phraseologismen psycholinguistisch betrachtet mentale Einheiten sein müssen, die als ganze abgerufen und produziert werden. 15 Rojzenzon betitelte bereits 1973 in seinen linguistischen Untersuchungen zu diesem Thema diesen Vorgang treffend als Reproduzierbarkeit. 16 Problematisch hierbei ist jedoch, wie auch Burger selbst schon zu klären versucht, der Begriff c]vZ]^X ]vZ] ] Z]] v]Z Po]Z ̵ Ìv u] µv µvÀvo]ZX /u 'Pv]oU WZ}o}P]uv ÀZov ]Z Á] cUv}uoZ Çvl]Z ']o^ 17 , die ebenfalls t wenn auch nur beschränkt und im Rahmen ihrer Möglichkeiten t im Bereich der Deklination, Konjugation und der Umstellung durchaus Variationen erfahren können. Hierbei ist zudem eine genaue Begriffsabgrenzung der Begriffe Variation und Modifikation zu treffen. Als Variationen von Phraseologismen werden usuelle Unregelmäßigkeiten verstanden. 18 ^] Pov o c^]oµuU innerhalb dessen formale Veränderungen des Phraseologismus möglich sind, ohne daß die Z}o}P]Z µµvP Ào}v PZX^ 19 Modifikationen 20 hingegen beschreiben okkasionelle Veränderungen des vorliegenden Sprachmaterials, welche zeitlich begrenzt und oft zum Erhaschen von Aufmerksamkeit eingesetzt werden. 21 Modifikationen werden aus diesem Grund oft in der Werbung eingesetzt, um dem dort vertretenden Anspruch der Originalität Rechnung tragen zu können. 22 Es scheint also bei Phraseologismen sowohl einen harten Kern als auch eine weiche, veränderbare Peripherie zu geben. Relativierend ist jedoch auch bei diesem Punkt festzustellen, dass
15 Vgl. Burger, Harald: Phraseologie. S. 17. / Vgl. Fleischer, Wolfgang: Phraseologie der deutschen
Gegenwartssprache. S. 63.
16 Vgl. Burger, Harald/ Buhofer, Annelies/ Sialm, Ambros: Handbuch der Phraseologie. Berlin u.a.: de Gruyter,
1982. S. 61.
17 Vgl. Burger, Harald: Phraseologie. S. 17.
18 a.a.O. S. 27ff.
19 Vgl. Burger, Harald/ Buhofer, Annelies/ Sialm, Ambros: Handbuch der Phraseologie S. 67.
20 'LH1HQQIRUPÄJXWHU5DWLVWWHXHU³NDQQ ± um für einen Zeitungstext, der die hohen Preise einer Info-Hotline
thematisiert, zweckdienlicher sein zu können ± ]XÄVFKOHFKWHU5DWLVWWHXHU³DEJHZDQGHOWZHUGHQBeispiel aus
Burger, Harald: Phraseologie. S. 27f.
21 Demgegenüber drüFNHQ9DULDQWHQÄQRUPDOHUZHLVHNHLQHEHVRQGHUH6LQQLQWHQWLRQGHV$XWRUVDXVXQG
]LHOHQQLFKWDXIEHVWLPPWH:LUNXQJHQDE³9JOKrätschmar, Anne: Modifizierte Phraseolexeme und
Sprichwörter. Heidelberg: Groos 1998. S. 25.
22 Vgl. Balsliemke, Petra: Da sieht die Welt schon anders aus. Phraseologismen in der Anzeigenwerbung.
Modifikation und Funktion in Text-Bild-Beziehungen. Diss. Hohengehren: Schneider Verlag 2001. S. 30.
4
]vcPv̵vPÀ}vs]vµvD}](]l]}v]u]vÌo(oov]Z]uu]vµ]P]µv schwer vZ]]vlvvX^ 23
Um auf den psycholinguistischen Charakter von Phraseologismen schließen zu können, führt Burger systematische Versprecher von Versuchspersonen in Lückentests mit Sprichwörtern als Beweis an. Die klare Struktur innerhalb der Versprecher und das abzulesende Muster nachdem diese passieren, lassen auf eine Speicherung von Phraseologismen als Einheit schließen.
2.1.2.2 strukturelle Festigkeit
Strukturell betrachtet sind sprachliche Ausdrücke dann als Phraseologismen zu klassifizieren, wenn ihnen neben den syntaktischen und semantischen Restriktionen, die auch für freie Wortverbindungen gelten, noch andere Restriktionen auferlegt sind. 24 Burger bezeichnet diese als Beschränkungen und Irregularitäten. Sie können in Bereichen der Valenz t bei Phraseologismen, die ein Verb enthalten -, der Morphosyntax, der Lexik und der Semantik auftreten. Als Beispiel für eine lexikalisch-semantische Restriktion kann der Phraseologismus c]&o]v]v<}vÁ(v^ gelten. Bei dieser Wortverbindung ist es unmöglich, eine Komponente durch einen synonymen oder bedeutungsähnlichen Ausdruck zu ersetzen 25 , ohne die phraseologische Bedeutung zu zerstören und den Ausdruck in den Status der freien Wortverbindung zu überführen. Es ist daher festzuhalten, dass eine phra}o}P]ZµµvP]vZo]ZvµPvµvv]ZÁvlvvUcÁvv
die Wortverbindung in einer bestimmten morphosyntaktischen Ausprägung und einer bestimmten oÆ]lo]Zv̵vP(}uµo]Á]X^ 26 Bezeichnend für diesen Aspekt ist, dass er zugleich einen Aspekt der Idiomatizität darstellt. Erst durch diese Anomalien t die außergewöhnliche strukturelle und lexikalische Stabilität - kann eine idiomatische Aussage geschaffen und eine übertragende Bedeutung hergestellt werden. 27 Ein Phraseologismus wie cetw. von der Pike auf lernen^, der vormals das Exerzieren von Anfängern im militärischen Dienst meinte 28 , muss wohl schon strukturell und lexikalisch stabil gewesen sein, um dann in übertragenem Sinne noch weiter gebraucht zu werden, auch nach Aufgabe der ursprünglichen inhaltlichen Handlung. Es ist also mit Burger/Linke durchaus ̵ (PvU c} U Á Á] Zµ o µlµoo b&]Pl]Z WZ}o}P]uµ (vU Produkt der mehrhundertjährigen schriftsprachlichen (insbesondere lexikographischen)
23 Vgl. Burger, Harald/ Buhofer, Annelies/ Sialm, Ambros: Handbuch der Phraseologie. S. 69.
24 Vgl. Burger, Harald. Phraseologie. S. 20.
25 Vgl. hierzu auch Palm, Christine: Phraseologie. S. 7.
26 Vgl. Burger, Harald: Phraseologie. S. 24f.
27 a.a.O. S. 20.
28 Vgl. Hessky, Regina/ Ettinger, Stefan: Deutsche Redewendungen. Ein Wörter- und Übungsbuch für
Fortgeschrittene. Tübingen: Narr 1997. S. 221.
5
E}u]µvP^ 29 sein kann und die Festigkeit damit eine Grundvoraussetzung der Idiomatizität darstellt.
2.1.2.3 pragmatische Festigkeit
Bezüglich der Betrachtung konkreter, kommunikativer Situationen, die hier als die pragmatische Sichtweise gesehen werden soll, sind zwei Typen von Phraseologismen zu unterscheiden. Im Bereich der Gruß- und Abschiedsformeln, die Balsliemke als Routineformeln 30 bezeichnet, ist festzustellen, dass sie nur an bestimmten, funktional definierten Stellen auftreten und ein relativ hohes Maß an struktureller Festigkeit aufweisen. Als zweiten Teil dieser Betrachtungsperspektive sieht Burger gesprächsspezifische Phraseologismen, deren Aufgaben und Funktionen im Bereich der Gesprächssteuerung liegen. Ihre Festigkeit ist insgu P]vP µv co sich vorwiegend dadurch bestimmen, daß sie den Sprechern als abrufbare Einheiten zur Bewältigung wiederkehrender l}uuµv]l]Àµ(PvY̵s(ºPµvPZvX^ 31 Letztendlich ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die pragmatische Betrachtungsweise auf Routineformeln beschränkt bleibt und daher die Aussagen über die Festigkeit nicht verallgemeinernd für den Bereich der Phraseologie gelten müssen.
Es wird gleichwohl allein am Beispiel der Routineformeln deutlich wie groß die Unterschiede bezüglich der Festigkeit sein können. Diese Tatsache verpflichtet uns dazu bei Phraseologismen im Allgemeinen stets von einer relativen Festigkeit zu sprechen, deren Abstufungen graduell unterschiedlich sind. µZµPZo(Wc&]Pl]]}((v]Zo]Z]vPµoo<}vÌUµv dies unter jedem der betrachteten Aspekte. Am einen Ende der Skala stehen die in vieler Hinsicht verfestigte Ausdrücke, am anderen Ende diejenigen, die nur schwache Merkmale von Festigkeit µ(Á]vYX^ 32 Donalies schlägt daher vor, ]vÀ]vo]Z^loUc]iÁ]o]'µvv ^]o]^ 33 verzeichnet, einzuführen, um die unübersichtliche Akkumulation an unterschiedlich festen Phraseologismen strukturieren zu können.
29 Vgl. Burger, Harald/Linke, Angelika: Historische Phraseologie. In:: Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur
Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. Hrsg. von Werner Besch u.a.. Bd1. Berlin u.a.: de
Gruyter 1998. S. 743-755. hier S. 744.
30 Vgl. Balsliemke, Petra: Da sieht die Welt schon anders aus. S. 61.
31 Vgl. Burger, Harald: Phraseologie. S.30.
32 Vgl. Burger, Harald: Phraseologie ± Kräuter und Rüben? Traditionen und Perspektiven der Forschung. In:
Wortverbindungen ± mehr oder weniger fest. Hrsg. von Kathrin Steyer.. Berlin u.a.: de Gruyter 2004. S. 19-40.
(=Institut für deutsche Sprache. Jahrbuch 2003). hier S. 21.
33 Vgl. Donalies, Elke: Idiom, Phraseologismus oder Phrasem? S. 339.
6
2.1.3 Idiomatizität
Der Begriff der Idiomatizität wird in der Regel ausschließlich unter semantischen Gesichtspunkten untersucht und erläutert. Auch ich werde daher t wie auch Donalies 34 , Balsliemke 35 und Burger 36 t die Semantik in den Fokus meiner Betrachtung rücken und Idiomatizität im engen Sinne erläutern.
Die Idiomatizität ist t wie die bereits beschriebene Festigkeit t eine graduelle Eigenschaft von Phraseologismen, die ein Ausdruck der Diskrepanz zwischen der wörtlichen und der phraseologischen Bedeutung eines Phraseologismus ist. Je stärker die Diskrepanz, desto höher ist der Grad der Idiomatizität. In diesem Sinne werden phraseologische Ausdrücke gemäß einer graduellen Abstufung für gewöhnlich entweder als voll-, teil- oder nichtidiomatisch klassifiziert. Balsliemke nennt hierfür folgende Beispiele: csich in den Haaren liegen^ für vollidiomatisch, cFahrt ins Blaue^ für teilidiomatisch und cdie Weichen stellen^ als nicht- oder nur schwach idiomatisch. Um den Grad der nichtidiomatischen Ausdrücke auch gesichert dingfest machen zu können, ist es allerdings stets notwendig den pragmatischen Kontext des konkreten Kommunikationsvorganges mit zu berücksichtigen. Nur durch ihn kann letztenendes bestimmt werden, ob es sich bei einem zunächst nichtidiomatischen Phraseologismus auch tatsächlich um einen solchen handelt. 37 Bleibt der cD]v]uol}vÆ^ 38 i}Z µvlvv } ] ] WZ}o}P]uv ̵vZ o cv]Z }o]P}]Z]]}u]Z^̵lo](]Ì]v, um auf eine diesen Phraseologismen eigene, potentielle Homonymie 39 hinzuweisen. 40 Lediglich Kollokationen und Funktionsverbgefüge sind diesbezüglich immer unabhängig vom Kontext und gelten daher fortwährend als nichtidiomatisch. Bei vollidiomatischen Ausdrückern äußert sich also die bereits beschriebene Diskrepanz in ganz besonderem Maße. Die Gesamtbedeutung des Phraseologismus entspricht nicht einmal mehr annähernd der Summe der Bedeutungen der einzelnen Komponenten. Vollidiomatische Phraseologismen stellen daher einen immensen Anspruch an Fremdsprachler, die versuchen unsere Sprache zu erlernen. 41 Einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der wörtlichen und phraseologischen Vestehensweise herzustellen ist unmöglich, da die Bedeutung solcher Phraseologismen eine Interpretation verlangt, die nur aus externen Faktoren herleitbar ist.
34 a.a.O. S. 339f.. Donalies schließt dieses phraseologische Kriterium zwar aus und beschreibt diesen Terminus
wie DXFK3LO]DOVÄQLFKWJHHLJQHW³, dennoch geschieht dieser Ausschluss auf der Basis rein die Semantik
betreffenden Argumenten.
35 Vgl. Balsliemke, Petra: Da sieht die Welt schon anders aus. S. 22f.
36 Vgl. Burger, Harald: Phraseologie. S. 31.
37 Ä'LH+RPRQ\PLHLVWEHLGHU9HUZHQGXQJGHUDUWLJHU3KUDVHRORJLVPHQLP7ext durch die wendungsexterne
.RQVWUXNWLRQVEH]LHKXQJHQLQGHU5HJHOEHVHLWLJW³9JO)OHLVFKHU, Wolfgang: Phraseologie der deutschen
Gegenwartssprache. S. 36.
38 a.a.O. S. 37.
39 3DOPVSULFKWKLHUEHLYRQHLQHUÄGXDOHQ.RGLHUXQJ³HLQHV3KUDVHRORJLVPXV. vgl. Palm, Christine: Phraseologie.
S. 3.
40 Vgl. Balsliemke, Petra: Da sieht die Welt schon anders aus. S. 24.
41 Vgl. Palm, Christine: Phraseologie. Vorwort XI.
7
2.2 Terminologie und ihre Probleme
ovo}P]̵Z]o}}Z]Zvt]Z]^}lZoW]oÌ(Wc/vWZ}o}P]ZÁ}Zo als e]vÌ]P ]Z (U v}Z v]Z (ZX^ 42 Gerade dieses Zitat verdeutlicht wie groß die cP̵ Z}]Z u]v}o}P]Z s]o(o^ 43 µv cP]((Z}^ 44 in diesem Bereich sind bzw. waren. Es kann allerdings nicht Teil dieser Arbeit sein, die diachrone Entwicklung der Phraseologie im Detail zu beschreiben. Ziel dieses Abschnittes ist es, einen Einblick in ausgewählte, terminologische Sichtweisen der Phraseologie zu geben und gleichzeitig eine klare Stellungnahme und begriffliche Einheitlichkeit für meine Arbeit zu schaffen.
Speziell Burger/Buhofer/Sialm versuchen dem Themenkomplex Struktur und Klarheit zu geben und halten fest, dass es unzweckmäßig sei, durch Neuprägungen von Termini etwas wie eine Pseudo-Ordnung in dem schwer zu ordnenden Gebiet der Phraseologie zu schaffen. Auch ich werde mich daher an bereits existierende Termini halten und diese für meine Zwecke und im Rahmen des Möglichen zu definieren versuchen.
Burger/Buhofer/Sialm wie auch Thun sehen ] du]v] cZ}o}gische EinZ]^ } cWZu^ nicht als Äquivalent zu dem bereits eingeführten Begriff Phraseologismus. Ich treffe diese Unterscheidung jedoch nicht und verwende diese Begriffe t auch wenn Phraseologismus eine höhere Akzeptanz genießt 45 - gleichbedeutend. 46 Auch Donalies fordert vdu]vµcWZu^oeine in der Phraseologieforschung gültige Bezeichnung anzusehen. Phrasem sei, so Donalies, als Fachterminus erkennbar und gehöre eindeutig der Sprachwissenschaft an. Er passe gut in die Reihe der Bezeichnungen für die einzelnen sprachwissenschaftlichen Gebiete und der dort jeweils untersuchten Erscheinungen: Morphologie t Morphem, (bedingt auch) Lexikologie t Lexem, Phraseologie t Phrasem. 47
Andere gebräuchliche Terminologiebildungen, die ein Adjektiv mit einschließen (vgl. festes Syntagma, feste Verbindung, gänzlich erstarrte Wortfügung) 48 halte ich für inadäquate P]((Z]µvPvU Á]o ] du]v] µZ ] EvvµvP ]PvZ( c(^ Z}v ]v
gewisse Wertigkeit implizieren, die nicht für jedes Phrasem in gleichem Maße gelten kann. Die Gewichtung der phraseologischen Kriterien bFestigkeitZ und auch bIdiomatizitätZ gilt es für jeden Phraseologismus aufs Neue zu prüfen. Eine voreilige Gewichtung durch eine falsche bzw.
42 Vgl. Pilz, Klaus Dieter: Phraseologie: Redensartenforschung. S.16.
43 Vgl. Pilz, Klaus Dieter: Phraseologie. Versuch einer interdisziplinären Abgrenzung, Begriffsbestimmung und
Systematisierung unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Gegenwartssprache. 2 Bde. Göppingen:
Kümmerle 1978. S. 8.
44 Vgl. Burger, Harald: Phraseologie. S. 33.
45 Vgl. Palm, Christine: Phraseologie. S. 110. / Burger, Harald: Phraseologie. S. 36.
46 So auch Hessky, Regina/ Ettinger, Stefan: Deutsche Redewendungen. ;;,LQÄ+LQZHLVHIUGHQ%HQXW]HU³
47 Vgl. Donalies, Elke: Idiom, Phraseologismus oder Phrasem? S. 346.
48 Vgl. Auflistung bei Donalies, Elke: Idiom, Phraseologismus oder Phrasem? S. 334.
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Arbeit zitieren:
Stefan Wehe, 2008, Phraseologie im Kontext - Ihre Bekanntheit und ihr Verständnis, München, GRIN Verlag GmbH
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