Diese Schrift möchte ein Beitrag sein, für die durch die Globalisierung erneut entstandene Frage nach einer interkulturellen Grundlage einer für jeden Menschen einsichtigen Ethik. Der Anspruch bestimmter Religionen, in ethischen Fragen maßgebend zu sein, wird notwendigerweise in Frage gestellt. Die Religionen berufen sich auf ein höheres Wesen, wenn sie entscheiden, was gut oder böse ist. Da die Religionen sehr unterschiedlich und ihre Aussagen auf einen bestimmten Glauben angewiesen sind, erweisen sie sich für eine globale Ethik als ungeeignete Grundlage. Die Auseinandersetzung in der Frage - Wer denn der richtige Gott sei? - trennt die Weltgemeinschaft in verschiedene sich oft bekämpfende Lager. Ein Versöhnung zwischen den Religionen mag zwar ein Wunsch sein und populistisch oft betont werden, in Wirklichkeit kann besonders bei den die Welt bisher beherrschenden monotheistischen Religionen mit ihren je eigenen als absolut behaupteten Gottesbildern eine Versöhnung nicht stattfinden.
Als Maßstab für eine gemeinsam heute ehe denn je notwendige Ethik muß die Erhaltung des menschlichen Lebens sein. Diesem Maßstab braucht keine der bestehenden Religionen widersprechen. Die dem Menschen wohlwollenden Religionen sollten jedoch diesem Maßstab entsprechen können Der Mensch selbst und die gebührende Achtung seines Lebens ist das einzig mögliche Bindeglied, das alle Religionen, Weltanschauungen, Ideologien und alle Völker als gemeinsamen Nenner anerkennen können. Da der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist, gehört die optimale Erhaltung der menschlichen Gemeinschaft mit zur einer Ethik für den Menschen. Aufgrund des durch die Globalisierung entstandenen Zusammenhang aller Menschen untereinander, ist die weltumfassende Gemeinschaft der Menschen miteinzubeziehen.
Die Schrift beginnt zunächst damit, was der historische Jesus zu einer heute neu zu entwickelnden Ethik zu sagen hatte. Da vermutet und auch behauptet wird, dass die gegenwärtige Ethik ihren Ursprung in der christlichen Religion habe, wird in dieser Schrift versucht, die eigentlichen Aussagen Jesus von den religiösen und mythischen Vorstellungen seiner Zeit zu trennen. Damit wird gezeigt, dass die ethischen Vorschläge und Empfehlungen Jesus nicht mehr christliche sondern eher humanistische Ethik genannt werden kann. Nur als solche sollte die Ethik Jesu als Impuls für eine interkulturelle Ethik aufgenommen werden.
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Ähnlich könnte eine moderne Ethik auch Impulsen anderer bedeutender Menschen aus den verschiedenen Religionen aufnehmen und im Dialog mit ihnen verarbeiten. Diese Schrift erhebt nicht den Anspruch eine wissenschaftliche Arbeit zu sein. Dennoch geht die Schrift davon aus, dass die verschiedenen Begründungen einer Überprüfung auf Plausibilität innerhalb des menschlichen Dialogs standhalten können. Die Sprache sollte für alle Menschen verständlich sein und setzt keine Fachkenntnisse voraus. Es besteht die Möglichkeit, dass diese oder jene Thesen auch in anderen Büchern und Schriften veröffentlicht wurden. Die Schrift bringt diese in einem neuen Zusammenhang mit einem eng gesteckten Ziel, eine humanistisch interkulturellen für jeden plausible Ethik für die weltliche Gemeinschaft in verständlicher Sprache zu verfassen. Es ist ein Vorschlag für einen ethischen Weltdialog, der im Netzwerk des globalen Geschehens mit einbezogen werden kann.
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Die Botschaft des historischen Jesus im Unterschied zu der Verkündigung der Kirchen als Beitrag zu einer interkulturellen Ethik.
Innerhalb der christlichen Religion wird geglaubt, dass Gott Mensch geworden ist. Wenn Gott Mensch geworden ist, dann ist also der wahre Mensch Gott. Die ersten Christen haben an Jesus als den wahren Menschen (den Gott) geglaubt. Darum muss in diesem Zusammenhang die Frage: Wer war Jesus wirklich? gestellt werden
Wer war Jesus wirklich?
Wenn der Name Jesus genannt wird, haben sehr viel Menschen sehr unterschiedliche Vorstellungen, wer und was dieser Jesus war und heute noch ist. Allgemein bekannt ist in den christlich geprägten Völkern, dass von diesem Jesus in einem Buch - das Bibel genannt wird vieles geschrieben wurde. Ob das jedoch, was in der Bibel von Jesus steht, auch historisch so geschehen und gesagt worden ist und nicht etwa aus dem Glaubenssicht seiner Anhänger behauptet wurde, muss geprüft werden. Viele neugierige Theologen und Historiker haben sich die Frage gestellt, ob es möglich ist, die tatsächliche Existenz des in der Bibel genannten Jesus von Nazareth wissenschaftlich nachzuweisen. Darüber sind inzwischen viele Bücher geschrieben worden. Die Schwierigkeit der wissenschaftlichen Forschung ist, dass es so gut wie keine neutralen Quellen gibt(also Texte, die nicht von den an Jesus Glaubenden geschrieben wurden), die eindeutig über die Existenz eines Jesus von Nazareth berichten. So ist der Forscher auf Indizienbeweise anhand der vorliegenden Quellen angewiesen. Bei den Untersuchungen ist festgestellt worden, dass es in der Zeit von etwa 30 nach der Zeitrechnung an in Jerusalem eine Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Glauben gegeben hat, die sich auf Jesus von Nazareth bezog, der hingerichtet wurde. Eine neutrale Quelle berichtet, dass es in Jerusalem eine jüdische Sekte gegeben habe, die die Nazarener genannt wurde. Innerhalb dieser Gemeinschaft erzählten sich die Mitglieder viel von diesem Jesus. Es entstand eine feste
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Überzeugung, dass dieser Jesus ein Sohn des jüdischen Gottes sei und identisch mit dem für alle Juden erwarteten Messias. Messias war bei den Juden die Bezeichnung des jüdischen Königs, der - nach dem Ende der jüdischen Königsherrschaft - erwartet wurde als ein von Gott gesandter König. Die Königsbezeichnung Messias heißt auf griechisch Christus. Später entstanden durch die Mission weit über Jerusalem hinaus noch mehrere Gemeinden , die sich selbst als christliche Gemeinden verstanden. Die mündlichen Berichte und Erzählungen über Jesus wurde nach und nach von verschiedenen Personen aus den Gemeinden schriftlich festgehalten. Die Schriften, die uns heute im NT vorliegen, sind erst von dem Jahr 60 an bis etwa 150 nach der Zeitrechnung zusammengestellt worden. Es hat also im günstigsten Fall eine dreißigjährige Überlieferungsgeschichte der von angeblich von Zeitzeugen stammenden Berichten gegeben. Diese sind zunächst mündlich weiter erzählt und später schriftlich festgehalten worden. Die sehr unterschiedlichen heute vorliegenden Berichte zeigen deutlich, dass die Erzählungen über Jesus und seine Aussagen während der Überlieferungszeit verändert und neu konstruiert worden sind. Widersprüche (- im Vergleich der Berichte zu erkennen - ) machen an vielen Aussagen deutlich, dass sich entweder nur das eine oder das andere in der Berichterstattung historisch zugetragen haben kann. Da fast nur Quellen vorliegen, die positiv zu diesem Jesus von Nazareth stehen und die Geschichte vertsändlicherweise mit der eigenen "Glaubensbrille" sehen, ist eine neutrale historisch kritische Forschung aufgrund dieser Quellenlage sehr schwierig. Es kann also nicht eindeutig nachgewiesen werden, wer und was dieser Jesus gewesen ist. Trotzdem können durch indirekte Beweise historisch stattgefundene Ereignisse plausibel aus den vorhandenen Texten ermitteln werden. Die Beweisführung wird durch die Erkenntnis über ein typisches Verhalten des Menschen geleitet. Der Historiker muß berücksichtigen, dass bei allen Berichten immer (bis zum heutigen Tag) die nicht zu leugnende subjektive Tendenz des Berichterstatters im Text miteinfließt und macht damit eine rein objektive neutrale Berichterstattung unmöglich. Alles was ein Berichterstatter gehört oder gesehen hat, wird in seinem Gehirn verarbeitet und dann als subjektiv verarbeitetest Ergebnis wiedergegeben. Dem Berichterstatter ist dieser Vorgang meist nicht bewußt. Das Bewußtsein eines jeden Subjekts wird jedoch durch die Eigenschaft gelenkt, das dem Menschen Unangenehme zu verschweigen oder diesem durch Erklärungen oder Änderungen einen positiven, entschuldigenden Wende zu geben. Also z.B. wenn jemand einen anderen sehr gern hat, vermeidet er es (wenn es ihm gelingt) über diesen etwas Negatives zu berichten. Diese wohl
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jedem einleuchtende und immer wieder nachzuweisende Eigenschaft kann man fast bei jeder Berichterstattung erkennen. Und je weiter der Bericht vom eigentlichen Geschehen entfernt (zeitlich oder auch örtlich) und je mehr Personen ihn weitergeben haben, um so mehr weicht er vom eigentlichen Geschehen ab und ähnelt immer mehr einer Legende. Im NT finden wir Erzählungen und Aussagen über und von Jesus, die weder in das Glaubensverständnis der Urgemeinde und erst recht nicht in das der späteren Kirche einzuordnen sind. Diese Aussagen können aber auch nicht vom jüdischen Glaubensverständnis abgeleitet werden. Sie machen Jesus als Rabbi jedoch zum Reformator des jüdischen Glaubens, der in dieser Konsequenz von der gläubigen, christlichen Gemeinde nicht gerne überliefert wurde. Diese Berichte und Aussagen sind wirklich historisch, weil sie überliefert wurden, auch wenn es der Tendenz sowohl der jüdischen Glaubensgemeinschaft als auch des späteren Christentums nicht entspricht. An manchen Stellen im NT wird eindeutig durch Zusatzbemerkung die ursprüngliche Aussage abgeschwächt und damit verändert. Anhand diesen historisch kritischen Kriterien soll hier versucht werden, zu einer wahren historisch wahrscheinlichsten Geschichte des Jesus von Nazareth zu kommen.
Der Anfang der christlichen Gemeinde.
Auch außerbiblische Quellen berichten von einer jüdischen Splittergruppe, die auf einen Jesus von Nazareth zurückzuführen sind, der etwa 30 n..Zt. hingerichtet wurde. Es gibt keinen Grund, dies historisch anzuzweifeln. Diese Gruppe ist ein Hinweis auf einen Menschen, der Mitglieder der Gruppe beeindruckt und ihrem Leben eine positive Wende gegeben hat. Aus vielen Aussagen in den Evangelien ist zu erkennen, dass die Mitglieder einst zu den nicht geachteten Randgruppen der Gesellschaft gehörten. Für diese Menschen war Jesus zunächst ein Mensch, der durch seine Botschaft ihnen die Würde und Anerkennung vor Gott und den Menschen zurückgab. Für sie war die Botschaft eine Erneuerung ihres Lebensgefühls, also eine Rettung aus der oft selbst verursachten Lebenssituation . Man könnte sagen, es entstand durch die Botschaft Jesus ein Aufatmen und eine Heilung der Seele durch die geglaubte Zuwendung eines neu verstandenen Gottes als Vater. Dass Jesus wahrscheinlich als Rabbi, wie die Berichte aussagen in den Synagogen lehrte, erhöhte für diese Armen die Kompetenz seiner Aussagen. So könnte man sich erklären im Vergleich mit vielen historisch anzuerkennenden Aussagen des Jesus, dass sich - heute würde man sagen - eine Fangemeinde entwickelt hat. Nach der Hinrichtung Jesus schien sich alles, was sich die Gemeinde erhoffte,
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wie Schall und Rauch aufgelöst zu haben. In Lk.(Lukas) 24,13ff wird von der Verzweiflung der Gemeinde berichtet:
Einige Anhänger der Gemeinde unterhielten sich über die vergangenen Ereignisse (Hinrichtung Jesu usw.). Ihrem staunenden Begleiter, der sich zu ihnen gesellt hatte, fragten sie: „ Bist du der einzige, der in Jerusalem weilt und nicht erfahren hat, was da in diesen Tagen geschehen ist?“ Auf die Frage. Was? antworten sie: „Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in der Tat und Wort vor Gott und allem Volk und wie ihn unsere Hohenpriester und unsere Oberem zum Todesurteil ausgeliefert haben. Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen sollte."
Dieser Teil des Textes gibt sehr einleuchtend die Situation der ersten christlichen Gemeinde nach dem Tod Jesu wieder. Hier entsteht der Glaube an Jesus als den von Gott gesandten Messias. Wenn jedoch dieser Jesus trotz Tod immer noch leben würde, also auferstanden wäre, dann wäre das für seine Anhänger die Rettung, dann erwiesen sich die heilenden Worte Jesu als kompetente ewigen Worte des israelitischen Gottes.
Zunächst eine Erklärung zu der Aussage: "Wir aber hofften, er sei der Israel erlösen sollte",. Der Glaube des jüdischen Gesellschaft war und ist für die glaubenden Juden bis heute, dass Jahwe (Name des jüdischen Gottes) einen aus dem Königsgeschlechts Davids stammenden Menschen senden wird, der die Juden von aller Fremdherrschaft mit göttlicher Kraft befreien wird. Dieser hat in der jüdischen Tradition mehrere Titel erhalten: In hebräisch Messias in griechisch Christus (abgeleitet von der Bezeichnung eines jüdischen Königs) oder Menschensohn (Die Erklärung des Titels Menschensohn ist umfangreich und hat viele Interpretationen ausgelöst. Hier reicht das Verständnis, dass es auch eine Bezeichnung für den kommenden angesagten Heiland des jüdischen Volkes war)
Diese genannten Titel sind zunächst die wichtigsten, die der Leser der Evangelien kennen sollte, damit er die Texte auch verstehen kann.
Die ersten Anhänger Jesus hatten, wie das Zitat deutlich macht, den gleichen Glauben wie die anderen Juden. Was sie später von den jüdischen Glauben unterschied war; sie sind davon überzeugt, dass in Jesus der Messias gegenwärtig ist; also einer - nach dem Zitat - der Israel erlösen sollte. Die verzweifelten Aussagen der ersten Anhänger in unserem Text vertragen sich nicht mit anderen Aussagen der Evangelien, in denen Jesus sein Leiden und seine Verurteilung schon zu seinen Lebzeiten angekündigt haben sollte mit dem Hinweis, dass solches nach dem Willen Gottes geschehen müsse. Es widerspricht auch den berichteten
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und Jesus in den Mund gelegten Aussagen, die deutlich machen, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist und die Erlösung nicht alleine Israel zukommen wird. All die Aussagen, in denen Jesus der Messias, der Menschensohn, der Sohn Gottes, das Sühneopfer, das Lamm Gottes genannt wird und es von dem Glauben daran sogar abhängig gemacht wird, dass der Mensch gerettet werden kann oder auch nicht, unterstützen das Selbstbewußtsein der christlichen Gemeinde. Davon scheinen die ersten Anhänger in der zitierten Geschichte noch
keine Ahnung gehabt zu haben. Sie drücken in ihrer Verzweiflung nur ihre Hoffnung aus, die anscheinend durch die Hinrichtung zunichte gemacht wurde. Was ist historisch?
Hat sich Jesus selbst als Messias verstanden und dies auch zu seinen Lebzeiten offenbart? Oder ist das Zitat von den ersten Mitgliedern historisch und bezeichnet die Lage der Christen nach der Hinrichtung Jesu, wie es wirklich gewesen ist?
Das Bild der verzweifelten Urgemeinde wirft einen Schatten auf die Anhänger. Das Bild von Jesus als einen Messias mit einer von Gott ausgestatteten Autorität macht die Anhänger zu den Auserwählten Gottes, der die Zusage Jahwes an das Volk Israel von dem Volk Israel auf die christliche Gemeinde übertragen hat. Beim Vergleich dieser sich widersprechenden Aussagen kann nach der nachgewiesenen Regel der Überlieferungsgeschichte nur die Aussage als historisch gelten, die dem Selbstbild der (in diesem Fall als Autor) christlichen Gemeinde - nicht gerade nützlich ist, wenn nicht sogar schadet. Die höchste Wahrscheinlichkeit dass Jesus sich selbst nicht als Messias ausgegeben hat, beweisen mehrere Aussagen im NT. In Mk.(Markus)8,11ff :Jesus lehnt es ab seine Kompetenz zu beweisen. In M8,29f Als Petrus ihn als Christus bezeichnete, gibt Jesus strengen Befehl, dies nicht zu verbreiten. Auch bei seinem Besuch in seiner Heimatstadt lehnt er es ab, ein Hinweis zu geben, das er der Messias ist. In Lk.7,19ff wird berichtet, dass der Eremit Johannes seine Anhänger zu Jesus schickt mit der Frage, ob er der sei, der da kommen soll. Jesus antwortet: Lahme gehen, Blinde werden sehend, Taube hören, Armen wird die frohe Botschaft gebracht. Auf die Frage, ob er der Messias sei, weist er also daraufhin, dass da wo Heilung und Zuspruch geschieht, da ist der Gott bzw. das Reich Gottes gegenwärtig, auf das Israel wartet. Er identifiziert damit die Gegenwart Gottes mit der Gegenwart einer sich heilenden Gesellschaft. Damit weicht er aber ab von dem Bild, was sich sowohl die Juden und auch die christliche Gemeinde und Kirche von ihrem Messias gemacht haben.
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Das Selbstverständnis Jesu als der Bote der Botschaft, die eine Verwirklichung der Heilung des Menschen und der sich heilenden Gesellschaft ermöglicht, ist dem historischen Jesus zuzuordnen. (Ich würde ihn damit den Boten des wahren Menschen nennen.)
Das Gottesbild des historischen Jesus von Nazareth.
Es gibt die Aussage vieler Menschen: Wir haben doch alle einen Gott, ob Juden, Christen oder Moslems. Diese Aussage mag hypothetisch richtig sein, aber die Vorstellung von dem jeweiligen Gott sind bei den verschiedenen Glaubensrichtungen sehr unterschiedlich. Es ist nicht der Glaube, dass es einen Gott gibt, der das Verhalten oder die Gefühlslage der Glaubenden bestimmt, sondern die Vorstellung bzw. das Bild, das der Mensch sich von diesen Gott macht. Die Frage: Wer ist der richtige Gott? - ist also uninteressant bzw. nicht ausschlaggebend, sondern welche von den verschiedenen Vorstellungen oder Bildern von Gott ist die richtige. Die Anwort darauf gibt es nicht außer im subjektiven Glauben der Religionsanhänger und der ist wiederum sehr verschieden. Trotzdem ist es wichtig für eine Beurteilung, die verschiedenen Gottesbilder in etwa zu kennen, damit wir die Unterschiede wahrnehmen können. In diesem Zusammenhang ist es notwendig zu erfahren, welches Bild von Gott der historische Jesus von Nazareth gehabt hat und wie sich dieses Bild von anderen unterscheidet..
Jesus als Jude in der Stadt Nazareth ist wahrscheinlich in einer Handwerkerfamilie geboren und groß geworden. Dort hat er eine religiöse jüdische Erziehung genossen. Seine Eltern gehörten zu einer bürgerlich anerkannten Schicht, die auch die religiösen Sitten und Gebräuche der jüdischen Gemeinde mitvollzogen hat. Wie etwa in der inzwischen in unseren vergangenen Gegenwart der bürgerliche Mensch, wo Taufe, Konfirmation, Kommunion und Kirchgang u.a.m. zum üblichen Ton gehört. So heißt auch der Gott des Jesus Jahwe (in der Bibel oft auch mit Herr oder griechisch Kyrios übersetzt).
Jesus übernimmt das jüdische Gottesbild jedoch nur teilweise. Jahwe ist für ihn kein Richter, der freispricht oder verurteilt. Jahwe ist für ihn ein Gott, dessen Ziel es ist, für das optimale menschliche Leben eines jeden Menschen ohne Ansehen der Person oder Zugehörigkeit einer Rasse oder eines Volkes sich einzusetzen, in dem er statt den Menschen zu verurteilen jeden freispricht ohne Bedingung. Er will den Menschen heilen von seinen negativen inneren, das
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menschliche Leben zerstörenden Trieben, die damals mit Teufel oder Beelzebub bezeichnet wurden. Jahwe erwartet nach Jesu Botschaft von den Menschen Liebe und keine Opfer. Jesus beruft sich in seinem Gottesbild auf die Propheten z.B. auf Hosea 6,6. Denn an Liebe habe ich Wohlgefallen und nicht an Schlachtopfern.
Die Gottesbilder der damaligen Religionen stellten sich Götter vor, die Genugtuung forderten, wenn der Mensch ihren Willen nicht erfüllte. Sie wollten verehrt werden, wenn man ihren Segen haben wollte. Sie erwarteten von den Menschen Opfer, die der Mensch sich von seinem Lebensunterhalt absparen mußten und dem Gott weihen sollte. Auch der Gott Israels wird als Gott dargestellt, der erwartet, dass die Sünde gesühnt werden müßte und der Mensch durch ein Opfer eine solche Sühne vollziehen könne. Dieses Opfer nannte man Sühneopfer, dass den Menschen freisprach von seinen Sünden
Diesem religiösen Gottesbild widersprechen manche Propheten teilweise und der historische Jesus absolut. Es gibt zwar Texte im NT, die widersprechen den Aussagen, in denen Jesus das eben genannte Gottesbild deutlich betont. Diese sind jedoch Konstruktionen der Urgemeinde. Für Jesus und auch für die Propheten ist es die Liebe oder der humanitäre Umgang der Menschen untereinander, was Gott erfreut. Wenn der Mensch dazu nicht in der Lage ist, dann kann ihn davon nur die Zusage Gottes erlösen oder heilen. Diese Liebe wird umsonst angeboten und keiner kann damit ein Geschäft machen oder eine Macht aufbauen. Wenn also der Gott des historischen Jesus kein Sühneopfer verlangt, kann es doch nicht wahr sein, wie die christliche Gemeinde geglaubt hat, dass sich Gott damit Genugtuung verschafft, indem er seinen eigenen Sohn als Sühneopfer für sich selbst opfert, damit die Menschen dadurch befreit werden von ihren Sünden. Die absolute Liebe des Gottesbildes Jesu erübrigt jedes Opfer, es erfreut sich aber der Liebe. Dieses Gottesbild, das in vielen Aussagen Jesus und seinem Verhalten deutlich wird, widerspricht sowohl dem jüdischen als auch dem christlichkirchlichen Gottesbild, wie man nicht lange nachweisen muss, weil es in unserer Gesellschaft allgemein bekannt ist.. Damit ist so gut wie nachgewiesen, dass das Gottesbild des historischen Jesus Gott als die Kraft der bedingungslosen Liebe in Wirklichkeit die Gottesvorstellung ist, die er verkündet hat.
Die sich in der christlichen Gemeinde später beibehaltene Vorstellung des jüdischen Gottes verändert dass Gottesbild der Religionen und auch des Judentums kaum. Hier wird Gott oder Christus, der mit Gott identisch sein soll, wieder zum Richter gemacht, der die Bösen und an ihn nicht Glaubenden ablehnt und bestraft oder sie vom Heil ausschließt. Hier
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wird der Glauben und sogar religiöse Riten zur Bedingung gemacht (Mk. 16,16: Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.) Psychologisch verständlich ist es schon, dass das Bild Gott als Richter den Glaubenden in der jüdischen Sekte, die sich auf Christus berufen, entgegen kam. Jesus hatte sie zwar aus den Randgruppen der damaligen Gesellschaft herausgeholt, in dem er einen Gott verkündete, der heilt, sich der Armen annimmt, den Sündern ohne Bedingung vergibt, aber in der Gesellschaft war die christliche Sekte nach wie vor nicht anerkannt. Ganz im Gegenteil sie wurden sogar verfolgt. Da liegt es nahe, dass diese Feinde des Glaubens bei Gott die eigentlich Benachteiligten sein sollten und später dafür büßen werden. Die Aufwertung, die die Anhänger durch Jesus bekommen hatten, wurde in der Gesellschaft zunichte gemacht. In dieser Situation ist es verständlich und einleuchtend, dass während der Überlieferung des Evangeliums die Aussagen, in denen Gott oder Jesus wieder Bedingungen stellt, sich entwickelt haben und damit aber nicht dem historischen Jesus zuzuordnen sind. Die eigentliche Friedensbotschaft des Jesus von Nazareth wird dadurch entschärft. Die absolute Anerkennung eines jeden Menschen trotz Schuld schüttet die Gräben in der menschlichen Gemeinschaft zu, die durch die Einteilung in Gute und Böse, Glaubende und Nichtglaubende, Gerechte und Ungerechte entstanden sind. Durch die Verurteilung von Menschen und dabei nicht nur ihre krankhaften Verhaltensweisen wird der mögliche Friede unter Menschen und ihren Gemeinschaften zerstört. Heilen heißt die Devise des historischen Jesus und nicht verurteilen der oft in die Irre geratenen Menschen. Wer den Gott des Jesus und Jesus selbst wieder zum Richter macht, der ist nach dem historischen Jesus weit weg vom Reich Gottes oder dem Friedensreich. Der müßte durch die Heilsbotschaft erneut geheilt werden. Nach dem historischen Jesus ist Gott auch nicht der, der ein absolutes für alle Zeiten gültiges Gesetz herausgegeben hat. Er will auch nicht die für das menschliche Leben notwendigen Verhaltensweisen bestimmen, weil sie sich aus dem Leben in der Gemeinschaft mit dem Ziel der Lebenserhaltung von selbst ergeben. Für den historischen Jesus ist Jahwe ein Gott, dessen Ziel es ist, dafür zu sorgen, dass das menschliche Leben gesund erhalten bleibt. Er ist wie der Vater einer Familie, der darauf achtet, dass innerhalb der Familie Regeln beherzigt werden, die das Leben in der menschlichen Gemeinschaft ermöglichen. Diese Regeln sind zeit- und situationsbedingt, und ihre Gültigkeit erweist sich darin, ob sie das menschliche Einzelleben inklusive seiner Gemeinschaft ermöglicht und fördert und nicht schadet. Diese Regeln bzw. Gesetze sind nach dem wie Jesus seinen Gott versteht auf das diesseitige Leben ausgerichtet.
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Wenn auch wie das Gebet und andere religiöse Riten sich dem Jenseits zuwenden, so haben sie doch ein Bezug auf das gegenwärtige diesseitige Leben z.B. des seelischen und körperlichen Wohlbefindens. Ein Hinweis auf dieses Gottesbild des historischen Jesus und seine relativierende Bedeutung eines von Gott gegebenen absoluten Gesetzes findet wir in folgender Erzählung in Mk 2,23ff
Zum Verständnis eine Information vorweg: Das dritte Gebot in der israelitischen Gesetzestafel, die von Gott Jahwe dem Volk Israel gegeben wurde, heißt es: Du sollst den Sabbat heiligen. Der Sabbat beginnt am Freitagabend und endet am Samstagabend. Bei den Juden wurde das Heiligen des Sabbats mit vielen Vorschriften geregelt, die - wie sie glaubten
- ebenfalls von ihren Gott so angeordnet worden sind oder das eigentliche Gesetz schützen sollten. Diese Gebote zu mißachten galt als eine schwere Sünde. In der Erzählung im Markusevangelium wird berichtet, dass Jesus mit seinen Jüngern (Bezeichnung für die mit Jesus umherziehenden Gruppe) am Sabbattag durch die Felder ging. Die Jünger haben unterwegs Ähren zur eigenen Ernährung ausgerauft. Außerhalb des Sabbats war das damals erlaubt. Am Sabbat verstößt das gegen das Gesetz Gottes. Es ist einem bewußten Verbrechen in unserer Zeit gleichzusetzen. Nun hatten die sogenannten ´Sicherheitsbeamten´ (Pharisäer genannt), die sich für die Einhaltung des Gottesgesetz besonders kümmerten, Jesus auf den Kieker. Man muss wissen, dass viele Juden das Kommen ihres Messias dann erwarteten, wenn möglich viele Juden sich genau nach den Gesetzesvorschriften halten. Die Pharisäer fragten nun Jesus: Warum tun deine Jünger (Anhänger), was nicht erlaubt ist? Und Jesus antwortet mit dem Kernsatz: Der Sabbat ist um des Menschen will geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen. Wir können - so hat es Jesus sicherlich gemeint - für Sabbat auch das Wort Gesetz einsetzen, weil hier alle übrigen Vorschriften miteinbezogen werden können. Jesus Antwort paßt nun nicht in die jüdische Auffassung vom Gesetz und genau so wenig in die der christlichen Gemeinde. Aus diesem Satz geht hervor, dass der Mensch und seine Belange das Kriterium sind, was als gut oder böse zu gelten hat. Danach sind auch die bestehenden Gesetze, die einst von Jahwe gegeben worden sind, zu überprüfen, weil nach Auffassung Jesu die eigentliche Tendenz Jahwes ist, den Menschen für die Erhaltung ihres Lebens Regeln zu geben. Wenn aber aus welchen Gründen auch immer die Regeln dieser Tendenz Jahwes nicht mehr entsprechen, so kann der Mensch selbst nach den Regeln der Humanität handeln, auch wenn das gegen dem
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ursprünglichen Buchstaben des einst gegebenen Gesetzes verstößt. Damit wird der Mensch mit seiner Vernunft gemäß der Botschaft Jesus zum Autor der Menschenrechte. Die Vernunft wird übrigens von Jesus nicht so zweitrangig gesehen wie bei manchen Vertreter der Kirche heute. Jesus ruft fast wie bei Sokrates die Vernunft auf, aus bestimmten Vorgaben, einsichtige Anworten zu geben. Es kommt jedoch darauf an, mit welchen Fragen die Vernunft betraut wird. Sie wird jeweils innerhalb eines Problemkreises auch logisch und in sich geschlossen die Fragen, die sich daraus ergeben, richtig beantworten können. So wird die Vernunft auch zu richtigen Ergebnissen kommen, wenn es um die Frage geht, wie die Erhaltung des menschlichen Lebens und damit der menschlichen Gemeinschaft möglichst lange und möglichst optimal für jedes Leben erhalten werden kann. Die Vernunft selbst allerdings erzeugt weder Negatives oder Positives. Sie wirkt immer in einem vorgegebenen Fragekreis, der sowohl Leben Schaffendes als auch Leben Zerstörendes verursachen kann. Das Material, was der Vernunft zu einsichtigen Antworten vorgegeben ist, bestimmt die Ergebnisse. So ist immer die Frage zu stelle: Zu welchen Zweck oder Sinn soll etwas als vernünftig oder unvernünftig erklären werden, damit dabei möglichst Gutes herauskommt.. Weil das Wort Jesus über das Gesetzt (über den Sabbat) in der Urgemeinde wie eine Aussage erschien, die die Autorität des Gesetzes des Jahwes untergraben würde, hat in der Überlieferungsgeschichte der Satz eine Ergänzung erhalten V28 "Somit ist der Sohn des Menschen (Menschensohn) auch Herr über den Sabbat." In den Parallelgeschichten, die teils von Markus abgeschrieben wurden bei Matth. 12,1ff und Lk. 6,1ff, wird die ursprüngliche Aussage Jesus ganz ausgelassen. Der Satz jedoch: "Des Menschensohn ist Herr über den Sabbat" wurde wörtlich übernommen. Die Urgemeinde übernimmt also das Gottesbild des jüdischen Glaubens oder auch anderer Religionen in Bezug auf das Gesetz (ein Gott oder göttliche Autorität ist der Gesetzgeber und das Gesetz hat absolute Gültigkeit). Auch die spätere Kirche verändert wie die Urgemeinde das Gottesbild des jüdischen Glaubens nicht. Die christliche Gemeinde(später Kirche) übernimmt es, indem sie deutlich macht, dass nur Gott bzw. Christus und seine auserwählten Experten (z.B Petrus oder Papst) auf Erden sagen können, was als Hauptregel für das menschliche Leben zu gelten hat. Dem widerspricht der historische Jesu, der nicht aufgetreten ist wie ein Messias oder Menschensohn als neuer Gesetzgeber. Er läßt z.B in der zitierten Erzählung seine Jünger das Gesetz nicht brechen, weil dies nur in seiner Gegenwart erlaubt wäre. Er begründet sein Verhalten mit einer humanitären Vernunft, weil ein ehemaliges Gesetz gerade Leben und Überleben des
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Menschen stören kann, deshalb braucht der Mensch aus seiner Sicht heraus sich nicht daran halten. Ein anderes Beispiel für diese Haltung Jesu. In Mk.3,4 stellt der historische Jesus am Sabbat an seine Kritiker die Frage: "Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses, ein Menschenleben zu retten oder zu töten?" Dem Kritiker sollte mit der Frage einsichtig gemacht werden, dass Gutes tun keine gesetzliche Grenzen haben darf. Dass am Sabbat Böses tun oder sogar Töten nicht erlaubt sein darf, war für jeden selbstverständlich, das gilt für jeden Wochentag. Das Ziel der Fragestellung Jesu ist ein anderes. Die Frage zielt daraufhin, ob jederzeit Gutes tun durch irgendeine gesetzliche Vorschrift eingeschränkt werden darf. Die Antwort auf die Frage Jesus scheint den Kritikern aufgrund ihres Gottesbildes peinlich gewesen zu sein. Ja in der Erzählung macht sie die Frage sogar wütend. Dieser Bericht macht wiederum deutlich, daß das Kriterium der Ethik bei Jesus der Mensch ist. Was für den Menschen gut ist, muss nach Jesus kein Gott bestimmen. Die Menschen können im Dialog untereinander schon selbst herausfinden, was für sie gut oder schlecht ist.(Dies wurde in unserer Zeit durch die Menschenrechte schon erwiesen) Die Aussage Jesus über das Gesetz würde auch heute noch sehr viele christliche Gemeinschaften auf die Palme bringen. Eine säkularisierte Ethik als die eigentliche Ethik des historischen Jesus würde der Kirche und den Kirchen in ihrem ethischen Bemühen eine ganz andere Dimension verleihen. Gerade darum sind die diesbezüglich Erzählungen historisch, weil sie einen Jesus zeigen, der wohl kaum von den ersten Christen in der Überlieferungsgeschichte verändert worden ist. Mit Absicht verändert kein Autor sein Berichterstattung gegen seine eigene ihm entgegenkommende Sicht. Das es viele vielleicht sogar mehr Aussagen im NT gibt, die Jesus eher als den neuen Gesetzesgeber Jahwes darstellen, ist nicht zu bestreiten. Da sie aber alle in die gewünschte Ansicht der ersten Christen und später auch der Kirche passen, ist es so gut wie sicher, dass sie nicht von Jesus selbst stammen, während die anderen für die Kirche recht unangenehmen Aussagen dem historischen Jesus am nächsten liegen.
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Verständnis des historischen Jesus vom Reich Gottes, Königsherrschaft Gottes, Himmelreich oder andere diesbezüglichen Begriffe.
Es ist höchstwahrscheinlich, dass der historische Jesus auch den Satz wagen würde: Der Mensch ist nicht für Gott da, sondern Gott ist für den Menschen da. Die Konsequenz seiner Botschaft läuft darauf hinaus. Das macht sein Verständnis vom Reich Gottes deutlich. Zum Verständnis des Wortes: Reich Gottes: Die genaue Übersetzung sowohl des hebräischen als des griechischen Ausdrucks ist: Königsherrschaft Gottes. Dies wurde in der damaligen Zeit sowohl verstanden als Bezeichnung für Gottes Regiment (dass Gott der König ist, der regiert) als auch als dessen Herrschaftsgebiet (der Bereich der Menschen, die unter seiner Regierung stehen).
Jesus wird in Lk17,20ff die Frage gestellt: Wann kommt das Reich Gottes? Die Antwort: "Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte. Man wird auch nicht sagen hier oder dort! Denn siehe das Reich Gottes ist inwendig in euch." Wie diese Aussage auch zu interpretieren ist, so zeigt sie doch eindeutig, dass der historische Jesus den Begriff Reich Gottes nicht einem jenseitigen Bereich zuordnet. Reich Gottes ist auch nicht geographisch zu finden. Es kann außerdem nicht mit den Augen beobachtet werden. Folgerichtig könnte an Jesus die berechtigte Frage gestellt werden: Wie kann ich das Reich Gottes erkennen oder empfinden? Eine Aufklärung können andere Texte aus dem NT bringen:
In Mtth,13,52f sagt Jesus: Ein Schriftgelehrter (damals ein Kenner der Bibel und der jüdischen Religion, also ein Theologe) der in Sachen Gottes Reich (Himmelreich hier genannt) unterrichtet ist, ist einem Hausherren gleichzusetzen, der aus seinem Schatz (also seine alten und neuen Erkenntnisse) Neues und Altes hervorholt.
In diesem Text wird gesagt, dass ein Mensch über die Inhalte des Reiches Gottes unterrichtet werden kann. Das bedeutet, dass der Bereich Reich Gottes der Bereich einer neuen Verkündigung, einer neuen Botschaft, eines neuen Gottesverständnisses ist, aus der Schriftgelehrte Neues schöpfen können, damit alte Erkenntnisse verbessert werden. In Mk12,28ff In einem Disput antwortet Jesu auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot mit dem bekannten Gebot der Gottes- und Nächstenliebe mit der Ergänzung, dass die Liebe mehr sei als Schlachtopfer und Brandopfer (also einer damals übliche religiöse Praxis).
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Ein Theologe in der Gesprächsrunde lobt Jesu Auffassung. Darauf sagt Jesus: „Dieser Theologe ist nicht weit vom Reich Gottes entfernt.“
Diese Aussage macht deutlich, dass Jesus den Bereich Reich Gottes mit der Erfüllung des Liebesgebotes gleichsetzt. Da wo der Mensch sich aktiv für die Erhaltung des optimalen Leben seines und anderer Menschen bemüht, (was mit der Erfüllung des Liebesgebotes gleichzusetzen ist) da geschieht Reich Gottes. Wenn von Jesus gesagt wird, dass jemand nicht fern davon ist, dann hat das nichts mit einer geographischen oder zeitlichen Entfernung zu tun, sondern damit, wie nah oder fern jemand vom Bereich der Liebe ist. In diesem Zusammenhang sind auch die Aussagen Jesu zu verstehen, in denen Jesus sagt: Das Reich Gottes ist nahe herbei gekommen.
Es ist nahe liegend für die ersten Christen, den historischen Jesus als einen Messias zu begreifen, der mit seiner Botschaft dem Menschen den Schlüssel in die Hand gibt, mit dem sie sich in den Bereich der Liebe (also Reich Gottes) einen Zugang eröffnen können. Dass die Menschen einen Schlüssel brauchen, um von der unfriedlichen Welt in den Bereich einer friedlichen Welt zu gelangen, wird jeder zugestehen. Aber der Schlüssel ist für Jesus die Kraft der frohen Botschaft und die läßt sich von keinem besitzen weder von Papst, Bischöfen Priester oder anderen Menschen, weil es eine geistige Kraft ist. Diese Kraft offenbart sich in der Verwirklichung der Liebe. Anzeichen, dass das Reich Gottes auch heute noch nahe ist, sind die vielen Aktivitäten in der Welt, die durch Friedensbemühungen, Einsatz für die Menschenrechte, Sorge um ausgleichende Lebensbedingungen und viele andere Tätigkeiten, die sich um die Erhaltung eines menschlich würdigen Lebens einsetzen. Jesus betont deutlich Mtth.7,21, dass nicht jeder, der zu Jesus Herr, Herr sagt, in das Reich Gottes kommen wird, sondern der den Willen des Vaters (Jahwe, der Gott der Liebe) tut. Bei Jesus ist das Ziel und damit auch der Wille seines Gottes das friedliche Leben des Menschen, geleitet von der Kraft der Liebe. Wann und wo dies seine Erfüllung findet, ist unabhängig von einem Glaubensbekenntnis. An einem Bekenntnis eines Menschen kann keiner erkennen, dass das Reich Gottes nah ist. Im Gegenteil es gibt sehr viele sehr gläubig Menschen, die weiter vom Reich Gottes entfernt sind, als andere, die aus der Kraft der Liebe handeln können, auch wenn sie ein ganz unterschiedlichen Glauben haben, aber dennoch ist bei ihnen das Reich Gottes nahe. Die Liebe ist für Jesus der Integrationsschlüssel der Kulturen.
Wenn der Begriff Reich Gottes als Bereich der Liebe verstanden wird, dann ist die Frage zu stellen, was bei Jesus unter Liebe zu verstehen ist. Das Wort Liebe ist in unsere Zeit durch seine vielfältige Anwendung in den verschiedensten Gebieten in einen inflationären Bedeutungsstrudel geraten. Welche Bedeutung die richtige ist, kann keiner bestimmen und muß offen bleiben. Die Aussage der Empfehlung im AT u. NT: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, macht in diesem Zusammenhang deutlich, dass Liebe hier niemals als emotionale oder erotische Liebe verstanden wurde. Diese läßt sich nicht - wie allgemein bekannt ist -, willentlich hervorrufen. Und wenn unter Nächster jeder Mensch ohne Ansehen der Person zu verstehen ist, (diese
Bedeutung wird an einer anderen Stelle noch erklärt) dann ist kein Mensch in der Lage jeden Nächsten emotional zu lieben. Unter Liebe versteht jedoch die Bibel im AT so auch im NT die Achtung und Anerkennung des Mitmenschen in seiner Würde und die Mitverantwortung für sein Leben als Mitglied der Familie (Familie verstanden als Gemeinschaft von Menschen, die aufeinander angewiesen sind.) Heute gilt das für jeden Menschen auf der Welt, weil die Entscheidungen und Verhaltensweisen eines jeden Menschen auf jeden andern Menschen in der Welt indirekt einen Einfluß hat.
Wo also diese Liebe in der eben genannten Bedeutung geschieht, da ist nach dem historischen Jesu Reich Gottes. Damit meint Jesus zugleich, dass dies ganz im Sinne dessen ist, dessen Gottesbild Jesu vertritt. Damit ist Gott nach Jesu in den Bereich des menschlichen Wohlbefindens hineingezogen und dies könnte bedeuten: Gott ist Mensch geworden. M.E. entmythologisiert Jesu damit das religiöse Gottesbild.
In Lk.12,21 sagt Jesus: „Fürchtet euch nicht, denn es hat euren Vater (Jahwe als Vater gedacht) gefallen, euch das Reich zu geben.“
In diesem Zusammenhang wird Reich verstanden als einen Bereich, in dem der Mensch sich nicht unnötige Sorgen machen muss.
In Mtth.10,7 wird nochmals deutlich, dass Jesus mit dem Nahen des Gottesreich die Heilung der Kranken, die Überwindung des Todes, und die Austreibung der Dämonen verbindet. Weil der Mensch damals sich nicht erklären konnte, woher es kommt, dass Menschen von Kräften (Trieben) gelenkt werden, die zerstörende Auswirkung haben,
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vermutete man, das die Kräfte vom einem Dämon gelenkt oder bewirkt werden. Von diesem Dämon ist der Mensch besessen und das ist sein Krankheit. Der Dämon verführt zur Sünde und der Mensch ist aus eigener Kraft nicht in der Lage, sich daraus zu befreien. Heute weiß der Mensch, dass er von Trieben gelenkt wird. Und jeder weiß von sich selber, dass er oft das Gute will (z.B. für seinen Körper oder für seinen Nächsten) aber sehr häufig das Gegenteil tut. Die meisten Menschen heute wissen noch gar nicht (was heute durch die Wissenschaft immer deutlicher bewiesen wird) , dass selbst der Wille des Menschen schon gelenkt wird von Impulsen, die in ihm stecken, indem sie mit angeblich positiver Absicht Unheil anrichten in fester Überzeugung, dass sie richtig handeln. Das ist, wenn es negative Impulse sind, eine schädliche Krankheit. Davon kann sich keiner selbst befreien. Das kann immer nur ein anderer Mensch, der die Absicht hat zu helfen. Die Erkenntnis der eigenen Ichverfangenheit macht den Menschen sehend und fähig, seine Aktivitäten für sein und anderer Leben umzulenken. Früher hätte man gesagt, damit treibt der Arzt die Dämonen aus und wo solches geschieht, ist nach der Auffassung des historischen Jesus das Reich Gottes nahe herbei gekommen.
Die Aussagen im NT, die durch das Verständnis vom Reich Gottes den Glaubenden in der christlichen Gemeinde aufgrund des Glaubens ein Vorzug gegenüber andere verschaffen , (außerhalb der Kirche ist kein Heil) sind zwar häufig, widersprechen aber dem historischen Jesus, der ohne Bedingung vergibt und damit deutlich macht dass das Reich Gottes für alle offen ist. Es ist sicherlich sehr angenehm und tröstlich zu glauben, dass es auch ein jenseitiges Reich Gottes gibt. Jesus wird diesen Glauben mit seiner Umwelt geteilt haben. Dieser Glaube widerspricht auch nicht der Botschaft Jesu. Aber es paßt nicht zu seiner Verkündung, dass durch ein Gericht entschieden wird, wer dort Zugang hat oder nicht. Man könnte höchstens im Sinne Jesu sagen, dass im Jenseits für alle das möglich sein wird, was im Diesseits nicht gelingt z.B die Heilung aller unheilbarer Krankheiten. Das ist ein tröstlicher Glaube für den, der daran glauben kann. Der Glaube ist aber keine Bedingung, um in das geglaubte jenseitige Paradies zu gelangen. Wenn es für Jesus wie damals üblich auch einen jenseitigen Bereich Gottes gegeben haben mag, so war der für Jesus ausgefüllt mit der Liebe Gottes und da hat es keinen Platz mehr für eine Hölle. Die Hölle gibt es nur im Diesseits, wo Menschen sich in ihrer Ichverfangenheit das Leben zur Hölle machen. Wenn die Kraft der Liebe das Leben ohne gegenseitige vernichtende Konkurrenz gestaltet, dann ist damit die diesseitige und auch jenseitige Hölle vernichtet. Dieser Glaube ist ein Angebot, das keine Konkurrenz zu
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befürchten braucht. Wenn andere Religionen, Weltanschauungen, Ideologien sich u.a. dieses Angebot bedienen, dann kann das nur dem Frieden der Menschheit dienen.
Die Bedeutung der Schuld (Sünde) in der Botschaft Jesus
Das Wort Sünde ruft heute einen eigenartigen Beigeschmack hervor. Es ist ratsam, das Wort mit Schuld zu übersetzen, damit es aus dem mißverstanden religiösen Zusammenhang gelöst wird. Neutral ist Schuld ein Versäumnis gegenüber einer berechtigten Erwartung. Das gilt für viele menschliche Bereiche. Ein Mensch wird schuldig, wenn er sich nicht nach den eigenen oder gesellschaftlichen Regeln hält, die das Leben Einzelner oder der übergeordneten Gemeinschaften aufrecht erhält. Das gilt für Lügner, Diebe, Schläger, Verkehrssünder, Steuersünder genauso gut wie für Verbrechen jeglicher Art. Warum wird der Mensch schuldig? oder anders gefragt: Warum werde ich schuldig? Die Ursache der Schuld ist für Jesus eine Krankheit. Der Mensch wird durch negativen Kräfte oder fehlgeleitete Triebe zu falschen Handlungen veranlaßt, deren Folgen er in manchen Fällen nicht erkennt und nicht weiß, was er damit anrichtet. In vielen Situationen kann er nicht anders handeln, weil sein Trieb ihn treibt wie bei der Sucht. Er hat keinen freien Willen. Sein Ich ist immer davon abhängig, wie er durch bestimmte Umstände geworden ist. So geht es dem Menschen wie es Paulus in Röm. 7 einmal von sich beschreibt: " Wir wissen ja, dass das Gesetz geistlich ist (also eine Kraft für das Gute); ich aber bin fleischlich (vom Ich [Körper] geprägt)) unter die Schuld (Sünde) verkauft. Denn, was ich vollbringe, erkenne ich nicht; denn nicht, was ich will, das führe ich aus, sondern was ich hasse, das tue ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so stimme ich dem zwar bei, was die Lebensregel verlangen, tue aber das Gegenteil. Nun aber vollbringe nicht mehr ich es, sonder die Kraft der falschen körperlichen Triebe , die in mir wohnen. Denn ich weiß, dass in mir, das ist das im meinen Inneren (bei Paulus Im Fleische genannt) nicht nur Gutes wohnt. Denn das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, das Vollbringen des Guten aber nicht. ...Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die getriebene Neigung (Paulus Sünde genannt), die in mir wohnt."
Eine Zeile weiter spricht Paulus von einem anderen Lebensanweisung (Gesetz) in seinem Inneren, das ihn zum Gefangenen der Schuld (Sünde) macht. Das Eingesperrt-sein in der Ichverfangenheit des Menschen erkannte auch Jesus. In dem Satz, den Jesus am Kreuz gesprochen hat, wird dies deutlich: Vater, vergibt ihnen, denn
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sie wissen nicht, was sie tun! Lk.23,34. Jesus bittet als gequältes Opfer um die Vergebung seiner Peiniger mit der Begründung: Denn sie wissen nicht, was sie tun. Wenn Jesus in einen anderen Bericht seine Anhänger bittet, mit ihm zu wachen, ergänzt er seine Aussage, dass der Geist zwar willig ist aber das Fleisch schwach, also entschuldigt er schon vorher seine Anhänger, wenn sie nicht durchhalten. Das Fleisch wurde damals als der Ort bezeichnet, von dem der Mensch gelenkt wurde, also seine Triebe. Vielfach werden auch die Triebe mit Satan bezeichnet. So heißt es, dass der Satan in den späteren Verräter Judas gefahren wäre, der ihn zu seiner Tat antrieb. Wenn Jesus mit den offensichtlich schuldig Gewordenen ißt und trinkt wie in den Evangelien berichtet wird, dann ist das eine Provokation fast für jede Gesellschaft. Man stelle sich nur mal vor, ein Rabbi, ein Priester, ein Imam, ein Parteivorsitzender usw. feiert ohne Bedenken mit Mördern, Bankräubern und korrupten Bankmanagern, RAF- Anhängern, Mafiosi usw. mit der Begründung, dass er der Arzt sei - wie in der Erzählung berichtet wirdder diese Kranken heilen will ohne Bedingungen zu stellen und nicht zu verurteilen. Einem solchen Menschen würde man auch heute noch jede Kompetenz absprechen, wenn er als Verkünder des Heils auftreten würde.
An diesen Erzählungen wird deutlich, dass Jesus die Ursache der Schuld in einer Krankheit sieht, die den Menschen infiziert. Die Menschen selbst wissen nicht, was sie tun. Sie sind verblendet oder von einen falsch geleiteten Ich-Virus befallen. Damit wird Jesus von der gegenwärtigen Hirnforschung bestätigt, die einen freien Willen des Bewußtseins des Menschen bei dessen Entscheidungen in Frage stellen. M.E. ist es nicht einmal notwendig auf Hirnforscher zu hören, um feststellen zu können, dass der Mensch so handelt, wie seine Gene, seine Umwelt, seine Erfahrung, sein Befindlichkeit ihn programmiert hat. (Das haben schon Einstein, Schopenhauer, Freud u.a. Denker außerhalb der Hirnforschung erkannt)Warum geschehen die meisten Verbrechen? Da fehlte es an Zuwendung und Anerkennung von Mitmenschen, sowie an dem gesunden Umfeld und der Lebensbegleitung. So ist selbst Hitler oder Stalin Menschen, die vom Wahn befallen sind, die in ihrer Verblendung andere und oft auch sich selbst in den Tod jagen. Jesus verurteilt das krankhafte Handeln aber nicht den Kranken als Mensch. Der Mensch sollte geheilt statt bestraft werden. Das heißt nicht, dass ein fehlgeleiteter Mensch sowohl seine Mitmenschen als auch die Gesellschaft in Gefahr bringen kann. Dies zu verhindern ist sicherlich eine legitime Aufgabe der Gesellschaft. Das Ziel dieser Aufgabe sollte im Sinne des historischen Jesus immer die Heilung sein. Die
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Heilmethoden müßten im Dialog unter den Menschen gefunden werden, sie sollten von der Liebe getragen werden (selbst wenn Härte oft notwendig ist). Anstatt Rache, Vergeltung, Genugtuung und Verurteilung des Menschen sollte Vergebung und Heilung stehen. Das ist die Botschaft des historischen Jesus. Diese Botschaft ermöglicht unter den Menschen die Gräben zuzuschütten. Sie verhindert damit, dass Menschen andere Menschen als Feinde betrachten und daraus immer Krieg im Kleinen wie im großen entsteht. Hieran ist zu erkennen, das Jesus eine Botschaft des Friedens vermitteln möchte. Dazu einige Erzählungen, die dieses deutlich machen: Joh8,1ff
Einige Theologen (Schriftgelehrte) und Gesetzeshüter (Pharisäer) brachten zu Jesus ein Frau, die als Ehebrecherin überführt worden war.
[Ein Ehebruch war damals ein schweres Verbrechen, dass mit dem Tod durch Steinigen bestraft wurde. Um in unserer Zeit die Erzählung richtig verstehen zu können, müßte man statt Ehebrecherin Schwerverbrecher einsetzen, der bei uns eine lebenslange Strafe zu verbüßen hätte.]
Eine Verbrecherin wird also zu Jesus gebracht. Jesus wird um ein Urteil gebeten mit dem Hinweis, dass nach dem göttlichen Gesetz die Verbrecherin die Todesstrafe verdient habe. Jesus antwortet nachdem man ihn heftig bedrängt hatte: „Wer unter Euch ohne Schuld (Sünde) ist, der werfe den ersten Stein“ (der beginne das Todesurteil zu vollstrecken) Da verzogen sich die Theologen und Gesetzeshüter. Als Jesus mit der Verbrecherin allein ist, fragt er sie: " Frau, wo sind sie? Hat dich niemand verurteilt"? Sie sagt: „Niemand Herr!“ Darauf sagt Jesus: „Auch ich verurteile dich nicht. Gehe hin und werde nicht erneut schuldig.“
Diese Erzählung in unsere Zeit versetzt würde den Jesus wie schon damals entweder als Spinner nicht ernst nehmen oder ihn als eine Gefahr für die Gesellschaftsordnung empfinden. Warum die Gesetzeshüter damals gegangen sind, ist nicht eindeutig zu beantworten. Sollten sie wirklich der Überzeugung gewesen sein, dass, wenn sie selbst auch nicht ohne Schuld sind, auf die Verurteilung schwerer Verbrechen absehen sollten? Dies ist nicht anzunehmen. Sollte Jesus angenommen haben, dass sie die Frau nicht verurteilen, dann hatte er dies nur für einen Augenblick und in dieser speziellen Situation so gedacht. Grundsätzlich werden die Gesetzeshüter sicherlich nicht auf ihr Todesurteil verzichten haben: Jesus macht jedoch durch seine Frage an die Gesetzeshüter deutlich, dass keiner den anderen zum Tode verurteilen darf, weil keiner ohne Schuld ist. Es steht jedem statt dessen die Vergebung ohne Bedingung zu.
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Für Menschen mit geringer Schuld ist es sicherlich ärgerlich, dass sie durch diese Gleichmacherei von Schuld mit den schlimmsten Verbrechern in einen Topf geworfen werden. Auch die Opfer von Verbrechen werden sich gegen die Auffassung wehren Der historischen Jesus jedoch hebt jegliche Differenzierung von geringer und größerer Schuld auf. Das macht ihn zum Ärgernis unter den Menschen. Die Auswirkung der Schuld im großen oder kleinen Ausmaß ist bei Jesus kein Maßstab für die Schuld selbst. Der Wunsch z.B. einen Menschen los zu werden oder die gedankliche Tötung ist als Schuld dem versuchtem Mord und sogar dem tatsächlichen einfachen oder mehrfachen Mord gleichzusetzen als eine Schuld gegen das Gebot der Liebe. Man könnte auch sagen, wie ein Krankheit sich auch auswirkt, sie bleibt immer gleich Krankheit, die geheilt werden muß. Der Mensch muß geheilt werden und die Krankheit vernichtet. Die Methode der Heilung richtet sich sicherlich nach der Schwere der Krankheit aus aber nicht die Beurteilung des Menschen. Diese Auffassung des historischen Jesus wird besonders in Mtth.5,21ff in einem Abschnitt der so genannten Bergpredigt deutlich:
„Ihr habt gehört, dass zu den Alten (mit Alten ist hier die jüdische Bevölkerung also das Volk Israel gemeint) gesagt ist: „Du sollst nicht töten, wer aber tötet ist des Gerichtes schuldig. Ich (also Jesus selbst) aber sage euch: Wer mit seinen Bruder zürnt, der ist des Gerichtes schuldig; wer aber zu seinen Bruder sagt: du Tor (das griechische Wort raka im Urtext ist schwer zu übersetzen. Es könnte auch Idiot heißen, es ist jedenfalls eine geringere Schuld als das Zürnen mit dem Bruder) der ist eines höheren Gerichtes schuldig. Wer aber sagt: du Blödmann (das griechische Word besagt, dass dem anderen die Kompetenz abgesprochen wird, eine Aussage oder ein richtiges Urteil zu fällen) der ist des höllischen Feuers schuldig.
Dass diese Aussage Jesu keine Anweisung für ein vernünftiges Gerichtsverfahren sein kann, ist wohl jedem einleuchtend. Hier wird die höchste Strafe für die geringste Tat gefordert. Diese Umkehrung der Strafmaße sollte in der Predigt Jesus das Richten über Menschen in Frage stellen. Da der historische Jesus die Verurteilung des Menschen als eine Praxis der ‚Alten‘ bezeichnet, stellt er mit seiner Botschaft jegliches Richten in Frage, weil dann jede Schuld eines Menschen und sei sie noch so gering mit der Höchststrafe behaftet werden müßte. Keiner könnte dieser Strafe entgehen. In diesem Text wird wieder deutlich, dass Jesus eine Schuld nicht daran mißt, welche große oder kleine Schädigungen bei anderen entstanden sind. (In diesem Zusammenhang möchte ich darauf aufmerksam machen, dass Jesus nicht die Größe oder Schwere der Tat egalisiert sondern nur den Menschen, der die Schuld begeht.) Diese Auffassung wird sofort verständlich, wenn wir die Ursache der Schuld in einer
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Krankheit sehen, mit der ein Mensch befallen ist. Bei Kranken ist es uns einsichtig, das die Beurteilung des Menschen nicht an der Schwere seiner Krankheit zu messen ist. Dass die Aussagen Jesu in Mtth.5,21ff nicht sehr gerne überliefert worden sind, ist verständlich. Daran wird aber deutlich, dass sie keine Konstruktionen der Urgemeinde sind, weil sie der Botschaft des historischen Jesus entsprechen. In diesem Zusammenhang wird das Wort Jesus am Kreuz immer einleuchtender, wenn er als Opfer eines Justizirrtums für die Ankläger und Mörder bittet mit den Worten: Herr (Jahwe) vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Diese Bitte gilt nach der Botschaft Jesus für alle Menschen uneingeschränkt der Größe ihrer Schuld bis zum heutigen Tag Wenn wir uns fragen, ob denn eine solche Botschaft noch frohe Botschaft genannt werden kann, dann könnten zunächst Bedenken kommen. Betrachten wir aber die Geschichte der Menschheit und legen dabei ein Augenmerk auf die Verurteilungspraxis der Menschen und ihre Folgen, dann können wir darin erst recht keine positive Handhabe zur Erhaltung des menschlichen Lebens in der Gemeinschaft mit anderen erkennen. Die Neigung des Menschen, sich von anderen Menschen, die ihm Wege stehen, zu distanzieren und sie negativ zu beurteilen und zu verurteilen, ist eine wesentliche Ursache des Unfriedens in dieser Welt. Selbst wenn die Verurteilung mit der besten Absicht - anderes Leben zu schützen - geschieht, reißt sie Gräben zwischen den Menschen auf, die bei einer Verurteilung Wunden entstehen lassen, die meist nicht mehr zu heilen sind. Darum sagt auch Jesus Mtth.7,3: „Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Mitmenschen, den Balken in deinem eigenen Auge nimmst du nicht wahr“.
Leben erhalten und schützen ist möglich durch die Heilung der von falschen Impulsen gelenkten Menschen. Die Botschaft Jesu sollte eine Botschaft zur Erhaltung des Friedens sein. [sie hätte den Friedensnobelpreis verdient].
Wenn die Kirchen sich im Laufe der Geschichte nach dem historischen Jesus gerichtet hätten, dann wäre der Menschheit vieles an Elend, Not und Tod erspart geblieben. Es ist eine Krankheit, eine Verblendung, wenn die Verantwortlichen innerhalb der christlichen Gemeinden meinen, sie hätten den heiligen Geist und Verurteilen ohne Bedenken im Namen des heiligen Geistes. Wenn diese meinen, ihnen wäre der Schlüssel zum Reich Gottes gegeben worden, obwohl sie nach den Kriterien des historischen Jesus auch sehr häufig weit vom Reich Gottes entfernt sind und damit denen ähneln, die diesen Schlüssel angeblich nicht haben, dann ist das eine Verblendung. Diese Vertreter des Jesus von Nazareth
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(den sie Christus nennen) erkannten und erkennen die wahre Botschaft nicht. Damit sind sie Blinde, die sich einbilden, andere Blinde führen zu können..
Die Botschaft des historischen Jesus ist außerdem in zwei überlieferten Gleichnissen deutlich zu erkennen.
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn:Lk.15,11ff.
In dem Gleichnis vom verlorenen Sohn wird der Sohn, der das halbe Erbe eines Hauses in der Ferne verprasst hat, im Haus wieder ohne Bedingung vom Vater aufgenommen mit der Begründung, dass dieser Sohn tot (sterbenskrank) gewesen ist und nun wieder lebendig sei, er war verloren (mit den eigenen Trieben geknechtet) und ist wieder befreit und das ist Grund genug fröhlich zu sein. Hier wird nicht nur aufgezeigt, wie sich Jesus seinen Gott als Vater vorstellt, sondern auch, wie Menschen wenn sie so miteinander umgehen, fröhlich sein können.
Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg: Mtth.20,1ff
Das Gleichnis spricht von einem Weingut, in dem während der Ernte zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt werden. Die Arbeiter warten auf ihre Anstellung und werden je nach Bedarf eingestellt manche direkt und andere im Laufe des Tages und einige sogar kurz vor Feierabend. Als der Lohn ausgezahlt wird, bekommen alle den gleichen Lohn. Es wird also an alle der gleiche Lohn ausgezahlt, der mit den ersten Arbeitern vereinbart wurde. Diese Gleichstellung bei der Lohnausgabe ärgert natürlich die besonders, die so viel mehr geleistet haben.
Jesus meint, dass es genauso zugehe im Bereich Gottes also da, wo die Liebe die herrschende Kraft sei. Dieses Gleichnis ist sicherlich keine Anweisung für ein Lohnauszahlung in der praktischen Wirtschaft. Dieses Gleichnis will deutlich machen, dass Liebe und Zuneigung nicht durch Leistung erworben werden kann. Liebe oder wie es im Gleichnis heißt Güte steht jedem zu, ohne an bestimmte Leistungen geknüpft zu sein. In dieser Auffassung hat Luther nach einer langen Kirchengeschichte den historischen Jesus wieder richtig verstanden und seine eigentlich Botschaft zum leuchten gebracht, indem er die Werkgerechtigkeit als Weg zur Liebe ausschloß.
Das bekannten Gebet „Unser Vater“ müßte nach der Botschaft des historischen Jesus etwa so lauten:
Gib uns Kraft, damit die Liebe bei uns geschehe
Eröffne in unseren Herzen den Wunsch, dass wir keinen verhungern lassen Laß uns erkennen, dass uns vergeben wird
Gib uns die Kraft aus der empfangenen Vergebung, anderen zu vergeben. Mach uns frei von unserer falschen das Leben vernichtenden Triebe
Jesus lebte in einer Zeit, in der es keinen Frieden auf Erden gab. Dies ist von Anfang der Menschheitsgeschichte bis zum heutigen Tag leider ein Dauerzustand. Es gibt Philosophen und Anthropologen, die behaupten, daß jeder Mensch - wenn es darauf ankommt -. dem anderer gegenüber wie ein reißender Wolf ist. Im Anblick der Geschichte des Menschen spricht vieles dafür. Der Mensch ist befallen von einem Virus, der sich in seinem Selbsterhaltungstrieb eingenistet hat und ihn über die eigene sicherlich notwendige Selbsterhaltung hinaus zum Eigennutz ohne Rücksicht auf andere und Gemeinschaft selbst ins Elend treibt. Hierbei wird jegliche Konkurrenz, die seinem Treiben hindert, ausgeschaltet. Da die das Leben erhaltene Triebe (Instinkte) des Menschen nach der Entwicklung von Verstand und Bewußtsein oft fehlgeleitet werden, kann sich der Virus bedenkenlos ausbreiten. Der Mensch kann jetzt zwar autonom selbst bestimmen, was gut oder böse für ihn ist, aber er hat keine Kraft sich und anderen Einhalt zu gebieten, wenn Gesellschaftsregeln zum eigen Nutzen gegen Mitmenschen mißbraucht werden. Solange der Mensch diese “Krankheit“ nicht erkennt und sich von ihr heilen läßt, geht er dem eigenen Untergang entgegen. Macht, Feindschaft, Herrschsucht und Ruhmsucht :-. um nur die bedeutendsten zu nennen - entwickeln sich durch falsch geleitete nicht zu sättigen Triebe.
In dieser Schrift wird das Fehlverhalten des Menschen immer als eine Folge einer Krankheit bezeichnet. Mit Krankheit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass der Mensch nicht mit vollen eigenen Bewußtsein und nicht mit eigener gezielter Absicht seine
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Fehlverhalten begeht. Das menschliche Bewußtsein hat selbst keine Kraft und Möglichkeit anders zu handeln. Er ist nicht Herr seines Selbst. Wenn dieses Selbst zum Fehlverhalten geleitet wird durch irgendwelche Kräfte, die sowohl ihren Ursprung in seinem Inneren haben als auch von außen ihn bestimmen, dann sind das krankhafte Einflüsse, die den Menschen bestimmen. Umgekehrt wird ein Mensch durch gesunde Einflüsse gesund. Das Kriterium, was krank oder gesund ist, sollte die Erhaltung des dem Menschen würdigen und seiner Art entsprechendem optimalen Lebens sein.
Wer das Buch von Jared Diamond Kollaps mit der Beantwortung der Frage: „Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ - liest, wird den Virus der Menschen dort beschrieben sehen, der schon bei vergangene Kulturen zum Kollaps geführt hat. Die Krankheit wirkt sich sowohl in den größeren Lebensgemeinschaften aus wie auch da, wo nur zwei Menschen miteinander leben. Gerade in diesen kleinen Bereichen des Zusammenlebens wird es deutlich, dass der angeblich Glück suchende krankhafte Virus das eigentliche Glück vertreiben kann.
Grundbedürfnisse sowohl die körperlichen wie auch die seelischen sollten in einer Gemeinschaft für jeden nach Möglichkeit optimal erfüllt werden, wenn die Gemeinschaft gesund bleiben und überleben will. Dies gilt bei den Menschen wie schon in der Tierwelt. Eines der wichtigsten seelischen Bedürfnisse des Menschen ist die Anerkennung, die Zuneigung, ja zusammenfassend die Liebe, die von Mitmenschen gegeben und empfangen werden kann. Durch die empfangene Liebe entwickelt sich die Liebe zu sich selbst, weil sie aus der Ichbefangenheit befreit. Diese Freiheit macht fähig den anderen zu lieben. Wer keine Liebe erfahren oder auch annehmen kann, der ist nicht in der Lage andere bedenkenlos zu lieben, weil er immer in sich selbst verstrickt bleibt. Bei Kindern ist es deutlich zu erkennen und nachweisbar, dass sie sich um so gesunder entwickeln, je mehr sie Zuneigung und Anerkennung von anderen erfahren. Auch für Erwachsene gilt, dass sie weniger anfällig für Krankheiten sind, wenn sie von anderen Zuwendung, Anerkennung, Geborgenheit kurz Liebe genannt erfahren. Die Tragik jedoch ist - das muß in diesem Zusammenhang festgestellt werden, dass sich das Bedürfnis nach Anerkennung bei Menschen sehr häufig zu einer süchtigen Krankheit entwickelt kann. In dieser Sucht greift der Mensch zu Mitteln wie Ruhm, Reichtum, besonderer Leistung, Kraft, Stärke, Macht und auch verbrecherische Handlung u.a.m., mit denen er sich “Anerkennung“ oder anders ausgedrückt Prestige begleitet mit
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Macht schaffen will. Besonders gefährdet sind dabei die Menschen, denen die Gemeinschaft und besonders die Gesellschaft die Anerkennung versagt, weil sie angeblich keinen Nutzen bringen. In einer Konkurrenzgesellschaft sind so Eigenschaften wie Achtung vor dem Mitmenschen und Anerkennung des anderen, der keinen eigenen Nutzen bringt, Fremdwörter. Diese “Krankheit“ des Menschen ist der Anlaß zu gefährlichen “Gräben“ und dadurch zu Auseinandersetzungen innerhalb der Gesellschaft. Außerdem entwickeln sich hierin psychischen Krankheiten jeglicher Art. Nicht geliebte Menschen werden genauso aggressiv wie nicht geliebte Tiere. Sie sind schnell verführbar um Gewalt anzuwenden. Das gilt auch für das Verhalten zwischen den Völkern. Ein Volksgemeinschaft ist im Idealfall eine Gemeinschaft, in denen sich alle seine Mitglieder wohl fühlen können, in der jeder noch etwas gilt und das Gefühl hat, gebraucht zu werden. Wenn eine gesunde Gemeinschaft angegriffen, unschädlich gemacht oder sogar vernichtet wird, weil andere ihre Macht fürchten oder ihre eigene Macht ausdehnen wollen, dann stirbt auch für die gesunde Gemeinschaft die Kraft der Liebe und die Mitglieder werden krank. Es entsteht Angst. Aus der Angst heraus verurteilen Menschen andere Menschen und deren Gemeinschaften. Das gegenseitige Verurteilen übersieht, dass der andere - ja selbst der Feind - ein verblendeter Kranker ist, dem Heilung durch mögliche Zuwendung helfen könnte. Zuwendung heißt nicht Selbstaufopferung. Doch ein Versuch einer Heilung wäre es schon wert, um den Teufelskreis zu durchbrechen. Der Versuch beginnt damit, indem der Mensch den Gegner versteht, obwohl er sich gegen seine Handlungen wehren muß. Er spricht dem Gegner sein Menschsein nicht ab. Er bleibt bei der Hoffnung, dass auch der Feind heilbar ist. Verurteilungen von Menschen über andere Menschen, (bei denen der Mensch und nicht nur seine Verhalten verurteilt wird) gehören zu dem Teufelskreis, der die Überwindung der Krankheit zunichte macht.. Diese Botschaft verkündete der Jesus von Nazareth. In diesem Sinne sind die Worte Jesus zu verstehen:
Jesus sagte einst zu seinen Zuhörern: „Jeder von Euch kennt die Regel: Du sollst Deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen“. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde.“ Für Jesus sind es die feindlichen Handlungen des anderen, die ihn als Feind erscheinen lassen. Die feindlichen Handlungen wiederum sind für Jesus die Folgen einer Krankheit, die allerdings das Leben bedrohen können. Selbst wenn der Mensch sich gegen feindliche Angriffe wehren muß, dann sollte nach Jesus das Ziel der Gegenwehr immer die Heilung des Menschen sein und nicht seine Vernichtung. Ist seine krankhafte Bedrohung keine Gefahr
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mehr, dann gilt dem Menschen die volle Anerkennung und Zuwendung, damit die Krankheit nicht erneut ausbricht. Das meint Jesus mit der Liebe zum Feind und die Überwindung des Hasses. Das ist die Botschaft vom Reich Gottes als Bereich der Liebe. Hätte die christliche Gemeinde das Licht dieser Botschaft in der Geschichte stärker zum leuchten gebracht, dann hätte viel Not und Elend unter den Menschen vermieden werden können. Solange aber die christliche Gemeinde selbst mit einem -.Gott mit uns - im Gepäck die Feinde durch Hass’ und Verurteilung zu überwinden versucht, bleibt die Botschaft unglaubwürdig. Die Gemeinschaften, die versuchen nach der ursprünglichen Botschaft Jesus zu leben, kann man in der Geschichte bis zum heutigen Tag kaum finden. Dennoch gibt es auch heute noch Gemeinschaften, bei denen das Reich der Liebe (Gottes) schon sehr nahe ist, selbst wenn sie dazu nicht einmal durch eine biblischen Botschaft angeregt worden sind. Zur Erklärung sei auf eine Erzählung in Mk.9,38ff hingewiesen, in der Jesus darauf aufmerksam gemacht wird, dass auch andere Menschen als Ärzte umher ziehen und ähnlich wie er heilen, obwohl sie nicht zu den Anhängern Jesu gehören. Darauf sagt Jesus zu den Fragenden sinngemäß: „Jene sollen nicht daran gehindert werden, Gutes zu tun. Dass sie Gutes tun, ist ein Zeichen, dass sie auf der richtigen Seite stehen. Wer nicht gegen meine Botschaft und seine Anhänger handelt, der ist für uns.“ Diese Erzählung macht deutlich, dass bei Jesus das Kriterium für die Anhänger der guten Botschaft nicht das Bekenntnis der Menschen zu einer bestimmten Person ist, sondern ob in ihrem Bereich die frohe Botschaft der Heilung zum tragen kommt und Wirklichkeit wird. Das kann heute bei den Atheisten, den christlich Gläubigen, den Moslems, den Juden und anderen Religionen und Weltanschauungen sein, wie damals bei Jesus in den oft sich gegenseitig verachtenden Juden, Griechen, Römern u.a.
. Jesus selbst war davon überzeugt, dass es eine transzendente Kraft gibt, die den Menschen ermöglicht an ihr teil zu haben und damit zur Versöhnung fähig zu machen. Der Glaube an die Kraft der Liebe, die jeden Menschen ohne Ansehen der Person annimmt und anerkennt, macht frei von dem krankhaften ausschließlich auf sich selbst bezogen sein zu müssen.. M.E. leuchtet diese Kraft bis heute (ohne dass ihr Namen genannt wird) immer wieder auf. Das Engagement für die Menschenrechte z.B. bei amnesty international ist unter vielen anderen ein Beispiel.
Es wäre sicher heilsam für unsere Welt, wenn eine Gemeinschaft Gleichgesinnter entstehen würde, die sich den fiktiven gesunden wahren Menschen (gemäß der Botschaft Jesus) als Leitfigur auswählten würde Diese Gemeinschaft könnte ähnlich wie amnesty international die
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krankhaften Lebens- und Gemeinschafts- zerstörenden Handlungen weltweit als solche transparent machen. Sie sollte die “Kranken“ als solche nennen und ihr krankhaftes Handeln plausibel machen. Ihre Diagnose könnte von der Vernunft der Liebe geleitet werden. Ergänzend möchte ich betonen, dass der historische Jesus seine Empfehlungen niemals als neues Gesetzt verstanden hat. Seine Empfehlungen sind zu vergleichen mit überprüfbare Lebensrezepte, die für jeden friedenswilligen Menschen einsichtig sein können.
Der historische Jesus und die Empfehlung der grenzenlosen Anerkennung der Menschen untereinander.
Fast jeder kennt das humanistische Grundgebot : Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!
Bei diesem Gebot entsteht fast folgerichtig die Frage: Wer ist denn mein Nächster? Dass die Antwort auf diese Frage innerhalb der Menschen und Völker sehr unterschiedlich ausfällt, braucht nicht besonders bewiesen zu werden.
Der historische Jesus wurde mit dieser Frage konfrontiert. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter macht das deutlich (Lukas 10) In dem Gleichnis geht es nicht - wie oft falsch angenommen wird - darum, dass zu einer barmherzigen Tat aufgerufen wird, sondern statt dessen um die angesprochene Frage: Wer ist mein Nächster? Jesus wird die gleiche Frage gestellt und antwortet mit folgenden Gleichnis: (Die Personen in ihrer gesellschaftlichen Funktion sind in der Wiedergabe des Gleichnisses etwas auf die heutige Zeit bezogen übersetzt entsprechen aber der Tendenz des Gleichnisses.) Ein Mensch [ein Eingesessener, ein Bürger eines Landes] war unterwegs und wurde überfallen. Verbrecher überfielen ihn, raubten ihn aus und schlugen ihn halbtot. Er konnte sich selbst nicht mehr helfen und war dringend auf Hilfe angewiesen. Zufällig kam ein Priester [Pfarrer, Bürgermeister, Gewerkschaftler, Parteivorsitzender, ein eingesessener Bürger] vorbei und kümmerte sich nicht um den in Not Geratenen. Danach kam sogar einer aus der näheren Umgebung vorbei [ein Geschäftsmann, ein Küster, eine Gemeindeschwester] und kümmerte sich nicht um ihn. Danach kam ein Ausländer [einer von der anderen Partei, von einer anderen Religion, einer aus einer verrufenen Gesellschaft, ein Fremder] vorbei, erkannte die Notlage und half dem eingesessenen Bürger sogar noch über das zu erwartende Maß hinaus.
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Jesus stellt die Frage: „Wer von den dreien, wie meinst du, ist wohl der Nächste dessen gewesen, der überfallen worden ist? Darauf antwortete der Fragende plausibel: Derjenige, der ihm in seiner Not seine Hilfe hat zukommen lassen.
Die Antwort macht deutlich, dass ein Mensch in der Not oder in einer Situation, indem er auf einen anderen Menschen angewiesen ist, den als Nächsten empfindet, der ihn hilft. In einer Lebenssituation zeigt sich, wer dem jeweiligen Menschen sein Nächster ist. Situationen sind weder im voraus zu planen oder zu erkennen. Überraschend stellen wir wie im Gleichnis plötzlich fest, dass gerade der dem notleidenden Juden der Nächste ist, von dem er es am aller wenigsten erwartet hatte. Es kann also jeder einem Menschen der Nächster sein. In dem Gleichnis wird deutlich, dass gerade diejenigen, auf die der Mensch sich verlassen hat, als Nächste versagt haben und ausgerechnet die anderen mehr oder weniger unangenehmen Typen zu Nächsten werden. Dadurch dass heute mehr noch als zu Jesus Zeiten jeder Mensch direkt oder indirekt auf jeden Menschen in der Welt angewiesen ist, wird jeder zum Nächsten. Das war schon zu Jesus Zeiten gültig. Die Machtausübung und Beherrschung über Menschen und Völker, die andere Menschen obwohl sie Nächste sein sollten diese aber zu Abhängigen oder Unterdrückten machten, hat immer wieder dazu geführt, dass später die Machthaber mit ihrem Volk in ihrer eigenen Herrschaft erstickten. Sie haben nicht erkannt, wie sehr sie auch auf die angewiesen sind, die sie zum eigenen Zweck mißbrauchten. Für Jesus ist der Nächste daran zu erkennen, dass der andere schlicht und einfach ein Mensch ist. Damit ist jede Rassenschranke überwunden. Auch die Religionszugehörigkeit und Weltanschauung spielt keine entscheidende Rolle. Selbst die negative Einstellung anderer zu mir verändert nichts daran, dass sie meine Nächsten sind. Grundsätzlich ist jeder Mensch mein Bruder oder meine Schwester, mag der Verwandtschaftsgrad noch so fern liegen. So wie mir mitunter mein eigener Bruder oder meine Schwester nicht liegen oder mir sogar Schande bereiten, sie bleiben Bruder oder Schwester, mit deren Leben mein eigenes Leben verknüpft ist. Auch sie gehören zu denen, die ich lieben sollte wie mich selbst. Alle Menschen sollten als Nächste den gleichrangigen Wert haben.
Wenn Jesus in diesem Zusammenhang von Liebe spricht, meint er nicht die emotionale Liebe. Im emotionalen Bereich werden triebgesteuert Wertunterschiede empfunden, die kein Mensch steuern kann. Liebe jedoch als Anerkennung des Nächsten und
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die damit ihm gebührende Zuwendung ist selbst dann möglich, wenn der Mensch den anderen emotional nicht anziehend empfindet..
Es gibt in den Evangelien auch Aussagen angeblich von Jesus, die der eben genannten Antwort auf die Frage nach dem Nächsten widersprechen. In diesen Aussagen werden andere Menschen, die nicht glauben oder Jesus nicht anerkennen als solche bezeichnet, die ein schlimmes Gerichtsurteil zu erwarten haben. Mit diesen Aussagen grenzte sich damals die Urgemeinde von ihren Verfolgern und von den Nichtglaubenden ab. Selig kann der Mensch gemäß dieser Aussagen nur dann werden, wenn er an Jesus als den Gottessohn glaubt und zu seiner Kirche (Gemeinde) gehört. Anerkannt und geliebt werden kann nur derjenige, der das Angebot der Gnade von Christus annimmt. Der andere ist kein Nächster mehr, der zu lieben wäre. Diese Auffassung ist für eine verfolgte Gemeinde verständlich. Es ist wenigstens eine kleine Genugtuung, wenn diejenigen, die den Christen Leid antun, später nicht zu den Auserwählten, also auch nicht zu den Nächsten gehören. Später hat die Kirche mit der nicht vom historischen Jesu initiierten Trennung von Gläubigen und Ungläubigen ihre Macht aufgebaut und Menschen von ihr abhängig gemacht.
Die Aussage, dass die von Jesus dargestellte Liebe keine Grenze kennt und die Menschen nicht einteilt in Gute und Böse, ist bis heute eine Botschaft, die gerade diejenigen ärgert, die meinen auf der guten Seite zu stehen.
Der historische Jesus und der Glaube.
Luther äußerte die Auffassung, dass der Mensch selig werden könne allein aus Gnade und Glaube. Bis weit über das Mittelalter hinaus und bei vielen Menschen bis heute gibt es ein Verlangen des Menschen selig zu werden. Das gilt nicht nur im Bereichen, in denen die christliche Religion maßgebend ist. Da das Wort selig sehr unterschiedlich verstanden wird, bedürfte es einer eigenen Forschung um festzustellen, wie unterschiedlich sich die Menschen in der ganzen Welt die sogenannte Seligkeit vorstellen. Als gemeinsamen Nenner all der verschiedenen Vorstellungen könnte der Vorschlag gewagt werden, dass der Mensch mit dem Begriff - selig werden - ein Wunsch äußert, dass ihn frei macht von den Lebensproblemen, die er selbst nicht lösen kann. Also „selig“ als ein Erlösung von den negativen Kräften und Mächten wie z.B. auch den Tod. In diesem Sinne wird in dieser Darstellung selig verstanden. In vergangen Zeiten erwarteten die Menschen die Seligkeit fast ausschließlich von jenseitigen
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Kräften. Ihnen traute der Mensch zu, Macht zu haben über (mythisch gesprochen) „Himmel und Erde“. Die Mächte (oft als Gott bzw. Götter dargestellt) beanspruchten Anerkennung und Glaube. als Bedingung für die Gabe der Seligkeit. Die christlichen Kirchen haben die Vorstellung von einem Gott festgehalten, der Seligkeit verspricht, wenn ein Mensch an ihn bzw. an seine Boten, Vertreter, Propheten glaubt und je nach Auffassung noch andere Leistungen bringt. Die Belohnung ist, dass er selig werden kann. Das Wort Glaube wird meist als ein für wahr halten verstanden. Das Glaubensbekenntnis, das in den Kirchen regelmäßig gesprochen wird, würde dann etwa bedeuten: Ich halte für wahr, das der christliche Gott der Schöpfer ist. Ich halte für wahr, dass Jesus sein Sohn ist und er für unsere Sünden gestorben ist. Ich halte für wahr, dass der Geist und die Kraft Gottes in der Welt gegenwärtig ist besonders in der Gemeinschaft der Heilgen (also in der Kirche Jesu Christi) und dass es eine Auferstehung der Toten und ein ewiges Leben gibt.
Der historische Jesus besonders in den ältesten Zeugnissen hat Glaube nicht als ein Für-wahr-halten an ihn als Messias oder Sohn Gottes verstanden und als ausschlaggebende Voraussetzung für die Heilung und Vergebung des Menschen festgelegt. Das gilt auch für die Beantwortung der Frage, ob ein Mensch dem Reich der Liebe (also dem Reich Gottes) nahe ist oder nicht. Auch dies hängt nach Jesus Botschaft nicht davon ab, ob er an einen Schöpfergott und seinen Sohn als Erlöser glaubt oder nicht (oder ob er die Glaubensartikel bejaht oder nicht) Für Jesus ist das Vertrauen auf die von Jesus verkündeten Kraft der Liebe eine Voraussetzung, damit Heilung, Vergebung, Liebe, Friede hier bei uns auf Erden möglich sein kann. Er wirbt für einen Gott, der als Kraft der Liebe gegenwärtig sein will und sein Kraft dem gibt, der ihm vertraut. In diesem Sinn hat er einem Vertreter einer Besatzungsmacht (damals Römer), der bestimmt nicht an den jüdischen Gott glaubte, gesagt: „Dein Glaube hat dir geholfen“ mit dem Zusatz „einen solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.“Mtth.8,13ff Als eine Hure Jesus bei einer Tischgesellschaft der damals religiös hervorgehobenen Gesellschaft Jesus besonders liebevoll entgegenkam und Jesus dies zuließ, wurde er diesbezüglich heftig kritisiert. Seine Antwort (zusammengefaßt) heißt: „Ihre vielen Sünden sind Ihr vergeben (darum ist sie für mich salonfähig). Weil sie die Liebe (die Vergebung) empfangen hat, ist sie in der Lage wiederum Liebe weiter zu geben. Wer nicht erkennt, dass er auf Vergebung angewiesen ist und sie ihm aus Liebe angeboten wird, der kann Liebe auch nicht weitergeben.“ Zu der Hure sagte er: „Dein Glaube hat dich gerettet.
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Gehe hin in Frieden.“ Hier bedeutet Glaube: Vertrauen auf die Kraft der Liebe, die Vergebung und Liebe ermöglicht.(Lk.7,36ff) Für den Menschen in unserer Zeit wird es möglicherweise eine Befreiung sein, wenn er nicht glauben muß, was seiner Vernunft widerspricht z.B. der Glaube an einen gerechten Gott, der die Kraft hat Geschicke der Menschen zu lenken oder Beherrscher der Naturgewalten zu sein. Jesus Botschaft ist insofern eine Befreiungsbotschaft, weil sie einen Gott der Liebe verkündet, der kein Glaubensbekenntnis erwartet bevor seine Liebe wirksam sein kann. Diese Liebe ist in der Verkündigung Jesus keine esoterische Wunderkraft, sondern eine Kraft an der der Mensch beteiligt ist, in dem er durch sein Vertrauen auf diese Kraft sie an andere weitergeben kann, nach dem er aus seiner Ichverfangenheit befreit ist. Diese Liebe ist unter Menschen erfahrbar und leuchtet immer wieder auf bei `Gläubigen` und ´Nichtgläubigen´ Diese Liebe ist jedoch auf die Menschen angewiesen, denn sie kann nur durch Menschen, die ihr vertrauen, weitergegeben werden. Insofern ist das Reich Gottes zwar nahe aber nicht überall gegenwärtig. Dieser Glaube kann wie Jesus sagt Berge versetzen. Berge ist in dieser Aussage eine Metapher für eine Geschehen, dessen Verwirklichung als unmöglich angesehen wird. So wie die Menschen meinen, dass es z.B: keine friedliche Welt oder keinen uneigennützigen sozialen Kapitalismus geben kann. Dagegen hält Jesus die These: Glaube kann Berge versetzen. So kann Jesus den Kranken sagen: „Deine Glaube hat dich gerettet bzw. geheilt. Bei Jesus ist der Glaube das Vertrauen auf die Liebe, die bei den Menschen die Heilung hervorruft. In diesem Zusammenhang wird auch deutlich, dass für Jesus die Liebe von Menschen kein machbares Werk ist. Zur Liebe wird der Mensch fähig, wenn sein Ich und sein Selbsterhaltungstrieb durch eine Kraft gelenkt wird, die den anderen bei der eigenen Lebensfreude mit einbeziehen kann. Diese Kraft kann wirken, wenn der Mensch seine Krankheit erkennt und zugleich glauben kann, dass er geheilt werden kann. An das Ziel der Heilung sollte er festhalten oder es immer nur wünschen, damit er die Orientierung nicht verliert. Das Hauptziel des Menschen sollte nicht die selbst erworbene Bestätigung des eigenen Ichs sein, sonder sich bestätigt wissen im Kraftfeld der Liebe, das unter Menschen mit der gleichen Zielvorstellung ermöglicht wird. Das wäre dann eine Gemeinschaft nicht der Heiligen sondern der sich nach dem gesunden Menschen als Ziel ausrichtenden Menschen. Das Glaubensbekenntnis der Anhänger des historischen Jesus könnte demnach etwa so lauten:
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Ich glaube an den Gott, der sich als Kraft der Liebe in seiner Botschaft offenbart.
Ich glaube an eine Gemeinschaft mit dem Ziel, die Kraft der Liebe Wirklichkeit werden zu
„Wer unter euch größer (als die anderen) sein will, der sei euer Diener.“ Mtth.23,11
Ein großes Hindernis für ein gesundes und möglichst langes Leben sowohl für den Einzelmenschen als auch für die Gemeinschaft ist ein in der Evolution fehl entwickeltes Konkurrieren der Menschen gegeneinander. Bei unseren Vorfahren (den Herdentieren) war es
- um zu überleben - noch notwendig, dass durch Konkurrenzkämpfe die körperlich Stärkeren sich durchsetzen konnten. Bei ihnen bedeutete diese Stärke etwas, weil eine Horde, Rudel, Herde sich sonst nicht behaupten konnte. Durch die Entwicklung einer geistigen Stärke bei den Menschen veränderte sich die Grundlage der Lebensbehauptung. Allerdings müssen sich auch Menschen im Konkurrenzkampf untereinander bewähren, um Kraft zu haben für die eigene Lebenserhaltung und um zusätzlich zugleich fähig zu sein, die Erhaltung der Gemeinschaft zu fördern.
Der notwendige Trieb zur Lebenserhaltung führt jedoch bei Menschen oft dazu, dass die notwendige Grenzen einer gewonnenen Selbstbehauptung überschritten werden. Wenn Konkurrenzverhalten sich dahin auswirkt, dass der jeweilige Unterlegene daran gehindert wird, die notwendigen Grundbedingungen eines menschlichen Lebens zu behalten und zusätzlich diesem und seinen Nachkommen die Möglichkeit genommen wird, gegen andere zu konkurrieren; dann treibt dies tiefe oft lebensbedrohliche Gräben sowohl innerhalb einer Gemeinschaft als auch gegenüber andere Lebensgemeinschaften. Statt: >Frieden ist die notwendige Voraussetzung des Lebens< heißt es dann: >Der Krieg ist der Vater aller Dinge<.
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Als Beispiel die Demokratie:. Wenn eine Gruppe mit einem guten Programm gegen andere konkurriert und für das Programm kämpft und gewinnt, dann ist das für die ganze Gemeinschaft positiv. Wenn jedoch diese Gruppe die Vorrangstellung mit Macht so ausbaut, dass keine Konkurrenz mehr eine Chance hat, gleichwertig zu konkurrieren und damit die Demokratie vernichtet und sie zur Autokratie wird, dann ist das gegen die Menschenrechte indem eine friedliche Gemeinschaft und viele einzelne Menschen zerstört werden.. Ähnlich verhält es sich bei dem menschlichen Konkurrenzverhalten auf anderen Lebensbereichen, wenn der Konkurrent mit kämpferischen Mitteln geschäftsunfähig oder sogar lebensunfähig gemacht wird.
Gegen diese Tendenz des menschlichen Verhaltens spricht sich Jesus aus. Für ihn ist der `Größte (also auch der Gewinner) darin groß, wenn er seine Kraft einsetzt um nicht nur sich selbst, sondern den anderen ein optimales gesundes Leben ermöglicht. „Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener“Mk.9,33ff. Die Vorteile, die ein Mensch hat an Begabung, an bestimmten Talenten sind nach Jesus nicht dafür gegeben, dass er sich über andere Menschen heraushebt und von oben herab behandelt oder von der eigenen Einbildung lebt. Menschliche Vorteile sind dem Menschen gegeben, dass er auch andere teilhaben läßt an seinem Glück oder seinem Erfolg. Macht und Reichtum. Talente machen den Menschen erst zu einem gesunden dem Reich der Liebe nahe gekommenen gesunden Menschen, wenn er andere damit nicht erniedrigt, oder sie ausbeutet, oder ihnen ihren Lebensraum nimmt, sondern sie in ihren jeweiligen Gemeinschaften (Familie, Volk, Staat, Weltgemeinschaft) an seinem Vorteil teilnehmen läßt. Diese Haltung verhindert den Menschen daran, dass er süchtig wird, um immer stärker, größer, mächtiger oder von anderen unabhängiger zu sein. Für Jesus sind die Talente, die ein Mensch hat, kein selbst erworbener Verdienste und darum sollte sich kein Mensch darauf etwas einbilden. Wer diese Talente nicht dem Reich der Liebe anpassen kann, der ist krank (lebensbehindert). So kann Jesus den sicher sehr anständigen und auf gute Führung bedachten und von sich selbst überzeugten Menschen sagen, dass sie dem Reich der Liebe ferner seien als zum Beispiel ein Verbrecher, der seine Sünde erkannt hat und um Vergebung bittet. Die Gabe z.B. ein etwas besserer bzw. gesunderer Mensch zu sein, macht den Menschen erst dann zum wahren gesunden Menschen, wenn er andere durch seine Zuwendung und Liebe daran teilnehmen läßt. Das Kapital, dass ein Mensch hat, wird nur dann adäquat eingesetzt, wenn es nicht nur der eigenen Kapitalvermehrung dient. Die seelische und materielle Kapitalanhäufung ob im Selbstruhm oder Selbstreichtum bringt die
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Gefahr mit sich, dass die Seele erstickt, weil sie sich in sich selbst verstrickt und damit liebesunfähig wird . Dies Auffassung Jesu wird in der Erzählung vom reichen Mann deutlich: Mk.10,17ff Jesus wird von einem begüterten Menschen gefragt: „ Guter Meister: Was muß ich tun, damit ich das ewige Leben erwerbe?“ (Hier wäre - aus dem Zusammenhang des Textes zu ersehen - besser, ewiges Leben mit Reich Gottes zu übersetzen) Nachdem Jesus es zunächst ablehnt, gut genannt zu werden, weil allein Gott gut ist, verweist Jesus ihn darauf hin, die Gebote und besonders das Gebot von der Gottes- und Nächstenliebe zu halten. Nachdem dieser geantwortet hat, dass er dies alles eingehalten hat, empfiehlt Jesus, alles zu verkaufen und es den Armen zu geben. Diese Antwort Jesu paßte dem Reichen Mann gar nicht, er war traurig und unzufrieden.
Danach schloß sich ein Dialog Jesus mit seinen Jünger an. Jesus meint, dass es für einen Reichen schwer sei ins Reich der Liebe (Gottes) zu kommen. Das erstaunte die Anhänger Jesu und sie stellten die Frage: „Wer kann denn dann ins Reich Gottes kommen?“ Jesus sagt daraufhin, dass das dem Menschen mit eigner Kraft nicht möglich sei. Wenn Reich Gottes als ein Bereich der Liebe verstanden wird, kann Reichtum den Menschen daran hindern, darin glücklich zu sein. Wer also erkennt, dass er durch den Reichtum die wahren Schätze des Lebens verpaßt, sollte er sich lieber davon lösen. So wird Jesus zu verstehen sein.
Mit Jesus könnte man sagen, wenn Reichtum das Hauptziel des Menschen ist, dient er damit dem Gott Mammon (dem Diesseitigen dem Dinglichen) und nicht dem der Liebe. Luther wagte einmal die Formulierung: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“. Es ist müßig zu streiten, ob es einen Gott gibt oder nicht. Wenn ich mein Herz an eine Person oder eine Sache hänge, ist das mein Gott, dann existieren dieser Gott oder diese Götter für mich. Vorausgesetzt z.B. dieser Gott ist ein Gott der Liebe, der meine Lebensorientierung ist, dann handele ich wahrscheinlich anders, als z.B. wenn mein Gott: Ich, Reichtum, Ehre, Berühmtheit, Schönheit u.a. heißt. Es ist sehr schwer - zwar nicht unmöglich - als Reicher dem Reich der Liebe anzugehören. Wenn aber jemand den Reichtum (in jeglicher Form der Wortbedeutung) zum Gott macht, dann ist die Nähe zum Reich der Liebe so gut wie ausgeschlossen. Wohlgemerkt Jesu Worte entspringen nicht einer Neiddebatte. So viel aus seinen Worten zu entnehmen sind, kritisiert er auch nicht die ungleiche Verteilung von Gütern. Das Haben ist für ihn nicht anrüchig, sondern nur, wenn man darin sein Sein, seinen Gott sieht und wenn es das friedliche und würdige Leben des Menschen und seiner jeweiligen
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Gemeinschaft zerstört. Wer als Reicher oder Mächtiger dies verursacht, der ist krank und verblendet, dessen Handeln (nicht der Mensch) sollte verurteilt werden und nicht wie heute oft geschieht sogar gelobt oder gerühmt ja sogar angebetet.
Schlußbemerkung zum ersten Teil über den historischen Jesus.
Der Hinweis auf den historischen Jesus bei einem Vorschlag für eine interkulturelle Ethik sollte deutlich machen, dass sich Ansätze in der christlichen Religion entwickelt haben, die mit anderen Religionen und Weltanschauung durchaus im Einklang stehen können. Jesus ist deshalb besonders hervorzuheben, weil sein ethischer Ansatz dem Grundprinzip einer Lebens- und damit auch Gemeinschaftserhaltung m.E. eindeutig entspricht, indem er selbst die Kriterien der ethischen Regeln an dem Maßstab mißt, was für den Menschen richtig oder falsch ist. Wenn in den verschiedenen Kulturen die sich in der Geschichte entwickelten Auffassung von festgeschriebenen Gesetzen einer bestimmten Macht, eines Gottes oder gottähnlichen Herrschers oder auch Weisen, Propheten, Kirchenoberhaupts, Gurus oder andere in dieser Art von diesen Voraussetzungen gelöst würden, dann kämen die Menschen einer gemeinsamen interkulturellen Ethik sehr nahe. Die Botschaft Jesu von der Kraft der Liebe ist als Grundlage einer interkulturellen Ethik durchaus geeignet, um einen gemeinsamen Dialog damit zu eröffnen.
Der Vorschlag einer interkulturellen und internationalen Ethik sollte Grundlagen des menschlichen Verhaltens für jeden erarbeiten und zusammenfassend darstellen. .Bevor eine solche Arbeit in Angriff genommen werden kann, muss die Frage geklärt werden: Wer und was ist der Mensch für den die Regeln nützlich sein können.
Das Menschenbild, dass als gemeinsamer Grundmaßstab für
Um ein möglichst neutrales Menschenbild zu bekommen, wenden wir uns zunächst dem Bild des Menschen zu, dass am wenigsten von einer Religion oder Ideologie oder Weltanschauung beeinflußt ist. Dies gilt m.E. eindeutig für das Bild der naturwissenschaftliche Forschung. Die Erkenntnis der Evolution der Wirklichkeit, die wir unabhängig von einer Weltanschauung wahrnehmen, könnte von jedem in der Weltgemeinschaft anerkannt und angenommen werden, um zu einer gemeinsamen Sprache über unsere Menschenbilder zu kommen. Dabei sollte in einem Dialog auf die Fragen nach allgemeinen Sinne und Werte verzichtet werden, weil der Mensch bei diesen Fragen niemals auf eine gemeinsame neutrale Antwort kommen kann, während dies bei rein wissenschaftlichen Ergebnissen wahrscheinlicher ist. Wenn die Naturwissenschaft die biologischen Lebewesen nennt und sie nach Gestalt, Bewegung und Arten einteilt, um sie in ihren Unterschieden zu bezeichnen, dann kann jeder Mensch sich in der Liste der Beschreibungen wiederfinden. Demnach gehört der Mensch zu einer sich entwickelten Art, die zu den säugenden Lebewesen zu zählen sind, die in Lebensgemeinschaften ihrer Art leben. Die Menschen teilen mit vielen anderen Arten auch den dominierenden Trieb die eigene Art zu erhalten.. Auch der Mensch kann nur überleben, wenn seine Art und die dazu gehörige Gemeinschaft leben und überleben kann. Der Mensch kann nur überleben, wenn er
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andere Lebewesen zu eigenem Nutzen braucht oder sogar tötet. Die Lebenserhaltung der eigenen Art hat Vorrang gegenüber alle anderen Lebewesen. Der Mensch gibt sich notwendigerweise selbst den höchsten Wert über alles andere. Diese Eigenschaft der Selbstbewertung ergibt sich aus seinem Selbsterhaltungstrieb und ist unabhängig von den Entwicklungen unterschiedlicher Kulturen. Sie ist induktiv aus der notwendigen Lebensweise der Art Mensch entstanden. Die Antwort auf die Frage, ob der Mensch quantitativ oder qualitativ von einem Tier zu unterscheiden ist, kann als objektiver Maßstab in einer Ethik beiseite gelassen werden. Die in den Kulturen sich entwickelten Menschenbilder können miteinbezogen werden, wenn sie einmal nicht für alle verbindlich gemacht werden und zum anderen nicht dem Grundprinzip einer für jeden Menschen gültigen Lebenserhaltung widersprechen. Es kann anerkannt werden, dass jeder, der (im naturwissenschaftlichen Sinn) als Mensch bezeichnet wird zur gleichen Art gehört und damit ein Angehöriger der Artgemeinschaft Mensch ist und so auf jeden anderen direkt oder indirekt angewiesen ist. Strittig bleibt der Zeitpunkt, ab wann nach der Befruchtung der menschlichen Eizelle der sich entwickelnde Embryo schon als Mensch bezeichnet werden kann und sollte. Unstrittig sollte jedenfalls sein, dass einem menschlichen Embryo einen höheren Wert anerkannt werden müßte, als andere Lebewesen, da er zur Lebenserhaltung des Menschen notwendig ist. Aus diesem Grunde ist er auch als entstehendes menschliches Wesen schutzbedürftig. Zur Lebenserhaltung der menschlichen Art kann mit dem werdenden Leben nicht willkürlich umgegangen werden. Dennoch muß es möglich sein, den Entwicklungsvorgang eines menschlichen Lebens bis zu einem bestimmten festzusetzenden Zeitpunkt zu unterbrechen, wenn sicher ist, dass die Lebenserhaltung eines gesunden Lebens gefährdet ist. Auch bei der Suche nach dem angemessenen Zeitpunkt bei dem eine Unterbrechung möglich sein darf, gilt der Grundsatz, ob er die Lebenserhaltung des Einzelnen und seiner Art nicht durch möglichen Willkür gefährdet wird. Insofern kann in einer interkulturellen Ethik ein erst sich entwickelndes Lebewesen nicht mit dem Menschen schlechthin gleichgesetzt werden.
Der Vorrang des Menschen durch ein erweitertes Reflexionsvermögen und die Folgen für die Lebensbewältigung.
Der Mensch unterscheidet sich von allen anderen Lebewesen u.a. durch die Gabe eines erweiterten Denk- und Reflexionsvermögens. Während bei anderen Lebewesen aufgrund von
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ererbten Trieben und eigenen Lebenserfahrungen Entscheidungsreflexe ausgelöst werden, entwickelte sich bei den Menschen eine neue Reflextionsebene, die durch einen denkenden ‘Verstand‘ das Bewußtsein beeinflußt. Das Bewußtsein kann hierdurch schon Wirklichkeiten erfahren, die konkret noch nicht erfahrbar sind. Er kann also zum Beispiel in der Erfahrung des Sterbens von Artgenossen durch seine Reflexionsebene folgern, dass auch er sterben muß. Durch diese Fähigkeit hat der Mensch einen Vorteil bei seinen Lebensentscheidungen gegenüber andere Arten. Er ist nicht mehr allein angewiesen auf seine ererbten Instinkte oder seine eigenen konkreten direkten Erfahrungen. Er kann die Möglichkeit einer zukünftigen Wirklichkeit durch sein Denken schon im Voraus erkennen, voraussehen oder zu mindestens erahnen. (andere durch das erweiterte Reflexionsvermögen entstandene Fähigkeiten brauchen in diesen Zusammenhang nicht erwähnt zu werden.) Diese Fähigkeit des Menschen erweitert seinen Gesichtskreis und beeinflußt seine Entscheidungen. Wenn es um die Frage nach den richtigen oder falschen Lebensregeln geht, dann hätte der Mensch einen absoluten Vorteil gegenüber andere Arten, wenn er aufgrund seiner neuen Fähigkeit immer falsch und richtig zweifelsfrei erkennen und danach handeln könnte. Die Reflexionsebene des Menschen reicht aber nicht aus, um in langer Zeit bewährte richtige Entscheidungen von den gescheiterten eindeutig zu unterscheiden. So kann der Vorteil des Menschen schnell zum Nachteil werden, wenn die altbewährten Instinkte vernachlässigt werden oder wenn sie noch wahrgenommen werden in einer Zeit, in der sie längst keine lebenserhaltene Kraft und Impulse mehr auslösen können. Die besondere Fähigkeit des Menschen schafft für den Menschen in kurzen Zeiten andere Lebensumstände, die neue Regeln zur Lebenserhaltung benötigen. Viele alte ererbten Verhaltensregeln werden für die neuen Lebensumstände entweder überflüssig oder unbrauchbar. Die alten Regeln haben sich in einer sehr langen Zeit der Evolution entwickelt und bewährt für die jeweilige Art. Die sich viel schnelleren entstehenden Lebensumstände des Menschen verkürzen die Laufzeit der neuen und auch notwendigen Regeln. Obwohl diese notwendig sind, haben sie eine zu kurze Probezeit, um sich als eindeutig richtig oder falsch zu bewähren. Dem Menschen fehlt also das Wissen, um eine Lebensregel als eindeutig richtig oder falsch zu erkennen. Das ist wahrscheinlich der Grund innerhalb der menschlichen Geschichte, sich an Götter, Geister, oder übernatürliche Kräfte zu halten. Die dem Menschen gegebene neue Reflexionsebene läßt ihn erkennen, daß er zur Erfüllung seines Lebens- und Erhaltungstriebes ein Defizit hat. Aus dieser Erkenntnis heraus sind wahrscheinlich die meisten Kulturen entstanden, die auf unterschiedliche Art und sicherlich entwicklungsbedingt
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versucht haben, das Defizit zu überwinden. Unsere heutige Zeit nach der “Aufklärung“ läßt die Hoffnung aufkeimen, dass das Defizit in der Beantwortung nach den richtigen Lebensregeln autonom durch die Vernunft des Menschen überwunden werden könnte. Modelle wie die Menschenrechte oder Grundgesetze einer religiös unabhängigen Verfassung sind Hinweise, dass die Hoffnung keine reine Utopie ist. Was jedoch in unserer Zeit notwendig wäre, ist eine völkerübergreifende für jeden einsichtige Grundmoral, die das Gewissen prägt. Dazu muß ein weltweiter Dialog eröffnet werden, der Grundsätze (ähnlich wie die zehn Gebote) erarbeitet. Das Ergebnis sollte für das Leben und Überleben eines jeden Menschen ein Leitfaden des menschlichen Gewissen sein. Nach diesem Leitfaden könnte dann auch beurteilt werden, wann gegen die Menschen- und menschlichen Gemeinschaftsregeln verstoßen wird und welche Folgen die Übertretung für das Überleben der menschlichen Art haben kann. Der Inhalt dieser Gebote könnte ein verbindlicher Lehrstoff für alle Eltern und Schulen der Welt sein und gäbe dann neben der Unterweisung der verschiedenen Religionen eine von Kultur, Weltanschauung, Religion unabhängige Orientierungshilfe für das Leben. Damit könnte die Gefahr der Orientierungslosigkeit in einer pluralistischen Gesellschaft überwunden werden.
Die Abhängigkeit des Menschen von den empfangenen und gegeben Voraussetzungen
Wissenschaftliche Erkenntnisse machen immer deutlicher, dass auch der Mensch nur aufgrund verschiedener ihm gegebenen Voraussetzungen handeln und entscheiden kann. Der Mensch ist in seine Existenz geworfen und wird u.a. durch die ererbten Gene, angeborene Triebe, zufällige Erfahrungen in seiner Umwelt und seinen ihm mitgegebenen Fähigkeiten bestimmt. Auch die Möglichkeit eines freien Handlungsraum wird ihm mehr oder weniger nur gewährt. Der Mensch ist nicht so, wie er sich gemacht hat, sonder er ist so, weil er so ohne eigenes Zutun geworden ist. Ob der Mensch richtig oder falsch auch im Sinne seiner eigenen Lebenserhaltung entscheidet oder entscheiden kann, bestimmt nicht sein eigener oft so empfundener unabhängiger freier Wille, sondern ist eine Folge seines Gewordenseins. Zu dem Gewordensein gehört auch der Einfluß von außen während seines Lebens, der seine Bestimmung verändern kann. Sollte z.B. ein Mensch vertraut gemacht werden mit einer neutralen vernünftigen Ethik, dann kann diese Erfahrung Impulse bei ihm auslösen, wenn er die Gabe hat, offen zu sein für ein neues ihm sinnvoll erscheinendes Programm. Diese
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Impulse bewirken bei ihm eine neuen Sichtweise und lösen andere Entscheidungsimpulse aus. Die von außen kommenden Eindrücke in verschiedenster Form beeinflussen den Menschen und verändern ihn je nach Intensität mehr oder weniger. Ob der Mensch sich gegen eine Beeinflussung wehren kann oder nicht, hängt von seinen Gaben ab, die er mitbekommen hat. Der Selbsterhaltungstrieb ist jedenfalls der Hauptmotor seines Handelns. Wie aufgrund des Selbsterhaltungstriebs im Einzelfall gehandelt wird, hängt immer davon ab, welches Konzept mitgegeben wurde und welche Fähigkeiten jemand besitzt, dies so oder so umzusetzen. Bei der Beurteilung von Menschen sollte die Auffassung gelten: Der Mensch handelt entweder durch gesunde Impulse richtig oder durch krankhafte falsch. Die Mensch dürfen demnach nicht in böse oder gut unterschieden werden. Er handelt in Folge dessen auch nicht gut oder böse sondern falsch oder richtig oder im Sinne der Lebenserhaltung konstruktiv oder destruktiv, was mehr oder weniger aufbauende oder zerstörende Folgen haben kann. Dennoch
- das muss nochmals betont werden - trotz großer Einflüsse der Erbanlagen oder anderer Impulse ist der menschliche Charakter und seine Handlungsfähikeit nicht festgelegt für das ganze Leben. Je nach Einflüssen von Außen kann z.B. aus einem kurzsichtigen Egozentriker ein Mensch werden, der den anderen und besonders auch die Gemeinschaft, in der er lebt, in seiner Lebensplanung miteinbezieht und somit die Grenzen seines Ich-Horizonts erweitert. Die positiven Kräfte, die es in unsere Welt gibt, können einen lebenserhaltenden Impuls auslösen, der fähig macht zum richtigen Handeln. Eine interkulturelle Ethik könnte ein Seismograph sein, der den positiven Kräften auf die Spur kommt.
Ziel des menschlichen Handelns ist die Erhaltung des optimalen Lebens.
In der Ethik geht es wie schon oft erwähnt um die Erhaltung eines optimalen menschlichen Lebens. Diese Ziel entspricht auch dem Grundtrieb des Lebens schlechthin und ist auch dem Menschen in seinem Erbe mitgegeben. Ein Einverständnis unter den Menschen kann also vorausgesetzt werden.
In diesem Zusammenhang entsteht die Frage : Was ist ein optimales menschliches Leben? Die Antwort sollte eine möglichst neutrale für jeden Menschen einsichtige und nachvollziehbare Aussage sein.
Was unter optimales Leben zu verstehen ist, richtet sich u.a. an den Bedingungen und Umständen, in der sich ein Mensch vorfindet und die sind nicht für jeden gleich. Die
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Ungleichheit der Lebensbedingungen haben oft natürliche Ursachen, die durch das so oder so Gewordensein entstanden sind. Zu dem Gewordensein gehört auch die Umwelt in Natur und Gesellschaft, in die der Mensch hineingeboren wird. So bedeutet in einem Nomadenstamm optimales Leben etwas anderes als in einer Großstadtgesellschaft. So kann z.B. ein eigener Fernsehapparat und ein Telefon zu den Grundbedürfnissen des Menschen in einer bestimmten Gesellschaft gehören und in einer anderen ist dazu noch nicht einmal ein Stuhl oder ein Tisch notwendig. So gilt für einen blind geborenen Menschen eine andere Kategorie von optimal als von einem gesunden Menschen. Optimales Leben sollte demnach bezogen auf die gegebenen Lebensumstände und die eigenen Empfindungen des jeweiligen Menschen definiert werden. Vielleicht könnte man sich bei einer Ethik auf ein gemeinsames Kriterium einigen. Optimales Leben könnte z.B. für alle bedeuten: Jeder soll die Möglichkeit haben das zu bekommen oder zu erreichten, was zu seinem körperlichen und seelischen Wohlbefinden also seinem wahren gesunden Leben notwendig ist, soweit das den Umständen entsprechend machbar ist. Welche Grundbedürfnisse zu einem gesunden menschlichen Leben notwendig sind, ist mitunter je nach Beschaffenheit, Umstände und vorgegeben Lebensbedingungen unterschiedlich. (Als Beispiel sei erwähnt, dass Armut in einem reichen Land manchmal in einem anderen Land bei den gleichen Zuwendungen und Möglichkeiten schon als Reichtum empfunden werden kann.) Deshalb müßte immer die Frage gestellt werden: Was braucht der Mensch in welchen vorgegebenen Lebensumständen um hierin ein optimales Leben haben zu können. Die Gleichmacherei aller Menschen mit dem Anspruch auf einheitlich genannte Grundbedürfnisse für alle Menschen bis ins Detail übersieht, dass die Natur nicht für die gleichen Lebensvoraussetzungen bei allen gesorgt hat. Der Mensch selbst ist nicht dazu in der Lage dies grundsätzlich zu ändern. Wenn das Wort Klassengesellschaft bedeuten sollte, dass es Reiche und Arme, Gesunde und Kranke mehr oder weniger Begabte gibt, dann ist das naturbedingt, solange es nicht durch menschliche Mächte im Übermaß produziert und unterstützt wird. Die bedingte Ungleichheit muss nicht das Grundanliegen eines den Bedingungen entsprechenden optimalen Lebens des Einzelnen wie das der Gemeinschaft hindern. Sie ist nur dann destruktiv, wenn das Überleben der menschlichen Art dadurch verkürzt oder sogar vernichtet wird. In diesem Sinne kann in einer interkulturellen Ethik zwar der Vorteil der Gleichheit genannt oder auch gewünscht werden, muss aber nicht als eine Regel zum Überleben gefordert werden. Erst dann wenn jemand die von der Natur und nicht vom Menschen verursachte Ungleichheit für sich auf Kosten des Schwächeren nutzt und
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zugleich damit einem anderen dessen Lebensmöglichkeit verbaut, handelt er gegen die Menschenrechte.
Einige Grundrechte können für alle gelten und sind unabhängig von Situation und Zeit. Zu jedem menschlichen Leben gehört die Erfüllung seiner Art entsprechenden Grundbedürfnisse. Dazu gehört das Recht auf Leben Bei dem Menschen könnte Leben mit Existieren im Unterschied zu Vegetieren übersetzt werden. Der Mensch braucht neben ausreichender körperlicher Ernährung, Wärme, Schutz und Bewegungsfreiheit auch seelische und geistige Ernährung. Grundbedürfniss ist demnach eine ‘Ernährung‘ (körperlich, geistig und seelisch), die der Mensch braucht um ein für ihn gesundes Leben zu erhalten .Diese Grundbedürfnisse dürfen nur in Notfällen eingeschränkt werden, wenn das Leben des Einzelnen oder aber gleichwertig das der Gemeinschaft in Gefahr ist.. In diesem Zusammenhang wäre die Frage zu stellen, ob die Arbeit ein Grundbedürfniss des Menschen ist, woraus sich ein Recht auf Arbeit ableiten läßt. Die Bibel hat im AT die Arbeit eher als eine Strafe angesehen, die dem Menschen auferlegt wurde aufgrund seiner Sünde. Das Paradies hat man sich eher als ein Leben ohne Arbeit vorgestellt. Auch heute arbeiten die meisten Menschen, weil sie damit ihr Brot verdienen müssen. Die Erfüllung der Grundbedürfnisse ist dabei nicht die Arbeit sondern das Brot. In unserer Zeit, in der die „Maschine den größten und schwersten Teil leistet, um die Bedürfnisse der Menschen zu decken, ist es nicht mehr notwendig und nicht mehr möglich, dass jeder arbeiten kann und vielleicht besser arbeiten muss. Wenn Arbeit ein Grundbedürfniss des Menschen sein sollte, dann kann in Zukunft in den Gesellschaften dies immer mehr nicht erfüllt werden. Es wäre also ratsam der Arbeit den hohen ethischen Wert zu nehmen, den sie in unserer Gesellschaft hat. (Unter Arbeit soll hier nur die Tätigkeit verstanden werden, die als Bedingung zur Erfüllung eigener Lebensbedürfnisse vollzogen werden muss. Der Handlungsfreiraum, der für eine Tätigkeit, des Menschen aus Lust und Freude am Tun benötigt wird, gehört zu den Grundbedürfnissen und sollte je nach Umständen jedem gewährt werden)
Also noch einmal: Für jeden Einzelnen muß die Möglichkeit bestehen, sich ausreichend körperlich, geistig und seelisch zu ernähren, wenn nicht von Menschen nicht zu ändernden Bedingungen dies einschränken. Jeder Mensch, der Ursachen schafft und unterstützt, welches sowohl im engeren Kreis als auch übergreifend in der ganzen Welt gesundes Leben verhindert, handelt gegen die Menschenrechte. Er verhindert Leben und damit auch das gesunde Leben der Menschen untereinander und bewirkt auf Dauer, dass die menschliche Art vorzeitig keine Überlebenschance mehr hat. Schon aus eigenem
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Überlebenstrieb müßte eine vernünftige Regel zum Überleben angenommen und von jedem unterschrieben werden können. Die Regel: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst (nach der Interpretation des historischen Jesus) könnte als vernünftig einzusehende Grundregel einer internationalen Ethik trotz verschiedener religiöser weltanschaulicher Voraussetzungen von jeden ohne Einschränkung übernommen werden. Dabei wäre es sicherlich gut, wenn die neutral als vernünftig anzurechnenden Interpretationen und Ausführungen dieser Regeln innerhalb der Religionen und Weltanschauungen hinzu gezogen würden. In dieser Schrift weise ich besonders auf den historischen Jesus und seine Botschaft von der Liebe hin, die jeder als vernünftig einsehen könnte. Die Liebe in der Auslegung des von Jesus vorgeschlagenen Rezepts für die Gesundheit des einzelnen Menschen, seiner engeren und weiteren Gemeinschaften bis hin zur Weltgemeinschaft könnte mit in den Dialog einer internationalen Ethik miteinfließen. (die religiöse Vorstellung von diesem Jesus im christlichen Glauben sollte dabei den Christen vorbehalten bleiben, um den interkulturellen Dialog zu ermöglichen.) Das Ziel der Ethik ist der gesunde Mensch. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn die Regeln diesem Ziel entsprechen. Sie sind induktiv zu erarbeiten und können nicht deduktiv von einem einzelnen Menschen, einem menschlichen Team oder Gott ohne demokratische Zustimmung bestimmt werden.
Der Mensch ein Gemeinschaftswesen
Die menschliche Art hat sich aus einer Art entwickelt, die man zu den Lebewesen zählen kann, die in Gruppen, Familien, Horden, Herden leben. Die Gemeinschaft mit anderen Menschen z.B in Stämmen, Familien oder zusammenfassend in irgendeiner Lebensgemeinschaft ist ein wichtiger Nährboden für die menschliche Existenz. Ohne diesen kann er in seinem so Gewordensein nicht existieren. Zu der Lebenserhaltung des Menschen ist die Erhaltung der Gemeinschaft in die und von der der Mensch lebt so notwendig wie die persönliche Selbsterhaltung.. Das ist zwar eine Binsenwahrheit, sie wird aber deshalb hier nochmals genannt, weil dies von vielen Menschen nur bei überschaubaren und bei einem emotionalen Zugehörigkeitsgefühl eingesehen und praktiziert wird. Das Gewissen für die Erhaltung eines gesunden Lebens einer Gemeinschaft, zu der der Mensch gehört, schlägt in den heutigen Gesellschaften höchsten bei überschaubaren Gemeinschaften, die emotional empfunden werden können. Die Regeln einer überschaubaren Gemeinschaft werden von Menschen, die ein Bißchen über sich selbst hinausschauen können eingesehen und von den
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meisten Mitgliedern selbstverständlich meist auch eingehalten. Gerade in kleinen Lebensgemeinschaften, die sich in der Welt behaupten müssen, ist z.B die Gemeinschaftstreue eines jeden Mitglieds ausschlaggebend für das Fortbestehen der ganzen Gemeinschaft. (dabei ist es interessant zu wissen, dass das hebräische Wort Zedek - in der Bibel mit Gerechtigkeit übersetzt - eigentlich Gemeinschaftstreue heißt. Gerecht ist demnach der Gott oder der Mensch, der seiner Gemeinschaft die Treue hält.) Nur eine möglichst gesunde Gemeinschaft hat auf Dauer eine Überlebenschance. In der Frage, was in einer Gemeinschaft gesund heißt, könnte man die gleichen Grundkriterien vorschlagen wie bei der Lebenserhaltung des Einzelmenschen. Alles Verhalten, was die Erhaltung des Lebens der Gemeinschaft nicht gefährdet ist richtig und das was das Leben der Gemeinschaft verhindert ist falsch.
Was die wesentlichen Grundbedingungen sind, damit eine Gemeinschaft existieren kann, müßte bei allen Vorschlägen von Regeln, die unbedingt notwendig sind, erarbeitet und transparent dargestellt werden. Dabei ist eine Kultur übergreifende Ethik gebunden an Erkenntnisse, die kulturunabhängig Geltung haben können. Empfehlenswert wäre, wenn zunächst die Regeln dargestellt werden, die für jede menschliche Gemeinschaft unabhängig von Zeit und sich veränderten Lebensumständen nach wie vor ihre Gültigkeit haben. Diesbezüglich ist ein Blick auf unsere tierischen Vorfahren ratsam, weil sie als “Herdentiere“ im Laufe der Evolution ihr Erfahrungen machten und ihre Verhaltensregeln sich für ihre Art in langen Zeiträumen bewährt haben. In jeder sich weiter entwickelten Herde hat jedes Lebewesen seiner Fähigkeit entsprechend eine Aufgabe, die zur Erhaltung der Gemeinschaft notwendig ist. Die Herde ist angewiesen auf Lebewesen der eigenen Art, die zur Erhaltung in verschiedener Form etwas beitragen. In der Tierwelt entwickelte sich eine Rangordnung, die instinktiv anerkannt wird. Im Vergleich kann auch die menschliche Gemeinschaft ohne eine gewissen Rangordnung nicht existieren. Wenn die wichtigen Aufgaben in einer Gemeinschaft nicht instinktiv richtig wahrgenommen werden, dann müssen sie eingeteilt, verteil und zugeteilt werden. Die dazu notwendige organisierende Kraft benötigt Anerkennung und das Zutrauen der Mitglieder und auch eine gewisse ihm gegebene Macht, um seine Aufgabe erfüllen zu können.
Es gibt Erkenntnisse, die durch Beobachtung von zunächst gleichrangigen Gruppenmitgliedern bei Menschen gemacht wurden. Dabei wurde festgestellt, dass nach einer bestimmten Zeit in jeder Lebensgemeinschaft automatisch Rangordnungen entstehen, in
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die sich Mitglieder als solche beweisen, die z.B. die Fähigkeit haben eine Gemeinschaft zu organisieren und diese werden meist besonders am Anfang von den anderen automatisch anerkannt.
Auch in einer Gemeinschaft bei Menschen ist die Rangordnung naturbedingt Bei den Menschen hat sich jedoch die Rangordnung, die sich wie bei manchen Tieren durch körperlich Kraft und Stärke durchsetzt, nicht bewährt. Die körperlich Starken und durch angebliche Gotteskraft, Intelligenz oder Reichtum Mächtigen haben in der Geschichte der Menschheit die gesunden Gemeinschaften meist zunichte gemacht, wenn ihnen nicht durch eine Gegenkraft Einhalt geboten wurde. In einer Autokratie kann eine Gemeinschaft nur gesund bleiben, wenn der Autokrat selbst so gesund ist, dass sein ganzes Streben danach geht, seine Gemeinschaft gesund am Leben zu erhalten. Dies gelingt so gut wie gar nicht, weil der Autokrat nicht durch richtige Instinkte gelenkt wird und auch sein subjektives Weltbild getrübt ist wie das seiner Untertanen. Deshalb ist die Demokratie trotz mancher Mängel die beste menschliche Gesellschaftsform für eine gesund zu erhaltene Gesellschaft. Hier werden die negativen Entscheidungen für die Aufstellung bestimmter Regeln nicht für alle Zeiten festgehalten, sondern können durch Gegenkräfte aufgehoben werden und in einem demokratischen Dialog neu gebildet werden. Das Recht auf ein Leben in einer demokratische Gesellschaftsordnung müßte demnach ein Teil der Menschenrechte werden. Da auch die menschliche Gemeinschaft sich in der Evolution aus tierischen Vorfahren entwickelt hat, fragen wir nach den Bedingungen der Gemeinschaft innerhalb der Natur schlechthin. Sobald sich Zellen vermehren und eine zusammenhängende Struktur entwickeln, funktioniert das sogenannte neue Leben nur, wenn jede Einzelzelle mit anderen Zellen eine sogenannte Arbeitsgemeinschaft eingeht und dort nicht nur für sich sorgt sondern je nach Fähigkeit seinen Teil für die gesamte Struktur miteinbringt Diese Grundbedingung ist so gut wie ein Naturgesetz und gilt nicht nur für Miniorganismen sondern für. jeden Organismus in der Natur so auch bei Menschen für. Herde, Bande, Gruppe, Familie, Volk, Gesellschaft und viel andere Gemeinschaftsformen . Bei den Tieren wird sogar meist die vollständige Kraft des Einzelwesens als Dienst für das Gemeinwesen eingesetzt. Durch die veränderten Lebensbedingungen bei den Menschen kann eine Gemeinschaft jedoch auch existieren, wenn der einzelne Mensch für das eigene persönliche Leben seine Kraft zum eigenen Vergnügen einsetzt und einsetzen kann. Er empfindet dadurch eine höhere Lebensqualität. Dies darf aber nicht dazu führen, dass der Gemeinschaft der Beitrag seiner Kräfte und Fähigkeiten völlig
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entzogen werden. Denn auch die menschliche Gemeinschaft lebt von seinen Mitgliedern. Auch die Lebenserhaltung einer größeren Lebensgemeinschaft lebt nur durch die Erfüllung entsprechender notwendiger Grundbedürfnisse, seiner Mitglieder. Außerdem bedarf eine Gemeinschaft z.B. Zuwendungen von seinen Mitgliedern. Ein Grundbedürfnis ist z.B., dass die Funktionsweise, wie die Mitglieder miteinander umgehen das Leben der Gemeinschaft nicht gefährdet. In einer funktionierenden Gemeinschaft ist das Miteinander fördernd und ein unnötiges Gegeneinander hemmend. Das Miteinander muß auch die Schwächsten in der Gemeinschaft miteinbeziehen, denen die notwendigen Grundbedürfnisse nicht vorenthalten oder sogar entzogen werden dürfen. Die notwendigen Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft müssen von allen, die dazu in der Lage sind, erfüllt werden. Die Gemeinschaft ist für alle zuständig, während der Einzelne für die Gemeinschaft zuständig ist mit den Fähigkeiten und Gaben, die die Gemeinschaft von ihm zum Überleben braucht. Das was in einer überschaubaren Lebensgemeinschaft selbstverständlich empfunden wird, sollte auch konkrete Grundlage und Richtschnur einer Ethik für eine übergeordnete Gemeinschaft sein. Jede Gemeinschaft sollte sich in konkreten Einzelfällen eine Gesellschaftsordnung geben, die dem Grundsatz einer interkulturellen Ethik der Selbsterhaltung des gegenwärtigen Menschen nicht widersprechen darf.
Es ist zur Sozialisierung des Menschen innerhalb seines Werdens notwendig, dass sich innerhalb größerer nicht mehr überschaubarer Gemeinschaft, überschaubare Gemeinschaften entwickeln (im Sinne von Familien) die sich im Gesamtkomplex integrieren lassen, da nur in ihnen Aufgaben wahrgenommen werden können, die für eine größere z.B. Gesellschaft nicht überschaubar sind. Für den Einzelnen ist eine größere Gemeinschaft konkret nicht fühl- oder faßbar. Für kleinere Gruppen ist überwiegend deutlich erkennbar, was notwendig ist, damit die Gruppe überleben kann. Das Angewiesensein des Einzelnen oder der kleinen Gruppe auf jede übergeordnete Gruppe bis hin zur Weltgemeinschaft muß in einer interkulturellen Ethik deutlich hervorgehoben werden. In jeder der verschiedenen Gemeinschaften (Gesellschaften, Völker) sollten Regeln, die für kleineren Gemeinschaften selbstverständlich gelten, in den für die jeweils größeren - den Bedingungen entsprechend - übernommen werden. Die Funktionsweise zwischen den verschieden gearteten kleineren Gemeinschaften und den übergreifenden muss nach Vereinbarung geregelt werden. Auch hierbei ist es Bedingung, dass jeder ein Teil der Kräfte für die jeweils umfassendere Gemeinschaft einsetzt. Auch hier gilt, dass ein feindliches Gegeneinander sich nicht nur auf die Weltgesellschaft zerstörerisch
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auswirken kann, sonder auch Folgen für jede Gemeinschaft und das Leben schlechthin hat. Auch hier gilt, dass das Eigeninteresse nur so weit gehen darf, wie das Überleben jedes Einzelnen als auch das der anderen Gemeinschaften nicht dadurch zerstört wird. Auch hier gilt, dass die Freiheit nur so weit gehen darf, wie die Freiheit eines anderen nicht in unnötiger Weise eingeschränkt wird. Wer aus Eigeninteresse irgend ein menschliches Leben oder eine Gemeinschaft zerstört oder daran hindert, ein optimales Leben zu führen zu können, handelt gegen die Menschenrechte. Das kann jeder in der Welt, der nicht am `Selbstmord` der Welt schuldig sein will, einsehen. In diesem Sinne wären z.B. rücksichtslose Menschen verachtende Kapitalmärkte genauso schreckliche Verbrechen wie Völkermord. In diesem Sinne könnten sogar die auf ständiges Wachstum zielenden Gesellschaften gegen die Menschenrechte verstoßen, weil sie unnötig schnell Ressourcen verbrauchen, die zum längeren Überleben notwendig sind. Wenn eine in diesem Sinne interkulturelle Ethik als Menschenrechte verfaßt und von den Staaten unterschrieben würden, dann könnte es sogar möglich sein, dass vor dem “Weltgericht“ Handlungen als Verbrechen angeklagt werden, die heute als clever gerühmt und gepriesen werden. Die menschlichen Gemeinschaften haben sich zunächst aus Familien- oder Stammesgemeinschaften entwickelt. Die Lebensgemeinschaften sind immer größer
geworden und sind unabhängig voneinander zu unterschiedlich strukturierten Gesellschaften geworden. Die verschiedenen menschlichen Lebensgemeinschaften haben sich meist ohne Kenntnis voneinander in unterschiedlichen Lebensräumen verschieden entwickelt. So haben Lebensgemeinschaften, die wir heute zu der Art Mensch einordnen die anderen Fremden nicht als zur eigenen Art zugehörig empfunden. Was diesbezüglich in Bezug auf die Zugehörigkeit zur eigenen Art bei vielen Tieren die Instinkte vermittelten, ist bei den Menschen verloren gegangen. So wurden andere obwohl ähnliche Lebewesen als Lebewesen empfunden, die den sich hoch entwickelten Tieren gleichkamen. Diese konnten ohne Einschränkung und wenn es die Macht erlaubte zu eigenen Nutzung beherrscht und genutzt werden. Selbst als der Mensch erkannt hatte, dass die anderen Menschen die gleichen Arteigenschaften hatten, brachte er es fertig, die Menschen je nach Rasse oder auch Herkunft oder sogar nach Geschlecht und andere Merkmale in festgelegte Unterarten einzuteilen, die unterschiedlich behandelt werden durften. Da diese Bewertungen nicht der das Leben erhaltenen Evolution der Art Mensch entspricht, entwickelten sich mächtige Lebensgemeinschaften, die alle Menschen und menschlichen Gemeinschaften in Gefahr brachten. Die Geschichte hat gezeigt, dass der
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Mensch auf Dauer nur gesund bleiben und überleben kann, wenn er jeden anderen Menschen als ein gleichwertiges Mitglied seiner Art anerkennt. Die Anerkennung dieser Erkenntnis ist zur Zeit wichtiger denn je, da die verschiedenen Menschen in den unterschiedlichen Lebensräumen immer mehr Berührungspunkte haben, die durch die Errungenschaften der Menschen möglich geworden sind. So wird jeder Mensch zum Nächsten des anderen Menschen, weil seine Existenz wenn auch nicht direkt aber indirekt auf den anderen angewiesen ist. So entwickelte sich eine Weltgesellschaft, deren Erhaltung des Lebens ebenso wichtig ist wie die eigene, weil die einzelnen Glieder immer enger miteinander verzahnt sind. Diese neu entstandenen Gegebenheiten sind offensichtlich und können interkulturell einleuchten. Lebensregeln im Sinne der Menschenrechte haben diese globale Situation zu berücksichtigen.
die Erfahrung in Lebensgemeinschaften, in denen die Mitglieder für ihre Lebensgrundlage aufeinander angewiesen sind. Das waren in vergangen Zeiten u.a. die Großfamilien oder auch Stämme, kleine Völker usw.. Die Familie als die kleinste natürliche Zelle in den Gesellschaften hat sich bis heute teilweise noch erhalten. Auch die Dorfgemeinschaft als nächst größere Zelle ist noch nicht ganz ausgestorben. Inzwischen haben sich aber aufgrund der veränderten Gesellschaftsstrukturen besonders in den Industrieländern die ursprünglichen Keimzellen verändert oder sogar aufgelöst. Die Zugehörigkeit zu einer Familie, einem Dorf, einem Stamm, in der ein Mensch aufwächst, ist in vielen Gesellschaften nicht mehr lebensnotwendig. Wenn jemand sein “zu Hause“ verläßt, landet er nicht im Elend oder ist anderen Menschen schutzlos ausgeliefert. Seitdem empfinden viele Menschen das andere Leben außerhalb der engen Wohngemeinschaft oft als Befreiung. Dies ist möglich, weil die übergeordnete Gemeinschaft sehr viele Lebensbedingungen erfüllt, zu der ehemals nur die kleineren Zellen in einer Gesellschaft in der Lage waren. So empfinden die Menschen, dass sie in einer anonymen Gesellschaft sich besser selbst verwirklichen können als z.B. in einer Familie oder wie im nach seiner Ansicht vermieften Dorf oder Kleinstadt. Durch diese Veränderung der Lebensbedingungen in einer Gesellschaft lösen sich nach und nach die natürlichen gewachsenen kleinen Lebensgemeinschaften auf. Die Scheidungsrate und die Menge der allein Erziehenden und Singles ist ein Zeichen dafür. Als Ersatz für das
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Zusammensein in kleinen Wohngemeinschaften entwickeln sich immer mehr Interessengemeinschaften (wie z.B. Freundschaftskreise oder Clubs (politische, religiöse, Sport orientierte u.a.m.) verschiedenster Art. In einem solchem ‘Club‘ braucht der dazu gehörige Einzelne nur seinen Beitrag im Bereich der jeweiligen Interessen zu leisten. Zu welcher diesbezüglichen Gemeinschaft er gehört oder nicht mehr gehört, ist für die Erhaltung seines Lebens manchmal förderlich aber nicht ausschlaggebend. Diese Gemeinschaften sind m.E. keine echten Lebensgemeinschaften. Die übergeordnete Gemeinschaft wie z.B. die Stadt, das Volk oder der Staat ist zwar dem gegenüber eine Lebensgemeinschaft, die der Mensch aber nicht mehrt konkret als solche spürt. Oft empfindet er den Staat sogar als Gegner, der ihm seine Freiheit einschränkt. Seine Ordnungskräfte werden z.B. oft als “Bullen“ bezeichnet, was für das Verständnis des Menschen zu den Aufgaben der Gesellschaft, von der er lebt, viel aussagt. Sein Gewissen schlägt nicht mehr, wenn er die Regeln, die er nicht einsieht, übertritt. In einer immer mehr anonymen Gesellschaft verliert der Mensch sein gefühltes Zuhause als Grundlage seiner Existenz. In einer solchen Gesellschaft kann auch der Nachwuchs trotz des besten ethischen Unterrichts in den Schulen, die Notwendigkeit von Gemeinschaftsregeln nicht innerlich einsehen. Dies gilt besonders für die Regel, dass ein Mitglied einer Lebensgemeinschaft um der Gemeinschaft willen auf bestimmte Selbstverwirklichungen verzichten muss, wenn er selbst sein Leben erhalten will. Auch der Mensch lernt die wichtigsten Regeln für sein Leben aus Erfahrung, die durch eine theoretische wenn auch einsichtigen Regelordnung nicht ersetzt werden kann. Nur die konkrete Lebenspraxis kann der Nährboden für eine gesunde Sozialisierung sein. Außerhalb von kleinen Lebensgemeinschaften haben als Nährboden für Lebensregeln bisher meist die Religionen als Gralshüter der Moral ihre Aufgabe wahrgenommen. Dies hat in einer homogenen Gesellschaft auch funktioniert. Hier wurden z.B. die Kirchengemeinden als Lebensgemeinschaften empfunden, in denen die meisten wichtigsten Verhaltensregeln wie etwa die 10 Gebote als lebenswichtig im Alltag erlebt wurden und so zur Gewissensbildung beitrugen. Aber dies Art von homogener Gesellschaft gibt es in der westlichen Welt kaum noch.
Der Mangel an funktionierenden Keimzellen kann eine Ursache sein, dass die notwendigen Aufgaben für das gesunde Überleben des Menschen nicht mehr erfüllt werden kann. Dazu gehört im ethischen Bereich auch die Bildung eines gemeinsamen Gewissens auf der Grundlage einer interkulturellen und internationalen Ethik. In einer gemeinsam
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vereinbarten Ethik der menschlichen Gesellschaften müßte die Heilung krankhafter Verhältnisse innerhalb einer Gesellschaft zu Aufgabe gemacht werden. Wenn also sich der Nährboden des ethischen Lernens nicht nur verändert sondern ohne Ersatz aufgelöst hat, dann müssen Möglichkeiten geschaffen und unterstützt werden, die Lebensgemeinschaften erfahrbar machen. Ein Hauptmerkmal der Bildung durch Erfahrung müßte die neutrale ethische Bildung des Menschen vom Kleinkind an sein. Dazu müßten so viel wie möglich human orientierte Einrichtungen gebildet werden, die den Charakter einer Lebensgemeinschaft modelhaft nachkommen kann. Diese Einrichtungen könnten mit den religiösen und weltanschaulich orientierten Gemeinschaften kooperieren, müssten aber neutral sein und allein das Ziel haben eine humanistische Gemeinschaft zu sein, in der soziales Verhalten selbstverständlich ist und erlebt und dadurch erlernt werden kann. Diese Einrichtungen müßten für alle zugänglich und erschwinglich sein. Jeder, der nicht mehr in einer bisherigen Wohngemeinschaft leben kann oder will, sollte sich aufgerufen fühlen - um der Kinder willen - ein Mitglied solcher Einrichtungen zu sein. Die Gefahr, dass in solchen Einrichtungen durch weltanschauliche oder religiös einseitige Beeinflussung die Kinder und Jugendlichen manipuliert werden, könnte verhindert werden, indem durch demokratische Wahl einigen die Leitung einer solchen Einrichtung auf Zeit übertragen wird. Grundlage der Geschäftsordnung ist eine den Menschen- und Gemeinschaftsrechten entsprechende interkulturelle Ethik.
Schlussbemerkungen
Der Vorschlag dieser Ethik verabschiedet sich von dem Menschenbild, dass dem menschlichen Bewußtsein ohne mitgegebene Voraussetzungen eine eigene richtige Entscheidungsfähigkeit zubilligt. Dies anzuerkennen ist für eine interkulturelle Ethik deshalb so wichtig, weil das menschliche Bewußtsein nicht von sich aus wissen kann, was richtiges oder falsches Handeln ist. Selbst der Maßstab, nach dem die eigenen Maxime des Handelns für den Menschen dann richtig sein sollen, wenn es ein Maßstab für alle sein könnte, ist keine Garantie dafür, dass die Menschenrechte dabei nicht zu kurz kommen. Auch dieser Maßstab reicht für die Grundlage einer Ethik mit dem Ziel eines optimalen Lebens von Mensch und Gemeinschaft nicht aus. Weil das Bewußtsein nicht wissen kann, wie gehandelt werden
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müßte, entscheidet es entweder nach Instinkten, zufällig vorgegebenen Programmen, nach der Interpretation von eigenen Lebenserfahrungen oder nach den durch das Gehirn gegebenen Impulsen. Dies anzuerkennen ist deshalb so wichtig, weil der Mensch hierdurch bereit sein kann, mittels in einem Dialog erarbeiteten Kriteriums ethische Kenntnisse zu erwerben. Durch die Konfrontation mit dem Inhalt des Dialogs und deren einsichtigen Ergebnisse kann das Bewußtsein zu besseren Entscheidungen kommen, weil es dann bessere Voraussetzung hat für das Richtige. Die eigene Sicht, die meist eine subjektive Verblendung ist, wird von außen erweitert und bekommt damit einen Blick in eine größere Weite bis zur globalen Einsicht.
Bisher waren Götter, Religionen, Ideologien, Staatsmächte, also jenseitige und diesseitige Mächte und Gewalten, die bestimmten, was der Mensch zu tun oder zulassen hatte. Das Bewußtsein des Einzelnen konnte sich danach ausrichten. Auch autoritäre Familienverbände schufen Moralgesetze. Teilweise versuchten und versuchen u.a. auch Philosophen, Anthropologen, Experten der Sozialwissenschaft die richtigen Regeln zu erarbeiten und ihre Ergebnisse denen zu geben, die für das richtige Leben verantwortlich sind. Dabei scheint mir immer die Voraussetzung zu herrschen, das der jeweils Mächtigere durch politische, religiöse oder auch durch ein angeblich besonderes Wissen von oben herab bestimmt, was zu gelten hat. Dieser einseitige Weg müßte durch die Entwicklung eines demokratischen Weges durchbrochen werden
Die inzwischen mögliche Selbstbestimmung des Menschen, von wem er regiert werden will und an welche Religion oder Weltanschauung er glauben kann oder will, hat den Markt der angebotenen Ideen eröffnet. Durch das vielfältige Angebot der verschiedenen Ideen zur Lebensbewältigung von Mensch und Gemeinschaft relativieren sich sowohl Religionen und Weltanschauungen gegenseitig.. Nicht mehr nur ein ‘Gott‘ oder ein überschaubare Zahl von ‘Einzelgöttern‘ beeinflussen das Denken des Menschen, sondern eine Unzahl von “Besser-wissen-wollenden“ werben auf den Weltmarkt um ihre Gunst. In der Zeit nach der Aufklärung sollte die Vernunft des Menschen den Pluralismus überwinden, indem behauptet wurde: Wer vernünftig denkt und handelt, macht es im ethischen Sinne richtig, als ob die Vernunft die Instinkte für das Richtige ersetzen könnte. So wurde die Vernunft zum neuen ‘Gott‘ erhöht ohne genau zu beschreiben, mit welchem Gott wir es zu tun haben und wo wir ihn bei uns zu finden haben. Der Begriff Vernunft sollte der Fähigkeit des Menschen vorbehalten bleiben, die ein bestimmtes Ziel mit höchstmöglicher logisch einsichtiger
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Konsequenz erreichen kann. An dem Ziel kann man erkennen, ob die Vernunft hier zum Wohle oder zum Unheil führt. Die Berufung auf die Vernunft hebt die Relativierung im Markt der Ideen nicht auf. Wenn der Mensch sich einig sein könnte, welches Ziel erreicht werden soll, dann kann dieses allerdings mit Hilfe der Vernunft gefunden werden. Der Pluralismus der Ideenwelt kann nach dem Niedergang der autokratischen Strukturen nur überwunden werden durch einen gemeinsamen Wunsch, ein gemeinsames Ziel. Der Vorschlag dieses ethischen Ansatzes ist; interkulturell anzuerkennende Regeln
vorzuschlagen, die zu dem Ziel führen können, dass alle Menschen in ihrer Entwicklungsgeschichte in sich tragen: Das optimale Leben und Überleben des Einzelnen und die Arterhaltung des Menschen. Wie dieses Ziel gemeinsam zu erreichen ist und wie die Menschen sich dies im Einzelnen vorstellen, ohne sich im Individualismus zu verlieren, muß in einem intensiven Dialog erarbeitet werden. Dieser ethische Ansatz möchte dazu einige Anregungen geben. Dabei wurde ein besondere Wert gelegt auf den Zusammenhang von Mensch und Gemeinschaft. Was die Gemeinschaftsrechte in Verbindung mit den Menschenrechten zu bedeuten haben, sollte heraus gearbeitet werden. Ein besonderes Anliegen dieses Vorschlages ist, das er interkulturell und international akzeptiert werden kann. Die Äußerungen Jesus zu dem Thema sollten nicht religiös verstanden werden. Sie sind aber in der vom Christentum beeinflußten Welt darum bedeutend, weil sie ein Initiator einer im diesem Sinne wichtigen Kultur sind und trotzdem als einen ganz allgemein nicht zu übergehenden, der Vernunft nicht widersprechenden Ratschlag für eine interkulturelle Ethik angenommen werden könnten. Es mag ungewöhnlich sein, dass bei diesem Vorschlag von dem Selbsterhaltungstrieb der biologischen Lebewesen als Motor für das richtige Handeln ausgegangen wird. Dabei wird zwischen Mensch und andere biologische Lebewesen keinen Wesensunterschied gemacht. Die Anregung zu diesem Ansatz bekam ich durch das Buch von Professor Dr.. Rupert Riedl mit dem Titel: Biologie der Erkenntnis. In diesem Buch werden sehr einsichtig wissenschaftlich fundiert die stammesgeschichtlichen Grundlagen der Vernunft dargestellt und nachgewiesen. Damit folge ich vollständig der Position von Rupert Riedl. Zitat aus dem Vorwort: „ Unsere Position unterscheidet sich also insofern grundsätzlich von der, welche die philosophische Erkenntnistheorie einnimmt, als die Grundlage der Vernunft nicht nur aus ihren eignen Prinzipien erschlossen werden, sondern durch eine vergleichend stammesgeschichtliche Erforschung aller Erkenntnisprozesse. Damit ist der Gegenstand der
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Untersuchung nicht mehr mit dem erkennenden Subjekt >identisch<, sondern befindet sich in der Hauptsache außerhalb desselben; und die Methode bleibt bei der vergleichenden Naturwissenschaft. Auf diese Weise wird jene Beschränkung vermieden, die entstehen muß, wenn sich die rationale Vernunft aus sich allein begründen soll.“. Riedl nennt die Erkenntnisse und Veränderungen, die sich aufgrund des Überlebenstrieb der Arten entwickelt haben, die unbewußte Vernunft der Natur, die dem ethischen Apriori bei Kant gleichzusetzen sei. Wenn diese unbewußte Vernunft der Natur durch die erweiterten Reflexionsmöglichkeit der menschlichen Art eine Ergänzung erfährt durch die Fähigkeit des erweiterten Denkvermögens, dann kann das ein Vorteil für den Menschen sein, wenn er dem Prinzip der Arterhaltung folgt und seine Vernunft danach ausrichtet. Dieser Ansatz des Denkens scheint mir bei einer interkulturellen Ethik die einzig mögliche Weg zu sein, um zu einer gemeinsamen von einer Weltanschauung freien Grundlage der Erkenntnis zu kommen.
Die Menschenrechte mit den Ergänzungsvorschlägen für die Gemeinschaftsrechte Artikel 1
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.
Artikel 1 Ergänzung
Jeder Mensch hat Anspruch darauf, das er innerhalb seiner Gemeinschaft ein den Bedingungen entsprechendes optimales Leben haben kann. Weder ein andere Mensch noch ein menschliche Gemeinschaft darf ihm die Erfüllung seiner Grundbedürfnisse verhindern, es sei denn notwendig Maßnahmen der Gemeinschaft, die das Leben der Gemeinschaft erforderlich machen, erfordern eine Einschränkung. Zum Leben des Menschen ist das Leben der Gemeinschaft in die und von der der Mensch lebt (also Lebensgemeinschaft) so notwendig wie die persönlichen Bedürfnisse..
So wie der einzelne Mensch hat auch jede anerkannte Lebensgemeinschaft ein Anspruch auf den natürlichen Bedingungen entsprechenden optimale Lebensgrundlagen.
Jede Lebensgemeinschaft hat Anspruch auf die notwendigen Zuwendungen von seinen Mitglieder , die je nach Möglichkeit zu leisten sind. Jeder Mensch ist ein Teil einer bestimmten kleineren und übergeordneten Gemeinschaft bis hin zur Weltgemeinschaft und ist somit mitverantwortlich, dass die Aufgaben zur Selbsterhaltung der menschlichen Art erfüllt und nicht zerstört wird.
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Die jeweilige Leitung der Gemeinschaft ist für das Wohl der Gemeinschaft verantwortlich Die kleinen Lebensgemeinschaften haben ein Recht auf die Mitgliedschaft einer jeweils übergeordnete Lebensgemeinschaft.
Jede Gemeinschaft hat das Recht auf ein eigenes Leben. Sie hat ein Anrecht auf Schutz und Sicherheit. Sie hat das Anrecht auf Eigentum, dass aus dem Eigentum seiner Mitglieder ergibt und das die Mitglieder der Leitung zur Bewältigung seiner Aufgaben teilweise anvertraut. Da wo die menschlichen Gemeinschaften aufeinander angewiesen sind, hat jede Gemeinschaft die Aufgabe alles zu unternehmen, damit die gemeinsamen Grundlagen für das menschliche Leben erhalten bleibt. Die Leitung der Weltgemeinschaft hat die Aufgabe dafür zu sorgen, dass das Leben in dieser Welt erhalten bleiben kann. Die Mitglieder der verschiedenen Gemeinschaften müssen sich über die Regeln einigen und dürfen einander nur so weit belasten, wie das optimale Leben der Menschen innerhalb dieser Gemeinschaften noch ermöglicht werden kann. Die kleineren Lebensgemeinschaften sind verpflichtet den jeweils übergeordneten Gemeinschaften bis zur Weltgemeinschaft einen angemessenen Beitrag für die Erhaltung der menschlichen Art zu leisten.
Artikel 2
Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte
und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse,
Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger
Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt
oder sonstigem Stand.
Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der
politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder
Gebietes, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses
unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung
besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.
Artikel 2 Ergänzung
Jedermann und jede friedliche und anerkannte Lebensgemeinschaft hat Anspruch auf in dieser Erklärung proklamierten Rechte und Freiheiten. Dies gilt unabhängig von irgendeiner Unterscheidung in, Rasse, Religion, Weltanschauung und sonstigen unterschiedlichsten Voraussetzungen. Vor diesem Recht ist jeder Mensch und jede menschliche Gemeinschaft gleich. Auch die unterschiedliche Kultur der Menschen und die Struktur der Gemeinschaften haben Anspruch auf diese Rechte, wenn sie selbst die eigenen und die der anderen Rechte nicht verletzten.
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Artikel 3
Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.
Artikel 3 Ergänzung.
Jeder Mensch hat ein Anrecht auf ein Leben, in dem er das erwerben oder erhalten kann, was zu seinem körperlichen und seelischen Wohlbefinden, seinem wahren gesunden Leben notwendig ist. Der Mensch ist angewiesen auf ausreichender körperlicher Ernährung, Wärme, Schutz und Bewegung sowie seelische und geistige Ernährung. Grundbedürfniss ist demnach eine Ernährung (körperlich, geistig und seelisch), die der Mensch braucht um ein für ihn gesundes Leben zu erhalten. Für jeden Einzelnen muß die Möglichkeit bestehen, sich ausreichend körperlich, geistig und seelisch zu ernähren, wenn nicht von Menschen nicht zu ändernden Bedingungen dies einschränken. Zu der Lebenserhaltung des Menschen ist die Erhaltung der Gemeinschaft in die und von der der Mensch lebt so notwendig wie die persönliche Selbsterhaltung.. Artikel 4
Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel in allen ihren Formen sind verboten. Artikel 5
Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden. Artikel 6
Jeder hat das Recht, überall als rechtsfähig anerkannt zu werden.
Artikel 7
Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. Alle haben Anspruch auf gleichen Schutz gegen jede Diskriminierung, die gegen diese Erklärung verstößt, und gegen jede Aufhetzung zu einer derartigen Diskriminierung.
Artikel 7 Ergänzung
Alle Menschen und die Lebensgemeinschaften, in denen und von denen die Menschen Leben, haben den gleichen Anspruch innerhalb der Menschenrechte. Allen steht das Recht zu, vor Diskriminierung geschützt zu werden. Artikel 8
Jeder hat Anspruch auf einen wirksamen Rechtsbehelf bei den zuständigen innerstaatlichen Gerichten gegen Handlungen, durch die
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seine ihm nach der Verfassung oder nach dem Gesetz zustehenden Grundrechte verletzt werden.
Artikel 8 Ergänzung
Jedermann und jede Lebensgemeinschaft hat Anspruch auf Rechtsbeihilfe bei den zuständigen Gerichten, entsprechend den dort vorliegenden Rechtsgrundlagen. Keine Lebensgemeinschaft darf zerstört werden. Der Gemeinschaft muss die Freiheit zur eignen Entscheidungen gebilligt werden, soweit sie nicht andere Lebensgemeinschaft bis hin zu Gemeinschaft aller Menschen schädigt oder sogar zerstört. Artikel 9
Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes verwiesen werden. Artikel 10
Jeder hat bei der Feststellung seiner Rechte und Pflichten sowie bei einer gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Beschuldigung in voller Gleichheit Anspruch auf ein gerechtes und öffentliches Verfahren vor einem unabhängigen und unparteiischen Gericht.
Artikel 11
1. Jeder, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, hat das Recht, als unschuldig zu gelten, solange seine Schuld nicht in einem öffentlichen Verfahren, in dem er alle für seine Verteidigung notwendigen Garantien gehabt hat, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.
2. Niemand darf wegen einer Handlung oder Unterlassung verurteilt werden, die zur Zeit ihrer Begehung nach innerstaatlichem oder internationalem Recht nicht strafbar war. Ebenso darf keine schwerere Strafe als die zum Zeitpunkt der Begehung der strafbaren Handlung angedrohte Strafe verhängt werden.
Artikel 11 Ergänzung
Lebensgemeinschaften die einer strafbare Handlungen beschuldigt werden, gilt das gleiche Recht wie bei dem einzelnen Mensch.
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Artikel 12
Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.
Artikel 12 Ergänzung
Kein Mensch und keine Lebensgemeinschaft.............. Artikel 13
1. Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen.
2. Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren. Artikel 14
1. Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.
2. Dieses Recht kann nicht in Anspruch genommen werden im Falle einer Strafverfolgung, die tatsächlich auf Grund von Verbrechen nichtpolitischer Art oder auf Grund von Handlungen erfolgt, die gegen die Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen verstoßen. Artikel 15
1. Jeder hat das Recht auf eine Staatsangehörigkeit.
2. Niemandem darf seine Staatsangehörigkeit willkürlich entzogen noch das Recht versagt werden, seine Staatsangehörigkeit zu wechseln. Artikel 16
1. Heiratsfähige Männer und Frauen haben ohne jede Beschränkung auf Grund der Rasse, der Staatsangehörigkeit oder der Religion das Recht, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Sie haben bei der Eheschließung, während der Ehe und bei deren Auflösung gleiche Rechte.
2. Eine Ehe darf nur bei freier und uneingeschränkter Willenseinigung der künftigen Ehegatten geschlossen werden.
3. Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.
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Artikel 16 Ergänzung
Jede Lebensgemeinschaft hat das Recht innerhalb einer übergreifenden Lebensgemeinschaft als Teil mit allem ihm zustehenden Rechten anerkannt zu werden. Jedermann kann mit anderen Menschen eine feste und verbindliche Lebensgemeinschaft bilden, die nach eignen Regeln innerhalb der Gemeinschaft mit Einverständnis der Mitglieder leben wollen. Die Bindung oder Lösung von dieser Gemeinschaft muss jedem einzelnen vorbehalten bleiben.
Artikel 17
1. Jeder hat das Recht, sowohl allein als auch in Gemeinschaft mit anderen Eigentum innezuhaben.
2. Niemand darf willkürlich seines Eigentums beraubt werden. Ergänzung Artikel 17,2 Kein Mensch und keine Lebensgemeinschaft darf......... Artikel 18
Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen. Artikel 19
Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten. Artikel 20
1. Alle Menschen haben das Recht, sich friedlich zu versammeln und zu Vereinigungen zusammenzuschließen.
2. Niemand darf gezwungen werden, einer Vereinigung anzugehören. Artikel 21
1. Jeder hat das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter mitzuwirken.
2. Jeder hat das Recht auf gleichen Zugang zu öffentlichen Ämtern in seinem Lande.
3. Der Wille des Volkes bildet die Grundlage für die Autorität der öffentlichen Gewalt; dieser Wille muß durch regelmäßige,
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unverfälschte, allgemeine und gleiche Wahlen mit geheimer Stimmabgabe oder einem gleichwertigen freien Wahlverfahren zum Ausdruck kommen. Artikel 22
Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuß der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind. Artikel 23
1. Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit. „Jedermann hat Recht auf Arbeit“ sollte gestrichen werden, da es keine Adresse gibt, bei der das Recht eingefordert werden kann. Keine Lebensgemeinschaft, also auch kein Staat oder Wirtschaftsgemeinschaft kann für das Recht einstehen.
1 Jedermann hat der Recht sich nach eigenen Interessen zu beschäftigen. Die Möglichkeit hierzu sollte gewährt werden. Kein Mensch darf daran gehindert werden, seinen Beruf frei wählen zu dürfen. Jedermann hat das Recht auf befriedigende und angemessene Arbeitsbedingungen
2. Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit. 23,2 sollte gestrichen werden
3. Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung oder andere Zuwendung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.
4. Jeder hat das Recht, zum Schutze seiner Interessen Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten.
Artikel 23 Begründung für die vorgeschlagenen Änderungen
Ein Schutz vor Arbeitslosigkeit kann man vom Staat nicht erwarten, da er selbst nur ein kleiner Arbeitgeber ist. Ihm ist nicht zuzumuten, die Gemeinschaft mit Steuern zu belasten, um unnötige Arbeit finanzieren zu können. Auch von der Wirtschaft kann nicht gefordert werden, dass sie Arbeitskräfte bezahlt, die sie auf Grund veränderter Produktmöglichkeiten nicht mehr braucht.
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Das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit kann ebenfalls nicht als Menschenrecht gefordert werden. Bei diesem Recht müßte in die Freiheit des Arbeitgebers eingegriffen werden, der auch mit Recht auf die Erhaltung seines Betriebes, seines eigenen Vermögens achten kann oder sogar muß und dabei möglicherweise gleiche Arbeit unterschiedlich besolden will. Da die unterschiedlich Bezahlung von gleicher Arbeit nicht dazu führt, dass die Erhaltung eines gesunden Lebens des Einzelnen oder der Gemeinschaft ernsthaft in Gefahr ist, kann es auch nicht durch die Menschenrechte gefordert werden. Auch die Forderung nach gerechten Lohn oder sogar günstige Entlohnung kann nicht zu den Menschenrechten gerechnet werden. (Wenn jeder Arbeitgeber ob Staat, Wirtschaft, Kirche usw. usw., der keinen angeblich gerechten Lohne auszahlt, angeklagt würde, dass er die Menschenrechte verletzt habe, dann müßten die Bänke derer, die die Menschenrechte verletzt haben, überbesetzt sein.) Der gerechte Lohn muss erkämpft werden und dies geschieht nur durch Kräfte, die jeweils so viel Macht und so viel Eigenkapital in Form von Arbeit haben, dass der Tarifpartner einem bestimmten Abschluß zustimmen muss. Diesen Kampf zu ermöglichen und sogar zu unterstützen sollte Aufgabe einer jeden größeren umfassenderen Lebensgemeinschaft sein. Artikel 24
Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub. Artikel 25
1. Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.
2. Mütter und Kinder haben Anspruch auf besondere Fürsorge und Unterstützung. Alle Kinder, eheliche wie außereheliche, genießen den gleichen sozialen Schutz. Artikel 26
1. Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich, zum mindesten der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch. Fach- und Berufsschulunterricht müssen allgemein verfügbar gemacht werden, und der Hochschulunterricht muß allen gleichermaßen entsprechend ihren Fähigkeiten offenstehen.
2. Die Bildung muß auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den
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Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein. Sie muß zu Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen und allen rassischen oder religiösen Gruppen beitragen und der Tätigkeit der Vereinten Nationen für die Wahrung des Friedens förderlich sein.
2. Die Eltern haben ein vorrangiges Recht, die Art der Bildung zu wählen, die ihren Kindern zuteil werden soll.
Artikel 27
1. Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.
2. Jeder hat das Recht auf Schutz der geistigen und materiellen Interessen, die ihm als Urheber von Werken der Wissenschaft, Literatur oder Kunst erwachsen. Artikel 28
Jeder hat Anspruch auf eine soziale und internationale Ordnung, in der die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten voll verwirklicht werden können. Artikel 29
1. Jeder hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, in der allein die freie und volle Entfaltung seiner Persönlichkeit möglich ist.
2. Jeder ist bei der Ausübung seiner Rechte und Freiheiten nur den Beschränkungen unterworfen, die das Gesetz ausschließlich zu dem Zweck vorsieht, die Anerkennung und Achtung der Rechte und Freiheiten anderer zu sichern und den gerechten Anforderungen der Moral, der öffentlichen Ordnung und des allgemeinen Wohles in einer demokratischen Gesellschaft zu genügen.
3. Diese Rechte und Freiheiten dürfen in keinem Fall im Widerspruch zu den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen ausgeübt werden. Artikel 30
Keine Bestimmung dieser Erklärung darf dahin ausgelegt werden, daß sie für einen Staat, eine Gruppe oder eine Person irgendein Recht begründet, eine Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung zu begehen,
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welche die Beseitigung der in dieser Erklärung verkündeten Rechte
und Freiheiten zum Ziel hat.
Quote paper:
Pfarrer Hanns Lutze, 2007, Der wahre und gesunde Mensch, Munich, GRIN Publishing GmbH
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DOI
Familie und gesellschaftliche Differenzierung
Presentation (Handout), 4 Pages
Ein kurzer Überblick
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 16 Pages
Günter Gladis now follows Der wahre und gesunde Mensch
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Hanns Lutze has uploaded a new text
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