Was unter Propaganda zu verstehen ist, dafür gab es in der Vergangenheit und gibt es auch heutzutage mehrere Definitionsversuche. Der Begriff ist mittlerweile im alltäglichen Sprachgebrauch meist negativ konnotiert (ebenso wie Agitation, Indoktrination) und wird oft mit politischen Manipulationen in Verbindung gebracht, was wohl auf den Zweiten Weltkrieg zurückzuführen ist, wo er zu einem politischen Kampfbegriff wurde (vgl. Bussemer 2005, S. 15). Er hat seinen Ursprung im lateinischen Verb „propagare“, was soviel wie „erweitern“, „ausdehnen“, „fortpflanzen“ bedeutet (vgl. Klosa et al. 2001, S. 1246) und fand Eingang in die Sprache durch den Namen einer päpstlichen Organisation vom 17. Jahrhundert, die die Missionierung und Verbreitung des Christentums vorantrieb „Sacra congregatio de propaganda fide“, d. h. „zur Verbreitung des Glaubens“. Ursprünglich hatte der Begriff also keinen negativen Unterton (vgl. Kołtunowski 1995, S. 179ff.). Propaganda meint nach dem heutigen Sprachgebrauch im weitesten Sinne die Beeinflussung der öffentlichen Meinung, mit dem Zweck, menschliche Aktionen zu lenken bzw. zu manipulieren. Man bringt den Begriff in Verbindung mit der Verbreitung vor allem politischer und weltanschaulicher Ideen und Meinungen, die das Ziel haben, das allgemeine Bewusstsein in bestimmter Weise zu beeinflussen, einen bestimmten Adressatenkreis durch In-formationslenkung für eigennützige Zwecke zu gewinnen und diese Zwecke zugleich zu verschleiern. Propaganda hängt also eng mit der politischen Welt zusammen, ist ein wichtiger und untrennbarer Bestandteil des politischen Planens und Handelns. Sie wird in politische Handlungen einbezogen und trägt zweifelsohne zur Manipulation der Wahrnehmung und des Verhaltens des Volkes, um bei diesem eine Reaktion auszulösen, welche der Intention des Propagandisten entspricht (vgl. Szulczewski 1972, S. 72). Die Propagandasprache weist einige typische Merkmale auf und bedient sich bestimmter Techniken, die zur einheitlichen Ausrichtung des Volkes in allen politischen Fragen eingesetzt werden können. Zu verstehen darunter sind z. B. hohe Emotionalität der Sprache, Überredung, Täuschung, Tabuisierung bestimmter Themen, Fatalisierung, pathetische Aussagen, Überhöhungen, starke Vereinfachungen, Wortneuschöpfungen, Erzeugung von Vorurteilen, negative Darstellung der Gegner, formalisierte Sprache (vgl. Straßner 1987, S. 43; vgl. Wojtasik 1973, S. 156ff.).
Wenn von Propagandaverbreitung die Rede ist, soll parallel auch Medienmanipulation genannt werden, die ein bestehendes Phänomen ist. Den Medien, die zu den größten Manipulationsfeldern der neuesten Geschichte gehören, wird berechtigt eine umfassende, bestimmende Rolle im politischen Entscheidungsprozess zugeschrieben (vgl. Mackensen 1973, S. 7).
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Die modernen technischen Errungenschaften ließen die Welt immer mehr zu einem einheitlichen Nachrichtenraum werden. Durch die modernen Massenmedien (damit sind vor allem Zeitungen, Rundfunk und Film gemeint) kann die Propaganda schnell verbreitet werden. Mit Hilfe der Massenkommunikationsmittel können Millionen von Menschen ohne zeitlichen Verzug und nahezu an beliebigen Orten die gleiche Nachricht empfangen. Die größeren technischen Möglichkeiten stellen zugleich die Grundlage größerer politischer Wirkungsmöglichkeiten dar, sowohl im positiven, wie auch im negativen Sinne. Über den Inhalt und die Richtung der Mediennutzung entscheidet generell das jeweils herrschende System. In der jüngsten Vergangenheit entwickelten sie sich stürmisch und haben heutzutage eine außerordentlich große Bedeutung bei der ideologischen und politischen Beeinflussung der Massen (vgl. Klaus 1972, S. 19).
Es sei darauf hingewiesen, dass Diktaturen keine subtile Medienmanipulation betreiben. Ihre Gleichschaltung, also gleichsinnige Gestaltung, wirkt dabei besonders effektiv. Gesteuerte Kommunikation tritt eben gewöhnlich in solchen politischen Systemen auf, in denen alle sozialen und wirtschaftlichen Institutionen erklärtermaßen den Interessen einer Partei oder einer Gruppe unterworfen sind. Totalitäre Systeme manipulieren bewusst Sprache und Denken mittels Kontrolle der Bildungseinrichtungen und Massenmedien (vgl. Straßner 1987, S. 48).
Zeitungen, Illustrierte, Rundfunk, Fernsehen, Plakate, Kino und andere Medien vermitteln den Empfängern eine Häufung von unterschiedlichsten Botschaften. Einige davon sind selbstverständlich ganz harmlos und unschädlich, wenn sie ausschließlich der Unterhaltung dienen. Es können aber Bedenken auftauchen, wenn über die Massenmedien geworben wird und wo politische Informationen durchaus in manipulatorischer Absicht zusammengestellt werden. Besonders deutlich wird die Manipulation in Ländern mit staatlich gelenkten Medien, wie es im Dritten Reich der Fall war (vgl. Lay 1977, S. 268). In den Medien kann also vielerlei mit der Sprache manipuliert werden: durch Auswahl dessen, was man bringt, dann durch die Art und Weise, wie man es bringt (an welcher Stelle, wie ausführlich, in welchem Zusammenhang), und schließlich durch die Diktion, das heißt, wie man es sprachlich formuliert. So verstellte Informationen sollen beim Rezipienten eine bestimmte Sicht politischer Abläufe anregen und ihn zu entsprechendem Verhalten veranlassen (vgl. Mackensen 1973, S. 162).
Propaganda und Gewalt galten den Nationalsozialisten als der Schlüssel zur Macht und als das eigentliche Herrschaftsmittel. Propaganda war der wichtigste Faktor, der die Nati-
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onalsozialisten bis ins Jahr 1945 an der Macht hielt. Das nationalsozialistische Regime produzierte mit Hilfe einer zentral gesteuerten, reibungslos funktionierenden Maschinerie, die meist mit der Person Joseph Goebbels verbunden wird, nahezu perfekte Propaganda und erzeugte mit ihrer Hilfe politisch nützliche Stimmungen und Einstellungen. Die beiden Faktoren prägten spezifische Formen und Möglichkeiten nationalsozialistischer Politik, waren dabei stets präsent und vielfältig miteinander verbunden. So sollte Propaganda nicht nur Anhänger mobilisieren und formen, sondern auch Widerspenstige disziplinieren oder Gegner paralysieren. Dazu war sie auf Gewalt angewiesen - die Gewalt öffnete und erweiterte Kommunikationsräume und Wirkungspotentiale für Propaganda (vgl. Jockheck 2006, S. 9f.). Propaganda war immer ein unverzichtbares Mittel der Politik. Zu den Politikern, die es begierig aufgriffen, zählte Adolf Hitler, der der Kriegspropaganda sogar ein eigenes Kapitel in seinem Buch „Mein Kampf“ widmete. Propaganda erschien ihm als ein geeignetes Instrument, um die Vor- und Nachkriegsordnung im Inneren wie nach außen anzugreifen und wurde zur rücksichtslosen Waffe, deren Ziel es war, nicht zu informieren, sondern die deutsche Gesellschaft in allen Lebensbereichen zu erfassen und ideologisch zu indoktrinieren (vgl. Jockheck 2006, S. 22).
Von Anfang an war die Propaganda ein wichtiges Werkzeug des nationalsozialistischen Regimes. Ursprünglich diente sie der Durchsetzung der NS-Politik und somit der Machtübernahme, später sollte sie auch der Machterhaltung und der Vorbereitung der Massen auf den zu führenden Krieg dienen. Das Regime strebte eine Monopolstellung in der öffentlichen Kommunikation an, und der erste Schritt war die Gründung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda am 13. März 1933. Der neue Minister, Joseph Goebbels, war zugleich weiterhin Reichspropagandaleiter der NSDAP. Das neu gegründete Ministerium umfasste die Abteilungen Presse, Rundfunk, Film, Theater und Volkserziehung (vgl. Frei 1996, S. 243).
Die Propagandamaschine lief auf Hochtouren und nichts schien den Siegeszug der Nationalsozialisten mehr aufhalten zu können. Nie vorher hatte eine Regierung so effizient die Gleichschaltung von Massenkommunikationsmitteln betrieben. Sämtliche Medien wurden vereinnahmt, und Goebbels, einer der größten Demagogen des 20. Jahrhunderts, der die Pro-paganda immer als Kunst betrachtete und sich als Meister dieser Disziplin fühlte, baute sein Ministerium zu einem Instrument aus, das nichts anderes war, als ein Mittel zur Verführung und Manipulation von Massen. Seine präzisen Anweisungen über die Behandlung politischer, wirtschaftlicher oder auch künstlerischer Themen sicherten zusammen mit entsprechendem
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Druck auf die Journalisten die einheitliche und zugleich perfekte Lenkung der veröffentlichten Meinung (vgl. Straßner 1987, S. 45).
Die Praxis der geschickten Propaganda war kein zufälliges Nebenprodukt der Politik des Dritten Reiches, sondern eines ihrer wichtigsten Felder. Technisch zeichnete sich die NS-Propaganda dadurch aus, dass sie die zu dieser Zeit neuen Medien wie Presse und Rundfunk nutzte und sich an die breite Masse richtete. Ihre Durchschlagskraft beruhte nicht auf den Argumentationen, sondern auf dem Appell an die Emotionen (vgl. Frei 1996, S. 146). Die Sprache repräsentierte eines der wichtigsten Werkzeuge der nationalsozialistischen Propaganda. In den Massenmedien präsentierte propagandistische Sprache eine Form der erfolgsorientierten Kommunikation. Die Nationalsozialisten wussten, wie wichtig es für ihre Diktatur war, sich ein solides Volk heranzuziehen, das ihnen gehorchte und ihre Weltanschauung nachahmte. Propaganda und Gewalt waren dabei die zentralen Instrumente, das gesamte öffentliche Leben der Regie der Partei zu unterwerfen, um das eigene System zu installieren, den Andersdenkenden die Stimme zu nehmen und sie mit ihren Ideen zu durchtränken, ohne dass man es überhaupt merkte (vgl. Schmitz-Berning 1998, S. 475f.). Die totalitäre Propaganda musste somit als eine ideologische Überwältigung des Menschen anerkannt werden. Das Ziel der NS-Propaganda war, dass sich das Volk dem Machtanspruch des Systems nicht unter dem Druck des Terrors unterwirft, sondern diesen aus innerer Zustimmung, also selbstgewollt bejaht. Die politische Sprache und die Sprache der Propaganda dienten also in erster Linie nicht der sprachlichen Formulierung der Aussagen und Informationen, sondern der Beeinflussung des Bewusstseins der Menschen, an die sie sich wenden, und zwar mit dem Ziel, diese zu einer bestimmten Verhaltensweise zu veranlassen bzw. die Wahrscheinlichkeit einer solchen Verhaltensweise zu vergrößern (vgl. Wojtasik 1973, S. 37). Die wichtigste Methode der Propa-ganda war die der Selektion aus einer Fülle Nachrichtenmaterial nach der Regel: „Verlange vom Publikum das Minimum an geistiger Anstrengung. Deshalb bedarf es des starken Pathos in der Aussageweise, des Superlativischen, der sprachlichen Verkürzung, der stereotypen Formeln, der Banal-, Trivial- und Leerformeln, der Klischees, der Schlagwörter, der Slogans usw.“ (Straßner 1987, S. 47)
Der Nationalsozialismus, der zwölf Jahre lang seine totale Macht ausübte, wirkte tiefer und nachhaltiger auf die deutsche Sprache als jede andere politische Partei ein. Er übernahm Übersteigerungen der Werbesprache, gebrauchte sportliche, soldatische und politische Wörter, trieb den Prozess der Entmenschlichung der Sprache voran, indem er Sachbegriffe auf Menschen anwandte (vgl. Mackensen 1971, S. 210). Dies kam zum Ausdruck u. a. in den von
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Radoslaw Lis, 2009, Propaganda im Generalgouvernement. Die NS-Besatzungspresse in Polen 1939-1945, München, GRIN Verlag GmbH
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