Zwei Autoren, zwei verschiedene Darstellungen, viele Überschneidungen und Parallelen, jedoch verschiedene Resultate: Das ist wohl das Ergebnis meiner Untersuchung. Eine sehr wichtige Rolle spielt bei beiden der freie Wille, die Geschichten funktionieren nach dem Prinzip „Jeder kriegt, was er verdient“ und transportieren einen moralischen Anspruch, sind Appelle an ewige Werte wie Liebe, Treue, Frömmigkeit, Toleranz und fordern auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit. Jede Figur hat zwei Seiten, so ist es auch mit Pygmalion, bei Ovid lernen wir den „guten“, begünstigten kennen, bei Updike den ethisch eher verwerflichen, der dementsprechend von einer höheren Macht bestraft wird. Die Geschichten vermitteln also eine Hoffnung auf die Wahrwerdung von Träumen und zeigen gleichzeitig, dass man selbst aktiv dazu beitragen kann. Aber die endgültige Entscheidung und Macht liegt bei den Göttern und wir dürfen uns nicht anmaßen, in ihre Schöpfungspläne eingreifen zu wollen. „Pygmalion“ wird aufgrund dieses immer aktuellen Stoffes weiter verwertet und verändert werden, weil er uns wie wenig andere Geschichten durch seine Vielseitigkeit fasziniert, und wir uns wohl alle auf die ein oder andere Weise mit ihm identifizieren können.
Inhaltsverzeichnis
1. Interpretation des Ovidtextes
2. Begründung der Auswahl
3. Interpretation des `Pygmalion` von John Updike
4. Vergleich beider Texte
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die antike Pygmalion-Erzählung Ovids mit der modernen Kurzgeschichte von John Updike, um die unterschiedlichen moralischen, psychologischen und gesellschaftlichen Implikationen beider Texte herauszuarbeiten und die Wandlung des Mythos zu beleuchten.
- Analyse der klassischen Ovid-Vorlage und ihrer zentralen Motive
- Untersuchung von John Updikes moderner Interpretation des Mythos
- Gegenüberstellung der Rollenbilder und Beziehungsdynamiken
- Kritik am modernen amerikanischen Lifestyle und gesellschaftlichen Konventionen
- Reflexion über die Themen Liebe, Selbstbestimmung und menschliche Unvollkommenheit
Auszug aus dem Buch
Pygmalion – ein Textvergleich
Pygmalion hat die Frauenwelt satt. Er hält das weibliche Geschlecht für verbrecherisch und bleibt daher ehelos. Jedoch ist er ein geschickter Bildhauer und schafft mit eigener Hand die Statue eines wunderschönen Mädchens, in die er sich prompt verliebt. Er beschenkt und bekleidet sie, küsst sie und meint, sie erwidere seine Küsse. Jedoch ist dies alles nur Täuschung, sie ist und bleibt unbelebtes Elfenbein – bis zum Feiertag der Venus: Pygmalion opfert und bittet die Göttin der Liebe und Schönheit indirekt, seinem Mädchen Leben einzuhauchen. Und das Wunder geschieht, sie wird lebendig, die beiden heiraten mit dem Segen der Göttin und die ehemalige Statue gebiert neun Monate später Paphos, „de qua tenet insula nomen“, von welcher die Insel ihren Namen erhält.
Diese ungewöhnliche Liebesgeschichte mit Happyend findet sich in Ovids `Metamorphosen`, einer antiken Sammlung von über 250 Verwandlungsgeschichten, wie z.B. Daidalos und Ikaros, Pyramus und Thisbe, Orpheus und Eurydice u.v.m. Über den Autor selbst wissen wir vor allem das, was in seiner Autobiographie (Tristia IV 10) geschrieben steht: Er wurde am 20. März 43 v. Chr. in Sulmo geboren, ist dem italienischen Landadel angehörig und studiert und lebt trotz der Liebe zu seiner Heimat in Rom.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Interpretation des Ovidtextes: Dieses Kapitel analysiert die antike Sage des Bildhauers Pygmalion und die Rolle der Göttin Venus bei der Belebung der Statue im Kontext von Frömmigkeit und Liebe.
2. Begründung der Auswahl: Hier wird dargelegt, warum die Kurzgeschichte von John Updike aufgrund ihrer Modernität und Ambivalenz für den Vergleich ausgewählt wurde.
3. Interpretation des `Pygmalion` von John Updike: Dieses Kapitel untersucht Updikes Erzählung, in der der Pygmalion-Mythos in die moderne Zeit übertragen und als Gesellschaftskritik neu interpretiert wird.
4. Vergleich beider Texte: Hier werden die zentralen Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Werke herausgearbeitet, insbesondere im Hinblick auf die Beziehungsstruktur und das Motiv der Veränderung.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über den freien Willen, das Prinzip der Vergeltung und die moralischen Appelle der beiden Autoren.
Schlüsselwörter
Pygmalion, Ovid, John Updike, Metamorphosen, Mythos, Literaturvergleich, Liebe, Statue, Gesellschaftskritik, Moral, Selbstbestimmung, Emanzipation, Antike, Moderne, Beziehungsdynamik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die antike Pygmalion-Geschichte von Ovid mit einer modernen Kurzgeschichte von John Updike.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die literarische Adaption von Mythen, menschliche Beziehungsstrukturen, Moralvorstellungen und Gesellschaftskritik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Unterschiede in der Darstellung von Liebe und Veränderung zwischen dem antiken Original und der modernen Version aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine komparatistische Textanalyse angewandt, die sich auf den inhaltlichen Vergleich und die Interpretation der erzählerischen Motive stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Interpretation der beiden Texte und eine detaillierte Gegenüberstellung der Protagonisten und ihrer Intentionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Mythos, Liebe, Gesellschaftskritik, Statue, Ovid, Updike, Moral und Selbstbestimmung.
Wie unterscheidet sich Pygmalions Charakter bei Ovid von dem bei Updike?
Bei Ovid agiert er aus einer frommen und liebevollen Haltung heraus, während Updikes Pygmalion utilitaristisch und egoistisch handelt, was in einer scharfen Kritik mündet.
Welche Rolle spielt die Figur der Gwen in der modernen Fassung?
Gwen fungiert als moderne Entsprechung zur antiken Statue, wobei Updike ihre passive Rolle als gesellschaftskritischen Kommentar auf amerikanische Lebensweisen nutzt.
Wird im Vergleich zwischen den Werken ein Fazit gezogen?
Ja, die Autorin schließt mit der Erkenntnis, dass beide Texte zwar moralische Appelle enthalten, aber aufgrund ihrer unterschiedlichen Zeitkontexte zu sehr verschiedenen Ergebnissen führen.
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- Theresa Marx (Author), 2003, Mythos Pygmalion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121480