Danksagung
Unsere Abschlussarbeit ist vollendet, und wir wollen mehreren Personen für ihre Hilfe und Mitarbeit danken:
• Herrn Georges Hengesch, unser „patron de mémoire“, für seine Anregungen, Hilfestellungen.
• Frau Maggy Wiltzius und Herrn Pierre Krack, respektiv ihren jeweiligen Klassen, für ihre verständnisvolle und kooperative Mitarbeit.
• Herrn Ney für seine Zuvorkommenheit und interessanten Erklärungen.
• Herrn Strauss für seine Erklärungen über die Gesetzgebung.
• Unsern Eltern für ihre tatkräftige Mithilfe.
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Inhaltsverzeichnis
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I. Theoretischer Teil
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Einleitung 7
1. Veränderte Kindheit 9
1.1. Veränderung der kindlichen Lebens- und Zeiträume 9
1.2. Veränderung der Kindheit durch Medien 11
1.3. Kinder in einer Vielfalt der Kulturen 11
1.4. Veränderung der Konzentrationsfähigkeit der Kinder 12
2. Forderungen an die Schule 13
2.1. Allgemeine Überlegungen 13
2.2. Unterrichtskonzepte und -prinzipien 16
2.2.1. Anschauungsunterricht und Realbegegnung 16
2.2.2. Ganzheitliches Lernen 17
2.2.3. Handlungsorientiertes (handelndes) Lernen 18
2.2.4. Soziales Lernen 19
2.2.5. Problemorientiertes Lernen 20
2.2.6. Schülerorientiertes Lernen 20
2.2.7. Situatives Lernen 21
2.3. Schlussfolgerung 22
2.4. Der Lehrplan 22
3. Außerschulische Lernorte 25
3.1. Definition 25
3.2. Begriffliche Hinweise zum Thema „außerschulisches Lernen“ 25
3.3. Begründung außerschulischen Lernens 27
3.3.1. Anschauungsunterricht (Realbegegnung) am außerschulischen Lernort 27
3.3.2. Ganzheitliches Lernen am außerschulischen Lernort 27
3.3.3. Handlungsorientiertes (handelndes) Lernen am außerschulischen Lernort 28
3.3.4. Soziales Lernen am außerschulischen Lernort 28
3.3.5. Schülerorientiertes Lernen am außerschulischen Lernort 29
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3.3.6. Situatives Lernen am außerschulischen Lernort 29
3.3.7. E ntdeckendes Lernen am außerschulischen Lernort 29
3.3.8. Anwendung von Arbeitsweisen und -techniken 29
3.4. Anforderungen an außerschulische Lernorte oder Kriterien eines geeigneten
außerschulischen Lernortes 30
3.5. Der außerschulische Lernort und seine Bedeutung für den Geographieunterricht 31
4. Leitlinien für Planung und Organisation: Was muss bedacht werden? 33
4.1. Didaktisch-methodische Überlegungen 33
4.1.1. Lehrplanbezug 33
4.1.2. Der didaktische Ort außerschulischen Lerne ns 33
4.1.2.1. Der Unterrichtsgang zu Beginn der Unterrichtseinheit 33
4.1.2.2. Der Unterrichtsgang innerhalb einer Unterrichtseinheit 34
4.1.3. Methodisches Vorgehen und Schüleraktivitäten 34
4.1.3.1. Mögliche Aktivitäten in der Vorbereitungsphase 34
4.1.3.2. Mögliche Aktivitäten in der Durchführungsphase 36
4.1.3.3. Mögliche Aktivitäten in der Nachbereitungsphase 39
4.2. Rolle des Lehrers 41
4.3. Administrative Voraussetzungen und Haftungsfrage 42
4.4. Sicherheits- und Vorsichtsmaßnahmen 43
4.4.1. Information der Eltern 43
4.4.2. Transport 44
4.4.3. Verhaltensregeln laut „Code de la route populaire“ 44
4.4.4. Medizinische Versorgung 45
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II. Praktischer Teil 46
1. Möglichkeiten außerschulischen Lernens im Geographieunterricht des Obergrades 47
2. Stadt-Rallye 58
2.1. Zur Wahl dieses außerschulischen Lernens 58
2.2. Vorbereitende Maßnahmen 59
2.2.1. Festlegen der Route und Stationen 59
2.2.2. Sacha nalyse der einzelnen Stationen 63
2.2.3. Abschließende Vorbereitungen 69
2.3. Vorbereitungsphase 70 2.3.1. Lernziele 71 2.3.2. Unterrichtsverlauf 71 2.3.3. Kommentar 72
2.4. Durchführungsphase 74 2.4.1. Lernziele 74
2.4.2. Verlauf der Stadt-Rallye 74 2.4.3. Kommentar 75
2.5. Nachbereitungsphase 79 2.5.1. Lernziele 79 2.5.2. Unterrichtsverlauf 79 2.5.3. Kommentar 80
3. Thillenvogtei („musée rural vivant“) 83
3.1. Zur Wahl dieses außerschulischen Lernortes 83
3.2. Vorbereitende Maßnahmen 85
3.2.1. Vorhergehende Besichtigung 85
3.2.2. Organisatorische Maßnahmen 87
3.2.2.1. Schulkommission 3.2.2.2. Transport 3.2.2.3. Elternbrief
3.3. Vorbereitungsphase 88 3.3.1. Lernziele 88 3.3.2. Unterrichtsverlauf 91 3.3.3. Kommentar 94
3.4. Durchführungsphase 97 3.4.1. Lernziele 97
3.4.2. Verlauf unseres Besuchs im Landmuseum Thillenvogtei 98 3.4.3. Kommentar 101
3.5. Nachbereitungsphase 105 3.5.1. Lernziele 105 3.5.2. Unterrichtsverlauf 105 3.5.3. Kommentar 107
4. Abschließender Kommentar 109
III. Bibliographie 110
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Einleitung
„Das erste Beginnen jeder Methodik muss deshalb sein, das originale Kind, wie es von sich aus in die Welt hineinlebt, mit dem originalen Gegenstand, wie er seinem eigentlichen Wesen nach ist, so in Verbindung zu bringen, dass das Kind fragt, weil ihm der Gegenstand Fragen stellt, und der Gegenstand Fragen aufgibt, weil er eine Antwort für das Kind hat.“ (Roth, 1973, S.111)
In den letzten Jahrzehnten hat ein schneller und tiefgreifender Wandel in fast allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens stattgefunden. Der rasante gesellschaftliche Wandel hat einschneidende Veränderungen für das Aufwachsen der Kinder mit sich gebracht und damit auch für die Schule. Als Hauptmerkmal heutiger Kindheit wird häufig die Entsinnlichung der Lebenswirklichkeit genannt. Kinder wachsen überwiegend in einer mediatisierten und verinselten Welt auf, die von Leistungskonkurrenz geprägt ist und sinnlichen Erfahrungen nur wenig Raum lässt. Gesellschaftlich-ökonomische Veränderungen haben die
Erfahrungsmöglichkeiten von Kindern stark eingeschränkt, bzw. verschoben, so dass es für sie immer schwieriger wird, sich ihre Lebenswelt zu erschließen. Beispiele sind die dicht besiedelten Wohngebiete und die Verhäuslichung, die sogenannten Erfahrungen aus zweiter Hand und ein veränderter Umgang mit der Zeit.
Die neuzeitlichen Veränderungen der Lebensumwelt haben die Gelegenheiten für Primärerfahrungen der Kinder in ihrer Umgebung und in der Natur stark reduziert. Die heutigen „Multimedia - Kids“ sind also nicht mehr mit Kindern früherer Jahrgänge zu vergleichen. Sie wachsen in einer ganz anderen Welt auf, die geprägt ist durch Fernsehprogrammvielfalt, Videoclips und aufwändige Computerspiele. Die Fähigkeit zur Abstraktion und zur Konzentration ist bei vielen Schülern stark zurück gegangen. Nur wenige Kinder haben heute noch einen unmittelbaren Zugang zur Natur. Fernsehen, Kassetten, Bücher usw. vermitteln den Kindern eine Fülle von Informationen, jedoch aus zweiter Hand. Die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse bleiben auf der Strecke.
Die Konsequenzen dieses Wandels (die man als Lehrer bedauern und bejammern könnte) und deren Bedeutung für das Schulwesen wurden allerdings erst in den letzten Jahren wahrgenommen. Dieser Entwicklung kann die Schule entgegenwirken, indem sie den Unterricht darauf einstellt und es sich zur Aufgabe macht, zur Rückgewinnung von Erfahrungsräumen für Kinder beizutragen. Ein geeigneter Weg (und in unseren Augen der effizienteste) hierfür ist, möglichst häufig Lerngänge durchzuführen. Dinge vor Ort beobachten und ergründen ist für viele Schülerinnen und Schüler interessanter als in einem Buch Texte durchzuarbeiten. Das Einbinden außerschulischer Lernorte in den Unterricht ist deshalb heute wichtiger denn je.
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Der Geographieunterricht kann unmöglich auf außerschulische Lernorte (Lerngänge) verzichten, da der Gang ins Gelände und die Arbeit vor Ort für Geographen unentbehrliche methodische Verfahren sind. Gerade deshalb finden sich diese Verfahren im Lehrplan als Vorgabe für methodisches Arbeiten im Geographieunterricht und in der Geographiedidaktik wieder. Diese Lernformen blicken bei Fächern wie Geographie und Geschichte jedoch schon auf eine längere Tradition zurück. Wir möchten im theoretischen Teil unserer Arbeit auf einige wichtige Veränderungen der Kindheit aufmerksam machen, sowie auf die Forderungen an die Schule, die sich daraus ergeben. Anschließend werden wir auf den außerschulischen Lernort sowie auf die verschiedenen Begriffe (Lernort, Unterrichtsgang, Exkursion...) eingehen und aufzeigen, was bei der Planung eines Lerngangs beachtet werden muss.
Im praktischen Teil stellen wir eine Vielzahl von Möglichkeiten außerschulischen Lernens im Geographieunterricht vor, von welchen wir zwei im Detail vorbereiten und ausführen.
Durch unsere Arbeit wollen wir Lehrerinnen und Lehrer ermuntern und unterstützen, die Lernchancen außerschulischer Lernorte im Geographieunterricht zu nutzen.
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1. Veränderte Kindheit
1.1. Veränderung der kindlichen Lebens- und Zeiträume
Raumerfahrung bedeutet, dass ein Mensch seinen Raum (Umfeld) um sich herum erlebt, das heißt er nimmt „Wege und Räume in vielfältigen Situationen mit allen Sinnen“ (MEN, Wir erkunden Wege und Räume, 2000, S.13) auf oder wahr und füllt sie so zunehmend mit eigenen Erlebnissen. Die Raumerfahrung oder Raumerschließung hat sich heute grundlegend verändert.
In den dreißiger Jahren hat Muchow die räumliche Aneignung der Umwelt durch Kinder als allmähliche Ausdehnung des Lebensraumes in konzentrischen Kreisen beschrieben, wie es auch noch für die fünfziger Jahre gilt. Mit zunehmendem Alter erweitert das Kind demnach aktiv (von selbst) seinen Lebens- oder Streifraum v on der eigenen Wohnung ausgehend, nach und nach in die weitere Umgebung. Dabei bleibt der Lebensraum eine Einheit in der das Kind aufwächst und eigene Erfahrungen sammelt. Alle benötigten Funktionen (Dienstleistungen, Betriebe, Natur...) sind in diesem Modell des einheitlichen Lebensraumes vertreten.
„Erweiterung der Streifräume in den Vorkriegsjahren und in den 50er Jahren“ (aus: Rolff/Zimmermann, 1990, S.138)
Die heutigen Streifräume sind nicht unbedingt kleiner geworden oder auf Wohnung oder Kinderzimmer beschränkt, sondern haben eine völlig neue Form angenommen, die man als „Leben auf mehreren Inseln“ (Rolff/Zimmermann, 1990, S.138) bezeichnen kann. Die Lebensräume der Kinder in der Freizeit sind also nicht mehr Straßen, Hinterhöfe und andere von Erwachsenen mehr oder weniger unbewachte Plätze, sondern eigens für sie eingerichtete Rückzugsräume; „Inseln“. So bewegt sich das Kind mit den verschiedensten
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Transportmittteln (Auto, Bus...) von der „Wohninsel“ zu der „Schulinsel“, der „Einkaufsinsel“, der „Freundeinsel“, der „Spielplatzinsel“, der „Vereinsinsel“.... , was es fast unmöglich macht, Räume mit allen Sinnen zu erleben. „Der Raum zwischen den einzelnen Inseln verschwindet, verdünnt sich zum erlebnisarmen Zwischenraum“. (Rolff/Zimmermann, 1990, S.139) Anstatt diesen zum Spielen oder Schlendern zu nutzen, findet nur noch eine Überbrückung desselben statt. Folglich ergibt sich ein „Mangel an räumlichen Sinneserlebnissen underfahrungen“ (MEN, Wir erkunden Wege und Räume, 2000, S.13) für das Kind.
Zusätzlich führt die große „Mobilität“ der Kinder von heute, die durch entfernte Ferienziele und Fernsehen (große Entfernungen werden sprunghaft überwunden) entsteht, sowie die veränderte Lebensweise dazu, dass die kindliche Raumerschließung nicht mehr schrittweise, also nicht mehr in konzentrischen Kreisen erfolgt. Aus diesem Grund sprechen wir heutzutage von einer verinselten Raumerschließung oder einer „Verinselung“ der Raumerfahrung. Das Modell des einheitlichen Lebensraumes wurde durch das Modell des verinselten Lebensraumes abgelöst.
(Rolff/Zimmermann, 1990, S.138)
Was die Zeiteinteilung der Kinder angeht, so ist für sie die Uhr fast von so großer Bedeutung geworden wie für uns Erwachsene. Auch sie haben bereits einen Terminkalender, um die zum Teil weit auseinanderliegenden Angebote in der Freizeit wahrnehmen zu können. Das hat zur Folge, dass Kinder zergliederte Raum- und Zeiterfahrungen machen, d.h. ihr Spiel-und Freizeitverhalten oft als isoliert und unzusammenhängend erleben.
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1.2. Veränderung der Kindheit durch Medien
Film, Fernsehen, Computer und auditive Medien nehmen im Tagesablauf der Kinder einen immer größeren Raum ein. Viele Schüler verfügen bereits über ein eigenes Fernsehgerät. Unterhaltung ist also immer vorrätig, Spielideen und Spielpartner müssen nicht gesucht werden.
Über die Wirkungen des Fernsehens bestehen kontroverse Auffassungen: Einerseits ist nicht zu übersehen, dass auf diesem Wege Informationen weitergegeben, die sonst nicht oder kaum zugänglich wären und dass sich ungeahnte Kommunikationsmöglichkeiten eröffnen. Auf der anderen Seite ist aber die Tendenz nicht zu verleugnen, dass die Möglichkeiten von Erfahrungen aus „erster“ Hand (Primärerfahrungen) reduziert und die Zunahme von Erfahrungen aus „zweiter“ Hand (Sekundärerfahrungen) gesteigert werden. Damit wird eine Art „Second-Hand-Wirklichkeit“ aufgebaut, in der die Eigentätigkeit der Kinder durch konsumierende Aneignung der materiellen Kultur stark eingeschränkt ist. Beim Nutzen von Medien wird das Kind außerdem oft nur einseitig (nur einen Sinn betreffend) „berieselt“.
Für die Schule bedeutsam ist die Frage, wie sich die überzogene Aufnahme der „Bild-Welt“, die wenige Ansprüche an die weitere reflektierende Verarbeitung stellt, auf die relativ abstrakten schulischen Anforderungen auswirkt.
1.3. Kinder in einer Vielfalt der Kulturen
Das Zusammenleben mit Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern und Kulturen ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Dies gilt auc h für unsere Schulen, da die „Ausländerkinder“ natürlich auch der Schulpflicht unterworfen sind. Viele verschiedene Nationalitäten in einer Schulklasse sind keine Seltenheit. Die multikulturelle Gesellschaft ist also längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern Alltag - auch in unseren Schulen. Das Zusammenleben von Menschen verschiedener kultureller und religiöser Traditionen kann bereichernd sein, aber auch zu Spannungen und Aggressionen führen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Schüler heute in den verschiedenen Sozialformen (Partnerarbeit, Gruppenarbeit...) lernen, auf jeden einzelnen einzugehen, und somit Verständnis, Empathie und Toleranz aufbringen müssen. Genau dieses Ziel kann bei außerschulischen Lernorten, Exkursionen... verfolgt werden. Dies stellt für die Schule eine große Herausforderung dar.
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1.4. Veränderung der Konzentrationsfähigkeit der Kinder
Die Kinder von heute werden vor allem in denjenigen Verhaltensbereichen als am meisten verändert erlebt, die unmittelbar mit Schule und Unterricht zu tun haben: Aufmerksamkeit, zuhören, stillsitzen, sich konzentrieren.... Eng verbunden mit Konzentrationsschwierigkeiten sind auch eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten der Kinder. Durch unsere Zivilisation sind bei vielen Kindern Schäden in der psychomotorischen Entwicklung verursacht worden; es ist bekannt, dass viele Schüler in irgendeiner Weise motorisch auffällig sind. Beim Aufsuchen von Lernorten kommt viel Bewegung ins Spiel, die Kinder sind motivierter und deshalb von sich aus konzentrierter und „ruhiger“ beim Zuhören.
Ein zeitgemäßer und kindgerechter Geographieunterricht muss den obenstehenden Veränderungen und grundsätzlichen Erkenntnissen Rechnung tragen. Nur so können Lehrer ausreichend auf die Bedürfnisse ihrer Schüler eingehen. Durch die veränderte Kindheit ergeben sich also vielfältige didaktische Konsequenzen für den Unterricht bzw. den Geographieunterricht.
2. Forderungen an die Schule
2.1. Allgemeine Überlegungen
kein Ort, wo man dieser Art des Denkens und Lernens viel Zeit
Die Veränderungen der Kindheit bringen eine Vielzahl von Forderungen an die Schule mit sich, welche sich in bestehenden unterschiedlichen Unterrichtskonzepten und -prinzipien wiederfinden, wie zum Beispiel handlungsorientiertes Lernen oder ganzheitliches Lernen. Ehe wir auf die einzelnen didaktischen Prinzipien eingehen, wollen wir noch Grundsätzliches bemerken.
Die Auffassung, dass die Aufgabe der Schule nur das Umsetzen und Vermitteln von Fachwissen beinhalte, ist nicht nur realitätsfremd, sondern auch nicht kindgerecht. Denn würde man mit einer solchen Einstellung lehren, käme man schnell zum Schluss, dass die Schüler sich nur dann mit einem Lerninhalt befassen, wenn sie etwas damit anzufangen wissen. So soll im Unterricht vom Vorwissen der Schüler ausgegangen und daran angeknüpft werden. Das Element „Schüler“ ist genau so wichtig wie der Inhalt. Der Unterricht muss dem Kind den Stoff so vermitteln, dass dieses sich dafür interessiert und aufnahmebereit ist.
Der Lehrer muss zur Erkenntnis gelangen, dass die Anschauung mindestens genau so wichtig ist wie das Wort an sich. Denn der im Unterricht vielfach geübte bloße Verbalismus führt eigentlich zu nichts. Er ist nur die Folge eines Missverständnisses betreffend die Vermittlung von Wissen. Die Kinder interessieren sich im allgemeinen nicht für Inhalte „die außerhalb ihrer Erfahrungs- und Handlungsbereiche liegen, das heißt zu denen sie psychisch keinen Zugang finden. Sie verhalten sich ähnlich, wenn der Unterricht zu abstrakt an fachwissenschaftlichen Leitlinien orientiert abläuft, ohne die für den Lernprozess erforderlichen Vorstellungen zu schaffen“. (Knirsch, 1979, S.9)
Im Falle eines solchen Unterrichts kann der Schüler den Stoff nicht in sich aufnehmen, er sammelt keine Erfahrungen. Er erlebt dadurch immer seltener eine Stimulierung, die seine Leistungsfähigkeiten herausfordern würde.
Hieraus entsteht die Forderung an die Schule, ihren Schülern die Möglichkeit zu bieten, Erfahrungen zu sammeln. Das Lernen muss soweit wie nur möglich in konkreten Situationen geschehen, so dass der Schüler handelnd erfährt, worunter wir Denken und Tun verstehen.
Um dies umzusetzen, muss man nicht unbedingt zeitaufwändige Ausflüge unternehmen; vor allem die nahe U mgebung (Umfeld von Wohnort und Schule) ist zu diesem Zweck sehr
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geeignet. Hier können vom ersten Schuljahr an Grunderfahrungen gewonnen werden, an welche später hinzugewonnene Erfahrungen anknüpfen. Bei Erkundungen im Nahraum ergeben sich grundlegende Fragen von selbst; Arbeitsmethoden und Betrachtungsweisen können erfahren und angewendet werden. So geht auch aus der Lern- und Motivationsforschung hervor, dass das Interesse und der Einsatz des Schülers vom persönlichen Erleben eigenen Tuns und Selbstverantwortung, sowie vom Gefühl des eigenhändigen Verursachens abhängen. Solche reale Situationen spornen den Schüler dazu an, selbst Entscheidungen zu treffen und spezifische Arbeitstechniken auszuprobieren. Was dabei vermittelt wird, ist weniger eine Sammlung an diversen Einzelwissen, sondern vielmehr methodische Fertigkeiten und Gelegenheiten zu sozialem Lernen. So behauptet Maier-Leibnitz: „Lernen, um handeln und weiterlernen zu können, ist wichtiger, als Kenntnisse auf Vorrat zu sammeln“. (zit. bei Knirsch, 1979, S.11)
Besonders wissenschaftliche Unterrichtsfächer, wie zum Beispiel Geographie, Geschichte oder Biologie, erheben den Anspruch, „den Lernenden durch originale Begegnung außerhalb des Klassenzimmers zur Kenntnis- und Erkenntnisgewinnung“ (Knirsch, 1979, S.12) zu führen. So ist das Betrachten von Gegenständen für solche Fächer unverzichtbar. Damit sich beim Kind Vorstellungen bilden, Begriffe gelernt und verstanden werden, muss es die Möglichkeit haben, sich auf reale Erfahrungen zurückzubeziehen. Dabei wird die beobachtete Wirklichkeit „von der sinnlichen (Kenntnis der äußeren Eigenschaften) auf die begriffliche (Kenntnis der unveränderlich bleibenden Merkmale) Ebene gehoben“. (zit. bei Knirsch, 1979, S.13)
Ein wie oben beschriebener Unterricht würde vielen Kindern Gelegenheit geben, sich selbständiger, kreativer zu entwickeln und zu einer gelösten Atmosphäre führen, in der Schüler eigene Erfahrungen sammeln, was sich wiederum positiv auf die intrinsische Motivation der Kinder auswirken würde.
2.2. Unterrichtskonzepte und -prinzipien
2.2.1. Anschauungsunterricht (Realbegegnung)
Als erstes wollen wir das Anschauungsprinzip erwähnen, da es unserer Meinung nach Vorrang vor allen anderen hat. Der Lehrplan von 1964 (S.30) schrieb bereits, dass der Anschauungsunterricht „zu genauer und geordneter Beobachtung“ führt und das Kind „zu allseitiger Betätigung seiner Sinne“ anregt. Lerngegenstände dürfen „nie trocken und nüchtern“ sein, sondern sollten lebendig gestaltet werden.
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So schreibt auch Roth (1973, S.116), dass die Kunst des Unterrichtens darin liegt, „tote Sachverhalte in lebende Handlungen zurückzuverwandeln, aus denen sie entsprungen sind“.
Wie bereits in der Einleitung angemerkt, geht es darum, eine Begegnung zwischen dem Schüler, wie er von sich aus ist, mit dem realen Gegenstand, wie dieser tatsächlich ist, herzustellen.
Roth spricht in diesem Zusammenhang von der „originalen Begegnung“ als Unterrichtsprinzip. Die Aufgabe des Lehrers besteht darin, eine so starke emotionale Verbindung zwischen Lernstoff und Schüler zu ermöglichen, dass beide sich ineinander verhaken und nicht mehr loslassen können.
„Das schulmäßige Lernen besteht in der Aufgabe, Erkanntes, Erforschtes, Geschaffenes wieder nacherkennen, nacherforschen, nachschaffen zu lassen, und zwar durch den methodischen Kunstgriff, Erkanntes wieder in Erkennen, Erfahrungen wieder in Erfahrnis, Erforschtes wieder in Forschung, Geschaffenes wieder in Schaffen aufzulösen, nicht wie der Forscher und Schöpfer selbst, sondern wie ein wahrhaft Verstehenwollender, Nachdenkender und Nachschaffender tut.“ (Roth, 1973, S.117)
Die pädagogischen Richtlinien des Lehrplans von 1964 heben hervor, was den Anschauungsunterricht charakterisiert; er „geht von wirklichen Dingen und Vorgängen a us. Er kann und darf nie bloßer Wort- und Sprachunterricht sein. Als Regel gilt: Erst die Sache, dann das Wort.“ (MEN, 1964, S.31)
2.2.2. Ganzheitliches Lernen
Die Bezeichnung „ganzheitliches Lernen“ ist nicht neu. Schon recht früh erkannten Pädagogen, Philosophen und Psychologen, dass ganzheitliches Lernen und vielfältige Sinneserfahrungen für die kindliche Entwicklung bedeutsam sind. So wies bereits Johann Amos Comenius (1592-1670) darauf hin, dass Wissen auf Sinneswahrnehmung basiert. Der Philosoph John Locke (1632-1704) verkündete: „Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war“. In seinem berühmten Erziehungsroman „Emile“ widmete der Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) ein Kapitel der „Übung der Organe und Sinne “. Und den heute v iel zitierten Spruch „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ verdanken wir dem Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827). Diese bedeutenden Persönlichkeiten waren also zur Erkenntnis gelangt, dass der gezielte Einsatz aller Sinne unsere Denk- und Lernleistung zu verbessern vermag. Heutzutage ist diese Erkenntnis von überaus großer Bedeutung, da durch die unterschiedlichen Medien oft nur einzelne Sinne angesprochen werden und da die kindlichen Lebensräume „verinselt“ sind.
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Bei dem Konzept des ganzheitlichen Lernens wird einerseits die gesamte Person des Schülers in den Prozess des Lernens einbezogen, d.h. es wird ein mehrkanaliges Lernen mit möglichst „allen Sinnen“ (visuell, auditiv, kinästhetisch...) unter Berücksichtigung unterschiedlicher Lerntypen und -stile angestrebt, um die Wissensaufnahme und den Verarbeitungsprozess zu verbessern.
Auch der Lehrplan von 1989 geht auf die „Förderung der Sinneserfahrung“ im Unterricht ein: „... Dabei sollen sämtliche Sinne bewusst eingesetzt werden.“
Die Informationen, die der Lernende über diese Kanäle erhält, organisieren sein Bild des Lernstoffs; reduziert man die Wahrnehmung auf nur einen Sinn oder Kanal, ist es vielen Schülern unmöglich, den Lerninhalt zu begreifen, zu verstehen oder zu behalten. Dies bedeutet, dass beide Gehirnhälften einbezogen werden sollen, um eine Kombination kognitiver, affektiver und sozialer Fähigkeiten zu erlauben, wobei die Prozesse der Wahrnehmung und des Perspektivenwechsels besonders wichtig sind. In unserem Gehirn findet ein Austausch statt zwischen rechter und linker Hirnhälfte, zwischen Sinneseindrücken und Gefühlen, zwischen elektrischen Impulsen und chemischen Botenstoffen, zwischen gespeicherten und neuen Informationen und zwischen vielen Intelligenzbereichen. Dieses ganzheitlich arbeitende Gehirn verdient ganzheitliches Lernen. Je mehr neuronale Schaltungen im kindlichen Hirn aktiviert werden, umso intensiver wird vernetztes Lernen und Denken gefördert. Schüler lernen also optimal und effektiv, wenn möglichst viele Sinne und beide Hirnhälften eine gelungene Symbiose eingehen. Aber nicht nur die neuen Erkenntnisse aus der Hirn- und Lernforschung , sondern auch die zunehmenden Verhaltensauffälligkeiten (Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Konzentrationsstörungen) erfordern ein Umdenken beim Lernen, das das Kind wieder in seiner Ganzheit respektiert.
Andererseits versteht man unter ganzheitlichem Lernen ein fächerübergreifendes Lernen. Es ist nämlich wichtig, dass ein Thema oder Lerninhalt nicht isoliert und losgelöst von seinen Zusammenhängen unterrichtet wird. Im Unterricht soll darauf geachtet werden, einen Lerninhalt in ein Ganzes einzufügen und ihn fächerübergreifend zu behandeln.
Unter Berücksichtigung dieser beiden Aspekte des ganzheitlichen Lernens, kann eine optimale Förderung a ller kindlichen Potentiale gesichert werden.
2.2.3. Handlungsorientiertes (handelndes) Lernen
„Handlungsorientierter Unterricht ist ein ganzheitlicher und schüleraktiver Unterricht, in dem die zwischen dem Lehrer und den Schülern vereinbarten Handlungsprodukte die Organisation des Unterrichtsprozesses leiten, so dass Kopf- und Handarbeit der Schüler in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander gebracht werden können.“
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(Meyer, 1994, S.214)
Handelnd und unter Einbeziehung aller Sinne, sowie aller psychischen (intellektuellen) und physischen Kräfte („mit Kopf, Herz und Hand“), lernen Kinder die Welt kennen und verstehen. Dadurch, dass stets neue Informationen eintreffen, wird ihr Denken ständig korrigiert und neu strukturiert. Die bisher vorhandenen Denkstrukturen werden also konstant erweitert (vertieft) und ihr Wissen wird zusammenhängender, „größer“, vollständiger. Im Handeln (Tun) werden Erfahrungen gewonnen, aus welchen neues Handeln entsteht. Das aktive Tun ermöglicht dem Kind Sachverhalte zu entdecken, z u verstehen und zu beurteilen, welche durch bloßes passives (rezeptives) Lernen, das heißt durch abstrakte Vermittlung von Lerninhalten möglicherweise unbegreiflich und fremd bleiben, und dem Kind aufgezwungen vorkommen; das Kind lernt also durch Tun.
Oft wirken Handlungshindernisse als Lernanstöße. Schwierigkeiten, die sich in den Weg stellen, lösen Denk- und Lernprozesse aus, die das Hindernis überwinden helfen. Handelndes Lernen ist deshalb in der Schule überwiegend problemlösendes Lernen. Im handelnden Lernen steuert sich der Lernprozess selbst: das Handeln liefert ständig Rückmeldungen über Erfolg oder Nichterfolg nach den Prinzipien von „Versuch und Irrtum“ und „aus Fehlern kann man lernen“. Das Kind gewinnt aus diesen Erfahrungen sachadäquate Methoden und Arbeitsverfahren und setzt kreative Kräfte und Ideen frei.
Ziel des handelnden Lernens ist Handlungskompetenz im instrumentellen wie kritischkonstruktiven Sinne. Das heißt: Das Kind lernt nicht nur, beschlossene oder aufgetragene Handlungen sachgerecht anzugehen, durchzuführen und auszuwerten, sondern auch Handlungsentscheidungen auf ihren Sinn, ihre Tragweite und Verantwortbarkeit zu überprüfen.
2.2.4. Soziales Lernen
Wissen entwickelt sich nicht in der isolierten Auseinandersetzung mit einem Lerngegenstand, sondern während der Interaktion und Arbeit mit anderen Mitschülern. Um Kinder optimal auf ihre Zukunft vorzubereiten, ist heute mehr als die Vermittlung bloßen Fachwissens notwendig. Das Unterrichtskonzept des sozialen Lernens ist eine erfolgreiche und effiziente Antwort auf die Anforderungen, die von einer sich ständig wandelnde Welt an die Kinder gestellt werden.
Der Begriff „Soziales Lernen“ enthält eine gewisse Doppeldeutigkeit. Einerseits versteht man darunter, dass soziales Verhalten gelernt wird. Andererseits bezieht sich soziales Lernen auf die Art des Lernens. Uns geht es hauptsächlich um die Dimension, wo Schüler zusammen
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arbeiten, in einer Gruppe, und nicht jeder einzeln für sich. Das Kind soll sich selbst entfalten und die Kraft der Gruppe nutzen, das heißt, dass Schüler mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen an einer gemeinsamen Sache arbeiten.
Durch soziales Lernen werden Beziehungen und Beteiligungen in der Klasse gefördert und die Selbst- und Sozialkompetenz der Schüler gestärkt. Die Kinder lernen, mit Lerngegenständen (Sachkompetenz), mit sich selbst und mit anderen auf eine für alle Beteiligten konstruktive Weise umzugehen.
Trotzdem treffen sich das Lernen für die Gruppe und das Lernen in sozialer Verantwortung darin, dass in beiden Fällen das Individuum aufgefordert wird, über sich selbst hinwegzugehen und sich Anderen anzuschließen. Der einzelne Schüler soll in seinem Wesen jedoch nicht der Gruppe untergeordnet werden.
2.2.5. Problemorientiertes Lernen
Das problemorientierte Lernen geht von dem aus, was Kindern bereits bekannt ist. Die Problem- oder Aufgabenstellung sieht vor, dass die Kinder ihr Vorwissen anregen und durch Versuch und Irrtum („Trial and Error“) zur Lösung des Problems gelangen.
Beim problemorientierten Lernen erarbeiten Kinder in Kleingruppen Lernziele anhand von konkreten Problemen. Durch die Darbringung oder -bietung eines Problems (einer Aufgabe) gilt es, neben dem klassischen Wissenserwerb, eigene Problemlösungsstrategien zu entwickeln und pragmatisches Denken zu üben, sowie zu fördern. Damit wird den Kindern im Gegensatz zu konventionellen Lernsituationen nicht primär Wissen angeboten. Die Schüler werden nicht wie im Frontalunterricht einem vorgefertigten Wissen ausgesetzt, sondern sollen selbst aktiv durch Diskussion und Spekulation in der Gruppe und anschließenden Versuchen zur Lösung des Problems beitragen. Somit stellt sich problemorientiertes Lernen als eine praxisorientierte didaktische Methode dar, die das Kind dazu bringen möchte, selbständig zu denken und eigene Fragen zu formulieren. Diese selbst aufgeworfenen Fragen werden durch eigenständiges Nachdenken und Versuchen beantwortet; die Beantwortung macht währenddessen auch die Lernziele oder das Wissen, welches sich die Kinder aneignen sollen, aus.
Zusammenfassend basiert problemorientiertes Lernen also auf der Erkenntnis, dass sich im Sinnzusammenhang Gelerntes und Verstandenes besser einprägt und somit leichter abrufen lässt. Die vermehrte Eigenaktivität (die eben beim problemorientierten Lernen garantiert ist) und die dadurch tiefere Einarbeitung in den Lerninhalt, ermöglichen eine bessere Langzeiterinnerung. Falls ein Teil des Stoffes in Vergessenheit geraten sollte, kann sich der
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Schüler leichter wieder daran erinnern, weil er sich denselben durch problemorientiertes Lernen angeeignet hat.
2.2.6. Schülerorientiertes Lernen
Wenn man den Unterricht nicht wirklich konsequent an den Schülern orientiert, bedeutet das, über ihre Köpfe hinweg zu unterrichten, was soviel heißt, wie sie nicht wirklich als lernende Individuen ernst zu nehmen. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass wir am besten das lernen, was uns wirklich interessiert und unseren Lernvoraussetzungen entspricht. Ist dies der Fall, so sind Schüler oftmals zu verblüffenden Leistungen in der Lage. Der Schüler soll Ausgangs- und Mittelpunkt des Unterrichts sein. Schülerorientiertes Lernen bedeutet vor allem, die Kinder ernst zu nehmen in ihren Interessen, ihren Wünschen und Vorstellungen, sowie ihrem Bedürfnis entgegen zukommen, etwas Sinnvolles zu lernen. So schreibt Meyer: „Schülerorientierter Unterricht stellt den Anspruch, den subjektiven und objektiven Bedürfnissen und Interessen der Schüler gerecht zu werden.“ (Meyer, 1994, S.216)
Zu wissen, dass bereits jede Menge Kenntnisse/Fähigkeiten bei den Schülern vorhanden sind, und dass an bestehende Kompetenzen angeknüpft werden soll, ist wahrscheinlich der wichtigste Gesichtspunkt eines schülerorientierten Unterrichts. Besonders im Sachunterricht müssen die vom Kind bereits begonnenen Lernprozesse aufgegriffen und fortgesetzt werden. Obwohl es sich eigentlich um einen wissenschaftlichen Unterricht handelt, kann man nicht nur von fachwissenschaftlich orientierten Konzeptionen und fachdidaktischen Prinzipien ausgehen; er muss vielmehr an das Vorwissen der Kinder anknüpfen, um nicht auf „taube Ohren“ zu stoßen; „Es hört doch nur jeder, was er versteht.“ (Goethe, 1968, S.104).
Konsequente Schülerorientierung bedeutet außerdem, die unterschiedlichen Bedürfnisse und unterschiedlichen Lernvoraussetzungen innerhalb einer Klasse ernst zu nehmen; die Schüler lernen besser, wenn das zu Lernende in einer Form dargeboten wird, die den individuellen Lernvoraussetzungen entspricht, das heißt vor allem unterschiedliche Sinne/Kanäle einbezieht.
Schülerorientiertes Lernen bedeutet auch, den Unterricht kindgemäß auszurichten; Anschauung, Selbsttätigkeit und Handeln sind kindgerechte Methoden, um Lerninhalte zu vermitteln.
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2.2.7. Situatives Lernen
Neben den Eigenschaften eines Lerngegenstandes spielen die Besonderheiten des Lernkontextes ebenfalls eine wichtige Rolle, was sich wesentlich auf die weitere Nutzung des Gelernten auswirkt.
„Situationen“ sind Ereignisse, Begebenheiten oder Konstellationen von Sachverhalten, die unmittelbar zum Denken und Handeln herausfordern und damit Lern- und Erfahrungsprozesse auslösen. Das Prinzip der Situationsorientierung sucht den Kontext von Leben und Lernen aufrecht zu erhalten und schulische Situationen herzustellen, in denen Kinder zugleich leben und zudem lernen, wie man lebt.
Solche Situationen können sich zufällig als didaktisch fruchtbare Momente ergeben, sie können aber auch planmäßig unter exemplarischen Gesichtspunkten arrangiert bzw. aufgesucht werden.
„Unterricht“ soll nach Möglichkeit in Situationen innerhalb und außerhalb der Schule organisiert werden, soll die Bedingungen und Einflüsse, Situationen und Personen mit einbeziehen, die die Lebenswelt des Kindes mitbestimmen.
Aus konkreten Lebenssituationen werden Lernanlässe, die sich aufgrund ihrer existe ntiellen, realen und sozialen Nähe zu Erfahrungsquellen verdichten; Kinder treten mit dem Lehrer in einen gemeinsamen Erfahrungsprozess. Das Prinzip des situationsorientierten Lernens schlägt so eine Brücke
2.3. Schlussfolgerung
Die Forderungen an die Schule, die sich aus dem Wandel der Kindheit ergeben, kommen gerade beim Aufsuchen eines außerschulischen Lernortes zum Vorschein, woraus sich auch die enorme Bedeutung desselben für die heutige Zeit ergibt. „Das Suchen und das Aufsuchen von Lernorten außerhalb des Klassenzimmers ist ein Weg der Schule, die Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten der Kinder zu erweitern und so Defizite der veränderten Umwelt zu vermindern.“ (Burk/Claussen, 1980, S.15)
Lerngänge sind also äußerst wichtig und sollen demnach durchgeführt werden.
2.4. Lehrplan
Im Lehrplan von 1989 ist der „Sciences-Unterricht“ vom ersten bis ins vierte Schuljahr in verschiedene Erfahrungsbereiche eingeteilt:
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Géraldine Haller, Marion Feidt, 2002, Ausserschulische Lernorte im Geographieunterricht, Munich, GRIN Publishing GmbH
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