Ethnizit ät und ethnische Konflikte in Afrika: Der Fall Ruanda/ Burundi
1. Einführung 1
2. Definition von Ethnizität 2
2.1 Ethnie - und Nationsbewusstsein in Afrika 3
2.2 Ethnische Theorien 5
2.2.1 Primordialistisches Konzept von Ethnizität 5
2.2.2 Konstruktivistisches Konzept von Ethnizität 6
3. Der Fall Ruanda/ Burundi 8
3.1 Ethnien in der Vorkolonialzeit 8
3.2 Ethnizität und gesellschaftliche Arbeitsteilung 10
3.3 Die koloniale Ethnisierung 12
3.4 Machtverteilung der Nachkolonialzeit 14
3.5 Bevölkerungswachstum 16
3.5.1 Modernität, Migrationen und Urbanisierung 17
3.5.2 Ethnizität und Mutationen 19
3.5.3 Ressourcenknappheit 19
3.6 Politisierung von Ethnizität 20
3.7 Der Genozid von Ruanda 21
4. Lösungsvorschläge zu den ethnischen Konflikten 24
5. Resümee 25
Literaturhinweise 28
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Ethnizität und ethnische Konflikte in Afrika: Der Fall Ruanda/ Burundi
1. Einführung
Die Schwierigkeit der Staatenbildung in Afrika nach der Kolonialzeit stellt die Überwindung ethnischer Identitäten in Frage. Die von der Ethnizität verursachten Krisen betreffen am stärksten die sogenannte Dritte Welt bzw. den Kontinent Afrika. Aber die Forderung ethnischer Identitäten betreffen auch die angeblich homogenen Länder: Regionalismus in Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien, linguistische Konflikte in Kanada und Belgien, Nationalitätsprobleme in Osteuropa. Das Ausmaß jedes Konfliktes ist im Bezug auf Heterogenität oder Nationalbewusstsein der betroffenen Gesellschaften relativ. Der Begriff Ethnizität ist in den 60er Jahren in Amerika entstanden (Ethnicity). Die Forscher beschäftigten sich mit der Entstehung und dem Weiterbestehen der Ethnien. Die Frage der Ethnizität in Afrika südlich der Sahara berührt die Komplexität des Inhalts und der Klassifizierung von ethnischen Gruppen. Nach welchen Kriterien oder Merkmalen klassifiziert man ethnische Gruppen? Sind ethnische Identitäten eine natürliche Eigenschaft von menschlichen Gruppen oder sind sie in bestimmten Situationen konstruiert?
Ethnien sind zeitlich und in einem abgrenzbaren Ort fixiert, aber sie wachsen, wandern, wandeln und verflechten sich mit anderen Nachbargruppen. Sie leben nicht immer geschlossen oder isoliert, sondern sind von nationalen, regionalen oder internationalen Transformationen beeinflusst oder betroffen.
Die ethnischen Konflikte in Afrika existieren nicht nur seit der Kolonialisierung, sondern auch schon in der Vorkolonialzeit. Viele ethnische Theorien und Erklärungsansätze bemühen sich, die Ursachen der ethnischen Krisen in Afrika zu erläutern. Die Frage ist, inwiefern die Teilung von Afrika (seit dem Berliner Kongress, 1884- 1885 in Deutschland) ohne Rücksicht auf politische und kulturelle Unterschiede sowie die koloniale Ethnisierung zugunsten der Kolonialmacht und bestimmter Gruppen, die ethnische Konflikte veranlasst und verschärft hat. Hinzu kommen viele Faktoren, die zur Ausbreitung der ethnischen Krisen führen, nämlich das Bevölkerungswachstum, die Migration- und Urbanisierungsprobleme, die Ressourcenknappheit und die Anwendung von Ethnizität als ein neues politisches Mittel. Das zweite Kapitel dieser Arbeit wird sich mit dem Zusammenhang zwischen Ethnizität und dem Nationalstaat, sowie die Theorien, die unterschiedliche Bedeutungen von Ethnizität untersuchen, ausseinandersetzen. Im dritten Kapitel wird ein Rückblick über die ethnische Herrschaft in der Vorkolonialzeit, über die koloniale Ethnisierung und über die Machtverteilung in der Nachkolonialzeit Ruandas und Burundis unentbehrlich, um das Problem von Entstehung, Weiterbestehen und Merkmalen von Ethnien in Afrika südlich der Sahara zu erfassen.
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Ethnizität und ethnische Konflikte in Afrika: Der Fall Ruanda/ Burundi
2. Definition von Ethnizität
Erst in der amerikanischen Ethnologie wurde „Ethnic“ benutzt, um andere Gruppen zu bezeichnen (Ethnicity gleich foreign stock), während die originale Gruppe der Gemeinschaft nicht als Ethnie erfasst wird. In England z.b. sind die „Ur- Engländer“ im Vergleich zu ausländischen kulturellen Gruppen nicht als ethnische oder kulturelle Gruppe bezeichnet. Dieser Gebrauch von dem Wort „Ethnic“, um „andere“ Völker zu bezeichnen hängt von seiner Etymologie ab.
Ethnizität 1 stammt von Ethnos, das unterschiedliche Verwendungen im Laufe der Geschichte gefunden hat. Homer verwendet Ethnos für amorphe Gruppen von Tieren und Kriegern. Bei Aristoteles bedeutet es fremde und barbarische Nationen, d.h. die Nicht- Griechen. Im 19. Jahrhundert kam das Wort zu einer Dichotomie von Wir/ Andere, dieses konnotierte später „Wir- Gruppe“. Michaud benutzt den Begriff Ethnizität, um das Bewusstsein der Zugehörigkeit an einer ethnischen Gruppe zu bezeichnen. Was ist eine ethnische Gruppe? Ethnien sind Menschengruppen, die als Erben einer historischen und kulturellen Gemeinschaft leben und sich eine gemeinsame Zukunft zusammen vorstellen. Carola Lentz 2 definiert Ethnien als „familienübergreifende Gruppen, die sich Selbst eine kollektive Identität zuschreiben und/ oder von Außen als Gruppe definiert werden“. Diese Definition zeigt, inwiefern der Begriff Ethnizität komplex ist, weil die Kriterien der Identität zuerst subjektiv sind. D.h. die Gruppe muss sich selbst als „Wir- Gruppe“ erkennen und die Anerkennung von den Anderen kommt erst danach 3 . Die Kriterien, nach denen man eine ethnische Gruppe unterscheidet, können wandelbar sein und nicht immer das ganze Repertoire der Kultur umfassen. Wallerstein (1960) und Gordon (1964) definieren Ethnizität nicht als Zugehörigkeit zu einer Ethnie, sondern als Gefühle, die mit Ethnie assoziiert sind und die sich die Mitglieder mitei-nander teilen.
Die Mitglieder der „Wir- Gruppe“ teilen eine gemeinsame Sprache, Kultur, Abstammung, Geschichte und leben in einem gemeinsamen Territorium, wo sie ihre Kultur pflegen und an
1 Der Begriff Ethnizität ist unterschiedlich bewertet, je nachdem in welchem Kontext man ihn benutzt. In Frankreich spricht man eher über kulturelle Beziehungen, während in England „ race relations“ genutzt wird. vgl. dazu P. POUTIGNAT/ J. STREIFF- FENART, Théories de l´ Ethnicité, Paris, 1995, S. 22.
2 Vgl. Das Kleine Afrika- Lexikon, MABE (Hrg.) 2002, S. 51- 55. Carola LENTZ hat viele Untersuchungen über Ethnizität in Lateinamerika, Afrika und besonders in den ehemaligen britischen Kolonien in Afrika durchgeführt.
3 Während der Kolonialzeit wurden Ethnien von der Kolonialmacht klassifiziert, um detaillierter die Struktur des Landes zu erfassen und dadurch besser zu regieren. Aber bislang bestehen immer noch die Schwierigkeiten, viele ethnische Gruppen geschichtlich und räumlich zu fixieren; Viele erkennen sich nicht als Gruppen im Gegensatz zu der Klassifikation von der Ethnographie.
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weitere Generationen überliefern. Alle diese Merkmale (Kultur, Sprache) sind nicht immer geteilt. In manchen Fällen sind nur einige Eigenschaften geteilt. So kann z.b. Religion oder die Sprache der dominante Aspekt sein. Ethnizität manifestiert sich in der Wirklichkeit, indem sie durch Symbole wie Ethnonyme 4 und äußerliche Erkennungszeichen wie Begrüßungsart, Kleidung die Zugehörigkeit oder die Abgrenzung ankündigt. Diese Grenzziehung hat viele Stufen und kann sich auf ein Merkmal beziehen, das der „andere“ nicht hat, z.b. man kann sich in einer Gruppe abgegrenzt fühlen, wenn man zu einer anderen Religion angehört. Als Haussa in Kamerun kann man zwar katholisch oder protestantisch sein, aber wenn die Leute üblicherweise Haussa hören, stellen sie sich einen Muslim vor. Man könnte sich integriert fühlen, wenn man nicht Haussa ist, aber Haussa spricht oder Muslim ist. Die Identität der Gruppe steht über der des Individuums 5 , aber das bedeutet nicht, dass die Angehörigen einer Ethnie ähnlich handeln, denken oder reagieren. Der Begriff Ethnie ersetzt heutzutage die Termini Stamm, Tribalismus, weil viele afrikanische Intellektuelle „Stamm“ als etwas, was auf Primitivität und Stereotype zurückführt, wahrnahmen. Southal bewertet die Termini „Tribe“ als pejorativ und schlägt Ethnie als Ersatz vor, weil Ethnie quasi universal und allgegenwärtig ist. Die Bezeichnungen „kulturelle Gesellschaften“ und „Kultur“ werden für „Ethnie“ angewendet.
Ethnien sind Organisationen von Menschen in Gruppen, die nicht als Nationen zu erfassen sind. Wie definiert man seine Identität in Afrika?
2.1 Ethnie - und Nationsbewusstsein in Afrika
Benedict Anderson (1988) definiert Nation als eine „vorgestellte politische Gemeinschaft“, vorgestellt als „begrenzt“ und „souverän“. Hierbei spielen die Autonomie und die Grenzen (Bounderies) eine bedeutsame Rolle. Wie Ethnie ist Nation durch Grenzen und Symbole konstruiert. Ein Staat wird als Entscheidungsträger der Nation geschafft. Dieser Staat schafft eine normativ stabile Struktur qua seines Ordnungs-, Rechts- und Sicherheitsapparats, was Louis Althusser „Appareil Repressif de l´Etat“ nennt. Nation, Rasse und Ethnie sind nicht einfach zu definieren und zu trennen.
Man spricht über Staatenbildungen in Afrika seit 1885, wo jede Kolonialmacht versuchte, ihr Besatzungsland weiterzustrecken bis sie an die nächste Kolonialmacht angrenzte. Die Kolo-
4 Ethnonymist der Name von Ethnie. Z b. Ewe in Togo. Ethnonym ist selten mit dem Name des Gebiets, wo die betroffene Ethnie beheimatet ist, identisch.
5 Ein Beispiel ist die Rituale der Trauer in Westkamerun, die viele Wochen dauern und verlangen, dass die Witwe(n) diese harte Rituale folgen muss(en). In seltenen Fällen hat der Gestorbene gefordert, dass seine Frau nach seinem Tot nicht leiden dürfte. In der Gemeinschaft ist diese Forderung nur ein Wunsch, der nicht gelten kann, da er die Identität der Gruppe in Frage stellt.
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nialmächte bemühten sich, mit Gewalt und Zwang Nationen nach ihren eigenen europäischen Bildern zu bilden. Später sprach man von Nationenbildungen mit den Befreiungskämpfen und nationalistischen Bewegungen unter Führung von charismatischen afrikanischen Kämpfern wie Kwame Nkrumah, Sékou Touré, Patrice Lumumba. Wenn man die Geschichte der afrikanischen Gesellschaften in der Vorkolonialzeit berücksichtigt, stellt man fest, dass Strukturen wie Königreiche und Häuptlingstümer schon Formierungen größerer Flächenstaaten gebildet hatten: Die Reiche von Mali, Segur, Ghana in Westafrika sind unter anderem illustriert.
Kurz nach den Unabhängigkeiten, die überwiegend entweder nicht gut vorbereitet waren oder oktroyiert wurden, leiden die neuen Staaten unter Neokolonialismus, Bürgerkriegen, Grenzkonflikten, Korruption, Nepotismus. Diese Krisen hängen nicht nur von den ethnisch orientierten Nationen ab, sondern auch von der Politik der Kolonialherren, die manche ethnischen Gruppen gegenüber den anderen bevorzugten.
Ethnische Gruppen erheben sich gegen die zentralen Regierungen, wenn sie ihre Legitimation in Frage stellen. Viele Parteien sind in Afrika ethnisch strukturiert, orientiert, weil sie auf der nationalen Ebene kein Wählerpotential finden. Sie vertreten die Interessen der Ethnien auf nationaler Ebene.
In vielen afrikanischen Ländern definiert man sich zuerst im Bezug auf seine ethnische Gruppe 6 . Meistens sind die ethnischen Kulturen auf nationaler Ebene nicht proportional repräsentiert und verankert, so dass alle ethnischen Gruppen sich mit dem nationalen Muster identifizieren können oder sich davon repräsentiert fühlen. Viele afrikanische Staaten treiben einen Machtkult, um sich als natürliche Repräsentanten der Nation darzustellen, aber sie sind nicht in der Lage, die unterschiedlichen Ethnien zusammen zu bringen, fassen kaum Fuß in
6 Innerhalb des Landes identifiziert man sich mit seiner Ethnie, während man sich außerhalb des Landes mit seiner Nation identifiziert. Das Gefühl des Nationalbewusstseins wächst meist, wenn man im Ausland ist. In Kamerun z.b. könnte man sich zuerst als Béti oder Bamiléké fühlen. Auch wenn das Gefühl in den europäischen Ländern nicht mehr so stark an der kulturellen Gruppe orientiert ist, könnte man in Deutschland in bestimmten Situationen oder Orten sich z.b. als Franke, Bayer oder Schwabe fühlen. Fast alle Industrieländer haben sich von ethnischen Gruppen zur nationalen Gruppe gewandelt. Vgl. WALDMANN/ ELWERT, Ethnizität im Wandel, 1989, S. 25- 26. Nach dieser Quelle entstand eine Idee von deutschem Nationalismus erst im 16. Jahrhundert. Mit dem Ausdruck „teutsch“ meinte man Volkssprache. Während der politischen und kulturellen Reformation gegen hierarchischen Gesellschaften wurde eine „gemein sprach“ gefördert. So wurde die Sprache formuliert, verändert, um sie für alle verständlich zu machen. Die mythische Einheit des Landes wurde gebildet. Mitte des 16. Jahrhunderts kam man zu einem deutlichen Begriff von „deutsch“. Für die Europäer bedeutet Nationalbewusstsein eine quasi- Homogenität in der Sprache. Einige afrikanische Länder befinden sich in einer Übergangsphase zu einer Muttersprache als Amtsprache neben Französisch oder English wie Senegal (in dem Prozess der Einführung von Wolof als Amtsprache neben Französisch). Die Länder wie Äthiopien (Amharisch), Somalia (Somali) haben als Amtsprache eine einheimische Sprache. Uganda (Swahili und Englisch), Tansania (Swahili und Englisch), Botswana (Setswana und Englisch), Eritrea (Tigrinya und arabisch), Ruanda (Kinyarwanda und Französisch), Burundi (Rundi und Französisch) haben neben der Sprache der ehemaligen Kolonialmacht eine einheimische Sprache.
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der Realität der schwierigen ethnischen Beziehungen. Deswegen greifen die Menschen auf Ethnizität als Sicherheitsapparat zurück.
Sezessionistische Bewegungen sind Abwehr und Ablehnung des Zentralstaats, weil sie sich nur ausgebeutet oder vernachlässigt fühlen. Außerdem sind diese Bewegungen und Forderungen von Unabhängigkeit ein Ausdruck von einer besonderen Identität. In manchen Fällen hat es nur mit wirtschaftlichen Gründen zu tun. Das Beispiel von Kongo zeigt wie zwiespältig die Frage von Ethnizität und Völkerrechten ist. Katanga unter Führung von Moise Tchombé verlangte kurz nach der Unabhängigkeit des Landes eine eigene Autonomie. Die Regierung von Joseph Kasa- Vubu und Patrice Lumumba stand vor der Komplexität der Definition von Völkerrechten. Tatsächlich beanspruchte Katanga die Autonomie nicht nur auf-grund ihrer sogenannten kulturellen Identität, vielmehr aufgrund des Reichtums dieses Gebietes durch Rohstoffe, wodurch dieses Gebiet als die größte Ressourcenquelle des ganzen Landes bekannt ist. Die Frage stellt sich, ob Ethnizität in diesem Fall nicht nur wegen wirtschaftlicher und politischer Überlegungen verlangt wird.
Wirft man einen Blick auf die Zahl der Ethnien in den meisten afrikanischen Ländern, stellt man fest, dass die Bildung eines Nationalbewusstseins schwierig ist und viel Zeit braucht. Ethnien sind nicht immer ein Hindernis für das Nationalbewusstsein, sie können im Gegenteil als Reichtum für eine Nation sein. Die Mannigfaltigkeit bietet mehr Kreativität. Aber diese ethnische Heterogenität kann nur positiv wirken, wenn sie zugunsten der Nation anwendet wird.
Als menschliche Gruppe, die über eine gemeinsame Kultur, Geschichte, Sprache verfügt, berührt der Begriff Ethnie die Frage von Entstehen und Weiterbestehen dieser Gruppen, die sich eine gemeinsame Zukunft zuschreiben. Über diese Kernfrage der Ethnizität widersprechen sich zwei ethnische Theorien: Der Primordialismus und der Konstruktivismus.
2.2 Ethnische Theorien
2.2.1 Primordialistisches Konzept von Ethnizität
Die Vertreter des primordialistischen oder essentialistischen Konzepts der Ethnizität wie E. Shils 1957, C. Geertz 1963, P. Van den Berghe 1975 argumentieren, dass ethnische Identitäten von der Natur gegeben sind. Als Mitglied einer bestimmten „Wir- Gruppe“ teilt man sich mit den anderen nicht nur die Sprache, die Kultur, die Geschichte, sondern auch einen bestimmten Ursprung. Man glaubt an gemeinsame mythische Ahnen. Für die Primordialisten hat Ethnizität eine Natur, die als Wurzel der Angehörigen gilt. Für sie kann man nicht die
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Zugehörigkeit an einer Ethnie so einfach wie die Mitgliedschaft eines Verbandes oder einer politischen Partei wahrnehmen. Warum hört man üblicherweise Leute z.b. sagen: als ich Kommunist oder Sozialist war, und überhaupt nicht: Als ich Indianer war, oder als ich Jude war? Warum sind die Angehörigen einer Ethnie überzeugt, dass sie eine gemeinsame Mentalität haben? Dieses Gefühl der Zugehörigkeit ist naturell und ist auch ein Beweis, dass Ethnien nicht wissenschaftlich in der Zeit fixierbar sind. Die Primordialisten beschäftigen sich mit dem Inhalt und den Kriterien der Integration oder Ausgrenzung. Da Ethnie eine quasiontologische Gegebenheit ist, braucht man nicht zu viel über ihre Entstehung zu rätseln. Die Herkunft ist etwa mythisch.
Die Theoretiker des Primordialismus verhalten sich, als ob der Mensch a priori prädestiniert wäre, bestimmte Merkmale einer Ethnie zu tragen. Sie vernachlässigen die Tatsache, dass der Mensch zwar in einer ethnischen Gruppe geboren ist, wo er kulturelle Eigenschaften durch Initiationen und Lernprozessen erbt, aber er kann auch durch Adoption, Freundschaft, Heirat Sozialisation oder Verflechtung zu einer Ethnie gehören. Durch äußere Merkmale wie Kleidung, Frisur und Name kann eine Gruppe von Personen in einer bestimmten geschichtlichen Situation eine neue Ethnie konstruieren, daher steht dem Primordialismus der Konstruktivismus gegenüber.
2.2.2 Konstruktivistisches Konzept von Ethnizität
Die gemeinsame Herkunft findet keine Logik bei den Konstruktivisten oder Formalisten. Für sie ist die Geschichte des Ursprungs nur „erschöpft“, um soziale und politische Interessen zu begründen. Ethnien sind in einer bestimmten Zeit der Geschichte erfunden worden. Ethnizität ist keine quasi- überhistorische und natürliche Gruppenzugehörigkeit wie von den Essentialisten behauptet. Ethnien existieren nur im Zusammenhang eines „Wir“ zu „anderen“. Ohne „andere“ existiert keine „Wir- Gruppe“. Wie von Hegel in Phänomenologie des Geistes (1807) begründet, existiert der Meister, weil es einen Sklaven gibt. Das bedeutet, dass man sich als ego (Ich) nur in Relation zu alter ego (der andere) behaupten kann. Laut des Konstruktivismus existieren ethnische Gruppen, weil sie sich von den Anderen unterscheiden wollen. Sie werden erfunden, bestimmte geschichtliche und mythische Figuren werden konstruiert und als Symbole dargestellt werden. Die Konstruktion von Ethnie bedeutet auch die Konstruktion von Differenzen.
Die Konstruktivisten werfen der sozialwissenschaftlichen Forschung vor, blauäugig die subjektive Behauptung von der Ethnie als familienübergreifende und familienerfassende Gruppe mit der gemeinsamen Geschichte, Kultur, Sprache in Bezug zu nehmen. Ethnizität ist subjek-
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tiv manipulierbar, flexibel und auf Strategie bezogen. Viele Gründe liegen ethnischer Identität zugrunde: Interessen, Macht, politische Instrumentalisierung durch konkurrierende Eliten und soziale Bewegungen.
Die Situationalisten 9 (Paden, 1970, Mitchell, 1970, Lyman und Douglas, 1972, Douglas und Lyman, 1976, Nagata, 1974, Okamura, 1981) mit dem Konzept von „saliency“ bezeichnen Ethnizität als ein Erkennungsmerkmal unter anderen. Sie ist keine natürliche Eigenschaft, die man besitzt. Sie ist eine Summe von Ressourcen, die der Mensch für die soziale Handlung braucht. Ethnizität ist kontextorientiert. Je nachdem in welcher Situation ein Mensch sich befindet, kann er für eine seiner Identitäten aufkommen. Derselbe Mensch kann sich unterschiedlich definieren. Diese Identitäten sind manipulierbar, weil der Betroffene im Bezug auf jede Situation eine Identität ausnutzen kann, um Privilegien zu bekommen. Man könnte z.b. während der Arbeitssuche eine positive Eigenschaft seiner Ethnie fordern. Die ethnischen Eigenschaften werden nicht immer automatisch oder auf einem Zufall dargestellt. Sie sind von den Betroffenen im Bezug auf soziale Handlungen kalkuliert. Nepotismus entsteht dadurch, dass man die Menschen seiner Herkunft privilegiert, weil man sich mit ihnen bestimmte Gemeinsamkeiten teilt. Wenn man feststellt, dass der Beamte nach einigen äußerlichen Merkmalen aus seiner Ethnie stammt, versucht man mit ihm in seiner Muttersprache zu kommunizieren und dadurch Privilegien zu bekommen. Laut Moerman (1968) sollte man die Frage stellen, wann, wie und warum ist die Identität X bevorzugt und nicht wer die X sind. Die Situationalisten vernachlässigen eine alltägliche Tatsache: Warum wandeln sich nicht normale Vereinigungen zu ethnischen Gruppen? Als Mitglied eines Clubs teilt man sich bestimmte Eigenschaften mit den anderen Mitgliedern. Manche Clubs haben ihre Fahne, Hymne, Anzüge, Verhaltensweise; warum definieren sie sich nicht als ethnische Gruppen? Warum werfen die Angehörigen einer ethnischen Gruppe den anderen vor, entfremdet oder entwurzelt zu sein?
Die Ablehnung von Ethnizität als natürliche Gruppe von Menschen mit einem „völkischen Ursprung“ stellt die Definition von dem Begriff selbst in Frage. Man kann Ethnie als eine quasi- überhistorische Gruppe nicht absolut ablehnen und sie einfach auf historisch politische Konstellationen und Elitenkampf zurückführen. Die Konstruktivisten können auch nicht erklären, warum Menschen für diese angeblich erfundenen Identitäten bereit sein können, hartnäckig zu kämpfen und sich dafür zu opfern. Ist es nur ein reiner und naiver Fanatismus? Die Uneinigkeit zwischen Primordialisten und Konstruktivisten könnte bei der Tatsache liegen, dass Theorien Ideologien werden, statt der wiederholten Ereignisse (Ethnische Bildungen
9 vgl. POUTIGNAT/STREIFF- FENART, Théories de l´Ethnicité, Paris, 1995, S.182- 188.
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und Konflikte) objektiv zu begründen. Der Fall Ruanda/ Burundi ist ein entsprechendes Beispiel 10 .
3. Der Fall Ruanda/ Burundi
Die ersten Kontakte von Ruanda- Burundi mit Europäer fanden 1858 statt, als Speke und Burton die Ufer des Tanganjikasees entdeckten. In Bujiji südlich von Ruanda erforschten Livingston und Stanley das Seeufer. Ruanda- Urundi wurden zum deutschen Interessengebiet in Berliner Kongress 1884- 1885 erklärt. Geschichtlich gesehen, spricht man über Ruanda-Urundi, weil Belgien nur 1961 die getrennte Autonomie zuschrieb. Ruanda und Burundi sind im Bezug auf ihre ähnlich gesellschaftliche Struktur immer noch Zwillingsländer. Die Karte von Ruanda und Burundi bietet eine Übersicht über die geographische Lage von den Großen Seen an. Außer einigen Seen haben die Länder dieser Region fast keine natürlichen Grenzen. Diese Nachbarländer weisen viele Ähnlichkeiten vor, was die gesellschaftlichen Strukturen anbelangt. Die Karte von Ruanda- Burundi ist behilflich, das Bündnis der Hutu für die mutmaßliche „Befreiung des Hutu- Volkes in den Großen Seen“ sowie den Zusammenschluss der ruandischen Tutsi in den Nachbarländern und die Ausbreitung des Konfliktes Hutu- Tutsi in der ganzen Region zu nachvollziehen (vgl. Karte, S.29)..
3.1 Ethnien in der Vorkolonialzeit
Ruanda und Burundi haben eine sehr ähnliche Gesellschaftsstruktur. Sie sind Nachbarländer und liegen in der Region der großen Seen Afrikas. Die Nachbarländer sind Kongo, Tansania, Uganda, Kenia. Die Hutu (Bahutu) bilden die große Mehrheit in diesen beiden Ländern. Die Hutu sind Bantuvölker 11 , von Beruf Ackerbauern. Sie bilden heutzutage 85% der Bevölkerung von Ruanda, während die Tutsi (Batutsi) 14 % bilden. Die Tutsi sind Nomaden, Viehbauern und stammten aus Nordostafrika als nilo- kuschitische Gruppe. Die Geschichte zeigt, dass die ersten Bewohner Ruandas die Twa (Batwa) sind. Sie sind Pygmäen, Jäger und Sammler, bilden heutzutage nur 1% der Bevölkerung.
Die Hutu gründeten gut strukturierte Königreiche. Im 17. Jahrhundert unterwarfen die Tutsi einige Hutu Königtümer und etablierten das Königreich von Ruanda.
10 Der Krieg von Burundi und der Genozid von Ruanda sind nur Beispiele unter zahlreichen ethnischen Konflikten, die in dem Kontinent Afrika seit den Unabhängigkeiten (größtenteils seit 1960) stattgefunden haben. Die Ursachen, Konsequenzen und Narben dieser Krisen können einigermaßen verallgemeinert werden. Natürlich bestehen in diesem Fall Besonderheiten, die nur den Realitäten von Ruanda/ Burundi entsprechen.
11 Man findet Bantuvölker in Ostkamerun, in Kenya, in Kap (Südafrika)... Sie besiedelten ca. ein Drittel Afrikas. Ba ist der Vorsilbe für die Mehrzahl (Bantu, Bahutu, Batwa, Batutsi) und Mu ist der Vorsilbe für Einzahl (Muhutu, Mutwa, Mututsi, Muntu).
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Ethnizität und ethnische Konflikte in Afrika: Der Fall Ruanda/ Burundi
In Ruanda- Burundi ebenso wie in dem Rest des Kontinents waren die Bevölkerungen von Migrationen, großen und andauernden Bewegungen 12 geprägt. Überall existierten große Familienverbände, „Lineages“, die aus anderen Gebieten immer eingewandert waren. Das System weist eine Unabhängigkeit des Königs bis zu dem letzten König der Vorkolonialzeit Kigiri Rwabugiri (1853- 1895) auf.
Die Geschichte von Afrika in der Vorkolonialzeit zeigt, dass viele große kulturelle, ökonomische und politische Kreise wie die Reiche von Gana, Gao, Mali, Macina, Segur in Westafrika existierten. Sie hatten kleine politische Einheiten unter ihren Autoritäten. Einige europäische Anthropologen und Historiker lehnen die Auffassung ab, dass gesellschaftliche Strukturen mit gemeinsamer Sprache, Kultur und Geschichte in Afrika in der Vorkolonialzeit bestanden, wie man sie heutzutage kennt. Sie vertreten die Meinung, dass Gemeinschaften größtenteils auf Nachbarschaft, Verwandtschaft und Loyalität gegenüber dem traditionellen Oberhaupt bestanden und multiethnisch waren. Das Gemeinschaftsbewusstsein existierte nicht. Es bestand erst in der Konfrontation mit europäischem Denken in Stämmen, das die Kolonialherren und Missionare 13 nach Afrika transponiert haben. Bedeutet dies, dass Ethnizität eine pure koloniale Erfindung ist? Wie konnten die Menschen in einer Gemeinschaft zusammenleben und kommunizieren, wenn sie keine gemeinsame Sprache, Bräuche und Rechtsverfassung hatten? Wie kann man die Tatsache erklären, dass es in dieser Vorkolonialzeit Auseinandersetzungen zwischen Gemeinschaften gab, wenn den Menschen nicht bewusst war, dass sie unterschiedliche Identitäten hatten? Ethnie ist als eine „Gruppe von Personen, die derselben Kultur angehören (gleiche Sprache, Bräuche etc. haben) und
12 SCHERRER, Christian, Ethnisierung und Völkermord in Zentralafrika: Genozid in Ruanda, Bürgerkriege in Burundi und die Rolle der Weltgemeinschaft, 1997 S. 19. Die ständigen Bewegungen der Bevölkerung wurden oft mit politischen und militärischen Ursachen und mit dem Autokratismus vom dem König Kigiri Rwabugiri begründet. Emmanuel NTEZIMANA argumentiert, dass diese ständige Mobilität nur bei der Tatsache liegt, dass die Menschen in der Vorkolonialzeit keinen Begriff von Staatsgrenzen wie heute hatten. vgl. dazu Emmanuel NTEZIMANA, Ruanda am Ende des 19. Jahrhunderts. Gesellschaft, Administration und Politik, in: Als die Weißen Kamen (Gudrun HONKE), 1990, S. 73- 74.
13 Die Vertreter dieser Auffassung lehnen die Existenz der Ethnien vor der Kolonialzeit ab, indem sie behaupten, das Ethnienbewußtsein nur von Europäern mitgebracht wurde. Die Tatsache, dass die Europäer dieses Bewusstsein geweckt hatten, stellt nicht logisch die Existenz der Ethnien in der Vorkolonialzeit in Frage. Unter dieser Auffassung steckt das Denken von vielen europäischen Kolonialherren, die behaupteten, dass afrikanische Gesellschaften nicht vielen existentiellen Elementen ihres Lebens bewusst waren und sich nur mit Hilfe und Rationalität der Europäer bewusst werden konnten. In seinem Buch „La Philosophie Bantou“ (Édition Présence Africaine, Paris, 1949) vertritt der belgische Missionar in Kongo Révérend Père Placide TEMPELS die Meinung, dass die Bantu eine Art von Philosophie haben, die nicht mit der europäischen Rationalität zu tun hat, aber er betont, dass es seine Aufgabe (Aufgabe des Europäer) sei, die Bantu zu lehren, wie ihre Philosophie in der Substanz sei. Für ihn kann nicht das menschliche Verhalten permanent und universal sein, wenn nicht eine bestimmte Logik zugrunde liegt. Die Bantu haben eine Philosophie, derer sie sich nicht bewusst sind; was er bei den Bantu beobachtet und erlebt hat, könnte ebenfalls bei anderen Gesellschaften in Afrika der Fall sein. Man könnte ihm schon vorwerfen, Philosophie mit Ethnologie verwechselt zu haben.
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sich dessen auch bewusst sind“ 1 definiert. Das Bewusstsein spielt eine große Rolle und ist mit der Subjektivität verbunden.
Da jede Gemeinschaft in der Vorkolonialzeit mit einer ökonomischen Tätigkeit oder mit einem spezifischen Beruf verbunden war, ist Ethnizität mit gesellschaftlicher Arbeitsteilung verbunden.
3.2 Ethnizität und gesellschaftliche Arbeitsteilung
Ethnie ist immer mit einem Name verbunden. z.B. Ethnonymen wie Fulbe (Fula), Juula (Djoula), Bambara (Bamana) sind mit klaren Bildern verbunden: Kleidung, Verhalten und eine Berufsklasse. Diese Berufsklasse weist darauf hin, dass unterschiedliche Gruppen ursprünglich unter Arbeitsklassen geteilt waren und flexibel im Gegensatz zu „Kasten“ waren. Manche Berufe werden von einem Familienverband übernommen, monopolisiert und für weitere Generationen überliefert. Egal wo die Fulbe in Afrika ansässig sind, assoziiert man sie a priori Nomaden, Viehzüchter, die mit Stolz die Schönheit ihres Eigentums pflegen (Rinder). Mit Bambara, assoziiert man Bauern. Mit Bamiléké in Kamerun assoziiert man Händler, Bauern, die mit ihrem Vermögen sparsam umgehen, obwohl diese Eigenschaften nicht bei allen Angehörigen zu finden sind. Bei alltäglichen Unterhaltungen und Witzen, wird man manchmal als Bamiléké, Béti oder Haussa geschätzt, wenn man ein bestimmtes Verhalten zeigt. Das bedeutet nicht, dass alle Bamiléké Händler und sparsam sind, oder dass alle Bambara Bauern sind.
Ethnizität und gesellschaftliche Arbeitsteilung sind eng verflochten. Ein Bericht von Franz-Völker Müller (vgl. Waldmann 1989, S.170) ist behilflich, diese Verzahnung „Ethnie- Beruf“ zu erfassen. Während seiner Studie über Ethnizität in Mali im Jahre 1975 wurde er von einem Bambara gefragt, ob es bei ihm auch Fulbe gäbe. Da Fulbe in Mali Viehzüchter sind, wollte der Bambara wissen, ob man Viehzüchter in Deutschland findet. Als der Autor beantwortete, dass Viehzüchter, die in Deutschland sesshaft sind, wenig „Transhumanz“ betreiben, war er skeptisch. Für ihn ist ein Viehzüchter ein Fulbe und sollte alle Eigenschaften besitzen, die der Fulbe hat. Unter Fulbe wird weder Rasse, Herkunft noch Nationalität assoziiert. Fulbe oder Bambara ist mehr mit einer professionellen Spezialisierung als mit einer Bindung mit Blut oder Boden assoziiert. Umgekehrt versteht der Juula und der Fulbe unter Bambara den Bauern.
Diese starke Verbindung von Beruf oder Eigenschaften mit Ethnie ist nicht nur afrikanisch. Wie wir in dem nächsten Punkt (3.3) zeigen werden, verbanden die Belgier in Ruanda und
1 Taschen- Wörterbuch der Ethnologie, 1982, S. 91.
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Ethnizität und ethnische Konflikte in Afrika: Der Fall Ruanda/ Burundi
Kongo die gesellschaftlichen Gruppen mit einer Bevölkerungsgruppe von ihrem Heimatland Belgien. Eine kongolesische Gruppe konnte als Flamen oder Wallonen im Bezug auf ihr Verhalten bezeichnet werden. D.h. sie hatten schon in der Heimat (Belgien) Klischees über gesellschaftliche Gruppen.
Der Tauschhandel in der Vorkolonialzeit ist der Beweis, dass jede Gruppe spezifische Güter produzierte. Die Viehzüchter tauschten einige von ihren Tieren, um z.b. Salz von Händlern oder Nahrungsmittel von den Bauern zu bekommen. Es gab eine Art von Dienstleistungen, wobei die geistlichen Schützer der Gemeinschaft, die Schamanen, die Häuptlinge und ihre „Minister“ und Diener eine Gegenleistung für ihre Dienste von der Gemeinschaft bekamen. Diese strikte Arbeitsteilung ist in den beiden gesellschaftlichen Gruppen von Ruanda und Burundi bewiesen. So waren Hutu Ackerbauer und Tutsi Viehzüchter. Der Besitz von Rindern bei den Tutsi war mehr ein Prestige als Reichtum. Im Gegensatz zu manchen afrikanischen Ethnien, wo man durch Tätigkeitswechsel sich auch als Mitglied dieser Gemeinschaft benehmen kann, scheint diese Flexibilität in Ruanda/Burundi sehr komplex. Ein Hutu konnte zwar Rinder von einem Tutsi bekommen, aber musste einen permanenten Dienst gegenüber seinem Gläubiger leisten. Permanent, weil der Nachwuchs die Schulden weiter abtragen musste. Und dieser Besitz ermöglichte einem Hutu auch dieses Prestige zu haben. Aber was nicht geklärt wird, ist, ob ein Hutu dadurch Tutsi werden konnte oder umgekehrt. Eine weitere Schwierigkeit bei den Hutu und Tutsi ist, dass die Kriterien der Ethnizität nicht nur sprachlich, geschichtlich und kulturell waren, sondern auch körperlich. Die Tutsi hatten einen Mythos der großen Helden, „außerirdisch“ „ Tombés du ciel“ 14 entwickelt. Diese Mythologie wurde von der kolonialen Klassifizierung dieses Volkes als „Herrscherrasse“ obendrein verstärkt. So konnte man vermutlich durch körperliche Erscheinungen (Gesichtsform, Körpergröße) unterscheiden 15 , ob jemand Tutsi, Hutu oder Twa ist. Was sicher ist, ist, dass diese Gruppen nicht strikt getrennt lebten.
Wenn man behauptet, dass Ethnien in der Vorkolonialzeit nur als ein Art von gesellschaftlicher Arbeitsteilung galten, bedeutet es, dass Ethnizität in Afrika eine reine Konstruktion von den Kolonialmächten ist? Wenn nein, inwiefern hat die Kolonialisierung die bereits in der Vorkolonialzeit existierten gesellschaftlichen Gruppen beeinflusst bzw. ihre Abgrenzungen und Relationen verschärft?
14 Die Tutsi stammten ursprünglich aus Nordostafrika und hatten Mythen entwickelt, um sich als „Helden“ zu idealisieren. Sie nannten sich selbst „Tombés du ciel“, d h. nur auf der Erde gelandet, ohne geboren zu sein. Laut dieses Mythos haben ursprünglich die Vorfahren Gahutu, Gatutsi und Gatwa denselben Vater. Eines Tages organisierte der Vater Gihanga eine Wette zwischen seinen Söhnen. Gatutsi gewann, deswegen seien die Tutsi, sein Nachwuchs, die „Herrscher“.
15 In vielen afrikanischen Ländern unterscheidet man im Gegensatz zu Ruanda/Burundi zahlreiche Ethnische Gruppen, meistens nur mit Herkunft, Sprache, Bräuchen und wenigstens mit körperlichen Merkmalen.
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Ethnizität und ethnische Konflikte in Afrika: Der Fall Ruanda/ Burundi
3.3 Die koloniale Ethnisierung
Afrika wurde von Europa wie ein „Stück Kuchen“ geteilt. Die kulturellen Unterschiede der verschiedenen Gesellschaften wurden nicht berücksichtigt, und wenn ja, nur zugunsten der Kolonialmächte. Um besser zu regieren oder zu herrschen, klassifizierten und fixierten die Kolonialherren, Missionare und Ethnographen schriftlich und kartographisch die „Stämme“. An diesen „Stämmen“ knüpften sie lokale Namen. Diese Namen bezogen sich oft eher auf Berufsgruppen als auf kulturell, strikt abgegrenzte ethnische Gesellschaften. So versteht man die oben erwähnte Frage von dem Bambara an F. V. Müller. Z.B. Die Nomaden konnten im Norden Nigerias zu Haussa werden, wenn sie in die Städte zogen und Handel trieben 16 . Viele heutige ethnische Namen waren in der Vorkolonialzeit nur die Bezeichnungen für „Menschen“ 17 . Angeblich bedeutete ursprünglich Batutsi Chef, Batwa Diener. Die Kolonialherrschaft hat diese als Ethnonyme verwendet. Diese Bezeichnungen von Ethnien in der Kolonialzeit hingen auch von den lokalen Eliten und Übersetzern ab, die mit den Kolonialbeamten zusammenarbeiteten. Außerdem bestanden viele Missverständnisse zwischen den Kolonialherren und den Einheimischen.
Die Militärstrategie spielte auch eine große Rolle bei der Unterteilung von großen ethnischen Einheiten. Die bevorzugten Gruppen wurden ausgenutzt, um gegen andere zu kämpfen. Die Regel der Kolonialmacht war „teilen, um besser zu herrschen“ 18 . Um die hegemonischen Ethnien zu schwächen, wurden sie von der Kolonialmacht unterteilt. Der „Stamm“ galt als ein politisches Ordnungsmuster. Es war für die Kolonialherren selbstverständlich, dass jeder Afrikaner einem „Stamm“ angehört. Die Rangordnung war Familie, Klan, Stamm und später die Distrikte, Provinzen, die in der Kolonialzeit eingeführt wurden. Die Häuptlingstümer sollten ethnische Grenzen gewährleisten. Durch diese Hierarchie von unten nach oben wurden die Befehle und Rechnungen weitergeleitet und von oben nach unten nachgekommen. Die lokalen Eliten übernahmen Tätigkeiten in der Verwaltung und galten auch als Vertreter der Ethnien. Auf kulturelle und politische Interessen fingen diese Eliten an, die Geschichte ihrer Ethnien zu formulieren und zu schreiben. Da ethnische Gruppen in der
16 vgl. C. LENTZ, in: Das Kleine Afrika- Lexikon (MABE), 2002, S. 52
17 Bahutu, Batutsi, Batwa waren in der Anfangsphase der Kolonialzeit für manche Leute außer vom Zentrum nicht als Ethnonyme bekannt. Sie waren als Ethnonyme erst in der Kolonialzeit eingeführt worden. vgl. Antoine LEMA, Africa Divided. The Creation of „Ethnic Groups“, 1993 S. 46.
18 Die Massaker an Bamilékés in Kamerun basierten sich nicht nur auf die Unabhängigkeitsstrebung Kameruns, sondern auch auf eine Ideologie der Teilung der Ethnien die einen gegen die anderen. Diese Instrumentalisierung der Ethnie wurde von maréchal Lyautey begründet: “S´il y a des mœurs et des coutumes à respecter, il y a aussi des haines et des rivalités qu´il faut démêler et utiliser à notre profit, en opposant les unes aux autres, en nous appuyant sur les unes pour mieux vaincre les autres», von Daniel Tessue zitiert, «Polémique autour du problème bamiléké », La nouvelle Expression, 11 Juillet 1995 vgl dazu François- Xavier VERSCHAVE, France- Afrique. Le crime Continue, 2000, S. 15.
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Vorkolonialzeit von Migrationen, Handel und Eroberungen geprägt waren, waren die Identitäten relativ schwierig zu fixieren und zu identifizieren. Die Kolonialmächte wollten durch die ethnischen Identitäten die Verwaltungsgrenzen etablieren.
Deutschland praktiziert die Politik der „indirect rule“. Diese Kolonialmacht wollte sich nicht direkt in die politischen, kulturellen und strukturellen Angelegenheiten von Ruanda- Urundis Einmischen. In der Tat bekam der Mwami (Chef) Unterstützung von den deutschen Kolonialherren, um seine geographischen Grenzen zu erweitern. Er sollte die von Deutschland eroberten Gebiete in sein Territorium eingliedern, um die imperialistische Politik Deutschlands zu vereinfachen. Das hat den Mwami dazu geführt, diktatorisch zu regieren und die Grenzen zwischen Tutsi und Hutu auf internationaler Ebene legitimieren zu lassen. Mit dem Beginn des 1. Weltkrieges verlor Deutschland Ruanda- Urundi, nachdem Belgien mit ca. 1 075 Soldaten das Land im April 1916 angegriffen hatte und eroberte es im September. Im Jahre 1919 sprachen die Alliierten das Mandatgebiet Ruanda- Urundi definitiv zu. Die belgische Krone wollte in Ruanda großflächige Kaffee- Tee- Baumwollplantagen einrichten. Die Tutsi als „Herrscherrasse“ sollten die Arbeit der einfachen Hutu- Kleinbauern überwachen. Die präkoloniale Befehlstruktur schien von der Kolonialmacht legitimiert zu sein.
Die Belgier haben die von Tutsi gebildeten Mythen (Mythos von „tombés du ciel“) unterstützt und gleichzeitig die Ungleichheit zwischen Tutsi und Hutu anhand der europäischen Geschichte interpretiert. Laut Verschave sind die Deutschen und die Belgier in Ruanda- Bu-rundi mit rassistischen Ideologien angekommen. Die europäischen Rassenideologen wie Le Comte Joseph Arthur de Gobineau haben die physischen Unterschiedlichkeiten in diesen Ländern als biologisch genetisch und sogar rassistisch interpretiert. Für einen Teil von den europäischen Historikern von 19. Jahrhundert ist es offensichtlich, dass die Französische Revolution ein rassistischer Kampf zwischen den Franken (Adlige) und den Galliern (Unterschicht) war. Die zweite Gruppe habe die über die erste gesiegt und sie nach Deutschland geführt. Wie kann man heutzutage solche Interpretationen der Geschichte noch geltend machen? Leider hat Dominique Franche festgestellt, dass diese „rassistische Schule“ die Missionare und Kolonialherren für Ruanda ausgebildet habe. So haben die Europäer ihre Mythen nach Afrika transponiert und konnten ein Volk als „gut“ und ein anderes als „böse“ beurteilen.
In den dreißiger Jahre haben die Belgier behauptet, dass sie nach angeblich genetischen Experimenten und Blutgruppeuntersuchungen feststellten, dass die Tutsi genetisch überlegen
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und näh zu der europäischen Rasse seien. Sie priesen dieses Volk als eine „Regierende Rasse“.
Ein in Afrika transponierter Konflikt ist die sozio-politische Realität von Belgien: viele Flamen haben in Ruanda- Urundi und Kongo ihren Kampf gegen Wallonen mit Hutu- Tutsis Konflikt verwechselt. Sie hatten eine rassistische Ideologie entwickelt, so dass die beiden Völker im Endeffekt an den genetischen Unterschieden geglaubt hatten 19 . Zu der Kernfrage, ob die Tutsi, Hutu und andere Minderheiten in Ruanda und Burundi unterschiedliche ethnische Gruppen bilden, schreibt Dominique Franche:
«Pour pouvoir parler d´une ethnie hutu et d´une ethnie tutsi différentes, il devrait exister entre les deux groupes une opposition de langue, et/ou de culture, et/ou de religion, et/ou de territoire, ces oppositions constituant la définition de la notion d´ethnie. Or, au Rwanda comme au Burundi, Hutu, Tutsi et Twa parlent la même langue, ont une culture identique, pratiquent les mêmes religions et ont toujours vécu les uns parmi les autres… Le mot «ethnie» ne s´applique donc pas aux différences internes aux sociétés ruandaises et bu-
20 rundaises»
Was die Bildung betrifft, haben Hutu und Tutsi gelernt, dass Bildung die Voraussetzung für die Beherrschung nach europäischem Vorbild ist. Bedauerlicherweise hat das belgische Kolonialsystem der ruandischen Bevölkerung die Schulbildung verboten. Diese amoralische Kolonialpolitik von Belgien hat sich in Kongo bewährt, als für kurze Zeit einige Bürger für die Übernahme des Regierens nach der Unabhängigkeit ausgebildet wurden. Was später in Ru-anda dazu geführt hat, dass die ausgebildeten Eliten von der anderen Gruppe als Gefahr für die Herrschaft wahrgenommen waren.
Neben den vorkolonialen Strukturen und der kolonialen Erfindung von Ethnizität sind die Ursachen der ethnischen Konflikte in Afrika auch mit dem Bevölkerungswachstum verbunden.
3.4 Machtverteilung der Nachkolonialzeit
Die Frage nach der Machtverteilung in den unabhängigen afrikanischen Ländern ist im Rahmen der Ethnizität und Ethnisierung der Politik im heutigen Afrika relevant. Die Positionen der Kolonialmächte und ihre Rolle in der Machtverteilung nach den Unabhängigkeiten ihrer Kolonien spielen eine wichtige Rolle bezüglich ethnischer Beziehungen. Wie bei der kolonialen Ethnisierung erwähnt, hat die Kolonialmacht selbst die Menschen mit ethnischen Etiket- 19 vgl.VERSCHAVE, France- Afrique. Le Crime Continue, 2000, S. 51. 20 vgl. Dominique FRANCHE, Rwanda, Généalogie d´un Génocide, Milles et une nuits, 1997.
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ten klassifiziert. Manche Ethnien wurden in der Verwaltung und Zusammenarbeit mit der Kolonialmacht privilegiert. Aber diese Bevorzugung war eher ein Herrschaftskalkül als ein reiner Altruismus. In jeder Kolonie existierten ethnische Gruppen, die mutig waren und nach der Autonomie strebten. Um diese „Stämme“ zu schwächen, konnte die Kolonialmacht entweder militärische Repressionen anwenden oder durch inter- ethnische Divisionsstrategien verfahren.
In der Nachkolonialzeit wurden viele Regierende von der Bevölkerung überhaupt nicht legitimiert, da die richtigen Unabhängigkeitskämpfer von der Macht entfernt oder liquidiert wurden. Kamerun liefert ein passendes Beispiel. So kam Amadou Ahidjo mit Hilfe von Frankreich an die Macht und konnte die Interessen der alten Kolonialmacht in der Nachkolonialzeit in manchen Gebieten vertreten. Ein anderer Grund für seine Wahl war seine ethnische Zugehörigkeit. Die Unabhängigkeitspartei UPC (Union des Populations Camerounaines) von Ruben Um Nyobe wurde als gesetzwidrig deklariert. Da diese Partei eine große Unterstützung in Westkamerun und in der Küste hatte, wurde eine militärische Kampagne mit Hilfe Frankreichs durchgeführt, um die Aufstände im Griff zu haben. Ahidjo als Favorit von Frankreich war mehr eine Marionette als ein Vertreter des Volkes und wurde trotzdem in Afrika als eine beispielhafte Figur der Unabhängigkeit gelobt (Père de la Nation Camerounaise). Die Strategie von Frankreich war sehr ethnisch kalkuliert.
Ahmadou Ahidjo gehört zu der Ethnie Peuhl in Nordkamerun. Diese Ethnie war wenig von der Kolonialisierung beeinflusst und hat kaum an dem Unabhängigkeitskampf teilgenommen. Sie wurde aber von Frankreich als ein großartiges Volk in Kamerun vorgestellt 21 . Es ist in Kamerun bekannt, dass eine Angst vor der Ethnie Bamiléké in der Politik existiert, da diese Ethnie und die anderen immer ihre Strebungen nach Autonomie ausgedrückt hatten. Über diese ethnischen Repressionen in Kamerun schreibt ein rechtsgerichteter französischer Schriftsteller:
„Entre Douala et Bafoussam, près de 400 000 Bamilékés sont en dissidence. Pour rétablir l´ordre à la de-mande expresse du gouvernement Camerounais, le général Briand (Franzose) dispose de cinq bataillons, un escadron blindé, et un escadron de chasseurs- bombardiers T- 26 pour des missions d´intimidations…» Mongo Beti (1977, S. 84- 85).
21 vgl. Mongo BETI, Main Basse sur le Cameroun. Autopsie d´une Décolonisation, 1977, S. 82. Die Kolonialmächte haben sich bis zu der Unabhängigkeit Kameruns (1. Januar 1960) keine Mühe gegeben, um in den Norden zu kommen. Frankreich hat trotzdem die Ethnie Peuhl als eine homogene muslimische Gesellschaft gepriesen, um die Macht von Ahidjo zu begründen. Mongo Beti kritisiert die Behauptung von Philippe Decraene, nach der die Ethnie Peuhl eine strikt organisierte, feudale Gesellschaft ist, die die einheimische Animisten im Norden unterworfen haben; er bezeichnete den Süden von Kamerun als Mikro- ethnische Gesellschaften, die gegenei-nander kämpfen. Die angebliche Unterwerfung der anderen Ethnien in Norden von den Peuhl ist zweifelhaft: Die dominierten Kirdis haben im Gegensatz zu der Aussage von Decraene noch nicht zugegeben.
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Bemerkenswert ist, dass diese Völkermorde nirgendwo in einem Geschichtebuch erwähnt sind. Der Fall von Ruanda zeigt uns, wie die Kolonialmacht die Ethnizität ausbeutete. Als die Tutsi sich erheben wollten, fingen die Belgier an, sie als „eingebildete Menschen“ zu kritisieren und auf der Seite von den Hutu zu spielen. Die Kolonialverteilung von Afrika hat nicht nur die internen Strukturen der Gesellschaften durcheinander gebracht, sondern auch die intrakontinentalen, großen kulturellen Räume. Viele Familien und ethnische Gruppen wurden geteilt, manchmal zwischen unterschiedlichen Staaten. Daher entstanden und entstehen immer noch die Grenzenkonflikte in Afrika, die auch ethnische Netzwerke auf internationaler Ebene berühren. Im Falle eines Krieges in einem Land der Großen Seen sind fast alle ethnische Gruppen verwickelt. Die Bürgerkriege von Burundi, Ruanda und Kongo liefern illustrative Beispiele.
Die Zersplitterung vieler Staaten kurz nach der Unabhängigkeit ist nicht nur auf die Kolonialpolitik der Ethnizität zurückzuführen, sondern auch auf den Ehrgeiz von vielen ethnischen Eliten, die nur nach der Macht strebten.
3.5 Bevölkerungswachstum
Viele Entwicklungsforscher und Demographen warnen seit einiger Zeit vor einer Überbevölkerung in der Welt bzw. in den Entwicklungsländern. Wenn man die Fläche vieler afrikanische Länder mit der Einwohnerzahl vergleicht, könnte man feststellen, dass Afrika nicht überbevölkert ist oder überbevölkert sein kann. Das Problem liegt nicht bei der jetzigen Einwohnerzahl, sondern bei der Zukunftssicherung dieser Menschen. Wie werden die Länder die Menschen vor Naturkatastrophen, Krankheiten schützen? Wie werden sie den Bevölkerungen Bildungsmöglichkeiten, Gesundheitssicherung, Ernährungssicherheit gewährleisten? Wenn viele Länder es heute nicht schaffen, die Grundbedürfnisse ihrer Bevölkerungen zu befriedigen, wie werden sie es in Zukunft mit einer großen Zahl schaffen? Neben Überlebensproblemen in Afrika, existieren kulturelle und ethnische Auseinandersetzungen, welche die Situation des Kontinents immer mehr verschlimmern: Kongo, Sierra- Leone, Angola. Das Bevölkerungswachstum hat nicht nur Vorteile wie Arbeitskräfte, Kreativität, sondern kann auch soziale, politische und kulturelle Probleme verursachen. Je mehr die Bevölkerung eines Landes wächst, desto wachsen mehr auch deren Bedürfnisse.
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Ruanda hat eine Einwohnerzahl von 7,7 Mio. 22 und eine Fläche von 26, 338 km². Burundi hat eine Einwohnerzahl von 5, 8 Mio. und eine Fläche von 27, 834 km². Diese Länder sind topographisch die kleinsten, aber die am dichtesten besiedelten Staaten Afrikas. Der Bevölkerungszuwachs liegt bei 2,9% pro Jahr. Wenn es bisher noch nicht eine Hungerkatastrophe in diesen Ländern gegeben hat, liegt es bei ihrer hochentwickelten bäuerlichen Kultur. Sie kennen kaum Dörfer und knapp 7% von den Menschen leben heute in den Städten. Aufgrund der wenig ausgebeuteten Bodenschätze (Nickel, Gold, Kupfer, Zinn, Kobalt, Uran) und der Fertilität des Bodens hat das Land ein auf Kaffee- Tee- Baumwollplantagen basiertes Wirtschaftssystem entwickelt. In der Landwirtschaft sind ca. 90% der Beschäftigten tätig. Die Industrie ist noch wenig entwickelt. Sie verarbeitet landwirtschaftliche Produkte und produziert Konsumgüter. Bedauerlicherweise ist dieses Wirtschaftssystem durch den Bürgerkrieg zusammengebrochen.
Neben den vorkolonialen Strukturen von Ethnien sowie der kolonialen Erfindung von Ethnizität und dem Bevölkerungswachstum ist das Problem der ethnischen Konflikte in Afrika auf die Entwicklung und moderne Strukturen zurückzuführen.
3.5.1 Modernität, Migrationen und Urbanisierung
In den modernen Zeiten ist Ethnizität universal, weil sie ein Ergebnis der industriellen und wirtschaftlichen Entwicklung, der Nationalstaatenbildung, ist. Modernität führt nicht nur zur Verflechtung der Nationen der Welt, sondern auch zu ethnischen, nationalen, regionalen und rassistischen Forderungen. Sie ist eine Strategie zur Forderung der Ressourcen in den Staaten geworden und ist als Instrument des Kampfes gegen Ungleichheit benutzt. Die Globalisierung und die Entwicklung der Kommunikationsnetzwerke ermöglichen die Kontakte zwischen Mitglieder einer kulturellen Gruppe, die sich weltweit miteinander unterstützen können 23 . Die Slogans anderer Gruppen werden schnell durch das Internet verbreitet und dienen als Beispiele für andere Gruppen. Der Genozid von Ruanda zeigt, wie die Medien eine große Rolle bei der Propaganda gespielt haben, indem der Sender „Radio Télévision Libre des Milles Collines“ (RTLM) durch seine Nachrichten die Anti- Tutsi Slogans verbreitet und zur Ermordung aufgerufen hat.
22 Die Bevölkerungszahl Ruandas lag 1914 bei knapp 1 Mio., 1950 bei 2 Mio., 1970 bei 3,7 Mio., 4, 4 Mio. 1978, 7, 3 Mio. 1991, 7, 9 Mio. 1994. Nach diesen Angaben kann man nachvollziehen, wie dringend das Problem von Grundstücken in diesem Agrarland sein kann.
23 vgl. P. POUTIGNAT/J. STREIFF- FENART, Théories de l´Ethnicité, 1995 S. 28- 30.
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Die Peripherie in Afrika bietet wenige Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, medizinische Fürsorge und Freizeitveranstaltungen an, deshalb wandern die Arbeitsfähigen und die Jugendlichen in große Städte ein.
Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts hat eine große Zahl von Menschen in Afrika ihre Dörfer verlassen, um saisonal oder langfristig in den Städten und Plantagen zu arbeiten. Die Städte bieten nicht immer Sicherheit und Solidarität wie die Dörfer. Die Stadt ist ein Treffpunkt der verschiedenen Kulturen und Ethnien. Und es ist nicht immer einfach für die Menschen unterschiedlicher Herkunft, miteinander zu kommunizieren. In den Städten, wo Unsicherheit, Angst und Misstrauen vorherrschen, organisieren sich Menschen gleicher ethnische Herkunft, um eine Art von Gruppenfürsorge zu schaffen. Sie pflegen ihre Traditionen und bleiben permanent in Kontakt mit ihren Herkunftsdörfern. Hierbei ist Ethnizität eine bedeutsame Ressource. So findet man in den großen Städten von Kamerun Viertel wie „Quartier Haussa“, „Quartier Bamiléké“, obwohl sie nicht offiziell so heißen. Bei den großen Ethnien werden die gleichen Strukturen wie in den Dörfern etabliert. Ein Repräsentant des „Häuptlings“ vertritt das Dorf und regelt in Notfällen Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern der Gemeinschaft. Die Älteren spielen die Rolle der moralischen Autoritäten, die der jüngeren Generation beibringen, die Sprache zu lernen und sich in die Traditionen einzugliedern. Diese Gemeinschaften beschäftigen sich auch mit Unterkünften, Orientierung und Arbeitssuche für die Neuen in der Stadt. So findet man z.b. in Nigeria Organisationen wie „Homtown Associations“ oder in Kamerun „Associations des Ressortissants de...“. Diese Verstärkung von Ethnizität in den Städten ist auf die Kommunikationsbarriere zurückzuführen. Viele afrikanische Länder haben viele Sprachen und die Bürger sprachlich unterschiedlicher Ethnien können nur qua Amtssprache oder Verkehrsprache miteinander kommunizieren. Diese Sprachbarriere verhindert die interethnischen Beziehungen und kann zu Missverständnissen und Vorurteilen führen.
Ruanda und Burundi haben diese Spracheschwierigkeiten nicht und sind von der Landflucht nur seit dem Beginn der internen Aufstände betroffen. Wie oben erwähnt, leben knapp 7% der Menschen in den Städten.
Im Laufe der Migration und der Urbanisierungsprozesse bleiben Ethnien nicht immer stabil, deshalb ergeben sich ethnische Mutationen.
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3.5.2 Ethnizität und Mutationen
Ethnizität ist durch Berufswechsel und Migrationen flexibel. Sie ist nicht nur auf Herkunft, Sprache, Kultur bezogen, sondern auch auf neue Spielregeln. Zwei Kategorien von Ethnien sind hierbei zu unterscheiden: eine, die flexibel neue Mitglieder in der Gesellschaft akzeptiert und integriert. Eine zweite Kategorie, die mit Bezug auf die konservativen und mythischen Begründungen jegliche Art von Reformen und Integration ablehnt. Bei den Ethnien, wo Exogamie existiert, sind nach Heiratsordnung die Schwäger und Schwägerinnen Angehörige. Die zweite Generation bekommt eine doppelt ethnische Zugehörigkeit. Meistens bevorzugen Kinder die Ethnie des Vaters. Aber es hängt von den Beziehungen mit den beiden Ethnien ab.
Kleinere ethnische Gruppen, die sich eine gemeinsame Eigenschaft oder mehrere teilen, schmelzen in den Städten und bilden eine gemeinsame ethnische Gruppe. Durch Freundschaft oder Verwandtschaft sind fremde Personen assimiliert und können durch ethnische Distinkheit (Markierungen wie Kleidung, Frisur, Begrüßung, Tätowierung) die ethnische Zugehörigkeit erlangen. Und diese Flexibilität und Konversion von Ethnizität hat damit zu tun, dass viele ethnische Gruppen immer mehr eine breite Mitgliedschaft brauchen, um ihre ökonomischen, sozialen und politische Interessen zu fordern oder ihren Ressourcenkampf zu legitimieren.
3.5.3 Ressourcenknappheit
Wie Max Stirner behauptet, werden die den Menschen zur Verfügung gestellten Ressourcen knapp, während die Bedürfnisse steigen; deshalb sind die Menschen egoistisch geworden. Viele Konflikte in den afrikanischen Ländern sind auf Ressourcenknappheit zurückzuführen. Eine Minderheit der Bevölkerung verfügt über die Hälfte der Ressourcen, während die Mehrheit unter der Armutsgrenze lebt. Betrachtet man das Vermögen vieler Regierender, stellt man fest, dass die faire Nutzung und die Verteilung dieser Ressourcen allein die Armut vermindern könnten. In vielen Ländern, wo eine starke Zentralisierung und Vernachlässigung der Peripherie existiert, erheben sich Regionen oder Ethnien und fordern einen Zugang zu wirtschaftlichen und politischen Ressourcen. Viele Regionen gelten nur als Rohstoff- und Nahrungsmittellieferanten für das Zentrum, wo die politische und ökonomische Entscheidungsgewalt sesshaft ist. Die Menschen in den Dörfern profitieren kaum von dem Reichtum ihres Bodens und haben kaum Zugang zu sauberem Wasser, Bildung, Gesundheitswesen und
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politischen Entscheidungen. In Ruanda und Burundi haben die hohe Besiedlung in den ländlichen Räumen, die Abholzung und die Überweidung zu einer Ressourcenkrise geführt. Die blutigen Auseinandersetzungen in Burundi und der Genozid in Ruanda sind nicht einfach aus reinem Hass entstanden, sondern haben ihre Wurzel in der Geschichte und der Ressourcenverteilung. Jedoch ist eine Tatsache zu erkennen: Ethnizität wird in vielen afrikanischen Ländern nur als Vorwand benutzt, um klientelische, hegemonische, wirtschaftliche und politische Interessen durchzusetzen.
3.6 Politisierung von Ethnizität
Die koloniale Ethnisierung prägt noch immer die politische Landschaft afrikanischer Länder. Die Bevorzugung bestimmter ethnischen Gruppen gegenüber anderen in der Kolonialzeit hat stark die politische cleavages definiert, so dass viele Politiker und Eliten immer noch ihre Politik im Bezug auf Ethnizität orientieren. Als Politiker ist man auf das Wählerpotential angewiesen. Die Eliten werden von ihren ethnischen Mitbürgern akkreditiert. Diese Mitbürger erwarten als Gegenleistung Anerkennung. Sie stellen die Eliten unter Druck, um Zugang zu Schulen, Arbeitsplätzen, Infrastrukturen zu haben. So werden die Eliten zwischen Loyalität gegenüber dem Staat und Klientelismus, Nepotismus und Korruption eingeklemmt. Die Staatskassen werden als „Selbstbedienungsladen“ benutzt.
Anstatt Politik zu einer pan- ethnisch, national oder nationalen Klasse zusammenschließen zu können, konkurrieren die Eliten untereinander. Ethnizität wird als einziger Grund des Machtkampfes instrumentalisiert, während andere Grundprobleme der Nation vernachlässigt sind.
Ein weiteres Problem der ethnischen Beziehungen in der Politik in Afrika ist die Sakralisierung von Herrschaft. Die Politik wird traditionalisiert und die Tradition politisiert. Die politische und soziale Entscheidungsträger werden als „heilig“ betrachtet und ertragen kaum neue und kritische Ideen. Sie überschätzen ihre Kompetenzen und dienen mehr den gerontokratischen Privilegien als dem Volk.
Viele Diktatoren nutzen ethnische Besonderheiten, um ihre Verletzungen der Verfassung, Gewaltenteilung und Menschenrechte, die sie beschworen haben, zu begründen 24 . Viele Politiker wehren sich häufig gegen moderne Werte qua ethnischer Traditionen, von denen sie
24 Gegen allen Fragen der Journalisten beantwortete Mobutu (Ex- Präsident von Ex- Zaire), dass sie Bantu sind und sich nicht unbedingt wie die Europäer verhalten müssen. vgl. der Film „Mobutu roi du Zaire“, Thierry MICHEL, Les Films de la Passerelle, 1 Rue Vapart- 4031, Liège- Belgique.
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überraschenderweise profitieren. Aus eigenen Interessen erfinden sie neue fiktive ethnische Geschichte und Regeln.
Die ethnischen Barrieren trotz Amtsprache und Verkehrsprache sind noch nicht einfach zu überwinden. Die kleineren politischen Parteien wollen sich nicht in andere ethnische Felder wagen und konzentrieren sich deswegen auf ihre Herkunftsregion. Ethnien sind wichtige politische Ressourcen als Arbeitsklassen und politische Ideologien. Wie oft werden politische Kampagnen in vielen afrikanischen Ländern ohne Programme durchgeführt? Von der Unabhängigkeit erwarteten die Tutsi und Hutu entgegengesetzte Sachen. Die Tutsi wollten nach Rückkehr der Belgier ihre verlorene Herrschaft wieder herstellen, während die Hutu die politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Suprematie von den Tutsi abschaffen wollten, um einen demokratischen Staat Ruandas zu etablieren 25 . Diese unterschiedlichen Erwartungen haben keinen Kompromiss gefunden und eine menschliche Katastrophe veranlasst.
3.7 Der Genozid von Ruanda
Genozid oder Völkermord definiert die Handlungen, die in der Absicht begangen werden, nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppen zu zerstören. Über die Anwendung der Termini Genozid in Ruanda gibt es umstrittenen Positionen. Anhand der Absicht von Hutu, die dominante Klasse Tutsi zu zerstören, denken die einen, dass es eher um Genozid geht, während die anderen argumentieren, dass es eher um eine Bürgerkrise als um einen Volker-mord geht. Aber was sicher ist, ist, dass die internationale Gemeinschaft es als Genozid bezeichnet. Einige Angaben über diese Krise sind erforderlich, um das Problem in Ruanda zu erfassen.
Die Kämpfer für die Unabhängigkeit in Afrika in der Kolonialzeit strebten mit großer Begeisterung danach, die Verwaltung ihrer Länder zu indigenieren. Aber sie stießen schnell an kulturell ethnische Differenzen. Wie konnten sie die unterschiedlichen Kulturen zusammenbringen, um eine nationale Identität zu schaffen?
Der Völkermord von Ruanda und der Bürgerkrieg von Burundi sind nicht aus reinem Zufall entstanden. Sie sind das Ergebnis eines akkumulierten Konfliktes seit der Vorkolonialzeit und der Kolonialzeit bis zu der Machtverteilung in der Nachkolonialzeit. Die Hutu- Eliten nutzten die rassistischen Ideologien, die im Laufe der Geschichte gegen sie entwickelt wurden, um ihren Machtputsch im Jahre 1959 zu begründen. Die traditionellen Instanzen wurden von der katholischen Kirche geschwächt und verloren die gesellschaftliche Kontrolle. Die
25 Antoine LEMA, Africa Divided. The Creation of “Ethnic Groups”, 1993 S. 64.
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seit dem Massaker von 1959- 1964 in den Nachbarländern untergebrachten Flüchtlingen gründeten einen Guerilla im Grenzgebiet zu Ruanda.
Ruanda wurde am 1. Juli 1962 unter Führung der Hutu- Befreiungspartei „Parmehutu“ unabhängig. Die Folgejahre wurden immer wieder von blutigen Krisen zwischen Hutu und Tutsi geprägt. Der Generalmajor Habyarimana Juvenal (Hutu) ergriff die Macht am 5. Juli 1973 durch einen Putsch und konnte mit seinen fragwürdigen Mitteln (Diktatur und Verbot aller Parteien außer seiner Partei Mouvement Républicain National pour le Développement- MRND)das Land beruhigen. Mitte der achtziger Jahre schien eine Hoffnung hinsichtlich des ethnischen Zusammenlebens und der Wirtschaft. Leider kamen eine Reihe von Problemen wie die wachsende Bevölkerung, die Verringerung der Nutzfläche für die Landwirtschaft und die Verschlechterung der Terms of Trade.
Der Mord an den Minderheiten wurde planmäßig ab 1990 vorbereitet. Die Präsidentengarde von Habyarimana Juvenal beteiligte sich an dem Training der Milizen. Sie trainierten mit Hilfe von französischen Spezialisten 26 . Dieser Aufstandmilizenapparat sollte in jeder Gemeinde vertreten sein. Ca. 100 000 Bewaffnete standen zusammen mit der Armee, Gendarmen und Gemeindepolizisten für die Massaker zu Verfügung. Die Waffen wurden von Ägypten, Frankreich und Südafrika (damals noch unter dem Apartheid- Regime) geliefert. Wie kam es, dass Belgien, das früher die Tutsi als „Herrscherrasse“ in den dreißiger Jahren gelobt hat, später die Hutu bei dem Aufstand unterstützte? Der erste Grund ist, dass die Belgier sich zwischen 1958- 1959 von den Tutsi abwandten, weil diese nach Unabhängigkeit strebten. Die Belgier betrachteten sie seitdem als ein „arrogantes Volk“. Der zweite Grund ist, dass Habyarimana vermutlich ein alter Kollaborateur der belgischen Kolonialisten war und Frankreich und Belgien seinen Dank als Diktator gebührte, genauso wie Mobutu. Eine der kleineren Minderheiten die Hima (Bahima) in nordöstlichem Savannengebiet Ruandas wurde nach einem Angriff der Regierungsarmee 1990 massakriert. Hinzu kam der Massaker von den Gogwe (Bagogwe) im Januar 1991 in Kinigi. Männer, Frauen und Kinder wurden getötet. Das war nichts anders als die absolute Vernichtung der Minderheiten.
26 Frankreich versucht seit 1975, Fuß in Ruanda zu fassen. De Gaulle und Mitterand waren überzeugt, dass ein anglo- amerikanisches Komplizentum gegen Frankreich in Afrika besteht. Diese Besessenheit, das sogenannte „Syndrome de Fachoda“, hat Frankreich dazu geführt, die ethnische Präsidentengarde von Habyarimana zu unterstützen, um gegen die Tutis zu kämpfen. Für Mitterand musste Frankreich seine historische Aufgabe in Westafrika erfüllen, indem es mit dem Regime von Sudan und mit den Hutu, koalierte, da die Tutsi die Marionetten von USA seien. vgl. dazu: VERSCHAVE, France- Afrique. Le Crime Continue, S. 53- 54.
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Ethnizität und ethnische Konflikte in Afrika: Der Fall Ruanda/ Burundi
Unter Leitung von dem Hutu- Extremist Ferdinand Nahimana 27 wurden Pogrome von den Tutsi in Kigali veranstaltet. Diese Phase galt als Vorbereitungsphase auf den Massenmord. Unparteiische Hutu und Oppositionellen wurden als Verräter verurteilt und auch ermordet. Ein extremistisches Hetzblatt „Kangura“ wurde gegründet. Der Chefredakteur Hassan Ngeze wurde von Habyarimana und seiner Frau aktiv unterstützt. Dieses Hetzblatt publizierte ein Artikel mit dem Titel „ zehn Gebote der Hutu“, der später zum Manifest der Hutu- Extremisten geworden war. Der Privatsender der Propagandisten „Radio Télévision Libre des Mille Collines“ (RTLM) verbreitete die Propaganda gegen Hutu und rief zu Gewalt auf. Der Genozid-Ideologe Mugesera (Vertrauter von Habyarimana) äußerte sich in seiner Rede von 22. November 1992, die Tutsi nach Äthiopien zurückzuschicken. Tausende von Leichen trieben auf dem Fluss Nyabarongo, den Mugesera als „kürzesten Weg“ für die Tutsi nach Äthiopien nannte. Das Wasser wurde verseucht.
Die ruandische Tutsi in Kenia und Uganda organisierten sich zu Angriffen und gründeten die „Front Patriotique Ruandais“ FPR. Diese bewaffneten Tutsi marschierten in Ruanda am 1. Oktober 1990 ein und verursachten den Burgerkrieg. Mit dem Arusha- Abkommen wurde die Krise scheinbar beendet. Jedoch waren die Spannungen zwischen Hutu und Tutsi immer noch spürbar.
Im April 1994 bestand die Armee aus 35 000 Soldaten. Die Soldaten wurden von den Franzosen bewaffnet und trainiert. Die Garde des Präsidenten bestand aus Hutu seines Herkunft-sortes. Diese Garde wurde für die Hinrichtungen von Oppositionellen 1994 beschuldigt. Sie spielte eine Hauptrolle in Genozid. Die Lage eskaliert am 6. April 1994, als der Präsident Habyarimana in einem Flugzeugabsturz starb (die Ursachen des Absturzes sind bisher noch nicht geklärt). Kurz danach begannen die Massaker an Tutsi und oppositionellen Hutu. Innerhalb drei Monaten wurden 800 000 Menschen getötet. Am 17. Juli 1994 eroberte der FPR das gesamte Land und erklärte den Krieg für beendet.
In Burundi fanden gleichzeitig ähnliche Massaker an Tutsi statt. In den beiden Ländern herrschten ein Teufelkreis und eine Ideologie der Befreiung des gesamten Hutu- Volkes in den Großen Seen vor.
Diese Übersicht über die Vernichtung von Menschen aufgrund von politischen und kulturellen Gründen zeigt, wie die Ethnisierung der Politik und die Politisierung der Ethnizität zu einer grausamen Anomie (E. Durkheim 1893- 1897) führen können. Die Viktimierung der
27 Ferdinand Nahimana war der Verantwortlicher der Medienbehörde ORINFOR und später in der faschistischen „Coalision pour la Défense de la République“ tätig. Er war auch Mitgründer den Rundfunks „Radio Télévision Libre des Mille Collines“.
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Ethnizität und ethnische Konflikte in Afrika: Der Fall Ruanda/ Burundi
Hutu und die Enthumanisierung der Tutsi durch die Eliten und die Kirche haben die Hutu veranlasst, ihre vermutliche Position des „Opfers“ auszunutzen, um sich zu revangieren 28 .
4. Lösungsvorschläge zu den ethnischen Konflikten
Nach dem Genozid in Ruanda fanden zahlreiche Verhandlungen statt. Das Ruanda- Tribunal der Vereinten Nationen versucht mit großen Quellen- und Aussageschwierigkeiten, die Täter vor dem Gerichthof zu stellen. Der Zusammenbruch vieler Länder in Afrika ergibt sich aus einem langen akkumulierten Konfliktprozess, deswegen sollte man das Problem von den Wurzeln her ergreifen.
Eines der großen Probleme der Staaten in Afrika ist Zentralisierung. Alle staatlichen Behörden sind in der Hauptstadt konzentriert. Sie leiten die Befugnisse über eine sehr starke Rang-ordnung und Bürokratie. Diese erreichen mit großen Hindernissen die richtigen Adressaten. Durch Dezentralisierung bzw. föderalistische Verwaltungssysteme könnten die Auseinandersetzungen zwischen ethnischen Gruppen entschärft werden, insofern jede Region die Ver-antwortung ihrer Entwicklung übernimmt und die Bürger sich unmittelbar betroffen fühlen können.
Die politischen Parteien spielen eine bedeutsame Rolle und können in einem Mehrparteiensystem ihre Prinzipien und Ideen geltend machen, anstatt die ethnischen Differenzen zu schaffen und zu verschärfen. Der Demokratisierungsprozess findet in den meisten afrikanischen Ländern selten positive Ergebnisse. Aber diese Demokratie scheint bisher mit ihrem Konzept von Demos der Weg zu sein, die Probleme der ethnischen Differenzen zu lösen. Das nach Afrika importierte europäische Muster von Demokratie entspricht zwar nicht uneingeschränkt den afrikanischen Realitäten, aber könnte durch eine Anpassung und eine Rücksicht auf die ethnischen Unterschiede für die Stabilisierung Afrikas vorteilhaft sein. Das Proporzsystem hat sich bisher in einigen Ländern als positiv bewährt und könnte auch für die multi- ethnischen Länder ein Beispiel sein. Hierbei sind alle kulturellen Gruppen repräsentiert und können ihre Beschwerden und Vorschlägen durch ihre Repräsentanten geltend machen. Bemerkenswert ist, dass dieses System nicht wirksam sein kann, wenn die egoistischen Interessen der Repräsentanten die Priorität über die der Völker nehmen. Die politische Kultur der demokratischen Länder hat bewiesen, wie die Bildung und die Erziehung der Bürger die Voraussetzungen der Demokratie sein können. Mit einer gezielten,
28 vgl. Christian P. SCHERRER, Ethnisierung und Völkermord in Zentralafrika. Genozid in Ruanda, Bürgerkrieg in Burundi und die Rolle der Weltgemeinschaft, 1997 S. 56- 61.
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toleranz- und entwicklungsorientierten Bildung können die Bürger lernen, sich pazifistisch für die Nation einzusetzen und dadurch zu der gemeinsamen Wohlfahrt beitragen. Nur qua dieses Nationalbewusstseins können die Menschen mit kulturell unterschiedlichen Zugehörigkeiten im Frieden miteinander leben.
Ethnoregionale Konflikte sind auch auf den Außen angewiesen. Sie bekommen zwar Unterstützung von der Region, für die sie kämpfen (wie in Angola, wo die Milizen während des Bürgerkrieges von den Einheimischen unterstützt waren), aber importieren die Ausrüstung von den Waffenexportländern. Die primäre Aufgabe der internationalen Gemeinschaft sollte die Kontrolle des Waffenexports bzw. die Demilitarisierung dieser Länder sein. Genauso sollten die Länder sich selbst helfen, indem sie nicht mehr ihre knappen Mittel für die Aufrüstung ausgeben, die für andere Zwecke dringend benötigt werden können.
5. Resümee
Die Erklärungsansätze der ethnischen Konflikte bleiben umstritten, genauso wie die Definition von Ethnizität selbst. Die Uneinigkeit der Wissenschaftler über die Definition von Ethnizität ist auf die Komplexität und die Flexibilität der Ethnie zurückzuführen. Ethnizität ist als die Zugehörigkeit an einer ethnischen Gruppe, deren Mitglieder sich kulturelle und sprachliche Eigenschaften und die gemeinsame Herkunft teilen, definiert. Michaud dagegen definiert sie als das Bewusstsein der Zugehörigkeit an einer ethnischen Gruppe. Die Primordialisten mit dem Konzept von „primordial“ nehmen Ethnie als eine quasi- natürliche und überhistorische Gruppe von Menschen wahr, die sich ohne Zweifel eine gemeinsame Herkunft, Kultur, Traditionen und Sprache teilen. Sie beschäftigen sich mehr mit dem Inhalt der ethnischen Gruppen; wie die Mitglieder miteinander handeln und sich von anderen unterscheiden und abgrenzen. Gegen dieses Argument vertreten die Konstruktivisten die Auffassung, dass Ethnie im Laufe der Geschichte nur erfunden worden ist. Zuerst, weil sie subjektiv, flexibel und manipulierbar ist. Die Geschichte einer ethnischen Gruppe besteht, indem die Gruppe sie „erfindet“ und sie durch fiktive Figuren und Symbolen geltend macht. Der Konstruktivismus beschäftigt sich eher mit der Entstehung und dem Weiterbestehen der ethnischen Gruppen. Die „New Historicism und die Postcolonial Literature“ würde in diesem Zusammenhang Recht haben, weil diese englische Literaturtheorie die historischen Schriften nur als literarische Texte betrachtet, insofern, dass die Geschichte nur anhand der Dokumente und nicht der Fakten interpretiert wird und auch verfälscht werden könnte.
Inwieweit können diese theoretischen Ansätze (Primordialimus, Konstruktivismus) der Ethnizität im Kontext Afrikas anwendbar sein? Sind die Ethnien in den afrikanischen Ländern na-
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Ethnizität und ethnische Konflikte in Afrika: Der Fall Ruanda/ Burundi
türlich oder sind sie nur eine reine „Schöpfung“ der Kolonialherrschaft und der afrikanischen Eliten? Anhand des Beispiels von Ruanda- Burundi scheint die Frage von Ethnizität noch komplexer denn je. Es wird argumentiert, dass die Hutu, Tutsi und Twa als ethnische Gruppen nur für politische Interessen der einheimischen Eliten und für militärische Interessen der Kolonialherrschaft konstruiert worden seien. Aber wenn sie nur eine koloniale Erfindung sind, warum sind die Betroffenen selbst so überzeugt, dass sie unterschiedliche ethnische Gruppen bilden? Die knappen Quellen über die Vorkolonialzeit in Afrika sind sich darüber einig, dass in dieser Zeit bereits gesellschaftliche Formierungen bestanden. Ob sie auf ethnischen Eigenschaften basierten, ist die umstrittene Frage. Die Vorkolonialzeit war von Mobilität, überlappenden Netzwerken und flexiblen Gruppengemeinschaften gekennzeichnet. Die Zugehörigkeit basierte auf der kontextabhängigen Grenzziehung. So konnte man durch Heirat, Berufswechsel, Migration und Freundschaft eine andere Identität gewinnen. Durch ihre politischen Institutionen und Verwaltungsmaßnahmen haben die Kolonialherren das Konzept von persönlicher Identität eingeführt und dadurch die Zugehörigkeit des Individuums eingeordnet. Wie von den Situationalisten argumentiert, hing Ethnizität eher von sozialen Situationen als von irgendeinem gemeinsamen Ursprung ab. Ob die theoretische Erklärung von den Primordialisten oder die von den Konstruktivisten im Kontext Afrikas fundiert ist, weicht vor einer Tatsache zurück: den ethnischen Krisen in vielen afrikanischen Länder. Wie kann man im Bezug auf afrikanische Solidarität und Bruderschaft die „soziale Pathologie“ in Ruanda und Burundi erklären? Welche Grenzen hat der Altruismus zwischen den unterschiedlichen kulturellen Gruppen?
Die Mythosbildung von den Tutsi seit der Vorkolonialzeit als „Tombés du ciel“, die Unterstützung dieser Gruppe als „Herrscherrasse“ durch Belgien und der Machtkampf von den Eliten in der Nachkolonialzeit sind die Hauptgründe dafür, dass die Menschen sich in Ruanda und Burundi nur als ethnische Angehörige definieren.
Für Dominique Franche bestehen in Ruanda und Burundi nur gesellschaftliche Gruppen, die interne Differenzen wie jede Gesellschaft vorweisen, deswegen kann der Begriff Ethnizität hierbei nicht angewandt werden oder ist jedenfalls erklärungsbedürftig. Die Gefühle der Zugehörigkeit zu einem „Stamm“ bestanden schon in der Vorkolonialzeit, aber wurden nicht als ein Hemmnis des Zusammenlebens betrachtet. Die koloniale Bevorzugung der Tutsi und später die Vorstellung der Hutu mit Hilfe der Kirche und der politischen Macht haben die Gefühle der Zugehörigkeit verstärkt und das „andere“ Volk (Tutsi) als Gefahr dargestellt. Die Hutu und die Tutsi sprechen eine gemeinsame Sprache, haben gemeinsame Traditionen, aber sie glauben an unterschiedliche „mythische“ Ursprünge.
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Ethnizität und ethnische Konflikte in Afrika: Der Fall Ruanda/ Burundi
Viele charismatische afrikanische Unabhängigkeitskämpfer hatten mit großem Optimismus eine Vorstellung der Nationen bzw. der afrikanischen Einheit, aber wurden physisch beseitigt (Patrice Lumumba, Sékou Touré, Um Nyobé). Die Marionetten der alten Kolonialmächte ergriffen die Macht und die Bürger standen zwischen Nationschaos und Ethnie. Dann konnten sie sich nur mit ihren ethnischen Eliten identifizieren. Außer den Belangen dieser Eliten besteht in vielen Ländern die Polemik des „Vergessens“, was die Nationsbildung und die Versöhnung der unterschiedlichen Gruppen anbelangt. Die Tutsi haben zwar durch Mythologie und mit Hilfe der Kolonialherrschaft die anderen Gruppen dominiert, aber die Hutu haben unter Führung ihrer Eliten und mit Unterstützung der Kirche ihre Position des „Opfers“ ausgenutzt, um die Macht zu erobern. Das stellt klar, wie die „Opfer“ selbst zu „Täter“ wandeln können, wenn ihnen die Macht und die Gelegenheit zur Verfügung gestellt werden und wenn der „Vergessensprozess“, die Verarbeitung, nicht stattgefunden hat. Neben den ethnischen Identitäten bestehen seit der Kolonialzeit weitere Identitätsmerkmale, nämlich die christliche und muslimische Religion und die Sprachen der Abendländer 29 .
Die Frage in Afrika heutzutage ist nicht, ob Ethnizität eine ontologische Gegebenheit oder eine reine subjektive Konstruktion der Gruppe ist, sondern wie unterschiedliche kulturelle Gruppen in einer Nationseinheit friedlich zusammenleben können. Erwähnenswert ist, dass einige Länder sich als friedlich multi- ethnische Nationen bewährt haben (Namibia, Kamerun, Senegal...).
29 Es ist üblich, Afrika im Bezug auf ehemalige Kolonialräume zu teilen, die heutzutage als Einflusssphären der ehemaligen Kolonialmächten gelten (frankophones Afrika, anglophones Afrika...). Diese Grenzziehung ist ebenso absurd wie die kolonialen Grenzen, so Wole Soyinka. Die Beziehungen zwischen den ehemaligen Kolonien und Kolonialmächten sind durch Commonwealth und Francophonie gepflegt. Durch diese Einflusssphären konkurrieren Frankreich und England in Afrika. Die frankophone und anglophone Netzwerke können neue latente Konfliktlinien seien. Nach Verschave haben die Kriege von Biafra, Liberia, Angola u.a. die französischen Netzwerke als Verantwortliche, die qua Elf versuchen, mit allen Mitteln Einfluss über die anglophone Länder zu nehmen. So wurde der Biafra- Krieg von Elf und Jacques Foccart unterstützt, um das „mächtige“ Nachbarland (Nigeria) der frankophonen Ländern zu schwächen. Laut der Aussagen von dem Ex-Vorsitzenden von Elf, Loik Le Floch- Prigent, lieferte Elf während des Bürgerkriegs in Angola Waffen gleichzeitig an Milizen und Regierung. Vgl. dazu VERSCHAVE, 2000, S. 20- 21. In einer Konferenz in Sorbonne „La nouvelle politique francaise en Afrique“ im November 1998 betonte der Berater für afrikanische Angelegenheiten von Hubert Védrine (damals Außenminister) George Serre, dass Frankreich seinen Hinterhof in Afrika braucht, ebenso wie die USA ihren in Lateinamerika haben. Vgl. VERSCHAVE 2000, S. 17.
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Ethnizität und ethnische Konflikte in Afrika: Der Fall Ruanda/ Burundi
Literaturhinweise
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- MABE, E. Jacob, Das Kleine Afrika- Lexikon, Peter Hammer Verlag, Wuppertal, 2002. - MÜLLER, Franz- Volker, Ethnizität und Gesellschaftliche Arbeitsteilung in Westafrika-Beispiele aus der Ethnographie Malis, in: Ethnizität im Wandel (WALDMANN, Peter/ELWERT, Georg Hrg.), Verlag Breitenbach Publishers, Saarbrücken. Fort Lauderdale, 1989, S. 169- 185.
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- SCHERRER, P. Christian, Ethnisierung und Völkermord in Zentralafrika: Genozid in Ru-anda, Bürgerkrieg in Burundi und die Rolle der Weltgemeinschaft, Campus Verlag, New York- Frankfurt/Main, 1997.
- VERSCHAVE, François- Xavier, France- Afrique. Le Crime Continue, Tahin, 2000. - WALDMANN, Peter/ELWERT, Georg, Ethnizität im Wandel, Verlag Breitenbach Publishers, Saarbrücken. Fort Lauderdale, 1989.
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Ethnizität und ethnische Konflikte in Afrika: Der Fall Ruanda/ Burundi
Internetseite
- www.ruanda-komitee.de/Ruanda/geschi.htm
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Arbeit zitieren:
2002, Ethnizität und ethnische Konflikte in Afrika, München, GRIN Verlag GmbH
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