Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung 3
2.0 Black Western 4
2.1 Der schwarze Western oder Schwarze im Western 4
2.2 Schwarze im Wilden Westen 5
2.3 Mario Van Peebles und seine Historientreue 5
3.0 Der weiße Cowboy mit dem schwarzen Gesicht 6
3.1 Die Stereotypen 6
3.2 Jessie Lee und seine Posse 6
3.2.1 Jessie Lee (Mario Van Peebles) - der gefühlskalte Rächer 7
3.3 Jessie Lee gegen „El Cigarillo“ 9
4.0 Auch der schwarze wilde Westen schimmert weiß 11
4.1 Alles nur geklaut? 11
4.2 Die glorreichen Sechs 12
4.3 Sergio Leone hat seine Spuren hinterlassen 14
4.3.1 Das Duell - Showdown jedes Westerns 15
4.3.2 Der alte Mann - ein Beobachter? 16
5.0 Zusammenfassung 17
Literaturverzeichnis 19
Filmausschnitte 21
Abbildungen 22
Filmografie 23
2
1.0 Einleitung
Als Mario Van Peebles 1993 seinen schwarzen Western „Posse - Die Rache des Jessie Lee“ veröffentlichte, hätte das die Wende im populären Kino werden können. Er wollte ein Genre erobern, das weißer nicht konnte.
Doch erreichte er nicht das, was er mit diesem Film hätte erreichen können. Van Peebles stellte den Anspruch an seinen Western als erster historiengetreu zu sein. Er wollte vergessene, wenn nicht sogar ignorierte Geschichte des Wilden Westen zeigen. Doch leider ist er auch an diesem Anspruch gescheitert. Er greift zwar Themen auf wie der schwarzen Besiedlung des Westen, aber ansonsten sehen wir typische Westernstories und Stereotypen - einziger Unterschied: Sie sind schwarz.
Jessie Lee, gespielt von Mario Van Peebles selbst, wurde zu lebenslangem Dienst in der Armee verurteilt. Unter der Führung des weißen sadistischen Colonel Graham befehligt er im Spanisch-Amerikanischen Krieg die 10. Kavallerie, in der bis auf einen nur schwarze Soldaten sind. Nach einem Überfall auf ein spanisches Lager flüchtet die „Posse“ zurück nach Amerika, mit einem „fetten“ Goldschatz in der Tasche. Graham verfolgt sie, denn er hatte es auch auf den Schatz abgesehen. Zurück in der Heimat flammen Jessies alte Rachegelüste wieder auf. Sein Vater wurde damals vom Ku-Klux-Klan brutal ermordet. Als Jessie sich wehren wollte, wurde er zum Kriegsdienst verurteilt. Durch schneebedeckte Wälder und das Monument Valley reiten er und seine „Posse“ nach Freemanville - eine autonome schwarze Siedlung. Diesen Weg pflastern Leichen, denn überall trifft Jessie auf Mitglieder des Klans, die damals seinen Vater getötet haben.
Freemanville wird jedoch vom Nachbarort Cutter’s Town bedroht und terrorisiert. Hier finden wir auch Jessies größten Widersacher: Sheriff Bates, ein böser Weißer natürlich. Jessie und seine Leute mobilisieren die Einwohner von Freemanville sich gegen Bates und den Klan zu wehren.
Es kommt zum alles entscheidenden Showdown, in dem natürlich Bates und Graham dran glauen müssen. Am Ende treten Jessie und Freemanville als Sieger hervor. Großzügig will er die Siedlung mit dem spanischen Gold wieder aufbauen lassen. Und auch er und seine indianische Freundin Lana finden noch zusammen. Alle sind glücklich.
2.0 Black Western
2.1 Der schwarze Western oder Schwarze im Western
„Posse“ wurde sehr oft irrtümlicherweise als erster schwarzer Western bezeichnet, dabei reicht die Tradition des „Black Western“ bis in die 20er Jahre zurück. Man kann die Repräsentation von Schwarzen im Western in drei kurze Phasen einteilen: Die erste Phase umfasst die sogenannten „race movies“ von 1900 bis 1949, die auf Grund der Rassentrennung im amerikanischen Kino entstanden waren. Die Filme wurden mit ausschließlich schwarzen Schauspielern besetzt, einem „all coloured cast“, und waren auch nur für ein ausschließlich schwarzes Publikum bestimmt. Größtenteils sollten diese Filme unterhalten, nur wenige beschäftigten sich ernsthaft mit den Erfahrungen der Schwarzen in Amerika. Einer der bekanntsten Film aus dieser Zeit ist „Harlem Rides The Range“ von Richard Kahn aus dem Jahre 1939. Den „race movies“ folgten dann in den 1960er Jahren eine Reihe von Mainstream-Filmen, die mit den Themen der Bürgerrechten und Rassenbeziehungen experimentierten. Der wohl wichtigste Film dieser Zeit war John Fords „Sergeant Rutledge“ (1960) 1 . In vielen anderen Filmen wird der Gruppe von Helden einfach ein schwarzes Mitglied zugesprochen, das in den „all-white male“ 2 Situationen meistens voll integriert war. So auch in „The Professionals“ 3 (1966) von Richard Brooks. Als dritte Periode kann man die Western sehen, die während der Hollywood „blaxploitation“-Welle in den 1970er Jahren entstanden sind. Im großen und ganzen gelingt es diesen Filmen ganz gut schwarze Themen und Bilder in der klassischen Western-Form zu etablieren. Erste schwarzen Helden betraten die Mainstream-Leinwand. Am besten hat das Sidney Poitier´s Regiedebüt „Buck And The Preacher“ 4 (1971) geschafft. Trotzdem dienten alles in allem auch diese Filme mehr der Unterhaltung als einer sozialen Kritik, was unter schwarzen Bürgerrechtlern und Sozialkritikern eine gewisse Besorgnis hervorrief.
Im Post- oder Neo-Western der 1980er und 1990er Jahre konnte man immer häufiger schwarze Helden und Nebenhelden entdecken. Doch entwickelte sich hieraus auch gleich ein neues Klischee: bei drei Cowboys ist einer schwarz und meist war er der Gute,
1 Deutscher Verleihtitel: „Mit einem Fuß in der Hölle“
2 Buscombe 1988: 70
3 Deutscher Verleihtitel: „Die gefürchteten Vier“
4 Deutscher Verleihtitel: „Der Weg der Verdammten“
4
wobei die Konflikte und Interessen weiterhin weiß blieben.
2.2 Schwarze im Wilden Westen
Schwarze waren im Wilden Westen durchaus keine Seltenheit, trotzdem wurden sie von Geschichtsbüchern und Regisseuren gründlich ignoriert. Nicht weiniger als eine Million Farbige zogen zwischen 1870 und 1900 gen Westen, und auch jeder vierte Viehtreiber war schwarz. In dieser Zeit bildeten sich in Oklahoma sogar schwarze autonome Siedlungen heraus, abseits der Rassentrennung.
Die Army hatte in den Indianerkriegen und im Spanisch-Amerikanischen Krieg jeweils zwei Kavallerie- und Infanterieregimenter, die 9. und die 10., die nur aus schwarzen Soldaten bestanden, aber unter weißem Kommando dienten. Natürlich gab es auch berühmte schwarze Helden wie den Cowboy Nat Love oder „Cherokee Bill, der Gesetzlose“.
„Im wirklichen wilden Westen gab es sehr viel weniger Rassenschranken, als irgendein Film das je gezeigt hat“(Wolfrum 1996: 86) 5 . Der rassistische Grundkonsens der USA begann zu dem Zeitpunkt erst sich heraus zu bilden.
2.3 Mario Van Peebles und seine Historientreue
Mario Van Peebles bezeichnet „Posse“ als den ersten (richtigen) historiengetreuen schwarzen Western. Er versucht dabei nicht ein durch Hollywood erschaffenes Negativbild zu verändern, sondern an die Rolle der schwarzen Siedler im Wilden Westen zu erinnern, die nicht nur der klassische Western, sondern auch die meisten Geschichtsbücher weitegehend vergessen haben, um das weiße Weltbild des Wilden Westens nicht zu gefährden.
Über seinen Film sagt Van Peebles selbst: „Warum ich diesen Film gemacht habe? Nun, wenn in ein paar Jahren meine Kinder sich alte Dokumentationen anschauen, werden sich mich verwundert anschauen und mich fragen: ,Ach Daddy, gab es etwa auch schwarze Boxer, nicht nur Sylvester Stallone?` Und genauso ist es mit dem Wilden Westen. Kein Mensch weiß heute noch, dass fast ein Drittel aller Cowboys schwarz war“ (Hembus 1995: 479)
Zwar beschreibt er mit der Präsenz schwarzer Soldaten in Kuba und der Existenz
5 Co-Drehbuchautor Dario Scardapane in der Presseinformation zu „Posse“ aus Wolfrum, Uwe: Der Neo-
Western
5
schwarzer Siedlungen zwei Aspekte aus der Zeit, die im Genre sonst vernachlässigt worden waren. Ansonsten sind seine Heldenfiguren nichts weiter als festgeschriebene Rollenklischees des „weißen Cowboys“ mit schwarzen Darstellern - ein klassischer Western in Sergio-Leone-Tradition mit schwarzen Gesichtern. 6 Er versucht zwar ein eindeutiges Gut-Böse-Muster - gute Schwarze, böse Weiße - dadurch zu vermeiden, indem er der Posse ein weißes Mitglied zugesteht - Little J., der dadurch auch liebevoll als Quotenweißer bezeichnet werden kann - Lee eine indianische Freundin und ein korrupter schwarzer Sheriff mit den Weißen paktiert. Aber „Schwarzweiß-Malerei“ bleibt im wahrsten Sinne des Wortes trotzdem bestehen. Van Peebles bedient sich zahlreicher typischer Versatzstücke und Mythen aus den unterschiedlichsten Epochen des Western-Genres.
3.0 Der weiße Cowboy mit dem schwarzen Gesicht
3.1 Die Stereotypen
Die Figuren in „Posse“ dienen nicht der Veranschaulichung einer persönlichen Entwicklung innerhalb der Handlung, sondern sind nur stereotype Charakterzeichnungen.
3.2 Jessie Lee und seine Posse 7
Die „Posse“ selbst ist eine einzige Stereotype. Sechs Männer, wie wir sie schon
im Dunkeln hat, aber mit bloßen Händen
Eisenstangen verbiegen kann; dann der geschwätzige Feigling, der bei aller Loyalität auch mal gerne zum Feind zurückläuft; fehlt noch der heruntergekommene Penner, der von Moral und Anstand noch nie sehr viel gehalten hat und natürlich der Gentleman,
6 Wolfrum, Uwe: Der Neo-Western: 85
7 Ausschnitt 1
6
Arbeit zitieren:
Dipl.Des. Antje Wolter, 2001, To shoot holes in the myth of the Wild White West, München, GRIN Verlag GmbH
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