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Der Umgang mit der NS-Vergangenheit in der DDR in den 50er und 60er Jahren am Beispiel der Nationalen Mahn- und Gedenkstätten Ravensbrück und Sachsenhausen

Titre: Der Umgang mit der NS-Vergangenheit in der DDR in den 50er und 60er Jahren am Beispiel der Nationalen Mahn- und Gedenkstätten Ravensbrück und Sachsenhausen

Travail d'étude , 2001 , 46 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Michael von Scheidt (Auteur)

Histoire de l'Allemagne - Après-guerre, La Guerre froide
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Der unterschiedliche Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in den beiden deutschen Staaten manifestiert sich nirgendwo deutlicher als in der Art der Gestaltung und Nutzung ehemaliger nationalsozialistischer Konzentrationslager als Mahn- und Gedenkstätten auf dem Gebiet der Bundesrepublik und der DDR. Während sich in der jungen BRD als Rechtsnachfolger des Dritten Reiches und unter der Belastung des Alleinvertretungsanspruches der Umgang mit der NS-Vergangenheit sehr schwierig gestaltete, wähnte man sich in der DDR geschichtspolitisch in einer sehr viel vorteilhafteren Lage: Die politische Führung des neu gegründeten Staates hatte größtenteils ihre Wurzeln in der kommunistischen Arbeiterbewegung und hatte sich daher während der nationalsozialistischen Herrschaft selbst zu großer Zahl als Widerstandskämpfer oder KZ-Häftlinge in der Opferrolle befunden. Nach der Befreiung durch die Rote Armee hatte man sich in der DDR zudem vom Kapitalismus befreit, der aus der kommunistischen, sozialökonomischen Sicht die Grundlage für das Entstehen einer faschistischen Herrschaftsform bildet. Mit der Zuspitzung des Kalten Krieges versuchte die Führung der DDR unter Berufung auf die Tradition des antifaschistischen Widerstandes, diesen nicht zu unterschätzenden Legitimationskredit im innerdeutschen Systemantagonismus in besonderer Weise hervorzuheben, und ihn sowohl zur Sicherung der SED-Diktatur im Innern als auch zur politischen Agitation gegenüber der BRD zu nutzen.

Auf welche Weise dies in den 50er und 60er Jahren die Erinnerungskultur der DDR beeinflusste, welche sich vornehmlich an den Gedächtnisorten der ehemaligen Konzentrationslager manifestierte, und in welchem Ausmaß die eigentliche Bestimmung dieser Orte als Erinnerungsstätten an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors unter der Konfrontationsstellung der beiden Systeme litt, soll in der vorliegenden Arbeit exemplarisch am Beispiel der Nationalen Mahn- und Gedenkstätten Ravensbrück und Sachsenhausen ausgeführt werden. Dabei soll zunächst die Geschichte der beiden Orte als nationalsozialistische Konzentrationslager unter Berücksichtigung ihrer Besonderheiten innerhalb des KZ-Systems umrissen werden, bevor im folgenden Teil die Weiternutzung des Lagers in Sachsenhausen als sowjetisches Internierungslager thematisiert wird. [...]

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ravensbrück und Sachsenhausen in der NS- und frühen Nachkriegszeit

2.1 Das Konzentrationslager Ravensbrück

2.2 Das Konzentrationslager Sachsenhausen

2.3 Das NKVD-Speziallager Nr.7

3. Die Erinnerung an die NS-Vergangenheit in der DDR im Kontext der deutsch-deutschen Auseinandersetzungen der 50er und 60er Jahre

3.1 Die Instrumentalisierung des Antifaschismus-Begriffes

3.2 Die Entstehung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätten und die Nationalisierung des Gedenkens

3.3 Die Selektivität des Gedenkens

4. Die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

4.1 Die Vorbereitungen und die Eröffnungsfeier

4.2 Die Gestaltung des Geländes

4.3 Die museale Gestaltung

5. Die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen

5.1 Die Vorbereitungen und die Eröffnungsfeier

5.2 Die Gestaltung des Geländes

5.3 Die museale Gestaltung

5.3.1 Das „Museum des antifaschistischen Freiheitskampfes der europäischen Völker“

5.3.2 Das Lagermuseum

5.3.3 Das „Museum des Widerstandes und der Leiden jüdischer Bürger“

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht exemplarisch am Beispiel der Nationalen Mahn- und Gedenkstätten Ravensbrück und Sachsenhausen, wie die Erinnerungskultur der DDR in den 1950er und 1960er Jahren durch die Konfrontationsstellung der beiden deutschen Systeme beeinflusst wurde und in welchem Maße die ursprüngliche Bestimmung dieser Orte als Gedenkstätten für die NS-Opfer dabei in den Hintergrund trat.

  • Instrumentalisierung des Antifaschismus-Begriffes zur Legitimierung der DDR-Staatlichkeit.
  • Transformation der ehemaligen Konzentrationslager in Nationale Mahn- und Gedenkstätten durch die SED.
  • Analyse der selektiven Gedenkpraxis und Ausklammerung bestimmter Opfergruppen.
  • Untersuchung der musealen Gestaltung und Inszenierung des Widerstandes als Staatskult.
  • Reflexion über die Rolle der Gedenkstätten als "sakrale Weihestätten" innerhalb der DDR-Ideologie.

Auszug aus dem Buch

3.3 Die Selektivität des Gedenkens

Die Instrumentalisierung der Gedenkstätten als Orte der Manifestation des Antifaschismus als eine Art Staatsreligion der DDR hatte eine nicht unerhebliche Verfälschung der Geschichte der Konzentrationslager, des Dritten Reiches und des Widerstandes zu Folge, was zudem direkte Auswirkungen auf das Gedenken der Opfer hatte: Während die kommunistischen Häftlinge ausnahmslos zu Widerstandskämpfern stilisiert wurden, fand ein Gedenken an die überwältigende Mehrheit der Opfer des Nationalsozialismus nur am Rande statt. Man benannte zwar stets die Nationen, aus denen die Häftlinge stammten, eine Differenzierung gemäß des Kategoriensystems der SS, in dem sich die unterschiedlichen Gründe für die Inhaftierung im KZ widerspiegeln, wurde jedoch nicht vorgenommen. Statt zwischen politischen Häftlingen, Homosexuellen, Kriminellen, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma, Kriegsgefangenen, so genannten „Asozialen“ oder „Arbeitsscheuen“ zu differenzieren, unterschied man zwischen Häftlingen aus Frankreich, Deutschland, der Sowjetunion etc.. Der rassistische Hintergrund von Verfolgung und Mord kam auf diese Weise nicht zum Ausdruck.

Dabei wurde vor allem ein Erinnern an jüdische Häftlinge, deren Zahl in keiner Relation zu der der kommunistischen Widerstandskämpfer stand, vernachlässigt und den aktuellen politischen Zielen der DDR untergeordnet. Da ihre Ehrung politisch nicht von Nutzen war, die Erinnerung an NS-Verbrechen sich generell aber zur Selbstlegitimation der DDR instrumentalisieren ließ, galten die Juden der DDR-Führung als „Konkurrenten um knappe politische und emotionale Ressourcen.“ Auch in anderen Bereichen des öffentlichen und politischen Lebens der DDR versuchte die kommunistische Führung, den Einfluss jüdischer Gruppen und Einzelpersonen möglichst klein zu halten. Jeffrey Herf spricht diesbezüglich gar von „vier Jahrzehnten einer antijüdischen Politik im Innern und nach außen,“ die sich u.a. auch in der Verhaftung der Führung des antifaschistischen Komitees und den harten Bedingungen für Kommunisten jüdischer Abstammung in der SED manifestierten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den unterschiedlichen Umgang mit der NS-Vergangenheit in der BRD und der DDR sowie die Instrumentalisierung ehemaliger Konzentrationslager zu Gedenkstätten in der DDR.

2. Ravensbrück und Sachsenhausen in der NS- und frühen Nachkriegszeit: Dieses Kapitel umreißt die Geschichte der beiden Konzentrationslager sowie die sowjetische Weiternutzung des Lagers Sachsenhausen als Speziallager Nr. 7.

3. Die Erinnerung an die NS-Vergangenheit in der DDR im Kontext der deutsch-deutschen Auseinandersetzungen der 50er und 60er Jahre: Der Abschnitt analysiert, wie der Antifaschismus als legitimatorische Integrationsideologie der SED-Herrschaft im Kalten Krieg funktionalisiert wurde.

4. Die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück: Es wird die politisch gesteuerte Errichtung und museale Inszenierung der Gedenkstätte Ravensbrück als "Schattendasein" und Institution des verordneten Antifaschismus dargestellt.

5. Die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen: Die Untersuchung beleuchtet die monumentale Gestaltung und die museale Konzeption von Sachsenhausen als zentralen Ort des staatlich verordneten Antifaschismus und der politischen Konfrontation.

6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Instrumentalisierung der Gedenkstätten zusammen und diskutiert die Chancen eines differenzierteren Gedenkens nach der Wiedervereinigung.

Schlüsselwörter

DDR, Nationalsozialismus, Ravensbrück, Sachsenhausen, Antifaschismus, Gedenkstätten, SED, Erinnerungskultur, KZ-Gedenkstätten, Kalter Krieg, Speziallager, Geschichtspolitik, NS-Vergangenheit, Widerstand, Holocaust.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie die Führung der DDR ehemalige nationalsozialistische Konzentrationslager als Gedenkstätten nutzte, um ihre eigene politische Legitimität im deutsch-deutschen Systemkonflikt zu festigen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Erinnerungskultur der DDR, die politische Instrumentalisierung des Antifaschismus-Begriffes, die Geschichte der Lager Ravensbrück und Sachsenhausen sowie die selektive Gedenkpraxis gegenüber verschiedenen Opfergruppen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie die DDR-Führung die historische Erinnerung an die NS-Zeit verfälschte und an die Bedürfnisse der SED-Diktatur anpasste, insbesondere durch die pauschale Stilisierung aller kommunistischen Häftlinge zu Widerstandskämpfern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine historische Analyse unter Einbeziehung von Gedächtnisforschung und geschichtstheoretischen Ansätzen (u.a. Maurice Halbwachs und Jörn Rüsen), um die offizielle Erinnerungspraxis der DDR zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Geschichte der Lager während der NS-Zeit und der sowjetischen Nachkriegszeit, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Eröffnungsfeierlichkeiten und der musealen Gestaltung der Gedenkstätten in Ravensbrück und Sachsenhausen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Antifaschismus, DDR-Staatlichkeit, Instrumentalisierung, Gedenkstätten, Ravensbrück, Sachsenhausen und selektives Gedenken.

Wie beeinflusste der Kalte Krieg die Gedenkstätten-Gestaltung?

Der Kalte Krieg führte dazu, dass die Gedenkstätten vorrangig zur Agitation gegen die Bundesrepublik und zur Selbstlegitimation der SED genutzt wurden, während eine differenzierte Auseinandersetzung mit NS-Verbrechen oder stalinistischen Opfern unterblieb.

Warum wurden die Gedenkstätten als "sakrale Weihestätten" bezeichnet?

Sie dienten als Orte der Pflege einer quasireligiösen Tradition, in denen der "heldenhafte" Tod von Antifaschisten im Zentrum stand, ähnlich wie in religiösen Riten, um die DDR als "Hort des Antifaschismus" moralisch aufzuwerten.

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Résumé des informations

Titre
Der Umgang mit der NS-Vergangenheit in der DDR in den 50er und 60er Jahren am Beispiel der Nationalen Mahn- und Gedenkstätten Ravensbrück und Sachsenhausen
Université
Ruhr-University of Bochum  (Fakultät für Geschichtswissenschaften)
Note
1,7
Auteur
Michael von Scheidt (Auteur)
Année de publication
2001
Pages
46
N° de catalogue
V12159
ISBN (ebook)
9783638181129
Langue
allemand
mots-clé
Erinnerungskultur KZ Gedenkstätten DDR Antifaschismus politische Instrumentalisierung des Gedenkens an NS-Opfer
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Michael von Scheidt (Auteur), 2001, Der Umgang mit der NS-Vergangenheit in der DDR in den 50er und 60er Jahren am Beispiel der Nationalen Mahn- und Gedenkstätten Ravensbrück und Sachsenhausen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12159
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Extrait de  46  pages
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