Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung und Quellenlage 2
II. Lysander der Spartaner 4
2.1. Herkunft 5
2.2. Das erste Kommando 8
2.3. Flottenkrieg vor Kleinasien 10
III. Die Kriegsentscheidung 12
3.1. Das zweite Kommando 12
3.2. Von Aigospotamoi zur Kapitulation 14
3.3. Die Folgen des Kriegs 18
VI. Fazit 19
V. Quellen- und Literaturverzeichnis 20
1
I. Einleitung und Quellenlage
Der Peloponnesische Krieg veränderte die griechische Welt der Antike grundlegend. Die Machtverhältnisse zwischen Syrakus und Aspendos 1 wurden neu geordnet. Der Sieg der Spartaner über die athenische Großmacht ist in hohem Maße der Verdienst des Nauarchen Lysander. Seine Winkelzüge trugen zur Entscheidung über den Kriegsverlauf bei und läuteten ein neues Zeitalter ein: So beschäftigt sich die folgende Arbeit mit Lysanders Wirken, wobei es in erster Linie um die sukzessive Beendigung der Kriegshandlungen und den Fall Athens gehen soll. Als zentral gilt die Darstellung der so genannten Schlacht bei Aigospotamoi, welche Lysander während seiner zweiten Amtszeit als de facto Nauarch für die spartanische Seite entschied. Um jedoch den Weg zum militärischen Sieg einzuordnen, geht es im ersten Teil kurz um die Herkunft von Lysander. So machte sich Lysander in kürzester Zeit einen Namen und konnte auf viele Verbündete zählen. Demzufolge müssen auch die Perser als dritte Partei des Krieges berücksichtigt werden. Es soll aufgezeigt werden, dass die persische Unterstützung für Sparta ein starker Impuls für die Beendigung des Krieges war. Die Darstellung des dritten Teils beinhaltet schließlich Lysanders geschickten Flotteneinsatz im Vorfeld von Aigospotamoi, so dass die Ereignisse der Schlacht hinreichend geschildert werden können.
In der Folgezeit setzten sich die Kämpfe um die Vorherrschaft in Griechenland fort. Die Staaten trieben ihre militärischen und politischen Interventionen stark voran und trugen so zum Korinthischen Krieg bei, der mit der Niederlage Spartas enden sollte. Zwar konnte Athen seine Position wieder stärken, aber der Ausgang des Peloponnesischen Krieges veränderte das Kräfteverhältnis in Griechenland erst einmal zugunsten der Gegenseite: Sparta wurde Zentrum der maritimen Machtpolitik 2 .
Die Endphase des Peloponnesischen Krieges, in der sich Lysander entscheidend betätigte, umfasst einen Zeitraum mit schwieriger Quellenlage. Dies betrifft die Person Lysander, als auch die Überlieferungen über die folgenschweren Flottenoperationen zwischen Sparta und Athen - also gerade die Jahre von 409 bis 405 v. Chr. Die überlieferten Quellen sind insofern als kritisch zu untersuchen, als
1 Hiermit ist die damalige griechische Welt gemeint, die sozusagen von Syrakus nach Aspendos reichte. Die
Bezeichnung stammt aus der Überschrift des Seminars.
2 Falkner, Caroline, Sparta and the sea, A history of Spartan Sea-Power (C.706-C.373), Edmonton 1992, 223
2
das die Hauptquelle über die Kämpfe - ‚Der Peloponnesische Krieg’ 3 des Thukydidesnicht in die Analyse einfließen kann: Thukydides unterbrach seine Arbeiten während des Achten Buchs abrupt, so dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit nach 403 verstarb. Seine fundierten und methodischen Erzählungen können für die angesprochene Zeitspanne nicht verwendet werden. Somit muss die Arbeit auf sein beachtliches Reflexionsniveau 4 verzichten.
Die ‚Hellenika’ 5 des Xenophon gilt als einzige und vollständig erhaltene Quelle für die Ereignisse von 411 bis 362 v. Chr. Das historiographische Werk knüpft zwar an die Überlieferungen des Thukydides an, legt jedoch sein Hauptaugenmerk auf die Darstellung von großen Persönlichkeiten und ihrer Charaktere. Xenophon liefert eine psychologisierende Beschreibung von Lysander und dem Ausgang des Kriegs. Ebenso muss erwähnt werden, dass der Autor ein Bewunderer des Agesilaos war und ihm eine spartanahe Perspektive zugeschrieben werden kann 6 . Es ist demnach auch nicht verwunderlich, dass sich Xenophon 401 dem Zug des Kyros nach Babylonien anschloss und aus Athen verbannt wurde 7 . Darüber hinaus erhalten wir aus der Alternativtradition Hinweise von Diodor, welcher die Ereignisse um Athens Niederlage in seiner ‚Bibliothek’ 8 aufgriff. Diodors Werk wird aus unterschiedlichen Quellen gespeist, so dass man von einer ‚Zusammenstellung’ ausgeht. Obwohl er seine Referenzquelle auf den Historiker Ephoros zurückführte, zeigen sich Übereinstimmungen mit der ‚Hellenika des Oxyrhynchos’. Ob man nun seine Überlieferungen als glaubwürdig oder als vage auffasst, hängt nicht zuletzt von der allgemeinen Quellenproblematik der Alternativtradition ab 9 . Plutarchs Werk ‚Große Griechen und Römer’ 10 komplettiert die Quellenauswahl und bietet in erster Linie Informationen über die historische Person Lysander. Obwohl es sich bei Plutarchs Werk um eine Elitenbiographik handelt, ermöglichen seine
3 Thukydides, Der Peloponnesische Krieg, übers. u. hg. v. Helmut Vretska u. Werner Rinner, Stuttgart 2004.
4 Vretska, Helmut, Nachwort, in: Thukydides, Der Peloponnesische Krieg, übers. u. hg. v. Helmut Vretska u.
Werner Rinner, Stuttgart 2004, 794 ff.
5 Xenophon, Hellenika, übers. u. hg. v. Gisela Strasburger, Tübingen 1970.
6 Falkner, Caroline, Ebd., 222
7 Xenophon, in: Der kleine Pauly. Enzyklopädie der Antike, Bd.12/2, hg. v. Hubert Cancik u. Helmuth
Schneider, Stuttgart/ Weimar 1996,1422
8 Diodorus of Sicily, The Library of History Books, XII.41-XIII, with an English Translation by C.H. Oldfather,
Cambridge, Massachusetts / London, England JAHR.
9 Diodors Quellenwert orientiert sich daran, welcher These man über die Herkunft seiner Stoffe Glauben
schenkt. Dies soll an dieser Stelle jedoch nicht weiter vertieft werden. Vgl. hierzu: „Diodor“, in: Der kleine
Pauly. Enzyklopädie der Antike, Bd.3, hg. v. Hubert Cancik u. Helmuth Schneider, Stuttgart/Weimar 1996, 588
10 Plutarch, Große Griechen und Römer, Bd. III, eingel. u. übers. v. Konrat Ziegler, Zürich/ Stuttgart 1955.
3
Darlegungen einen erzählerischen Einblick. Er legt großen Wert auf die Charakterzüge Lysanders und schreibt ihm die hilfreiche Gabe zu, „wenn es not tat, die Last einer ihm übergeordneten Machtfülle zu ertragen“ 11 . Obwohl alle genannten Quellen in Bezug auf das thukydideische Werk oft als ‚kompensatorisch’ verstanden werden, bieten sie eine haltbare Ausgangslage für die Zeit von 409 bis 405 v. Chr. So geht es in der Folge darum, die Analyse der historischen Ereignisse aus der Schnittmenge der Überlieferungen und mit Hilfe der Sekundärliteratur durchzuführen. Sicherlich bieten die Überlieferungen nicht so viel Material wie etwa bei Alkibiades, aber nichtsdestoweniger geht es nun um Lysanders Herkunft, die sich bedeutsam und prägend auf seine Gestalt im Peloponnesischen Krieg auswirkte.
II. Lysander der Spartaner
2.1. Herkunft
Die Biographie des Lysander (griech. Lysandros) ist wie keine zweite mit dem Peloponnesischen Krieg verwoben und ist somit charakteristisch für einen aufstrebenden Entscheidungsträger Spartas. Denn vor dem Frühjahr 407, in dem sich der jüngere Kyros auf dem Weg in seine persische Satrapie nach Sardes befand, erfahren wir nichts über den Spartiaten, der wenig später das Flottenkommando in Ephesos übernahm 12 . Sein Andenken war daher unabdingbar vom Krieg abhängig, in dem er sich bewährte und zu Ruhm gelangte.
Über etwaige Verdienste ist somit vor seinem Auftreten als Befehlshaber der Streitkräfte ebenso nichts bekannt. Es gilt jedoch als gesichert, dass er als Sohn des Aristokritos in Sparta geboren wurde, dessen Familie zwar nicht aus königlichem Hause stammte, aber ihre Herkunft auf das Geschlecht der Herakliden zurückführte 13 . Darüber hinaus besaß er mindestens einen Bruder mit dem Namen Libys, der nach einem Gastfreund der Familie - König Libys von Kyrene - benannt war 14 . Diodor bestätigt die Verbindung nach Kyrene, obwohl dort zu dieser Zeit kein Königtum mehr bestand 15 . Trotz dieser Widersprüche scheint es den Autoren wichtig
11 Plut. Lys. 2
12 Lotze, Detlef, Lysander und der Peloponnesische Krieg, Berlin 1964, 11
13 Plut. Lys. 2
14 Xen. Hell. 2,4,28
15 Lotze, Detlef, Ebd., 12
4
gewesen zu sein, die Vornehmheit der Herkunft zu betonen, was sicherlich bei der Darstellung eines heroischen Charakters von Nutzen war. So spricht Plutarch auch von der Dürftigkeit der Verhältnisse 16 , in denen Lysander aufwuchs, was im Sinne der ‚Bedürfnislosigkeit’ zu den Leitmotiven der antiken Elitenbiographik zählte. Dennoch gilt es als wahrscheinlich, dass Lysanders Vater nicht wohlhabend genug war, um dem Jungen aus eigenen Mitteln die spartanische Staatserziehung zu ermöglichen. Vermutlich war Lysander ein so genannter móthax (‚Nährbruder’), der von einem móthakes (‚Bürgerknaben’) finanziell unterstützt wurde 17 . Ob diese Patenschaft Lysanders Kindheit und Jugend belastete oder gar Vorteile verschaffte, kann nicht gesagt werden, obgleich die lakonische Erziehung sein Streben nach Ehre und Bewährung bedingt haben soll 18 . Insofern werden die frühen Jahre oft durch Andeutungen und ausschmückende Elemente umschrieben, wobei etwa konkrete Altersangaben versäumt werden. So wurde Lysander in Briefen des Plutarch als ‚Liebhaber’ des Agesilaos bezeichnet, was indirekt die ungefähre Bestimmung seines Geburtsjahres zuließe 19 : Da der Altersunterschied solcher Beziehungen in der Regel 10 Jahre betrug und das Geburtsjahr des Agesilaos allgemein um 444 angesetzt wird, scheint Lysander ungefähr 454 geboren worden zu sein 20 . Doch gelten diese Angaben ebenfalls als bestreitbar und unterliegen der Interpretation. Folglich muss sich Lysander in Schlüsselpositionen des Heerwesens verdient gemacht haben, denn obwohl die Quellen über diese Bewährungsjahre schweigen, heben sie sein Talent im Kriegswesen als Grund für seine Wahl zum Nauarchen hervor 21 . Es ist offensichtlich, dass die Wahl eines fähigen Kommandeurs Spartas zentrale Entscheidung des Jahres 408 war. Denn der Wiederaufbau der Flotte war vorangeschritten, so dass der Seekrieg mit Athen wieder aufgenommen werden konnte. Der eigentliche Amtsantritt von Lysander ist jedoch erst ins Frühjahr 407 zu verorten, als er das Kommando über die in Ionien stationierten Flottenverbände übernahm 22 . Bevor er das Hauptquartier der Flotte nach Ephesos verlegte, zog der neue Nauarch systematisch die verteilten Flottenverbände im Mittelmeerraum
16 Plut. Lys. 2
17 Lotze, Detlef, Ebd., 12
18 Plut. Lys. 2
19 Lotze, Detlef, Ebd., 12
20 Lotze, Detlef, Ebd., 13
21 Diod. 13,70,1; Plut. Lys. 3
22 Xen. Hell. 1,5,1; Wahrscheinlich ist dies darauf zurückzuführen, weil nicht alle Trieren fertig waren. Die
Erfahrungswerte hatten freilich gelehrt, über eine vollzählige und schlagkräftige Flotte zu verfügen.
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Christoph Hermes, 2006, Lysander und der Ausgang des Peloponnesischen Kriegs, München, GRIN Verlag GmbH
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