1 Einleitung
Die Region des Nahen Ostens ist schon seit sehr langer Zeit ein Krisenherd. Für die Bevölkerung vor Ort ist vor allem ein Faktor entscheidend: Die Religion. Um diese zu wahren, zu verteidigen und auch zu verbreiten kam es zu vielen Kriegen und Konflikten, welche bis in die heutige Zeit reichen.
Schon in den Jahrhunderten vor Christi Geburt waren die Verhältnisse im Nahen Osten schwierig. Im Laufe der Zeit beanspruchten viele Mächte das Gebiet und unterdrückten die jüdische Bevölkerung, welche ihrerseits ständig um die Gründung und Stabilisierung eines eigenen Staates kämpfte. War ihnen dies teilweise geglückt (zum Beispiel unter dem Hasmonäerherrscher Alexander Jannaj) und konnten sie ihr Gebiet vergrößern sowie nach den eigenen Gesetzen leben, trug oft auch die teilweise instabile Situation der umliegenden Gebiete zum Aufflammen neuer Konflikte und Kriege bei, welche mit Gebietsverlusten, Religionsverboten und Zerstörungen einhergingen.
In dieser Seminararbeit soll solch ein Fall genauer vorgestellt werden. Durch die instabile Situation der Diadochenreiche, insbesondere des Seleukidenreiches, gelangten Vertreter des Römischen Reiches in den Nahen Osten und ordneten die Machtverhältnisse neu. Zu Beginn sollen die Verhältnisse im Römischen Reich und in den instabilen Gebieten dargestellt werden, um zu zeigen, mit welcher Absicht die Römer überhaupt bis in den Nahen Osten vorgedrungen sind. Daraufhin werden die Verhältnisse in Palästina genauer beleuchtet. Weiterhin wird genauer untersucht, wie die Neuordnung der Römer, in diesem Fall Pom- SHLXVµLP1DKHQ2VWHQXQGVSH]LHOOHULQ3DOlVWLQDDXVJHVHKHQKDWXQGZHOFKH$XVZLUNXn- gendies auf das betroffene Gebiet und die Bevölkerung hatte. Zum Schluss wird versucht, diese Neuordnung auf die spätere Entwicklung im Nahen Osten zu werten.
2 Cn. Pompeius Magnus
Am 29. September 106 v.Chr. geboren, stammte Pompeius aus einer wohlhabenden Familie. Sein Vater war Gnaeus Pompeius Strabo, welcher 93 v.Chr. die Statthalterschaft von Makedonien erhielt. Verheiratet war er mit der Nichte des berühmten Dichters C.Luciulius, Lucilia. Unter der Aufsicht seines politisch tätigen Vaters wurde Pompeius zum Offizier ausgebildet.
2
'RFKQLFKWQXUGLHN|USHUOLFKH(UWFKWLJXQJLQWHUHVVLHUWHLKQHEHQVRÄ>«@ZDUHU>@LQGLH politischen Pläne eingeweiht und entschlossen, das ihm zugefallene Erbe zu wahren und zu mehren 1 ³
Im Jahr 83 v.Chr. landete Sulla in Brundisium, um die verloren gegangene Gebiete zurückzuerobern. Pompeius stellte ihm dafür ± 22-jährig ± als privatus (Amtsloser) die ehemaligen Soldaten seines Vaters zur Verfügung und begab sich mit ihnen unter seinem Befehl in den )UHLKHLWVNDPSIÄ'LHVHNKQH>XQGUHYROXWLRQlUH@7DWKDWVHLQHPJDQ]HQNQIWLJHQ/HEHQGLH
Richtung gewiesen 2 ³0LWGHU$QHUNHQQXQJ6XOODVIür dieses Vorgehen sicherte sich Pompeius für den Rest seines Lebens eine Sonderstellung. Der Senat in Rom akzeptierte jedoch sein 9RUJHKHQQLFKWXQGHVZXUGHQGUHL$EWHLOXQJHQJHVFKLFNWÄ>«@GLHGHQYHUZHJHQHQ0DQQ
umzingeln und unschädlich machen sollten. 3 ³ 4 Doch Pompeius konnte den Anschlag rechtzeitig vereiteln und unterstütze weiterhin Sulla bei seinem Eroberungskampf in Italien bis zum Beginn der Diktatur. Auszeichnungen für Pompeius zeugen von einer hohen Achtung Sullas gegenüber Pompeius. Durch die von Sulla eingeleitete Hochzeit mit seiner Stieftochter Aemilia trat Pompeius in die damals vornehmste Gesellschaft ein, welcher er bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht angehört hatte.
Nach einem 40-tägigen erfolgreichen Feldzug in Afrika nannte sich Pompeius zum ersten Mal selbst mit dem Beinamen Magnus 5 und feierte im Jahr 79 v.Chr. seinen Triumph in Rom. Au- HUJHZ|KQOLFKZDUGDV$OWHUYRQQXU-DKUHQLQGHP3RPSHLXVÄ>«@EHUHLWVGLHVHQ*LSIHO
des Ruhmes erreichte 6 ³&LFHURVFKULHE
Was sonst ist denn wohl so unerhört, wie daß ein ganz junger Privatmann in einer Notzeit des Staates ein Heer zusammenbringt? Das hat er getan! Daß er es anführt? Jener hat es angeführt! Daß er als Feldherr größten Erfolg hat? Er hatte ihn! Was widerspricht so dem Herkommen, als einem blutjungen Menschen, dem es noch weit bis zum Senatorenalter fehlte, Kommando und Heer zu geben und ihm Sizilien mit Afrika und den Krieg fort anzuvertrauen? Pompeius weilte in diesen Provinzen und bewies strengste Rechtlichkeit, größte Würde, höchste Tatkraft; er beendete den großen Krieg in Afrika und führte sein Heer als Sieger zurück. Was vollends ist so unerhört, als daß ein römischer Ritter den Triumph feiert? Aber auch diese Neuerung hat das Volk von Rom nicht nur gesehen, sondern glaubte sogar, sie mit allgemeiner Teilnahme anschauen und mitfeiern zu sollen. 7
1 Gelzer, Matthias: Pompeius. Lebensbild eines Römers, Stuttgart 1984, Nachdr. d. 2. ueberarb. Aufl. von 1959, München 2005, S.39 f. Auslassung: Annegret Jahn (AJ). Im Folgenden: Gelzer: Pompeius.
2 Gelzer: Pompeius, S.41. Einfügung durch den Autor.
3 Gelzer: Pompeius, S.41.Auslassung: AJ.
4 Vgl.: Gelzer: Pompeius, S.35, 39 ff.
5 Plut.Pom.13,8.
6 Gelzer: Pompeius, S.46. Auslassung: AJ.
7 Imp.Cn.Pomp.61.
3
3 Pompeius in Rom
.ODXV0DUWLQ*LUDUGHWIKUWLQVHLQHP$UWLNHOÄ,PSHULDHWSURYLQFLDHGHV3RPSHLXVELV Y&KU³DQGDVV3RPSHLXVLQGHU)RUVFKXQJDOOJHPHLQDOVÄ>«@SROLWLVFKHAusnahmegestalt
>«@>XQG@HLQH$UW9RUOlXIHUGHV,PSHUDWRU&DHVDU$XJXVWXVJHZHVHQ>VHL@ 8 ³(EHQIDOOV]HLJW er, dass viele Forscher Pompeius einen großen Anteil an der Zerstörung der Römischen Republik zusprechen, andere dem aber auch widersprechen. 9 An welchem Anhaltspunkt wird diese Diskussion entfacht? Bezugspunkt sind hier die beiden außerordentlichen Ämter, die Pompeius erhalten hat (siehe Punkt 4). Grund für die Verleihung dieser Ämter war die damalige instabile Situation in der Römischen Republik, welche hauptsächlich durch außenpolitische Probleme weiter geschwächt wurde. Da sich Pompeius schon sehr früh in die politischen Geschäfte des Landes einmischte (siehe Punkt 2), sprachen genügend Erfahrung und prominente Befürworter (Cicero, siehe Punkt 4.2) für die Übernahme dieser verantwortungsvollen Ämter durch seine Person. Klaus Bringmann:
Das Problem war, daß das von Rom geschaffene Staatensystem sich als unfähig erwies, seine großen und kleinen Streitigkeiten selbstständig zu lösen. In allen Fragen, auch in Bagatellsachen, wurde Rom angerufen, und es lag in der Natur der Sache, daß sowohl die Abneigung als auch die Entschlossenheit des Senats, in fremden Streitigkeiten zu intervenieren, das Potential an Mißvergnügen und Unzufriedenheit mit einer Ordnung steigerte, für die Rom letztlich die Verantwortung trug. In einer solchen politischen Atmosphäre gediehen Überreaktionen und der Griff zur Gewaltanwendung. 10
Die Unruhen konzentrierten sich vor allem auf das Gebiet der ehemals hellenistischbeherrschten Welt. Hier war es vor allem die ungeklärte Herrschernachfolge in Syrien und Palästina, welche die Geduld des römischen Senats ständig herausforderten. Aufgrund dieser 6WUHLWLJNHLWHQZDUGLHU|PLVFKH0DFKWVFKRQYRUGHU$QNXQIW3RPSHLXVµLQGHQ*HELHWHQSUä-
sent. 11 Umjedoch ein weiteres Absinken des Ansehens Roms zu verhindern, war eine konkrete Vorgehensweise nötig. Die Gebiete mussten in das Römische Reich eingegliedert werden (Einrichten von Provinzen, siehe Punkt 4), auch wenn dabei der Anspruch, die Untertanen dieser Gebiete als autonome Einheit zu sehen, vernachlässigt werden musste. 12
8 GLUDUGHW .ODXV 0DUWLQ Ä,PSHULD HW SURYLQFLDH GHV SS ELV Y&KU³ LQ Chiron, 31 (2001) S. 153-209, S.153. Auslassung: AJ. Im Folgenden: Girardet: Imperia et provinciae.
9 zu der Diskussion der Forscher Vgl.: Girardet: Imperia et provinciae, Anm.2, S.154.
10 Bringmann, Klaus: Römische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Spätantike, München 1995, S.30. Im Folgenden: Bringman: Römische Geschichte.
11 Zur schon bestehenden Statthalterschaft in Syrien vgl: Baltrusch, Ernst: Caesar und Pompeius, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, S.34. Im Folgenden: Baltrusch: Caesar und Pompeius.
12 Vgl.: Baltrusch, Ernst: Die Juden und das Römische Reich. Geschichte einer konfliktreichen Beziehung, Darmstadt 2002, S.63 f. Im Folgenden: Baltrusch: Die Juden und das Römische Reich.
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Es gab aber auch andere Probleme, die den Senat und vor allem das Militär herausforderten, so dass Pompeius die Gelegenheit gut nutzen konnte, sein militärisches Geschick zu beweisen. Er erhielt von L.Cornelius Sulla 13 ein imperium, welches er in Sizilien und Afrika ausübte und gab sich den Beinamen Magnus. Im Jahr 77 v.Chr. erhielt er das imperium consulare in Spanien, welches er bis zum Jahr 72 v.Chr. ausübte. 14 Nach seiner Rückkehr setzte man ihn im Kampf gegen die von Spartacus geführten Sklaven ein. 15 Im Jahr 70 v.Chr., also im Alter von 36 Jahren, wurde Pompeius dann neben Crassus zum Konsul gewählt. 16 Allerdings soll er bei der Ausführung seines Konsulates nicht geglänzt haben, so Heinz Bellen 17 , und so bot es sich an, bei der Problemlösung der Konflikte im Osten erneut die militärischen und taktischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.
4 Pompeius auf dem Weg nach Osten
Die Situation im Osten des Römischen Reiches war sehr instabil. Unruhestifter war der König Mithridates, welcher sich mit den Piraten des Mittelmeerraumes verbündet hatte und damit die Friedensbedingungen von 85 v.Chr. nicht erfüllte. 18 Zu Beginn wurde der Heerführer L.Licinius Lucullus mit dem Kampf gegen Mithridates beauftragt (3. Mithridatischer Krieg), erlitt jedoch eine Niederlage. Pompeius wurde nun mit dem Oberbefehl beauftragt, den Konflikt zu lösen, wogegen sich vor allem die Senatoren wehrten, da sie eine Gefahr für den Be-stand der Republik sahen. 19 Bevor Pompeius aber gegen Mithridates in den Krieg zog, versuchte er, das Mittelmeer und somit die Piraterie als Gefahr für das Römische Reich zu beseitigen.
13 3RPSHLXVVWHOOWH/&RUQHOLXV6XOODLP$OWHUYRQ-DKUHQÄ>«@GUHL/HJLRQHQ]XU9HUIJXQJGLHHULOOHJDO DXVGHU.OLHQWHOVHLQHU)DPLOLHLQ3LFHQXPJHELOGHWKDWWH³XPGLHVHQEHLVHLQHP]ZHLWHQ0DUVFKDXI5RPXQG der Machtergreifung zu unterstützen. Vgl.: Girardet, S.162. Auslassung: AJ
14 Vgl.: Girardet: Imperia und provinciae, S.162, 168.
15 Nachdem im Jahr 73 v.Chr. aus einer Gladiatorenkaserne in Capua Sklaven ausgebrochen waren, weitete sich der Aufstand zu einem Sklavenkrieg (Spartakusaufstand) ständig aus. Pompeius unterstützte M. Licinius Crassus mit seiner Armee und erhielt dafür einen größeren Triumph als der Prokonsul selbst. Vgl: Girardet: Imperia und provinciae, S.168; Bellen, Heinz: Grundzüge der Römischen Geschichte, Band 1: Von der Königszeit bis zum Übergang der Republik in den Prinzipat, Darmstadt 1994, S.119. Im Folgenden: Bellen: Grundzüge der Römischen Geschichte.
16 Das gesetzliche Mindestalter für das Amt eines Konsuls lag bei 43 Jahren. Weiterhin hatte Pompeius zu die- VHP=HLWSXQNWÄ>«@ QRFK NHLQHLQ]LJHVGHULP cursus honorum nach Sullanischer Ordnung vorgeschriebenen, GHP .RQVXODW YRUDXVJHKHQGHQ ÃRUGHQWOLFKHQµ bPWHU EHNOHLGHW >«@³*LUDUGHW Imperia und provinciae, S.169. Auslassung: AJ
17 Vgl.: Bellen: Grundzüge der Römischen Geschichte, S.120.
18 Vgl.: Bellen: Grundzüge der Römischen Geschichte, S. 120.
19 Vgl.: Baltrusch: Caesar und Pompeius, S.29.
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4.1 Die Piraten
Bereits im Jahr 74 v.Chr. wurden die Kriegshandlungen im Osten eröffnet, da Mithridates sich beim Angriff gegen Bithynien mit den Piraten verbündete. Diese beherrschten zum damaligen Zeitpunkt das gesamte Mittelmeer und rekrutierten sich hauptsächlich aus Bewohnern Kilikiens und Kretas. 20 Ernst Baltrusch sieht in den Piraten ein Zeichen der strukturellen Defizite der staatlichen Ordnung Roms, da sie bereits im 2.Jahrhundert v.Chr. von Rom selbst zur Unterstützung im Krieg gegen die Hellenisten genutzt wurden, dann aber die antirömische Stimmung im Osten ausnutzten und das geschwächte Römische Reich angriffen. 21 Diesem standen die Piraten hauptsächlich wegen ihrer imperialen Expansionsbestrebungen im Wege und wurden zu einer ernsten Gefahr. 22
Im Jahr 67 v.Chr. erhielt Pompeius ein erneutes imperium und eine provinciaGLHÄ>«@Ln- QHQSROLWLVFKK|FKVWXPVWULWWHQH>«@ 23 ³lex Gabiniade bello piratico. Die provincia erstreckte VLFKÄ>«@LPJHVDPWHQ0LWWHOPHHUEHUHLFKXQGDQGHQ.VWHQELV]XP0HLOHQVWHLQFD
NPODQGHLQZlUWV>«@ 24 ³:HLWHUKLQHUKLHOWHUGLHJHVDPWHU|PLsche Flotte, Truppen, unbegrenzte finanzielle Mittel und das freie Ernennungsrecht von legati pro praetore. 25 Ernst Baltrusch drückt es genauer in Zahlen aus: 500 Schiffe, 120.000 Schwerbewaffnete, 5000 Reiter, 24 Unterfeldherren, zwei Quaestoren und finanzielle Mittel in Höhe von 36 Millionen Denaren mit einem unbegrenzten Kredit. 26
Das imperium gibt in der Forschung Anlass zu Diskussionen. Ernst Baltrusch und Heinz Bellen behaupten, dass Pompeius allen Statthaltern in den Provinzen übergeordnet gewesen sei. 27 Anders Klaus Martin Girardet: Er behauptete, Pompeius sei allen Prokonsuln und Konsuln in den an das Meer angrenzenden Provinzen vollkommen gleichgestellt gewesen. Er macht jedoch darauf aufmerksam, dass die Quellenlage sehr dürftig ist und bleibt bei einer hypothetischen Aussage. In Relation des Gesetzes, welches das imperium von Agrippa (18/13 v.Chr) definiert, leitet er ab, dass Pompeius nicht Inhabern von imperium praetorium oder imperium
20 Vgl.: Bellen: Grundzüge der Römischen Geschichte, S. 121.
21 Vgl.: Baltrusch: Caesar und Pompeius, S.27.
22 Vgl.: Girardet: Imperia und provinciae, S.171.
23 Girardet: Imperia und provinciae, S.173. Auslassung: AJ
24 Girardet: Imperia und provinciae, S.173. Auslassung: AJ.
25 Vgl.: Girardet: Imperia und provinciae, S.173.
26 Vgl.: Baltrusch: Caesar und Pompeius, S.30.
27 Vgl.: Baltrusch: Caesar und Pompeius, S. 30; Bellen: Grundzüge der Römischen Geschichte, S.126.
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Annegret Jahn, 2008, Pompieus und die Neuordnung des Ostens, München, GRIN Verlag GmbH
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