Inhaltsverzeichnis
Einleitung Seite 3
Die Ausgangsbedingungen der SA Seite 3
Die Ausgangsbedingungen der Reichswehr Seite 4
Beziehungen Reichswehr-SA 1933 Seite 6
Beziehungen Reichswehr-SA 1934 Seite 10
Beteiligung der Reichswehr an den Mordaktionen Seite 13
Position der Reichswehr zur Ermordung Schleichers und Bredows Seite 14
Schlussbetrachtung Seite 14
Literaturverzeichnis Seite 15
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Einleitung
Es sei wirklich nicht so leicht gewesen, die Dinge so hinzukriegen, dass sich der 30. Juni 1934 als reine Parteilangelegenheit dargestellt habe, äußerte sich Reichenau nach der Ermordung Röhms während des so genannten „Röhm-Putsches“. 1 Dieser Ausspruch von Reichenau macht deutlich, dass sich die Reichswehr während des „Röhm-Putsches“ nicht passiv verhalten hat, sondern aktiv sowohl im Vorfeld als auch im Verlauf des 30. Juni 1934 mitgewirkt hat. Sie kann sogar zu den maßgeblichen Initi-atoren des Vorgehens gegen Röhm gezählt werden. Die Aufgabe dieser Arbeit soll es deshalb sein, kurz die Konfliktfelder zwischen der Reichswehr und Röhms SA, die Entwicklung der gegenseitigen Beziehungen im Verlauf 1933/34 und die Rolle der Reichswehr bei der Mordaktion selbst aufzuzeigen.
Die Ausgangsbedingungen der SA
Das entscheidende Problem für die SA war ihre Funktionslosigkeit nach der „Machtergreifung“. Ihre Rolle in einem zukünftigen NS-Staat war zuvor nicht definiert worden. Von Bedeutung war das rasante Anwachsen ihrer Mitglieder von 300.000 - 500.000 am 30. Januar 1933 auf 4,5 Mio. Mann Mitte 1934, wovon nur weniger als 25% bis 30% Mitglieder der NSDAP waren. 2 Diese Vergrößerung ist sowohl auf eine gezielte Politik Röhms, seiner SA andere nationale Verbände, z.B. den Stahlhelm oder den Kyffhäuser-bund einzuverleiben, als auch auf Eintritte neuer Mitglieder, die sich schnellere soziale Aufstiegschancen im neuen System erhofften, zurückzuführen. Diese Aufstiegserwartungen konnten zum Großteil nicht erfüllt werden. Auch der zeitweilige Einsatz von SA-Männern als Hilfspolizisten, der zudem vom preußischen Ministerpräsident Göring bereits im August 1933 beendet wurde, konnte keine Abhilfe schaffen. Bereits hier zeigte sich, dass die SA zuviel Einfluss auf die Polizei verlangte, d.h. dass sie das Gewaltmonopol des Staates in Frage stellte und daher zurückgedrängt werden musste. Man könnte dies als Vorläufer zum späteren Konflikt um das Waffenmonopol werten. Auch mit den angegliederten Verbänden kam es des Öfteren zu Spannungen, z.B. mit dem Stahlhelm (der später in den NS-Frontkämpferbund umbenannt wurde.) 3
1 Hermann Mau: Die „Zweite Revolution“ - Der 30. Juni 1934, in: VfZ 1953, S. 122
2 Zahlen bei: Heinrich Bennecke, Hitler und die SA, München 1962, S. 214; und Peter Longerich: Die
Braunen Bataillone: Geschichte der SA, München 1989, S. 184
3 Heinz Höhne: Mordsache Röhm: Hitlers Durchbruch zur Alleinherrschaft 1933-34, Reinbek bei Ham-
burg 1984, S. 206; zu Spannungen SA-Stahlhelm auch Longerich: Die braunen Bataillone S. 171 und S.
192 und Charles Bloch: Die SA und die Krise des NS-Regimes 1934, Frankfurt/Main 1970, S. 99
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Die Arbeitslosigkeit sank nicht schnell genug, um den häufig arbeitslosen SA-Männern schnell wieder einen Arbeitsplatz zu vermitteln. Ab November 1933 wurden so genannte „Technische Lehrstürme“ aufgestellt. Sie sollten zur Weiterbildung von SA-Männern im handwerklichen Bereich dienen, später Anfang 1934 wurden Hilfswerklager eingerichtet, in diesen wurden auch teilweise SA-Männer mit Waffen trainiert. 4 Röhm versuchte auch, über die Beteiligung am Grenzschutz Beschäftigungsmöglichkeiten für seine SA zu finden. Dies verband sich außerdem mit seinen alten Vorstellungen von einem nationalsozialistischen Milizheer, dass die konservative Reichswehr auf Basis des Berufssoldatentums ablösen sollte. Diese Vorstellung wird in dem Ausdruck „Der graue Fels muß in der braunen Flut untergehen“ deutlich. Zu Röhms Selbsteinschätzung kann man seine Autobiographie heranziehen. Er schreibt dort: „Ich bin Soldat. Ich betrachte die Welt von meinem soldatischen Standpunkt aus. Bewußt einseitig. Ein Soldat kennt keine Kompromisse. So müssen alle meine Handlungen von diesem Standpunkt aus gesehen werden. ... Auch in meiner politischen Tätigkeit blieb ich Soldat.“ 5 Es wird deutlich, dass er sich selbst nicht zuerst als Politiker, sondern als Soldat verstand. Zudem erkennt man seine mangelnde Kompromissfähigkeit, was auch für seine Beziehungen zur Reichswehr sowie sein politisches Handeln charakteristisch war. Es wird in diesen Zeilen auch deutlich, dass es ihm schwer fiel, reale Machtverhältnisse zu erkennen. Norbert Frei schreibt hierzu: „Im Verzicht auf leidenschaftslose Analyse lag wohl Röhms schwerster, sein letzten Endes tödlicher Fehler.“ 6
Die Ausgangsbedingungen der Reichswehr
Die wichtigsten Personen in der Reichswehr in Zusammenhang mit dem Röhm-Putsch waren Werner v. Blomberg, Walter v. Reichenau, Ludwig Beck und Werner v. Fritsch. Blomberg war am 30. Januar 1933 von Hindenburg zum Reichswehrminister ernannt worden. Gleichzeitig wurde Reichenau Chef des Ministeramtes der Reichswehr, er war Blombergs engster Mitarbeiter und Vertrauter. Er wird von vielen als überzeugter Nationalsozialist gesehen 7 , andere halten ihn für einen machtpolitisch denkenden Opportunisten. 8 Reichenau hat sich am intensivsten um eine Zusammenarbeit mit der SA bemüht und stand Milizvorstellungen positiver gegenüber als die meisten anderen Offizie-
4 Longerich:Die brauen Bataillone, S. 199
5 Ernst Röhm: Die Geschichte eines Hochverräters, München 1933 , S. 9
6 Norbert Frei: Der Führerstaat, München 2001, S. 22
7 Mau: „Zweite Revolution“, S. 129
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re. Beck wurde am 1. Oktober 1933 Chef des Truppenamtes und löste damit Wilhelm Adam ab. Er gilt als entschiedener SA-Gegner. Fritsch wurde am 1. Februar 1934 Chef der Heeresleitung als Nachfolger von Kurt v. Hammerstein. (Er gelangte also zu einem Zeitpunkt in diese wichtige Position, als die Entscheidung Reichswehr oder SA im Wesentlichen schon gefallen war.) Wichtig ist, dass alle vier Offiziere dem Nationalsozialismus positiv oder zumindest neutral gegenüberstanden, aber ihre unabhängige Position im NS-Staat erhalten wollten. Hitler hatte auf die Besetzung des Reichswehrministeriums und der Reichswehrführung noch keinen Einfluss. Die Reichswehr war also eine der letzten nicht gleichgeschalteten Kräfte. Sie konnte aber ihren bisherigen Status als einer überparteilichen Organisation nicht mehr beibehalten, da dies in einer Einparteiendiktatur keinen Sinn macht. Der neue Staat sollte auf zwei Säulen beruhen, der NS-Bewegung mit politischer Zuständigkeit, und der Reichswehr mit militärischer Zuständigkeit. Beide sollten gemäß dieser „Zwei-Säulen-Theorie“ gleichberechtigte Partner sein. Die Reichswehr musste neben ihrem Verhältnis zur NSDAP auch das zur SA klären. Auf der einen Seite stellte diese naturgemäß eine Bedrohung des Waffenmonopols der Reichswehr dar, auf welchem deren politischer Einfluss beruhte. Auf der anderen Seite stellte die SA aber das personelle Potential für die zukünftige Wehrmacht. Ein Problem war die unterschiedliche soziale Herkunft von Offizieren und SA-Führern. Die SA setzte sich hauptsächlich aus dem Mittelstand oder der Arbeiterschaft zusammen, sie bediente sich revolutionärer und pseudosozialistischer Parolen. Die SA-Führer waren oft ehemalige Offiziere, die nach 1918 nicht in die Reichswehr übernommen worden waren. (So wie auch Röhm, der, zunächst übernommen, 1923 die Reichswehr verlassen musste.) Die Reichswehrfühung entstammte jedoch der alten konservativen Oberschicht. Das revolutionäre Erscheinungsbild der SA vertrug sich nicht mit ihrem Selbstverständnis. Ein weiteres Problem war die völlig unterschiedliche Qualifizierung von Soldaten und SA-Männern, die zwar als Soldaten auftraten, in Wirklichkeit aber für eine Zusammenarbeit mit der Reichswehr auf gleicher Augenhöhe viel zu wenig Sach-verstand besaßen. 9
Aus dieser unterschiedlichen Selbstdefinition und Qualifikation entsprangen viele der später folgenden Konflikte.
8 Höhne: Mordsache Röhm, S. 179 f.
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Arbeit zitieren:
Philipp Nolte, 2002, Die Rolle der Reichswehr während der Röhm-Krise, München, GRIN Verlag GmbH
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