Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Struktur der Erwachsenenbildung in der DDR: Organisation der
Erwachsenenbildung 4
2.1 Die berufliche Erwachsenenbildung 5
2.1.1 Die Volkshochschule (VHS) 5
2.1.2 Die betriebliche Weiterbildung 7
2.1.2.1 Entwicklung der Technischen Betriebsschule zur Betriebsakademie 7
2.1.3 Das Fern-/Abendstudium 10
2.2 Die Stellung der beruflichen Erwachsenenbildung im sozialistischen 11
2.3 Die kulturelle Erwachsenenbildung (kulturelle Massenarbeit) 12
2.3.1 Die Kultur- und Klubhäuser 14
2.3.2 Die Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse 15
2.3.3 Urania 16
2.3.4 Ausblick 17
3 Gesellschaftliche und politische Funktion der Erwachsenenbildung 18
3.1 Marxistisch-leninistische Weltanschauung als Grundlage der
Erwachsenenbildung in der DDR 20
3.2 Ziele und Aufgaben der Erwachsenenbildung 21
3.5 Die Einheit von Bildung und Erziehung als ein Prinzip der sozialistischen
P ädagogik - besonders im Hinblick auf die Erwachsenenbildung 26
3.4 Das sozialistische Menschenbild als gesellschaftliches Leitbild 28
4 Zusammenfassung 30
Literaturverzeichnis 32
2
1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem strukturellen Aufbau der Erwachsenenbildung der DDR. Deren Entwicklung von 1946 - 1990 stellen den ersten Schwerpunkt dieser Hausarbeit dar. Die unterschiedlichen Formen der Erwachsenenbildung werden beleuchtet und analysiert. Eine getrennte Betrachtung der Institutionen und der Organisationen ergäbe ein unvollständiges Bild der Erwachsenenbildung. Es ist deshalb notwendig, die Bildungs- und Erziehungsarbeit der DDR unter dem Gesichtspunkt des Einflusses der sozialistischen Staatsführung und der Politik zu betrachten.
Die politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Faktoren bestimmten die Stellung und Funktion der Erwachsenenbildung. Diese Faktoren sind entscheidend für eine einheitliche Betrachtung der Erwachsenenbildung der DDR. Zahlreiche Organisationen und Institutionen leisteten Bildungsarbeit. Die Strukturen dieser Bildungseinrichtungen und ihr politischer Stellenwert innerhalb des Staates, sind Schwerpunkte dieser Arbeit. Daraus ergeben sich folgende Fragestellungen:
In dieser Arbeit soll der Stellenwert der Bildung und Erziehung in der DDR deutlich gemacht werden. Ein Stützpfeiler des sozialistischen Bildungssystems, die Erwachsenenbildung, soll in einer Analyse und Synthese aufgearbeitet und in den gesamtgesellschaftlichen Prozess eingeordnet werden.
3
2 Struktur der Erwachsenenbildung in der DDR:
Entwicklung und Formen von 1945 - 1990
Der erste Themenkomplex der vorliegenden Arbeit behandelt die Strukturen und Institutionen der Erwachsenenbildung der DDR. Die Entwicklung und die Aufgabe der jeweiligen Bildungseinrichtung bilden dabei einen zentralen Aspekt. Einen ersten Anhaltspunkt zum Aufbau der Erwachsenenbildung in der DDR bietet die vereinfachte schematische Darstellung von Horst Siebert.
Organisation der Erwachsenenbildung
Das Schaubild verdeutlicht die weitgehend abgeschlossene Institutionalisierung der Erwachsenenbildung. „Mit der Verabschiedung des ’Gesetzes über das einheitliche >...@“ 2 sozialistische Bildungssystem’ 1965 gilt die Integration der
Erwachsenenbildung in das staatliche Bildungssystem bereits als abgeschlossen. Die beiden Säulen (der schulischen Qualifizierung und nicht- 1 Siebert(2001), S. 289.
2 Knoll et al. (1968), S. 128 f.
4
schulischen Bildungsarbeit) konnten den Berufstätigen ein umfassendes
Bildungsangebot neben der Berufstätigkeit bieten. Auf der anderen Seite stand die gesellschaftliche Komponente der Erwachsenenbildung, deren Arbeit in Kultur- und Klubhäusern u. a. stattfand. Derartige Einrichtungen veranstalteten Versammlungen, Lehrgänge, Vorträge u. v. m.
Die beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen fanden in Absprache mit den Betrieben statt, deren rechtliche Grundlage für Berufstätige und Betrieb das Arbeitsgesetzbuch regelte. 3 Mit der Gründung der DDR 1949 erlebte die
Erwachsenenbildung einen ständigen Ausbau und eine stete Verstärkung ihrer Aufgabe.
2.1 Die berufliche Erwachsenenbildung
2.1.1 Die Volkshochschule (VHS)
1945 begann in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) der Wiederaufbau der Volkshochschulen. Die Sowjetische Militäradministration (SMAD) beanspruchte anfänglich eine „>...@ ’antifaschistisch-demokratische’ und keine sozialistische Bildungspolitik >...@.“ 4 Dieser Forderung konnten die Volkshochschulen nicht Folge leisten, da das Interesse innerhalb der bürgerlichen Mittelschicht an politischen Themen zu gering war. Die Arbeiter traten an der VHS zu dieser Zeit in der Minderheit auf, was die berufliche Weiterqualifizierung für sie erschwerte. 5 So wurde noch vor Gründung der DDR die Volkshochschule in ihrer Struktur und Konzeption
prinzipiell verändert. Forciert wurden die Verstaatlichung und Verschulung der
Erwachsenenbildung, ihre Vergesellschaftung und Instrumentalisierung für sozial- und
arbeitsmarktpolitische Zwecke. 6
Für die Volkshochschulen bedeuteten diese Regelungen einschlägige Modifikationen, angestoßen durch das zu geringe Interesse an politischen Themen. Die Wirtschaft konnte nur voran getrieben werden, wenn das erforderliche Qualifikationsniveau der Arbeiter existierte. Der erste Volkswirtschaftsplan (Zweijahresplan) der SBZ von 1948 bestimmte die erforderlichen Teilnehmerzahlen
3 Vgl. Siebert (2001), S. 288 f.
4 Ebd. S. 274.
5 Vgl. ebd.
6 Ebd. S. 274.
5
der VHS und legte damit auch das Qualifikationsniveau der Arbeiter fest. 7 Der Zweijahresplan hob „>...@ erstmals de>n@ Zusammenhang zwischen politischideologischer Erziehung und fachlicher Qualifizierung hervor >...@.“ 8 Die Aufgabe der VHS bestand darin, die beabsichtigte Ideologie des Zweijahresplanes zu verwirklichen und dementsprechende politische und wissenschaftliche Kurse anzubieten. 9
Bis 1948 gab es keine betrieblichen Bildungsaktivitäten der Volkshochschule, so dass diese Anforderung von nun an zu den weiteren Aufgaben der VHS zählte. Eigenständige Betriebsvolkshochschulen führten Lehrgänge zur beruflichen Qualifizierung der Arbeiter durch. Noch vor Gründung der DDR standen die Richtlinien für die Erwachsenenbildung weitgehend nach dem Prinzip der Verschulung, Verstaatlichung und Zentralisierung fest. 10 Auch nach Gründung der DDR konnten die Volkshochschulen die Ansprüche der SED-Führung an die politische Bildungsarbeit nicht erfüllen. Die Berufstätigen besuchten Kurse und Lehrgänge neben der Erwerbstätigkeit zur eigenen berufsspezifischen Fortbildung, jedoch das Interesse an den politischen Kursen blieb aus. 11
1953 trat eine Profilverengung der Volkshochschulen ein. Die VHS ermöglichte den Erwerb des Abiturs oder der mittleren Reife. Auch Lehrgänge in den einzelnen Schulfächern und Kurse zur Vorbereitung auf ein Fach-, Hochschul- oder Hochschulfernstudium standen den Teilnehmern zur Verfügung. 12 Inhaltlich waren die Strukturen der angebotenen Seminare auf die Werte, Ideen, Normen und Ideale der sozialistischen Gesellschaft abgestimmt. Die Gründe der Strukturänderungen der Qualifizierung lagen in der nicht mehr zu bewältigenden Aufgabenzuschreibung für die Volkshochschulen. „Schon die Forderung nach systematischen Lehrgängen mit anerkannten Abschlussprüfungen überstieg die pädagogischen und
organisatorischen Möglichkeiten der VHS.“ 13
7 Vgl. Siebert (2001), S. 275.
8 Ebd.
9 Vgl. ebd.
10 Vgl. ebd. S. 275 f.
11 Vgl. ebd.
12 Vgl. ebd.
13 Siebert (1970), S. 79.
6
2.1.2 Die betriebliche Weiterbildung
Die Aus- und Weiterbildung der DDR war geprägt durch ständige Umstrukturierungen. Der Grund lag darin, dass „>...@ das Spannungsverhältnis zwischen notwendiger fachlicher Qualifikation und gewünschter politischideologischer Beeinflussung zu zahlreichen Kontroversen und Neuordnungen führte.“ 14
Jeder Einzelne hatte prinzipiell die Möglichkeit sich „vom Ungelernten bis zum Ingenieur zu qualifizieren >...@.“ 15 Leitgedanke für diesen Weg der Weiterbildung bildete der Anspruch, dass jeder Einzelne den wissenschaftlich-technischen Fortschritt aktiv mitgestalten sollte. 16
2.1.2.1 Entwicklung der Technischen Betriebsschule zur Betriebsakademie
1953 traten zahlreiche Änderungen für die betriebliche Weiterbildung in Kraft, wie die Ausführungen zu 2.1 zeigen. Eine der Neuheiten war die Verlagerung des Aufgabenbereiches der Betriebsvolkshochschulen. Die Technische Betriebsschule in den Volkseigenen Betrieben ersetzte diese Erwachsenenbildungseinrichtung. Durch die Einführung der Technischen Betriebsschulen versprach sich der Staat, eine Systematisierung der betrieblichen Bildungsarbeit zu schaffen. 17 Die Hauptaufgabe der neu eingeführten Technischen Betriebsschulen lag in der fachgerechten Qualifizierung der Arbeiter. Die Facharbeiterausbildung wurde zum Mittelpunkt der Erwachsenenbildung und entsprach den wirtschaftlichen Anforderungen der DDR. Die Fachministerien und die Betriebe nahmen von nun an Einfluss auf die betriebliche Erwachsenenbildung, anstelle der früheren Einflussnahme des Ministeriums für Volksbildung. Die allgemeinbildenden Bezüge gingen dadurch verloren und das Interesse der Wirtschaft wurde nur noch auf die fachliche Berufsbildung gelenkt. Eine Kooperation mit den Volkshochschulen blieb aus. 18
14 Olbertz (1999), S. 64.
15 Siebert (2001), S. 279.
16 Vgl. Siebert (1970), S. 73.
17 Vgl. ebd. S. 79.
18 Vgl. Siebert (1970) S. 81.
7
Der Aufbau der Betriebsschulen lehnte sich stark an das sowjetische Bildungsmodell an. Auch bei der Einführung des Technischen Minimums diente das sowjetische Modell als Vorreiter. Dabei besagte das technische Minimum lediglich, dass der ungelernte Arbeiter ein fundiertes Wissen für die Arbeit im Industriebetrieb vermittelt bekommen sollte. Allerdings verlor das Technische Minimum seinen Ursprungsgedanken in der DDR, da es dort nicht als Ausbildungs- bzw. Umschulungsmodell bestand. Obwohl die Technische Betriebsschule in erster Linie für die Qualifizierung bzw. Weiterbildung der Arbeiter zuständig war, erfolgte die Einführung des Begriffes. 19
Die Kurse zur betrieblichen Qualifizierung wurden den Anforderungen an die verschiedenen Lohngruppen angepasst und die Entlohnung richtete sich nach der messbaren Arbeitsleistung. Die Grundlage für die Bewertung der erbrachten Arbeit beinhalteten die 1949 eingeführten technisch begründeten Arbeitsnormen (TAN). 20 Mit der eingeführten Lohngruppenqualifizierung stieß die Bildungspolitik auf neue Probleme. 21 Es fehlten „>e@indeutige Kriterien für die einzelnen Lohngruppen >...@ ebenso wie präzise Zielsetzungen für die Qualifizierungslehrgänge auf den verschiedenen Ebenen.“ 22 Des Weiteren kamen Kritikpunkte in der mangelnden Didaktik der Lehrgänge auf. Der Faktor der allgemein bildenden Inhalte wurde aufgrund der fachspezifischen Inhalte grob vernachlässigt. Ebenfalls bemängelte der Staat, dass die Qualifizierung nicht systematisch und planmäßig genug stattfand. Diese Tatsache brachte auch Unzulänglichkeiten bei der Steigerung der Arbeitsproduktivität hervor.
Aufgrund der Kritik bestimmten nun nicht mehr die Anforderungen der Lehrgänge die Lohngruppenkataloge und die technisch begründeten Arbeitsnormen, sondern die Qualifizierungsstruktur eines Berufes bewirkte den Maßstab. Somit löste die systematische Stufenqualifizierung die Lohngruppenqualifizierung 1959 ab und sämtliche Mängel wurden als Neuerungen in dem Modell der systematischen
19 Vgl. ebd.
20 Vgl. ebd. S.83.
21 Vgl. ebd. S. 84.
22 Siebert (1970), S. 88.
8
Stufenqualifizierung beachtet. Als notwendige Konsequenz erfolgte die Umwandlung der Technischen Betriebsschulen in die Betriebsakademien. 23 Die Betriebsakademien verstärkten die gesellschaftswissenschaftlichen und allgemein bildenden Inhalte der Kurse und führten die Stufenqualifizierung der Berufstätigen durch. Ebenfalls bekam die Frauenqualifizierung immer mehr einen zentralen Stellenwert in den neuen Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Die Stufenqualifizierung beinhaltete die betriebliche Weiterbildung vom Lehrling bis zum Diplomingenieur in Zusammenarbeit mit den Großbetrieben. Staatlich anerkannte Prüfungen beendeten die betrieblichen Qualifizierungslehrgänge und bildeten einen Teil der eingeführten Rahmenpläne, während der andere Teil aus der A-, B- und C-Qualifizierung bestand. Jede Stufe baute auf die vorherige auf, so dass eine Vereinheitlichung des Systems gesichert war. Die A-Qualifizierung beinhaltete die fachliche Weiterbildung. Die B-Qualifizierung kam für die fachlichen Sondermaßnahmen auf, welche den Umgang mit den neuen Produktionsanlagen und -methoden durch entsprechende Schulungen sicherte. Die C-Qualifizierung bestand aus Kursen zur Förderung der Allgemeinbildung und dem Hobbybereich. 24
Für die Qualifizierungskurse fanden Qualifizierungsgespräche statt, die auf Delegation der Vorgesetzten hin passierten und den Bedarf der betrieblichen Planung decken mussten. Die Bildungsaktivitäten verfolgten immer wieder die Produktionssteigerung des Betriebes. 25
In den sechziger Jahren gab es einige Veränderungen und Ergänzungen für die Aus- und Weiterbildung. Die Verbesserung der Berufsausbildung machte die ersten beiden Stufen der Ungelerntenausbildung fast nebensächlich. Des Weiteren war die Stufenqualifizierung zu starr konstruiert, denn sie konnte nicht flexibel genug auf die technischen Neuerungen und Erfordernisse des Betriebes reagieren. „>D@ie Weiterbildungsmaßnahmen sollten flexibler auf aktuelle betriebliche Erfordernisse und technische Neuerungen reagieren können.“ 26 Die staatliche Ausbildung und die von betrieblichen Erfordernissen abhängige Weiterbildung bekamen somit eine neue
23 Vgl. Siebert (1970), S. 88 f.
24 Vgl. Siebert (2001) S. 278 f.
25 Vgl. Siebert (1970), S. 97.
26 Siebert (2001), S. 280.
9
Arbeit zitieren:
Judith Hampel, 2004, Formen und Funktionen der Erwachsenenbildung in der DDR, München, GRIN Verlag GmbH
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