Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung Seite 3
Summary 4
1. Carl R. Rogers - Zur Person 5
2. Das Menschenbild hinter der Gesprächspsychotherapie 7
3. Die Entwicklung zur Person 8
4. Die Gesprächspsychotherapie 10
4.1. Einleitung 10
4.2. Zur Geschichte der Klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie 10
4.3. Ausgangspunkte und theoretische Annahmen 11
4.4. Die 3 Kernvariablen 13
4.5 Charakteristik der Gesprächspsychotherapie 17
4.6. Encounter-groups 18
4.7 Therapieerfolg 19
5. Kritische Anmerkungen zur Gesprächstherapie 22
Literatur 24
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(1) Carl R. Rogers - Zur Person
Geboren am 8. Januar 1902 in Oak Park, Illinois USA, wächst Carl Ransom Rogers in einem Elternhaus auf, "das gekennzeichnet war durch enge Familienbindungen, eine strenge und kompromißlose religiöse und ethische Atmosphäre" (Rogers, 1973, S.46). Im wohlbehüteten Elternhaus kann Carl ungestört seinen Interessen nachgehen, die sich vorerst - sein Vater, ein vermögender Geschäftsmann, hat in Carls zwölftem Lebensjahr eine Farm erworben - auf das Gebiet der Agronomie beziehen. So ist es keine Überraschung, daß Rogers nach dem Schulabschluß an der Universität von Wisconsin das Fach Agrarwissenschaft inskribiert und auch tatsächlich zwei Jahre lang studiert. Dann ändert sich sein Berufsziel recht plötzlich "als Resultat meiner Teilnahme an einigen emotionsgeladenen, religiösen Studententreffen" (ebda., S.47). Rogers wechselte zum Fach 'Theologische Geschichte'. Wenig später lernt er seine spätere Frau kennen und besucht ab 1924 das damals liberale Union Theological Seminar, "um mich auf die Kirchenarbeit vorzubereiten; die zwei Jahre dort habe ich nie bereut. (…) Sie brachte mich auf dem Weg zu einer eigenen Philosophie des Lebens ganz erheblich vorwärts" (ebda., S.47). Nolens volens wird hier der Grundstein für seine spätere Arbeit als Psychologe gelegt, denn die Starrheit der Theologie belasten ihn bald. "Deshalb wollte ich einen Arbeitsbereich finden, der mir die Freiheit der Gedanken beließ" (ebda., S.49).
Rogers wendet sich also der Psychologie zu, anfangs mit pädagogischem Einschlag (Erziehungsberatung), später in der klinischen Arbeit mit Kindern. Er beschäftigt sich außerdem intensiv mit Psychoanalyse. "Es war ein Schritt, den ich langsam, und ohne groß oder bewußt mich zu entscheiden, machte; ich folgte eher den Tätigkeiten, die mich interessierten" (Rogers, 1973, S.50). Im Dezember 1940 tritt Rogers mit einem aufsehenerregenden Vortrag (Titel: 'Einige neuere Konzepte neuerer Psychotherapie') in Minnesota an die Öffentlichkeit. Diese reagiert auf seine Aussagen "…teils verwirrt, teils kritisch-ablehnend bis enthusiastisch-zustimmend. (…) Er war mit diesem Vortrag der nahezu unbekümmerte Herausforderer der bis dahin anerkannten Psychotherapie seiner Zeit" (Stipsits, 1992, S.14).
Als Folge dieses revolutionär wirkenden Konzepts und auch in Reaktion auf die Publikation seines Buches über die Behandlung des Problemkindes (1939a) wird Rogers 1940 als ordentlicher Professor an die Ohio State University berufen. "Auf dieser Ebene in der akademischen Welt anzufangen, kann ich nur empfehlen" (ebda., S.50). Und in Ohio ist es auch, wo er sein bahnbrechendes Buch 'Counseling and Psychotherapy' (1942e) vorlegt, "worin ich weiter ausführte, was ich für einen effektiveren Weg in der Therapie hielt" (ebda., S.55). Bahnbrechend und aufsehenerregend deshalb, weil es - für die damalige Zeit eine Sensation - erstmals das vollständige Tonbandprotokoll einer Einzeltherapie enthält. - Rogers verfügt zu diesem Zeitpunkt noch über keine ausgearbeitete Neurosen-Lehre als Fundament seiner neuen Therapieform - ein Faktum, das später Ansatzpunkt für seine Kritiker werden sollte (vgl. Schmidbauer, 1991, S.138).
Und auch die psychologische Fachwelt anerkennt seine Verdienste und die American Psychological Association beruft ihn von 1946-1947 zu ihrem Präsidenten. - 1951 folgt dann 'Client-centered Therapy', sein zweites Grundlagenwerk über die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie.
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Wissenschaftsgeschichtlich ist Rogers der Humanistischen Richtung zuzurechnen, er steht in engem Kontakt mit Maslow, Ch. Bühler und Bugental, der die Humanistische Psychologie sogar mit der Entdeckung Amerikas verglich: Es sei, als ob eine ganze neue Hemisphäre entdeckt worden wäre. Und Rogers formuliert es anläßlich der Gründung der American Association of Humanistic Psychology - deren Mitbegründer er 1962 ist - so: Die Humanistische Psychologie würde zu theoretischen Formulierungen führen, die für konventionelle Psychologen genauso schockierend sein werden, wie es die Theorien über den nicht-euklidischen Raum für konventionelle Physiker gewesen wären.
Ende der 60 er Jahre erfolgt in Rogers' Orientierung gleichsam ein Paradigmenwechsel hin zur Frage: 'Wie erlebe ich dich in der Beziehung zwischen uns?' (vgl. Schmid, 1991, S.22) und so ist es nicht erstaunlich, daß er und einige seiner humanistisch ausgerichteten Mitarbeiter 1968 das Center for Studies of the Person, womit Rogers auch äußerlich seine Wendung vollzieht, weg "…von der Arbeit innerhalb formaler akademischer Strukturen zur Arbeit mit mehreren Individuen, (…) von individueller Therapie zur intensiven Arbeit mit Gruppen" (Pervin, 1993, S.195). Diese Therapieform geht als Encounter-groups in die Literatur ein.
Obwohl die Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie anfangs vor allem von dynamisch orientierten Psychotherapeuten skeptisch beurteilt wird, findet sie besonders in den Fünfzigern und Sechzigern breite Anerkennung. Sie etabliert sich als dritte große Hauptströmung neben Psychoanalyse und Verhaltenstherapie (vgl. Ulich, 1993, S. 205) und 40 Jahre nach ihrer Begründung heißt es sogar: "In 1982, a survey of eight hundred clinical and counseling psychologists published in the APA`s 'American Psychologist' showed that Rogers was regarded as currently the most influential psychotherapist. (…) Thereafter ist influence waned; today it is the preferred technique of about 6 percent of clinical psychologists and similarly small percentages of other psychotherapists" (Hunt, 1993, S.583). - Und auch in Europa ist die Gesprächspsychotherapie weitverbreitet, was nicht zuletzt ein Verdienst des Ehepaars Anne-Marie und Reinhard Tausch ist.
Rogers stirbt fünfundachtzigjährig im Jahre 1987 in den USA, seine Vorstellungen vom Wert der zwischenmenschlichen Beziehung in allen Bereichen - nicht nur dem der Therapie - aber insbesondere seine Dimensionen Echtheit, Einfühlendes Verstehen, Kongruenz, etc. "…gehören heute zu den Grundvoraussetzungen angewandter Sozialpädagogik und haben vor allem in der Lehrer- und Erzieherausbildung, aber auch in der Erwachsenenbildung große Bedeutung" (Kern, 1991, S.204).
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(2) Das Menschenbild hinter der Gesprächspsychotherapie
Wie erwähnt zählt Carl Rogers mit seiner Auffassung vom Menschen als selbstbestimmendes oder selbststeuerndes Individuum zur vielschichtigen Gruppe der Humanistischen Psychologie, in der sich u.a. Namen wie Frankl, Bühler, Erikson, Ellis, Perls, Goffman, Fromm, Lazarus finden und die als ein Produkt der 'Kognitiven Wende' gelten kann. "Wir Humanistischen Psychologen sind es leid, Psychologen zu sein, wenn Psychologie darin besteht, den Menschen als eine größere weiße Ratte oder einen langsameren Computer zu betrachten" (Bugental,1967; zitiert nach Benesch,1987,S.245).
Diese Grundhaltung drückt sich auch in Rogers' Menschenbild aus: Der Kern unserer Natur ist für ihn im wesentlichen positiv, sein Streben ist auf Selbstverwirklichung, Reife und Sozialisation gerichtet. Er lehnt die These der Religion, besonders die der christlichen, wonach der Mensch von Grund auf sündig sei, ebenso ab, wie die Ansicht von Freud und seinen Schülern, nach der Es und Unbewußtes bei den Menschen Inzest, Mord und andere Verbrechen auslösen. "Rogers meint, daß der Mensch sich möglicherweise zeitweilig so verhält, aber dann ist er neurotisch und reagiert nicht wie ein reifes, menschliches Wesen" (Pervin, 1993, S.196). Kann er allerdings ungehemmt und freiwillig seine Erfahrungen sammeln, ist er ein positives Lebewesen, dem man vertrauen kann und das sich konstruktiv verhält. Rogers Schwerpunkt liegt also auf der Selbstbestimmung oder Selbstemanzipation mit den drei Grundpfeilern Selbstkritik, -organisation und -sicherheit, wobei besonders der erste Aspekt einen Ausgleich oder eine Übereinstimmung (Kongruenz) zwischen Ideal- und Realbild des Selbst bilden soll. "Ich habe kein euphorisches Bild von der menschlichen Natur. Ich weiß, daß Individuen aus Abwehr und innerer Angst sich unglaublich grausam, destruktiv, unreif, regressiv, asozial und schädlich verhalten können" (Rogers, 1973, S.42). Trotzdem glaubt Rogers an positive Grundeigenschaften, die im tiefsten Innern verborgen liegen und die es gilt, mit den Mitteln der Therapie offenzulegen.
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Seite 7
Arbeit zitieren:
Mag. Arno Krause, 1995, Carl R. Rogers und seine klientenzentrierte Psychotherapie, München, GRIN Verlag GmbH
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