- I -
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. I
Einleitung II
1 Grundlegende Begriffsbestimmungen. 1
1.1 Kompetenz/Performanz. 1
1.2 Allgemeine Kompetenzen 1
1.3 Kommunikative Sprachkompetenzen. 3
2 Welche Möglichkeiten bietet das 9. Kapitel des GeR „Beurteilen und Prüfen“ für die
Pr üfpraxis 4
2.1 Grundlegende Voraussetzungen für Vergleichbarkeit von Prüfungen. 4
2.2 Inhalte der Prüfungen 5
3 Das französische Sprachdiplom DELF scolaire 7
3.1 Aufbau der DELF scolaire A1 Prüfung. 7
3.2 Analyse der DELF scolaire Prüfung auf Basis des GeR 9
3.2.1 Compréhension de l’oral. 9
3.2.2 Compréhension des écrits 13
3.2.3 Production écrite 16
3.2.4 Production orale 18
Fazit. 20
Literaturverzeichnis 22
- II - Einleitung
Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen wurde auf Anregung des Europarats erstellt und erschien in der englischen Fassung im Jahr 2000. Ein Jahr später folgte die deutsche Übersetzung. Ziel dieses Projektes ist es, dem Fremdsprachenlernen in den verschiedenen europäischen Mitgliedsstaaten mehr Transparenz zu verschaffen und diesbezüglich Gemeinsamkeiten herzustellen. Durch gleiche, festgelegte Standards in der Fremdsprachenausbildung sollen Barrieren zwischen den verschiedenen
Bildungseinrichtungen beseitigt und die Kommunikation untereinander erleichtert werden. Aber vor allem können Zertifikate und Prüfungen in den verschiedenen Ländern miteinander verglichen und folglich anerkannt werden. Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen (GeR) definiert, was Lernende lernen müssen, um eine Sprache für kommunikative Zwecken nutzen und erfolgreich kommunikativ handeln zu können. Dabei werden Niveaustufen (A1, A2, B1, B2, C1, C2) angegeben, anhand deren der Lernende oder der Lehrende den Lernfortschritt messen und dokumentieren kann. Gleichzeitig schaffen diese Niveaustufen die Möglichkeit, Vergleiche zu anderen Lernern und Sprachverwendern zu ziehen.
Sprachpolitisch verfolgt der Europarat mit dem GeR das Ziel, die Sprachenvielfalt zu schützen und zu fördern und die Kommunikation innerhalb der EU-Länder zu verbessern. Gleichzeitig wird jedoch unterstrichen, dass auch im Fremdsprachenunterricht das vorrangige Bildungsziel die Vorbereitung auf eine demokratische Staatsbürgerschaft sein soll, weshalb laut dem GeR Unterrichtsmethoden gefördert werden sollen, die die Unabhängigkeit des Denkens, des Urteilens und des Handelns zusammen mit den sozialen Fähigkeiten und Verantwortungsbewusstsein stärken sollen. Ebenso wird die Bedeutsamkeit des interkulturellen Lernens fokussiert.
Der GeR sollte es ermöglichen, verschiedene Sprachdiplome oder Prüfungen miteinander zu vergleichen. Dabei kommt der Beschreibung bestehender Prüfungen mit Hilfe der im GeR festgesetzten Standards eine gewichtige Rolle zu. In der Folge ist es möglich Prüfungen bestimmten Niveaustufen zuzuordnen und sie transparenter zu machen. Nach Erscheinen des GeR haben die meisten Sprachdiplome und Prüfungen seine Standards umgesetzt und werben damit. Das 9. Kapitel - „Beurteilen und Prüfen“ - des GeR gibt Hilfestellungen für das Erstellen solcher Prüfungen und definiert Standards für verschiedene Formen der Beurteilung.
- III - Dievorliegende Arbeit behandelt vordergründig das 9. Kapitel: „Beurteilen und Prüfen“. Das Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, welche Anwendung der GeR hinsichtlich des Beurteilens und Prüfens in der Praxis finden kann. Die einzelnen Kapitel des GeR können jedoch nicht isoliert betrachtet werden, da sie sich kontinuierlich aufeinander beziehen. Zu Beginn der Arbeit werden einige Standards des GeR, die für das Verständnis der weiteren Arbeit notwendig sind, definiert und erläutert. In der Folge werden die Inhalte des 9. Kapitels kurz vorgestellt und durchleuchtet. Schließlich wird überprüft, in wie fern die Standards des GeRs, die das Prüfen und Beurteilen betreffen, bei der Erstellung des Französischen Sprachdiploms DELF scolaire (Diplôme d'Etudes en langue française) umgesetzt wurden. Außerdem wird untersucht, ob die Prüfung, die angibt, das Niveau A1 (niedrigste Niveaustufe) zu überprüfen, tatsächlich von Sprachverwendern mit dieser Niveaustufe zu absolvieren ist.
Das Goethe Institut (ein Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland, das die Aufgabe hat, Kenntnisse über die deutsche Kultur und Sprache in der Welt zu verbreiten) stellt den GeR in der deutschen Sprache auf seiner Internetseite zur Verfügung. 1 Fußnoten, die den GeR betreffen, beziehen sich auf die entsprechende Internetseite und nicht auf den GeR in gedruckter Form.
1 http://www.goethe.de/z/50/commeuro/
- 1 - 1 Grundlegende Begriffsbestimmungen
Eine wichtige Frage, die sich bei der Vorbereitung einer Prüfung oder auch allgemein beim Sprachenlernen stellt ist die, was genau überprüft bzw. gelernt werden soll. Die im GeR dafür angeführten Möglichkeiten und aufgestellten Standards werden hier kurz wiedergegeben. Dies ist für das Verständnis des 9. Kapitels und seine Anwendung auf das Sprachdiplom DELF scolaire als Basiswissen unumgänglich.
1.1 Kompetenz/Performanz
Nach Noam Chomsky wird das Sprachwissen als Kompetenz und das Sprachkönnen als Performanz bezeichnet. Kompetenz definiert er als einen Teil der allgemeinen kognitiven Fähigkeiten, die auf Mustererkennung und Konzeptualisierung basieren. 2 Der Sprecher kann auf Grund von festgelegten Mustern Neustrukturierungen vornehmen. Da er über die Elemente des Sprachsystems und die Möglichkeiten ihrer Verknüpfung verfügt sowie die grammatischen Strukturen des Sprachsystems verinnerlicht hat, kann er durch Neukombinationen neue Äußerungen erzeugen. 3 Demnach kann er auch grammatikalisch korrekte Äußerungen hervorbringen, die er vorher noch nie gehört hat. Er kann begrenzte Mittel unbegrenzt gebrauchen. 4
Als Performanz wiederum bezeichnet Chomsky das Anwenden dieser Kompetenz, das Hervorbringen von Äußerungen. 5 Der GeR geht noch weiter in der Auslegung der Kompetenzen. Es wird zwischen Allgemeinen Kompetenzen und Kommunikative Sprachkompetenzen unterschieden.
1.2 Allgemeine Kompetenzen
Allgemeine Kompetenzen bestehen aus dem Wissen und den Fertigkeiten der Sprachverwender sowie aus persönlichkeitsbezogenen Kompetenzen. 6 Wissen als Oberbegriff schließt Weltwissen (savoir) (Wissen über: Orte, Institutionen, Personen, Objekte und Wissen
2 Pelz, Heidrun: Linguistik, Eine Einführung, Hamburg, 2005, S. 169.
3 Pelz, Heidrun: Linguistik, Eine Einführung, Hamburg, 2005, S. 169.
4 Pelz, Heidrun: Linguistik, Eine Einführung, Hamburg, 2005, S. 169.
5 Pelz, Heidrun: Linguistik, Eine Einführung, Hamburg, 2005, S. 170.
6 http://www.goethe.de/z/50/commeuro/20101.htm
- 2 - überKlassifizierungen: konkret/ abstrakt, neu/alt), Soziokulturelles Wissen (Merkmale, die für eine bestimmte europäische Gesellschaft und ihre Kultur wichtig sind) und ein Interkulturelles Bewusstsein ein.
Fertigkeiten bezeichnen grundsätzlich einen erlernten oder erworbenen Anteil des Verhaltens. Im Fremdsprachenunterricht sind die Fertigkeiten Sprechen, Lesen, Hören, Schreiben mit den Lernzielen gleichzusetzen. 7 Es gilt für den Lerner diese Fertigkeiten zu erlernen. Im Gegensatz zu den Fähigkeiten, die nicht abfragbar sind aber eine Voraussetzung für die Realisierung einer Fertigkeit sind. „Fähigkeiten sind personenbezogene, organismische und psychische Voraussetzungen einer Handlung, Tätigkeit oder Leistung. Fähigkeit umfasst die Disposition für eine Tätigkeit oder Leistung im Sinne des Könnens und die Bereitschaft zu einer Tätigkeit.“ 8
Der GeR fächert die Fertigkeiten und das prozedurale Wissen (savoir-faire) weiter auf in Praktische Fertigkeiten (dazu gehören soziale Fertigkeiten, Fertigkeiten die für das tägliche Leben benötigt werden, berufliche Fertigkeiten und Fertigkeiten für die Freizeit) und in Interkulturelle Fertigkeiten (die Fähigkeit Kulturen in Beziehung zu setzen, die Fähigkeit als kultureller Mittler zu fungieren und die Fähigkeit Stereotypen zu überwinden). 9 Persönlichkeitsbezogene Kompetenzen (savoir-être) sind individuelle, die Persönlichkeit charakterisierende Faktoren. 10 Auch sie spielen beim Sprachenlernen eine gewichtige Rolle, da sie die kommunikative Tätigkeit des Sprachverwenders beeinflussen. Auch die Lernfähigkeit (savoir-apprendre) ist eine Teilkomponente der Allgemeinen Kompetenzen. 11 Bei den Definitionen, die der GeR zu diesen Begriffen vornimmt und die hier erläutert werden, bleibt zu bemängeln, dass bei den Definitionen begriffliche Ungenauigkeiten auftauchen, die zu Unverständnissen des Lesers führen. Da es der Anspruch des GeR ist nicht nur umfassend, sondern auch transparent und kohärent zu sein, dürften solche begrifflichen Ungenauigkeiten nicht vorkommen. Als Interkulturelle Fertigkeit beispielsweise wird die Fähigkeit, Kulturen in Beziehung zu setzen, genannt. Hier wird nicht zwischen Fähigkeit und Fertigkeit unterschieden. Es ist unklar, ob es eine Fertigkeit sein soll, Kulturen in Beziehung zu setzen, oder eine Fähigkeit. Die Begriffe werden hier nicht deutlich voneinander getrennt.
7 Krumm, Hans-Jürgen: Lehr- und Lernziele, S. 117, in: Bausch, Kar-Richard/Christ, Herbert/Krumm, Hans-
Jürgen (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachenunterricht, 4. Aufl., Tübingen 2003, S. 116-121.
8 o.V.: Fähigkeiten, in: Keller, Josef A./ Novak, Felix: Kleines Pädagogisches Wörterbuch, 3. Aufl., Freiburg,
1995, S. 137.
9 http://www.goethe.de/z/50/commeuro/5010202.htm
10 http://www.goethe.de/z/50/commeuro/5010201.htm
11 http://www.goethe.de/z/50/commeuro/20101.htm
- 3 - 1.3 Kommunikative Sprachkompetenzen
Der Lerner soll eine Vielzahl von Kompetenzen entwickeln, allgemeine Kompetenzen, aber vor allem Kommunikative Sprachkompetenzen. Die Kommunikativen Sprachkompetenzen eines Lernenden werden durch verschiedene Sprachaktivitäten aktiviert, die Rezeption, Produktion, Interaktion und Sprachmittlung umfassen. 12 Der GeR definiert Kommunikativen Sprachkompetenzen als ein Konglomerat aus linguistischen Kompetenzen (der Kenntnis der formalen Mittel, aus denen wohlgeformte, sinnvolle Mitteilungen zusammengesetzt und formuliert werden können und die Fähigkeit diese zu verwenden) 13 , soziolinguistischen Kompetenzen (Kenntnisse und Fertigkeiten, die zur Bewältigung der sozialen Dimension des Sprachgebrauchs nötig sind) 14 und pragmatischen Kompetenzen (das Kennen der Prinzipien, nach denen Mitteilungen organisiert und strukturiert werden) 15 . Hierbei muss aus Sicht der Verfasserin positiv erachtet werden, dass nicht allein die Linguistischen Kompetenzen fokussiert werden.
12 http://www.goethe.de/z/50/commeuro/20103.htm
13 http://www.goethe.de/z/50/commeuro/50201.htm
14 http://www.goethe.de/z/50/commeuro/50202.htm
15 http://www.goethe.de/z/50/commeuro/50203.htm
Arbeit zitieren:
Elisabeth Kirchhoff, 2008, Das 9. Kapitel „Beurteilen und Prüfen“ des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen und seine Anwendung auf das Französische Sprachdiplom DELF scolaire A1, München, GRIN Verlag GmbH
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