ii
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis iii
Abk ürzungsverzeichnis iii
Symbolverzeichnis iii
I. Einleitung 1
II. Hauptteil 2
1. Betriebliche Steuern Im Zeitraum 2003 2008 2
1.1 Die Körperschaftsteuer 2
1.2 Die Gewerbesteuer 3
1.3 Solidaritätszuschlag 4
1.4 Unternehmenssteuersatz vor 2008 4
1.5 Abgrenzung der Steueränderungen 4
2. Theoretischer Hintergrund 6
2.1 Leverage-Effekt 6
2.2 Optimale Kapitalstruktur 7
2.2.1 Optimaler Verschuldungsgrad 7
2.2.2 Modigliani-Miller-Theorem 7
3. Analyse 8
3.1 Analyseobjekt 8
3.2 Analyseannahmen 9
3.3 Analyseauswertung 10
3.4 Analyseinterpretation. 14
III. Zusammenfassung 15
Literaturverzeichnis 16
Anhang 18
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: ............................................................................................................................ 5 Abbildung 2: .......................................................................................................................... 10 Abbildung 3: .......................................................................................................................... 11 Abbildung 4: .......................................................................................................................... 11 Abbildung 5: .......................................................................................................................... 12 Abbildung 6: ........................................................................................................................... 13
Abkürzungsverzeichnis
Symbolverzeichnis
In einer Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirates beim Bundesministerium der Finanzen hieß es am 13.10.2006: Ä'LH Bundesregierung verfolgt mit der für das Jahr 2008 geplanten Reform der Unternehmensbesteuerung vor allem das Ziel, die Attraktivität und die :HWWEHZHUEVIlKLJNHLW GHV 6WDQGRUWHV 'HXWVFKODQG ]X HUK|KHQ «. In diesem Zusammenhang soll auch die Neutralität der Besteuerung verbessert werden, indem steuerliche Vorteile der Fremdfinanzierung abgebaut ZHUGHQ³ 1
Sowohl die steuerliche Entlastung auf der einen Seite, wie auch der Abbau von Vorteilen der Fremdfinanzierung auf der anderen Seite sollte zu einer Reduzierung des Fremdkapitalbestandes in den Bilanzen der Unternehmen führen, da der, durch die Fremdfinanzierung entstehende, Steuervorteil hinfällig wäre. 2
Ziel dieser Arbeit ist, zu zeigen ob sich in den Jahren 2003 ± 2008 im Zusammenhang mit Steuern Änderungen hinsichtlich des Fremdkapital-bestandes bei den DAX-30 Unternehmen ergeben haben. Dazu wird wie folgt vorgegangen: In Abschnitt II wird zunächst ein kurzer Überblick über die betroffenen Steuerformen gegeben. Dann soll aufgezeigt werden ob ± und falls ja in welchem Umfang ± die Unternehmen durch die Steuerreform entlastet werden. Darauf aufbauend werden dann die gängigen Theorien zur Kapitalstruktur und deren Einfluss auf die Kapitalstrukturentscheidungen der Unternehmen kurz erläutert. Den größten Platz der Arbeit nimmt der letzte Teil von Abschnitt II ein. Hier werden die Bilanzen aller DAX-30 Unternehmen in einer Analyse in einem Zeitraum von 2003 ± 2008 untersucht. Ziel ist es, dabei festzustellen ob die Steueränderungen Einfluss auf Kapitalstrukturentscheidungen haben und - falls ja ± welchen.
1 Vgl. Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium der Finanzen (2006), S.1
2 Vgl. Schultze (2003), S.85
Im Folgenden sollen die Grundlagen für die Analyse geschaffen werden. Dafür wird zuerst dargestellt wie sich die Steuerlandschaft in Deutschland in den Jahren 2003 bis 2008 entwickelt hat. Hier sind insbesondere die Unternehmenssteuerreform 2008 sowie das Streuersenkungsgesetz vom 23.10.2000 zu nennen. 3 Es soll gezeigt werden, dass die durchschnittliche Steuerbelastung der DAX-30 Unternehmen zurückgegangen ist, was impliziert, dass sich die entsprechenden Verschuldungsgrade der Unternehmen ebenfalls verringern haben müssen. 4 Danach werden die grundlegenden Theorien zur Kapitalstruktur kurz erläutert und identifiziert, welche Implikationen die einzelnen Theorien für die
Kapitalstrukturentscheidung der Unternehmen beinhalten. In Abschnitt II.3 wird dann eine Analyse durchgeführt, bei der die Geschäftsberichte der DAX-30 Unternehmen analysiert werden, um herauszufinden ob und in welchem Ausmaß Steueränderungen einen Einfluss auf Kapitalstrukturentscheidungen haben.
1. Betriebliche Steuern Im Zeitraum 2003 ± 2008
Die Körperschaftsteuer
Laut Kußmaul sind Kapitalgesellschaften, die ihren Sitz im Inland haben, unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig. 5 Als Steuerobjekt wird das gesamte in- und ausländische Einkommen der Kapitalgesellschaft zu Grunde gelegt. 6 In diesem Zusammenhang wird im Hinblick auf die Ermittlung des Einkommens in § 8 Abs. 1 KstG auf das EstG verwiesen, da das KstG über keine eigene Definition des Einkommensbegriffs verfügt. 7
3 Vgl. Bornhofen (2007), S.380
4 Vgl. Schultze (2003), S.85
5 Vgl. Kußmaul (2005), S. 322
6 Vgl. Kußmaul (2005), S. 325
7 Vgl. Kußmaul (2005), S. 325
2001 das Halbeinkünfteverfahren eingeführt. 8 Dabei unterliegen Gewinne, die auf Unternehmensebene anfallen, einem einheitlichen Steuersatz in Höhe von 25%. 9 Im Kontext bedeutet dies eine Körperschaftsteuer i.H.v.:
Im Zuge der Unternehmenssteuerreform 2008 wird dieser Satz auf 15% gesenkt, was eine noch stärkere Entlastung von Kapitalgesellschaften zur Folge hat. 11
Die Gewerbesteuer
Die Gewerbesteuer zählt zu der Gruppe der Real- oder Objektsteuern und wird von den Gemeinden erhoben. 12 Ihr unterliegen nach § 2 Abs. 1 GewStG alle stehenden Gewerbebetriebe, soweit sie im Inland tätig sind. 13 Die Höhe der Gewerbesteuer kann von den Gemeinden mit Hilfe eines Hebesatzes ( h ) beeinflusst werden, die somit Anreize für die Standortwahl von Betrieben schaffen können. 14 In dieser Arbeit wird von einem durchschnittlichen Hebesatz i.H.v. 400% ausgegangen. 15
In den Jahren 2000 ± 2008 minderte die Gewerbesteuer ihre eigene Bemessungsgrundlage, da bei der Ermittlung des einkommen- und körperschaftsteuerpflichtigen Gewinns die Gewerbesteuer als
Betriebsaufwand abzugsfähig war. 16 Daneben betrug der Steuermessbetrag ( m ) 5%. Daraus ergibt sich für die Jahre 2000 ± 2008 eine Gewerbe-
8 Vgl.Bornhofen (2007), S. 380
9 9JO%HFN¶VFKH7H[WDXVJDEHQ$EV.VW* 10 Vgl. Becker (2007), S. 59
11 Vgl. Ernst & Young (2007), S. 21
12 Vgl. Grefe (1999), S. 287
13 9JO%HFN¶VFKH7H[WDXVJDEHQ$bs. 1 GewStG
14 Vgl. Grefe (1999), S. 287
15 9JO6FKQHLGHU6ÄEHLQLHGULJHUHQ+HEHVlW]HQLVWGLH*HZHUEHVWHXHU]XJHULQJ bei höheren Hebesätzen führt dies zu eine Steuerbegünstigung durch Aufwandsvor- YHUOHJXQJ³
16 Vgl. Schneider (2002), S. 13
abgeschafft worden und der Steuermessbetrag (
m
)
auf 3,5% gesenkt
worden. 17 Damit ergibt sich eine vereinfachte Berechnungsgrundlage:
Solidaritätszuschlag
Laut Kußmaul ist die Bemessungsgrundlage des Solidaritätszuschlages die bzw. Körperschaftssteuer. 18 Der Steuersatz für den Einkommens-Solidaritätszuschlag beträgt 5,5%. 19 Somit stellt sich der Solidaritätszuschlag 20 wie folgt dar: % 5 , 5 ) 1 ( S S S x x
Kst GewSt Soli
Unternehmenssteuersatz vor 2008
Wie gezeigt reduziert die Gewerbesteuer als Betriebsausgabe auch die Bemessungsgrundlage der Körperschaftssteuer, welche wiederum in sich abzugsfähig ist und der Solidaritätszuschlag an die Körperschaftssteuer gekoppelt ist. 21 Daraus ergibt sich folgender Gesamtunternehmenssteuersatz 22 ( S ): ) 1 ( ) 1 ( S S S S S S S x x x
Soli Kst GewSt Kst GewSt GewSt
Wenn man nun von den Unterschieden in der Bemessungsgrundlage der Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer abstrahiert, ergibt sich ein kombinierter nominaler Unternehmenssteuersatz von 38,65%. 23
Abgrenzung der Steueränderungen
Im Folgenden sollen die Unterschiede der für das Jahr 2008 anberaumten Änderungen im Vergleich zu den Jahren 2003 ± 2008 aufgezeigt werden. Da
17 Vgl. Finanzmanagement Skript (WS 07/08), Kap. 4.22, S. 88
18 Vgl. Kußmaul (2005), S. 319
19 9JO%HFN¶VFKH7H[WDXVJDEHQ$EV6RO=* 20 In Anlehnung an Becker (2007), S. 59
21 Vgl. Becker (2007), S. 59 22 Vgl. Becker (2007), S. 59
23 S=16,67%+(1-16,67%)*25%+(1-16,67%)*25%*5,5%=38,65%
Veränderung zum Zeitraum 2002 ± 2008 gezeigt werden, da es für die Arbeit ausreicht die grundlegende Tendenz der Steuersätze aufzuzeigen. Die Eckpunkte waren:
x Senkung der Körperschaftsteuer von 25% auf 15% x Abschaffung der Abzugsfähigkeit der Gewerbesteuer von ihrer Bemessungsgrundlage x Senkung des Steuermessbetrages auf 3,5%
Daraus ergibt sich eine neue Berechnungsgrundlage, die sich wie folgt 24 darstellen lässt: , mit S S S S S x
) (Re ) (Re ) (Re ) (Re Soli form Kst form Kst form GewSt form h m s GewSt x
.
Die daraus folgende Gesamtsteuerbelastung beträgt nominal durchschnittlich 29,83% 25 , während sie in den Jahren zuvor durchschnittlich 38,65% betragen hat. Um zu zeigen, dass der durchschnittliche Steueraufwand auch effektiv gesunken ist, werden die effektiven Steuerquoten der DAX-30 Unternehmen in Abbildung 1 dargestellt. Hierfür werden die effektiven Steuersätze den Geschäftsberichten entnommen, summiert und durch die Anzahl der DAX-Unternehmen dividiert.
24 In Anlehnung an Becker (2007), S. 61
25 S(Reform)=14%+15%+15%*5,5%=29,825% 26 Vgl. Anhang 1
ein durchschnittliches Niveau von unter 30% in 2008. Interessant ist jedoch, dass im ersten Halbjahr 2008 die effektive Steuerquote im Vergleich zu den Vorjahren erstmalig leicht ansteigt. Dies zeigt, dass sich im Zuge der Unternehmenssteuerreform die durchschnittliche Belastung von
Aktiengesellschaften bis 2007 nominal und effektiv reduziert hat und es ± nach finanztheoretischen Aspekten ± sinnvoll wäre den Anteil an Fremdkapital am Gesamtkapital zu reduzieren, während im ersten Halbjahr 2008 eine leichte Erhöhung der Verschuldungsgrade durchaus Sinn machen würde.
2. Theoretischer Hintergrund
Leverage-Effekt
Däubler definiert den Leverage-Effekt wie folgt: Ä« der Leverage-Effekt besagt, dass sich die Eigenkapitalrentabilität durch zusätzlichen Fremdkapitaleinsatz steigern lässt, sofern das zusätzliche Fremdkapital mehr bringt als es koVWHW³ 27 Wobei er sich formal wie folgt darstellen lässt: 28
) ( * i r VG r r
GK GK EK Solange nun gilt dass, r GK ! liegt ein positiver Leverage-Effekt vor, welcher i
laut 6WHLQHUÄGLH5HQWDELOLWlWGHVHLQJHVHW]WHQ(LJHQNDSLWDOVGXUFK=XQDKPH deV 9HUVFKXOGXQJVJUDGHV EHOLHELJ VWHLJHUW³ 29 . Daraus lässt sich schließen, dass es ±zumindest theoretisch- solange optimal wäre Eigenkapital durch )UHPGNDSLWDO ]X HUVHW]HQ ZLH ÄGLH ,QYHVWLWLRQVUHQGLWH VLQNW XQGRGHU GDV
r GK ³ 30 gilt. Zinsniveau derart steigt, dass i
27 Vgl. Däumler (2002), S. 68 28 Vgl. Perridon/Steiner (2007), S. 483
29 Vgl. Perridon/Steiner (2007), S. 483
30 Vgl. Coenenberg (2005), S. 995
Optimaler Verschuldungsgrad
Das Modell des optimalen Verschuldungsgrades stellt das Verhalten von Eigen- und Fremdkapitalgebern in Bezug auf Rendite- und Zinsforderungen dar. 31 Hierbei sind Unternehmen in der Lage die durchschnittlichen Gesamtkapitalkosten bzw. den Marktwert des Unternehmens zu beeinflussen, indem sie teures Eigenkapital durch billiges Fremdkapital substituieren. 32 Beherrschende Einflussgröße ist hier die Risikoeinstellung der Kapitalgeber, da bei zunehmender Verschuldung ihre Rendite- und Zinsforderungen größer werden und dadurch das Optimum, bis zu dem sich Verschuldung rechnet, überschritten wird. 33
Modigliani-Miller-Theorem
Modigliani und Miller beschreiben in ihrer Arbeit, dass der Unternehmenswert in einer Welt ohne Steuern und bei friktionsfreien Kapitalmärkten völlig unabhängig von der Kapitalstruktur des Unternehmens ist. 34 Um den Beweis für ihre Theorie zu erbringen, stellten sie drei Thesen 35 auf, die ± unter der Annahme bestimmter Friktionen ± zeigen, dass es für den Marktwert eines Unternehmens irrelevant ist ob es vorwiegend eigen- oder fremdfinanziert ist. 36 Die Tatsache, dass Modigliani und Miller in ihren Thesen von einer Welt ausgehen in der nur Unternehmenssteuern existieren 37 ± also weder private Steuern noch Vermögenssteuern ± wurde wiederum von anderen Autoren aufgegriffen und das Theorem entsprechend erweitert und ergänzt. Zu nennen wären hier DeAngelo und Masulis, die in ihrer Arbeit zeigen, dass Steuervorteile auch als Abschreibungen und Investitionssteuergutschriftenso genannte nondebt tax shields (=NDTS) - und nicht nur in Form von
31 Vgl. Perridon/Steiner (2007), S. 482
32 Vgl. Perridon/Steiner (2007), S. 489
33 Vgl. Perridon/Steiner (2007), S. 491
34 Vgl. Shackelford/Shevlin (2001), S. 346
35 Vgl. Perridon/Steiner (2007), S. 494
36 Vgl. Copeland/Weston/Shastri (2007), S. 698
37 Vgl. Copeland/Weston/Shastri (2007), S. 698
dass es sich bei dem Grenzsteuernutzen von Fremdkapital um eine Funktion handelt, die abnimmt je höher die NDTS sind, da die NDTS den Steuervorteil der Zinsen aufheben. 39 Laut DeAngelo und Masulis wählen Unternehmen ein
Ä)UHPGNDSLWDOQLYHDX GDV LQ HLQHP QHJDWLYHQ =XVDPPHQKDQJ PLW GHP
Niveau der verfügbaren Tax Shield-SXEVWLWXWH VWHKW³ 40 , was bedeutet, dass das Fremdkapital abnimmt, je höher die NDTS sind. In dieser Arbeit soll in diesem Zusammenhang insbesondere das Leasing betrachtet werden 41 , wobei man in der Literatur zwei Arten von Leasing unterscheidet. Beim Financial Lease ist dem Leasingnehmer das wirtschaftliche Eigentum zuzurechnen IDOOV ÄDOOH 5LVLNHQ XQG &KDQFHQ GLH PLW GHP (LJHQWXP YHUEXQGHQVLQGDXIGHQ/HDVLQJQHKPHUEHUWUDJHQZXUGHQ³ 42 Alle anderen Leasinggeschäfte heißen Operating Lease. 43 Der Leasinggegenstand ist beim Leasingnehmer zu aktivieren, der den Wertgegenstand steuermindernd geltend machen kann. 44
3. Analyse
Analyseobjekt
Analyseobjekt sind die DAX-30 Unternehmen in einem Zeitraum von 2003 ± 2008. Als Analysequelle dienen die Geschäfts- bzw. Zwischenberichte 45 von 2003 - 2008. Die Werte werden in Excel-Tabellen aufbereitet und finden sich, zur besseren Nachvollziehbarkeit, im Anhang.
38 Vgl. Copeland/Weston/Shastri (2007), S. 714
39 Vgl. Graham (2003), S.1082
40 Vgl. Copeland/Weston/Shastri (2007), S. 714
41 Vgl. Graham (2003), S.1083
42 Vgl. Coenenberg (2005), S.83
43 Vgl. Coenenberg (2005), S.83
44 Vgl. Coenenberg (2005), S.83
45 Wo verfügbar, für das erste Halbjahr 2008
Zunächst soll auf die Bewertung von Eigen- bzw. Fremdkapital eingegangen werden. Das Problem das sich stellt ist, dass Eigen- und Fremdkapital in Marktwerten angegeben werden sollten, da eine Messung der Verschuldungsgrade in Buchwerten keinen Sinn macht. 46 Da es sich bei dieser Analyse jedoch um eine Gegenüberstellung von Verhältnissen handelt, die lediglich aufzeigen sollen in welche Richtung sich Unternehmen bewegen und welchen Einfluss Steuersenkungen auf diese Verhältnisse haben, wird die Analyse anhand von Buchwerten durchgeführt. 47 Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Behandlung von Dividenden. Die Zahlung einer Dividende stellt eine kurzfristige Verbindlichkeit seitens der Unternehmung dar, mindert damit das Eigenkapital und erhöht das Fremdkapital um den entsprechenden Betrag. 48 Für die Analyse wird das Eigenkapital ± falls noch nicht geschehen - um die Dividenden bereinigt. Außerdem stellt sich die Frage, ob die Analysegrößen, die zur Berechnung des Leverage-Effektes herangezogen werden, vor oder nach Steuern zu berechnen sind. Die Kennzahlen ± nämlich die Gesamt- sowie Eigenkapitalrenditen -sind nach Steuern zu berechnen 49 , da es Ziel dieser Arbeit ist, einen eventuellen Zusammenhang zwischen Steuerregime und Kapitalstruktur aufzuzeigen 50 . Die letzte Annahme betrifft den EBIT. Da der EBIT in den Bilanzen oftmals um Erträge aus Finanzbeteiligungen ergänzt wird sei hier darauf hingewiesen, dass in dieser Arbeit Erträge aus Finanzbeteiligungen nicht zum operativen Ergebnis gezählt werden und der EBIT dementsprechend abweichen kann. 51
46 Vgl. Copeland/Weston/Shastri (2007), S. 706
47 Eine Analyse zu Marktwerten wäre durchaus möglich, würde allerdings den Rahmen der Arbeit sprengen
48 Vgl. Coenenberg (2005), S. 964
49 d.h. mit der Kenngröße Jahresüberschuss anstelle des EBIT
50 Vgl. Coenenberg (2005), S. 1082
51 Vgl. Coenenberg (2005), S. 967
Im Folgenden werden die Ergebnisse der Analyse präsentiert. Quelle hierzu sind die Geschäftsberichte, deren ± für die Analyse wichtigste ± Daten in Excel aufbereitet wurden und im Anhang zu finden sind. Zunächst soll die Veränderung der Verschuldungsgrade näher betrachtet werden. Der Verschuldungsgrad ergibt sich aus dem Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital 52 und müsste sich im Zeitraum 2003 bis 2007 verringert haben, da durch die Steuersenkungen der Vorteil der Fremdfinanzierung aufgehoben wurde um im Jahr 2008 leicht anzusteigen, da sich die effektive Steuerquote leicht erhöht hat. Trotz des Wegfallens der Vorteilhaftigkeit der Verschuldungsgrade bei abnehmenden Steuerquoten haben sich, wie Abbildung 2 zeigt, die Verschuldungsgrade der DAX-30 Unternehmen erhöht. Auffallend ist, dass die Verschuldungsgrade von 2003 bis 2006 relativ konstant geblieben sind und erst ab dem Jahr 2007 deutlich an Wert zugenommen haben.
Abbildung 2: durchschnittliche Verschuldungsgrade DAX-30 2003-2008 (in %)
Dieser Effekt ist vor allem den im DAX gelisteten Banken und Versicherungen zuzuschreiben, wie eine gesonderte Betrachtung von Industrieunternehmen auf der einen und Banken und Versicherungen auf der
52 Vgl. Coenenberg (2005), S. 993 53 Vgl. Anhang 2
Industrie sich reduziert (mit Ausnahme von 2006) haben um im ersten Halbjahr 2008 anzusteigen, also sich annährend parallel zur effektiven Steuerquote entwickelt haben.
Während sich die Verschuldung der Industrie weitgehend an der durchschnittlichen effektiven Steuerbelastung orientiert, gestaltet sich das Bild bei Banken und Versicherungen differenzierter. Hier haben sich die Verschuldungsgrade ab 2007 massiv erhöht, während in den Jahren zuvor eine Verringerung stattfand.
54 Vgl. Anhang 3
Um nun einen Zusammenhang zwischen, durch Zinszahlungen auf Fremdkapital entstehender, Verschuldung und durch Abschreibungen entstehende Steuervorteile zu untersuchen ist es notwendig,
Leasingaufwendungen und Zinsaufwendungen für Fremdkapital gemeinsam zu betrachten.
56 Abbildung 5: Verhältnis Leasingaufwendungen zu Fremdkapitalzinslast 2003 - LQ0LOOLRQHQ¼
Da die Fremdkapitalzinslast nahezu konstant geblieben ist, sollten die Leasingaufwendungen als NDTS sich ebenfalls auf konstantem Niveau bewegen. Zu beobachten ist jedoch, dass die Leasingaufwendungen zwischen 2003 ± 2005 tatsächlich nahezu unverändert bleiben, jedoch ab 2006 zunehmen. Wenn man nun wieder zwischen Industrieunternehmen und Banken und Versicherungen abstrahiert, gestaltet sich das Bild nahezu unverändert. 57 Das heißt dass es bis 2005 durchaus einen Zusammenhang zwischen Leasingaufwendungen und Fremdkapitalzinsen gegeben hat, dieser jedoch ab 2006 nicht mehr auftritt. Zu beachten ist hier noch, dass für 2008 eine Beurteilung schwierig ist, da nicht jedes Unternehmen Leasingaufwendungen in seinen Zwischenberichten ausweist.
55 Vgl. Anhang 4
56 Vgl. Anhang 5
57 Vgl. Anhang 7 und Anhang 8
Um nun noch zu analysieren inwieweit ein Zusammenhang zwischen Gesamtkapitalrendite und Fremdkapitalzinslast besteht, wird der Leverage-Effekt näher betrachtet. Der Leverage-Effekt ist positiv, solange gilt dass, die Gesamtkapitalrendite größer als der Fremdkapitalzins ist. Die Gesamtkapitalrendite nach Steuern ergibt sich aus Jahresüberschuss dividiert durch das Gesamtkapital 58 , während die Fremdkapitalzinslast mit Zinsaufwand dividiert durch das Fremdkapital 59 berechnet werden kann. Wie Abbildung 6 zeigt, ist in 2003 sowie in 2008 die Gesamtkapitalrendite und die Fremdkapitalzinslast nahezu identisch, während im Zeitraum 2004-2007 die durchschnittliche Gesamtkapitalrendite der Unternehmen größer als ihre Fremdkapitalzinslast ist und der Leverage-Effekt somit positiv ist.
60 Abbildung 6: durchschnittliche Gesamtkapitalrendite und Fremdkapitalzinslast DAX-30 (in %)
Abbildung 2 und Abbildung 6 lassen sich auch Nutzen um zu überprüfen, ob sich Unternehmen an der Theorie eines optimalen Verschuldungsgrades orientieren. Der Optimale Verschuldungsgrad impliziert, dass sich Rendite-und Zinsforderungen bei zunehmender Verschuldung erhöhen sollten.
58 Vgl. Coenenberg (2005), S. 998
59 Vgl. Coenenberg (2005), S. 995 60 Vgl. Anhang 6
sich bei zunehmendem Verschuldungsgrad weder die Rendite- noch die Fremdkapitalsätze signifikant zunehmen, was bedeutet, dass auch hier kein direkter Zusammenhang festzustellen ist.
Analyseinterpretation
Die Analyse hat gezeigt, dass in der Praxis bei den DAX-30 Unternehmen ± zumindest meistens - kein direkter Zusammenhang zwischen Steuerregime und Kapitalstruktur besteht. Eine gesonderte Betrachtung von Industrieunternehmen auf der einen und Banken und Versicherungen auf der anderen Seite, zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild. Auffallend ist vor allem, dass Industrieunternehmen offensichtlich ihre Verschuldung an Steuerquoten über den gesamten Betrachtungszeitraum anzupassen versuchen, während die Banken- und Versicherungsbranche in einem Zeitraum von 2003 ± 2006 durchaus sinkende Verschuldungsgrade vorweist, jedoch ab 2007 einen starken Anstieg hinsichtlich ihrer Verschuldung aufweist. Inwiefern dieser starke Anstieg ab 2007 mit der Finanzkrise zusammenhängt ist nicht Teil dieser Arbeit und müsste gesondert erläutert werden.
Betrachtet man nun die Kapitalrenditen und den Fremdkapitalzins, um zu analysieren inwieweit der Leverage-Effekt eine Rolle bei der Finanzierungswahl spielt, fällt auf, dass Unternehmen ein Fremdkapitalzinslastniveau wählen, das in den meisten Fällen geringer als ihre Gesamtkapitalrendite ist, um einen positiven Leverage-Effekt zu erzielen. Die Frage, ob Unternehmen einen optimalen Verschuldungsgrad wählen, bei dem sich Rendite- und Zinsforderungen bei zunehmender Verschuldung erhöhen, kann mit nein beantwortet werden, da kein direkter Zusammenhang zwischen Verschuldung und Rendite- und Zinsforderungen aufgezeigt werden konnte. Ein Zusammenhang zwischen Fremdkapitalzinslast und NDTS kann zwischen 2003 ± 2005 durchaus festgestellt werden, da die Werte auf nahezu konstant gleichem Niveau bleiben. Ab dem Jahr 2006
Zusammenhang ab 2006 nicht mehr auftritt.
III. Zusammenfassung
Nach einer kurzen Aufarbeitung der relevanten Steuerarten wurden die grundsätzlichen Auswirkungen der Steuerreform für die Unternehmen gezeigt. Als Ergebnis konnte festgestellt werden, dass die durchschnittliche Steuerbelastung gesunken ist, wobei insbesondere zwischen nominaler und effektiver Steuerquote unterschieden wurde. In einem zweiten Schritt wurden die grundsätzlichen Theorien zur Gestaltung der Kapitalstruktur erläutert und die hieraus auftretenden Anhaltspunkte für die Unternehmen aufgezeigt. Aus diesen Schritten ergaben sich dann Implikationen für Teil Drei, nämlich der Analyse. Hier wurde versucht ein Zusammenhang zwischen Steuerregime und Kapitalstruktur in Deutschland anhand der DAX-30 Unternehmen in einem Zeitraum von 2003 bis 2008 herzustellen. Als Ergebnis konnte festgehalten werden, dass nur ein oberflächlicher Zusammenhang zwischen Steuerregime und Kapitalstruktur besteht, da Unternehmen offenbar anderen Überlegungen den Vorzug gegenüber einer, auf steuerliche Aspekte angepasste, Kapitalstruktur geben.
Literaturverzeichnis
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2. %HFN¶VFKH7H[WDXVJDEHQ
Steuergesetze 1, 153. Ergänzungslieferung, München. 3. Bornhofen, Manfred (2007)
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Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, 4. Aufl., München. 10. Lehrstuhl Steiner (2007)
11. Perridon, Louis; Steiner, Manfred (2007)
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Methoden der Unternehmensbewertung, 2. Aufl., Düsseldorf. 13. Shackleford, Douglas A.; Shevlin, Terry (2001)
14. Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium der Finanzen (2006),
Anhang
Anhang 1: Durchschnittliche effektive Steuerbelastung 2003-2008 (in %)
Anhang 1 zeigt die durchschnittliche effektive Steuerbelastung von 2003-2008. Dabei wird der Ertragsteueraufwand durch den Gewinn vor Steuern des jeweiligen Jahres dividiert, bzw.
wo vorhanden, die effektiven Steuersätze aus dem Geschäftsbericht entnommen. Anschließend werden alle effektiven Steuerquoten eines Jahres summiert und durch die Anzahl der DAX Unternehmen (30) dividiert, um einen einfachen Durchschnitt zu erhalten.
Anhang 2 zeigt die durchschnittlichen Verschuldungsgrade der DAX-30 Unternehmen von 2003-2008. Dabei wird das Fremd- durch das Eigenkapital des jeweiligen Jahres dividiert.
Anschließend werden alle Verschuldungsgrade eines Jahres summiert und durch die Anzahl der DAX Unternehmen (30) dividiert, um einen einfachen Durchschnitt zu erhalten.
Anhang 3 zeigt die durchschnittlichen Verschuldungsgrade der, im DAX gelisteten, Industrie-unternehmen von 2003-2008. Dabei wird das Fremd- durch das Eigenkapital des jeweiligen Jahres dividiert. Anschließend werden alle Verschuldungsgrade eines Jahres summiert und durch die Anzahl der im DAX gelisteten Industrieunternehmen (23) dividiert, um einen einfachen Durchschnitt zu erhalten.
Anhang 4 zeigt die durchschnittlichen Verschuldungsgrade der, im DAX gelisteten, Finanz-unternehmen von 2003-2008. Vorgegangen wird dabei analog zu Anhang 3.
LQ0LOOLRQHQ¼
Anhang 5 zeigt das Verhältnis von Leasingaufwendungen zu Fremdkapitalzinslast von 2003-2008. Dabei werden Leasingaufwendungen aus den Geschäftsberichten entnommen. Die Fremdkapitalzinslast ergibt sich aus Fremdkapitalzins dividiert durch das Fremdkapital des jeweiligen Jahres. Anschließend werden alle Leasingaufwendungen bzw. Fremdkapital-zinslasten eines Jahres summiert und durch die Anzahl der im DAX gelisteten Unternehmen (30) dividiert, um einen einfachen Durchschnitt zu erhalten.
Anhang 6 zeigt den Leverage-Effekt von 2003-2008. Dabei werden Gesamtkaptitalrendite und Fremdkapitalzinslast miteinander verglichen. Die Gesamtkapitalrendite ergit sich aus Jahresüberschuss dividiert durch das Gesamtkapital des jeweiligen Jahres. Die Fremd-kapitalzinslast ergibt sich aus Fremdkapitalzins dividiert durch das Fremdkapital des jeweiligen Jahres. Anschließend werden alle Gesamtkapitalrenditen bzw. Fremdkapital-zinslasten eines Jahres summiert und durch die Anzahl der im DAX gelisteten Unternehmen (30) dividiert, um einen einfachen Durchschnitt zu erhalten.
Anhang 7 vergleicht Leasingaufwendungen der Industrieunternehmen mit Leasingaufwendungen der Finanzunternehmen. Dabei werden alle
Leasingaufwendungen eines Jahres summiert und durch die Anzahl der im DAX gelisteten Industrieunternehmen (23) bzw. durch die Anzahl der im DAX gelisteten Finanzunternehmen (7) dividiert, um einen einfachen Durchschnitt zu erhalten.
Anhang 8: Leasingaufwendungen Finanzunternehmen 2003-2008 LQ0LOOLRQHQ¼
Arbeit zitieren:
Florian Binder, 2008, Empirisch-statistische Analyse von Kapitalstruktur und Steuerregime in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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Masterarbeit, 132 Seiten
Florian Binder's Text Empirisch-statistische Analyse von Kapitalstruktur und Steuerregime in Deutschland ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Florian Binder hat den Text Empirisch-statistische Analyse von Kapitalstruktur und Steuerregime in Deutschland veröffentlicht
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