Universität zu Köln
Seminar: Judenpogrome im Mittelalter
Wintersemester 2007/2008
Hausarbeit
Judenverfolgungen und die Rolle der Bischöfe im
Kontext des ersten Kreuzzuges
Abgabedatum: 31. 07.2008
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung...3
1. Das Konzil von Clermont und der Beginn der Kreuzzüge...4
2. Quellenlage...6
3. Judenverfolgungen im Kontext des ersten Kreuzzuges ...8
3.1 Das Verhalten Heinrichs IV...9
3.2 Trier...10
3.3 Speyer...12
3.4 Worms...13
3.5 Mainz...14
3.6 Köln...17
3.7 Weitere Städte...19
4. Übereinstimmende Handlungsabläufe in den verschiedenen von Judenverfolgungen
heimgesuchten Städten...20
5. Gründe für das Handeln der Pilger...21
6. Ausblick und Fazit...22
Literaturverzeichnis...26
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Einleitung
Diese Arbeit soll sich mit Judenverfolgungen respektive Judenpogromen im Kontext
des ersten Kreuzzugs befassen und schildern, wo und unter welchen Umständen solche
stattfanden. Hierfür wird zunächst erläutert, wie es überhaupt zu dem Phänomen der
Kreuzzüge und Volkskreuzzüge kam und was genau solche ausmachte. Gründe für die
Bevölkerung an diesen teilzunehmen
,
sollen ebenso angeführt werden wie solche, es nicht zu
wagen. Die Verfolgungen und Tötungen von Juden, über die diese Arbeit in erster Linie
berichten soll, werden hauptsächlich auf das Rheinland bezogen dargestellt. Zudem soll die
Frage beantwortet werden, wie die Bischöfe in den dortigen großen Städten mit solcherlei
Verfolgungen umgingen akzeptierten sie diese und unterstützten sie sogar, oder versuchten
sie, Ermordungen aller ihrer Bürger zu verhindern? Wie der König mit dieser Frage umging,
soll ebenfalls geklärt werden.
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Um hierauf näher einzugehen, werden Vergleiche aus dem Verhalten mehrerer
Bischöfe gezogen. So sollen die Geschehnisse, die im Jahr 1096 in Köln, Worms, Mainz,
Trier und Speyer stattfanden, genauer analysiert werden. Hierfür werden sowohl christliche
als auch hebräische Quellen herangezogen, um eine möglichst objektive, kulturspezifisch
unverfälschte Sichtweise zu bieten. Welche Quellen jeweils für die Bearbeitung des Themas
gewählt wurden, wird in einem zusätzlichen Kapitel nach der Schilderung der Entstehung des
Kreuzzugsgedankens beschrieben, da dies ausschlaggebend für die Ergebnisse dieser Arbeit
ist. Auch Quellen aus dem syrischen und armenischen Raum werden in die Bearbeitung mit
einbezogen werden, ebenso wie arabische Darstellungen über die Taten der Kreuzfahrer im
Kontext der Eroberung Jerusalems im Jahr 1099. Nach der Betrachtung der Vorkommnisse im
Zusammenhang mit dem ersten Kreuzzug erfolgt demnach ein knapper Ausblick auf die
nachfolgende Zeit, um den weiteren Verlauf der zuvor beschriebenen Verfolgungen zu
skizzieren.
Neben den Quellen werden zudem Bearbeitungen dieser, wie etwa von Buchner,
Neubauer und Stern, sowie Aufsätze diverser Autoren herangezogen, so solche von Hiestand,
Regul, Barkenings, Mentgen, Flesch und Kauffeldt. Zusätzliche fließen Schilderungen von
Alfred Haverkamp, Thorau, Czermak, Zöllner, Somerville, Lüders, van Ess und mehrere
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Rudolf Hiestand. Der erste Kreuzzug in der Welt des ausgehenden 11. Jahrhunderts. In: Der erste Kreuzzug
1096 und seine Folgen. Die Verfolgung der Juden im Rheinland. Düsseldorf 1996, S. 1f.
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Werke von Chazan und Cohen in die Bearbeitung des gewählten Themas ebenso ein, wie
Doktorarbeiten von Eva Haverkamp und Schiffmann, sowie auch Auszüge aus der
Encyclopaedia Judaica
, der Germania Judaica und der Gesta Treverorum.
1. Das Konzil von Clermont und der Beginn der Kreuzzüge
Am 27.11.1095 hielt Papst Urban II. im Rahmen des Konzils von Clermont in der
Auvergne eine Rede, in welcher er zur Hilfe für die sogenannten christlichen Brüder im Osten
aufrief und zudem die Befreiung der dortigen Kirche anmahnte. Als er mit den Worten
,,bewaffnet euch mit dem Eifer Gottes, liebe Brüder, gürtet eure Schwerter. Besser ist es im
Kampf zu sterben, als unser Volk und die Heiligen leiden zu lassen. [...] ziehet aus, und der
Herr wird mit euch seien!"
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das Konzil schloss, begann eine Epoche, die fast 200 Jahren
andauerte und in welcher Hunderttausende aus allen Teilen Europas den Weg in den östlichen
Mittelmeerraum beschritten. Die Worte, mit denen der Papst den Aufruf tätigte, werden in
diversen Quellen häufig anderslautend dargestellt, jedoch ist allen diesen Quellen gemein,
dass in der Rede des Papstes die Beschuldigung erhoben wurde, dass Christen von Moslems
wie Vieh geschlachtet worden seien. Die Pilger, die den hierdurch angesprochenen Christen
in Form einer bewaffneten Wallfahrt
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zu Hilfe eilen sollten, nannten sich ,,cruce signatii" (mit
dem Kreuz gezeichnete) und folgten dem Ruf ,,deus lo vult" Gott will es.
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Heutzutage wird für die soeben beschriebene Pilgerschaft das Wort Kreuzzug
verwendet, was im 11. und 12. Jhdt. jedoch noch nicht der Fall war. Erst im 13 Jhdt. begegnet
man in französischen Quellen dem Wort ,,croiserie", was in etwa dem heutigen Begriff des
Kreuzzuges entspricht, zuvor war jedoch lediglich von einem iter (Weg, Reise), einer
expeditio
oder auch von einer peregrinatio (Wallfahrt) die Rede. Die Juden hingegen
bezeichneten die Kreuzfahrer als to'im ("[verirrte] Wanderer").
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Da schon zur damaligen Zeit
eine Diskrepanz bezüglich einer genauen Bezeichnung der Pilgerfahrten vorherrschte, ist es
nicht verwunderlich, dass bis heute über eine genaue Begriffsabgrenzung diskutiert wird.
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Jürgen Regul. Vorwort. In: Der erste Kreuzzug 1096 und seine Folgen. Die Verfolgung der Juden im Rheinland.
Düsseldorf 1996, S. III.
3
Alfred Haverkamp. Aufbruch und Gestaltung. Deutschland 1056-1273. Die neue deutsche Geschichte. Band 2.
München 1984, S. 18.
4
Hans-Joachim Barkenings, Sachor Reminiscere Gedenke. In: Der erste Kreuzzug 1096 und seine Folgen.
Die Verfolgung der Juden im Rheinland. Düsseldorf 1996, S. 95.
5
Michael Palomino (Übersetzung mit Ergänzungen). Crusades. Pogromes against the Jews during the crusades
and the consequences. In: Encyclopaedia Judaica 1971. Volume 5, S. 1136.
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Gerade die Abgrenzung zu dem weiter gefassten Begriffs des bellum sacrum des heiligen
Krieges macht hier Mühe, was sich darin äußert, dass es fraglich war, ob Jerusalem immer
das Ziel sein müsse, oder, ob auch andere Zielrichtungen unter den Begriff eines Kreuzzuges
fallen können.
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Abgesehen von der Brisanz, die dem Konzil rückwirkend zugeschrieben werden kann,
gilt es hier besonders zu beachten, dass der Kreuzzugsgedanke damals nicht derart im
Vordergrund stand, wie es aus heutiger Sicht der Fall zu sein scheint. Der Konzilbeschluss, zu
einem Kreuzzug aufzurufen, stellte lediglich einen von insgesamt 32 erfolgten Beschlüssen
dar und wurde zudem nur in vier von vierzehn bekannten Fassungen der auf dem Concil
erfolgten Beschlüsse erwähnt.
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Der Appell erfolgte am Ende der zweiten Rede des Papstes,
wonach Bischof Le Puy in wohl zuvor abgesprochener Weise vor dem Redner niederkniete,
um vor der versammelten Menge ein Gelöbnis abzulegen, an einem solchen Kreuzzug
teilzunehmen. Hierauf folgten andere seinem Beispiel, wonach der Papst manchen von ihnen
andere auch sich selbst ein Stoffkreuz anheftete, was zum symbolischen Zeichen der
Kreuzzugsbewegung werden sollte.
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Als Termin für den Aufbruch des ersten Kreuzzuges wurde mit dem 15. August 1096
das Fest Mariä Himmelfahrt durch den Papst festgesetzt, allerdings kam es bereits vor diesem
Termin zu dem Aufbruch einer großer Anzahl von Menschen, die insbesondere aus
Nordfrankreich, Belgien und dem Rheinland stammten. Diese Bewegung wurde
Bauernkreuzzug oder auch Volkskreuzzug genannt, wobei die letztere Formulierung den
Tatsachen eher entspricht, bestand doch zu dem Zeitpunkt des Aufbruches beinahe 97% der
Bevölkerung aus Bauern.
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Die Anführer der Gruppen kamen zumeist aus dem Adel oder aus
dem Rittertum und hatten sich zum größten Teil selbst zu solchen ernannt. Zudem unterschied
sich die Struktur dieser Volksheere in großem Maße von der der Ritterheere, sowohl was die
Zusammensetzung der Kämpfer als auch die Ordnung und Anzahl dieser betraf. Gemeinsam
mit den acht organisierten Heeren, bildeten jene Volkskreuzzügler den ersten Kreuzzug.
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Hiestand, S. 3.
7
Ebd., S. 12.
8
Ebd., S. 15.
9
Ebd., S. 30.
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Da die Kreuzfahrer relativ spontan aufbrachen, war es nicht möglich, zuvor einen
Vorrat an Speisen für den langen Weg nach Jerusalem anzulegen. Selbst wenn dies im
Bereich des Möglichen gelegen hätte, wäre es in Anbetracht der langen Reisedauer von 300
bis 400 Tagesmärschen nicht möglich gewesen, das Ziel zu erreichen, ohne dass die
mitgenommenen Vorräte nicht mehr genießbar gewesen wären. Dies führte dazu, dass die
jeweils erste Gruppe, die an einer Stadt mit einem Markt vorbeikam diesen in der Regel
aufkaufte, so dass 1. für die nachfolgenden Pilger nichts mehr übrig blieb und es 2. zu einer
wesentlichen Verteuerung der Produkte kam. Aus diesem Grund war es für Kreuzfahrer oft
nötig, sich zu verschulden, bzw. ihre Grundstücke oder ihr Eigentum vor dem Aufbruch zu
verkaufen oder zu verpfänden, um genug Geldmittel zur Verfügung zu haben.
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Auch Kirchen
und Klöster unterstützten die Reisenden finanziell, in dem sie angesammelte Kirchenschätze
veräußerten. Zu Problemen mit der Bevölkerung der auf dem Weg besuchten Städte kam es
hierbei ebenfalls, da die Kreuzfahrer davon ausgingen, auf ihrem von Gott vorbestimmten
Weg jedwede mögliche Unterstützung zu erfahren, was die Beamten und Bewohner jedoch
nicht leisten konnten, da sie auf eine solche Masse an Reisenden nicht vorbereitet waren.
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Dies könnte, wie im weiteren Verlauf dieser Arbeit zu erkennen ist, neben anderen auch ein
Grund für die in den folgenden Kapiteln geschilderten Vorgänge sein.
2. Quellenlage
Einige wesentliche Quellen, die uns über die für das Thema dieser Arbeit
aufschlussreichen Abläufe unterrichten, sind neben anderen drei hebräische Berichte, die von
Neubauer und Stern analysiert bzw. bearbeitet worden sind und in die hier vorliegende
Bearbeitung direkt oder indirekt einfließen.
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Es handelt sich hierbei zum einen um die
Berichte Salomon bar Simsons, die 1140 niedergeschrieben wurden und wohl aus mehreren
schriftlichen Quellen, die Simson damals vorlagen, zusammengefasst und durch Erkundungen
aus mündlichen Überlieferungen ergänzt wurden. Die zweite Quelle ist wohl von Elieser ben
Nathan, welcher als junger Mann Verfolgungen gegenüber Juden miterlebt hat, noch vor dem
zweiten Kreuzzug verfasst worden. Der dritte Autor ist der sogenannte Mainzer Anonymus,
der seinen Bericht über die Handlungen der Kreuzfahrer jedoch vermutlich erst später,
genauer im 14 Jhdt., verfasst hat, da eine im dortigen Text enthaltene geschilderte Anklage
10
Peter Thorau. Die Kreuzzüge. 3. Auflage. München 2007, S. 49. // Hiestand. S. 17.
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Ebd., S. 18.
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Adolf Neubauer, Moritz Stern (Hrsg.). Hebräische Berichte über die Judenverfolgungen während der
Kreuzzüge. Berlin 1892.
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