INHALTSVERZEICHNIS
1 Einführung. 3
2 Jean-Jacques Rousseau. 4
2.1 Historischer Kontext 4
2.2 Biographie 6
3 Rousseaus Theorien am Beispiel von zwei Werken 8
3.1 Philosophischer und Politischer Zugang 8
3.2 Pädagogischer und Erziehungswissenschaftlicher Zugang Emil oder Über die
Erziehung , 1762. 11
3.2.1 Erstes Buch, frühe Kindheit bis zum Erlernen des Sprechens 11
3.2.2 Zweites Buch, Kindheit bis zum 12. Lebensjahr 12
3.2.3 Drittes Buch, Zeit zwischen dem zwölften und fünfzehnten Lebensjahr 12
3.2.4 Viertes Buch, Jugend. 13
3.2.5 Fünftes Buch, Mädchenerziehung, Ehegattenwahl 14
3.3 Rousseaus Erziehungsbegriff 15
3.4 Kritik und Resümee zu Emil 16
4 Rousseaus Einfluss auf Pestalozzi 17
5. Rousseau als Begründer der Erlebnispädagogik. 21
6. Quellenverzeichnis. 23
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1 Einführung
Jean-Jacques Rousseau gilt als einer der bekanntesten und bedeutendsten Vertreter der Philosophie, Literatur, Pädagogik und Staatstheorie des 18. Jahrhunderts. In verschiedenen Quellen wird in seinem Zusammenhang von dem größten bzw. einem der größten Denker dieses Jahrhunderts gesprochen. Durch seine Kritik an der Zivilisation und dem Absolutismus von Kirche und Staat beeinflusste er maßgebend die Französische Revolution. Die Leitgedanken der Revolution von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ spiegelten sich auch in seiner Lehre von individueller Freiheit und Gleichheit der Menschen wieder, welche für nachfolgende Generationen von Philosophen, Pädagogen, Schriftstellern und vielen anderen Denkern einen prägenden Einfluss hinterließ. Seine Pädagogischen Leistungen auf dem Gebiet der Erziehungstheorie inspirierte unter anderem Johann Heinrich Pestalozzi. Rousseaus subjektiver Ansatz in der Literatur wirkte auf das Denken von Schriftstellern wie J.G. von Herder, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Auch seine politischen Betrachtungen fanden später vor allem bei den Auffassungen Immanuel Kants großen Anklang. Anhand seiner Darstellung der Willensfreiheit sowie der Ablehnung der Erbsünde beeinflusste Rousseau sehr stark die Psychoanalyse und die Existenzphilosophie des 20. Jahrhunderts.
Mit dieser Arbeit soll jedoch mit besonderem Augenmerk auf seine pädagogischen Errungenschaften im Bereich der Kindererziehung eingegangen werden, bei denen Rousseau erstmals vor allem die individuellen Interessen und Bedürfnisse des Kindes in den Blick nahm. „Die Menschheit hat ihren Platz in der Ordnung der Dinge: die Kindheit den ihren in der Ordnung des menschlichen Lebens. Man muss den Erwachsenen als Erwachsenen und das Kind als Kind betrachten“ (Rousseau, 1762, Emil, S.56)
Es ist kaum möglich, Rousseaus Errungenschaften direkt an festen neuzeitlich pädagogischen oder bildungstheoretischen Ansätzen vergleichend darzustellen, da er sich stets mit globalwissenschaftlichen Problemlagen aber nie mit umgesetzten beispielhaften Problemlösungen beschäftigt hat. Er gibt im Emil zwar an einem Kind eine musterhafte Erziehung vor, setzt diese aber niemals an einem realen Beispiel in seiner Zeit um. Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit der Vergleich zu einem berühmten Pädagogen gezogen, den Rousseaus Theorien in seinem konkreten Erziehungskonzept und dessen Umsetzung beeinflusst haben: Johann Heinrich Pestalozzi. Als weiteren neuzeitlichen Bezug wird Jean-Jacques Rousseaus Einfluss auf die Erlebnispädagogik aufgegriffen.
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Aber auch seine politischen und philosophischen Zugänge werden aus eigenem Interesse am Beispiel von seinem Werk „Discours sur l’origine et les fondements de l’inégalité parmi les hommes“ (Rousseau, 1755) angeschnitten.
2 Jean-Jacques Rousseau 2.1 Historischer Kontext
Zu Jean-Jacques Rousseaus Geburt befindet sich das französische Staatsgebiet unter der absolutistischen Macht von dem wohl bekanntesten Monarchen Ludwig XIV., in dessen Regentschaft der Absolutismus seinen Höhepunkt fand. Als Oberhaupt einer Ständegesellschaft repräsentierte er seine Souveränität und seinen Abstand zum Volk u.a. in Form von minutiösen und prunkvollen Hofzeremoniell, so dass die Hofkultur ganz auf die Person des Herrschers zugeschnitten wurde. Von der Auffassung geprägt, die absolute Herrschaft des Fürsten über das Volk durch „Gottes Gnade“ zu legitimieren, regierte er gemäß dem Leitsatz „L'État c'est moi“ („Der Staat bin ich“). Politisch kam es somit zu einer Zentrierung der staatlichen Gewalt auf seine Person. Damit einher ging die Festigung der fürstlichen Herrschaft in den geistlichen und weltlichen Territorien. Er sicherte außenpolitisch seine Grenzen in Kriegen, wie beispielsweise im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714; zwischen Frankreich und England/Niederlande) und vergrößerte zugleich mittels dieser erkämpften Bezirke das eigene Staatsgebiet. (Vgl.
http://www.nrw2000.de/absolutismus/absolutismus.htm, http://de.wikipedia.org/
wiki/Ludwig_XIV.) Dieses war jedoch nur durch die Etablierung eines stehenden Heeres als Resultat des Dreißigjährigen Krieges möglich, welches ihm zugleich maßgeblich zur Wahrung der inneren Sicherheit verhalf. Innenpolitisch wurden die Wirtschaft (Merkantilismus: eine eigene Wirtschaftspolitik und -theorie des Absolutismus, deren Ziel das Wohl der Staatsfinanzen ist) sowie die Künste und die Wissenschaften staatlich gefördert. Gefestigt wurde die Macht der Krone durch den Ausbau des Verwaltungsapparates und durch die Bekämpfung der Opposition des Adels. Neben der Verwaltung mit dem König an der Spitze, dem stehenden Heer (inkl. Justiz und Polizei), dem Hofadel und dem Merkantilismus stützte sich die Herrschaft auf die letzte der fünf Säulen des Absolutismus: die Staatskirche (den Klerus), der in der Ständegesellschaft den ersten Stand darstellte.
Mit den Eroberungskriegen fällt das absolutistische Modell in Folge von staatlich finanziellen Nöten allmählich zusammen. Frankreich bleibt außenpolitisch hinter seinem stärksten Kontrahenten England zurück, der Seehandel bricht zusammen, innenpolitischer Unmut macht sich breit. Gerade im dritten Stand, der von Seiten der Bevölkerungszahl die absolute
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Mehrheit ausmachte, stieg die Unzufriedenheit und löste dadurch soziale Spannungen aus. Das Bevölkerungswachstum und die Unverständlichkeit der immensen Gegensätze von bspw. prunkvollem „Barock“ und Leibeigenschaft trugen einen weiteren Teil zum Gefühl der Ungleichbehandlung bei.
Aus diesen und möglicherweise auch einigen anderen Faktoren heraus, kam es im 18. Jahrhundert zur Ablösung des Absolutismus durch die mächtige Geistesbewegung der Aufklärung, die alle wissenschaftlichen Disziplinen durchzog: „die Geschichtsauffassung (Fortschrittsglaube), das Recht- und Staatsleben und die Verfassungslehre (Naturrecht, Menschenrechte, Gewaltenteilung, Staatsaufbau auf der Grundlage von Vereinbarungen), das Erziehungswesen (Erziehung zu naturgemäßer, von der Vernunft bestimmter sittlicher Lebensweise, Erziehungsanspruch für alle Schichten), die Theologie und Religion (Kampf gegen dogmatische und kirchliche Bevormundung, Säkularisation, Wissenschaftsgläubigkeit) und die Philosophie ( Rationalismus, Empirismus)“ (Engelke, Theorien der Sozialen Arbeit, S.54).
Diese tiefgreifenden Umwälzungen in Wirtschaft, Technik und Geisteswissenschaften führten zu einer Veränderung der sozio-kulturellen Struktur, welche dem einfachen Bürgertum das Erwirtschaften und den Besitz von Kapital ermöglichten. So wie die Aufklärer Locke und Hume in England, gewannen auch in Frankreich die Theorien und Gedanken der Enzyklopädisten, wie Diderot, Voltaire, Montesquieu und Rousseau, an Bedeutung, welche fern von festen Dogmen die Besinnung auf die menschliche Vernunft propagierten. Die herrschenden Machtverhältnisse und die fehlende Gedankenfreiheit wurden somit auch in der breiten Bevölkerung zunehmend kritisiert. Durch diesen gesellschaftlichen Wandel kam es zu „Forderungen nach wirtschaftlicher Liberalisierung, politischer Partizipation, religiöser Toleranz und sozialer Gleichheit“. (Engelke, Theorien der Sozialen Arbeit, S. 54) Infolge des gewachsenen Selbstbewusstseins gab es im ganzen Land viele Aufstände und Konflikte, die im Jahr 1789 zur Französischen Revolution und dem Sturm auf das Staatsgefängnis „Bastille“ führt. (Vgl. Engelke, Theorien der Sozialen Arbeit, S. 53-55)
Alle diese Ereignisse beeinflussten Rousseau auf seinem Lebensweg und somit auch in seinen Werken maßgeblich.
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2.2 Biographie
Jean-Jacques Rousseau wurde am 18. Juni 1712 in Genf als zweiter Sohn in eine Hugenottenfamilie geboren, die seit mehreren Generationen im schweizerischen Exil lebte. Seine Mutter Suzanne Rousseau, geborene Bernard, verstarb kurz nach der Geburt am sogenannten Kindbettfieber. Rousseau wurde daraufhin vorerst als Halbwaise aufgezogen, bis ihn sein Vater Isaac, der von Beruf Uhrmacher war, im Alter von zehn Jahren in die Obhut des Onkels gab. Dieser überließ Jean-Jacques, welcher sich mit 12 Jahren zuerst als Schreiberlehrling und dann als Kupferstecher versuchte, wiederum nach kurzer Zeit den Händen eines Pfarrers.
Er erlebte eine schwere und unglückliche Kindheit. Mit 16 Jahren verließ Jean-Jacques seine Heimatstadt. „Nach der Schule wurde er Sekretär und Gefährte von Madame Louise de Warens, einer gutbetuchten und zum Katholizismus konvertierten Calvinistin. Sie nahm als mütterliche Freundin und Geliebte großen Einfluss auf Rousseaus Leben und veranlasste ihn, ebenfalls zum katholischen Glauben zu konvertieren.“
(http://www.oppisworld.de/zeit/biograf/rousseau.html) Diesen Schritt revidierte er jedoch im Jahr 1754. Die Dame, die Neben der Rolle der Geliebten auch gleichzeitig eine Mutterrolle für Rousseau einnahm, hatte auch sehr großen Einfluss auf dessen Bildung. Sie weckte in ihm vor allen das Interesse an Musik und Literatur, aber ebenfalls auch an Mathematik, Geschichte und Geographie.
Versuche, in einem Priesterseminar aufgenommen zu werden, blieben erfolglos, so dass Rousseau ab 1730 die Schweiz und Frankreich durchreiste. und nebenbei als Musiklehrer, Notargehilfe, Graveur und Diener arbeitete. Zu dieser Zeit, im Jahr 1940, findet er in Lyon als Hauslehrer der Familie de Mably eine Anstellung. Hier macht er seine ersten und möglicherweise auch einzigen praktischen Erfahrungen bezüglich der Erziehung. Seine ersten Überlegungen zum Thema Erziehung schreibt er im „Plan zur Erziehung des Herrn Sainte-Marie“ nieder. 1742 entschließt sich Rousseau Lyon zu verlassen und geht nach Paris. Hier entschied der 30jährige dann auch Schriftsteller und Musiker zu werden. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich dort wieder als Hauslehrer und als Kopist von Partituren sowie unter anderem auch als Gesandtschaftssekretär in Venedig. Dort, anfänglich vor allem als Musiklehrer tätig, lernte er neben seinem späteren Widersacher Voltaire auch andere einflussreiche Leute seiner Zeit, wie Condillac, Diderot und d´Alambert kennen. Im Frühjahr 1745 traf er Thérèse Levasseur, eine Wäscherin, die ihn von diesem Zeitpunkt an sein ganzes Leben begleiten sollte. Rousseau heiratete sie allerdings erst dreizehn Jahre nach ihrem
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Arbeit zitieren:
Norman Böttcher, 2007, Jean-Jacques Rousseau und der Einfluss seiner Werke auf das Leben und Handeln von Johann Heinrich Pestalozzi und die Erlebnispädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
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