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Zur Begriffsbestimmung von Konflikt
Aufgrund der Tatsache, dass Konflikt als Gegenstand unterschiedlichster wissenschaftlicher Forschungsdisziplinen anzusehen ist und ihre verschiedenen theoretischen Orientierungen und Fragestellungen keine einheitliche Definition im Hinblick auf Beschreibung und Gliederung ermöglichen, sollen an dieser Stelle die bestehenden Übereinstimmungen der zahlreichen Auffassungen Beachtung finden. In erster Linie soll dem, für diese Arbeit gesetzte Rahmen (Handlungsumfeld Schule), dabei besondere Beachtung entgegengebracht werden.
Bei einem Konflikt stehen sich meist zwei oder mehrere Parteien gegenüber, die verschiedene Standpunkte vertreten, sei es in Bezug auf Verhaltensweisen, Bedürfnisbefriedigung, Wertvorstellungen oder ähnliches. Die Standpunkte und Absichten der Parteien lassen sich nur schwer oder gar nicht miteinander vereinbaren.
„Diese diskrepanten Standpunkte erklären sich aus der Wirksamkeit subjektiver Interessen (Motive), grundlegender Überzeugung und Werthaltung sowie aus den damit zusammenhängenden besonderen Erwartungen und Einstellungen.“ 1
Die Meinungen der Parteien über den Sachverhalt schließen sich mehr oder weniger aus, sie werden durch verbale Äußerungen oder Handlungen ausgedrückt. Das Verhalten einer Partei behindert, stört oder blockiert das beabsichtigte Verhalten der anderen Partei.
Ein Konflikt kann im Rahmen des Schulalltags als Auseinandersetzung, Belastung und/oder Schwierigkeit auftreten, der die Betroffenen Parteien emotional, kognitiv und/oder physisch beeinträchtigt. 2 Konflikte können zwischen Lehrern, Schülerinnen und Schülern, Kollegen und Eltern auftreten. In Unterrichtssituationen muss zwischen erwünschten und unerwünschten Konflikten unterschieden werden. Die Erzeugung oder das Auftreten von Konflikten kann dann als erwünscht angesehen werden, wenn sie das Ziel besitzen, erstarrte Strukturen aufzubrechen oder wenn durch die eigenständige Bewältigung des Konflikts durch die Schülerinnen und Schüler selbst, positive Entwicklungen der Persönlichkeit und der Lernprozesse vollzogen werden.
1 Neubauer, W.; Gampe, H.; Knapp, R.: Konflikte in der Schule : Möglichkeiten und Grenzen
kooperativer Entscheidungsfindung. Neuwied : Hermann Luchterhand Verlag, 1992. S. 7.
2 Vgl.: Becker, G.: Lehrer lösen Konflikte : Ein Studien- und Übungsbuch. München : Urban &
Schwarzenberg, 1981. S. 19.
2
Es gibt eine Vielzahl von Verhaltensmustern die im Umgang mit Konflikten angewandt werden. In den meisten Fällen handelt es sich um eine intuitive Konfliktbewältigung, die mit Verhaltensweisen in Verbindung gebracht wird, von denen ohne zusätzliche Überlegungen Gebrauch gemacht wird und die sich in vorangegangenen Konfliktregelungen als geeignet gezeigt haben. Diese Regelungen laufen meist ohne eine bewusste Steuerung und Kontrolle des Verhaltens ab. Bei Bestehen von Machtungleichheiten zwischen den Parteien, kommt es nicht selten vor, dass der Stärkere bei einem Konflikt seine Überlegenheit dazu benutzt, eine bestimmte Lösung zu erzwingen. Die Durchsetzung der eigenen Interessen durch den Einsatz von Gewalt, kann als typische Form der Konfliktregelung bezeichnet werden. Da durch eine solche Maßnahme oft große Frustrationen entstehen, ergeben sich für die Zukunft daraus erhebliche Konfliktpotentiale. Eine andere mögliche Regelung ist die rationale/kooperative Konfliktlösung, nutzt man diese, wird die Ursache des Konflikts untersucht und entsprechende Lösungsmöglichkeiten erarbeitet, die der Lösung des Konflikt auf lange Zeit dienen. Dafür wird systematisch vorgegangen, Annahmen, Erwartungen und
Lösungsvorschläge werden den anderen Parteien verbal zugänglich gemacht und die eigenen Verhaltensimpulse werden bewusst kontrolliert. Um bei der Entscheidungsfindung zu einer zufriedenstellenden Regelung zu gelangen, müssen folgende Mindestbedingungen vorliegen: Mindestens eine Konfliktpartei muss an einer sinnvollen Lösung interessiert sein - undzu diesem Zweck dazu bereit sein, mit den anderen Parteien zusammenzuarbeiten.
Mindestens eine Konfliktpartei muss die Fähigkeit besitzen, die eigene emotionale - Erregungund das Verhalten zu kontrollieren.
Bei vorhandener Machtungleichheit muss auf jede Art der Gewaltanwendung - verzichtetwerden. Die beste Lösung muss ausfindig gemacht und realisiert werden und es darf nicht nach Siegern und Besiegten unterschieden werden. Ein Mindestmaß an Vertrauen ist für eine, nach Möglichkeit offene, - Kommunikationdringend notwendig. Jeder Teilnehmer muss die Gewissheit besitzen, dass seine Offenheit nicht zu einem anderen Zeitpunkt gegen ihn verwendet wird. 3
3 Vgl.: Neubauer, W.; Gast, N.: Analyse psychosozialer Konflikte in der Schulklasse. Studienbrief 10,
DIFF Fernstudienlehrgang : Ausbildung zum Beratungslehrer. Tübingen, 1979.
3
Konflikte in Unterrichtssituationen
Unterrichtssituationen ergeben sich, knapp formuliert, wenn Lehrende und Lernende in der Verfolgung gemeinsamer Ziele miteinander kooperieren. „In pädagogischen Situationen herrschen stets Spannungszustände, die sich aus dem unterschiedlichen Entwicklungsstand, den divergierenden Lerngeschichten, dem unterschiedlichen Können und Wissen, den voneinander abweichenden Verhaltensweisen der in ihr befindlichen Individuen und, damit verbunden, den milieubedingten außerschulischen Einflüssen ergeben.“ 4
Jede Unterrichtssituation ist geprägt, durch die vorgegebenen Ordnungen des Zusammenlebens und die im Schulalltag bekannten und angewandten Arbeitsstrategien. Sie kann nicht als vorgegeben betrachtet werden, sondern wird von allen Beteiligten und/oder Mitwirkenden gestaltet und geprägt. Mögliche Spannungsmomente wären:
Die von der Lehrperson aufgestellten Unterrichtsziele bzw. Lernziele („Lernziele beschreiben den Endzustand einer beabsichtigten Verhaltensänderung, der sich als Ergebnis eines Lernprozesses beim Schüler nach dem Unterricht zeigen soll“ 5 ) sollten so angeboten und gestaltet werden, dass sich die Schülerinnen und Schüler mit ihnen Identifizieren können.
Reformpädagogische Konzepte lenken die Aufmerksamkeit auf den Lernenden, die nicht passiv-rezeptiv den Lehrstoff aufnehmen, sondern ihren individuellen Lernprozess aktiv gestalten sollen. Im Schulalltag kann jedoch nur selten darauf verzichtet werden, fremdbestimmtes Lernen anzuregen. Ziele und Inhalte des Unterrichts können nur in Ausnahmesituationen von den Schülerinnen und Schülern selbst gewählt werden. Wo also Unterrichtsziele bzw. Lernziele streng festgelegt und die Anpassung an sie gewissermaßen erzwungen wird, ist mit dem Aufkommen und Fortbestehen divergierender Ziele, von den Schülerinnen und Schülern aufgestellt, zu rechnen, die in jeder Phase des Unterrichts eine ungewollte und nicht dienliche Dominanz erreichen können. Jede Unterrichtssituation ist von Zielvorstellungen mitbedingt, die mit
4 Potthoff, W.; Wolf, A.: Pädagogische Konflikte in der Schule : Analysen und Hilfen für die Praxis.
Freiburg : Verlag Herder, 1975. S. 11.
5 Kretschmer, H.; Stary, J.: Schulpraktikum : Eine Orientierungshilfe zum Lernen und Lehren. Berlin :
Cornelsen, 1998. S. 53.
Arbeit zitieren:
Linda Kim Wegener, 2005, Konflikte in Unterrichtssituationen, München, GRIN Verlag GmbH
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