Gliederung
1.Geschichte der weltlichen Schulen in der Weimarer Republik und des
Lebenskundeunterrichts 3
1.1. Die schulpolitische Ausgangssituation vom Kaiserreich bis zur Novemberrevolution 3
1.2. Die Geschichte von der Novemberrevolution bis zum Jahr 1933 4
1.3. Geschichte des Lebenskundeunterrichtes 7
2. Der Weg vom Religionsunterricht zum Lebenskundeunterricht in der 9
3. Der Lebenskundeunterricht 17
3.1. Die Ausbildung der Lehrer für Lebenskundeunterricht 18
4.Richtlinien zum Lehrplan für Lebenskunde der Sammelschulen in Halle 19
5. didaktisch-methodische Gesichtspunkte 27
6. Vergleich Lebenskundeunterricht und Ethikunterricht 29
6.1. Vergleich der Richtlinien für den Lebenskunde- und den Ethikunterricht 31
6.2. Richtlinien zum Lehrplan für Lebenskunde der Sammelschulen in Halle 1927 28 33
7. Literatur 35
2 NA
1.Geschichte der weltlichen Schulen in der Weimarer Republik und des Lebenskundeunterrichts
1.1. Die schulpolitische Ausgangssituation vom Kaiserreich bis zur Novemberrevolution
Auf Grund des Ideengutes der deutschen Aufklärung forderten bereits die Revolutionäre von 1848 die Trennung von Kirche und Staat und vor allem auch die Trennung von Kirche und Schule. Jedoch hatten sie die Revolution verloren und es wurde keine ihrer Forderungen umgesetzt, aber der erste Schritt in den Gedanken der Menschen war getan und man vergaß ihr Anliegen nicht.
Als es zur Zeit Bismarcks zur Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Eisenach kam, fand man die Forderung der Revolutionäre wieder. Es wurde vom jedem Mitglied verlangt, für die Trennung von Staat und Kirche sowie von Kirche und Schule einzutreten. Unerwarteterweise bekamen sie Unterstützung von Seiten Bismarcks in diesem Punkt, der aus machtpolitischem Interesse einen Kampf vor allem gegen die katholische Kirche führte, dieser ging als Kulturkampf in die Geschichte ein. Hauptsächlich lag Bismarck daran die Kirche aus seinen innenpolitischen Fragen herauszuhalten. So wandte er sich gegen die klerikale Führungsschicht und ihre politische Sammelbewegung, die Zentrumspartei, welche vom Vatikan unter Pius VIII ausdrücklich unterstützt wurde. Bismarcks Kultusminister Mühlers schrieb: „Seine Ziele seien: [...] Trennung von Kirche und Staat, von Kirche und Schule überhaupt. Übergabe der Schulinspektion an Nichtgeistliche, Hinausweisung des Religionsunterricht aus der Schule, nicht nur aus den Gymnasien, sondern auch aus der Volksschule.“ 1 Mühlers wurde von Bismarck entlassen, weil er seine Politik nicht in die
Praxis umsetzen wollte. Der neue Kultusminister wurde Falk, der das neue Schulaufsichtsgesetz durch das preußische Abgeordnetenhaus brachte. Es beinhaltete, dass alle Schulen unter staatliche Aufsicht fielen und nicht mehr unter geistliche. Zwei weitere Gesetze schlugen eine ähnliche Richtung ein. Im Mai 1873 wurde ein Gesetz verabschiedet, dass den Kirchaustritt erleichterte und ein Jahr später das Gesetz über die mögliche Zivilehe. Jedoch im realen Leben änderte sich nicht viel. In wenigen Bezirken wurde eine staatliche Aufsicht eingesetzt und so blieb der kirchliche Einfluss aus Finanzmangel erhalten und so kam Bismarcks Kulturkampf zu einem Unentschieden.
Erst nachdem das Sozialistengesetz aufgehoben wurde, konnte die SPD 1891 ein Programm verabschieden, indem die Religion zur Privatsache erklärt wurde und die Weltlichkeit der Schulen als Ziel formuliert wurde. Auf dem Mannheimer Parteitag 1906 wurde dann in 6
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Steffen Markwort „Die weltlichen Schulen in der Weimarer Republik am Beispiel der Sammelschule-Süd in Halle“, Diplom-Arbeit der MLU-Halle im Bereich Pädagogik, S.12
Leitsätzen von Clara Zetkin und Heinrich Schulz formuliert, wie sie sich die Umsetzung ihres bildungspolitischen Programms vorstellten, „[...] das sowohl die Schulforderungen, (Weltlichkeit, Einheitlichkeit des Aufbaus der Schule, Gleichberechtigung der Geschlechter) als auch die Aufgaben für die sozialistische Erziehung in der Familie, den Jugendorganisationen und unter den Erwachsenen [...]`umfasste.“ 2
Mit Inkrafttreten des Volksschulunterhaltungsgesetzes im Januar 1906 begann eine neue Konfessionalisierung des Schulwesens. Die Kinder besuchten Schulen entsprechend ihrer Konfession. Durch die Aufhebung des Sozialistengesetzes änderten auch die Sozialdemokraten ihre Strategie und setzten nicht mehr auf die Machtergreifung durch Revolution sondern durch soziale Reformbewegung. Denn im Reich Wilhelm II. begann sich die Sozialdemokratie einzurichten. 1912 waren sie die stärkste parlamentarische Kraft im Reichstag. Zwischen 1912 und 1914 entwickelten sie sich zu einer nationalen Reformpartei und ihre Zustimmung 1914 zu den Kriegskrediten nahm der Kaiser wohlwollend zur Kenntnis „Ich kenne keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche“. 3 Damit wurde die SPD zu einer
staatstragenden Partei. Diese Kompromissbereitschaft war eine der Gründe, warum einige Mitglieder die USPD gründeten, weil sie dies nicht tragen wollten.
1.2. Die Geschichte von der Novemberrevolution bis zum Jahr 1933
Deutschland verlor den Krieg und somit setzte eine Revolution von oben ein, indem sich die Regierung aus Leuten des Parlaments zusammensetzte und somit auch aus der SPD. Die neue Regierung war eine Koalition aus der SPD, der Zentrums- und der Fortschrittspartei. So entstand die konstitutionelle Monarchie. Der Kanzler Max von Baden dankte ab durch den Druck und Friedrich Ebert übernahm seinen Platz und seine Aufgaben. Dieser bildete dann eine Regierung gleichberechtigt aus Mitgliedern der SPD und USPD und welche umbenannt wurde in den Rat der Volksbeauftragten. Durch diesen neuen Rat kam es auf schulpolitischem Gebiet in der Zeit vom 20.11. bis 29.12.1918 zu einigen Entscheidungen und Neuerungen. Denn die preußische Regierung gab am 13.11.1918 ihr neues Programm bekannt, welches durch die Leiter des Kultusministeriums Konrad Haenisch (MSPD) und Adolf Hoffmann (USPD) umgesetzt werden sollte. Es enthielt den Ausbau aller Bildungsinstitute vor allem die Volksschule, die Schaffung einer Einheitsschule, die Befreiung der Schule von religiöser Vormundschaft und die Trennung von Staat und Kirche. In der ersten Verordnung wurde der Unterrichtsinhalt des Geschichtsunterrichtes neu belegt und die Säuberung der
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Steffen Markwort „Die weltlichen Schulen in der Weimarer Republik am Beispiel der Sammelschule-Süd in Halle“, Diplom-Arbeit der MLU-Halle im Bereich Pädagogik, S.13
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Steffen Markwort „Die weltlichen Schulen in der Weimarer Republik am Beispiel der Sammelschule-Süd in Halle“, Diplom-Arbeit der MLU-Halle im Bereich Pädagogik, S.14
Schulbibliotheken angeordnet, in der zweiten wurde die geistliche Ortsschulaufsicht und in der dritten der zwang für Eltern und Kinder zum Religionsunterricht aufgehoben. Aber ihre Umsetzung stellte sich schon allein personell als Problem dar und in einigen Orten blieb die geistliche Aufsicht bis 1922 im Amt.
In der Nacht zum 24.12.1918 befahl Ebert einen Angriff auf die Volksmarinedivision ohne die USPD-Mitglieder zu fragen, was zur folge hatte, dass diese aus dem Volksbeauftragtenrat und auch aus der preußischen Regierung austraten. Für die Schulpolitik waren diese Rücktritte fatal, die Verordnungen der beiden Kultusminister wurden sofort zurückgenommen. Wahrscheinlich auch aus dem Grund, da die SPD nun neue Bündnispartner suchen musste und die übrigen so eine Schulpolitik nicht akzeptierten. Diese neu gebildete Nationalversammlung, bestehend aus einer einzigsten Koalitionspartei, erreichte als einzigstes in schulpolitischer Hinsicht, dass die geistliche Aufsicht beseitigt wurde nach Artikel 144 1919. Alle weiteren Verfassungsartikel waren so angelegt, dass sie keine eindeutigen Regelungen vorschrieben und dies alle gesetzlichen Kompetenzen dem späteren Reichsschulgesetz überließ. So wurde jeder Versuch einer Änderung der Schulpolitik abgelehnt mit dem Hinweis auf die noch bevorstehende Regelung. Aber immerhin wurde den Eltern durch den Artikel 149 eingeräumt, ihre Kinder vom Religionsunterricht abmelden zu können. Im Artikel 146 waren drei Komponenten des Schulwesens festgelegt, die erste legte fest, dass das mittlere und höhere Schulwesen auf der gemeinsamen Grundschule aufbaute und somit wurde die von der SPD bevorzugte Einheitsschule nicht durchgesetzt. Die zweite besagte, dass die Aufnahme eines Kindes an eine Schule nicht von der Religion dieses abhängig gemacht werden darf und in der dritten Komponente war enthalten, dass Volksschulen auf Antrag von Erziehungsberechtigten nach ihren Bekenntnissen oder Weltanschauungen eingerichtet werden durften, „allerdings nur in soweit, daß ein [...] geordneter Schulbetrieb [...] nicht beeinträchtigt wird.“ 4 Also wurden die weltlichen Schulen nur eine Nebenform des normalen Schulbetriebs und das Verfahren war mit lauter Hindernissen versehen, z. B. dass die Eltern der Antragsteller sein mussten, dass die Gemeinde die Gegebenheiten prüfen musste u.s.w. So wurde der Kampf um die weltlichen Schulen auf kommunale Ebene verlegt und dort waren immer unterschiedliche Interessen im Kampf um die Trennung von Kirche und Schule vertreten.
Nach der Revolution war die Anzahl der Kinder ausschlaggebend, die in eine weltliche Schule gehen wollten und nicht der Austritt aus der Kirche, sonder die Abmeldung vom Religionsunterricht war die Bedingung. Deshalb verständlich der Aufruf einiger Gruppen wie
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Steffen Markwort „Die weltlichen Schulen in der Weimarer Republik am Beispiel der Sammelschule-Süd in Halle“, Diplom-Arbeit der MLU-Halle im Bereich Pädagogik, S. 17
verschiedene Freidenkervereine oder freireligiöse Gemeinden, die Werbung dafür machten, wie der folgende Aufruf:
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LA Merseburg, Rep C 48, Regierung MerseburgIIb, BD.1956XIV, S.70 Vorderseite
Die gestellten Anträge auf weltliche Schulen durchliefen oft einen langen Weg, sodass vieler Orts die Eltern mit Schulstreik drohten oder ihn gar durchführten. So wurden regelmäßig Sammelklassen eingeführt, wenn die Schülerzahlen nicht für eine komplette Schule ausreichten. Die beiden ersten weltlichen Schulen wurden in Berlin Adlershorst und Elbersfeld eingerichtet. 1927 gibt es 249 weltliche Schulen in Preußen und bis 1931 weitere 40. Die Schülerzahl stieg von 1927 von 77198 bis 1931 auf über 94405 und bis 1932 auf
98634 in Preußen an in weltlichen Schulen. In ihnen wird der Religionsunterricht durch den Moral- oder Lebenskundeunterricht ersetzt
1.3. Geschichte des Lebenskundeunterrichtes
Der Begriff Lebenskunde ist älter als das Schulfach. Schon in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts gab es eine Debatte darüber, ob der Religionsunterricht noch zeitgemäß sei und als Fach an die öffentlichen Schulen gehöre. In diesem Zusammenhang entstand der Begriff Lebenskunde im Sinne einer nicht-religiösen ethisch-moralischen Unterweisung.
Als Schulfach nahm die Geschichte des Lebenskundeunterrichtes 1920 seinen Lauf. Auf Beschluss der Selbstverwaltungsgremien einiger Berliner Vorortgemeinden wurde in den dortigen Schulen ein neues, freiwilliges Unterrichtsfach eingeführt. Es fand eine unterschiedliche Betitelungen, z.B. weltlicher Moralunterricht, Sittenlehre, Religionskunde und auch Lebenskunde wurden dafür verwandt. Erst im Laufe des folgenden Jahres einigte man sich auf eine einheitliche Bezeichnung dieses Faches als Lebenskunde. Es richtete sich an Kinder, die vom Religionsunterricht befreit waren und hatte das Ziel, ethisch-moralische Grundsätze und religionsgeschichtliche Zusammenhänge frei von konfessionell-dogmatisch verengter Anschauung zu vermitteln. Vor allem die drei Parteien der Arbeiterbewegung, SPD, USPD und KPD, setzten sich für den Lebenskundeunterricht ein. Dies war die Reaktion darauf, dass es nicht gelungen war, die alte Forderung der Arbeiterbewegung nach der Weltlichkeit des Schulwesens in der Weimarer Verfassung zu verankern. Einige Schulpolitiker, auch viele Eltern und Lehrer, betrachteten die Einführung von Lebenskunde als eigenes Fach nur als Notlösung. Sie wollte solche Schulen, wo Lebenskunde als Schulprinzip galt und nicht extra unterrichtet werden musste. Nachdem es an einigen Orten gelungen war, begann eine heftige Diskussion, ob an solchen Schulen Lebenskunde als Fach notwendig sei. Die vom Religionsunterricht befreiten Kinder wurden in eigenen Schulen, teilweise auch in Klassen, zusammengefasst. Sie wurde offiziell Sammelschulen und –klassen genannt. Da es sich um eine neuartige Einrichtung handelte, wurde für deren Gestaltung die größtmögliche Freiheit gewährt. Deshalb gewann der Lebenskundeunterricht große Bedeutung für Lehrer und Schüler. Da die anderen Wege, etwas an Inhalten und Methoden
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Patricia Detto, Doreen Krzmarik, 2008, Lebenskundeunterricht, Munich, GRIN Publishing GmbH
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