Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Pierre zu Beginn des Romans. 4
3 Pierre erbt das Vermögen seines Vaters. 5
4 Pierre und Helene 6
5 Pierre wird Freimaurer 8
6 Pierre kehrt in sein altes Leben zurück 11
7 Pierre und Natascha. 12
8 Pierre im Krieg 13
9 Pierre in Gefangenschaft 17
10 Pierre findet seinen Platz in der Gesellschaft. 17
11 Resümee 20
12 Bibliografie 23
1 Einleitung
Krieg und Frieden gehört zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur. Der Roman beschreibt die napoleonische Zeit zwischen 1805 und 1812 hauptsächlich aus der Sicht des russischen Adels. Zum einen wird das Leben innerhalb der russischen Adelsgesellschaft dargestellt, zum anderen werden tatsächlich stattgefundene Schlachten, wie zum Beispiel die bei Austerlitz oder Borodino beschrieben. Doch nicht nur der Detailreichtum des Romans, seien es die genauen Beschreibungen von Ereignissen und Personen oder die Komplexität an Personenkonstellationen, machen den Erfolg des Historienromans aus, sondern vielmehr die Entwicklung der Hauptfiguren im Verlauf der Erzählung und deren Schicksale. Jede dieser Personen, mit all ihren Fehlern und Schwächen wird von Tolstoi mit Liebe zum Detail beschrieben. „Tolstois Realismus verkörpert sich in jeder seiner Gestalten, und indem er sie mit ihren Augen sieht, findet er in der geringsten von ihnen Gründe sie zu lieben und uns die Bande empfinden zu lassen, die uns mit allen brüderlich vereinen.“ 1 Vor allem Natascha Rostow, Andrej Bolkonskij und Pierre Besuchow werden von der napoleonischen Zeit geprägt, entwickeln sich durch ihre Begegnungen und Erfahrungen weiter; immer auf der Suche nach persönlichem Glück.
Besonders Pierre macht eine enorme Entwicklung durch. Anfangs noch vom russischen Adel belächelt, findet man ihn am Ende des Romans als festen und angesehenen Bestandteil der Gesellschaft wieder. Pierre wächst an seinen Eindrücken und Erlebnissen, wird immer wieder enttäuscht, steht wieder auf und sucht weiter nach dem Sinn des Lebens. Sein Wesen und die einzelnen Entwicklungsstationen, die Pierre Besuchow durchläuft, sollen in dieser Hausarbeit dargestellt werden: Inwieweit er von den Menschen, denen er begegnet, beeinflusst wird und was jeweils den Anstoß liefert, ihn zu neuen Überzeugungen zu führen. Denn „am meisten schildert Tolstoi den Kampf des menschlichen Herzens mit all den Mächten, unter deren Einfluß es steht, in der Gestalt des Pierre Besuchow.“ 2
1 Romain Rolland, Das Leben Tolstois, Frankfurt am Main 1922, S. 180.
2 Emil Blum, Leo Tolstoi. Sein Ringen um den Sinn des Lebens, Schlüchtern/Karbertshof 1924, S. 46.
2 Pierre zu Beginn des Romans
Bereits zu Beginn des Romans, der die russische Abendgesellschaft bei Anna Pawlowna im Juni 1805 zeigt, trifft der Leser auf Pierre, der ihm als „ein derber, dicker junger Mann […], mit glattgeschorenem Kopf und einer Brille“ 3 vorgestellt wird. Der uneheliche Sohn des im Sterben liegenden Grafen Besuchow verlebt dort seinen ersten Abend mit dem russischen Adel. Gerade nach seinem Aufenthalt im Ausland, wo er erzogen wurde, stellt dies eine große Herausforderung dar. Ihm wird vor allem von Anna Pawlona deutlich gemacht, dass er nicht in diese Gesellschaft passt, indem sie „ihn mit einer Verneigung, die sie nur Leuten machte, die der untersten gesellschaftlichen Schicht in ihrem Salon angehörten“ 4 , begrüßt. Ihre Einschätzung bewahrheitet sich nur wenig später: Pierre verhält sich unbeholfen, ihm scheinen angemessene Umgangsformen unbekannt zu sein. Obwohl er derart unhöflich in der Gesellschaft auftritt, ist er dennoch fasziniert vom intelligenten russischen Adel, so dass er sie mit den Augen „eines Kindes vor einem Spielwarenladen“ 5 betrachtet. Hier wird Pierres naives, kindliches, dennoch sehr fröhliches und heiteres Wesen deutlich. Dementsprechend wird er von Anna Pawlona behandelt: sie zieht ihn von wichtigen Unterhaltungen weg und lässt ihn nicht mehr aus den Augen. 6 Doch nur wenig später mischt sich Pierre in politische Gespräche ein und verkündet seine hohe Meinung von Napoleon und lobt zudem die Revolution, 7 woraufhin sich Empörung und Verachtung unter den Gästen breit macht. Auch hier relativiert er seine bösen Worte durch sein herzensgutes Lächeln, so dass der Vicomte einsieht, dass Pierre durchaus nicht so hart ist, wie seine Worte und Ansichten es erwarten lassen. Pierre setzt sein Lächeln häufig in Gesellschaft ein, um seine Unsicherheit zu überspielen. Sein Lächeln hat dabei „etwas Kindliches, Gutes, sogar etwas einfältiges, das gleichsam um Verzeihung bat“ 8 . Ein Lächeln, „das nichts anderes besagte als höchstens: Es gibt nun einmal verschiedene Meinungen, aber Sie sehen ja, was für ein guter und prächtiger Junge ich bin.“ 9 Gerade weil er seine Gesten und Aussagen mit seinem freundlichen Lächeln
3 Leo N. Tolstoi, Krieg und Frieden, Düsseldorf 2002, S. 12.
4 Ebd., S. 12.
5 Ebd., S. 14.
6 Vgl. Ebd., S. 18,23.
7 „„Bonaparte allein hat es verstanden, die Revolution richtig zu begreifen, sie zu besiegen […]. Napoleon ist groß, weil er über der Revolution steht, ihre Ausschreitungen unterdrückt und nur das Gute beibehalten hat: die Gleichheit der Bürger, die Freiheit des Wortes und der Presse - und nur dadurch hat er diese Macht erlangt.““ Vgl. Ebd., S. 24f.
8 Ebd., S. 26.
9 Ebd., S. 28.
ausgleichen muss, ist Pierre die Figur, die am häufigsten lächelt 10 - so auch beim Verlassen des Salons. 11
Im Großen und Ganzen ist sich Pierre seiner Fehler auch durchaus bewusst und wäre lieber so wie sein Freund Andrej. 12 Er wird noch konkreter mit dieser Selbsteinschätzung und beschreibt sich selbst als „Bastard […]. Ohne Namen, ohne Vermögen.“ 13
3 Pierre erbt das Vermögen seines Vaters
Nach einem Zwischenfall mit der Petersburger Polizei wird Pierre nach Moskau ausgewiesen, wo er erneut bei seinem Vater unterkommt. Wenig später stirbt der alte Mann und Pierre wird legitimer Erbe des ganzen Vermögens und damit auch seines Titels - Graf Besuchow. Dies alles wird ohne sein Zutun organisiert: Pierre selber versteht zunächst nicht, was geschieht und lässt alles über sich ergehen und sagt sich immer wieder, dass wohl alles so sein müsse. 14 Seine Passivität geht soweit, dass er nicht mehr nach eigenem Ermessen handelt, wie er es sonst tat, sondern sich daran orientiert, was andere von ihm erwarten und verlangen, „um nicht den Kopf zu verlieren und Dummheiten zu machen“ 15 . Selbst bei der Beerdigung seines Vaters vertraut er auf die Anweisungen Anna Michailownas und versucht sich so unauffällig wie möglich zu verhalten, was mit seinem plumpen, großen Körper jedoch „alle seine Kräfte“ 16 erfordert. Kaum, dass Pierre Graf und „Besitzer des größten Vermögens in ganz Russland“ 17 geworden war, verändert sich das Verhalten der Gesellschaft ihm gegenüber. „Man erwies ihm Achtung, wie man sie ihm vorher nie entgegengebracht hatte.“ 18 Und nicht nur das, sogar „Leute, die ihm früher gehässig und offenkundig feindselig begegnet waren, behandelten ihn jetzt sanft und liebenswürdig.“ 19 Mit seiner neuen Rolle als Graf und der dadurch entstehenden Zuneigung des Adels, gehen auch viele Aufgaben einher, die Verantwortung erfordern, so dass Pierre sich in solchem Maß überfordert fühlt, „daß er nur
10 Eva-Maria Müller-Bürki, Das Lächeln der schönen Helena. Nonverbales Verhalten in Tolstojs Roman „Krieg und Frieden“, Bern 1989, S. 41.
11 „Groß, dick und breit, wie er war, mit ungeheuren roten Händen, verstand er es nicht, wie man so sagt, einen Salon zu betreten, noch weniger ihn zu verlassen […]. Aber diese Zerstreutheit und Unkenntnis, wie man einen Salon zu betreten hat und was man dort reden muß, wurden wettgemacht durch seine große Gutmütigkeit und Bescheidenheit.“ Tolstoi, Krieg und Frieden, S. 28.
12 „Er hielt den Fürsten Andrej für das Muster aller Vollkommenheit, besonders deshalb, weil Fürst Andrej im höchsten Grad alle die Eigenschaften in sich vereinte, die Pierre fehlten und die man am besten in den Begriff Willenskraft zusammenfassen kann.“ Ebd., S. 37.
13 Ebd., S. 37.
14 Ebd., S. 98ff. S. 108, 111.
15 Ebd., S. 101.
16 Ebd., S. 28.106.
17 Ebd., S. 118.
18 Ebd., S. 101.
19 Ebd., S. 266.
noch im Bett allein und für sich sein konnte“ 20 . Der Zuspruch der Moskauer Gesellschaft lässt ihn seine Selbstzweifel jedoch vergessen 21 und schon bald kommt es ihm „so natürlich vor, daß alle ihn liebhatten, wie es ihm unnatürlich erschienen wäre, wenn jemand ihn gehasst hätte, so daß ihm gar kein Zweifel an der Aufrichtigkeit der Leute, die ihn umgaben kommen konnte.“ 22 Trotz seines neuen Selbstbewusstseins ist ihm seine Naivität geblieben. So merkt er nicht, dass er nur ausgenutzt wird, „wie sich seitdem alle Mütter heiratsfähiger Töchter und diese Damen selbst in Ton und Benehmen ihm gegenüber […], verändert haben.“ 23 Hier wird nochmals deutlich, dass Pierre nur deshalb mit Achtung behandelt wird, weil die russische Adelsgesellschaft Nutzen aus der Beziehung zu ihm ziehen könnte. Vor allem sein Vermögen spielt eine große Rolle und ist Hauptgrund aller Bestrebungen, ihn mit etwaigen Töchtern zu vermählen. Zu diesen gehört Fürst Wassilij Kuragin, der Pierre mit seiner Tochter Helene verheiratet sehen will, denn „sein Instinkt sagte ihm ganz einfach in dem Augenblick, daß dieser mit solch einem einflussreichen Menschen zusammentraf, daß dieser ihm nützlich sein könne[…].“ 24
4 Pierre und Helene
Auf Wunsch des Fürsten reist Pierre mit ihm nach Petersburg, wo er gleichermaßen freundlich behandelt und ein gerngesehener Gast einer jeden Gesellschaft wird. Wurde er vor seiner Erbschaft noch verpönt und verlacht, so galt nun alles, was er sagte und tat als außerordentlich klug und charmant. 25 Für die Jahreswende von 1805/1806 erhält er eine Einladung von Anna Pawlona, in der bereits auf Helenes Erscheinen hingewiesen wird. Fand Pierre zu diesem Zeitpunkt noch Gefallen an der Verbindung zwischen ihm und der jungen Frau 26 , so erkannte er beim Zusammentreffen mit ihr, dass er sie heiraten werde und diese Ehe „nicht gut ablaufen würde“ 27 . Pierre ist nicht wegen ihres Charakters an Helene interessiert - er findet ihr Lächeln unpersönlich und hält sie für dumm - sondern lässt sich von ihrer Schönheit blenden. „Er sah und fühlte nur noch den ganzen Reiz ihres von dem Gewand verhüllten Körpers.“ 28 So werden seine Zweifel, „daß es unmöglich wäre und diese
20 Ebd., S. 266.
21 „[…] so daß er innerlich schon selber an seine außergewöhnliche Herzensgüte und an seinen außergewöhnlichen Verstand zu glauben anfing, um so mehr, da es ihm schon immer im Grunde seiner Seele so vorgekommen war, als ob er tatsächlich ein sehr guter und sehr kluger Mensch wäre.“ Ebd., S. 266.
22 Ebd., S. 267.
23 Ebd., S. 118.
24 Ebd., S. 265.
25 Ebd., S. 269.
26 Vgl. Ebd., S. 271.
27 Ebd., S. 273.
28 Ebd., S. 272.
Arbeit zitieren:
Stefanie Marx, 2008, Vom Suchen und Finden des Glücks, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Code-Switching im Kontext der Immersion
Zum Gebrauch des Englischen be...
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Magisterarbeit, 265 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Stefanie Marx's Text Vom Suchen und Finden des Glücks ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Stefanie Marx hat den Text Vom Suchen und Finden des Glücks veröffentlicht
Stefanie Marx hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare