Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Der erweiterte Kunstbegriff 4
3 Die Soziale Plastik 5
4 Beuys der Schamane 7
4.1 I like America and America likes me. 8
4.2 The Chief, Fluxus-Gesang. 9
4.3 Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt 11
5 Materialien 12
5.1 Filz. 12
5.2 Fett. 13
5.3 Honig. 14
6 Resümee 15
7 Bibliografie. 17
2
1 Einleitung
Beuys war ein Künstler, der sich mit seiner Kunst immer wieder mit neuen Medien auszudrücken vermochte, sei es in Zeichnungen, Plastiken, Objekten, Environments, in Aktionen, Filmen, Videos, Texten, Schallplatten und schließlich in Vorträgen und Diskussionen. Nicht nur seine Materialien, die er für seine Kunst benutzte waren ungewöhnlich, auch der Kontext, in den er seine Kunst brachte, erschien dem damaligen Betrachter und Beobachter ungewohnt. Seit Aufnahme seines Studiums 1947 bis zu seinem Tod 1986 hat er rund 70 Aktionen, 50 Installationen ausgeführt und 130 Einzelausstellungen gefüllt. Hinzu kommt sein politisches Engagement: die Gründung der Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung, die der freien Internationalen Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung und schließlich die Mitgründung der Partei Die Grünen. „Beuys selbst hat die Einheit von Künstler, Pädagoge und Politiker immer wieder betont und in der schon oft zitierten plastischen Theorie einen entsprechenden Überbau dafür gefunden.“ 1 Beuys’ größtes Ziel war es, die Grenzen zwischen Kunst und Leben einzureißen. Die plastische Theorie beinhaltete seinen erweiterten Kunstbegriff und die Soziale Plastik, an der er unentwegt arbeitete - sei es als Politiker, als Künstler oder aber auch als Pädagoge. Irrelevant welche Rolle er annahm, um seine Soziale Plastik zu vollenden „für Beuys ist der Mensch zentrales Thema, weil er ihm überhaupt als zentralen Punkt der Welt ansieht.“ 2 Die vorliegende Hausarbeit wird sich speziell auf Beuys’ Rolle des Schamanen beziehen. Da es jedoch unmöglich ist, seine einzelnen Rollen aus dem Zusammenhang zu reißen, muss sein erweiterter Kunstbegriff, insbesondere seine Sozialen Plastik, kurz dargestellt werden. Sein Schamanentum, sowie seine Arbeit als Pädagoge und Politiker resultieren aus seinem erweiterten Kunstbegriff, der vorsieht alle Bereiche des menschlichen Lebens in den der Kunst zu transportieren. Nach der kurzen Einführung in die Kunstvorstellung Beuys’ werde ich die Aktionen I like America and America likes me, The Chief und Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt beschreiben und den Schwerpunkt auf das Schamanenhafte in seinen Werken legen. Hierbei sind die Materialien, die er in seinen Aktionen benutzt von besonderer Bedeutung, daher sollen auch diese dargestellt werden.
1 Wedewer, Romain: Über Beuys, Düsseldorf, 1972. S. 111.
2 Rappmann, Rainer; Schata, Peter; Harlan, Volker: Soziale Plastik. Materialien zu Joseph Beuys, Achberg, 1976.
S.74.
3
2 Der erweiterte Kunstbegriff
Beuys’ Intention, die Kunstwelt und die Gesellschaft zu erneuern und zu reformieren, ist auf ein Ereignis seines Lebens zurückzuführen. 1955 erliegt er depressiven Erschöpfungszuständen, die auf seinen Kriegserlebnissen basieren, wie er selber sagte. Seine persönliche Umorganisierung erklärte er folgendermaßen: „Der Initialvorgang war ein allgemeiner Erschöpfungszustand, der sich allerdings schnell in einen regelrechten Erneuerungsvorgang umkehrte. Die Dinge in mir mussten sich völlig umsetzen, es musste bis in die Physis hinein eine Umwandlung stattfinden. Krankheiten sind fast immer auch geistige Krisen im Leben, wo alte Erfahrungen und Denkvorgänge abgestoßen beziehungsweise zu durchaus positiven Veränderungen umgeschmolzen werden.“ 3 Den Erneuerungsvorgang übertrug er nun auf seine Kunst, auf die Gesellschaft, auf die Politik und auf sein Verständnis eines demokratischen Staates. Diese neuen Denkvorgänge fasste er unter dem Erweiterter Kunstbegriff zusammen.
Der herkömmliche Kunstbegriff beinhaltete für Beuys nichts, er wurde seiner Meinung nach stets traditionell genommen. Kunst ist für ihn die ursprüngliche menschliche Ausdrucksform. Doch der traditionelle Kunstbegriff hat seiner Meinung nach jeglichen Bezug zu Mensch und Gesellschaft verloren und erschöpft sich, völlig isoliert, lediglich in formalen Stilerneuerungen. Den traditionellen Kunstbegriff wollte Beuys nun zum anthropologischen machen. Er wollte ihn auf andere Gebiete ausweiten. Auf Politik, Wirtschaft, Wissenschaft. Leben und Kunst sollten eins werden. So stellte er die Gleichung auf: Kunst = Mensch = Kreativität = Freiheit. Dies besagt, dass der Mensch als kreatives Wesen auch ein freies Wesen ist. Freiheit ist ein weiterer Schlüsselbegriff. Denn die Quelle der Freiheit ist das Denken, als Mittel der Erkenntnis.
„Kreativität […] muß zum Lebensprinzip werden. Der freie kreative Mensch ist Grundlage und Baumeister der neuen Gesellschaft. Er ist der Träger der Revolution, der Umwälzenden Neuerungen.“ 4 Revolution und Evolution waren für Beuys ebenso essenzielle Termini. Kunst war für ihn „die einzige evolutionäre Kraft“ 5 , die fähig ist, die Gesellschaft mittels menschlicher Kreativität zu verändern. Um die Gesellschaft jedoch grundlegend zu verändern, braucht es die Hilfe aller. „Sie müssen alle ins aktive Mitgestalten hineinkommen, und das ist ja der wesentliche Punkt des erweiterten Kunstbegriffs […]. So ist diese Sache um
3 Adriani, Götz; Konnertz, Winfried; Thomas, Karin: Joseph Beuys, Köln 1994. S.40.
4 Rappmann, Rainer; Schata, Peter; Harlan, Volker: Soziale Plastik. Materialien zu Joseph Beuys, Achberg,
1976. S.100.
5 Rappmann, Rainer; Schata, Peter; Harlan, Volker: Soziale Plastik. Materialien zu Joseph Beuys, Achberg,
1976.. S.32.
4
den erweiterten Kunstbegriff die zentrale Frage unseres Lebens geworden.“ 6 Mit dieser Aussage bindet er alle Menschen mit ein, denn laut Beuys ist jeder Mensch befähigt seine Umwelt zu verbessern. „Also der erweiterte Kunstbegriff sagt ja nichts anderes, als daß jeder Mensch ein Künstler ist […].“ 7
Eng verbunden mit seinem neuen Kunstbegriff ist auch seine eigene Kunst, sein Kunstverständnis und die Interpretation oder viel eher die Auslegung seiner Kunst. Beuys war permanent dagegen, dass seine Kunst interpretiert wurde. Man tue gut daran zu beschreiben, was man sehe, hat Beuys einmal gesagt, auf diese Weise komme man in den Bereich dessen, was er meine: „Kunst ist ja nicht dazu da, daß man Erkenntnisse auf direktem Wege gewinnt, sondern vertiefte Erkenntnisse über das Erleben herstellt. Es muß mehr passieren als nur logisch verständliche Dinge.“ 8
Auch die Dinge zu erahnen sei gut. Damit gerate etwas in Bewegung. Nur im Notfall oder aus Schulungsgründen greife man zum Mittel der Interpretation. Unter normalen rationalen Gesichtspunkten ist vieles, was Beuys entwickelt hat, nicht zu fassen. Umso mehr spielt die Intuition eine Rolle, die er als eine höhere Form von Ratio bezeichnet hat. Zum Beschreiben seiner Werke/Aktionen dienen vielmehr seine eigenen Aussagen, die Beuys in Interviews und Diskussionen erläuterte, die gleichzeitig Bestandteil seiner Kunst sind. Seine Erklärungen haben jedoch keinen interpretierenden oder analytischen Charakter, eine Auskunft über seine Motivation erwartet man vergebens. Es bleibt von vorneherein erstaunlich, dass „die Fragestellung nicht auf ein Warum abzielt, sondern wiederum im werk- oder kunstimmanenten Bereich bleibt. Es wird kein eigenes Fragesystem entwickelt, das sich auf die Bedeutung so offenkundiger Faktoren bezieht, wie Fetisch, Magie, Ritual usw..“ 9 Verstehen heißt bei Beuys nicht, eine in sich geschlossene Interpretation zu finden, seine Arbeiten wollen durch ihre Ausstrahlung Gedankenprozesse und Assoziationen anregen, verborgene menschliche Erfahrungen freisetzen und das Bewusstsein verändern.
3 Die Soziale Plastik
Untrennbar mit Beuys’ erweiterten Kunstbegriff verbunden ist die Soziale Plastik. Das traditionelle Kunstverständnis, in dem der Künstler als Schöpfer von Kunstwerken gilt, wird bei Beuys auf weitere Tätigkeiten ausgedehnt; jeder einzelne gestaltet die Gesellschaft, Kultur, Politik und Ökologie mit und formt sie somit plastisch. Die Gesellschaft sollte so
6 Fischer, Knut; Smerling, Walter: Joseph Beuys im Gespräch mit Knut Fischer und Walter Smerling, Köln
1989. S.47.
7 Ebenda. S.51 f..
8 Stemmler, Dierk: Zu den Multiples von Joseph Beuys, Bonn 1977. S.54.
9 Wedewer, Romain: Über Beuys, Düsseldorf, 1972. S.15.
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Arbeit zitieren:
Stefanie Marx, 2008, Künstlerlegende - Joseph Beuys, München, GRIN Verlag GmbH
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