Inhaltsverzeichnis
Vorangehendes 1
Zum Inhalt der Arbeit 1
Zu Asimov 3
Die Foundation-Trilogie Die Psychohistoriker 3
Zur Trilogie 3
Zum Inhalt 3
Die Asimovsche Psychohistorik 4
Der Seldon-Plan 5
Zum Verhältnis Science-Fiction Soziologie 7
Betrachtungen aus wissenssoziologischer Perspektive 9
Die verschiedenen Ebenen der Wirklichkeit 9
Wissensträger im galaktischen Imperium 10
Laien 10
Experten 11
Spezialisten 12
Professionelle 13
Gläubige und Hochstapler 14
Die Verteilung des Wissens im galaktischen Imperium 16
Explizites Wissen: 17
Implizites Wissen: 18
Allgemeinwissen und Allerweltswissen 19
Vertrautheitswissen 20
Bekanntheitswissen 20
Sonderwissen 21
Geheimwissen 22
Wissen Nicht-Wissen und Zu-Viel-Wissen 22
Der Seldon Plan und die Konstruktion der Wirklichkeit 24
Wie wirklich ist der Seldon-Plan 24
Modellbildung von sozialen Handlungen als Voraussetzung für den Seldon-Plan 25
Konstruktionen von Wirklichkeiten und die Perspektivität 27
Menschen als Produkt der Umwelt 28
Im Roman dargestellte Perspektiven 28
Fazit 31
Ausblick 32
Vorangehendes
Laut Robert K. Merton „gehört das Nichtwissen als ein Noch-nicht-Wissen zu den wesentlichen Voraussetzungen wissenschaftlichen Arbeitens“ (Knoblauch: 2005, S. 278). Es kann aber nur als Ausgangspunkt für eine wissenschaftliche Arbeit verwen- det werden, wenn das Nicht-Wissen vorab beschrieben wird. Das soll in den folgen- den Absätzen geschehen.
Zum Inhalt der Arbeit
Die Wissenssoziologie legt zugrunde, dass die Wirklichkeit sozial konstruiert ist und beschäftigt sich damit, wie diese Wirklichkeit konstruiert wird (vgl. Berger: 1997, S. 1). Die Literaturwissenschaft betrachtet diese sozial konstruierte Wirklichkeit als faktische Wirklichkeit und unterscheidet dazu die fiktionale Wirklichkeit. Die zuletzt genannte ist die Wirklichkeit, die in Texten als wirklich erscheint, obwohl sie Teil ei- ner nichtwirklichen Welt ist. Sie hat aber prinzipiell keine feste Beziehung zur sozial konstruierten Wirklichkeit (vgl. Schweikle: 1990, S. 157). Sowohl in der Wissensso- ziologie als auch in der Literatur werden Wirklichkeiten konstruiert. Die Frage, wie diese Konstruktion jeweils erfolgt, ist Mittelpunkt der Literaturwissenschaft und der Wissenssoziologie.
Die Aussage, dass die fiktionale Wirklichkeit prinzipiell keine feste Beziehung zur sozial konstruierten faktischen Wirklichkeit hat, stelle ich hier in Frage. Ich behaup- te, dass zumindest in der Science-Fiction-Literatur im engeren Sinne zwischen die- sen beiden Wirklichkeiten sehr wohl ein Bezug besteht. Beide Wirklichkeiten wer- den nach denselben Prinzipien konstruiert, auch wenn von anderen Voraussetzungen ausgegangen wird. Die Konstruktion von Wirklichkeit und der Umgang mit Wissen folgen in der fiktiven Wirklichkeit der Science-Fiction-Romane und -Erzählungen den gleichen Regeln und werden von den gleichen Einflussfaktoren bestimmt wie in unserer faktischen Welt.
Isaac Asimov schuf in seinen Werken ein fiktives Universum, in dem die allermeis- ten seiner Romane und Erzählungen, deren Handlungen sich insgesamt über immer- hin 18000 Jahre erstreckt (vgl. Brin: 2006, S. 429ff), spielen. Asimov kreierte damit eine umfangreiche und detaillierte fiktive Wirklichkeit. Sie bietet sich zur Untersu-
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chung der Eingangsthese an, da in ihr teilweise psychologische und wissenssoziolo- gische Gedanken und deren Auswirkungen auf die Wirklichkeit explizit angespro- chen werden.
Speziell soll die „Foundation-Trilogie“ in dieser Arbeit untersucht werden. Eine Schlüsselrolle hat in ihr der Seldon-Plan inne, der direkt wissenssoziologische Ideen und Mechanismen beinhaltet. An ihm möchte ich nachweisen, dass wissenssoziolo- gische Aspekte in Asimovs Werken und speziell im vom Seldon-Plan geprägten Foundation-Universum 1 eine tragende Rolle spielen. Darüber hinaus möchte ich zei- gen, dass die Wissenssoziologie auch über ihren Fachbereich hinaus von Belang ist und deren theoretische Grundlagen für die gesamte Science-Fiction-Literatur eine besondere Bedeutung haben. Es ist nicht möglich, innerhalb dieser Arbeit alle wis- senssoziologischen Aspekte, die sich in Asimovs Werk finden lassen, zu untersu- chen. Daher beschränke ich mich auf die Romane der Foundation-Trilogie und kon- zentriere mich dabei auf herausragende Abschnitte. Sozusagen ein wissenssoziologi- scher Streifzug durch das Foundation Universum.
Auf den Inhalt der Romane kann ich aufgrund des Rahmens, den die Arbeit vorgibt, nicht vertiefend eingehen, ich beschränke mich auf eine kurze Inhaltsangabe und weitere Erläuterungen an notwendigen Punkten.
1 In der Sammelausgabe „Die Psychohistoriker“ von 1983, auf die ich mich hier beziehe, wird an- statt von der Foundation von der Stiftung gesprochen, gemeint ist dasselbe. In allen späteren Über- setzungen wird stets der Begriff Foundation verwendet, für dessen Verwendung ich mich in dieser Arbeit entschieden habe.
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Zu Asimov
Isaac Asimov war ein US-amerikanischer Biochemiker und Schriftsteller russischer Herkunft. Er wurde 1920 in Petrowsk, einem Vorort von Smolensk, geboren, lebte aber seit 1923 bis zu seinem Tode 1992 in den USA. Er schrieb hunderte von Bü- chern, Science-Fiction ebenso wie viele populärwissenschaftliche Bücher über vor- wiegend naturwissenschaftliche Themen. (vgl. Saekow: 2007) Seine herausragendsten Werke sind die Foundation Trilogie und die Roboterge- schichten, in denen er sich vor allem mit den ethischen, sozialen und psychologi- schen Konsequenzen der künstlichen Intelligenz beschäftigt (vgl. Coron: 1995, S. 331).
Die Foundation-Trilogie „Die Psychohistoriker“
Zur Trilogie
Die Foundation-Trilogie entstand zwischen 1951 – 1953 und besteht aus den Bü- chern „Der Tausendjahresplan (Originaltitel: Foundation)“, „Der galaktische General (Foundation and Empire)“ und „Alle Wege führen nach Trantor (Second Foundati- on)“.
Zum Foundation-Zyklus gehören weitere Geschichten, die vor und nach der Founda- tion-Trilogie spielen. Verwirrenderweise erschienen sie aber nicht in chronologischer Reihenfolge, so wurde etwa der direkte Vorgänger der Foundation-Trilogie erst 40 Jahre nach deren Erscheinen geschrieben.
Zum Inhalt
Der Kern des Foundation Universums ist die Foundation Trilogie, deren Inhalt in dieser Arbeit vorrangig von Bedeutung ist.
Sie erzählt vom Niedergang des galaxisweiten, 25 Millionen Planeten umfassenden Imperiums und von der Entwicklung der Psychohistorik, mit deren Hilfe der voll- ständige Zusammenbruch der Zivilisation verhindert und der Aufbau einer neuen,
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beständigeren Gesellschaft ermöglicht werden soll. Zu diesem Zweck werden zwei Organisationen gegründet. Die eine, die Zweite Foundation, wirkt im geheimen, die andere, die Erste Foundation, ist vordergründig auf dem Planeten Terminus mit dem Sammeln des Gesamtwissens der Galaxis und deren Veröffentlichung in der Enzy- klopedia Galaktika beschäftigt.
Der Leser erfährt aus unterschiedlichen Perspektiven, wie die historischen Mechanis- men, mit denen sich die Psychohistorik beschäftigt, über 400 Jahre hinweg arbeiten.
Die Asimovsche Psychohistorik
Psychohistorik ist der Name einer fiktiven Wissenschaft zur Berechnung der Gesell- schaftsentwicklung über Jahrhunderte hinweg, die Hari Seldon gemeinsam mit Gaal Dornik entwickelt hat.
„Psychohistorie - ... Gaal Dornick hat die Psychohistorie, unter Benutzung nichtmathematischer Begriffe, als jenen Zweig der Mathematik bezeichnet, der sich mit den Reaktionen von großen Menschenmassen auf bestimmte soziale und ökonomische Stimuli befasst ... Allen diesen Definitionen liegt die Voraus- setzung zugrunde, dass die Menschenmasse, auf die man sich bezieht, groß ge- nug für eine gültige statistische Berechnung ist. Die notwendige Größe einer solchen Masse lässt sich aus Seldons Erstem Theorem festlegen, das ... Weiter- hin ist es erforderlich, dass sich die Menschenmasse selbst nicht ihrer pycho- historischen Analyse bewusst ist, damit ihre Reaktionen wirklich willkürlich... Die Grundlage für eine gültige Psychohistorie liegt in der Entwicklung der Sel- don-Funktionen, die ihre Eigenschaften aufzeigen, die kongruent zu denen sol- cher sozialen und ökonomischen Kräfte wie ...
Encyclopedia Galactica“ (Asimov: 1983, S. 21) Die Psychohistorik versteht sich als Teil der Mathematik, die Seldon-Funktionen be- ziehen aber auch große Teile der Ökonomie, Psychologie und Soziologie mit ein. „[...] durch die Verallgemeinerung des psychologischen Wissens von einem einzel- nen auf die Gruppe konnte schließlich auch die Soziologie in mathematischen For- meln ausgedrückt werden“ (Asimov: 1983, S. 477). Im Kern baut die Psychohistorik aber auf die statistische Mechanik und die Gaskinetik auf: Die Richtung und Ge- schwindigkeit eines einzelnen Gasmoleküls in einem System kann nicht vorherge- sagt werden. Wendet man aber die Statistik und ein Wissen über die Normalvertei-
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lung der Molekülgeschwindigkeiten an, kann das Gesamtverhalten einer Gasmenge recht genau vorhergesagt werden. Analog dazu kann mit den Seldon-Funktionen die Wahrscheinlichkeit eines Gesamtverhaltens großer Menschenmengen vorhergesagt werden.
In eng begrenzten Bereichen ist dies durchaus nachvollziehbar: Jeder Pendler kann vorhersagen, wann er auf seiner Strecke mit Stau rechnen muss, auch wenn er nicht weiß, welche Personen unterwegs sein werden. Mit ähnlichen Methoden kann eine Uni-Mensa in etwa vorhersagen, wie viele Gäste mittags zum Essen kommen wer- den. Bei einer Wahlergebnisvorhersage wird das Verfahren schon ungleich schwieri- ger und das Ergebnis ungenauer. Entsprechend erschließen sich die vollständigen mathematischen und psychologischen 2 Grundlagen nur Genies wie ihrem geistigen Vater Hari Seldon.
Die Asimovsche Psychohistorik muss von der tatsächlich existierenden Psychohisto- rie abgegrenzt werden. Über die Namensähnlichkeit hinaus besteht kein Zusammen- hang.
Der „Seldon-Plan“
Hari Seldon überprüfte seine psychohistorischen Gleichungen, indem er die bekannte Geschichte der Menschheit (in den Romanen immerhin ein Zeitraum von über 12 000 Jahren) in sie einsetzte und die Übereinstimmung mit seinen Modellrechnungen kontrollierte. Als nächsten Schritt wandte er seine neue Wissenschaft auf die Zukunft der Menschheit an und erkannte schnell, dass sich das galaxisweite Imperium, das sich unter der Regierung eines Kaisers über immerhin 25 Millionen Planeten er- streckt, am Abgrund befand und eine 30000 jährige Zeit des Niedergangs und der Anarchie bevorstand. Seldon suchte daher mithilfe der Psychohistorik nach Möglich- keiten, diese Zukunft zu beeinflussen. Er fand eine Möglichkeit, durch die geringfü- gige Veränderung der Ausgangspunkte die Phase des Chaos auf eine Übergangszeit 2 Asimov bezieht sich in der Foundation-Trilogie fast ausnahmslos auf die Psychologie und Mathe-
matik als Grundlagen der Psychohistorik. Die Erweiterung um ökonomische, soziale und vor al-
lem wissenssoziologische Aspekte erscheint mir aber plausibel und zwingend und erfolgt in späte-
ren Werken auch durch Asimov selbst (vgl. Asimov: 1997, S. 99).
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Peter Sperling, 2007, Der Seldon-Plan, Munich, GRIN Publishing GmbH
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