„Leer ist die Rede jenes Philosophen, durch die kein menschliches Leiden geheilt wird. Denn wie eine Heilkunst nichts taugt, wenn sie nicht die Krankheiten aus dem Körper vertreibt, so auch nicht eine Philosophie, wenn sie nicht das Leiden der See- le austreibt.“ (Epikur)
0. Einleitung
Das Glück, obwohl es ein philosophisches Thema ist, ist auch für Nicht-Philosophen interessant. Glücklich sein oder zumindest Glück haben möchte Jeder. Dadurch dass das Glück oder das Streben danach in der Natur des Menschen zu liegen scheint, zeigt es aber auch seine Bedeutung für die prak- tische Philosophie. Denn, wie schon Epikur erklärt, sollte Philosophie nicht leer sein, sondern Men- schen dienen.
Die zwei größten und einflussreichsten Schulen des Hellenismus sind die Epikureer und die Stoiker. Eudaimonia, Glückseligkeit ist das angestrebte Ziel beider Lehren. Beide Schulen stützen sich auf die Natur des Menschen, haben aber unterschiedliche Erkenntnisse. Während Epikur die Lust zum von Geburt an angestrebten Gut erklärt, behauptet die Stoa, die Tugend sei das höchste Gut. In dieser Arbeit sollen die beiden Lehren in ihren Wegen zum Glück vorgestellt und der jeweilige Glücksbeg- riff am Ende bewertet werden. Meine These ist dabei, dass der Mensch von Natur aus ein Lust- wesen ist, weil es ihm von vorn herein ganz unmöglich ist ein Tugend-Wesen zu sein. „Lust“ gebrauche ich dabei im streng epikureischen Sinne (Abwesenheit von Unlust) und „Tugend“ im stoi- schen Sinne (als aufrechte Vernunft).
Die Arbeit folgt folgendem Aufbau: Zunächst ist es interessant, im ersten Kapitel den Grund und die Notwendigkeit der Glücksphilosophie in der hellenistischen Zeit historisch-philosophisch zu be- leuchten um die Relevanz der Lehren im darauf Folgenden vor Augen zu haben. Im zweiten Kapitel werden Epikur als Urheber und Ideengeber des Epikureismus und seine Weltanschauung kurz vorge- stellt. Dem folgt die Darstellung seiner Position, indem die Lust, als das höchste Gut der Epikureer erläutert wird. Epikur unterscheidet zwischen sog. katastematischer und kinetischer sowie geistiger und körperlicher Lust, die auch jeweils erläutert werden. Jetzt wird sein Weg zur Glückseligkeit werden erläutert. Dabei werden Begierden und Furcht als zwei Quellen der Unlust und ihre Bewälti- gungsmethoden vorgestellt. Mit einer Konklusion soll das Kapitel über Epikurs Lehre kurz zusam- mengefasst und zum besseren Verständnis an dieser Stelle schon zwischenbewertet werden. Ähnlich verfahre ich mit der stoischen Lehre: Im Kapitel zwei wird nach einer knappen Vorstellung des Gründers, Zenon von Kition, seinen Nachfolgern und ihrem Weltbild das höchste Gut der Stoi- ker, die Tugend, beleuchtet und schließlich der Weg dorthin aufgezeigt. Dabei wird Epiktets Auftei- lung der Dinge in beeinflussbare und nicht beeinflussbare erläutert und die stoischen Lehrsätze des einstimmigen und des naturgemäßen Lebens dargestellt. Die wichtigsten Ideen des Kapitels werden wieder in einer Konklusion kurz zusammengefasst und kritisch beurteilt.
1
Der Unterschied zwischen den Ideen der Glückseligkeit bei Epikureern (ataraxia) und Stoikern (a- patheia) wird im Kapitel 4 erörtert. Daraufhin frage ich, ob die Natur, auf die ich beide Philosophien anlehnen, den Menschen als einen nach Lust oder nach Tugend strebendes Wesen erschaffen hat.
1. Historisch-philosophische Einordnung der Hellenistischen Philosophie
Die Hellenistische Zeit bezeichnet eine Periode, die mit dem plötzlichen Tod Alexander des Großen, 323 v. Chr. begann. Als das Ende des Hellenismus gilt das Ende des letzten griechisch geprägten Großreichs, des Ptolemäerreichs (30 v. Chr.). 1
Die Polis, die griechischen Staatstadt, welche für den Menschen vor der hellenistischen Periode „nicht nur politisches Machtzentrum und fester Sozialverband, sondern vor allem auch der Ort sittli- cher Bewährung“ 2 gewesen ist, verliert durch Eroberungen und den Tod Alexanders an Bedeutung.
Die Auswirkungen in der geisteswissenschaftlichen Ebene sollen in diesem Kapitel verdeutlicht wer- den. Der einzelne Mensch stand vor Alexanders Herrschaft hinter dem Staat und ordnete sich ihm unter. 3 Doch schon während Alexanders Eroberungszüge, die bis nach Indien reichten, löste sich die feste, nationale Institution Polis in Ansätze eines Kosmopolitismus auf. 4 Long und Sedley beschrei- ben „Alexanders Hellenisierung des östlichen Mittelmeerraums“ 5 als Interesse weckend für viele
Nicht-Griechen an der griechischen Kultur. Diese gingen nach Athen, um am Leben der blühenden Philosophie in dieser Stadt teilzuhaben. Andersrum wurde die von Alexander gegründete Stadt Ale- xandria in Ägypten unter der Förderung der Ptolemäer interessant für Naturforscher, Mathematiker und Gelehrte, die aus Griechenland in das neu gegründete Forschungszentrum abwanderten. 6 Diese
Ein- und Auswanderungen der Intellektuellen hatten nicht nur zur Folge, dass die Identifizierung des griechischen Volkes mit der griechischen nationalen Institution Polis, stark nachließ. Auch die Philo- sophie selbst nahm durch die Migration eine bemerkenswerte Wende: Während Platon und Aristote- les sowie ihre Anhänger sich in Athen auch im großen Maße einer vielseitigen Wissenschaftsfor- schung wie Mathematik, Zoologie und politischer Geschichte verschrieben, wurden diese Diszipli- nen mit der Migration aus Athen zum großen Teil weggetragen. Philosophie als die übergreifende Wissenschaft, wurde stark zu einer Spezialdisziplin eingegrenzt. 7
Nach seinem Tod hinterließ Alexander zudem keinen regierungsfähigen Thronerben. Das entstande- ne Machtvakuum erschütterte die Grundfesten der Polis noch heftiger:
1
Vgl. Meyers Lexikon online (2008)
2
W. Weinkauf (2001), S. 9
3
Vgl. Ebd.
4 Vgl. R. Ruffing (2007), S. 60 5 A.A. Long u.a. (2006), S. 1 6 Vgl. Ebd.
7 Vgl. A.A. Long u.a. (2006), S. 2
2
Es begann eine Zeit politischer Wirren und militärischer Auseinandersetzungen um die Alleinherrschaft, bis sich, etwa um 280 v.Chr., drei neue Königreiche etablierten, und zwar das der Ptolemäer in Ägypten, das Seleukidenreich, das sich von der östlichen Mittelmeerküste bis zur indischen Grenze erstreckte, und die makedonische Herrschaft der Antigoniden. 8 Durch diese Ereignisse verloren die Menschen endgültig die Orientierung und das Interesse an der Polis. Die neu entstandenen Schulen (Epikureer, Stoa, aber auch Skepsis etc.) „versuchten als prakti- sche Philosophien neue Orientierungshilfen zu geben und vor allem die Frage zu beantworten, wie man zu einem sinnerfülltem Leben gelangen könne.“ 9 Die Lebensführung des Individuums rückte also in den Mittelpunkt der Philosophie: Die Philosophie der Glückseligkeit, des guten Lebens und der Ethik generell war der geistige Rückzug und Protest gegen die politisch-gesellschaftlichen Um- wälzungen.
Wie diese Philosophien verstanden und gelebt wurden, wird in den Kapiteln zwei und drei anhand der beiden einflussreichsten Schulen, die der Epikureer und der Stoiker, verdeutlicht.
2. Epikureer
Als Epikureer bezeichnet man Anhänger Epikurs. Epikureer bildeten neben den Stoikern die wich- tigste philosophische Schule der Zeit. Epikur, Begründer und Ideengeber der Schule, wird im folgen- den Kapitel vorgestellt. Seinen Vorstellungen von Eudaimonia folgen im Weiteren.
2.1 Epikur und sein Weltbild
Epikur ist 341 v. Chr. auf Samos geboren und war ein Schüler des Atomismus 10 bei Demokrit 11 und dies beeinflusste auch seine Ethik. Die Naturlehre dient gewissermaßen der Erreichung des Lebens- ziels, also der Eudaimonia. Zum Beispiel sollen Menschen durch vernünftige Erkenntnisse der Na- turforschung keine Ängste vor dem Tod haben:
Unsterblichkeit gibt es nach der Theorie des Atomismus nicht. Die Seele, die sich Epikur als Komplex unendlich feiner Atome vorstellte, löse sich auf und gehe dann neue Atomverbindungen ein. Da man nur einmal lebe, solle man sein Leben möglichst optimal genießen. 12 306 v. Chr. ging Epikur nach Athen und kaufte sich einige Jahre später, durch Spenden der Athener unterstützt, ein Grundstück mit einem Garten. Dieser Garten sollte ein „Refugium in den politischen Wirren der Zeit“ 13 sein. Er soll die Aufschrift getragen haben: „Fremdling, hier wird dir's wohl sein; hier ist das höchste Gut die Lust.“ 14 „Mäßig und einfach lebte hier Epikur mit seinen Schülern in 8 W. Weinkauf (2001), S. 10 9 W. Weinkauf (2001), S. 10 f.
10 „Atomismus: Annahme, daß die Dinge insgesamt aus Atomen (s. d.) zusammengesetzt sind, daß alles Geschehen auf Mischung und Entmischung, Vereinigung und Trennung, Anziehung und Abstoßung, Umlagerung der Atome beruht“ [Eisler: Wörterbuch d. phil. Begriffe, S. 555. Dig. Bibliothek Bd. 3: Geschichte der Philosophie, S. 13971 (vgl. Eisler-Begriffe Bd. 1, S. 102-103)] 11 Vgl. A.A. Long u.a. (2006), S. 5 12 R. Ruffing (2007), S. 63 13 R. Ruffing (2007), S. 60 14 M. Bertram (2004), S. 3659 [Lange: Geschichte des Materialismus, S. 136. (vgl. Lange-Mat., S. 79)]
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einträchtigem Streben, in herzlicher Freundschaft, wie in einer friedvollen Familie. […]Das ganze Altertum kannte kein Beispiel eines schöneren und reineren Zusammenlebens, als das Epikurs und seiner Schule.“ 15
Epikurs Philosophie zielte auf den Menschen und seine Bedürfnisse und nicht auf die Politik oder Öffentlichkeit ab. Long und Sedley erklären dazu: „Unter den philosophischen Schulen war die seine [die des Epikurs, Anm. Rauser] gewiß die, welche am meisten nach innen schaute[…]“. 16 Die Philo-
sophie sei außerdem „aufs Praktische gerichtet, sie soll uns eine gesicherte, von aller Unruhe und allem Drucke des Aberglaubens freie Lebensauffassung geben; sie ist vernunftvolles Streben nach Glückseligkeit“ 17
2.2 Lust als das höchste Gut
Für Epikur liegt das Glück in der Lust. Er begrünet: „[…]Die Lust [ist], wie wir sagen, Ursprung und Ziel des glückseligen Lebens.“ 18 Allerdings darf man Lust im epikureischen Sinne nicht missverste-
hen: Epikurs Ziel ist nicht die ausschweifende Lust und die Suche nach immer mehr Genüssen. Schon Epikur selbst wehrt sich gegen die Vorwürfe:
Wenn wir also sagen, die Lust sei das Ziel, meinen wir damit nicht die Lüste der Hemmungslosen und je- ne, die im Genuß bestehen, wie einige, die dies nicht kennen und nicht eingestehen oder böswillig auffas- sen, annehmen, sondern: weder Schmerz im Körper noch Erschütterung in der Seele zu empfinden. 19
Lust ist also bereits die Abwesenheit von Schmerz und seelischer Erregtheit: „Um dessentwillen tun wir ja alles, damit wir weder Schmerz noch Unruhe empfinden. Sooft dies einmal an uns geschieht, legt sich der ganze Sturm der Seele[…]“ 20 Genau dieser Zustand bezeichnet das höchste Gut, die angestrebte ataraxia, „die Unerschütterlichkeit der Seele“ 21 .
Lust ist also für Epikur eine innere positive Stimmung, bei der jegliche körperliche oder seelische Leiden abwesend sind. Er erklärt auch: „Keine Lust ist an sich ein Übel. Aber das, was bestimmte Lustempfindungen verschafft, führt Störungen herbei, die um vieles stärker sind als die Lustempfin- dungen“. 22 Also gibt es durchaus Lüste, die zu vermeiden seien.
2.2.1 Katastematische und kinetische Lust
Die erreichte Freiheit von Schmerz und Leid ist die höchste Lust. Diese Lust ist ein Zustand und wird von Epikur als katastematische, zuständliche Lust bezeichnet. So ist das Satt sein die Freiheit 15 Ebd.
16 A.A. Long u.a. (2006), S. 5 17 M. Bertram (2004), S. 21596 [Eisler: Philosophenlexikon, S. 799. (vgl. Eisler-Phil., S. 154)] 18 Epikur, H.-W. Krautz (2000), S. 47 19 Epikur, H.-W. Krautz (2000), S. 49 20 Epikur, H.-W. Krautz (2000), S. 47 21 Ebd.
22 Epikur, H.-W. Krautz (2000), S. 69
4
von Hunger 23 . Aber auch die Nahrungsaufnahme selbst sei laut Epikur eine Lust. Diese sei eine Lust in Bewegung oder auch kinetische Lust also eine Lust die keinen fortdauernden Zustand hat. 24
Diese Unterscheidung dürfe man nicht als qualitativ verschiedene Lustarten bewerten. Vielmehr sei- en es zwei verschiedene Zustände einer einzigen Lust. Sowohl der Übergang von Unlust zur Lust als auch das Ergebnis gehören also dem größten Gut, der Lust an und sind lediglich quantitativ in ihre Dauer und Schwankungen. Die höchste Lust, die ataraxia jedoch kann für sich nur vollkommen frei von Unlust sein. 25
Franz erklärt, dass die katastematische Lust aber nur aus kinetischer hervor gehen. Er unterscheidet weiter die katastematische Lust in zwei Begriffe: „(a) als Zustand, der immer nur vorübergehend ist; (b) als eine Grundstimmung und Lebenshaltung, die mit körperlicher Gesundheit (hygíeia) und seeli- scher Unerschütterlichkeit (ataraxía) verbunden ist.“ 26 Krautz führt dazu aus: „Die ungetrübte
Grundstimmung ist nur dann zu erreichen, wenn das Mängelwesen Mensch elementare Entbehrun- gen […] auf Dauer zu überwinden vermag.“ 27 Die einzige Ausnahme bei dieser Regelung scheint für
Epikur die Philosophie zu sein, wenn er sagt:
Bei den übrigen Tätigkeiten stellt sich der Ertrag erst dann ein, wenn sie gerade vollendet worden sind, bei der Philosophie läuft der Reiz mit dem Erkenntnisvorgang zusammen. Denn nicht nachdem Lernen kommt der Genuß, sondern zugleich mit dem Lernen stellt sich auch der Genuß ein. 28
2.2.2 Geistige und körperliche Lust
Epikur spricht von Schmerzfreiheit und Freiheit von seelischer Unruhe, wenn er das höchste Gut meint. Ein Unterschied zwischen geistiger und körperlicher Lust scheint hier evident. Auch gibt es bei Epikur Aussagen zu den jeweiligen Grenzen der Lustempfindung: Die Lustempfindung im Fleische wächst nicht mehr, wenn erst einmal das schmerzhafte Gefühl des Mangels aufgehoben wird, sondern variiert nur. Des Denkens Lustgrenze wird erzeugt durch die Ergrün- dung gerade jener Zusammenhänge, die dem Denken die größten Ängste verschafften, und all dessen, was damit verwandt ist. 29
Auch hier werden die beiden Lüste qualitativ aber nicht voneinander getrennt. Die Geistige ist zwar höher bewertet, das hat aber den Grund, dass „der Geist, anders als die Sinnlichkeit, nicht auf die unmittelbar gegenwärtigen Empfindungen eingeschränkt ist, sondern zukünftige sinnliche Lüste an- tizipieren und vergangene in die Erinnerung zurückrufen kann“ 30 . Daraus ergibt sich aber auch, dass 23 Vgl. M.Hossenfelder (1996), S. 165 24 Vgl. M. Franz (1999), S. 497 25 Vgl. M. Hossenfelder (1996), S. 165 26 M. Franz (1999), S. 497 27 Epikur, H.-W. Krautz (2000), S. 164 28 Epikur, H.-W. Krautz (2000), S. 85 29 Epikur, H.-W. Krautz (2000), S. 71 30 Epikur, H.-W. Krautz (2000), S. 166
5
die geistige Lust auch auf die sinnliche bezogen ist. Sie ist „nichts als im Geiste vorgestellte sinnli- che Lust“ 31 Wie die Lust als Zustand und damit als Glückseligkeit erreicht werden kann, wird im Kapitel 2.3 deutlich.
2.3 Weg zur Lust: ataraxia
Es gibt zwei Hauptquellen 32 der Unlust, die aber beide „versiegen“ können, wenn der Mensch richtig mit ihnen umgeht. Das Kapitel 2.3.1 hat die erste Quelle der Unlust, die Begierden des Menschen, zum Thema. Diesen soll man sich laut Epikur nicht komplett verweigern, sondern sie mit Hilfe der phronesis vernünftig und tugendhaft einschätzen und bewerten. Die Selbstgenügsamkeit unterstützt dabei. Im Kapitel 2.3.2 wird die zweite Quelle der Unlust, die Furcht, untersucht. Diese wird vor allem mit Hilfe der Philosophie, dem Rückzug aus dem gesellschaftspolitischen Leben und der Freundschaft besiegt.
2.3.1 Begierden klassifizieren und kontrollieren: phronesis, Selbstgenügsamkeit
Die eine der beiden Quellen für die Unlust, also für das Übel, das das lustvolle Leben stört, sind die Begierden des Menschen. Epikur lehnt weder das Eingehen auf die Begierden völlig ab, noch ist für ihn das Erfüllen aller Begierden erstrebenswert. Im Brief an Menoikeus klassifiziert er sie: Wir müssen […] berücksichtigen, daß die Begierden zum einen anlagebedingt, zum anderen ziellos sind. Und zwar sind von den anlagebedingten die einen notwendig, die andern nur anlagebedingt; von den notwendigen wiederum sind die einen zum Glück notwendig, die andern zur Störungsfreiheit des Kör- pers, die dritten zum bloßen Leben. 33 Es wird also deutlich, dass nur anlagebedingte (also die dem Menschen natürliche) Begierden, die notwendig sind, erfüllt werden sollen. Diese können 1.) „zum bloßen Leben“ notwendig sein, 2.) „zur Störungsfreiheit des Körpers“ oder 3.) „zum Glück“.
1.) Das bloße Leben bezeichnet die überlebensnotwendigen Funktionen wie Nahrungsaufnahme, Schlaf, etc. Dass diese Bedürfnisse erfüllt werden sollen, scheint selbstverständlich. 2.) Mit körperlicher Störungsfreiheit ist ein gesunder Körper gemeint. Es geht also um Schmerz- freiheit und um das körperliche Wohlfühlen.
Epikur versucht mit seiner Philosophie einerseits rational darzustellen, warum der Schmerz leicht beseitigt werden kann 34 und ihn andererseits durch Lust zu kompensieren und zwar „nicht nur durch 31 M. Hossenfelder (1996), S. 165 32 Vgl. M. Hossenfelder (1996), S.167 f.
33 Epikur, H.-W. Krautz (2000), S. 45 34 Vgl. M. Hossenfelder (1996), S.167 f.
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Arbeit zitieren:
Helena Rauser, 2008, Eudaimonia, München, GRIN Verlag GmbH
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