To be human is to discriminate.
Harvard Law Review, Vol. 100, Nr.8.
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Inhaltsverzeichnis
A. EINLEITUNG 5
B. THEORETISCHER TEIL. 7
1. Arbeitsmarktdiskriminierung - ein Überblick über die klassischen Theorien. 7
2. Psychologie und Ökonomie: Halo und Spillover Effekt 10
3. Was ist Schönheit und warum hat sie Einfluss? 12
4. Der Wandel des Schönheitsideals im vergangenen Jahrhundert. 15
5. Schönheit und Intelligenz. 16
6. Self-Fulfilling Prophecy in der Berufswelt 18
7. Ein klassisches ökonomisches Modell statistischer Diskriminierung. 20
I. Das ökonometrische Modell. 20
II. Statistische Diskriminierung aufgrund der Rasse als plakatives Beispiel. 26
III. Humankapitaltheorie: Zugang und Einfluss von Training. 26
IV. Ergebnisse des Modells. 27
V. Leistung des Modells 31
8. Beauty and the Labor Market: Einfluss der Physis 32
I. Allgemeines zum Modell 32
II. Persistenz von Schönheit innerhalb einer Kultur 33
III. Integration der Variable Schönheit ins ökonomische Modell 35
IV. Daten und Ablauf der Befragung 36
V. Aussehen und Verdienst. 37
VI. Synthese aller Studien 41
VII. Berufliche Segregation aufgrund des Aussehens 44
VIII. Fazit. 46
9. Aussehen und Verdienst von Rechtsanwälten - eine Studie. 47
I. Berufsfeld Jura 47
II. Sektorale Unterschiede aufgrund des Charakteristikums Aussehen 48
III. Vorgehen zur Einschätzung des Aussehens und weitere Daten der Anwälte 49
IV. Analyse wichtiger Variablen. 51
V. Effekt von Attraktivität für Juristen 52
VI. Dynamische Sektorsegregation 56
VII. Fazit. 59
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10. Cinnirella: Eine europäische Studie 60
I. Körpergröße als charakterisierendes, äußerliches Merkmal 60
II. Informationen zum Datenset und erste Einblicke 61
III. Modellspezifikation. 62
IV. Körpergröße zahlt sich aus. 63
V. Berufliche Segregation. 67
11. Hinweis auf weitere Formen der physischen Diskriminierung. 68
C. PRAKTISCHER TEIL. 69
1. Ein kurzer Einblick in die plastische Chirurgie 69
2. Tendenzen aus der Welt - Im Reich der Schnitte 74
3. Ergebnisse der Umfrage zu Motivationen der plastischen Chirurgie 77
I. Patientengruppe der Praxis für Plastische und Ästhetische Chirurgie 78
II. Gruppe der Angestellten einer deutschen Fluglinie 81
III. Kontrollgruppe 83
D. Fazit 84
E. ANHANG 86
1. Tabellen des theoretischen Teils 86
2. Umfrage zur ästhetischen Chirurgie. 91
3. Auswertungen und Tabellen der Umfrage 95
4. Ein humoristischer Versuch, Schönheit zu optimieren 99
F. LITERATURVERZEICHNIS 101
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A. EINLEITUNG
Die moderne Schönheitschirurgie macht es möglich, das Erscheinungsbild zu gestalten. Man stelle sich vor, in letzter Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit einem Charakteristikum seines Aussehens gemacht zu haben. Auch Freunde haben bereits mehrmals Bemerkungen hinsichtlich dieses Merkmals gemacht, wenn auch nur im Spaß. In einigen Wochen steht das Vorstellungsgespräch für den Traumjob an. Zwar erfordert dieser Traumjob kein perfektes Aussehen, jedoch können die gemachten Erfahrungen negative Auswirkungen auf die Psyche und das Selbstwertgefühl haben. Wäre bewiesen, dass zwischen Aussehen, Selbstwertgefühl und einem erfolgreichen Bewerbungsgespräch ein positiver Zusammenhang besteht, so könnte man vermuten, dass viele Personen aus rein ökonomischen Motivationen einen kosmetischen Eingriff durchführen ließen. Inwieweit tatsächlich berufliche Gründe für eine Veränderung des Aussehens verantwortlich sind, soll in dieser Arbeit ergründet werden. Verflochten wird der ökonomische Blickwinkel stets mit der Sicht der Sozialpsychologie und deren Einordnung des Begriffs Attraktivität in die heutige Gesellschaft. Diskriminierung ist aus ökonomischer Sicht eine Form von Marktversagen, dennoch ist sie ein alltägliches Phänomen. Diese Erscheinung soll auf ihr Zustandekommen hin analysiert werden mit besonderem Fokus auf das Aussehen.
Weiterhin stehen die wirtschaftlichen Fragen im Vordergrund, inwieweit Attraktivität als produktivitätsrelevantes Kriterium eingestuft werden kann und falls ja, wann dies der Fall ist. Außerdem muss geklärt werden, ob auftretende Schönheitsprämien, bzw. Benachteiligungen wegen unterdurchschnittlichem Aussehen nur eine industriespezifische Entwicklung sind oder ob ein omnipräsentes Problem vorliegt.
Diskriminierung aufgrund des Äußeren ist nach ethnologischer und geschlechtsspezifischer Ungleichbehandlung die populärste Form der Diskriminierung (siehe hierzu Tabelle 1). Sie ist wohl auch die subtilste aller Formen, gerade weil sie als einzige eine nicht kriminelle Gruppe adressiert, die in der Öffentlichkeit bloß gestellt werden darf. Aufgrund der Abstraktheit des Begriffs Schönheit ist es außerdem schwer, Ungleichbehandlungen in juristischen Grenzen zu beurteilen.
Ungerechte Behandlung tritt in vielen Situationen auf, prominenteste Beispiele sind der Bewerbungsprozess, Verurteilungen, die Vermietung eines Appartements oder eben unterschiedliche Entlohnung. Legale Möglichkeiten, sich gegen äußere Diskriminierung zu wehren oder sie in Form einer Schönheitsprämie einzufordern, sind sehr beschränkt. Inzwischen werden Randgruppen und Minderheiten gesetzlich geschützt - doch scheinbar keinen Schutz haben die Unattraktiven vor ständiger Bevorteilung der Attraktiven. Ob eine
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solche Protektion aus Gründen der Fairness nötig ist, oder ob ganz andere Fähigkeiten des Individuums für dessen Gehaltsstruktur verantwortlich sind, soll im Laufe dieser Arbeit erläutert werden.
1 R.C. Kessler, K.D. Mickelson, D.R. Williams, The Prevalence, Distribution, and Mental Health Correlates of
Perceived Discrimination in the United States, Journal of Health and Social Behavior, Vol. 40, Nr. 3, 1999, S.
216.
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B. THEORETISCHER TEIL
Im theoretischen Teil werden grundsätzliche ökonomische Ansätze der Diskriminierung angeschnitten und einzelne, ausgewählte Modelle detaillierter ausgeführt. Hier ist die Vorgehensweise vom Allgemeinen zum Speziellen. So werden zunächst verschiedene wirtschaftliche Blickwinkel dargestellt und diese dann ins spezielle Feld der „Appearance Discrimination“ überführt. Hierbei ist es unbedingt von Nöten, den Blick auch über volkswirtschaftliche Grenzen hinaus zu richten und gerade die Wirkung sozialpsychologischer Einflüsse zu berücksichtigen.
Nach Erläuterung des immer wieder kehrenden abstrakten Begriffs Schönheit und darauf aufbauender Prinzipien, setzt ein Modell statistischer Diskriminierung einen ersten Rahmen aus ökonomischer Sicht. Dieser wird dann anhand weiterer Modelle um die Variable Schönheit bereichert. Erste Ergebnisse zu den Forschungen folgen und schließlich soll ein Ausblick auf derzeitige Forschungsrichtungen gegeben werden.
1. Arbeitsmarktdiskriminierung - ein Überblick über die klassischen Theorien
Grundsätzlich existiert Arbeitsmarktdiskriminierung genau dann, wenn zwei Personen mit gleichen Produktivitätsmerkmalen (Qualifikation, Berufserfahrung, Beruf, etc.) eine unterschiedliche Performance am Arbeitsmarkt aufweisen, die sich aus nichtproduktivitätsrelevanten Charakteristika (Geschlecht, Abstammung, Religion, Hautfarbe, etc.) erklärt. 2 Der Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes Art. 3, welcher dem „…Gesetzgeber gebietet, wesentlich gleiches Gleich und wesentlich Ungleiches ungleich zu behandeln“ 3 ist in dieser ökonomischen Definition ohne Zweifel wieder zu finden. Diskriminierung als Spannungsfeld zwischen Gleichheit und Ungleichheit ist ein omnipräsentes Gebilde, dessen Grenzen aufgrund des schmalen Grates zwischen Mangel an Objektivität und subjektivem Werturteil verschwimmen. 4
Während Vertreter des Egalitarismus wie John Rawls oder Ronald Dworkin 5 diskriminierende Gesellschaftsformen ablehnen, sehen Liberalisten in diesen zu akzeptierende, naturgegebene
2 George L. Borjas, Labor Economics, Boston etc. McGraw-Hill, 3rd edition, S. 342.
3 Art. 3 Abs. 1 GG.
4 G. S. Becker, The Economics of Discrimination, 2nd edition, The University of Chicago Press, 1971, S. 13.
5 siehe u.a.: J. Rawls: A Theory of Justice, Belknap Press of Harvard Univ. Press, 1971, S. 100, o. Ronald D.
Dworkin: A Matter of Principle, Harvard Univ. Press, 1985, S. 283.
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gesellschaftliche Tatsachen und Ausdruck der Freiheit bzw. der Vertragsfreiheit 6 des Einzelnen.
Da in einer Volkswirtschaft ständige Knappheit herrscht, folgt zwangsläufig eine Diskriminierung von Einzelnen und Gruppen hinsichtlich vorhandener Ressourcen. Der Effekt dieser Herabsetzung bzw. Ausgrenzung ist aufgrund der Nichtexistenz von universalen Wertvorstellungen nicht eindeutig zu bewerten und lässt wieder den weiten philosophischen Rahmen des Themas erkennen.
Um dieser Uneindeutigkeit zu entkommen, konzipierte Gary S. Becker das zentrale Konzept des Diskriminierungskoeffizienten, welches ermöglicht „…to give an unambiguous definition of discrimination in the market place and yet get at the essence of what is usually called discrimination.“ 7 Der Koeffizient lässt sich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. So entstehen die präferenzorientierten Theorien der Arbeitgeber-, Arbeitnehmer-, und Kundendiskriminierung. Als Beispiel sei hier die im Verlauf dieser Arbeit relevante Arbeitgeberdiskriminierung am klassischen Beispiel des Einkommensgefälles zwischen Mann und Frau kurz erläutert:
( ) + ⋅ 1 d w f , also Ein chauvinistischer Arbeitgeber empfindet den Stundenlohn von Frauen als w . 8 Im w f ⋅ Einheiten höher als ihren tatsächlichen Stundenlohn f um die Aversionskosten d
theoretischen Modell wären die Folgen eine geringere Arbeitsnachfrage für die Gruppe, gegen die diskriminiert wird. Daher kann auch ein Arbeitsmarktgleichgewicht zustande kommen, bei dem der Gleichgewichtslohn dieser Gruppe geringer ist als der Lohn der anderen Gruppe. Weiterhin wäre das Auftreten einer beruflichen Segregation sehr wahrscheinlich. Nimmt man einen Markt mit vollkommener Konkurrenz an, werden diskriminierende Unternehmen aus dem Markt gedrängt, weil nicht diskriminierende Anbieter kostengünstiger und daher preisgünstiger produzieren könnten. Durch Erhöhung des Anteils an Arbeitnehmern, gegen die diskriminiert wird, könnten Kostenvorteile in der Produktion generiert werden.
6 siehe z.B.: http://webh01.ua.ac.be/storme/Storme-Juridica.pdf, Matthias E. Storme, Freedom of Contract:
Mandatory and Non-mandatory Rules in European Contract Law, 2005, aufgerufen am 16.06.08.
7 G.S. Becker (1971), S. 13.
8 G.S. Becker (1971), S. 39 ff.
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Ein weiterer klassischer Ansatz der Ökonomie ist das rationale Konzept der statistischen Diskriminierung. Hierbei maximiert der Arbeitgeber den erwarteten Nutzen eines zusätzlichen Arbeitnehmers, kann aber zweierlei Merkmale von Bewerbern nicht einschätzen. Erstens ist die tatsächliche Produktivität eines Bewerbers und zweitens die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bewerber kündigt, nicht bekannt. Folglich nutzt der Arbeitgeber zum einen beobachtbare Charakteristika (Alter, Schulabschluss etc.), zum anderen auch persönliche, unbeobachtbare Merkmale, von denen er annimmt, sie seien mit Produktivität und Kündigungswahrscheinlichkeit korreliert. Vergangene Erfahrungen können demnach von entscheidender Bedeutung sein. 10 So ist es kaum verwunderlich, dass Institutionen wie Unternehmen oder auch Universitäten von der Trägheit einer solch zementierten Hypothese der Vergangenheit profitieren, aber auch darunter leiden können. 11 Der letzte klassische, ökonomische Ansatz, der aufgrund des geringen Kontextes mit dieser Arbeit nur angeschnitten werden soll, ist die Annahme eines dualen Arbeitsmarktes. Im Gegensatz zu den anderen Theorien ist Diskriminierung hier ein bewusst hervorgerufenes und gewolltes Phänomen, das einen primären und einen sekundären Arbeitsmarkt schafft, zwischen denen kaum Mobilität herrscht. Firmen können die tatsächliche Arbeitsleistung eines Arbeitnehmers nicht festlegen und versuchen dieses Problem durch einen nicht
9 Abb. 2: http://openlearn.open.ac.uk/file.php/2700/D319_1_001i.jpg, aufgerufen am 16.06.08.
10 E. S. Phelps, The Statistical Theory of Racism and Sexism, The American Economic Review, Vol, 62, Nr. 4,
1972, S. 659-661.
11 siehe später auch Halo Effekt.
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wettbewerblichen Arbeitsmarkt und Diskriminierung zu lösen. Der primäre Arbeitsmarkt ist charakterisiert durch hohe firmenspezifische Qualifikationen, hohe Löhne, gute Aufstiegschancen und stabile Beschäftigungsverhältnisse. Im sekundären Arbeitsmarkt ist das Gegenteil der Fall. Arbeitgeber nutzen gesellschaftliche Ressentiments gegen bestimmte Gruppen, die größtenteils im sekundären Arbeitsmarkt beschäftigt sind. 12 Neben den populärsten Erscheinungen von Diskriminierung, nämlich einmal aufgrund des Geschlechts und zweitens aufgrund der Hautfarbe, gewinnt in der Literatur zunehmend Diskriminierung aufgrund des physischen Erscheinungsbilds an Bedeutung. Im Fokus liegt hierbei ein möglicher Zusammenhang zwischen Aussehen und dem beruflichen Fortkommen.
2. Psychologie und Ökonomie: Halo und Spillover Effekt
Wolfgang Franz weist in seinem Lehrbuch „Arbeitsmarktökonomik“ mit Nachdruck darauf hin, dass die oben beschriebenen Ansätze „…Hypothesen darstellen, deren empirische Überprüfung noch aussteht. Besser wäre es natürlich, diese Theorien überflüssig zu machen, indem das Grundrecht der Gleichberechtigung in der Praxis voll verwirklicht wird.“ 13 Die bereits angesprochene Abstraktheit und die Verflechtungen in viele wissenschaftliche Spektren des Phänomens der Diskriminierung erfordern einen Blick, der über den volkswirtschaftlichen Horizont hinausreicht. Die Verbindung zwischen Ökonomie und Psychologie soll an der Äquivalenz zwischen volkswirtschaftlichem Spillover und psychologischem Halo Effekt veranschaulicht werden.
Beide Effekte sind grundsätzlich Übertragungseffekte. Der Halo Effekt ist ein Beurteilungsfehler, der dazu führt, dass ein Attribut einer Person die weitere Wahrnehmung dieser Person überstrahlt. Die Einschätzung von Brillenträgern als kluge Personen wäre beispielsweise ein typischer Halo Effekt 14 . Nicht nur Personen sind von diesem Effekt betroffen. Wie eine Studie von Brown und Perry 15 zeigt, können auch in der Bewertung von Unternehmen Verzerrungen auftreten. So bezweifeln die Autoren die Aussagekraft der jährlich herausgegebenen Ratings der Zeitschrift Fortune und liefern gleichzeitig in ihrem
12 P. B. Doeringer u. M. J. Piore, Internal Labor Markets and Manpower Analysis, Heath Lexington Books,
1971, S. 133ff.
13 W. Franz, Arbeitsmarktökonomik, 6. Auflage, Springer Verlag, 2006, S. 342.
14 E. L. Thorndike: A constant error in psychological rating. Journal of Applied Psychology , 1920, S. 25-29.
15 B. Brown und S. Perry, Removing the Financial Performance Halo from Fortune’s most admired companies,
The Academy of Management Journal, Vol. 37, Nr. 5, 1994, S. 1347-1359.
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Modell eine Möglichkeit, die finanziellen Kennzahlen der Vergangenheit um den Halo Fehler zu bereinigen. Wie eine charakteristische Eigenschaft einer Person überstrahlen die vergangenen finanzwissenschaftlichen Indikatoren eines Unternehmens dessen aktuelle Lage und können so Anleger in die Irre führen.
Eine Externalität im volkswirtschaftlichen Sinne liegt vor, wenn Handlungen von Wirtschaftssubjekten Dritte betreffen, ohne dass hierfür ein ökonomischer Ausgleich erfolgt. 16
Übereinstimmend ist festzustellen, dass beide Effekte, sowohl in positiver wie auch in negativer Richtung, auftreten können. Ein negativer Einfluss auf eine Firma durch eine wasserverschmutzende, zweite Firma ist ebenso offensichtlich, wie eine mögliche auftretende Benachteiligung eines Schülers aufgrund seines Übergewichts. Es ist nachvollziehbar, dass im zweiten Fall die subjektive Wahrnehmung des Lehrers von entscheidender Bedeutung ist. Es kann natürlich auch das Gegenteil der Fall sein, dass Übergewichtige bevorteilt werden. Ein Beispiel eines positiven externen Effekts wäre die individuelle Impfung, die das Risiko der Ausbreitung von Epidemien verhindert. In diesem Fall liegt die Positivität im Konsum, da der private kleiner ist als der soziale Grenznutzen. Die Annahme eines Lehrers, dass ein gut aussehender und freundlicher Schüler auch gute Leistungen erbringt, wäre ein positiver Halo-Effekt. Gerade diese Verbindung zwischen Aussehen und Leistung soll in der Folge genauer analysiert werden.
Hier stellt sich nun die Frage, ob tatsächlich so etwas wie eine Schönheitsprämie existiert, also ein Zusammenhang zwischen Aussehen und Entlohnung bzw. dem beruflichen Fortkommen. Weiterhin ist fraglich, wie eine solche Prämie volkswirtschaftlich sinnvoll interpretiert werden könnte. Anlehnend an gerade erwähnte Definition eines positiven externen Effekts (privater Grenznutzen < sozialer Grenznutzen) könnte man beispielsweise behaupten, dass schöne Menschen durch das Attribut „Schönheit“ in Folge ihrer höheren Entlohnung auch das Sozialprodukt eines Landes steigern. Kann deshalb Schönheit auch als Produktivitätsmerkmal herhalten? Und haben schöne Menschen in der Regel überhaupt einen höheren Lohn? Wenn es eine Lohnprämie gibt, stellt sich natürlich auch die gegensätzliche Frage nach einer Lohnminderung für Personen, die nicht dem Schönheitsideal entsprechen. Um diese Fragen zu klären, sollte zunächst einmal der Begriff Schönheit beleuchtet und in einen sinnvollen Zusammenhang mit der Ökonomie gesetzt werden. Anschließend werden einige Studien vorgestellt, die Fakten und Tendenzen hinsichtlich einer Schönheitsprämie liefern.
16 siehe u.a. Hal R. Varian, Intermediate Microeconomics, 6. Auflage, Norton, 2003, S. 602 ff.
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3. Was ist Schönheit und warum hat sie Einfluss?
Jeff E. Biddle und Daniel S. Hamermesh kritisieren in ihrem Artikel „Beauty, Productivity, and Discrimination: Lawyers’ Looks and Lucre“ die klassischen von Borjas und Bronars vorgebrachten ökonomischen Ansätze, weil das Phänomen Diskriminierung in eine Richtung limitiert wird. Schubladendenken nach Arbeitgeber-, Arbeitnehmer und statistischer Diskriminierung kesselt das Phänomen ein; ihrer Meinung nach schaffen es bisherige empirische Studien nicht, Lohndifferenziale vollständig zu erklären. Vielmehr entsteht „…a gap between the theoretical and empirical literature on labor-market discrimination“ 17 . Berücksichtig man jedoch auch sozialpsychologische Aspekte wie eben das Erscheinungsbild einer Person, so ist es möglich, diese Erklärungslücke zu schließen. Hierzu ist es elementar, Schönheit aus sozialpsychologischer Sicht zu betrachten.
Elaine Hatfield und Susan Sprecher liefern in ihrem Buch „Mirror, Mirror..: The Importance of Looks in Everyday Life“ 18 eine Zusammenschau des Begriffs Schönheit.
By physical attractiveness we mean that which best represents one’s conception of the ideal in appearance and gives the greatest pleasure to the senses. 19
Kulturen bestehen seit Menschen Gedenken. Im sozialen Zusammenspiel von menschlichen Gemeinschaften entstehen zunächst auf individueller Ebene Rechte und Pflichten, die schließlich in fest etablierte und anerkannte Normen, Werte und Moralvorstellungen münden. Alle Bereiche des Lebens sind durchsetzt von diesen sozialen Strukturen, die dann vom Menschen ausgestaltet, gepflegt, aber über die Zeit auch geändert werden. 20 So entwickeln sich innerhalb einer Kultur auch Schönheitsvorstellungen bzw. Tendenzen, die ein normales Äußeres definieren. Griechische Philosophen sahen im Durchschnitt das Ideal, da dieses das perfekte Gleichgewicht repräsentiere. Die Römer hingegen verehrten eher das Außergewöhnliche. In moderneren Zeiten scheiterte Darwin aufgrund der Heterogenität der Kulturen daran, ein repräsentatives Aussehen zu finden, welches das sexuelle Auswahlverhalten erklärt. Bis heute gibt es kein universelles Schönheitsideal, zu heterogen
17 J. E. Biddle u. D. S. Hamersmesh, Beauty, Productivity, and Discrimination: Lawyers’ Looks and Lucre,
Journal of Labor Economics, Vol. 16, Nr. 1, 1998, S. 173.
18 E. Hatfield u. S. Sprecher, Mirror, Mirror…: The Importance of Looks in Everyday Life, Albany, NY: State
University of New York Press, 1986.
19 E. Hatfield u. S. Sprecher (1986), S.4.
20 E. Schlicht, On Custom in the Economy, Clarendon Press, 1998.
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sind die Meinungen darüber, was Schönheit tatsächlich ausmacht. Die einen halten die Augenfarbe für das entscheidende Merkmal, andere sehen in Köperform und Größe wichtigstes Kriterium und wieder andere Völker definieren Schönheit anhand der Sexualorgane. Tabelle 2 zeigt äußerliche Charakteristika, die innerhalb von Kulturkreisen als anerkanntes Gütesiegel für Schönheit gelten.
Anthropologists have ended where they began - able to do no more than point to the dazzling array of characteristics that various people in various places, at various times, have idealized. 21
Ähnlich wie sich Bräuche und Gewohnheiten des Menschen ändern, so bewirkt der Zahn der Zeit einen Wandel des gültigen Schönheitsideals innerhalb einer Kultur. Um dieses sozialpsychologische Phänomen in einen ökonomischen Rahmen zu betten, sei an E. Schlichts Interpretationen in „On Custom in the Economy“ 22 erinnert.
21 E. Hatfield u. S. Sprecher (1986), S.12.
22 E. Schlicht (1998), zur Entwicklung des menschlichen Lernens siehe auch E. Schlicht, Aestheticism in the
Theory of Custom, Journal des Économistes et des Études Humaines, Vol. 10, Nr. 1, 2000, S. 33-51.
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Tabelle 2: Bevorzugte Eigenschaften des Aussehens in verschiedenen Kulturkreisen 23
Schönheit ist eine Erscheinung innerhalb eines spezifischen Kulturrahmens, die ebenso wie Normen und andere soziale Werte einem ständigen, aber trägen Wandel unterliegen. Das Rubens Ideal zum Beispiel entspricht heute kaum noch unseren Vorstellungen von gutem Aussehen, betrachtet man die mageren Mannequins der Pariser oder Mailänder Haute Couture. Auch Hamermesh und Biddle greifen den Gedanken des Wandels wieder auf und stellen die Frage, ob „…standards of attractiveness change slowly enough to allow labormarket decisions related to beauty to be planned for a horizon as long as a person’s expected working life.“ 24
Konservatismus und Konformität hingegen bremsen neue Tendenzen und erklären beispielsweise die unterschiedliche Akzeptanz von plastischer Chirurgie innerhalb
23 Tabelle übersetzt aus: E. Hatfield u. S. Sprecher (1986), S.7.
24 D.S. Hamermesh u. J.E. Biddle, Beauty and the Labor Market, The American Economic Review, Vol. 84, Nr.
5, 1994, S. 1175.
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verschiedener Kulturen. Auf diese Entwicklungen besonders im Hinblick auf das Feld der Schönheitschirurgie wird im praktischen Teil dieser Arbeit eingegangen.
4. Der Wandel des Schönheitsideals im vergangenen Jahrhundert
Trotz der Vielfalt an Kulturen und wider der wissenschaftlichen Hypothese der Nicht-Existenz einer universellen Schönheit, gibt es innerhalb von Kulturen bzw. innerhalb ähnlicher Kulturen durchaus Übereinstimmung hinsichtlich der Attraktivität von Menschen. Westliche Zivilisationen wie etwa Europa und die USA haben in der Regel sehr ähnliche Ansichten, was Schönheitsnormen angeht.
Wie bereits herausgearbeitet sind Standards guten Aussehens nicht statisch, sondern unterliegen - besonders für Frauen - einer konstanten Veränderung. Folgende Zusammenschau verdeutlicht den Wandel seit der 19. Jahrhundertwende:
At the turn of the century, the Gibson Girl was the ideal. She was tall and full-breasted. In the 1920s, the “Flapper” sped into view. Women cut their hair, removed the scarves and other stuffing from their bodices, and began to bind their breasts. (The brassiere was originally invented to hide breasts.) From the 1920s on, ideals of beauty flickered from the movie screens. In the 1950s, the leading Hollywood queen was Marilyn Monroe. She was the sex symbol of the era; once again beauty equaled voluptuousness. In the 1960s, Twiggy brought in the beanpole look, which did not last long. In the 1970s, with Raquel Welch, the shapely, sensuous look with legs returned. What about the 1980s? Today we admire a variety of beauty models. There are the Brooke Shieldses (all-American look), and the Dolly Partons - (with abundance.) Very recently, a new type of ideal has begun to emerge - a more muscular, healthy, functional beauty. Time magazine (Corliss 1982) devoted a cover story to this “New Ideal of Beauty“. Time argued that women are reshaping Americans’ notions of beauty. The new woman is natural - graceful, slim, and far stronger than before. Their bodies are
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streamlined for motion, for purposeful strides across the mall, around the backcourt, and into the board room. Ideals of beauty for women and men may be merging. For men, attractiveness has traditionally been equated with strength, stamina, fitness - all of which allowed men to be more functional. Women are finally joining men in the exercise gym and in corporate chambers. 25
Aus diesem Zitat lässt sich die fortschreitende Emanzipation der Frau herauslesen. Während die typischen Eigenschaften des Mannes über die Zeit relativ konstant geblieben sind, ging der Trend beim weiblichen Geschlecht erst in den letzten Jahrzehnten gezielt in Richtung einer steigenden Funktionalität. Erst durch einen Zugewinn an Stärke, sowohl im physischen wie auch im psychischen Bereich, gelang es dem weiblichen Geschlecht, in Männerdomänen Fuß zu fassen. Wieder lässt sich erkennen, dass Aussehen eine Schlüsselfunktion im beruflichen Fortkommen spielen kann. Ein gutes äußeres Erscheinungsbild geht einher mit Stärke, symbolisiert Selbstbewusstsein und wird im gegenseitigen Umgang honoriert. Inwieweit sich dieses gestiegene Selbstwertgefühl auf eine Stufe stellen lässt, mit gestiegener Produktivität ist jedoch fraglich.
5. Schönheit und Intelligenz
Wer erinnert sich nicht an Szenen aus der Schulzeit, in der jemand aufgrund seines Aussehens besondere Aufmerksamkeit erfuhr, sowohl im positiven wie auch im negativen Sinne. Sicherlich hat ein jeder schon Situationen erlebt, in denen ein Mitschüler von anderen wegen einer körperlichen Auffälligkeit gehänselt wurde. Doch gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Aussehen und Intelligenz?
Contrary to the popular belief that “beauty and brains don’t mix“, there is considerable evidence that parents, teachers, and employers equate “looks” with creativity and intelligence. 26
25 E. Hatfield u. S. Sprecher (1986), S.17-18.
26 E. Hatfield u. S. Sprecher (1986), S. 45.
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Dieser Zusammenhang wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Im Falle des Lehrer-Schüler Verhältnis kommt es zur Diskriminierung, wenn Lehrer die Möglichkeit haben, Noten aufgrund ihres persönlichen Eindrucks zu beeinflussen. Das Umfeld jedes Menschen ist geprägt von Vorurteilen. Verwendet man hingegen standardisierte Leistungstests, so sollte es keine Diskriminierung geben.
Bestehen Vorurteile und Stereotype gerade während der Erziehungsphase, so kann sich eine Kluft zwischen schönen und unattraktiven 27 Kindern entwickeln, die eigentlich gleich intelligent wären. Schöne Kinder werden in der Folge gefördert, wohingegen unterdurchschnittlich aussehende Kinder mit Nachteilen und Vorurteilen zu kämpfen haben. Seit Merton (1948) spricht man hier gerne vom Konzept einer „self-fulfilling prophecy“ 28 . Experimentell wurde diese Hypothese erstmals von Rosenthal und Jacobsen 1968 getestet und seither als Pygmalion Effekt bezeichnet. 29 Die Experimentatoren waren davon überzeugt, dass die Erwartungen der Lehrer an ihre Schüler von entscheidender Bedeutung für die spätere Entwicklung der Schüler seien.
Der Versuch wurde an der Oak Schule durchgeführt. Eine Schule inmitten einer Arbeitergemeinde mit einer großen Anzahl an schwierigen Familienverhältnissen und schwachem Bildungshintergrund. Nun traten Professoren der renommierten Harvard Universität an die Schule mit einem IQ-Test, der angeblich Schüler zwischen erster und fünfter Klasse identifizieren könne, die unentdecktes Leistungspotenzial hätten und somit besonders entwicklungs- und förderungsfähig seien. Tatsächlich wurden schließlich völlig willkürlich 20% der Schüler ausgewählt. In den darauf folgenden Jahren wurde gleicher Test wiederholt und Erstaunliches festgestellt. Der IQ der Auserwählten stieg rasant. Wie konnte das passieren?
Einerseits erfuhren die ausgewählten Schüler besondere Wertschätzung durch ihre Lehrer, andererseits stieg auch die Erwartungshaltung an sie. Somit waren sie selbst bereit, mehr Aufmerksamkeit und Leistungsbereitschaft an den Tag zu legen als die Schüler, die der Zufall nicht auswählte. Der Mensch passt sich an die Erwartungshaltung seines Umfeldes an. Überträgt man dieses Phänomen auf ein Auswahlverfahren zur Vergabe eines Jobs, so ist es nahe liegend, dass bei Übereinstimmung sämtlicher, anderer Qualifikationen eines Bewerbers das Erscheinungsbild das Zünglein an der Waage sein kann. Wie im Anschluss beschriebene Studien belegen, ist es möglich, dass ein Charakteristikum wie z.B. das
27 In der englischsprachigen Literatur ist das Äquivalent zu unattraktiv „ugly“.
28 R.K. Merton, The self-fulfilling prophecy, Antioch Review, 1948, 8, S. 193-210.
29 R. Rosenthal u. J. Jacobsen, Pygmalion in the Classroom, New York: Holt, Reinhart und Winston Inc., 1968.
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Aussehen oder die Körpergröße den Gesamteindruck eines Bewerbers überstrahlt und so Erwartungen und Hoffnungen, die in diesen gesetzt werden, beeinflusst.
6. Self-Fulfilling Prophecy in der Berufswelt
Wie im oben beschriebenen Schüler-Lehrer Versuch, lässt sich das Konzept der Self-Fulfilling Prophecy ebenfalls auf andere Bereiche übertragen. So findet das Prinzip beispielsweise auf Management Ebene Anwendung. Entscheidendes Element bleibt auch hier der Faktor Aufmerksamkeit, der direkt gekoppelt ist mit dem Auftreten und dem Erscheinungsbild einer Person. Führungskräfte sollten gewisse Eigenschaften mitbringen, die es ihnen ermöglichen, Forderungen und Erwartungen glaubhaft zu vermitteln.
Die entscheidende Frage ist hier also, ob - äquivalent zur hohen Erwartungshaltung der Lehrer an die auserwählten Schüler - ein großer Erwartungsdruck an bestimmte Mitarbeiter innerhalb einer Unternehmung genauso positiv wirken kann. In einem Experiment an 100 Luftfahrern wies Schrank 1968 auf einen „labeling effect“ hin 30 . Dieser Schubladeneffekt sorgte dafür, dass sich die Leistungen der Probanden erheblich beeinflussen ließen durch eine willkürliche Gruppenzuteilung. Obwohl diese Selektion bloßer Zufall war, war sie doch von fundamentaler Wichtigkeit für die weitere Entwicklung der Testperson. Im Laufe des Lebens erarbeitet sich der Mensch Wissen, welches er kategorisiert, um sich in Folge an stabilen Regelmäßigkeiten orientieren zu können. Eingebettet in einem sozialen Plan richtet sich das Individuum nach diesen erlernten Mustern. Ein Beispiel einer solchen sozialen Struktur wäre Konformismus, der beschrieben werden kann „…as a force that tries to maintain a pattern that has been perceived in a group.“ 31 Gruppenzugehörigkeit, Selbst-Attribution, Commitment, Rule Preference und Clarity sind weitere Wegweiser, die den sozialen Hintergrund des Menschen in diesem Zusammenhang bestimmen 32 und erklären, warum der Mechanismus der „self-fulfilling prophecy“ in verschiedensten Gesellschaften funktioniert.
Abbildung 2 stellt eine Kausalkette aus fünf Modulen dar, die Konzepte der Management-und Organisationspsychologie veranschaulicht. Repräsentiert durch Pfeil 1 impliziert eine
30 W.R. Schrank, The Labeling effect of abiltiy grouping, Journal of Educational Research, 1968, 62, S. 51-52.
31 E. Schlicht (1998), Kapitel 8, S. 6.
32 Für eine detaillierte Analyse dieser Stichwörter siehe: E. Schlicht (1998).
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hohe Erwartungshaltung bessere Führungseigenschaften. Pfeil 2 richtet sich an die Mitarbeiter, die unterschiedlich behandelt werden. Diese Spezialbehandlung durch den Vorgesetzten fordert und fördert bessere Leistung. Kommunikation dieser erhöhten Forderungshaltung ist hierbei herausragende Eigenschaft der Führungsperson. Zur Erreichung der Zielgrößen wird verstärkt auf variable Vergütungsansätze zurückgegriffen. Direkt gekoppelt an starken Druck durch den Vorgesetzten ist schließlich erhöhte Motivation (Pfeil 3) seitens des Mitarbeiters, was letztendlich zu einem besseren Ergebnis führen soll (Pfeil 4). Eine Rückkopplung (Pfeil 6) erfolgt zwischen den Modulen „Performance“ und „Subordinate Self-Expectancy“: Die Führungskraft erkennt die gestiegene Motivation des Mitarbeiters auf dem Weg zu einem besseren Ergebnis und honoriert diese durch verstärkte Unterstützung.
Dieses einfache Konzept zur Förderung der Leistungsbereitschaft scheint einleuchtend, hat jedoch einen Haken. Nicht alle Mitarbeiter erfahren das Schicksal dieser besonderen Erwartungshaltung. Es taucht die Frage auf, wonach wird entschieden, wer zu dieser Gruppe gehören darf. Im wahren Leben wird nicht willkürlich entschieden, folglich muss es Faktoren geben, die diese Entscheidungen herbeiführen.
33 Grafik aus D. Eden, Self-Fulfilling Prophecy as a Management Tool: Harnessing Pygmalion, Academy of
Management Review, 1984, Vol. 9, Nr. 1, S. 67.
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Schauen wir uns einmal ein typisches Anforderungsprofil einer aktuellen Stellenanzeige an. Abbildung 3 zeigt ein solches und listet neben üblichen, notwendigen Qualifikationen (Hard Facts) auch andere geforderte Kompetenzen auf (Soft Facts). Sogar in der IT-Branche, von der man annehmen könnte, dass das Aussehen eher von untergeordneter Priorität ist, steht ein gepflegtes und sicheres Auftreten im Anforderungsprofil. Dieser Umstand gibt den Hinweis, dass bei identischen Hard Facts bessere Soft Facts den Ausschlag für beruflichen Erfolg geben können. So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch die Forschung der Ökonomie immer mehr Themen widmet, die sich auf das äußere Erscheinungsbild fokussieren. 34
Abbildung 3 - Anforderungsprofil an einen Hochschulabsolventen in der IT-Branche 35
7. Ein klassisches ökonomisches Modell statistischer Diskriminierung
I. Das ökonometrische Modell
Joseph G. Altonji und Charles R. Pierret wählen in ihrer Arbeit „Employer Learning and Statistical Discrimination“ 36 ein typisches Einstiegsszenario: Ein Arbeitgeber muss sich mit nur begrenzten Informationen für einen Bewerber entscheiden. Es tritt zwangsläufig die Frage auf, ob sich der Arbeitgeber aufgrund einfach zu beobachtender Merkmale wie Bildung und Rasse dazu verleiten lässt, auf die Fähigkeiten des Bewerbers zu schließen. Und inwieweit ändert sich im Laufe des Berufslebens die Wichtigkeit dieser Faktoren, wenn der Arbeitgeber mehr und mehr spezifisches Wissen über seine Arbeitnehmer kumuliert.
34 Im Laufe dieser Arbeit wird noch explizit auf Charakteristika wie Größe, Gewicht und Schönheit eingegangen.
35 Das Anforderungsprofil wurde entnommen aus einer aktuellen Stellenanzeige vom 09.07.2008.
36 J.G. Altonji u. C.R. Pierret, Employer Learning and Statistical Discrimination, The Quarterly Journal of
Economics, Vol. 116, Nr. 1, 2001, S. 313-350.
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Die Arbeit liefert einen Ansatz, um zu testen, ob Firmen auf Basis der verfügbaren Informationen zu Bildung und Rasse statistisch diskriminieren. Durch Hinzunehmen weiterer restriktiver Annahmen soll das ökonometrische Modell weiterhin den Trade Off zwischen beobachtbaren und unbeobachtbaren Merkmalen während des Berufslebens aus Sicht des Arbeitgebers erklären.
Hierbei wird die Annahme gemacht, dass beobachtbare Variablen direkt mit der Produktivität korrelieren. 37 Es wird also versucht, einen Teil der Diskriminierung auf statistische Gründe zurückzuführen. Dies gibt uns den Hinweis, wie groß die Lücke ist, die durch unbeobachtbare Faktoren wie z.B. das Aussehen entsteht. Aufbauend auf das Modell von Farber und Gibbons (1996) 38 sei it y der Log der
Arbeitsmarktproduktivität eines Arbeiters i mit i t Jahren an Berufserfahrung: ( ) η α 1 + + Λ + + = t H z q rs y (1) .
i i i i i it s beschreibt Variablen, die Die Produktivität wird demnach in vier Kategorien unterteilt: i
q beinhaltet sowohl vom Arbeitgeber wie auch vom Ökonometriker beobachtbar sind; i Variablen, die lediglich vom Arbeitgeber beobachtet werden, nicht jedoch vom z beinhaltet Korrelationen der Ökonometriker beobachtet (oder verwendet) werden; i
Produktivität, die nicht direkt vom Arbeitgeber beobachtbar sind, dem Ökonometriker aber vorliegen (so z.B. Ergebnisse des AFQ-Tests 39 ) ; i η ist ein Index anderer Determinanten der
Produktivität, die von keiner der Parteien direkt beobachtbar sind. Durch Standardisierung ( ) z werden alle Elemente des Vektors Λ positiv. t H von beschreibt ein
i i
Berufserfahrungsprofil der Produktivität, von dem angenommen wird, dass es unabhängig η ist. s , i z , i q und i von den Variablen i
Das Subskript i kann in Folge vernachlässigt werden.
Da z und η den Firmen nicht bekannt sind, bilden sie die bedingten Erwartungswerte ( ) E , und ( )
η , von welchen angenommen wird, dass sie linear in q uns s sind. q s z q s E ,
Folglich gilt,
37 J.G. Altonji u. C.R. Pierret (2001), S. 314.
38 H. Farber u. R. Gibbons, Learning and Wage Dynamics, Quarterly Journal of Economics, CXI, 1996, S. 1007-
1047.
39 z wird in diesem Modell durch Daten des Armed Forces Qualification Tests (AFQT) befüllt. Es handelt sich
hierbei um einen Test, der die Einstufung der Bewerber des Militärs ermöglichen soll. Getestet werden:
Wortschatz, Auffassungsgabe, logisches Denken und mathematisches Wissen. Für weitere Informationen siehe
u.a.: http://www.kaptest.com/Military/ASVAB/Learn-ASVAB/ML_afqt_testoverview.html, aufgerufen am
09.08.2008.
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Arbeit zitieren:
Thomas Weingartner, 2008, Appearance Discrimination, München, GRIN Verlag GmbH
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