INHALTSVERZEICHNIS
I. EINLEITUNG 3
II. ALLE MENSCHEN SIND VON NATUR AUS UNGLEICH 4
1. BETEILIGUNGSMÖGLICHKEITEN VON FRAUEN AM ÖFFENTLICHEN GEISTESLEBEN BIS ZUR AUFKLÄRUNG 4
2. DIE VERBANNUNG ALLES „WEIBLICHEN“ AUS DER WISSENSCHAFT 5
3. DIE FORDERUNG NACH „NATÜRLICHEN“ RECHTEN. 6
UND DIE ANTWORT DER WISSENSCHAFT MIT „NATÜRLICHER“ UNGLEICHHEIT. 7
4. DIE ANALOGIE VON RASSE UND GESCHLECHT 8
5. EINE ANTWORT AUF VIELE PROBLEME: DIE THEORIE VON DER GESCHLECHTERPOLARITÄT 10
6. WIDERSPRÜCHLICHKEITEN 12
7. DIE FOLGEN DER „NATÜRLICHEN“ UNGLEICHHEIT FÜR FRAUEN. 13
III. SCHLUSSBETRACHTUNG: DIE AMBIVALENZ DER WISSENSCHAFT. 15
IV. LITERATURVERZEICHNIS 16
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I. EINLEITUNG
Nachdem ich mir einen Forschungsüberblick über das Thema Rasse und Geschlecht verschafft hatte, stellte ich fest, daß wenig Literatur vorhanden ist, die beide Aspekte miteinander in Beziehung setzt.
Ausgehend von dem Standardwerk Londa Schiebingers „Am Busen der Natur“ boten sich doch einige Möglichkeiten der Auswahl weiterführender Literatur, und so fokussierte ich meinen Themenbereich insofern, als ich weiße Frauen im Vergleich mit weißen und schwarzen Männern in den Mittelpunkt meiner Arbeit stellte.
Wie „exotisch“ waren Frauen in der Frühen Neuzeit? Mit dieser Frage versuche ich mich in dieser Proseminar-Arbeit auseinanderzusetzen, indem ich die Rolle der weißen Frauen als „Exotinnen“ in der Wissenschaft betrachte und genauer auf biologische und soziale Ausschließungsgründe durch männliche Wissenschaftler eingehe. Zunächst soll aufgezeigt werden, daß Frauen bis ins 18. Jahrhundert hinein in der Wissenschaft tätig waren. Anschließend werden die Faktoren genannt, die dazu beitrugen, Frauen ebenso wie „das Weibliche“ aus der Wissenschaft auszugrenzen. Weiters wird deutlich gemacht, wie „Gleichheit“ und „Differenz“ als Ein- und Ausschlußkriterien instrumentalisiert wurden. Danach wird gezeigt, wie weiße Männer der sozialen Oberschichten sich selbst zur Norm erhoben und Unterschiede sowohl zu weißen Frauen als auch zu schwarzen Männern in den Körpern festzumachen versuchten. Zudem wird dargelegt, wie wirkmächtig eine Theorie sein konnte, die von scheinbar naturgegebenen körperlichen Eigenschaften auf geistige und soziale Kompetenzbereiche schloss. Außerdem wird klar gemacht, wie widersprüchlich die Argumentationen der Gleichheitsgegner in sich waren. Nicht zuletzt wird offenkundig gemacht, welche Auswirkungen eine ausschließlich von weißen Männern betriebene Wissenschaft zeitigte.
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II. ALLE MENSCHEN SIND VON NATUR AUS UNGLEICH
1. Beteiligungsmöglichkeiten von Frauen am öffentlichen Geistesleben bis zur Aufklärung
Obwohl historisch gesehen Frauen im Allgemeinen von den klassischen Bildungseinrichtungen ausgeschlossen waren, erwiesen sich manche Epochen als günstiger für deren Beteiligung an Studien. So konnten zum Beispiel zwischen dem 6. und 12. Jahrhundert, als die Kirche das Monopol für Bildung und Erziehung besaß, Männer und Frauen gleichermaßen auf diese Weise zu Macht gelangen. Die mittelalterlichen Universitäten, die ab dem 12. Jahrhundert aufblühten, standen jedoch - mit Ausnahme Italiens - von Anfang an nur für Männer offen. Sie wirkten im Gegensatz zu den Klöstern berufsbildend und ermöglichten den Männern Karrieren, die Frauen nie erreichen konnten. 1 Die humanistische Bildung des 15. und 16. Jahrhunderts erhielt sich wiederum für einige adelige Frauen bis ins 17. Jahrhundert als Frauenideal. So wurde zum Beispiel Anna Maria van Schurmann durch ihre keusche Gelehrsamkeit auch von Männern bewundert, da sie durch ihre Enthaltsamkeit „weibliche Mängel“ überwand und sozusagen männlich wurde. 2
Die moderne Wissenschaft entstand - außerhalb der mittelalterlichen Universitäten - im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts in gesellschaftlichen Einrichtungen wie Fürstenhöfen, privaten Salons und Handwerkerorganisationen. Die Beteiligung von Frauen an der wissenschaftlichen Betätigung hing von ihrer Stellung im sozialen Gefüge ab, 3 und Frauen von Stand wurden ermutigt, sich u. a. mit Naturphilosophie, Mathematik, Physik und Chemie zu beschäftigen. Die Adelsfrauen machten ausgiebig von dieser historischen Chance Gebrauch 4 und verschafften sich z. B. wie die adelige Physikerin Emilie du Châtelet Zugang zu Gelehrtenkreisen, was dieser durch die Unterstützung ihres langjährigen Freundes Voltaire gelang, der rangniedriger, aber wissenschaftlich profilierter war. 5 Nebenbei fungierten viele gesellschaftlich hochstehende Frauen in den ausschließlich von ihnen geführten Pariser Salons als erfolgreiche Mäzeninnen junger Männer und konnten sich zugleich am dort stattfindenden literarischen Diskurs beteiligen. 6 Einschränkend muß hinzugefügt werden, daß das „Spiel des
1 Vgl. Schiebinger, Londa: Schöne Geister. Frauen in den Anfängen der modernen Wissenschaft. A. d. Engl. v. Susanne Lüdemann u. Ute Spengler. Stuttgart 1993 (englisch 1989), S 21, 31-34.
2 Vgl. Anderson, Bonnie S. u. Judith P. Zinsser: Eine eigene Geschichte. Frauen in Europa. Bd. 2: Aufbruch. Vom Absolutismus zur Gegenwart. A. d. Engl. von Pia Holenstein Weidmann. Frankfurt/Main 1995, S 101-108.
3 Vgl. Schiebinger: Geister, S 15-37.
4 Vgl. Schiebinger: Geister, S 66-75.
5 Vgl. Schiebinger: Geister, S 103.
6 Vgl. Schiebinger: Geister, S 55-57; Wunder, Heide: Er ist die Sonn’, sie ist der Mond. Frauen in der Frühen Neuzeit. München 1992, S 254.
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Geistes“ als Unterhaltung galt, die „weibliche“ Tugenden fördern sollte, und Frauen im Allgemeinen nur die untergeordnete Rolle des Fragenstellers spielten. Zum andern aber waren viele Frauen Amateurinnen, die selbst nie die Möglichkeit hatten, am offiziellen Wissenschaftsbetrieb teilzunehmen. 7 Ebensowenig durften deutsche Frauen des
Handwerkermilieus ein städtisches Amt betreiben. Doch die Gildenzugehörigkeit brachte vielen von ihnen beschränkte Bürgerrechte, und aufgrund ihrer gewerblichen Tätigkeit konnten sie vor allem in den Beobachtungswissenschaften - wie Astronomie und Entomologie - forschen. Eine dieser frühen Naturforscherinnen war Maria Sibylla Merian, die ihre geschäftlichen und wissenschaftlichen Interessen eigenständig vertrat, junge Frauen ausbildete und technische Experimente anstellte. Sie reiste 1699 in die holländische Kolonie Surinam, wo sie die regionalen Insekten und Pflanzen studierte. Mit ihren noch heute anerkannten Schriften stellte sie die europäische Insektenkunde auf eine breitere empirische Basis. 8 Als Könige im 17. Jahrhundert die bedeutendsten europäischen Akademien gründeten, ging die Wissenschaft von den Höfen an diese staatlichen Institutionen über und wurde zum Beruf. Schiebinger weist darauf hin, daß durch dieses neu entstandene soziale und politische Prestige Frauen der Zugang verwehrt war, und obwohl keine einzige europäische Akademie die Aufnahme von Frauen in ihren Statuten ausdrücklich verbot, blieben sie - außer in Italienbis zur Mitte des 20. Jahrhunderts von der vollen Mitgliedschaft ausgeschlossen. Als eine bemerkenswerte Ausnahme kann hier Maria Winkelmann-Kirch erwähnt werden, die dank ihrer Heirat zur Hilfsastronomin der Berliner Akademie der Wissenschaften aufsteigen konnte. 9
2. Die Verbannung alles „Weiblichen“ aus der Wissenschaft
Obwohl ihnen der Zugang zu Universitäten und Akademien verschlossen blieb, konnten europäische Frauen in der frühen Neuzeit durch die Netzwerke des Adels und durch die gewerbliche Tätigkeit im öffentlichen Geistesleben eine feste, wenn auch eingeschränkte Stellung behaupten. Nachdem die alte Ordnung zusammengebrochen und das Zunftwesen sowie die Vorrechte des Adels aufgehoben waren und die Wissenschaft sich vom privaten Bereich in die öffentliche Sphäre verschob, verringerte sich der Einflußbereich von Frauen dramatisch. Zugleich trug die neue empirische Wissenschaft zum Untergang der weiblichen Allegorie der Scientia bei, die als Führerin zur Wahrheit gegolten hatte. Daneben forderte der
7 Vgl. Schiebinger, Londa: Am Busen der Natur. Erkenntnis und Geschlecht in den Anfängen der Wissenschaft. A. d. Engl. v. Margit Bergner und Monika Noll. Stuttgart 1995, S 284; Schiebinger: Geister, S 39f, 57, 70.
8 Vgl. Schiebinger: Geister, S 104-123; Schiebinger: Natur, S 285-287; Anderson/Zinsser: Frauen, S 105.
9 Vgl. Schiebinger: Geister, S 40-49, 128-148.
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Arbeit zitieren:
Marion Luger, 2000, Wie exotisch waren Frauen in der Frühen Neuzeit?, München, GRIN Verlag GmbH
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