Institut für Erziehungswissenschaften,
Universität Innsbruck
SS 2006
Sexueller Missbrauch
Verfasserin: Sigrid Lang
Vorgelegt im Rahmen der Lehrveranstaltung ,,Sexueller Kindesmissbrauch ein
modernes Faszinationsphänomen" PS 2
Terlan, 05.01.2007
Inhaltsverzeichnis
1 Sexueller Missbrauch und Inzest 2
1.1 Definitionen 2
1.2 Häufigkeit 3
2 Soziales Milieu 4
3 Prädisposition 5
4 Familie 6
4.1 Täter 7
4.2 Opfer 8
4.3 Mutter 10
5 Schluss 12
Literaturverzeichnis 14
1
1 Sexueller Missbrauch und Inzest
Seit in der westlichen Welt immer offener über Sexualität gesprochen wird, rückt auch das Thema sexueller Missbrauch immer mehr in die Öffentlichkeit. Das Tabu wurde gebrochen, Mädchen, Frauen und auch einige Jungs sprechen darüber oder erstatten Anzeige. In den Medien wird jeder Fall sorgfältig ausgebreitet und den Zuschauern vor Augen geführt, wie viele perverse Menschen es gibt. Zu Hause sitzen die angeekelten Konsumenten und haben Angst um ihre eigenen Kinder. Die Menschen bekommen das Gefühl, dass sexueller Missbrauch immer häufiger wird, dass es überall passieren kann und jedes Kind ständig in Gefahr schwebt. Immer scheint eine regelrechte Missbrauchspanik um sich zu greifen. Der Begriff ,,sexueller Missbrauch" gilt als Unwort, obwohl die wenigsten genau darüber Bescheid wissen. Auch wenn auch ich am liebsten jeden sexuellen Missbrauch verhindern möchte, bezweifle ich, ob Panik die richtige Methode dazu ist. Um gezielte und effektive Maßnahmen zu treffen, müssen allerdings zuvor einige al gemeine Dinge geklärt werden.
1.1 Definitionen
Meistens hören wir den Begriff sexueller Missbrauch, oder auch sexuelle Kindesmisshandlung, Inzest oder Vergewaltigung. Reinhardt Wolff definiert sexuellen Missbrauch als eine Art der Misshandlung in Form von Belästigung, Masturbation, oralen, analen, genitalen Verkehr oder Nötigung oder Vergewaltigung, die unter Ausnutzung einer Machtposition zwischen einem Erwachsenen mit einem Kind zustande kommt. Er unterscheidet zwischen Vorformen der sexuellen Kindesmisshandlung und Formen sexueller Misshandlung.
Als Vorformen bezeichnet er sexuelle Anmache eines Kindes, Exhibitionismus und Voyerismus. Zu den Formen der Misshandlung zählen Berühren des Kindes oder Verlangen nach Berührungen durch das Kind, orale-genitale sexuelle Handlungen, interfemoraler Verkehr, ohne Penetration, sexuelle Penetration und sexuelle Ausbeutung durch Pornographie und Prostitution. Gleichzeitig drückt er mit diesen Kategorien den Grad der Traumatisierung aus. Während die Vorformen nur eine geringe oder gar keine Traumatisierung zur Folge haben, wird es bei den Formen immer schlimmer, je weiter man nach unten geht. Die sexuelle Ausbeutung führt also zur schlimmsten Traumatisierung. (vgl. 1994, S. 81)
2
Maisch nennt auch die verschiedenen sozialen Beziehungen zwischen Täter und Opfer. Am häufigsten kommt die Konstellation Vater bzw. Stiefvater und Tochter bzw. Stieftochter vor, doch auch Vater und Sohn, Mutter und Sohn, Mutter und Tochter, Großvater und Enkelin, Onkel und Nichte oder Bruder und Schwester kommen vor. Er unterscheidet zwischen nichtgenitalen sexuellen Kontaktformen, oral-genitalen, Masturbation, Schenkelverkehr und Koitus. (vgl. 1968, S. 67/71)
Josephine Rijnaarts spricht von sexuellen Kontakten jeglicher Art älterer und erwachsener Familienmitglieder mit einem Kind unter sechzehn Jahren gegen
seinen Willen, meistens über einen längeren Zeitraum. (vgl. 1988, S. 20) Damit fasst sie mehr oder weniger alle anderen Definitionen zusammen.
1.2 Häufigkeit
Über die Häufigkeit von sexuellem Missbrauch wird heftig diskutiert. Es lässt sich nur spekulieren ob die vermehrten Anzeigen in den letzten Jahren wirklich auf zunehmendes Vorkommen hindeuten oder nur eine Folge des Tabubruchs sind und außerdem weiß niemand, wie viele Taten nicht angezeigt werden. Laut einer Befragung in Deutschland berichteten fünf bis acht Prozent der Frauen in den alten Bundesländern und zwei bis sechs Prozent in den neuen von Missbrauchserfahrungen mit Körperkontakt bis zu ihrem 14. Lebensjahr.
Bei den Männern sind es 1,4 bis 3,5 % bzw. 0,5 bis 2,5 %. (vgl. Wolff 1994, S. 85) 1983 interviewte Russel 930 Frauen in San Francisco. 16 % gaben bis zu ihrem 18. Lebensjahr innerhalb der Familie sexuell missbraucht oder belästigt worden zu sein. 54 % wurden es, wenn außerfamiliäre Fälle dazu genommen wurden und die Definition erweitert wurde, z.B. auch exhibitionistische Handlungen einbezogen wurden. 12 % gaben Missbrauch vor dem 14. Lebensjahr an, mit der erweiterten Definition waren es 48 %. Laut einer Kriminalstatistik wurden 1981 in Deutschland 2284 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gemeldet. 12146 Fälle waren sexueller Missbrauch von Kindern, 10888 Fälle exhibitionistische Handlungen und 6925 bzw. 3579 Fälle betrafen Vergewaltigung bzw. sexuelle Nötigung.
Interessant ist die Studie von Baurmann von 1983. Er untersuchte die gemeldeten Straftaten von 1969 bis 1972. Davon wurden nur 6,2 % von völlig Fremden begangen, 25,4 % von Vätern, Stiefvätern und anderen in der Wohnung lebenden Männern. 11,4 % der Täter waren enge Freunde der Familie und Verwandte, 34,1 %
3
Arbeit zitieren:
Sigrid Lang, 2007, Sexueller Missbrauch, München, GRIN Verlag GmbH
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