Zu:
I. Formales
1. Einordnung: Sonettzyklus- literaturhistorischer Kontext
Das 18. Sonett von Shakespeare gehört zu einem insgesamt 154 Sonette umfassenden Zyklus. Die Abfolge der einzelnen Gedichte ist nicht gesichert und immer noch Gegenstand einer Diskussion.
Entstanden ist dieses Gedicht nach bestimmter Einschätzung zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Von den verschiedenen Motivgruppen ist es derjenigen zuzuordnen, welche die Vergänglichkeit der Dinge im Gegensatz zum Idealen behandelt, welches in der Lyrik aufzubewahren versucht wird.
Die Tradition der Sonettdichtung hatte sich ausgehend vom Petrarkismus in weiten Teilen Europas verbreitet, so auch in England. Shakespeare entwirft einen eigenständigen Zyklus (keine Nachdichtung o.ä.), welcher bestimmte Elemente in seinen englischen Vorgängern findet (dazu später).
2. grober formaler Aufbau (Sonett, Struktur, Reim) -> Funktion
Das Gedicht besteht aus 14 Zeilen. Auf den ersten Blick ist eine Anordnung von 12 plus zwei Zeilen zu erkennen. Bereits dies weist auf eine Sonettform englischer Provenienz hin Der erste grob gegliederte Teil (Z.1-12) weist wiederum eine Dreiteilung auf, welche durch das Reimschema bedingt ist. Es handelt sich hierbei um einen Kreuzreim. Der Reim jeweils eines Paares wird nicht wiederholt, was in der damaligen Tradition auf Grund der mangelnden sprachlichen Möglichkeiten eher unüblich war (im Gegensatz zum an Reimen reichen romanischen Sprachraum).
Das Gedicht schließt in einem couplet, welches eine Konklusion des vorher ausgeführten Gedankens darstellt.
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3. Metrum, Rhythmus
Das Metrum des jeweiligen Verses besteht aus jeweils zehn Silben, wobei auf jeder zweiten einer Betonung liegt.
Der natürliche Sprechrhythmus weist typische Abweichungen auf, so etwa in den Zeilen 1,
3, 5 am Beginn der Zeile, welche mit einer Hebung einsetzt und das Metrum variiert, so auch in Zeile 7 (“sometime“). Im Gegensatz dazu werden einige Wörter in ihrer eigentlichen Schreibweise gebeugt (Elision), um sie dem Metrum anzupassen (Z. 6,8 u. 10, 12, jeweils am Ende).
Die Beugungen tragen eher den Charakter der sprachlichen Notwendigkeit und dienen meiner Meinung nach in hohem Maße der Sprechmelodie und weniger der Unterstreichung einer gewissen Bedeutung.
Es gibt keine Enjambements im engeren Sinne. Es werden zwar inhaltlich zusammengehörige Sätze auf verschiedene Verse aufgeteilt, jedoch findet die Trennung an Stellen des jeweiligen Satzes statt, der ohnehin einen syntaktischen Umbruch aufweist (Nebensatz).
II. Inhaltlicher Aufbau
1. Gedankenführung
Das Gedicht setzt ein mit einer an einen Adressaten gerichteten (rhetorischen) Frage, welche erklärend in der zweiten paraphrasiert wird, wobei ein Vergleich des angesprochenen (Apostrophe) mit einem Sommertag ausgeschlossen wird, da jener diesen übertrifft (Z.2: “more lovely and more temperate“).
Dieser Umstand wird fortgeführt in Z. 3-8 , welche die Unzulänglichkeiten der Natur darstellt, die gleichsam als bloßes Abbild des Idealen geschildert wird: es herrschen das Leben bedrohende “rough winds“ (Z. 3), der Sommer ist oft zu kurz (Z. 4) , die Sonne manchmal zu heiß (Z. 5), das Licht des Sommers hat den Charakter eines Abglanzes (Z. 6). Dieser Gedanke wird im zweiten Sinnabschnitt (Z. 7/ 8) dieses Teiles (Z. 3-8) auf den Punkt gebracht, wenn gesagt wird, dass das Schöne manchmal vom Schönen durch Fügung und dem Wechsel der Natur getrennt wird (“And every fair from fair sometimes declines/ By chance or nature´ s changing course untrimm´ d“).
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Christian Herzig, 2002, Analyse des 18. Gedichts aus Shakespeares Sonnetzyklus, Munich, GRIN Publishing GmbH
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