Gliederung Seite
1. Einleitung 3
2. Politischer und wirtschaftlicher Hintergrund 3
3. Die sozialistische Stadt 5
3.1. Das Aufbaugesetz und die 16 Grundsätze des Städtebaus 5
3.2. Institutionen 8
3.3. Wie sahen sie aus - Beispiele sozialistischen Städtebaus 9
3.3.1. Die russische Stadt - Vom Beginn der Revolution bis zum „Neuen Kurs“ 9
3.3.2. Die sozialistische Stadt der DDR 11
4. Resümee 14
5. Literaturnachweis 15
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1. Einleitung
Ich möchte meine Hausarbeit zum Thema „ Die sozialistische Stadt“ mit einem Zitat aus einem DDR Schulbuch eröffnen.
„In allen sozialistischen Ländern unternehmen die Werktätigen große Anstrengungen, um die Territorien, in denen sie arbeiten, wohnen, sich qualifizieren und erholen, immer besser entsprechend ihren wachsenden Bedürfnissen zu entwickeln [...]. So werden zum Beispiel bestehende Betriebe modernisiert, neue Betriebe gebaut und das Verkehrsnetz vervollkommnet. Modern gestaltete neue Wohngebiete mit komfortablen Wohnungen prägen immer stärker den Anblick vieler Städte und Dörfer. Aber auch alte Stadtzentren werden restauriert und kulturelle Einrichtungen geschaffen oder ausgebaut [...]. Das alles dient der weiteren Erhöhung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus der Völker der sozialistischen Staaten, und erfolgt unter Berücksichtigung der jeweiligen ökonomischen Möglichkeiten“ (Hausarbeiten/Referate.de).
Doch nach welchem Leitbild wurden die Städte geplant und gebaut? Wie sahen sozialistisches Wohnen, Arbeiten, Erholen und die Städte aus, in denen die Arbeiterklasse den „Kampf um den Sozialismus“ (May, 1999, S.31) austragen sollte? All diese Fragen werden im Verlauf dieser Ausarbeitung zu beantworten sein und am Ende wird man sehen, dass die sozialistische Stadt ein eigener Stadttyp ist, der mehr zu bieten hat als triste Plattenbauten und verfallene, monotone Innenstädte. Es wird ersichtlich, dass hinter dem Ganzen eine Idee, ein Plan steckt, welcher ökonomisch rational gewesen ist. Bei der Betrachtung der sozialistischen Stadtstruktur werden vornämlich Städte der DDR näher beleuchtet und die sowjetische Stadt, als „Großvater“ und Vorbild der sozialistischen Stadt vergleichend heran gezogen.
2. Politischer und wirtschaftlicher Hintergrund
Um die Entstehungsgeschichte des sozialistischen Stadttyps auf Deutschem Boden zu verstehen, muss man sich den politischen Hintergrund und die wirtschaftlichen Voraussetzungen auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der späteren DDR ansehen.
Der politische Hintergrund ist in sofern wichtig, um zu verstehen welche Ideologie dem Städtebau in den sozialistischen Ländern zugrunde liegt.
Den wirtschaftlichen Aspekt muss man beachten, da die DDR-Wirtschaft als Mangelwirtschaft anzusehen war und es somit wichtig ist, zu sehen wie und was für Lösungen die Wirtschaft und der Staat bereit hielten, um trotz Mangel an Bau- und Rohstoffen die Planvorgaben für den Wohnungs- und Städtebau einzuhalten (vgl. Durth, W.; Duwal, J.; Gutschow, N.,1999.).
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Im Verlauf der Stadtentwicklung wird zusehends deutlicher, dass der Mangel an Baustoffen die Architekten und Stadtplaner immer mehr bei ihren planerischen Tätigkeiten einschränkte und es somit zu einer immer weiter fortgeschrittenen Industrialisierung des staatlich gelenkten Wohnungsbaus kommt. Dies ist einer der Gründe warum in sozialistischen Städten die Plattenbauweise vorherrschend war bzw. ist (vgl. May, 1999).
Mit der Gründung der SED wurden im April 1946 die politischen Grundlagen und Ziele ihrer Politik öffentlich dargelegt. Erstes Ziel war „Die Eroberung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse“ (May,1999,S.31) sicherzustellen. Gleichzeitig wurde „die Befreiung von jeder Ausbeutung und Unterdrückung, von Wirtschaftskrisen, Armut, Arbeitslosigkeit und imperialistischer Kriegsdrohung“ (May,1999,S.31) angekündigt. Laut Ruth May (1999) definiert sich die SED in ihrem Statut als „die politische Organisation der deutschen Arbeiterklasse und aller Werktätigen“ (S.31). Somit wird der Führungsanspruch der Partei sichtbar, welcher im ersten Jahrzehnt der DDR langsam alle Strukturen gesellschaftlichen Lebens infiltriert. Der Wohnungsbau blieb davon nicht verschont.
Im Juli 1952 wurde der Aufbau eines Sozialismus in der DDR nach sowjetischen Vorbild, durch das Zentralkomitee der SED, beschlossen. Von da an wurde versucht, das neue Selbstwertgefühl und die staatliche Eigenständigkeit nach außen hin zu zeigen. Somit wurde Repräsentation und Prestige immer wichtiger. Dies schlug sich einerseits auf die Wirtschaft nieder. Andererseits wurde der Städtebau dazu entdeckt, um die Errungenschaften des noch jungen sozialistischen Staates der westlichen Welt zu präsentieren (vgl. May,1999). Die verschärfte sozialistische Prägung des Städtebaus der DDR bekam erstmals mit dem von der Volkskammer 1950 verabschiedeten „Aufbaugesetz“ (May,1999,S.81) und der 1951 erarbeiteten „sechzehn Grundsätze des Städtebaus“ (May,1999,S.91/92) eine planerische Basis. Beides legte fest, wie eine sozialistische Stadt auf deutschen Boden auszusehen habe.
Im Punkt 3.1. werde ich noch ausführlich das „Aufbaugesetz“ und die „sechzehn Grundsätze des Städtebaus“ benennen.
Die wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen in der SBZ waren nach dem Krieg für die gesamte Wirtschaft sowie für den Wohnungsbau alles andere als günstig, um der Bevölkerung ein angenehmes Lebensumfeld zu schaffen. Als erste Maßnahme wurde somit der Wiederaufbau der Städte und der Industrie veranlasst. Ungefähr „40% der Industriekapazitäten im Gebiet der SBZ waren [...] zerstört“ und die „Transportkapazitäten auf weniger als die Hälfte reduziert“ (May, 1999, S.33).
Weiterhin bereitete die Tatsache, dass die SBZ von den wichtigen Rohstoffquellen im Westen (Ruhrgebiet) und im Osten (Oberschlesisches Industriegebiet) abgeschnitten war enorme Schwierigkeiten.
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Der Schwierigkeiten zum Trotz begann schon kurz nach der „Stunde Null“ der Wiederaufbau der Städte auf dem Gebiet der SBZ und späteren DDR. So gab es „...in den ersten Jahren unterschiedliche Ansätze und Ideen für den Wiederaufbau[...]. Die Städte planten und verwarfen nach je eigenen Vorstellungen und Traditionen und auf Grundlage einer anfangs weitgehenden Autonomie der kommunalen Selbstverwaltung. Es gab pragmatische Anforderungen, die Städte mussten für Unterkünfte sorgen, Trümmerräumung und Instandsetzung betreiben, daneben entstanden die Planungen für den Aufbau“ (May, 1999, S.81).
3. Die sozialistische Stadt
„Ich fahre durch seltsame, ungewohnte Straßen, die eher an Charkow als an eine deutsche Stadt erinnern. Es ist drei Uhr Mittags - aber ich sehe kaum einen Menschen. Erst im Stadtzentrum begegne ich jemanden: Frauen in Schwesterntracht mit vielen Kindern. Eine von ihnen gibt mir die Erklärung für das menschenleere Stadtbild. „Um diese Zeit sind alle im Werk. Nur wir sind da, wir betreuen tagsüber die Kinder.“
Ist das noch Deutschland? Schichtwechsel - auf einmal sind die Straßen belebt von vielen Menschen. [...] Dennoch ich habe das Gefühl in einem fremden Land zu sein: massige Häuserblocks im sowjetischen Stil, die eher Regierungsgebäuden oder Versicherungspalästen als Wohnstätten gleichen. Sie sind hell und groß, aber wie eintönig! 500 Häuser, genormt, eines wie das andere, keine Straße mit „eigenem Gesicht“. Und die Menschen, die stolz in ihnen wohnen? Beginnt hier die große Umwandlung der Einzelwesen in „Kollektiv - Glieder“, etwas wo gegen sich die westliche Freiheitsidee wehrt, wovon der Osten aber das Heil erwartet?“ (Quick, 1955, In: May, 1999, S.9)
3.1. Das Aufbaugesetz und die 16 Grundsätze des Städtebaus
Wie in dem Zitat von Hilmar Papels beschrieben, muss es vielen Besuchern aus der BRD ergangen sein, wenn sie die Städte der DDR besucht haben. Das Zitat beschreibt die Stadt Eisenhüttenstadt, welche als erste neue sozialistische Stadt auf deutschem Boden entstand. Doch wie kam es, dass eine Stadt solch ein Erscheinungsbild aufweisen kann, welches so anders, so monoton sein soll, wie es der Verfasser des Auszuges beschrieb? Diese Frage lässt sich beantworten, indem man sich die gesetzliche und planerische Basis des DDR- Städtebaus anschaut.
Als Grundlage für den Städtebau der DDR diente das im September 1950 beschlossene „Aufbaugesetz“ und die im Juli 1951 beschlossenen „16 Grundsätze des Städtebaus“, in denen beschrieben steht, wie und nach welchen Kriterien eine Stadt der DDR auszusehen hat (vgl. May,1999).
Das „Aufbaugesetz“ schreibt in den §1, 4 und 7 „den planmäßigen Aufbau der Städte, der vom Ministerium für Aufbau angeleitet, gelenkt und überwacht werden soll, und generell eine
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Arbeit zitieren:
Markus Jungmann, 2003, Die sozialistische Stadt, München, GRIN Verlag GmbH
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