Inhaltsverzeichnis
Über diese Ausarbeitung 3
1 Naive versus wissenschaftliche Beobachtung 3
2 Teilnehmende Beobachtung aus qualitativer Sicht 5
3 Beobachtungsformen im Überblick. 7
4 Güte der teilnehmenden Beobachtung. 8
4.1 Qualitätskriterien. 8
4.2 (Un-)Strukturiertheit - Wissenschaftlichkeit 10
5 Allgemeine Restriktionen der Beobachtung an sich. 12
6 Methodologische Eigenschaften der teilnehmenden Beobachtung 14
6.1 Methodologische Bedingungen. 14
6.2 Rolle des Beobachters 15
6.3 Beobachtungsfeld 17
6.4 Beobachtungseinheit 18
6.5 Die Beobachtung selbst. 19
6.5.1 Wahrnehmungsfehler 19
6.5.2 Phasen im Feld 19
6.5.3 Beobachtungsschema 20
6.5.4 Feldzugang 20
6.5.5 Offen oder verdeckt? 21
6.5.6 Datenaufzeichnung. 22
Literatur. 24
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Über dieses Skript
Die folgenden Ausführungen geben einen Überblick über die methodentheoretischen Grundlagen der Beobachtung und ihrer Variante der teilnehmenden Beobachtung. Im Wesentlichen wurde der Band „Methoden und Techniken“ von Siegfried Lamnek (1995) zu Grunde gelegt. Lamnek nimmt in seinem Grundlagenwerk Bezug zu klassischen Beispielen etablierter Forscher, diskutiert ihre Positionen und Techniken und verbindet diese mit Entwicklungen und Diskussionen, die den Quellen zu Folge einen Zeitraum von gut 60 Jahren qualitativer Forschung abdecken.
Folgende Fragen werden diskutiert: Wodurch zeichnet sich die wissenschaftliche Beobachtung aus (Kap. 1)? Wie fügt sich die Beobachtung in das qualitative Paradigma und wie lässt sich die Qualität der Methode beurteilen (Kap. 2, 3, 4)? Welche Einschränkungen sind zu berücksichtigen (Kap. 5)? Den Schwerpunkt stellt ein Überblick über die methodologischen Eigenschaften dar, der die teilnehmende Beobachtung detaillierter beschreibt (Kap. 6).
1 Naive versus wissenschaftliche Beobachtung
Die Wissenschaftlichkeit einer Beobachtung resultiert grundlegend aus ihrer Verortung in einem Forschungsprozess - also aus der Stelle und dem Zweck, den sie in einer als wissenschaftlich angelegten Untersuchung einnimmt. Die Eigenschaften der Methode selbst sind somit nachrangig für die Beurteilung der Wissenschaftlichkeit (vgl. Lamnek 1995, 249). Es lassen sich definierte Kriterien benennen, die gemäß Jahoda et al. (vgl. 1966, 77) die wissenschaftliche, systematische Beobachtung von der „naiven“ Alltagsbeobachtung unterscheiden. Diese sind (1) wiederholte Prüfungen und Kontrollen, (2) systematische Aufzeichnung, (3) systematische Planung und (4) Bezugnahme auf einen bestimmten Forschungszweck.
Wiederholte Prüfungen und Kontrollen
Die Gültigkeit, Zuverlässigkeit und Genauigkeit der Beobachtung ist regelmäßig zu überprüfen. Hierbei gilt, dass direkt beobachtbare Tatbestände leichter zu überprüfen sind als Sinn- und Bedeutungszusammenhänge, Motive oder Einstellungen, auf die durch die Beobachtung geschlossen wird.
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Systematische Aufzeichnung
Die Systematisierung der Beobachtung dient der Vermeidung von Fehlern, die sich bei der naiven ad hoc Beobachtung einstellen können. Das Aufgezeichnete dient dem Zweck, allgemeine Urteile zu ermöglichen und nicht eine Ansammlung von Merkwürdigkeiten abzuliefern.
Systematische Planung
Aus den Kriterien der Prüf- und Kontrollierbarkeit sowie dem Erfordernis einer systematischen Aufzeichnung leitet sich die Notwendigkeit einer systematischen Vorbereitung der Beobachtung ab. Sie darf nicht dem Zufall überlassen werden, was einerseits der Forschungsökonomie andererseits der Erfüllung der erstgenannten Kriterien widerspräche.
Bezugnahme auf einen bestimmten Forschungszweck
„Die wissenschaftliche Beobachtung unterscheidet sich von der nichtwissenschaftlichen vor allem durch die Stelle und den Zweck, die sie innerhalb der miteinander zusammenhängenden Tätigkeiten erfüllt, aus denen eine wissenschaftliche Untersuchung besteht, nicht aber durch irgendeine Eigenschaft des Beobachtens selbst.“ (Jahoda et al., 1966, 77)
Wird die Beobachtung unter Einhaltung der beschriebenen Kriterien durchgeführt (diese gelten gleichermaßen im quantitativen wie im qualitativen Paradigma), können wissenschaftlich verwertbare Informationen durch die Methode der Beobachtung gewonnen werden.
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2 Teilnehmende Beobachtung aus qualitativer Sicht
Lamnek (1995, 255) charakterisiert den Prototyp der teilnehmenden Beobachtung aus Sicht des qualitativen Paradigmas wie folgt: „Die prototypische Form der Beobachtung ist unstrukturiert (nicht standardisiert), offen, teilnehmend, tendenziell aktiv teilnehmend, direkt und im Feld.“ (Herv. i. O.) Die Elemente eines theoretischen Extremtypus des quantitativen Paradigmas stünden diametral zu dieser Form. Die nicht standardisierte Form der teilnehmenden Beobachtung entspricht laut Lamnek am ehesten dem interpretativen Paradigma der qualitativen Sozialforschung (vgl. ebd.). Die folgenden chronologisch geordneten Definitionen geben Aufschluss über das Wesen und wesentliche Probleme der teilnehmenden Beobachtung:
Die Definitionen von Harder & Lindeman (1933) und Bruyn (1963) verweisen auf das Problem von Identifikation und Distanz des Forschers: „Der Teilnehmer ist einmal ein ‚objektiv’ beobachtender Forscher und zum anderen ein Mensch mit Gefühlen und Gedanken, der als Teilnehmer an den Handlungen der beobachteten Personen teilnimmt.“ (Lamnek 1995, 255) Mit dem Verhältnis von Identifikation und Distanz wird eines von zwei zentralen Problemen angesprochen. Das zweite grundlegende Problem ist die technische Schwierigkeit, das subjektiv Wahrgenommene möglichst unverzerrt zu protokollieren und einer unverzerrten Auswertung zugänglich zu machen (vgl. ebd., 257; siehe unten).
Gibt es angesichts dieser grundlegenden Einschränkungen Kriterien, die zur Qualitätsbeurteilung der teilnehmenden Beobachtung herangezogen werden können? Und können derartige Kriterien in der Praxis der Methode auch erfüllt werden?
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Arbeit zitieren:
Florian Lüdeke, 2009, Methodologische Grundlagen der teilnehmenden Beobachtung, München, GRIN Verlag GmbH
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