Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung S.3
2. Hauptteil
2.1 Begriffsbestimmung „Konfrontation“ und Verwendung des Begriffes
2.1.1 Lexikalische Bedeutung des Begriffes Konfrontation S.4
2.1.1 Bedeutung des Begriffs „Konfrontation“ in der Psychotherapie S.4
2.1.2 Bedeutung des Begriffs „Konfrontation“ im erzieherischen Kontext S.5
2.2 Konfrontative Pädagogik - Grundsätze, Zielgruppe,
Ziele , Methoden, Legitimation
2.2.1 Grundlegende Annahmen Konfrontativer Pädagogik S.6
2.2.2 Zielgruppe der Konfrontativen Pädagogik S.7
2.2.3 Ziele der Konfrontativen Pädagogik S.8
2.2.4 Womit wird der Betroffene konfrontiert
und durch wen erfolgt die Konfrontation? S.9
2.2.5 Methoden und Verfahrensweisen der Konfrontativen Pädagogik S.10
2.2.6 Legitimation der Konfrontation S.12
2.3 Erziehungsstil und methodische Vorbilder der
Konfrontativen Pädagogik
2.3.1 Erziehungsstil, Methode oder Haltung? S.13
2.2.2 Anlehnung an die konfrontative und provokative Therapie
a) Konfrontative Therapie (Corsini) S.15
b) Provokative Therapie (Farrelly) S.15
3. Fazit S.18
Literaturverzeichnis S.19
2
2
1. Einleitung
Der Begriff der Konfrontativen Pädagogik ist vor allem ein Terminus, der polarisiert. Während sich die Einen begeistert zeigen, löst er bei den Anderen Abscheu und Schrecken aus, da sie damit die so genannten „Bootcamps“ in den USA assoziieren. Darüber hinaus herrscht eine große Verwirrung darüber, was genau die Konfrontative Pädagogik ausmacht. Die folgende Seminararbeit wurde von mir im Rahmen des Hauptseminars „Konfrontative Pädagogik“ angefertigt. In meiner Arbeit möchte ich mich mit dem theoretischen Hintergrund auseinandersetzen, welcher der Konfrontativen Pädagogik zugrunde liegt. Die Arbeit soll die theoretischen Bausteine der Konfrontativen Pädagogik und die darauf basierenden erziehungswissenschaftlichen theoretischen Strömungen aufgreifen und umreißen. Darüber hinaus ist es das Ziel dieser Arbeit, dem Leser eine Vorstellung von dem Begriff der „Konfrontativen Pädagogik“ und den konfrontativen Stilelementen zu geben. Hierzu erfolgt zunächst der Versuch einer Definition des Begriffes „Konfrontation“ in seiner lexikalischen Bedeutung, in seiner Bedeutung für die Psychotherapie und schließlich in seiner Bedeutung im erzieherischen Kontext. Anschließend gehe ich auf den Terminus „Konfrontative Pädagogik“ ein. Dazu gebe ich im ersten Schritt eine Darstellung der grundlegenden Annahmen der Konfrontativen Pädagogik. Im Folgenden werde ich die Zielgruppe beschreiben, an die sich die konfrontativen Elemente wenden. Darüber hinaus werde ich in einem weiteren Schritt die Ziele der Konfrontativen Pädagogik kurz benennen. Des Weiteren werde ich darlegen, womit der Betroffene konfrontiert wird und durch wen die Konfrontation erfolgt. Im Anschluss daran greife ich die Methoden und Verfahrensweisen der Konfrontativen Pädagogik kurz auf und gehe darauf ein, wodurch die Konfrontation legitimiert ist. Danach folgt eine Beschreibung des Erziehungsstils, auf dem die Konfrontative Pädagogik beruht und eine Beschreibung der methodischen Vorbilder. Hier werde ich auf die Methode der konfrontativen Therapie nach Corsini und der provokativen Therapie nach Farrelly eingehen. Abschließend werde ich in meinen Schlussbemerkungen die wichtigsten Ergebnisse noch einmal zusammentragen und einen Ausblick geben.
3
2.Hauptteil
2.1 Begriffsbestimmung „Konfrontation“ und Verwendung des Begriffs 2.1.1 Lexikalische Bedeutung des Begriffs Konfrontation
Der Begriff ,Konfrontative Pädagogik' ist eine Neuschöpfung in der Erziehungswissenschaft. Er wird in unterschiedlichen Handlungsbereichen verwendet und ist Walter zufolge noch nicht hinreichend definiert. Der Begriff bezeichne keine in sich geschlossene erziehungswissenschaftliche Theorie, sondern vielmehr eine pädagogische
Handlungsrichtung. Konfrontative Pädagogik beschreibt eine Methodik, die auf Demokratie und der Förderung von Selbstverantwortung des Jugendlichen basiert. 1 Die Konfrontative Pädagogik wird zum einen als eine Gegenrichtung der Laisser-Faire-Pädagogik verstanden und zum anderen als ein pädagogisches Konzept, welches auf dem autoritativen Erziehungsstil basiert. 2
Das Wort ,Konfrontation' ist abgeleitet vom lateinischen Begriff confrontare (=gegenüberstellen). Er ist der Gerichtssprache, im Speziellen der Strafjustiz entlehnt und bedeutet in diesem Kontext eine Gegenüberstellung vor Gericht, wo auf juristischer Ebene ein „Täter-Opfer-Augleich“ stattfindet zwischen Angeklagtem und Zeugen. 3 Im weitesten Sinne bedeutet Konfrontation eine Gegenüberstellung von sich gegenseitig störenden und zunächst unvereinbarenden Positionen. Sie eröffnet einen Konflikt und richtet sich gegen einen Kontrahenten mit dem Ziel, diesen zur Aufgabe oder zu Annäherung seiner Position zu bewegen. Der aus der Konfrontation entstehende Konflikt kann mit Gewalt oder gewaltfrei ausgetragen werden. Rechtsordnung und Zivilisation führen in der Regel zur Streitaustragung auf dem Verhandlungsweg.
2.1.1 Bedeutung des Begriffs „Konfrontation“ in der Psychotherapie
In der Psychologie bedeutet der Begriff ,Konfrontation’ ebenfalls eine Gegenüberstellung, allerdings in einem therapeutischen Setting. Hier bedeutet es im Rahmen einer Einzelgesprächstherapie ein Auseinandersetzungsverhalten zwischen Therapeut und Patient. Es findet eine Auseinandersetzung statt über die Beziehung des Patienten zu seiner Umwelt, zum Therapeuten oder zu sich selbst. Im Rahmen einer Gruppengesprächstherapie ist Konfrontation als ein Vorgang zu begreifen, der zwischen den Patienten stattfindet durch
1 vgl. Weidner 2006, S.8
2 vgl. Walter 2007, S.197
3 vgl. Kilb 2006, S.28
4
Widersprüche, In-Fragestellen, also durch die Dialektik im Dialog. Im Patienten soll eine Affekt- und Denkdynamik erzeugt werden, die es dem Patienten ermöglicht, seine fixierten Fehlüberzeugungen auch gegen Widerstand zu korrigieren und darüber neue Einsichten zu entwickeln. 4 Im psychotherapeutischen Kontext werden konfrontative Verfahren vor allem zur Behandlung von Ängsten, Phobien und Zwängen eingesetzt. Im Rahmen dieses verhaltenstherapeutisch orientierten Ansatzes wird der Patient direkt oder imaginativ über einen längeren Zeitraum dem ihn ängstigenden Objekt oder der ihn ängstigenden Situation ausgesetzt, um den Patienten auf diese Weise systematisch zu desensibilisieren. Versuche von Seiten des Patienten, sich der unangenehmen Situation gedanklich oder räumlich zu entziehen werden unterbunden.
2.1.2 Bedeutung des Begriffs „Konfrontation“ im erzieherischen Kontext
Im erzieherischen Kontext bedeutet Konfrontative Pädagogik eine Form der Erziehung, die sich an den vorhandenen Werten und Normen orientiert, Jugendliche mit deren Missachtung konfrontiert und sich dem entgegenstellt. Sie konfrontiert die Adressaten mit ihrem abweichenden Verhalten. Als abweichendes Verhalten wird jenes soziale Verhalten bezeichnet, welches gegen normative Erwartungen verstößt. Diese Definition beinhaltet gewisse Schwierigkeiten, wenn es mehrere normative Bezugssysteme gibt oder diese instabil oder diffus sind. Eine Begriffsbestimmung, die von der vorangegangenen Definition abweicht ist die des ,labeling approach’. Vertreter dieses Ansatzes gehen davon aus, dass abweichendes Verhalten lediglich ein Verhalten darstellt, das nur von der sozialen Umwelt als abweichend definiert wird. Andere Vertreter dieses Ansatzes legen als Definitionskriterium das Auftreten von sozialen Reaktionen, also Sanktionen als Folge des abweichenden Verhaltens zugrunde. 5 So wird Konfrontation in der pädagogischen Praxis als eine von vielen Stil- und Interventionsformen eingesetzt. Die Haltung des Pädagogen bei der konfrontierenden Handlungsform ist darauf ausgerichtet, entweder Störungen in Gruppen zu unterbinden oder einzuschreiten, wenn das individuelle Freiheitsrecht oder die Unversehrtheit einer anderen Person verletzt wird. Dabei wird der Regelverletzer möglichst rasch mit seiner Regelüberschreitung oder aber mit der davon betroffenen Person konfrontiert.
4 vgl. Clauss et al., S.332
5 vgl. Wiswede 2004, S.4
5
2.2 Konfrontative Pädagogik - Grundsätze, Zielgruppe, Ziele, Methoden, Legitimation
2.2.1 Grundlegende Annahmen Konfrontativer Pädagogik
Nach Weidner und Kilb lautet das Motto der Konfrontativen Pädagogik: “den Menschen mögen und verstehen, aber mit seinem (abweichenden bis kriminellen) Verhalten nicht einverstanden sein!“. 6 Das Konzept basiere auf 12 Eckpfeilern: so gelte die Konfrontative Pädagogik als das letzte Mittel der Wahl, wenn die akzeptierende Intervention nicht mehr greift. Sie sei auf Intervention ausgelegt und solle den Jugendlichen zu einer Veränderung seines Verhaltens und Denkens motivieren. Des Weiteren wende sie sich an Mehrfachauffällige, welche Freundlichkeit als Ausdruck von Schwäche werten. Ihr Ansatz sei direkt, konfrontierend, normativ, Grenzen setzend und basiere auf einem optimistischen Menschenbild. Die Konfrontative Pädagogik sei delikt- und defizitspezifisch eine Grundlage für eine Lebensweltorientierung. Ihr Ansatz beruhe auf Eigenmotivation und äußerem Druck. Daneben sei die Konfrontative Pädagogik polizei- und justizkooperativ sowie gesellschaftskritisch und eine Konfrontation erfolge nicht ohne die Interventionserlaubnis des Betroffenen. Schließlich sei die Konfrontative Pädagogik ein Ansatz, der auf Beziehungsarbeit basiert und den pädagogischen Bezug favorisiert. 7 Die konfrontative Pädagogik geht außerdem davon aus, dass jeder Mensch sich in seinem Handeln frei entscheiden kann und auch in seinen Verhaltensänderungen. Auf dieser Annahme basiert der Ansatz, den Täter mit seinem Fehlverhalten und den Konsequenzen zu konfrontieren. Die Intention besteht darin, die äußere Fassade vordergründig höflichangepassten Verhaltens brüchig werden zu lassen, um so einen Einblick in das Verhalten des Täters in alltäglichen Situationen zu bekommen. Kritisch-konfrontatives Vorgehen ist darum bemüht, die Fehler und Schwächen des Adressaten zutage zu fördern, damit diese bearbeitet werden können. Der durch das Fehlverhalten des Jugendlichen hervorgerufene Konflikt zwischen ihm und dem Pädagogen ist grundsätzlich gewollt und die Arbeitsgrundlage des Erziehungsauftrags, für den der Pädagoge zuständig ist. Der Pädagoge muss also in der Lage sein, Fehlverhalten provozieren zu können. Dies setzt nicht nur konsequentes und eindeutiges, sondern immer auch kritisches und konfrontierendes Erziehungsverhalten voraus. Das Ziel des entstandenen Konflikts ist in der Konsequenz die „Grenzziehung“. 8 Dabei darf Grenzziehung nicht verwechselt werden mit Sanktionierung und Machtmissbrauch. Die
6 ebd., S.9
7 vgl. ebd., S.9
8 vgl. Walkenhorst 2006, S.83
6
Arbeit zitieren:
Annika Westphal, 2007, Die theoretischen Bausteine der Konfrontativen Pädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
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