Kurzfassung II
Kurzfassung
Gegenstand der Diplomarbeit ist eine ökonomische Analyse des siebten Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Union unter Berücksichtigung der Theorie der Regionalen Innovationssysteme. Die Arbeit ist in drei größere Abschnitte unterteilt: Theorien,
Forschungsrahmenprogramme und ökonomische Analyse.
Der erste Abschnitt befasst sich nicht nur mit den wichtigsten Strukturmerkmalen und Definitionen der Regionalen Innovationssysteme, sondern greift auch die vorangestellte Theorien der Innovation, des Wissens und des Lernens auf. Inhalt des zweiten Abschnitts sind die Forschungsrahmenprogramme der Europäischen Union. Zunächst wird das Augenmerk auf den Europäischen Forschungsraum gerichtet, da dieser das oberste Ziel der Forschungsrahmenprogramme ist. Daran schließen sich die Betrachtung und Erklärung des fünften und sechsten sowie des aktuellen siebten Forschungsrahmenprogramms an.
Der letzte Abschnitt ist der ökonomischen Analyse gewidmet. Es werden Daten des fünften und sechsten Forschungsrahmenprogramms mit den empirisch belegten Strukturregelmäßigkeiten, die die Theorie durch Vergleiche mehrerer Regionen bzw. Regionaler Innovationssysteme gewonnen hat, verglichen. Den Erkenntnissen hieraus werden dann die Vorhaben und gewünschten Ziele des siebten
Forschungsrahmenprogramms gegenübergestellt. So kann die Frage nach dem ökonomischen Vorteil einer Beteiligung am Forschungsrahmenprogramm ebenso beantwortet werden, wie die Frage, ob es Parallelitäten bzw. Orientierung zwischen Theorie und Forschungsrahmenprogramm gibt.
Inhaltsverzeichnis III
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VII
Tabellenverzeichnis VIII
1 Einleitung 1
2 Der Spagat zwischen der europäischen und regionalen Betrachtungsweise 4
2.1 Glokalisierung 4
2.2 Die regionale Dimension auf Europäischer Ebene. 7
3 Innovationstheorie und Innovationsmodelle 9
3.1 Theorie der Innovation 9
3.1.1 Wissen, Lernen und Interaktion. 12
3.2 Theorie der Innovationssysteme. 15
3.2.1 Nationale Innovationssysteme. 18
4 Regionale Innovationssysteme 21
4.1 Der Ursprung der RIS. 21
4.2 Die Region als Betrachtungsebene 22
4.2.1 Regionalisierung. 25
4.3 Rahmenbedingungen einer Region. 26
4.4 Systembegriff 28
4.5 Konzept und Definitionsmerkmale der RIS 29
4.5.1 Akteure im RIS. 33
4.5.2 Finanzen im RIS 35
4.5.2.1 Regionale Budgets. 36
4.5.2.2 Finanzierung von Infrastruktur. 36
4.5.3 Lernen im RIS 37
4.5.4 Netzwerke und Cluster 38
4.5.5 Politik im RIS 40
4.6 Modell nach Autio 43
4.7 Typisierung der RIS nach Cooke. 45
4.8 Zwischenfazit. 45
5 Forschungsrahmenprogramme der E.U 47
5.1 Lissabon-Strategie und Europäische Forschungsraum. 47
5.2 Die Forschungsrahmenprogramme 49
5.3 Fünftes Rahmenprogramm 51
Inhaltsverzeichnis IV
5.3.1 Thematische Programme 53
5.3.2 Horizontale Programme. 54
5.3.2.1 Sicherung der internationalen Stellung der Gemeinschaftsforschung. 54
5.3.2.2 Förderung der Innovation und Einbeziehung von KM.U 55
5.3.2.3 Ausbau des Potentials an Humanressourcen 56
5.4 Sechstes Rahmenprogramm 57
5.4.1 Spezielle Maßnahmen. 61
5.4.2 Ausgestaltung des Europäischen Forschungsraums 62
5.4.2.1 Forschung und Innovation. 62
5.4.2.2 Humanressourcen und Mobilität 63
5.4.2.3 Forschungsinfrastruktur. 64
5.4.2.4 Wissenschaft und Gesellschaft 65
5.4.3 Stärkung der Grundpfeiler des Europäischen Forschungsraums. 65
5.5 Siebtes Rahmenprogramm. 66
5.5.1 Zusammenarbeit 70
5.5.2 Idee 71
5.5.3 Mensch 72
5.5.4 Kapazität. 73
5.5.4.1 Forschungsinfrastruktur. 74
5.5.4.2 KM.U 76
5.5.4.3 Wissensorientierte Regionen 77
5.5.4.4 Forschungspotenzial 78
5.5.4.5 Wissenschaft und Gesellschaft 78
5.5.4.6 Internationale Zusammenarbeit 78
6 Ökonomische Analyse des siebten Rahmenprogramms. 80
6.1 Datenbeschaffung und Problematik. 80
6.2 Durchführung der ökonomischen Analyse 82
6.3 Netzwerkbeziehungen und räumliche Nähe 92
6.4 Humanressourcen 97
6.5 Unternehmensbeteiligung am Rahmenprogramm 102
6.6 Unterstützung der Regionen 109
6.7 Auswirkungen des Rahmenprogramms für Europa. 111
7 Fazit und Ausblick. 116
Literaturverzeichnis 119
Abkürzungsverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis
AEU Amtsblatt der Europäischen Union BIP Bruttoinlandsprodukt BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung bzgl. bezüglich bzw. beziehungsweise CA Koordinierungsmaßnahme ca. circa CERN Europäische Organisation für Kernforschung COLL Kollektivforschung COOP Kooperationsforschung CORDIS Community R&D Information Service COST Europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen und technischen Forschung CRAFT Cooperation Research Action For Technology d.h. das heißt EAG Externe Beratungsgruppe EMBL Europäisches Labor für Molekularbiologie ERA-NET Netzwerk zur Unterstützung des Europäischen Forschungsraums ERC Europäischer Forschungsrat ESA Europäische Raumfahrtbehörde ESF Europäischer Sozialfond ESFRI European Strategy Forum for Research Infrastructures ESPRIT European Strategic Program for Research and Development in Information Technology etc. et cetera EU Europäische Union EURATOM Europäische Atomgemeinschaft EUREKA Initiative für anwendungsnahe Forschung in Europa EUROSTAT Statistisches Amt der Europäischen Union FIT Finance for Innovative Technology FuE Forschung und Entwicklung GEANT Transeuropäisches Kommunikationsnetz
Abkürzungsverzeichnis VI
GFS Gemeinsame Forschungsstelle Hrsg. Herausgeber i.e.S. im eigentlichen Sinn INCO Internationale Kooperation mit Drittstaaten IP Integrierte Projekte IRC Innovation Relay Centre Jh. Jahrhundert KMU kleinere und mittlere Unternehmen KOM Europäische Kommission m.E. meines Erachtens Mio. Millionen MNU multinationale Unternehmen Mrd. Milliarden NIS Nationale Innovationssysteme NKS Nationale Konstaktstellen NoE Networks of Excellence o.g. oben genannt REGIS Regional Innovation Systems - Designing for the Future RIS Regionale Innovationssysteme RP Rahmenprogramm RTN Forschungsausbildungsnetz sog. sogenannte SSA Spezifische Unterstützungsmaßnahme STREPS Spezifisch gezielte Forschungsprojekte u.a. unter anderem UN Vereinte Nationen vgl. vergleiche WTO Welthandelsorganisation z.B. zum Beispiel zz. zur Zeit
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 01 - Lineares Innovationsmodell
Abbildung 02 - Interaktives Innovationsmodell.
Abbildung 04 - Innovationssystem als hybrides System.
Abbildung 05 - Schalenmodell / Einordnung des RIS
Abbildung 06 - Quellen dauerhafter Innovationskraft
Abbildung 07 - Elemente eines Regionalen Innovationssystems.
Abbildung 08 - Regionales Innovationssystem
Abbildung 09 - Bruttoinlandsausgaben für FuE.
Abbildung 10 - Mittelauslastung der Europäischen Union bei den Rahmenprogrammen.
Abbildung 11 - Aufbau des fünften Rahmenprogramms
Abbildung 12 - Finanzmittel des fünften Rahmenprogramms
Abbildung 13 - Finanzmittel des sechsten Rahmenprogramms
Abbildung 14 - Struktur des sechsten Rahmenprogramms
Abbildung 15 - Finanzmittel des siebten Rahmenprogramms
Abbildung 16 - Struktur des siebten Rahmenprogramms
Abbildung 17 - Anzahl beteiligter Akteure zw. 1999 und 2005
Abbildung 18 - Zufriedenheit der Teilnehmer am Rahmenprogramm.
Abbildung 19 - Durchschnittliche Teilnehmerzahl an Vorschlägen und Projekten.
Abbildung 20 - Anzahl der Kooperationsverbindungen zw. einzelnen Ländern
Abbildung 21 - Entwicklung der "Marie-Curie"-Maßnahmen.
Abbildung 23 - Wichtigste wissenschaftliche und technische Effekte bei
Abbildung 24 - Wichtigste wissenschaftliche und technische Effekte bei COLL
Abbildung 25 - Schwierigkeiten im Projektverlauf.
Abbildung 26 - Ausgaben für FuE
Tabellenverzeichnis VIII
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 - Allgemeine Daten zum fünften und sechsten Rahmenprogramm......................83
Tabelle 2 - Stärken und Schwächen der Instrumente aus der Sicht der KMU ...................105
Tabelle 3 - Darstellung der wichtigsten Charaktereigenschaften.......................................106
Tabelle 4 - Additionalität und strategische Wichtigkeit.....................................................114
1 Einleitung 1
1 Einleitung
Das letzte Jahrhundert war für Europa von einschneidender Veränderung. Der zweite Weltkrieg hatte z.B. die Teilung in zwei Ideologien zur Folge und der Kalte Krieg führte u.a. zu einer Trennung der bis dahin gemeinsamen Kultur, wodurch sich auch eine Aufteilung der Wirtschaftsräume vollzog. Während Westeuropa unter der Marktwirtschaft und den offenen Wirtschaftsräumen und -märkten aufblühte, regelte im Warschauer Pakt der Sozialismus das wirtschaftliche Leben. Hier wie dort wurden jedoch Forschung und technologische Entwicklung größtenteils von Staaten finanziert und umgesetzt sowie militärische Innovationen im Laufe der Zeit auch der zivilen Nutzung zugänglich gemacht. Mit dem Fall der Berliner Mauer begann das Zusammenwachsen der Regionen und Kulturen Europas, was sich auch in Institutionen wie der Europäischen Union (EU) widerspiegelte. Als Folge hieraus nahm jedoch auch der Wettbewerb zwischen den einzelnen europäischen Regionen zu. Darüber hinaus führten die Globalisierung und die sich daraus ergebenden Auswirkungen für die Regionen Europas auch zu Kontroversen. So zeichnet sich nun der Westen Europas z.B. durch gute Infrastrukturen aus, wogegen im Osten billiger produziert wird, was einen Wechsel von Produktionsstandorten in Billiglohnländer zur Folge hat.
Nach und nach traten osteuropäische Staaten der EU bei, so dass neben dem schon vorherrschenden Nord-Süd-Gefälle nun auch noch ein Ost-West-Unterschied in der EU hinzukommt. Diese Unterschiede sind nicht nur zwischen den einzelnen Ländern spürbar, sondern auch zwischen den Regionen. Es besteht somit eine regionale Differenzierung der Verfügbarkeit, die sich in den klassischen Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital sowie dem vor allem für die Innovationsfähigkeit immer bedeutender werdenden vierten Produktionsfaktor, dem Wissen, auszeichnet, dem in der heutigen Zeit bereits ein Anteil an der allgemeinen Wertschöpfung in Höhe von ca. 50 % zugeschrieben wird (vgl. Backhaus 2000 : 7). Durch Innovationen, d.h. Forschung und technologische Entwicklung, streben Staaten und Regionen nach Abgrenzung, um so eine Vormachtstellung innerhalb eines Wirtschaftszweigs einnehmen zu können. Sie erhoffen sich so wirtschaftliche Vorteile, die sich z.B. in einem stabilen Wirtschaftswachstum, der Schaffung von Arbeitsplätzen mit Dezimierung der Arbeitslosenzahlen oder einer Erhöhung der Lebensqualität für die heimische Bevölkerung auszeichnen. Die Technologieentwicklung in der globalisierten Zeit ist jedoch von steigenden Innovationskosten und somit dem Bedeutungszuwachs der Interdisziplinarität gekennzeichnet. Ferner ist die Vernetzung von Forschung und Bedarf
1 Einleitung 2
erkennbar, d.h. eine Ausrichtung auf industrielle Anwendungsmöglichkeiten. Vor allem in Hightechindustrien stellt sich dies durch eine dynamische Entwicklung der transdisziplinären Forschungstätigkeit dar. Die Produktion von Wissen verläuft nicht mehr linear und auch nicht mehr innerhalb eines Unternehmens oder Forschungsinstituts disziplinär gebunden ab. Sie zeichnet sich nunmehr neben der Flexibilität durch problemorientiertes Handeln sowie durch die Vernetzung unterschiedlichster Akteure aus. Mit der Diskussion der Theorie der Regionalen Innovationssysteme (RIS) wird der Ansatz verfolgt, neue regionale Strategien zu entwickeln, um sich so z.B. mit dem Globalisierungsprozess auseinanderzusetzen oder die Frage zu beantworten, warum manche Regionen gegenüber anderen einen Standortvorteil besitzen. Hierdurch lässt sich auch auf die Unterschiedlichkeit der Regionen und die sich daraus ergebenden Handlungsmöglichkeiten bzw. den Handlungsbedarf für Forschung und Entwicklung hinweisen.
Nicht nur einzelne Regionen verfolgen Strategien zur Problemlösung und Beschreitung neuer Wege, auch die EU richtet sich strategisch aus. Mit ihren Forschungsrahmenprogrammen (Rahmenprogrammen) verfolgt sie eine Strategie, die in der Errichtung des Europäischen Forschungsraums münden soll. Primäres Ziel der Rahmenprogramme ist, die wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen der Gemeinschaft zu stärken und die Entwicklung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit zu fördern sowie alle Forschungsmaßnahmen zu unterstützen, die aufgrund anderer Politiken der Gemeinschaft für erforderlich gehalten werden. Im Fordergrund steht also eine grenzüberschreitende FuE, die die Grundlage für eine innovative europäische Wirtschaft legen soll.
Der Ansatz dieser Arbeit ist die Durchführung einer ökonomischen Analyse des siebten Rahmenprogramms der EU unter Berücksichtigung der Theorie der Regionalen Innovationssysteme. Hierzu werden neben den Zielansätzen und den Ergebnissen der Vorläuferprogramme auch einige Ergebnisse der Theorie der RIS sowie deren Empfehlungen für eine regionale Entwicklung berücksichtigt. Parallelitäten sowie Unterschiede werden ebenfalls angesprochen. So werden auch Antworten auf die Frage gegeben, welche Positionen kleinere und mittlere Unternehmen in der EU und innerhalb RIS einnehmen oder wie die Begriffe Wissen und Lernen im Bezug auf die Humanressourcen gesehen werden.
1 Einleitung 3
Zur Vorbereitung der ökonomischen Analyse werden im Vorfeld einige Aspekte durchbzw. beleuchtet.
In Kapitel 2 steht daher die Frage im Vordergrund, ob es überhaupt Sinn macht, ausgehend von einer supranationalen Ebene, eine regionale Ebene zu betrachten, zu vergleichen und womöglich Rückschlüsse hieraus zu ziehen.
Der Begriff der Innovation sowie ihre zeitliche Entwicklung ist Inhalt von Kapitel 3. Ferner werden der Aufbau, die Entstehung und die Bedeutung der Innovationssysteme behandelt. Auf das Konzept der Nationalen Innovationssysteme (NIS) wird kurz eingegangen, da dieses in der wissenschaftlichen Forschungsentwicklung den RIS vorgelagert und für deren Verständnis von Bedeutung ist.
In Kapitel 4 wird die Theorie der RIS behandelt. Es wird zunächst geklärt, was Regionen auszeichnet, bevor die Rahmenbedingungen, Merkmale und Definitionen eines RIS behandelt werden. Neben einem in der Literatur allgemein gültigen Modell und einer Typisierung verschiedener RIS werden einzelne Bestandteile durchleuchtet. Das Kapitel 5 ist den Rahmenprogrammen der EU für Forschung und technologische Entwicklung gewidmet. Zunächst wird der in Kapitel 2 angesprochene Europäische Forschungsraum definiert, bevor neben dem siebten Rahmenprogramm auch das fünfte und sechste behandelt werden.
Kapitel 6 hat die ökonomische Analyse des siebten Rahmenprogramms unter Berücksichtigung der Theorie der RIS zum Inhalt. Hierbei werden die Ergebnisse der Vorläuferprogramme einbezogen.
Den Abschluss bildet Kapitel 7 mit einem Ausblick und einer Einschätzung über die zu erwartende Entwicklung der Rahmenprogramme.
2 Der Spagat zwischen der europäischen und regionalen Betrachtungsweise 4
2 Der Spagat zwischen der europäischen und regionalen
Betrachtungsweise
Bei diesem Kapitel liegt das Augenmerk auf dem Erklärungsansatz, warum es sinnvoll ist, ausgehend von einer supranationalen Ebene wie die EU, eine regionale Ebene zu betrachten und zu vergleichen sowie hieraus Rückschlüsse zu ziehen. Die Brücke zwischen Europa und einzelnen Regionen wird in dieser Arbeit aus einer Diskussion der Wirtschaftsgeographie mit dem Stichwort „Glokalisierung“ gebildet sowie aus der Diskussion der EU über die regionale Dimension des Europäischen Forschungsraums und der Vorstellung wie eine Region im Europäischen Kontext zu verstehen ist.
2.1 Glokalisierung
Dieser Abschnitt hat die „Glokalisierung“ zum Inhalt, d.h. wie Globalisierung und Regionalisierung in der heutigen Zeit parallel existieren. Die Auffassung, dass die Globalisierung der Märkte zur Wiederentdeckung der Regionen mit ihren wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungspotentialen führt, ist weit verbreitet. So räumt Schwarz (2001 : 21) mit dem Vorurteil auf, dass durch die Globalisierung die Regionen unter die Räder geraten. Als bekannten Werbespruch zitiert er „think global, act locally“. Der Begriff Globalisierung stellt nach Schätzl (1999 : 97) „den Prozess der zunehmenden weltweiten Vernetzung ökonomischer Aktivitäten“ dar. Nuhn (1997) hebt hierbei als Globalisierungstendenzen das Handeln, die Finanzsysteme und die Produktion hervor. Die Entwicklung in ihrer bekannten Form wurde nach seiner Auffassung durch die technologische Innovation der Kommunikations- und Transportbereiche bereitet. Des Weiteren nennt er Liberalisierungs- und Deregulierungsmaßnahmen der Wirtschaft und der institutionellen Rahmenbedingungen. Zur Globalisierung trugen auch private Wirtschaftsunternehmen bei, „die Produktion und Absatz im Weltmaßstab neu organisierten“ (Nuhn 1997 : 136). Genosko (1996) bezieht sich in seiner Auflistung der Ursachen, die zur Globalisierung führten, auf den politischen, sozioökonomischen und technologischen Wandel. Im ersten Punkt sorgen internationale Abkommen zu einem Hemmnissabbau im Handel und somit zu einem leichteren Austausch von Waren. Als Resultat wächst der Kapitaltransfer an, welcher wiederum auch durch internationale Abkommen liberalisiert und vereinfacht wird. Ein liberalisierter Kapitalmarkt fördert
2 Der Spagat zwischen der europäischen und regionalen Betrachtungsweise 5
wiederum den Warenaustausch und die Investitionen. Der zweite Punkt, der sozioökonomische Wandel, beschäftigt sich mit dem Angleichen und Ähneln von Kundensegmenten, egal ob im Investitions- oder Konsumgüterbereich. So wird das Käuferverhalten mehr durch den sozialen Status geprägt, als durch die nationale Herkunft. Der letzte Punkt bezieht sich darauf, dass sinkende Transportkosten die internationale Vermarktung von Massengütern ermöglichen. In diesem Zusammenhang lassen sich auch einige physische Transportkosten durch noch niedrigere Telekommunikationskosten ersetzen (vgl. Genosko 1996 : 2f.). Osterhammel und Petersson (2003 : 11ff.) erwähnen ferner die Globalisierungsmerkmale „Verdichtung von Zeit und Raum“, „Einfluss der Kultur“ und „Schwächung der Nationalstaaten“.
Im Bereich der Regionalisierung spricht Nuhn (1997) unter Berücksichtigung von Handels-und Investitionsströmungen die Polarisierungen in bestimmten Regionen an, die nach seiner Meinung eine verstärkte Dynamik aufweisen. Einzelne Gruppen von Staaten bilden aufgrund von Verträgen Freihandelszonen oder Wirtschaftsgemeinschaften. Im Fall der EU liegt ein „politischer Prozess und eine de jure Blockbildung“ vor (Nuhn 1997 : 138). Eine Blockbildung, d.h. Regionalisierung, muss dabei nicht durch eine zentrale, öffentliche Institution gesteuert werden, sondern auch von der Mikroebene können Impulse ausgehen. Unternehmen, die in verdichteten Produktions- und Absatzgebieten Vorteile suchen, sind ebenso denkbar. Als Beispiel wird der südostasiatische Raum genannt, in dem es zu einer Verdichtung des Waren- und Dienstleistungsaustausches sowie einer Kapitalverflechtung kam.
Genosko (1996 : 16f.) spricht diese Art der Blockbildung ebenfalls an. Unter dem Deckmantel der „Makro-Regionen“ verweist er auf die Triade der Weltwirtschaft. Innerhalb einer solchen „Makro-Region“, wie z.B. Europa, herrschen Beziehungen zwischen Unternehmen und Teilen der Region vor. In Verbindung mit regionalen Abkommen wird die Region gestärkt und nach außen abgegrenzt. Im Rahmen dieser Arbeit ist aber die Region als kleinräumigere Einheit interessant, weshalb auf die Überlegungen, die in Abschnitt 4.2.1 zu finden sind, zurückgegriffen wird. Genosko (1996) führt bei seiner Betrachtung ebenfalls noch folgende Punkte an: Er geht erstens von der Einbettung eines Unternehmens aus. In einem entwickelten Industriemix oder einem industriellen Cluster können Vorteile wie funktionierende Infrastruktur- und Forschungssysteme genutzt werden. Ferner wirken Beschäftigte mit einer guten Qualifikation und einem hohen Know-how-Potential sowie soziale Regulierungsformen positiv auf das eingebettete Unternehmen ein. Als zweiten Punkt nennt er die „Just-in-
2 Der Spagat zwischen der europäischen und regionalen Betrachtungsweise 6
time“ Produktion. Ein Unternehmen ist hierbei auf die zeitgenaue Anlieferung von Waren und Ressourcen angewiesen. Dies kann jedoch nur realisiert werden, wenn das Zulieferunternehmen in räumlicher Nähe, d.h. in der Nachbarschaft angesiedelt ist. Von Genosko wird als letzter Punkt noch die interne Dezentralisierung von Unternehmens- und Konzernstrukturen angesprochen, die aber nicht weiter ausgeführt wird. Schätzls (1996) Auffassung im Rahmen der Regionalisierungsthese ist, dass im Fall von flexibler Produktion eine räumliche Nähe verschiedener Elemente benötigt wird: Betriebsinterne und -externe Dienstleistungen sowie Zulieferbetriebe. Er spricht sich vehement dagegen aus, „dass es zu einer globalen Standortspezialisierung kommt, bei der sich die Kernregionen der Weltwirtschaft auf FuE […] spezialisieren und die Fertigung Zulieferbetriebe und „verlängerte Werkbänke“ in peripheren Standorten übernehmen“ (Schätzl 1996 : 208).
Beide Phänomene, Globalisierung und Regionalisierung, müssen sich nicht unbedingt widersprechen. So lassen sich Tendenzen beobachten, wo Regionen eine entscheidenderen Stellung im Rahmen der Globalisierung einnehmen. D.h. es kann angenommen werden, dass die Region zu einer immer wichtigeren strategischen Einheit wird. Cookes (1998) Schlussfolgerung stützt dies: „The key conclusion was, that as economic coordination becomes increasingly globalized, the key interactions among firms in specific industry clusters become regionalized“ (Cooke 1998 : 5). Die Einbindung von Unternehmen in regionale Netzwerke wird von Strubelt (1995) als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche internationale Unternehmensstrategie gesehen. Es gibt zwar Tendenzen zu einer weltweiten Verflechtung, aber auch nur dann, wenn sie von einer starken regionalen Verflechtung getragen werden (vgl. Strubelt 1995 : 120).
Eine dialektische Verbindung zwischen Globalisierung und Regionalisierung wird daher von Lompe festgestellt. Funktionale Spezialisierung und Marktausdifferenzierungen sorgen in der Weltwirtschaft neben globalen Prozessen auch für regionale Schwerpunktbildungen. Gesamte Wertschöpfungsketten und Branchen treten als räumlich konzentrierter Schwerpunkt auf (vgl. Lompe 1996 : 37 f.).
Globalisierung und Regionalisierung sind somit zwei Seiten derselben Medaille, jedenfalls nach Fritsch, Koschatzky, Schätzl und Sternberg (1998 : 245), wobei letzterer diesen Zusammenhang mit der Begriffsbeschreibung „glocalization“, d.h. „globalization + localization“, tat (vgl. Sternberg 1998 : 288).
2 Der Spagat zwischen der europäischen und regionalen Betrachtungsweise 7
2.2 Die regionale Dimension auf Europäischer Ebene
Um die Verbindung der regionalen Dimension im Konzept der Europäischen Forschungs-und Entwicklungsförderung zu verstehen, wird dass in der Strategie von Lissabon 1 verfolgte Ziel angesprochen, die Errichtung eines Europäischen Forschungsraums. Des Weiteren wird die generelle Bedeutung der Region für Europa betrachtet.
Die Inhalte und Ziele der Europäischen Kommission in Bezug auf den Europäischen Forschungsraum bringen zum Ausdruck, dass auf einen vollständig entwickelten, funktionierenden und vernetzten Forschungsraum hingearbeitet wird. In ihm verschwinden Grenzen und es existiert eine florierende Zusammenarbeit sowie ein funktionierender Integrationsprozess (vgl. KOM 2000a). Dieses Vorhaben versuchte den immer rascheren Wandel im Umfeld von Wissenschaft, Technologie und Innovation zu berücksichtigen. Ferner wurden die Rolle der Akteure sowie die Verteilung und Koordinierung der Forschungsanstrengungen in die Überlegungen einbezogen. Die Wichtigkeit der Region wurde bei der Mobilisierung der Forschungs- und Innovationsanstrengungen herausgestellt, da Europa hierdurch schneller zur wissensgestützten Wirtschaft geführt werden kann (vgl. KOM 2001). Der Ausschuss der Regionen 2 schlug unter Berücksichtigung des Subsidaritätsprinzips 3 vor, dass „die gemeinschaftlichen Forschungsprogramme und die regionalpolitischen Weichenstellungen so aufeinander abgestimmt werden, dass sie möglichst bürgernahe Vorhaben zur Weiterentwicklung der Forschung fördern“ (KOM 2001 : 4). Des Weiteren wird die Region als Brücke zwischen der europäischen und der lokalen Ebene bei Forschung und Innovation gesehen. Mit ihr wird auch die internationale Zusammenarbeit gestärkt. Dies erfolgt durch die Mobilisierung des Potenzials von Universitäten und regionalen Körperschaften.
Der Europäische Rat erkannte, dass Globalisierung, rascher technologischer Wandel und der ausgiebige Informations- und Wissensaustausch als Kennzeichen des Übergangs zur wissensgestützten Wirtschaft zählen. D.h. es müssen auch Maßnahmen auf regionaler Ebene berücksichtigt werden. Gründung und Wachstum von innovativen Unternehmen werden ebenso angesprochen wie eine Verbesserung der wesentlichen Schnittstellen im Innovationssystem 4 . Hierbei sollte es zu einer Abstimmung der Fördermaßnahmen
1 Siehe hierzu Abschnitt 5.1 .
2 Vgl. CdR 2000a
3 Das Subsidiaritätsprinzip in Europa hat die Aufgabe, als Ordnungsprinzip die Kompetenzabgrenzung zwischen der Europäischen Union, den Mitgliedstaaten und den Ländern bzw. Regionen zu gewährleisten. Somit ist die Subsidiarität ein Garant für ein bürgernahes Europa.
4 Vgl. KOM 2000b.
2 Der Spagat zwischen der europäischen und regionalen Betrachtungsweise 8
kommen, um die Kohärenz eines stabilen, gemeinsamen und transparenten Innovationsförderrahmens zu gewährleisten.
Der EU ist bekannt, dass Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt, Schaffung von Arbeitsplätzen sowie Sicherung des Wohlstandes und Wachstums mit Fortschritten im Bereich der Forschung und Innovation einhergehen, so dass dies entscheidend beeinflusst werden muss. In diesem Prozess nehmen die europäischen Regionen einen entscheidenden Part als wichtige Akteure ein. Er wird aber durch das jeweilige Innovationspotenzial beeinflusst, das sich jedoch bei jeder Region quantitative und qualitative unterscheidet. Eine Aufholjagd der Regionen mit Entwicklungsrückstand ist deshalb wichtig. Das Konzept des Europäischen Forschungsraums hält daher ein effektives Handeln auf verschiedenen administrativen und organisatorischen Ebenen für erforderlich (vgl. KOM 2001 : 5).
In Verbindung mit dem Kapitel 4 wird es noch deutlicher werden, dass regionale Forschungs- und Innovationsmaßnahmen einen erheblichen Einfluss auf die Ausgestaltung der europäischen Forschungskapazität haben. Zu nennen sind z.B. „Organisation und Entwicklung von Forschungsinfrastruktur, Spezialgeräte und- anlagen; Verbindungen zu Zonen der industriellen Entwicklung; den Aufbau und die Förderung von Exzellenzzentren, die Errichtung von Wissenschafts- und Technologieparks, die Mobilität von Wissenschaftlern etc.“ (KOM 2001 : 6). Bei der Entwicklung und Ausgestaltung des Europäischen Forschungsraums wird deshalb ein besonderes Augenmerk auf die Regionen, die die Rolle dynamischer Akteure einnehmen, gelegt. Sie können der Union beim angestrebten Übergang zur wissensgestützten Wirtschaft durch gezielte Anstrengungen helfen. Diese Strategie wird auf der einen Seite durch die Rahmenprogramme und auf der anderen Seite durch die Strukturfonds unterstützt. Zusammengefasst kann daher gesagt werden, dass die Rahmenprogramme den regionalen Einrichtungen „eine Fülle neuer Chancen [eröffnen], da es ihnen vielfältige Möglichkeiten der Beteiligung bietet und eine raschere Integration in die entstehende Wissenswirtschaft und -gesellschaft ermöglicht“, so die Aussage der Europäische Kommission (vgl. KOM 2001 : 24). In der Mitteilung der Kommission „ Die regionale Dimension des Europäischen Forschungsraums“ wird dabei explizit auf die RIS hingewiesen (vgl. KOM 2001 : 8f.).
3 Innovationstheorie und Innovationsmodelle 9
3 Innovationstheorie und Innovationsmodelle
Dieses Kapitel ist der Definition der Innovation gewidmet. Zunächst wird die Innovationsforschung des österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter behandelt. Er hat mit dem Werk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ die Innovationsforschung geprägt. Das aus seiner Definition abgeleitete lineare Innovationsmodell und dessen Weiterentwicklung, welches für den Übergang hin zu einem Innovationssystem gebraucht wird, findet ebenso Erwähnung wie die Entstehungsgeschichte der Innovationssysteme und hier speziell das nationale Konzept.
3.1 Theorie der Innovation
Viele Fachgebiete in der Wissenschaft beschäftigen sich mit dem Konzept der Innovation. Diverse Definitionen zur Innovation findet man in den Bereichen Soziologie, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie oder Erziehungswissenschaften. Da diese Arbeit einen wirtschaftlichen Hintergrund hat, wird sich die Definition des Innovationsbegriffs auch auf diesen Bereich begrenzen.
In der Wirtschaft bezeichnet man die Innovation häufig als Hauptantriebskraft des wirtschaftlichen Wandels (vgl. Schröder 2006 : 59). Die Meinungen über die genaue Definition sind vielfältig. Der Wortstamm „innovatio“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet nichts anderes als Erneuerung oder Schaffung. Allgemein kann also mit Innovation ein Prozess verstanden werden, an dessen Ende ein neuer Zustand steht. Hierunter fallen z.B. neues Wissen oder neue Wissenschaften (vgl. Gutowski 1999 : 4). Die Arbeit Schumpeters „Theorie der wirtschaftliche Entwicklung“ aus dem Jahr 1911 bildet den größten Ansatzpunkt, um sich mit dem Begriff der Innovation auseinander zu setzen. Die Innovation bzw. Neuerung in Bezug auf den dynamischen Prozess der Wirtschaft, wird hierbei zur Klärung des Phänomens der Konjunkturzyklen herangezogen (vgl. Backhaus 2000 : 7). Schumpeter setzt sich mit dem Unternehmer, als wagemutigem Pionier, auseinander. Dieser ist risikobereit, für neue Ideen offen, greift solche auf und verwendet neue Kombinationen von Produktionsmitteln und Organisationsformen (vgl. Koschatzky 2001 : 27). Als Folge treten eine Vielzahl von unterschiedlichen Innovationstypen auf: Produktinnovation, Verfahrensinnovation, Erschließung neuer Bezugs- und Absatzmärkte oder die Einführung einer neuen Organisation (vgl. Schätzl 1996 : 152). Forschungsaktivitäten haben dabei nach Schumpeter nichts mit
3 Innovationstheorie und Innovationsmodelle 10
Innovationstätigkeiten des Unternehmers zu tun. Der Unternehmer ist nur für die Durchsetzung neuer Kombinationen verantwortlich und nicht für dessen Finden oder Erfinden (vgl. Schumpeter 1993 : 129). Der Pionierunternehmer sorgt nach Schumpeters Ansicht durch schöpferische Zerstörung für den Antrieb des dynamischen Entwicklungsprozesses. Die Vorstellung, dass Innovation unregelmäßig und spontan ist, wurde bis Anfang der 40er Jahre vertreten, und zwar so lange, bis Schumpeter die FuE berücksichtigte. FuE erfolgte allerdings nur in Abteilung von Großunternehmen und zwar kollektiv und zielgerichtet. Dies liegt am Konkurrenzkampf, dem sich die einzelnen Unternehmer ausgesetzt sahen. So wurde die Beeinflussung des Erfindungsprozesses zur Sicherung von Wettbewerbsvorteilen durch die Erschließung neuer Märkte wichtig und in das Aufgabenfeld der Unternehmen integriert.
In diesem Zusammenhang wird auf das lineare Innovationsmodell hingewiesen, mit dessen Hilfe die traditionelle Sicht der Innovation erklärt werden kann. Im Wesentlichen gründet sich dieses Modell auf drei Phasen: Invention, Innovation und Diffusion. Abbildung 1 verdeutlicht, dass das Verständnis von Innovation dabei geradlinig und relativ konform verläuft. Die einzelnen Phasen sind klar von einander getrennt (vgl. Backhaus 2000 : 9).
Schätzl definiert die drei Phasen wie folgt (Schätzl 1996 : 110): „Unter einer Invention ist die Entdeckung neuer Problemlösungen, neuer Ideen zu verstehen. Die Innovation bezeichnet die erstmalige Durchsetzung der Erfindung, die erstmalige Realisierung der neuen Idee und die Diffusion deren allgemeine Verbreitung.“
Das lineare Modell der Innovation wird jedoch kritisiert: Einzelne Phasen innerhalb des Prozesses sind nicht vernetzt, es gibt keine Rückkopplungsmechanismen, Lernprozesse werden nicht berücksichtigt und der Informationsfluss geht nur in eine Richtung (vgl. Bathelt/Depner 2003 : 130). Ausgangspunkt der Innovation muss nicht unbedingt die Forschung und Wissenschaft sein. Kunden, Lieferanten oder andere Kooperationspartner mit ihren Bedürfnissen und daraus resultierenden Nachfragen können ebenfalls Auslöser sein. Um dies zu berücksichtigen, bedient man sich der evolutionären Theorie, die in einem
3 Innovationstheorie und Innovationsmodelle 11
interaktiven Modell den realen Innovationsprozess etwas besser beschreibt. Eine Möglichkeit der Darstellung bildet das „Chain-Linked“-Modell von Kline und Rosenberg (1986), welches Abbildung 2 in vereinfachter Form zeigt.
Das Lernen wurde als zentraler Aspekt integriert, Interaktionen zwischen den einzelnen, am Prozess beteiligten Akteuren finden Verwendung und die Elemente Wissen und Forschung begleiten den ganzen Innovationsprozess. Der Prozess des Lernens wird durch die Rückkopplungsmechanismen zwischen den einzelnen, vernetzten Gliedern des Innovationsprozesses garantiert. Bathelt und Depner (2003) sehen in dem Zusammenhang vor allem den Informationsaustausch zwischen den beteiligten Akteuren und die Absorption der Informationen durch die Akteure als wichtig an. Dieses kommt nur zustande, wenn alle über eine gemeinsame Wissensbasis verfügen. Die Kombination der individuell vorhandenen Wissensbestände kann zu neuen Lösungswegen 5 führen und neues Wissen entstehen lassen (vgl. Bathelt/Depner 2003 : 130). Wissen baut dabei auf bereits bestehendem auf, eine Meinung die auch Koschatzky (2001) teilt. Innovation, FuE basieren auf Informationen und Wissen (vgl. Koschatzky 2001 : 49).
5 Neue Lösungswege innerhalb so genannter Communities of Practice.
3 Innovationstheorie und Innovationsmodelle 12
Wissen spielt also eine entscheidende Rolle für Unternehmen. Sie müssen es gezielt einsetzen, da „Wissensvorsprünge in vielen Bereichen der entscheidende Wettbewerbsvorteil“ sind (vgl. Nonaka, 1995 : 6). Schröder führt in diesem Fall eine begriffliche Operationalisierung des Wissensfaktors anhand zweier Dimensionen durch (vgl. Schröder 2006 : 65). Die erste Dimension stützt sich auf die von Polanyi herausgearbeitete Unterscheidung: explizites und implizites Wissen. Wissen besteht dabei aus Fakten, einem Code zur Interpretation von Informationen, expliziten Theorien sowie kognitiven und intuitiven Elementen (vgl. Koschatzky 2001 : 49). Die zweite Dimension von Wissen wird von Lundvall und Johnson (1994) verwendet. Sie unterscheiden vier Arten von Wissen: faktisches Wissen (know-what), theoretisches Wissen (know-why), praktisches Wissen (know-how) und Zugangswissen (know-who / know-where).
In der heutigen Zeit beschränkt sich FuE jedoch nicht nur auf große Unternehmen, sie findet auch bei anderen Akteuren bzw. Kombinationen verschiedener Technologiebereiche räumlich verbreitet statt.
Blättel-Mink (1997) weist in ihrer Arbeit auf die Bedeutung des Raumes hin. Der hohe Stellenwert der räumlichen Vernetzung der Innovationsaktivitäten sorgt schrittweise für die Eliminierung des Unternehmers nach Schumpeters Vorstellung, da dieser wichtige Innovationsaspekte ausblendet. Der Innovationserfolg wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst, die nicht im direkten unternehmerischen Einfluss zu finden sind (vgl. Schröder 2006 : 63). Ein Netzwerk von wirtschaftlichen und außerwirtschaftlichen Akteuren rückt mehr und mehr in den Vordergrund; die Idee eines (egal, ob regionalen, nationalen oder supranationalen) Innovationssystems ist die Folge (vgl. Blättel-Mink 1997 : 24). Die Definition der Innovation formuliert Blättel-Mink (1997 :25) wie folgt: „Innovation wird verstanden als ein fortlaufender Prozess des Lernens, Suchens und Forschens, der zu neuen Techniken, neuen Organisationsformen und neuen Märkten führen soll.“ In der Tradition von Schumpeter fügt Lundvall hinzu (Lundvall 1992 : 8) 6 : „Almost all innovations reflect already existing knowledge, combined in new ways.”
3.1.1 Wissen, Lernen und Interaktion
Bevor die Innovationssysteme behandelt werden, müssen noch einmal die Bestandteile Wissen, Lernen und Interaktion in den Fokus gerückt werden, die in Abschnitt 3.1 mit dem Begriff der Innovation in Verbindung gebracht wurden.
6 Die neue Kombination akkumulierten Wissens, bei Schumpeter die Neukombination des Produktionsvorrates.
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Das Wissen, das nach Polanyi (1985) in unterschiedlicher Form vorliegt, unterteilt sich, wie bereits in Abschnitt 3.1 erwähnt, in explizites und implizites Wissen. Das explizite Wissen ist bereits kodifiziert, leicht formalisierbar und dokumentiert. Es liegt in Publikationen, mathematischen Formeln, Datenbanken etc. vor. Die Eigenschaften des expliziten Wissens eignet sich besonders gut zur Erhaltung und Weitergabe. Die Weitergabe zwischen den Akteuren und über nationale Grenzen hinweg verläuft problemlos und ohne größere Zusatzkosten.
Im Gegensatz hierzu steht das implizite Wissen, das in seiner Form nicht kodifiziert, dokumentiert und artikuliert ist (vgl. Polanyi 1985 : 18ff.). Die Entwicklung und Akkumulation dieser Wissensart vollzieht sich in einem Innovationssystem über einen längeren Zeitraum hinweg. Es wird auch als „tacit knowledge“ bezeichnet und findet sich bei Personen, in Handlungsroutinen oder in Handlungsabläufen wieder. Somit ist es verborgen und stillschweigend oder anders gesagt „… has a personal quality, which makes it hard to formalize and communicate“ (vgl. Nonaka 1995 : 16). Steg (2005 : 24) greift noch eine Definition von Polanyi auf, in der „tacit knowledge as existing when someone knows more than he can tell“ bezeichnet wird. Implizites Wissen ist deshalb nicht so leicht transferierbar wie explizites. D.h. es kann nicht so leicht über eine längere Distanz transportiert werden. Es ist personengebunden und kann nur durch den persönlichen Kontakt oder verbale und non-verbale Kommunikation übertragen werden. Ferner muss es dabei noch entschlüsselt werden (vgl. Nonaka 1995 : 59f.). Da dieses Wissen jedoch gerade für die Innovation eine wichtige Basis darstellt, muss beachtet werden, dass deren Übermittlung effizient und zielgerichtet nur durch räumliche und soziale Nähe vollzogen werden kann.
Der Erfolgsfaktor Wissen muss im Innovationsprozess weltweit beschafft werden. Auch dessen Diskussion, Vertiefung, Weiterentwicklung und Umsetzung wird im Kontext einer räumlichen Ebene erwartet. Wissen entsteht nach Ansicht von Backhaus (2000) immer ortsgebunden und findet dabei die erste Umsetzung. Die globale Verfügbarkeit tritt erst nach einer gewissen Zeit ein. Deshalb sind in einer frühen Phase der Wissensgenerierung persönliche Face-to-Face-Kontakte im Innovationsprozess entscheidend (vgl. Backhaus 2000 : 2).
Ein weiterer wichtiger Faktor im Innovationsprozess ist das Lernen. Wissen kann durch Lernen angeeignet werden. Daneben vermag Lernen das Wissen zu verändern. Wird gelerntes Wissen angewendet, kann neues Wissen erzeugt und die Wissensbasis verbreitert
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werden. In der Literatur lassen sich verschiedene Arten des Lernens finden. Koschatzky (2001) weist auf „learning by doing“, „learning by using“ und „learning by interacting“ hin (vgl. Koschatzky 2001 : 50f.). Die beiden erst genannten Lernformen sind eher im Produktionsumfeld angesiedelt. Das „learning by interacting“, geprägt durch Lundvall (1988), zielt auf die Zusammenarbeit von Produzent und Nutzer ab. Voß (2002) stellt den Zusammenhang der Formen des interaktiven Lernens in Abbildung 3 dar.
Das Zentrum bildet hier das „Learning by networking“, d.h. das Lernen in einem Netzwerk, in dem zusammengearbeitet wird.
Nicht nur seit Schumpeter ist bekannt, dass Innovation auch Unsicherheit in sich birgt. Wie aber kann diese Unsicherheit minimiert oder eliminiert werden? Dabei ist es wichtig zu wissen wie Unsicherheit verstanden wird, „…Producers have no information about potential user needs and users have no knowledge about the use-value characteristics of new products“ (Lundvall 1988 : 350). Die Antwort findet sich nach Lundvall (1988) in der Kooperation beider Akteure. Kooperationen zur Unsicherheitsreduktion können aber nur von Erfolg gekrönt sein, wenn gegenseitiges Vertrauen sowie Verhaltensregeln, die beide respektieren, für den Umgang miteinander bestehen.
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Die Interaktion beider Akteure wird durch die schon im Abschnitt 3.1 angesprochene und durch Blättel-Mink (1997) hervorgehobene Bedeutung des Raumes untermauert. Lundvall (vgl. 1988 : 352) spricht in diesem Zusammenhang vom organisierten Markt, welcher die Kommunikation und Interaktion der Akteure auf einem qualitativ hohem Niveau ermöglicht und somit einen geeigneten institutionellen Rahmen bildet. Kennzeichnende Elemente und Eigenschaften des Marktes finden sich in den Charakteristika, wie dauerhafte und spezifische Beziehungen, abgestimmte Verhaltensregeln sowie besser entwickelten Informationskanäle und Codes wieder. Hierdurch wird das interaktive Lernen zwischen den einzelnen Akteuren unterstützt und damit auch der Innovationsprozess.
Barrieren im Innovationsprozess entstehen durch die Distanz. Steg (2005 : 22f.) unterteilt die Distanz in vier verschiedene Dimensionen und bezieht sich dabei auf Cantwell (1999 : 235) und Lundvall (1988). Die erste Distanz ist die räumliche bzw. geographische, welche unmittelbar mit der Intensität der Akteursbeziehungen und Interaktionen zusammenhängt. Gleichzeitig werden Innovations- und Lernprozesse durch eine direkte Kommunikation und einem „Face-to-Face“-Austausch unterstützt. Als zweite Distanz wird die organisatorische angeführt. Sie gibt den vertikalen oder horizontalen Integrationsgrad an, z.B. in einer Branche. Die dritte die, ökonomische Distanz betrifft die Zulieferbeziehungen. Die letzte Distanz bezieht sich auf die Kulturbasis und deren Vorhandensein. Die räumliche Nähe und ein gemeinsamer kultureller Ursprung sind Voraussetzungen für qualitativ hochwertige Kommunikationskanäle, Beziehungen und Interaktionen im Innovationsprozess (vgl. Lundvall 1988 :350-356, 360ff.).
3.2 Theorie der Innovationssysteme
Dieser Abschnitt hat die Entwicklung der Innovationssysteme zum Inhalt. Der Begriff wird abgrenzt und einzelne Elemente werden herausgearbeitet. Später wird zur Vorbereitung auf die RIS, kurz Bezug auf die NIS genommen.
Mit dem Begriff Innovationssystem wurde lange Zeit nur die Forschungsinfrastruktur im Bereich der öffentlichen, halb - öffentlichen und industriellen FuE verstanden. Heute sind aber nicht mehr nur einzelne Forscher bzw. Einrichtungen für zufällige wissenschaftliche Erfindungen und neue Techniken verantwortlich. Innovationen gelten als Ergebnis eines interaktiven Prozesses mit zahlreichen Interdependenzen zwischen unterschiedlichen Akteuren (vgl. Backhaus 2000 : 11). D.h. systematisch produzierte Resultate werden in der
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Regel durch zahlreiche Personen und Institutionen in komplexen sozialen und technischen Prozessen gebildet. Kooperation, Vernetzung und ein vielfältiger Austausch von Wissen bilden die wichtige Basis im Innovationsprozess (vgl. Gutowski 1999 : 8). Die erforderliche Kumulation und Verknüpfung von Wissen vollzieht sich dabei in sog. „innovationsorientierten Netzwerken“, die aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Akteuren bestehen. Akteure innerhalb eines Innovationssystems gehören dabei verschiedenen gesellschaftlichen Subsystemen an (vgl. Bathelt/Depner 2003 :131). Diese Zusammensetzung macht sich das Innovationssystem zu Nutze, in dem es auf die Synergiepotenziale der beteiligten Akteure zurückgreift, um daraus neues Wissen zu erzeugen. Das Konzept der Arbeitsteilung wird dabei von Fritsch (1999) angesprochen. Es ist für den Innovationsprozess wichtig und besteht zwischen den einzelnen Organisationen bzw. Akteuren innerhalb eines Innovationssystems. Verflechtungen und Wissenstransfers zwischen den innovationsrelevanten Akteuren fällt durch das veränderte Verständnis des Innovationsprozesses nunmehr eine entscheidende Rolle zu (vgl. Fritsch 1997 : 19). Rahmenbedingungen für die Erzeugung und Diffusion von Wissen werden infolgedessen bereitgestellt. Die Akteure kommen aus Schulen, Universitäten, Forschungsinstituten 7 , industriellen Unternehmen und politisch-administrativen Instanzen sowie aus formellen und informellen Netzwerken. Des Weiteren sind noch die staatlichen, halbstaatlichen und privaten Einrichtungen zur Finanzierung, Regulierung und Normensetzung zu nennen (vgl. Backhaus 2000 : 12). Das Zusammenspiel prägt die Vernetzung aller Akteure bzw. Elemente im Innovationssystem und stellt so einen entscheidenden Faktor für dessen Funktionsweise dar (vgl. Fritsch 1999 : 6).
Kommunikation und Interaktion zwischen den Akteuren werden durch Institutionen gelenkt. Handlungsregeln und -anweisungen finden sich ebenso in den Institutionen wieder wie die Erleichterung des gegenseitigen Vertrauensaufbaus. Diese erlauben es, die Verhaltensweisen von Dritten besser abzuschätzen (vgl. Bathelt/Depner 2003 : 132). Edquist definiert Institutionen als „…the things, that pattern behaviour, e.g., routines, norms, shared expectations, morals, etc.“ (Edquist 1997 : 43). Institutionen bilden ferner die Voraussetzung, um Wissen zu akquirieren und an kommende Generationen weiterzugeben. In diesem Zusammenhang werden sie als Teil des impliziten Wissensbestandes eines gesellschaftlichen Teilsystems verstanden. Die Gesellschaft braucht Institutionen, um sich zu erinnern, da sonst das Gelernte verloren geht (vgl. Bathelt/Depner 2003 : 132). Innerhalb der gesellschaftlichen Teilsysteme und zwischen
7 In Deutschland z.B. Max-Planck- und Frauenhofer Gesellschaft etc.
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diesen interagieren die Akteure, so dass sich die Konventionen und Regeln ändern. Als Resultat befinden sich auch die Innovationssysteme in einem dauerhaften Wandel, da die Institutionen ein Teil dieser sind (vgl. Bathelt/Depner 2003 : 133). Kuhlmanns Definition eines Innovationssystems umfasst „…Institutionen, die wissenschaftlich forschen, Wissen akkumulieren und vermitteln, die Arbeitskräfte ausbilden, die Technologie entwickeln, die innovative Produkte und Verfahren hervorbringen sowie verbreiten; hierzu gehören auch einschlägige regulative Regimes […] sowie die staatlichen Investitionen in entsprechende Infrastrukturen“ (Kuhlmann 1999 : 12f.). Er stellt deshalb das Innovationssystem als ein hybrides System dar, siehe hierzu Abbildung 4. Hier wird ein bestimmter Ausschnitt der Gesellschaft repräsentiert. In seiner Form nimmt das hybride System Einfluss auf verschiedene Bereiche und prägt dadurch den Modernisierungsprozess der Gesellschaft (vgl. Kuhlmann 1999 : 13).
Abbildung 4 - Innovationssystem als hybrides System, Quelle: Kuhlmann 1999 : 14
Durch die komplexe Zusammensetzung des Innovationssystems ist die Einzigartigkeit eines jeden vorbestimmt. Profil und Stärke eines Innovationssystems entwickeln sich dabei langsam über Jahrzehnte. Stabile Austauschbeziehungen, die zwischen den Institutionen der Wissenschaft und Technik, der Industrie und dem politischen System vorherrschen, prägen sie.
In der Literatur werden verschiedene Arten von Innovationssystemen genannt, die die globalen, supranationalen, nationalen oder regionalen Ebenen umfassen. Ein supranationales Innovationssystem ist z.B. die EU. Dagegen ist ein NIS ein einzelnes Land
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oder ein RIS z.B. ein Bundesland, ein metropolitaner Ballungsraum oder eine andere Art von Region.
3.2.1 Nationale Innovationssysteme
Die Idee des NIS wurde Ende der 80er Jahre durch die Wissenschaftler Freeman, Lundvall und Nelson geprägt. In ihren Arbeiten legten sie den Grundstein für dieses Konzept (vgl. Cooke 1998a : 2). In den Folgejahren wurde es durch verschiedene perspektivische Betrachtungen vertieft. Es gibt unterschiedliche Erklärungsansätze und auch die Begriffsdefinition sowie die Inhalte variieren 8 . Beiträge von Lundvall (1992) sowie Nelson und Rosenberg (1993) betonenin diesem Zusammenhang z.B. die institutionellen Spezifikationen einzelner Staaten und deren Einflüsse auf betriebliche Innovationssysteme. Freeman (1987) beurteilt NIS nach ihrer Fähigkeit Basisinnovationen zu adaptieren. Wie ist es jedoch überhaupt zu dem Konzept der NIS gekommen? Steg (2005) verweist auf die Arbeit von Friedrich List, die die Wurzel dieses Konzepts bildet, aber keinen direkten Bezug zur aktuellen Version der NIS aufweist. Lists Arbeit „Das nationale System der politischen Ökonomie“ aus dem Jahre 1841 befasste sich mit der Situation Deutschlands und wie über eine nachholende Entwicklung der Anschluss an England gewonnen werden könnte (vgl. Steg 2005 : 4). Er bezog in seine Überlegungen z.B. Bildungsmaßnahmen, das (Er-) Lernen des Umgangs neuer Technologien und den Ausbau von Transportwegen (Infrastruktur) ein.
Freeman, Lundvall und Nelson gehen von einem autonomen NIS aus. Sie erklären das Innovationssystem auf der nationalen und nicht auf der Individual- bzw. Firmenebene. Die Rahmenbedingungen für das Innovationsgeschehen, wie z.B. Bildungs- und Forschungspolitik, werden durch den Nationalstaat geliefert. Daneben prägt die spezifische nationale und kulturelle Identität der Unternehmen und Bevölkerung das Territorium der Nation als Arena für das Innovationsgeschehen (vgl. Thomi/Werner 2001 : 205). In diesem Zusammenhang lässt sich auch beobachten, dass Länder mit ähnlichen Faktorausstattungen in der Technologieentwicklung unterschiedlich erfolgreich sind. Steg (2005) weist deshalb darauf hin, dass das NIS-Konzept nicht auf einem einzelnen Autor oder einer einzelnen Arbeit beruht, sondern zahlreiche Beiträge zur Grundlage hat. Da deren aus diversen Disziplinen stammen, ist es nicht verwunderlich, dass unterschiedliche Perspektiven betrachtet werden und dass es noch kein geschlossenes
8 Steg (2005 : 8) führt alleine zehn verschiedene Definitionen eines Nationalen Innovationssystems auf.
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theoretisches Modell gibt. Dennoch sind Gemeinsamkeiten und generelle Charakteristika des NIS-Konzepts zu erkennen (vgl. Steg 2005 : 7).
Werden die Ausführungen über die NIS miteinander verbunden, lassen sich vier wesentliche Elemente eines NIS herausstellen (vgl. Koschatzky 2001 : 162):
(1) Die Institutionen, gebildet durch Unternehmen, Universitäten, Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen, Normen, Routinen, Netzwerke, Finanzierungseinrichtungen und die staatliche Politik.
(2) Das Anreizsystem, d.h. die Schaffung eines Anreizes, um Innovationen und Technologietransfers durchzuführen, aber auch zu Lernen und sich so zu qualifizieren, um Unternehmen zu gründen und mobil zu sein.
(3) Die Kreativität der Innovations- und Wirtschaftsakteure. Es gibt nicht nur zwischen Ländern, sondern auch zwischen Unternehmen Unterschiede in der Vielfalt und Qualität von Dienstleistungen und Produkten sowie in diesem Zusammenhang auch ein Beschreiten neuer Entwicklungspfade.
(4) Die Kultur, d.h., jedes Land weist eine andere Einstellung und Verständnis für Innovationen auf.
Thomi und Werner (2001) weisen in ihrer Arbeit ferner auf zwei grobe Richtungen innerhalb der NIS-Ansätze hin. Zum einen auf die US-dominierte Forschung, wie z.B. von Nelson, und zum anderen auf die „Aalborg-Version“ von Lundvall. Die erste Richtung hat die Wissenschaftsinfrastruktur und die Fragen nach Strategien für staatliche sowie private FuE im Fokus. Cooke (1998b) kritisiert in diesem Zusammenhang die in der Regel fehlenden generalisierbaren Ergebnisse, die eine konsistente Theoriebildung erlauben würden. Kritik wird auch an der zweiten Richtung geübt. Diese Richtung beschäftigt sich mit dem interaktiven und sozialen Prozess des Lernens, welcher ein entscheidendes Element auf der national definierten Wissensbasis bildet, und bei der auch die soziokulturelle Einbettung der verschiedenen Akteure innerhalb ihres institutionellen Gefüges betrachtet wird (vgl. Thomi/Werner 2001 : 207). Kritisch sieht Cooke, dass es häufig an ausreichender Empirie fehlt (vgl. Cooke 1998b : 1564). Weitere Kritik üben Thomi und Werner (2001) an den vielen unreflektierten und schlecht definierten Begrifflichkeiten. So wird z.B. der Begriff der Innovation mal mehr, mal weniger oder gar nicht mit den Phänomen des Lernens gekoppelt. Auch wird z.B. von
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Diplom-Kaufmann Alexander Münzer, 2007, Ökonomische Analyse des 7. Rahmenprogramms der Europäischen Union unter Berücksichtigung der Theorie der Regionalen Innovationssysteme, München, GRIN Verlag GmbH
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