Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung.................................................................Seite 1
2.Franziska Gräfin zu Reventlow. Seite 2
2.1 Husum/Lübeck. Seite 2
2.2 Schwabing/ Ascona. Seite 4
3.„Von Paul zu Pedro“ oder „Amouresken“ Seite 7
3.1 Zusammenfassung. Seite 7
3.2 Männerbilder. Seite 10
3.2.1 Paul
3.2.2 Der Retter
3.2.3 Der fremde Herr
3.3 Die Themen Liebe und Erotik. Seite 11
4. Autobiographische Parallelen zwischen Reventlow
und der Ich-Erzählerin. Seite 12
5. Fazit. Seite 14
Literaturverzeichnis
2
1. Einleitung
„[...]bei mir steht und fällt alles mit dem Erotischen[...].“ 1
Mit diesem Zitat der Autorin selbst könnte man wohl, wenn auch nur sehr grob, das Leben der Franziska zu Reventlow betiteln. Dabei war es nie die Absicht von Reventlow einmal Schriftstellerin zu sein. Im Gegenteil, für Reventlow ist die Frau „nicht zur Arbeit, nicht für die schweren Dinge der Welt geschaffen[...]- ein Luxusobjekt in des Wortes schönster Bedeutung“ 2 . Jedoch hat sie als Schriftstellerin gearbeitet und bestritt einen Teil ihres erfahrungsreichen Lebens mit dieser Tätigkeit. Immer wieder meisterte sie den Spagat zwischen alleinerziehender Mutter und Bohèmienne ohne ihren persönlichen Freiheitsdrang oder die Bedürfnisse ihres Sohnes außer Acht zu lassen. Umso verwunderlicher erscheint daher die Tatsache, dass sich die Literaturwissenschaft erst seit den 80er-Jahren mit dieser schillernden Figur der Münchener Bohème der Jahrhundertwende beschäftigt. 3
Die vorliegende Arbeit untersucht eines ihrer späteren Werke, „Von Paul zu Pedro“. Immer wieder stößt man in der Sekundärliteratur auf verblüffende Parallelen zwischen dem Leben der Reventlow und ihren Charakteren. Daher soll diese Untersuchung versuchen zu ergründen, in wiefern der Roman „Von Paul zu Pedro“ autobiografische Züge enthält.
Hierzu soll zunächst das Leben der Reventlow anhand der wichtigsten Stationen und Personen schlaglichtartig dargestellt werden.
Danach folgt eine Vorstellung des Romans unter Berückichtigung der elementarsten Aspekte und Figuren. Besondere Bedeutung haben hierbei die verschiedenen Männertypen, die die Ich-Erzählerin im Roman skizziert und die Relation in denen sie zu diesen Figuren steht. Hierbei muss im Vorfeld angemerkt werden, dass die Sekundärliteratur in Hinblick auf die Analyse des Reventlow'schen Werkes sehr wenig Material bietet, weshalb ich in diesem Abschnitt gezwungen bin, überwiegend Hypothesen zu formulieren.
In einem dritten Schritt soll eine Synthese der Ergebnisse aus den vorrangegangenen Kapiteln erfolgen, in der herausgearbeitet wird, in wiefern der Roman letztendlich als autobiografisch gewertet werden kann.
1 Reventlow, Franziska zu: Briefe.1890-1917. München 1975. S.343
2 Reventlow, Franziska zu: Sämtliche Werke, Briefe und Tagebücher. Bd. 5. Oldenburg 2004. S.217f.
3 Vgl. Reschenberg-Rouzdar, Joke: Franziska Gräfin zu Reventlow. Partizipationschancen und -grenzen einer Frauenliteratur in der Schwabinger Bohème der Jahrhundertwende. Klagenfurt 1994 (Literatur und Soziologie, 10). S.3
3
2. Franziska Gräfin zu Reventlow
Die Reventlow wurde am 18.Mai 1871 im Schloss zu Husum als Tochter von Ludwig Christian Detlev F. Graf zu Reventlow und seiner Frau Emilie Julia Anna Luise zu Reventlow geb. Reichsgräfin zu Rantzau geboren. „Ihr Lebensweg führte Franziska zu Reventlow vom Norden des Deutschen Reiches in den Süden.“ 4 Schon früh kam sie mit geistigen und literarischen Größen ihrer Zeit in Kontakt. „In Husum lernte sie Theodor Storm kennen[...][und lebte] als Jugendliche [...]wie Heinrich und Thomas Mann und [...] Erich Mühsam in Lübeck.“ 5 Hier trat sie in den Ibsenclub ein, dessen Namensgeber Henrik Ibsen für Franziska einen wichtigen literarischen Einfluss darstellte. In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts zog Reventlow nach München, dem damaligen künstlerischen Zentrum des Deutschen Reiches und war dort fester und zentraler Bestandteil der Schwabinger Bohèmekultur. Hier unterhielt sie wichtige Kontakte zu der Gruppe der Kosmiker und wurde durch ihre freizügige und doch aristokratisch geprägte Lebensweise zu einem Sinnbild für deren Neudefinition des antiken Hetärenbegriffes.
Ab 1910 lebte sie mit ihrem unehelichen Sohn Rolf in Ascona, „dem Ort, an dem man versuchte, die in jener Zeit entwickelten Utopien von einer naturverbundenen Lebensweise umzusetzen.“ 6 Freiheit, Ungebundenheit und freie Entfaltung der Sexualität beider Geschlechter gehörten zeitlebens zu Reventlows Lebensgefühl und das drückt sich auch in ihrem schmalen literarischen Werk aus. Neben den „Amouresken“, die von einem reichen Erfahrungsschatz in Bezug auf Männer und Liebesbeziehungen schließen lassen, kritisiert sie in „Herrn Dames Aufzeichnungen“ den Kreis der Kosmiker um Ludwig Klages und nimmt in „Der Geldkomplex“ ihre eigene finanzielle Misere zum Anlass, die damals populäre Psychoanalyse in ihre Schranken zu verweisen. Insgesamt kann man sagen, dass „sie zu den Frauen [gehörte], die durch ihre Vorbildwirkung mit zu einer Entwicklung beigetragen haben, die unsere heutige soziale Welt entscheidend prägt.“ 7
4 Egbringhoff, Ulla: Franziska zu Reventlow. Reinbek bei Hamburg 2000. S.7.
5 Ebd.
6 Ebd.
7 Kubitschek, Brigitta: Ein Frauenleben im Umbruch. In: Franziska zu Reventlow: Sämtliche Werke, Briefe und Tagebücher. Oldenburg 2004. S. 548.
4
2.1 Husum/Lübeck
Die Kindheit und Jugend von Fanny Liane Wilhelmine Sophie Adrienne Auguste Comtesse zu Reventlow 8 war geprägt von Konflikten mit ihrem Elternhaus und dem ständigen Drang nach Freiheit als ein Resultat daraus. Franziskas Vater, preußischer Landrat, stand seiner jüngeren Tochter sehr reserviert gegenüber, wesentlich wichtiger jedoch für die Ausformung des Charakters war die schwierige Beziehung zur Mutter. 9 Franziska beschreibt in ihren Texten, von denen „Ellen Ollestjerne“ als ihre Autobiografie der ersten 30 Jahre gilt, die Mutter als „kalte, lieblose, abweisende Frau [...], die aus ihrer Tochter den zeitgenössischen standesgemäßen Vorstellungen entsprechend eine 'Tochter aus gutem Hause' machen wollte.“ 10 Als die Mutter durch den Tod des ältesten Sohnes sehr mitgenommen ist, wird die Erziehungsaufgabe zunächst wechselnden Gouvernanten übertragen. Nachdem die Eltern 1885 zu einer längeren Reise aufbrechen, erkrankt die aktuelle Gouvernante, was für Franziska und ihren jüngeren Brüder Karl, zu dem sie ein sehr enges Verhältnis hat, eine lange Zeit der Freiheit bedeutet. Diese Zeit nutzen die beiden Geschwister ausgiebig, um in Husum und Umgebung bummeln zu gehen. Als die Eltern nach ihrer Heimkehr von diesen Aktivitäten erfahren, beschließen sie Franziska ins Freiadelige Magdalenenstift, ein Mädchenpensionat für Töchter aus Adelsfamilien, zu geben, da sie darin die letzte Möglichkeit sehen „ihr rebellisches und aufrührerisches Wesen zu bändigen.“ 11 Doch entgegen ihren Hoffnungen läuft Franziska immer weiter gegen ihr vorgesetzte Autoritäten an. So schreibt sie bereits als junge Erwachsene:
Ich will und muss einmal frei werden; es liegt nun einmal in meiner Natur, dieses maßlose Streben, Sehnen nach Freiheit. Die kleinste Fessel, die andere gar nicht als solche ansehen, drückt mich unerträglich, unaushaltbar und ich muß gegen alle Fesseln, alle Schranken ankämpfen, anrennen. 12
Nach mehreren eklatanten verstößen gegen die Hausordnung des Pensionats, wird Franziska der Schule verwiesen und kehrt zu ihrer Familie auf das Husumer Schloss zurück. Jedoch nimmt sie aus dieser Zeit wichtige Fähigkeiten mit, die ihren späteren Lebensweg deutlich vereinfachen sollen. Neben dem Erlernen der französischen und englischen Sprache, gehörten Unterricht im Schönschreiben, Zeichnen und Malen, sowie in Musik, Gesang und Tanz zu ihren Fächern. 13
8 Franziskas vollständiger und geburtsurkundlicher Name
9 Vgl. Egbringhoff, Ulla: Franziska zu Reventlow. Reinbek bei Hamburg 2000. S. 15
10 Ebd.
11 Ebd. S.20
12 Reventlow, F.: Briefe. S.154.
13 Vgl. Egbringhoff, U.: Franziska zu Reventlow. S. 20.
5
Arbeit zitieren:
Lars Hippenstiel, 2008, Männerbilder in Franziska zu Reventlows "Von Paul zu Pedro", München, GRIN Verlag GmbH
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