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Hauptseminar Ethnolinguistik
Institut für Afrikanistik
Universität zu Köln
Das Sprechen über Emotionen als Teil der menschlichen Kultur
Körperidiome und Farben als Emotionsausdruck in afrikanischen Sprachen
SS 2008 Marc Becker und Andrea Lieske
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Inhalt
1. Einleitung (MB + AL) ... 3
2. Emotionen (MB) ... 4
2.1 Basisemotionen nach Plutchik... 4
2.2. Konnotationen der Emotionen nach Kövesces ... 5
2.3. James Lange Theory: Entstehung der Emotionen... 6
3. Die Kommunikation über Emotionen (AL) ... 7
3.1. Force Dynamics Strategien des Sprechens über Emotionen ... 7
3.2. Psi`s Redewendungen aus der Werkzeugkiste der Sprache... 8
3.3. Sprachstrategien zwischen Wahrheit und Gesichtswahrung... 11
4. Farben Das Gesehene und die Sicht darauf (AL)... 12
4.1. Wie sehen wir? Farben als kulturelles Phänomen ... 12
4.2 Farben als Verstärkung der Psi`s ... 13
5. Körperteilidiome Man sieht nur mit dem Herzen gut (AL)... 15
5.1 Körperidiome Zielbereiche und Varianten der Bildung ... 15
5.2. Der Transfer vom Erlebten zur Kommunikation ... 17
6. Körperteilidiome und Farben in afrikanischen Sprachen ... 19
6.1. Einführung (AL)... 19
6.2. Beispiele aus dem Zulu, Republic of South Africa (MB)... 19
6.3. Beispiele aus dem Hausa (AL)... 21
6.4. Sprichworte auf den Goldmünzen der Ashanti (AL)... 24
7. Schlussfolgerung (MB + AL) ... 25
Quellen
M.B. = Autor Marc Becker
A.L. = Autor Andrea Lieske
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1. Einleitung
Der Mensch zeichnet sich durch die Vielfalt seiner Kommunikation aus. Das wesentliche
Werkzeug hierzu ist unsere Sprache. Kaum ein Thema wird intensiver besprochen und ist
zugleich schwerer fassbar als das eigene Empfinden. Wie sage ich, was ich fühle? Wie
werde ich verstanden? Die Kommunikation über Emotionen unterliegt sprach- und
kulturimpliziten Regeln. Trotz der Vielfalt der unterschiedlichen Wege, wie in den
Sprachen der Welt über Emotion gesprochen wird, lassen sich Gemeinsamkeiten
feststellen.
Um diese herauszustellen widmen wir uns in dieser Arbeit zunächst der Frage, was
Emotionen eigentlich sind und wie sie entstehen. Neben den Basisemotionen nach Plutchik
stehen hierbei auch global auftretende Konnotationen zu Emotionen im Mittelpunkt.
Diesen vermuteten Universalien im Bereich der Emotionen werden nun Strategien der
Kommunikation zur Seite gestellt, die Force Dynamics und Psi`s. Die Force Dynamics,
die Strategien des Sprechens über psychische und physische Zustände, und die Psi`s, die
am häufigsten dafür verwendeten Konstrukte, gehören zum Repertoire jeder Sprache.
Dennoch sind sie äußerst variantenreich und spiegeln den Reichtum der menschlichen
Kulturen wider.
Mit dem Sprechen über Emotionen gibt der Sprecher einen Teil von sich preis, öffnet sich,
macht sich eventuell sogar angreifbar. Die Wege, seine Empfindungen klar auszudrücken
und dennoch einen Gesichtsverlust zu vermeiden, bilden den nächsten Punkt. Diese Off-
Record-Strategien erfordern ein hohes Maß an Sprachgewandtheit des Sprechers und sind
ebenfalls kulturbedingt. Diese Kulturbedingtheit basiert unter anderem auf der natürlichen
Umwelt, dem Traditionsschatz und auch den Tabus einer Gesellschaft.
Neben der Körperwahrnehmung und ihren Mechanismen spielt auch die
Farbwahrnehmung eine entscheidende Rolle für unsere Kommunikation. Wie wir sehen ist
neben biologischen Regeln auch soziokulturellen Prägungen unterworfen. Farben sind
letztlich also kulturelle Phänomene, die auch zur Verstärkung der Psi`s eingesetzt werden
können.
In der anschließenden Betrachtung der Verwendung von Körperteilidiomen in der Sprache
beschäftigen wir uns mit dem zweiten global auftretenden Universalie des Sprechens über
Emotionen. Gemäß dem Anthropozentrismus stellt diese Verwendung von Körper oder
Körperteil bezogenen Formulierungen eine der wichtigsten Strategien menschlicher
Kommunikation über Gefühle dar. Auch die verschiedenen Ursprünge solcher Wendungen
sowie die variantenreichen Ausprägungen spiegeln die Vielfalt menschlicher Sprache.
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Die globale Verbreitung und die Universalität der Verwendung von Körperidiomen,
Psi`s und Farben zur Kommunikation in den Sprachen der Welt zeigt der nächste Teil
dieser Arbeit auf. Hierbei werden aus drei sehr unterschiedlichen Kulturen einzelne
Aspekte des Emotionsausdruckes aufgegriffen und mit Sprachbeispielen unterlegt. Anhand
des Hausa, des Zulu und des Ashanti bietet sich ein faszinierender Einblick in die
vielfältige und im wahrsten Sinne auch farbenfrohe Nutzung solcher Sprachwerkzeuge.
Die Zusammenfassung der in dieser Arbeit gewonnenen Erkenntnisse, mit welchen
Strategien Menschen über Emotionen sprechen, bildet den Abschluss.
2. Emotionen
2.1 Basisemotionen nach Plutchik
Nach dem US-amerikanischen Psychologen Robert Plutchik zu urteilen gibt es acht
verschieden Basisemotionen, welche benannt sind als:
1. Furcht/Angst
2. Ärger/Zorn
3. Freude/Glück
4. Trauer
5. Akzeptanz/Vertrauen
6. Ekel
7. Erwartung
8. Überraschung
Diese einzelnen Basisemotionen sind miteinander kombinierbar und geben somit das
Spektrum der Emotionen wieder, das wir Menschen fühlen.
So definiert Plutchik, die Kombination aus Erwartung und Freude als Optimismus.
Hingegen bildet sich aus der Mischung von Furcht und Eckel das Gefühl der Scham.
Wenn sich zwei oder auch mehr Basisemotionen, die gegenläufige Emotionen beschreiben,
mit gleicher Intensität miteinander verknüpfen, kommt es zur gegenseitigen Aufhebung
oder gar zur emotionalen Verwirrung. Solche Emotionsverknüpfungen können bis hin zur
kompletten Handlungsunfähigkeit des Menschen führen, wie sie zum Beispiel gemischte
Freude und Furcht auslösen.
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Emotionen sind hierbei Ketten aus Reiz (Input), Bewertung (Verarbeitung) und Reaktion
(Output) anders gesagt erfolgt auf jeden Reiz eine kognitive Bewertung, die dann das
emotionale Verhalten des Menschen bestimmt.
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Dies zeigte auch die Linguistin Wierzbicka für das Phänomen Angst auf, das sie in sieben
Stufen unterteilte.
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Diese Basisemotionen sind allen Menschen gegeben, so gehen neben Plutchik als auch
andere Autoren davon aus, dass diese Emotionen erblich also genetisch bedingt sind.
Ein Problem, das hierbei auftritt, ist die unterschiedlich kulturelle Bewertung, Benennung
und Umsetzung dieser Basiemotionen. So werden wir in Teilen der Welt und der
Sachliteratur von neun oder nur auch nur sechs Basisemotionen hören. Dies liegt darin
begründet, dass Teile der von Plutchik benannten Basisemotionen in der Welt anders
konnotiert werden. Zudem werden partiell andere Emotionen ebenso als Grund- oder
Basisemotionen angesehen, da sie sich nur ansatzweise mit Emotionsverknüpfungen
erklären lassen.
2.2. Konnotationen der Emotionen nach Kövesces
In der Betrachtung spezieller Metaphern in der Welt der Emotionen stoßen wir immer
wieder auf dieselben Konnotationen, mit denen Emotionen beschrieben oder treffender
umschrieben werden.
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Kövecses spricht in daher von generellen emotionsspezifischen Metaphern, es gibt also
nach ihm spezielle Metaphern mit denen im Generellen die meisten Basisemotionen
konnotiert werden. So wird zum Beispiel Ärger/ Zorn oft mit einem wilden Tier oder
besser mit dem Verhalten eines solchen gleichgesetzt. Doch auch Metaphern eines
geschlossenen Gefäßes (Herz, Körper) das überkocht oder zu explodieren droht wird gern
verwendet. Auch wird die Basisemotion Zorn/Wut/Ärger oft gleichgesetzt mit dem
Überschreiten von Grenzen. Diese natürlich im sprichwörtlichen Sinne gemeinte Metapher
meint die menschliche Toleranzgrenze wie in ,,Das Maß ist Voll!" oder ,,Bis hier hin und
nicht weiter!". Der Sprecher zieht somit eine imaginäre Grenze, die seiner Toleranzgrenze
entspricht. Wird diese überschritten drohen Konsequenzen, dies macht die Sprache dem
Eingeweihten klar deutlich. Umschrieben wird mit solchen Formulierungen aber auch die
eigene Schwelle zur Aggression, die Schwelle, die verhindert, dass man sich ,,wie ein wild
gewordenes Tier" aufführt.
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http://homepage.univie.ac.at/michael.trimmel/motivation_ss2002/DieEmotionstheorievonRobertPlutchik.pdf
Stand: 01.06.2008
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Quelle Wierzbicka 1999
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Kövecses 1998
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Angst wird dagegen in den meisten Kulturen der Welt als lähmend empfunden oder auch
einem übermächtigen Feind gleichgesetzt, zuweilen wird Furcht auch als ein
übernatürliches Wesen oder eine übernatürliche Präsenz empfunden, die man nicht
bekämpfen kann.
Ausdrücke wie ,,Ich war vor Angst gelähmt" oder ,,Die Angst überkam mich" schildern
dies deutlich. Der Mensch wird somit als zur Passivität verdammt beschrieben. Er wird
zum Opfer seiner eigenen Angst, die er nicht bekämpfen kann, die einfach über ihn
kommt, gleich einer ,,dämonischen Macht" ohne dass er Gegenmaßnahmen ergreifen kann.
Ähnliches gilt auch für Trauer, die in vielen Kulturen ebenso als lähmend oder als
übermächtiger Gegner gesehen wird, der man nachgeben muss, um sie zu besiegen.
In den meisten Sprachen dieser Welt wird Freude /Glück mit dem Gefühl zu fliegen oder
dem Gefühl zu schweben gleichgesetzt.
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Ausdrücke ,,mein Herz flatterte vor Glück" oder
,,auf Wolke Sieben schweben" sind auch im Deutschen bekannt.
Scham dagegen wird häufig mit dem Gefühl keine Kleider am Leib zu tragen, also den
Blicken anderer ausgesetzt zu sein, assoziiert, aber auch oft mit dem Gefühl sich vor der
Welt zu verschließen. Das Bedürfnis die äußere Welt auszusperren und sich ,,in sein
Schneckenhaus zurückzuziehen", gar ,,sich einzuigeln" kennen wir aus der deutschen
Sprache. Gleichzeitig zeigen Sprichwörter auch ein zweites, generelles Gefühl, mit dem
Scham konnotiert wird: das Schrumpfen oder das Bedürfnis, sich möglichst klein zu
machen.
Sich ,,einzuigeln" und sich ,,in sein Schneckenhaus" zurückzuziehen, das vermögen nur
sehr kleine Tiere. Man schrumpft also innerlich auf die Bedeutung einer Schnecke oder
eines Igels, versucht sich unauffällig zu machen, vor den Augen der Welt zu verschwinden.
Diese und andere Metaphern werden laut Kövecses in den Sprachen dieser Welt am
häufigsten gewählt, wenn Sprecher Emotionen wie Wut, Angst, Glück oder Scham
ausdrücken. Es gibt also weltweit vertretene Metaphern, die Emotionen darstellen. Diese
können in den einzelnen Kulturen überaus differenziert auftreten, doch ihre Struktur und
Verwendung ähneln sich. In dieser Form bilden solche Metaphern eine Universalie der
menschlichen Sprache.
2.3. James Lange Theory: Entstehung der Emotionen
Nach der Theorie von William James und Carl Lange sind Nerven und Gehirn mit Organen
verknüpft. Lange wie auch James beziehen sich hierbei besonders auf die viszeralen
Organe. Diese Organe reagieren wiederum auf Reize wie Geruch, Geräusche,
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Kövecses 1998
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Sichtverhältnisse und anderes. Nach James sind Emotionen danach beschrieben als Folge
von Reaktionen des viszeralen Nervensystems und dessen Organen.
Diese Verknüpfung besteht aber auch für emotionale Zustände und damit agierenden
neurophysiologischen Veränderungen, sind wird also zornig reagieren wir auf eine ganz
bestimmte weise: Adern verengen sich, der Blutdruck steigt, es werden Hormone
ausgeschüttet wie z.B. Adrenalin ... Dies alles bewirkt, dass verschiedene Emotionen in
verschiedenen Körperteilen lokalisiert werden, manchmal auch in mehreren Körperteilen
gleichzeitig.
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Im deutschen Sprachgebrauch gibt es zahlreiche Redewendungen die dies belegen.
Z.B. ,,das Herz kocht über" (vor Zorn) oder ,,...sprudelt über vor Glück" aber auch ,,das
schlägt mir auf den Magen". Starke Emotionen wie Zorn oder Ekel können eine solche
Wirkung haben, dass Menschen sie beschreiben wie einen ,,Schlag in die Magengrube"
oder im Falle von Angst das Gefühl, dass sich alles zusammenzieht und man kaum noch
atmen kann. Dies sind Beispiele wie sich bestimmte Emotionen im Körper lokalisieren
lassen.
Nach heutiger Theorie sind Emotionen nicht die Folge von viszeralen Reaktionen, sondern
eher die Ursache und die Wahrnehmung dieser viszeralen Reaktionen nehmen wir als
typische Symptome für Emotionen wahr.
3. Die Kommunikation über Emotionen
Kaum ein Thema findet sich so oft in der menschlichen Kommunikation wieder wie das
persönliche Erleben und Empfinden des Sprechers. Die Mittel Emotionen auszudrücken
sind in jeder Sprache zahlreich und vielgestaltig. Doch gibt es Gemeinsamkeiten, die sich
in allen Sprachen der Welt wieder finden? Um dies zu klären ist es notwendig sich mit den
Force Dynamics, den Strategien des Sprechens über psychische und physische Zustände,
und Psi`s, den am häufigsten dafür verwendeten Konstrukten, vertraut zu machen.
3.1. Force Dynamics Strategien des Sprechens über Emotionen
Die Vermittlung von Emotionen bedarf zunächst der Erfassung derselben in all ihren
physischen und psychischen Auswirkungen. Die Kodierung dieser Informationen erfolgt
oft durch kulturell geprägte Idiome. Doch wie kann solch ein überaus komplexer Prozess
auf mehreren Ebenen in wenigen Worten mitgeteilt werden?
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Dimmendaal 2002
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http://psychology.about.com/od/glossaryfromatoz/Dictionary_Psychology_Terms_from_A_to_Z.htm
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