1. EINLEITUNG. 4
2. ERGEBNISSE ZUR UNTERSUCHUNG EINES GESCHLECHTSPEZIFISCHEN
LESEVERHALTENS 4
3. ZUSAMMENHANG DER ERGEBNISSE MIT DEM DEUTSCHUNTERRICHT. 6
4. FÖRDERUNG SCHWÄCHERER LESER DURCH SACHTEXTE: BEISPIELE. 7
4.1. ZU DER AUSWAHL DER TEXTE. 8
4.2. DIE TEXTBEISPIELE. 8
4.2.1. Dinosaurier Texte 9
4.2.2. Verschiedene Texte. 11
3
1. Einleitung
„Mädchen sind in der Schule fleißiger und leiser, aber nicht klüger, sie haben lieber Kunst als Sport, auf dem Computer spielen sie nicht so viel, und wenn, dann lieber Denkspiele, sie zeigen mehr Interesse am Lesen, sie lesen am liebsten Pferdebücher, z.B. Wendy, sie reiten auch gerne und kümmern sich um Pferde. Jungen legen keinen so großen Wert auf die Schule, ihr Lieblingsfach ist Sport, sie spielen gerne Fußball, auf dem Computer spielen sie lieber Kampfspiele, wenn Jungen lesen, dann lesen sie Krimis und Detektivgeschichten oder Comics.“ 1 Dieses Zitat, das von einem 11-jährigen Schüler stammt, der die Schul- und Freizeitinteressen von Jungen und Mädchen beschreiben sollte, spiegelt eine, nicht nur bei Kindern und Jugendlichen weit verbreitete Meinung wieder: Jungen toben sich gerne aus, sind technikbegeistert und lesen, wenn überhaupt nur Sach-und Abenteuertexte, während Mädchen eher die ruhigeren, tierliebe und naturbegeisterten sind, die Nachmittage damit verbringen können in die Fantasiewelt eines Pferde- oder Mädchenbuches einzutauchen. Dies ist nur ein kleiner Auszug aus den unterschiedlichen Eigenschaften, die den beiden Geschlechtern zugeschrieben werden. Im Folgenden möchte ich mich jedoch speziell mit einem Punkt befassen, nämlich damit, wie das Leseverhalten von Mädchen und Jungen ist. Gibt es Unterschiede, wenn ja welche und haben diese dann Auswirkungen auf den Deutschunterricht?
2. Ergebnisse zur Untersuchung eines
geschlechtspezifischen Leseverhaltens
Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass es tatsächlich messbare Unterschiede im Leseverhalten von Jungen und Mädchen gibt. Einige Ergebnisse davon möchte ich nun vorstellen, wobei man bei allen Zahlen und Werten im Kopf behalten sollte, dass es sich bei den Differenzen nicht um angeborene,
1 Praxis Deutsch, Heft 143, S. 17 4
geschlechtsabhängige Dispositionen handelt, sondern zum größten Teil, wenn nicht ausschließlich, um Vorlieben und Eigenschaften, die den Kindern durch die Sozialisation in der Familie und Umgebung zu eigen wurden. In einer Studie der Bertelsmann Stiftung fand man zum Beispiel heraus, dass 61 % der Mädchen, dagegen nur 43 % der Jungen ausdrücklich gerne lesen. Des weiteren lesen Mädchen häufiger und durchschnittlich auch länger als ihre männlichen Klassenkameraden.
Die Leiter der Studie gaben den getesteten Kindern einen Fragebogen an dessen Ende ein kurzer Lesetest angehängt war. Die Auswertung dieses Tests zeigte, dass die Mädchen flüssiger und angemessener in der Sinngestaltung vorlesen können. Die Erklärung für diese Erscheinung liegt nahe. Die Zeit, die man mit Lesen verbringt, die Lesefertigkeit und damit auch die Freude am Lesen bedingen sich wechselseitig: „Kinder, die Texte noch nicht gut lesen können, lesen wenigerumgekehrt hat seltenes und weniges lesen in der Freizeit auch einen negativen Einfluss auf die Entwicklung der Lesefertigkeit.“ 2
Dies spiegelt sich auch in der Häufigkeit wieder, mit der Schüler von ihren Eltern aufgefordert werden, ein Buch in die Hand zu nehmen. 50 % der Jungen geben im Fragebogen an oft von ihren Eltern zum Lesen aufgefordert zu werden, bei den Mädchen dagegen sind es nur um die 33 %. Auch geben ebenfalls die Hälfte der männlichen Leser an, dass für sie längeres Lesen zu anstrengend sei. Abermals nur ein Drittel der Mädchen empfinden genauso. Man fand heraus, dass sich Jungen und Mädchen nicht in der Breite des Leseinteresses unterscheiden, wohl aber im qualitativen Spektrum. Das heißt, dass Jungen in der Tat Abenteuerbücher, Comics und Sachbücher über Technik und Erfindungen favorisieren, Mädchen dagegen die klassischen „Mädchenbücher“ bevorzugen.
Im Bereich der Leseerfahrung kam man ebenfalls zu interessanten Resultaten. So beziehen Mädchen im allgemeinen insgesamt höhere Gratifikationen aus der gelesenen Lektüre als Jungen.
Außerdem ist ihr Rezeptionsverhalten stärker sozial- emotional konnotiert und sie sind deshalb gefühlsmäßig auch deutlich stärker in das Gelesene involviert als Jungen.
2 B. Hurrelmann, M. Hammer, F. Nieß: Lesesozialisation - Leseklima in der Familie, Band 1, Verlag 5 Bertelsmann Stiftung, Gütersloh, 1993, S. 51
Arbeit zitieren:
Julia Koller, 2002, Sachtexte - Gattungen für schwächere Leser, München, GRIN Verlag GmbH
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