Gliederung
Abkürzungsverzeichnis. VII
Verzeichnis der nummerierten Abbildungen im Textteil IX
1. Kapitel: Einleitung 1
A. Motivation und Zielsetzung 1
B. Aufbau der Arbeit. 1
2. Kapitel: Eigenschaften und Besonderheiten von Hedgefonds. 2
A. Definition Hedgefonds. 2
B. Charakteristika von Hedgefonds 3
I. Instrumente und Bedingungen von Hedgefonds 3
a) Anlageinstrumente 3
1. Einsatz von Leerverkäufen 3
2. Einsatz von Kreditfinanzierung 4
3. Einsatz von Derivaten 6
b) Rechtliche Rahmenbedingungen 6
1. Regulierung durch den Gesetzgeber 6
2. Organisationsstruktur. 7
3. Transparenz. 7
c) Bedingungen für die Anlage in Hedgefonds. 8
1. Gebührenstruktur 8
2. Mindestanlagebetrag 8
3. Liquidität. 9
II. Management, Sitz und Zielgruppe von Hedgefonds. 9
a) Hedgefonds-Management. 9
b) Domizilisierung 10
c) Zielgruppe von Hedgefonds. 10
1. Privatinvestoren 10
2. Institutionelle Investoren 11
III. Hedgefondsmarkt in Zahlen. 11
C. Geschichtliche Entwicklung von Hedgefonds 12
I. Beginn in den USA. 12
a) Jones neuartiges Konzept. 12
b) Loomis’ Artikel und die folgenden Entwicklungen 13
II
II. Aufstieg der Hedgefonds. 13
III. Neunziger Jahre und Entwicklung in Deutschland bis 2003 14
a) Neunziger Jahre 14
b) Entwicklung in Deutschland bis 2003 15
3. Kapitel: Strategien von Hedgefonds 16
A. Heterogenität der Strategien. 16
B. Anlagestrategien von Hedgefonds 16
I. Long/Short-Equity-Strategien 16
a) Equity Hedge 17
b) Equity Non Hedge 18
c) Short Selling 18
d) Pair Trades. 18
II. Market-Neutral-Strategien 19
a) Fixed Income Arbitrage 20
b) Convertible Bond Arbitrage 21
c) Equity Market Neutral 22
III. Event-Driven-Strategien 23
a) Merger Arbitrage 24
b) Distressed Securities. 25
IV. Global-Macro-Strategien 26
a) Währungen. 27
b) Rohstoffe 27
c) Emerging Markets. 27
C. Managed Futures 28
I. Sonderrolle von Managed Futures. 28
II. Handelsstrategien 28
III. Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit Hedgefonds. 29
4. Kapitel: Die Beurteilung von Hedgefonds. 30
A. Chancen. 30
I. Absolute-Return-Ansatz 30
a) Benchmark- versus Absolute-Return-Ansatz 30
b) Wissensbasierte Strategie 31
II. Renditeentwicklung von Hedgefonds im Vergleich zu traditionellen Anlagen. 32
a) Hohe Rendite 32
b) Geringeres Risiko 33
III
c) Schutz vor Verlusten. 34
III. Marktneutralität. 34
IV. Korrelation und Portfoliodiversifizierung 35
a) Geringe Korrelation zu traditionellen Anlagen 35
b) Diversifizierung für das traditionelle Portfolio 36
c) Beispielberechnung zu Portfoliooptimierung mit Hedgefonds 37
V. Sonstige Vorteile. 38
a) Volle Flexibilität der Anlageentscheidungen 38
b) Keine Publizitätspflichten. 39
c) Interessengleichheit 39
d) Niedrige Besteuerung 40
e) Geringe Liquidität. 40
f) Hohe Mindestanlagesummen 40
g) Spezialisten im Fondsmanagement 40
B. Risiken. 41
I. Allgemeine Risiken 42
a) Marktrisiko. 42
b) Kreditrisiko. 42
c) System-, Prozess- und rechtliches Risiko 43
d) Strukturrisiko 43
II. Besondere Risiken. 44
a) Risiken hinsichtlich bestimmter Anlageinstrumente 44
1. Leverage-Risiko. 44
2. Leerverkaufsrisiko 45
3. Liquiditätsrisiko 46
aa) Direktes Risiko durch Mindesthaltepflichten und Kündigungsfristen. 46
bb) Indirektes Risiko durch illiquide Finanzinstrumente. 47
cc) Margin-Call- und Catch-Match-Risiko. 47
4. Bewertungsrisiko 48
b) Risiken hinsichtlich rechtlicher Rahmenbedingungen 49
1. Transparenzrisiko. 49
2. Operationelles Risiko. 50
3. Offshore-Risiko. 51
c) Sonstige Risiken 51
1. Größenrisiko 51
IV
2. Schlüsselpersonenrisiko. 51
3. Strategiewechselrisiko 52
III. Finanzskandale der Vergangenheit 53
a) George Soros und die Krise des EWS 1992 53
b) „Valentinstag Massaker“ 1994 53
1. Askin Capital Management. 54
2. Argonaut Capital Management 54
3. Vairocana Limited 54
c) Long-Term Capital Management. 55
1. Anfang mit renommierten Namen 55
2. Zusammenbruch in der Russlandkrise 55
3. Rettung durch das Bankenkonsortium 56
C. Kritik an Rendite- und Risikokennzahlen 57
I. Überschätzte Renditen. 57
a) Renditekennzahlen. 57
1. Nettoinventarwert 57
2. Sharpe Maß 57
b) Hedgefonds-Indizes 58
1. Beispiele für Hedgefonds-Indizes. 58
aa) Heterogenität der Hegefonds-Indizes. 58
bb) CSFB/Tremont Hedge Fund Index. 59
cc) Van Hedge Indizes 59
dd) Standard & Poor’s Hedge Fund Index. 60
2. Schwächen von Hedgefonds-Indizes 60
aa) Survivorship Bias. 60
bb) Selection Bias 61
cc) Backfill Bias. 61
dd) Überhöht ausgewiesene Rendite. 61
II. Unterschätztes Risiko. 62
a) Risikokennzahlen. 62
1. Standardabweichung 62
2. Semivarianz. 62
3. Value at Risk. 63
b) Schwächen der Risikokennzahlen 63
D. Kosten von Hedgefonds 64
V
I. Leistungsabhängige Vergütung 64
II. Verlustvortrag. 65
III. Schwellenrendite. 65
5. Kapitel: Aktueller Markt der Hedgefonds in Deutschland 66
A. Neuregelung durch das Investmentmodernisierungsgesetz 66
I. Investmentgesetz 66
a) Einzel-Hedgefonds nach deutschem Recht. 66
b) Dach-Hedgefonds nach deutschem Recht 67
c) Behandlung ausländischer Hedgefonds 67
II. Besteuerung nach dem Investmentsteuergesetz 68
B. Angebotene Produkte in Deutschland 68
I. Einzel-Hedgefonds 68
II. Dach-Hedgefonds. 69
a) Struktur eines Dach-Hedgefonds 69
b) Vorteile gegenüber Einzel-Hedgefonds. 69
c) Nachteile von Dach-Hedgefonds 70
III. Zertifikate. 71
a) Struktur eines Zertifikats 71
b) Vorteile von Zertifikaten 72
c) Nachteile von Zertifikaten 72
C. Absatzentwicklung, Anlegerreaktion und Tendenzen 73
I. Hedgefonds-Absatz in Deutschland 73
II. Anleger reagieren mit Zurückhaltung 74
III. Tendenzen 74
6. Kapitel: Fazit und Ausblick 75
Wissenschaftlicher Anhang IX
Verzeichnis der nummerierten Abbildungen im wissenschaftlichen Anhang. X
Literaturverzeichnis XCV
Präsentationsanhang. CVII
VI
Abkürzungsverzeichnis
3-M-E 3-Monats-Euribor 12-M-E 12-Monats-Euribor ADAM Allianz Dresdner Asset Management
AI Alternative Investments AM Asset Management AuslInvestmG Auslandinvestment-Gesetz BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
BB Der Betriebs-Berater BGBl Bundesgesetzblatt
BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V. BZ Börsen-Zeitung CAPM Capital Asset Pricing Model CBOT Chicago Board of Trade CFTC Commodity Futures Trading Commission CSFB Credit Suisse First Boston CTA Commodity Trading Advisor DAX Deutscher Aktienindex DStR Deutsches Steuerrecht EUR Euro EURIBOR European interbank offered rate EWS Europäisches Währungssystem FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung FED Federal Reserve Bank (US-Notenbank) FTD Financial Times Deutschland HB Handelsblatt HFR Hedge Fund Research Inc. Inc. Incorporated
Investmentmoderni- Gesetz zur Modernisierung des Investmentwesens und zur Besteusierungsgesetz erung von Investmentvermögen InvG Investmentgesetz InvStG Investmentsteuergesetz ISIN International Securities Identification Number
VII
KAG Kapitalanlagegesellschaft KAGG Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften Kreditwesen Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen Ltd. Limited LLC Limited Liability Company LP Limited Partnership LIBOR London interbank offered rate LME London Mercantile Exchange LTCM Long-Term Capital Management MBS Mortgage Backed Securities MSCI Morgan Stanley Capital International Inc. n.v. nicht verfügbar NAV net asset value (Nettoinventarwert) NZZ Neue Zürcher Zeitung OTC over the counter S&P 500 Standard & Poor’s 500 Index SEC Securities and Exchange Commission TMT Technologie, Medien, Telekommunikation USD US-Dollar VaR Value at Risk Wirtschaftsdienst Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für Wirtschaftspolitik WiSt Wirtschaftswissenschaftliches Studium WiWo Wirtschaftswoche WKN Wertpapierkennnummer
VIII
Verzeichnis der nummerierten Abbildungen im Textteil
Abbildung 1: Wertentwicklung des CSFB/Tremont-Hedgefonds-Index im Vergleich zu
DAX und MSCI
Abbildung 2: Risiko/Rendite-Profil bei unterschiedlichem Hedgefonds-Anteil
IX
1. Kapitel: Einleitung
A. Motivation und Zielsetzung 1 Seit einigen Jahren sind Hedgefonds wieder in den Fokus der Anleger geraten. Vor allem in
Zeiten fallender Aktienmärkte suchen Investoren verstärkt nach alternativen Anlagemöglichkeiten, um unabhängiger von der Entwicklung der Weltmärkte zu sein. Durch das Investmentmodernisierungsgesetz, welches am 1. Januar 2004 in Deutschland in Kraft getreten ist, werden der Vertrieb und die Auflage von Hedgefonds erstmals in Deutschland zugelassen. Bisher konnte der deutsche Anleger nur direkt im Ausland oder über verschiedene Zertifikatekonstruktionen in Hedgefonds investieren. Mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes stieg das öffentliche Interesse an dieser Anlageklasse enorm an. Die alten bislang hervorgebrachten Vorurteile und Halbwahrheiten über Hedgefonds traten wieder hervor. Auf der einen Seite werden Hedgefonds als „die Königsklasse der Investments“ in den Himmel gehoben und von den Produktanbietern als die neue Anlageklasse bezeichnet, die in keinem Portfolio fehlen darf. Auf der anderen Seite gelten sie als hochspekulative Risikofonds, die die Kurse nach 2 unten drücken, den Ölpreis beeinflussen und sogar ganze Volkswirtschaften in die Krise stürzen können.
Aus diesem Grund soll die vorliegende Arbeit einen Beitrag zur aktuellen Diskussion in Deutschland zu Hedgefonds leisten und helfen Vorurteile abzubauen sowie einen differenzierten Blick auf die Hedgefonds-Branche zu werfen. Mit Hedgefonds kann der Anleger Chancen nutzen, die ihm in dieser Form keine andere Anlageklasse bietet. Er setzt sich aber auch besonderen Risiken aus, die es zu beachten und einzukalkulieren gilt.
B. Aufbau der Arbeit
Diese Diplomarbeit ist wie folgt aufgebaut. Nach dieser kurzen Einführung folgt im zweiten Kapitel ein Überblick über die Charakteristika von Hedgefonds, in dem der Begriff definiert und auf die Besonderheiten im Vergleich zu traditionellen Investmentfonds eingegangen wird. Anschließend werden im dritten Kapitel die verschiedenen Hedgefonds-Strategien ausführlich dargestellt. Das vierte Kapitel befasst sich eingehend mit den Chancen und Risiken von Hedgefonds für Investoren. Die aktuelle Situation am Markt für Hedgefonds in Deutschland nach Inkrafttreten des Investmentmodernisierungsgesetzes ist Gegenstand des fünften Kapitels. Im letzten Kapitel wird ein Fazit gezogen und ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung gegeben.
1 In der Literatur finden sich weitere Schreibweisen z.B. Hedge Fonds, Hedge-Fonds, engl.: Hedge Funds
Im Folgenden wird die Bezeichnung Hedgefonds analog zu Aktienfonds oder Rentenfonds verwendet.
2 Vgl. Balzli, Beat: Von der reinen Gier gesteuert, in: Der Spiegel 35/2004, S. 78-79, S. 78
1
2. Kapitel: Eigenschaften und Besonderheiten von Hedgefonds
A. Definition Hedgefonds
Für Hedgefonds gibt es in der Literatur keine einheitliche Definition. Sie werden meist nur 3 durch die Aufzählung ihrer typischen Charakteristika definiert und zur Gruppe der Alternati- 4 ven Investments hinzugerechnet . Im Anhang 1 befindet sich eine Darstellung der verschiedenen alternativen Anlageformen.
Hedgefonds sind Kapitalsammelstellen, deren Vermögensverwalter keinen rechtlichen 5 Beschränkungen oder Anlagegrundsätzen unterliegen . Das Ziel von Hedgefonds ist es, eine
absolut positive und risikoeffiziente Wertentwicklung unabhängig vom allgemeinen Markt- 6 7 umfeld zu erreichen , wobei sie sich nicht an einem Index als Vergleichsmaßstab orientieren .
Dazu verwenden sie alle Arten von Wertpapieren und Derivaten einschließlich Leerverkäufe 8 und nutzen die Hebelwirkung, die durch den Einsatz von Fremdkapital entsteht . Im Allge-
9 im Eigenhandel von Investmentbanken, üblich sind .
Der Begriff „Hedgefonds“ darf aber nicht zu sehr mit dem in diesem Zusammenhang irre- 10 führenden Ausdruck „Hedging“ in Verbindung gebracht werden . Das englische Wort leitet
sich von „to hedge in“ ab, was „einzäunen“ oder im übertragenen Sinne „begrenzen“ bedeutet. Als Hedging wird die Absicherung bestehender offener Vermögenspositionen bezeichnet, indem Gegenpositionen, z.B. durch den Verkauf eines Terminkontraktes, aufgebaut werden, deren Wertentwicklung mit der abzusichernden Position negativ korreliert ist. Kursrückgänge der einen Position werden durch die positive Wertentwicklung der Hedge-Position kompen- 11 12 siert . Dadurch kann das Risiko vollständig beseitigt oder zumindest reduziert werden .
3 Vgl. Cottier, Philipp: Hedge Funds and Managed Futures, Diss. Bern/Stuttgart/Wien 1997, S. 15 f.; Breuer,
Wolfgang/Gürtler, Marc/Schuhmacher, Frank: Alternative Assetklassen: Hedgefonds, in: Coche, Joachim/
Stotz, Olaf (Hrsg.): Asset Allocation - Vermögens und Finanzanlagen professionell steuern, Köln 2002,
S. 259-280, S. 259
4 Vgl. Kreuter, Bernd: Private-Equity- und Hedge-Fonds-Rating - Neue Möglichkeiten für Spezialfonds?,
in: Kreditwesen 16/2002, S. 826-827, S. 826; Hockmann, Heinz J.: Alternative Investments: Hedge Fonds, in:
Hockmann, Heinz J./Thießen, Friedrich (Hrsg.): Investment Banking, Stuttgart 2002, S. 266-273, S. 266 f.
5 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds - Entmystifizierung einer Anlageklasse, Wiesbaden 2004, S. 19
6 Vgl. Engel, Andreas: Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten von Hedge-Fonds, in: Kreditwesen 16/2003,
S. 924-927, S. 924; Weber, Thomas: Das Einmaleins der Hedge Funds, 2. Auflage, Frankfurt/Main 2004, S. 17
7 Vgl. Cottier, Philipp: a.a.O., S. 18
8 Vgl. Weber, Thomas: a.a.O., S. 17; Balzli, Beat/Pauly, Christoph: Cash im Casino, in: Der Spiegel 37/2004,
S. 78-80, S. 80
9 Vgl. Single, Gerhard L.: Boommarkt Hedge-Fonds - Initialzündung oder Strohfeuer am europäischen
Kapitalmarkt, in: Die Bank 7/2001, S. 478-483, S. 482
10 Vgl. Keller, Martin: Hedge Funds - Mythos und Realität, Bern/Stuttgart/Wien 1997, S. 9; Single, Gerhard L.:
Hedge Fonds - Anlageform der Zukunft?, in: Kreditwesen 5/2001, S. 240-244, S. 240; Weber, Thomas:
a.a.O., S. 17;
11 Vgl. Büschgen, Hans E.: Bankbetriebslehre, 5. Auflage, Wiesbaden 1998, S. 465
12 Vgl. Locarek-Junge, Hermann: Hedging, in: Gerke, Wolfgang/Steiner, Manfred (Hrsg.): Handwörterbuch des
Bank- und Finanzwesens, 3. Auflage, Stuttgart 2001, Sp. 1016-1022, Sp. 1016
2
Die ersten Hedgefonds versuchten tatsächlich durch Hedging einen Teil des Marktrisikos in ihren Beständen zu reduzieren. Wohingegen die heutigen Hedgefonds sich lediglich der Ins- 13 trumente des Hedging bedienen, aber nicht vorwiegend zum Zweck der Absicherung des 14 Portfolios, sondern hauptsächlich aus Anlage- bzw. Spekulationsgründen . Die meisten 15 heutigen Hedgefonds haben somit nicht mehr viel mit der ursprünglichen Idee gemeinsam .
Da Absicherungsstrategien immer Kosten verursachen und Hedgefonds eine positive absolute 16 Renditeerwartung haben, können sie keine effektive Absicherung sein . Die beispielhafte
Struktur eines Hedgefonds ist in Anhang 2 dargestellt.
B. Charakteristika von Hedgefonds
Hedgefonds unterscheiden sich in vielen Punkten von traditionellen Investmentfonds. Nach der ersten allgemeinen Definition soll hier auf die verschiedenen Besonderheiten detailliert eingegangen werden (siehe auch Anhang 3 und 4).
I. Instrumente und Bedingungen von Hedgefonds
Neben den für traditionelle Investmentfonds nicht zugänglichen Anlageinstrumenten gelten für Hedgefonds außerdem spezifische rechtliche und allgemeine Anlagebedingungen.
a) Anlageinstrumente
1. Einsatz von Leerverkäufen
Als Leerverkauf wird eine Investmentstrategie bezeichnet, bei der für überbewertet befundene 17 Wertpapiere verkauft werden, ohne dass sie im Besitz des Verkäufers sind . Hier wird in der
Literatur oft nicht klar zwischen Besitz und Eigentum getrennt. Exakter wäre die Formulier- 18 ung, dass sich die Wertpapiere nicht im Eigentum des Verkäufers befinden . Das Ziel solcher
Transaktionen ist es, die zuvor leerverkauften Wertpapiere zu einem späteren Zeitpunkt zu einem geringeren Preis zurückzukaufen. Der Investor spekuliert somit auf fallende Kurse, er 19 geht „short“ . Der Gewinn ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Verkaufspreis des Wertpapiers und dem späteren erhofften niedrigeren Rückkaufspreis.
13 Derivate wie z.B. Futures und Optionen
14 Vgl. Simmert, Diethard B./Hölscher, Klaus: Hedge-Fonds - Neue Wege zur Renditesteigerung Ihres
Portfolios, Stuttgart 2004, S. 6; Weber, Thomas: a.a.O., S. 17; o.V.: LTC verliert 2,1 Milliarden Dollar, in:
FAZ vom 04.09.1998, S. 26
15 Vgl. Beck, Hanno: Haifische in internationalen Finanzgewässern, in: FAZ vom 25.07.2001, S. 38
16 Vgl. Weber, Thomas: a.a.O., S. 19; Friedrich, Marcus/Bahr, Dietmar H.: Hedge Funds - Die Königsklasse des
Investments, München 2003, S. 83
17 Vgl. Pichl, Andrea: Hedge Funds - Eine praxisorientierte Einführung, Stuttgart 2001, S. 33; Becker, Hans
Paul/Peppmeier, Arno: Bankbetriebslehre, 5. Auflage, Ludwigshafen 2002, S. 310
18 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Kontrolliertes Anlagerisiko, in: Bank Magazin 7/2004, S. 15-17, S. 16; Aschinger,
Gerhard: Börsenkrach und Spekulation - Eine ökonomische Analyse, München 1995, S. 304, 306
19 Das Gegenteil, d.h. auf steigende Kurse zu spekulieren wird als „long“ gehen bezeichnet.
3
20 Rechtlich gesehen besteht der Leerverkauf aus mehreren Rechtsgeschäften (siehe Anhang 5). Der Leerverkäufer erhält zuerst die zu verkaufenden Wertpapiere als Wertpapierleihe 21 von Banken oder Investmentfonds, die dafür im Gegenzug eine Leihgebühr erhalten . Die
Höhe der Leihgebühr variiert in Abhängigkeit vom Risiko des Wertpapiers. Bei DAX-Titeln liegt sie zwischen 0,1 und 0,25 Prozent, während sie bei Titeln des TecDAX bis zu 6 Prozent 22 des Wertes betragen kann . Die geliehenen Wertpapiere werden daraufhin vom Leerver-
gleiche Anzahl von Wertpapieren über den Markt zurückgekauft und an den Verleiher 23 zurückgegeben . Da die Valuta im Allgemeinen zwei Tage beträgt, kommt es oft vor, dass 24 die Verkaufsorder in den Markt gestellt wird, bevor die eigentliche Wertpapierleihe erfolgt .
Da der Leerverkäufer nur die Leihgebühr finanzieren muss, kann er mit geringem Kapital- 25 einsatz große Summen bewegen .
2. Einsatz von Kreditfinanzierung
Zur Erzielung einer Hebelwirkung setzen Hedgefonds Fremdkapital ein, welches das Eigenkapital des Fonds um ein Vielfaches übersteigen kann. Im Gegensatz zu Unternehmen beschreibt Leverage bei Hedgefonds nicht nur die Hebelwirkung auf das Eigenkapital durch 26 Fremdfinanzierung , sondern die Finanzierung, die nötig ist, um einen bestimmten Wert der 27 28 offenen Positionen über das Anlagevolumen des Fonds hinaus zu erreichen . Je höher der
Marktwert aller Positionen des Fonds über dem Wert des Eigenkapitals liegt, desto höher ist 29 der Hebel auf das Portfolio . In der Literatur wird Leverage oft mit Fremdkapital gleichge- 20 Vgl.Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 28
21 Vgl. Maltzan, Bernd-Albrecht v.: Handelsobjekte und Handelsmodalitäten, in: Hagen, J./Stein, J. H. (Hrsg.):
Obst/Hintner Geld-, Bank- und Börsenwesen, 40. Auflage, Stuttgart 2000, S. 827-843, S. 832; Kaiser, Dieter
Wien 1999, S. 25
22 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 29
23 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: Hedgefonds - Erfolgreich investieren, Risiko minimieren, Wien 2002, S. 57;
Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 28; Schuhmacher, Frank: Hedge-Fonds: Performance und
Erklärungsansätze, in: Kreditwesen 22/2001, S. 1290-1294, S. 1292 f.
24 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 29
25 Vgl. Pauly, Christoph: Heißer Hebel, in: Der Spiegel 16/2001, S. 96-98, S. 96
26 zum Leverage-Effekt vgl. Schierenbeck, Henner: Grundzüge der Betriebswirtschaftslehre, 15. Auflage,
München/Wien 2000, S. 66 ff.
27 engl.: exposure; Bei einer Aktien-Kaufposition von 150.000 EUR und einer Leerverkaufsposition von 100.000
EUR ergibt sich ein Netto-Markt-Exposure von 50.000 EUR, dass dem Risiko fallender Aktienkurse direkt
ausgesetzt ist. Vor Kosten beträgt der Hebel 3, da nur 50.000 EUR als Eigenkapital eingesetzt werden.
28 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 20; Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 30
29 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 20
4
30 setzt, was aber nicht zutrifft. Der Ausdruck Leverage bezeichnet die Hebelwirkung, die 31 neben Fremdkapital auch durch die Verwendung von Derivaten erreicht werden kann .
Die Kredit gebenden Banken verlangen für ihr Fremdkapital vom Hedgefonds die Beleihung 32 von Aktien, Anleihen oder anderen Finanzinstrumenten aus dessen Portfolio als Sicherheit 33 (Lombardkredit ). Je höher die Liquidität und Bonität der als Sicherheit hinterlegten Wertpa- 34 piere ist, desto höher ist der Kredit im Vergleich zum Marktwert der Sicherheit .
Die erreichte Hebelwirkung ist allein allerdings kein geeignetes Risikomaß, da ein hoher 35 Hebel nicht immer mit einem hohen Risiko gleichzusetzen ist . Deswegen ist hier zwischen 36 Brutto- und Netto-Leverage zu unterscheiden .
Long Positionen + absoluter Wert der Short Positionen
Brutto-Leverage =
Netto-Leverage =
Innerhalb einer Hedgefonds-Strategie sind beide Leverage-Kennzahlen vergleichbar. Ein strategieübergreifender Vergleich ist dagegen nur eingeschränkt möglich, da sich die Strate- 37 gien im Einsatz von Leverage stark unterscheiden . So findet man z.B. bei der Anleihen-
38 bei Emerging-Markets-Strategien ein hoher Fremdkapitaleinsatz selten ist . Ursache hierfür
ist, dass bei Arbitragestrategien oft nur sehr kleine Gewinne möglich sind, die durch einen 39 hohen Fremdkapitaleinsatz auf ein lohnendes Niveau gehebelt werden müssen . Wertpapiere
aus Emerging Markets werden dagegen für Lombardkredite wegen ihres hohen Risikos kaum als Sicherheit für Fremdkapital angenommen.
Ein Überblick über den Fremdkapitaleinsatz verschiedener Strategien gibt die Tabelle im Anhang 6.
30 engl. für: Hebel, Hebelwirkung, Fremdkapitalaufnahme, Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital, Verschul-
31 Vgl. Nicholas, Joseph G.: Marktneutrale Investments: Hedge-Fund-Strategien für volatile Märkte, Frank- 2002, S. 25; Erke, Burkhard/Marquardt, Ralf-M.: Zulassung von Hedge-Fonds in Deutschland:
Fluch oder Segen?, in: Wirtschaftsdienst 5/2004, S. 309-316, S. 309; Pichl, Andrea: a.a.O., S. 83
32 Vgl. Mössle, Klaus: Asset Management, in: Hagen, J./Stein, J. H. (Hrsg.): Obst/Hintner Geld-, Bank- und
Börsenwesen, 40. Auflage, Stuttgart 2000, S. 872-897, S. 875; Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 50
33 Vgl. Muff, Kurt: a.a.O., S. 23; Rutkis, André: a.a.O., S. 28
34 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 50
35 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 26; Kaiser, Dieter: a.a.O, S. 31
36 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 31
37 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 33
38 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 33
39 Vgl. Muff, Kurt: a.a.O., S. 26
5
3. Einsatz von Derivaten
Als Derivate werden alle Formen von Finanzprodukten bezeichnet, deren Wert sich von 40 einem zugrunde liegenden Basiswert ableitet . Sie werden als Oberbegriff für Finanztermin- 41 geschäfte verwendet . Dazu zählen unbedingte Termingeschäfte wie Futures und Forwards 42 sowie bedingte Verpflichtungen wie Optionen .
Auch durch den Einsatz von Optionen und anderen Derivaten wie z.B. Swaps können Hedge- 43 fonds innerhalb eines Portfolios eine Hebelwirkung erzielen . Viele Hedgefonds-Strategien
erreichen dies nur durch eine externe Finanzierung, während Strategien, die Futures handeln, keine Fremdkapitalgeber brauchen. Dies ist damit zu begründen, dass beim Einsatz von Futures nur ein Bruchteil des Kontraktwertes, die so genannte Margin, als Sicherheit bei der 44 Terminbörse hinterlegt werden muss . Das implizierte Fremdkapital unterscheidet sich dabei je nach Art des Kontraktes (siehe Anhang 7).
b) Rechtliche Rahmenbedingungen
1. Regulierung durch den Gesetzgeber
Hedgefonds unterscheiden sich von traditionellen Investmentfonds vor allem auch durch die Art der Regulierung durch Behörden. Da Anlagefonds in vielen Ländern umfassend durch die Bankenaufsicht und das Finanzministerium reguliert sind, scheuen Hedgefonds diese Ein- 45 schränkungen und sind deswegen oft in Steueroasen ansässig . Sie umgehen dadurch bewusst 46 jedwede Bankenaufsicht . Eine umfassende Regulierung würde sie in ihrer Anlagefreiheit extrem einschränken. Es wäre ihnen dann nicht mehr möglich unbegrenzt Fremdkapital 47 aufzunehmen und Leerverkäufe zu tätigen . Gerade diese Freiheiten machen aber den wich-
Außerdem können Hedgefonds ihre Anlagevehikel vollkommen frei festlegen. Beschränkungen bezüglich des Anlageuniversums und der Fremdkapitalaufnahme sowie weitere Portfoliorestriktionen kann der Manager völlig frei mit seinen Investoren aushandeln und im Gesell- 48 schaftsvertrag festsetzen .
40 Vgl. Beike, Rolf/Schlütz, Johannes: Finanznachrichten lesen - verstehen - nutzen, 3. Auflage, Stuttgart 2001,
S. 462
41 Vgl. Beike, Rolf/Schlütz, Johannes: a.a.O., S. 462
42 Vgl. Maltzan, Bernd-Albrecht v.: a.a.O., S. 833
43 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 31; Muff, Kurt: a.a.O., S. 27; Engel, Andreas: a.a.O., S. 924
44 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 31
45 Vgl. Lähn, Marcel V.: Hedge Fonds, Banken und Finanzkrisen, Wiesbaden 2004, S. 265; Kaiser, Dieter G.:
Hedgefonds, a.a.O., S. 94
46 Vgl. Rutkis, André: Hedge-Fonds als Alternative Investments, Frankfurt/Main 2002, S. 20
47 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 94
48 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 94
6
2. Organisationsstruktur
Hedgefonds werden in den USA hauptsächlich als Private Investment Limited Partnership 49 (LP), ähnlich der deutschen Kommanditgesellschaft, gegründet . Bei dieser Firmenstruktur
ist der Manager meistens auch Gründer des Fonds und haftet als allgemeiner Partner unbe- 50 grenzt mit seinem gesamten Vermögen . Die Investoren sind die begrenzten Partner, deren 51 Haftung auf das in den Fonds investierte Kapital beschränkt ist . Sie haben keinen direkten
Einfluss auf die anlagepolitischen Entscheidungen. Ein in den USA als Limited Partnership eingetragener Hedgefonds unterliegt nicht der strengen Aufsicht der SEC, Commodity 52 Futures Trading Commission (CFTC) oder Federal Reserve Bank .
Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass der Hedgefonds als Managed Account verwaltet 53 wird. Dabei handelt es sich um ein Konto mit Verwaltungsvollmacht . Hedgefonds, die
keiner zentralen Börsenaufsicht und keinen Anlagebeschränkungen unterliegen, werden als 54 Offshore-Fonds bezeichnet .
In Deutschland sind Hedgefonds Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken oder Investment- 55 aktiengesellschaften .
3. Transparenz
Während Investmentfonds gesetzlich verpflichtet sind, über ihre Anlagepolitik und Anlageentscheidungen Rechenschaft abzulegen, herrscht dagegen bei Hedgefonds aufgrund der fehlenden Regulierung viel Intransparenz. Der Investor erfährt meist überhaupt nicht, mit 56 welchen Strategien und Gewichtungen die Kapitalanlagegesellschaft agiert . Informationen
über die einzelnen Fondspositionen bekommt er ebenfalls nicht. Meist beschränkt sich die Berichterstattung auf einen Monats- oder Quartalsauszug, mit dem dem Investor die erreichte Rendite bekannt gegeben wird.
Ebenfalls sehr undurchsichtig gestalten sich die Informationswege, um an Daten über Hedgefonds zu gelangen. Privatanleger finden so gut wie keine Informationen über einzelne Hedgefonds oder bekommen oft keinen Zugang. Die vorhandenen Informationen im Internet sind
49 Vgl. Schäfer, Klaus: Hedgefonds, in: Gerke, Wolfgang/Steiner, Manfred (Hrsg.): Handwörterbuch des Bank-und Finanzwesens, 3. Auflage, Stuttgart 2001, Sp. 1005-1015, Sp. 1006; Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O.,
S. 34; Muff, Kurt: a.a.O., S. 15
50 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 34; Muff, Kurt: a.a.O., S. 15
51 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 34; Muff, Kurt: a.a.O., S. 16
52 Vgl. Simmert, Diethard B./Hölscher, Klaus: a.a.O., S. 9
53 Vgl. Engel, Andreas: a.a.O., S. 926; Rutkis, André: a.a.O., S. 21, Weber, Thomas: a.a.O., S. 127; Managed
Accounts sind Plattformen auf denen separate Einzelkonten geführt werden, deren Verwaltung der Hedge- auf Basis zuvor definierter Richtlinien im Namen und für Rechnung des Anlegers übernimmt.
Vgl. Rettberg, Udo: Aufbruch in das neue Zeitalter der Hedge Funds, in: HB vom 09.05.2003, S. B5
54 Vgl. Rutkis, André: a.a.O., S. 22
55 siehe hierzu ausführlich Kapitel 5
56 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 94
7
meist nur für institutionelle Anleger oder vermögende Privatkunden oder überhaupt nicht zugänglich. Somit ist es Privatanlegern kaum möglich eine fundierte qualitative und 57 quantitative Analyse durchzuführen .
c) Bedingungen für die Anlage in Hedgefonds
1. Gebührenstruktur
Die Gebühren bestehen aus einem fixen Teil, der jährlichen Managementgebühr in Höhe von 58 ca. ein bis zwei Prozent, und einem variablen Teil, dem Erfolgshonorar des Managers, das 59 meist zwischen zehn und 30 Prozent der Rendite beträgt . Die Managementgebühr soll die
laufenden Verwaltungskosten decken, während die Performancegebühr die Leistung des Managements entlohnt und eine Anreizfunktion besitzt. Hedgefonds, die keine Performance- 60 gebühr verlangen, berechnen oft eine höhere fixe Managementgebühr und umgekehrt . 61 Für den variablen Gebührenteil wird oft eine so genannte High-Watermark-Klausel vereinbart. Sie besagt, dass nur dann ein Erfolgshonorar vom Anleger verlangt wird, wenn ein neuer historischer Höchststand des Nettoinventarwertes des Fonds erreicht wurde, d.h. in der Vergangenheit entstandene Verluste müssen erst wieder aufgeholt werden, bevor die Gebühr 62 fällig wird . 63 Bei einigen Hedgefonds muss eine Schwellenrendite übertroffen werden, bevor das Leistungshonorar fällig wird. Das bedeutet, dass erst eine gewisse Mindestrendite von zehn, 30 64 oder sogar bis zu 50 Prozent erreicht werden muss . Oft werden dazu auch Interbanken- 65 zinssätze wie EURIBOR oder LIBOR verwendet .
2. Mindestanlagebetrag
Für die Anlage in Hedgefonds ist eine Mindestanlage erforderlich. Sie liegt in der Regel zwischen 100.000 US-Dollar bei den jungen weniger bekannten Managern und mehreren Millio- 66 nen US-Dollar bei den erfahrenen und etablierten Managern der Branche (siehe Anhang 8) .
57 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 95
58 Auch Performancegebühr bzw. Performance Fee oder Incentive Fee genannt.
59 Vgl. Bekier, Matthias: Marketing of Hedge Funds, 2. Auflage, Bern/Berlin/Frankfurt am Main/New York/
Paris/Wien 1998, S. 92; Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 99 f.; Deutsche Bundesbank (Hrsg.): Hedge-Fonds und ihre Rolle auf den Finanzmärkten, in: Monatsbericht März 1999, S. 31-44, S. 33; Simmert,
Diethard B./Hölscher, Klaus: a.a.O., S. 10; Schäfer, Klaus: a.a.O., Sp. 1008 f.;
60 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 100 f.
61 Auch als „Lost-carry-forward-Klausel“, d.h. Verlustvortrag bezeichnet. Vgl. Jud, Kurt: Das Prime Brokerage-Geschäft mit Hedge Funds, Bern/Stuttgart/Wien 1996, S. 11
62 Vgl. Kluß, Norbert/König, Markus/Cremers, Heinz: Incentive Fees, Frankfurt/Main 2003, S. 21; Kaiser, Dieter
G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 101; Weber, Thomas: a.a.O., S. 181; Schuhmacher, Frank: a.a.O., S. 1292
63 engl.: hurdle rate
64 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 101
65 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 102
66 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 95
8
Der Grund liegt darin, dass Hedgefonds auch mit einer geringen Anzahl an Investoren ein hohes Anlagevolumen erreichen wollen, um profitabel arbeiten zu können. Es ist außerdem 67 einfacher, wenige Großinvestoren zu betreuen als eine große Anzahl von Privatanlegern .
3. Liquidität 68 Bei der Anlage in Hedgefonds gibt es eine Sperrfrist , in der der Anleger seine Fondsanteile 69 nicht zurückgeben darf . Ein Verkauf der Hedgefonds-Anteile ist in der Regel auf das 70 71 Monats-, Quartals- oder Jahresende mit einer Kündigungsfrist von ein bis drei Monaten
beschränkt. Es kann zwischen 30 Tagen und drei Jahren dauern, bis das investierte Geld den 72 Investoren wieder zur Verfügung steht . 73 Außerdem findet die Preisfeststellung meist nur monatlich , quartalsweise oder sogar noch 74 seltener statt . 75 Bei Fonds mit langen Liquiditätsfristen gibt es gelegentlich eine Schlüsselpersonenklausel ,
die besagt, dass die Investoren ihre Fondsanteile immer dann außerhalb der üblichen Fristen verkaufen dürfen, wenn ein Manager in einer Schlüsselposition stirbt, den Fonds verlässt oder 76 aufgrund von Krankheit nicht weiterarbeiten kann . In solchen Ausnahmefällen können alle
Anleger ihre Gelder gleichzeitig zurückziehen, wenn der Fondsverwaltung ausreichend Zeit 77 eingeräumt wird, die Positionen ordnungsgemäß aufzulösen .
II. Management, Sitz und Zielgruppe von Hedgefonds
a) Hedgefonds-Management
Ein weiterer Unterschied zu Investmentfonds ist, dass der Manager eines Hedgefonds mit 78 einem großen Teil seines Privatvermögens, ca. zehn bis 15 Prozent des Fondsvolumens , im 79 eigenen Fonds investiert ist . Dies zeigt dem Anleger, dass der Fondsmanager auch an den Erfolg seiner eigenen Strategie glaubt.
67 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 95
68 engl.: look up period
69 Vgl. Kayser, Joachim/Steinmüller, Jens: Hedge-Fonds im Überblick - Funktionsweise, aufsichts- und
steuerrechtliche Behandlung aus Investorensicht, in: Finanz-Rundschau 23/2002, S. 1269-1279, S. 1272
70 Vgl. Kayser, Joachim/Steinmüller, Jens: Hedge-Fonds, a.a.O., S. 1272
71 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 98
72 Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.): a.a.O., S. 33; Söhnholz, Dirk: Hedge Fonds in institutionellen Portfolios, in:
Leser, Hartmut/Rudolf, Markus (Hrsg.): Handbuch Institutionelles Asset Management, Wiesbaden 2003, S. 717-736, S. 727
73 Vgl. Rutsch, Werner E.: Wo bleibt das Rating für Hedge Funds?, in: Die Bank 1/2004, S. 44-45, S. 45;
Hockmann, Heinz J.: a.a.O., S. 269
74 Vgl. Herbst, Marcel/Cottier, Philipp: Kapitalgarantierte Hedge-Fund-Produkte bieten Vorteile, in: Finanz und
Wirtschaft vom 29.06.2002, S. 28
75 engl.: key man clause
76 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 45
77 Vgl. Kaiser, Dieter G.: a.a.O, S. 99
78 Vgl. Bekier, Matthias: a.a.O., S. 94
79 Vgl. Muff, Kurt: a.a.O., S. 15
9
Die Leistungshonorare stellen enorme Verdienstmöglichkeiten für erfolgreiche Manager dar, 80 deswegen zieht die Hedgefonds-Industrie die besten Leute der Finanzbranche an .
b) Domizilisierung
Die Hedgefonds-Branche hat sich vorwiegend aus den USA heraus entwickelt. 91 Prozent aller Hedgefonds-Manager agieren von dort heraus, dennoch sind nur 33,9 Prozent aller 81 Fonds dort zugelassen (siehe Anhang 9 und 10) . Hedgefonds werden meist als Limited 82 83 Partnership nach US-Recht strukturiert und in Offshore-Regionen registriert . Dies hat
vorwiegend regulatorische Gründe. Dazu zählen vor allem geringere gesetzliche Einschrän- 84 kungen und eine geringere Steuerbelastung . Die Offshore-Domizile sind meist kleine Insel-
85 von Investmentfirmen haben . Die bekanntesten dieser Steueroasen sind: British Virgin
Islands, Bahamas, Bermuda, Cayman Island, Guernsey, Irland, Luxemburg und Malta. Die Manager können somit Gewinne in Ländern mit einer niedrigen Steuer- und Kostenbelastung 86 isolieren .
In den Offshore-Regionen existieren außerdem keine besonders strengen Anforderungen für die Verwaltung eines Fonds und wenig aufsichtsrechtliche Hürden. Dies ermöglicht die Auslagerung von Management und Administration des Fonds und reduziert somit die 87 allgemeinen Verwaltungskosten der Gesellschaft .
c) Zielgruppe von Hedgefonds
1. Privatinvestoren
Wegen der hohen Mindestanlagesummen ist eine Investitionen in Hedgefonds meistens nur vermögenden Anlegern vorbehalten. Die Hauptinvestoren sind daher die so genannten High Net Worth Individuals, d.h. Privatinvestoren mit überdurchschnittlich hohen Einkommen oder 88 Vermögen . In den USA müssen sich Investoren, die als begrenzte Partner an einem Hedge- 89 fonds beteiligt sind, akkreditieren lassen . Diese Gruppe ist gekennzeichnet durch ein hohes
80 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 28; Simmert, Diethard B./Hölscher, Klaus: a.a.O., S. 10
81 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 26
82 Als Offshore-Gebiete in diesem Zusammenhang zählen alle Regionen außerhalb der USA, der Eurozone (ohne
Luxemburg und Irland) sowie Großbritannien, in denen Hedgefonds fast keiner Regulierungen unterliegen.
Vgl. hierzu Lähn, Marcel V.: a.a.O., S. 267
83 Vgl. Keller, Martin: a.a.O., S. 16
84 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 26
85 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 32; Rutkis, André: a.a.O., S. 15
86 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 26
87 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 26
88 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 103
89 Vgl. Muff, Kurt: a.a.O., S. 16
10
Fachwissen und eine formal gute Ausbildung sowie ein überdurchschnittlich hohes Einkom- 90 men oder Vermögen . Ziel dieser Regelung ist der Schutz von Kleinanlegern.
Da Hedgefonds in der Regel kaum Marketingaktiviäten haben, erstreckt sich ihr Anlegerkreis 91 nicht auf die große Masse der Privatanleger . Die wichtigste Gruppe sind die vermögenden
Privatkunden. Allerdings wird der Anteil von institutionellen Anlegern in den nächsten Jahren 92 zunehmen .
2. Institutionelle Investoren
Auch wenn Privatanleger den größten Investorenanteil stellen, so fällt der Großteil der Vermögenswerte, wegen der höheren Einlagesummen, auf institutionelle Investoren wie Banken, 93 94 Versicherungen , Pensionskassen und Dachfonds , die Hedgefonds insbesondere zur Port- 95 foliooptimierung einsetzen . Aber auch Universitäten (siehe Anhang 11) legen einen Teil 96 ihrer Stiftungsgelder in Hedgefonds an . So hat z.B. die Harvard Universität zwölf Prozent 97 ihres Stiftungsvermögens von 19,5 Milliarden US-Dollar in Hedgefonds investiert .
Einen Überblick über die Investorenverteilung von Hedgefonds befindet sich in Anhang 12.
III. Hedgefondsmarkt in Zahlen
Derzeit gibt es weltweit ca. 7000 bis 8000 Hedgefonds mit einem verwalteten Gesamtvolu- 98 99 men von 700 Milliarden bis 865 Milliarden US-Dollar (siehe Anhang 13-15), wobei die
größten Gesellschaften bis zu 12 Milliarden US-Dollar verwalten (siehe Anhang 16 und 17). Das Fachmagazin „Alternative Fund Services Review“ bezifferte im Mai 2004 das in 100 Hedgefonds weltweit verwaltete Vermögen sogar auf bis zu 1,16 Billionen US-Dollar . Da
Hedgefonds nicht von einer übergreifenden Behörde erfasst werden, sind Zahlenangaben nur von kommerziellen Anbietern wie z.B. Hedge Fund Research, TASS und Van Hedge Fund 101 Advisors erhältlich . Die Unterschiede bei den Daten der einzelnen Anbieter und Quellen beruhen darauf, dass es sich bei den meisten Angaben um Schätzungen und unterschiedliche
90 Vgl. Muff, Kurt: a.a.O., S. 16
91 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 103
92 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 104
93 Die Gothaer Versicherung ist z.B. schon seit über zehn Jahren in Hedgefonds-Anlagen investiert. Vgl. o.V.:
Hedge Fonds locken mit riskanten Hochrenditen, in: Versicherungswirtschaft 23/2000, S. 1900-1901, S. 1900;
Röring, Claudia: Assekuranz sucht Alternativen, in: HB vom 24.09.2003, S. D2
94 Vgl. Schäfer, Klaus: a.a.O., Sp. 1007 f.; Pichl, Andrea: a.a.O., S. 40
95 Vgl. Achleitner, Ann-Kristin: Handbuch Investment Banking, 3. Auflage, Wiesbaden 2002, S. 669; Deutsche
Bundesbank (Hrsg.): a.a.O., S. 36
96 Vgl. Bekier, Matthias: a.a.O., S. 99; o.V.: Calpers ist enttäuscht von Hedge Funds, in: HB vom 18.02.2003, S. 37
97 Vgl. o.V.: Calpers, a.a.O, S. 37
98 Vgl. Simmert, Diethard B./Hölscher, Klaus: a.a.O., S. 7; Weber, Thomas: a.a.O., S. 16
99 Vgl. Balzli, Beat: Gift fürs Geschäft, in: Der Spiegel 34/2004, S. 74-76, S. 75
100 Vgl. Woitzik, Andreas/Albert, Katharina: Der Track Record ist entscheidend, in: Bank Magazin 7/2004,
S. 18-21, S. 18; Kaiser, Dieter G.: Anlagerisiko, a.a.O., S. 16
101 Vgl. Schäfer, Klaus: a.a.O., Sp. 1010
11
begriffliche Klassifikationen handelt, außerdem melden Hedgefonds-Manager ihre Daten nur auf freiwilliger Basis.
Die Branche ist in den letzten 14 Jahren durchschnittlich um 25 Prozent pro Jahr gewachs- 102 103 en und soll auch die kommenden Jahre um ca. 20 Prozent p.a. weiter wachsen . Trotz
dieser Zahlen muss darauf hingewiesen werden, dass es sich hier um ein vergleichsweise geringes Volumen handelt. Die 700 Milliarden US-Dollar entsprechen nur rund ein Prozent 104 105 der Weltmarktkapitalisierung in Aktien und Anleihen (siehe Anhang 18) sowie zwei bis 106 drei Prozent des Volumens der gesamten Investmentfondsbranche. Dennoch sollte beachtet werden, dass Hedgefonds ein wichtiger und ernstzunehmender Investor an den globalen 107 Finanzmärkten geworden sind . Einen Überblick über die Größenverteilung gibt Anhang 19.
Schätzungen zufolge haben deutsche Anleger inzwischen 60 Milliarden Euro im Ausland in 108 Hedgefonds investiert .
C. Geschichtliche Entwicklung von Hedgefonds
Obwohl Hedgefonds erst seit einigen Jahren in Deutschland verstärkt in der Finanzpresse thematisiert werden, so sind sie eigentlich nichts Neues. Ihre Anfänge gehen auf das Ende der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück (siehe auch Anhang 20).
I. Beginn in den USA
a) Jones neuartiges Konzept 109 Der erste Hedgefonds wurde von Alfred Winslow Jones am 1. Januar 1949 gegründet . Er
suchte einen Weg, um nicht nur von steigenden sondern auch von fallenden Aktienmärkten zu 110 profitieren und verwendete dazu fremdfinanzierte Kaufpositionen und Leerverkäufe . Um
das Risiko der Investoren zu teilen, verpflichtete er sich, eigenes Geld in seinen Fonds zu investieren und führte als erster eine leistungsabhängige Vergütung ein, die 20 Prozent der 111 Wertsteigerung des Fonds betrug .
Das neuartige Konzept von Jones bestand darin, mit dem Fondsvermögen als unterbewertet betrachtete Wertpapiere zu kaufen und in gleichem Umfang als überbewertet eingestufte
102 Vgl. Erke, Burkhard/Marquardt, Ralf-M.: a.a.O., S. 311; Weber, Thomas: a.a.O., S. 16, 26 f.
103 Vgl. Pichl, Andrea: a.a.O., S. 16; Weber, Thomas: a.a.O., S. 16
104 Vgl. Laut Aussage von Herrn Markus Sievers, Geschäftsführer der apano GmbH, am 25.09.2004 auf einer
Podiumsdiskussion zum Thema „Welcher Hedgefonds ist für den Privatanleger der richtige?“ auf der Inter- Anlegermesse 2004 in Düsseldorf; Weber, Thomas: a.a.O., S. 16
105 Vgl. Rettberg, Udo: Hedge Funds setzten auf Jahresend-Rallye, in: HB vom 16.10.2002, S. 29
106 Vgl. Rettberg, Udo: Aufbruch, a.a.O., S. B5
107 Vgl. Single, Gerhard L.: Hedge Fonds, a.a.O., S. 240
108 Vgl. Engel, Andreas: a.a.O., S. 924
109 Vgl. Rutkis, André: a.a.O., S. 11; Weber, Thomas: a.a.O., S. 19
110 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 57; Rutkis, André: a.a.O., S. 11; Weber, Thomas: a.a.O., S. 20
111 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 57 f.; Rutkis André: a.a.O., S. 11 f.; Weber, Thomas: a.a.O., S. 21
12
Wertpapiere zu verkaufen. Somit konnte das gesamte Portfolio gegen das systematische Risiko abgesichert werden und es bestand nur noch das bewusst übernommene 112 113 unsystematische Risiko der einzelnen Wertpapiere (marktneutrale Strategie ).
b) Loomis’ Artikel und die folgenden Entwicklungen
Mitte der 1950er Jahre setzten einige andere Fondsgesellschaften ebenfalls Leerverkäufe ein, 114 obwohl die Absicherung von Marktrisiken nicht deren Hauptziel war . Bekanntheit erlangte
Jones mit seinem Fonds aber erst durch den 1966 im Fortune Magazin erschienen Artikel 115 „The Jones nobody keeps up with“ von Carol J. Loomis. Sie verwendete als erste Person 116 die Bezeichnung „Hedgefonds“ und prägte damit den Namen einer ganzen Branche .
Der Artikel war für die Fondsbranche ein Schock, denn Jones hatte selbst nach Abzug aller 117 Gebühren die Rendite sämtlicher Investmentfonds übertroffen . Der beste Fonds, der 118 Fidelity Trend Fund, konnte über die letzten fünf Jahre um 44 Prozent übertroffen werden .
Während der S&P 500 Index von 1955-1965 um 222 Prozent anstieg, legte der AW Jones 119 Fund im gleichen Zeitraum um 670 Prozent zu .
Nach Erscheinen des Artikels wurden über 140 Hedgefonds gegründet, die das Konzept von 120 Jones nachahmten . In den steigenden Aktienmärkten der 1960er Jahre vernachlässigten viele Manager jedoch die Absicherung ihrer Positionen durch Leerverkäufe, da dies die 121 Rendite der Fonds verringerte . Dies führte dazu, dass in der Aktienbaisse der Jahre 1973/74
viele Hedgefonds kreditfinanzierte Long-Positionen besaßen und dadurch hohe Verluste erlitten und liquidiert werden mussten. In den darauf folgenden Jahren wurde es ruhig um die 122 Branche . So konnten 1984 nur noch 68 Hedgefonds in einer Untersuchung von Tremont 123 Partners gezählt werden .
II. Aufstieg der Hedgefonds
Neue Strategien wie die von Julian Roberts Tiger Fonds, der das ursprüngliche Konzept von Jones um neue Finanzinstrumente im Bereich Währungen, Zinssätze und Aktienindizes
112 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 58; Keller, Martin: a.a.O., S. 12
113 Vgl. Schäfer, Klaus: a.a.O., Sp. 1006; Hockmann, Heinz J.: a.a.O., S. 268
114 Vgl. Rutkis, André: a.a.O., S. 12
115 Loomis, Carol J.: The Jones nobody keeps up with, in: Fortune Magazine 4/1966, S. 237-247
(dt.: „Der Jones, mit dem niemand mithalten kann“)
116 Vgl. Schäfer, Klaus: a.a.O., Sp. 1006; Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 58; Weber, Thomas: a.a.O., S. 19
117 Vgl. Rutkis, André: a.a.O., S. 12
118 Vgl. Keller, Martin: a.a.O., S. 13; Pichl, Andrea: a.a.O., S. 2 f.
119 Vgl. Bekier, Matthias: a.a.O., S. 74; Keller, Martin: a.a.O., S. 11; Hornberg, Klaus W.: Unbekannte Sieger -Einführung in die Welt der nicht-klassischen Investmentfonds, Zürich 1997, S. 39
120 Vgl. Pichl, Andrea: a.a.O., S. 2; Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 60
121 Vgl, Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 60; Keller, Martin: a.a.O., S. 13; Lähn, Marcel V.: a.a.O., S. 272
122 Vgl. Rutkis, André: a.a.O., S. 12; Keller, Martin: a.a.O., S. 14; Weber, Thomas: a.a.O., S. 21 f.
123 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 60
13
erweiterte und damit die Global-Macro-Strategie begründete sowie neue Instrumente wie Optionen und Futures und die stark voranschreitende Computertechnologie bescherten der 124 Hedgefonds-Branche in den 1980er Jahren neuen Auftrieb . Für Aufsehen sorgte auch die
bessere Wertentwicklung dieser Fonds gegenüber den Aktienmärkten. Der Tiger Fonds erreichte in den ersten sechs Jahren seines Bestehens bis 1986 eine Rendite von 43 Prozent 125 pro Jahr .
In der Zeit der tendenziell positiven Entwicklung der Weltbörsen in den 1980er Jahren kamen 126 neue Hedgefonds auf den Markt . Zusätzlich entstanden Fonds, die sich auf bestimmte 127 Anlageregionen und Segmente wie z.B. Schwellenländer spezialisierten .
III. Neunziger Jahre und Entwicklung in Deutschland bis 2003
a) Neunziger Jahre
In den neunziger Jahren setzte sich das Wachstum der Branche weiter fort. Die vorherrschenden Marktbedingungen wie feste Aktien- und Rentenkurse sowie stark schwankende Devisenkurse waren eine optimale Grundlage für die herausragenden Renditen vieler Hedge- 128 fonds .
Trotz der Tatsache, dass Hedgefonds immer wieder in Negativschlagzeilen zu finden waren, 129 wie 1992 bei der EWS-Krise, 1997 bei der Asien-Krise und 1998 beim Beinahezusammenbruch des Hedgefonds LTCM, stieg die Zahl der Hedgefonds und deren verwaltetes Vermögen immer weiter an. Das Jahr 2001 war ein Rekordjahr für die Branche. In Europa vervierfachte sich das Anlagevolumen auf 64 Milliarden US-Dollar und weltweit stieg es um 144 130 Milliarden USD auf 563 Milliarden US-Dollar und ca. 6000 Fonds . 2002 zogen viele
Anleger ihre Gelder aus Hedgefonds aufgrund zu geringer Renditen zurück. Infolge dessen setzte eine Schließungswelle ein, in der laut Tremont Advisors über 700 Hedgefonds 131 liquidiert wurden (siehe Anhang 21), was einem Viertel der Branche entsprach . Wegen der
vielen Neugründungen gab es in 2002 dennoch einen Nettozuwachs in der Anzahl der 132 Hedgefonds .
124 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 60 f.
125 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 60; Weber, Thomas: a.a.O., S. 22
126 Vgl. Rutkis, André: a.a.O., S. 12
127 Vgl. Pichl, Andrea: a.a.O., S. 4; Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 61
128 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 61
129 Vgl. Rutkis, Adré: a.a.O., S. 12 f.
130 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 66
131 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 68 f.
132 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 69
14
b) Entwicklung in Deutschland bis 2003
Bis zum Inkrafttreten des Investmentmodernisierungsgesetzes am 1. Januar 2004 war es in Deutschland nicht möglich, Hedgefonds aufzulegen, da Investmentfonds in Deutschland bisher unter das KAGG fielen und dessen Vorschriften erfüllen mussten. Dieses Gesetz verbietet den Einsatz von Leerverkäufen und begrenzt die Fremdkapitalaufnahme auf zehn Prozent des 133 Fondsvermögens . Der Anteil eines Wertpapiers am Fondsvermögen ist auf zehn Prozent und der Anteil verschiedener Wertpapiere des gleichen Emittenten ist auf 40 Prozent be- 134 grenzt . Optionen dürfen nur bis zu 20 Prozent gehalten werden und Futures sowie weitere 135 Termingeschäfte sind für Investmentfonds nur zur Absicherung erlaubt . Außerdem fordert 136 das KAGG die jederzeitige Rückgabe der Anteilsscheine . Diese Einschränkungen haben es
in der Vergangenheit unmöglich gemacht, dass in Deutschland Hedgefonds aufgelegt 137 wurden .
Der Vertrieb ausländischer Hedgefonds war in Deutschland zwar möglich, doch galt für sie das Auslandinvestment-Gesetz (AuslInvestmG), durch das Hedgefonds in die Gruppe der 138 schwarzen Fonds einklassifiziert wurden . Dies führte zu einer pauschalen Strafbesteuer- 139 ung , die ein Investment für inländische Anleger uninteressant machte. Um diese Regularien zu umgehen und um die erwartete Kundennachfrage zu befriedigen, wurden von deutschen Banken Hedgefonds-Zertifikate emittiert. Das erste deutsche Hedge- 140 fonds-Zertifikat wurde im Jahr 2000 von der Commerzbank unter dem Namen COMAS mit 141 einem Emissionsvolumen von 80 Millionen Euro auf den Markt gebracht . Im gleichen Jahr
folgte die Deutsche Bank, die mit ihrem Xavex HedgeSelect-Zertifikat 1,8 Milliarden Euro an 142 Kundengeldern akquirierte .
Während der Aktienbaisse bis 2003 konnten innerhalb von zwei Jahren mehr als fünf Milliar- 143 den US-Dollar eingesammelt und in Hedgefonds-Produkten investiert werden .
133 Vgl. § 9 Abs. 4, Abs. 5 KAGG; Luttermann, Claus/Backmann, Julia: Rechtsverhältnisse bei Hedge-Fonds
(„Risikofonds”) in Deutschland und in den USA, in: Zeitschrift für Wirtschaftsrecht 23/2002, S. 1017-1024,
S. 1018 f.; Breuer, Wolfgang/Gürtler, Marc/Schuhmacher, Frank: a.a.O., S. 261
134 Vgl. § 8a Abs. 1 KAGG
135 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 33; Friedrich, Marcus/Bahr Dietmar H.: a.a.O., S. 187
136 Vgl. § 11 Abs. 2 KAGG
137 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 33; Rettberg, Udo: Aufbruch, a.a.O., S. B5; Kayser, Joachim/
Steinmüller, Jens: Hedge-Fonds, a.a.O., S. 1273 f.
138 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 34 ff.
139 Vgl. § 18 Abs. 3 AuslInvestmG
140 Vgl. Mager, Ferdinand/Kiehn, Daniela: Hedgefonds, in: Die Betriebswirtschaft 5/2003, S. 605-608, S. 605
141 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 126
142 Vgl. Rodewald, Maik: Hedgefonds werden salonfähig Anleger profitieren von Diversifikation, in: BZ vom
24.03.2001, S. 5; Baumann, Michael/Reimer, Hauke: Hohes Risiko, in: WiWo 16/2001, S. 152-153, S. 153
143 Vgl. Rettberg, Udo: Aktienbaisse fördert Alternativ-Investments, in: HB vom 15.05.2003, S. 31
15
3. Kapitel: Strategien von Hedgefonds
A. Heterogenität der Strategien
Eine einheitliche, verbindliche und abschließende Klassifizierung der Hedgfonds-Strategien 144 ist nicht möglich . Sowohl in der Literatur als auch bei den verschiedenen Datenanbietern und Analysehäusern finden sich unterschiedliche Ein- und Unterteilungen sowie eine voneinander abweichende Anzahl von Strategien (siehe Anhang 22 und 23). Das Spektrum reicht 145 dabei von unter zehn bis über 30 Kategorien . So bezeichnet z.B. Fano-Leszczynski die
Long/Short-Equity-Strategie, die laut Kaiser und Weber A. W. Jones als erster angewendet hat, als Equity-Market-Neutral-Strategie und nennt die Statistische Arbitrage, die Kaiser und Weber ihrerseits als Equity-Market-Neutral-Strategie bzw. Relative-Value-Strategie bezeichnen einen Sonderfall der Equity-Market-Neutral-Strategie.
Global-Macro- und nicht marktneutrale Long/Short-Equity-Strategien werden oft auch unter der Gruppe der opportunistischen Strategien zusammengefasst, da sie von bestimmten 146 Richtungsbewegungen der Kapitalmärkte profitieren .
Um die Chancen und Risiken von Hedgefonds eingehend beurteilen zu können, ist die Kenntnis der verschiedenen Anlagestrategien (siehe Anhang 24 und 25) unumgänglich. Aufgrund der größeren Übereinstimmung mit weiteren Quellen wird im Folgenden weitestgehend die Strategieeinteilung von Kaiser und Weber verwendet und detailliert besprochen.
B. Anlagestrategien von Hedgefonds
I. Long/Short-Equity-Strategien
Im Rahmen dieser von Alfred W. Jones begründeten Strategie investieren Hedgefonds in ein diversifiziertes Portfolio verschiedener Wertpapiere und Derivate und setzen sowohl auf stei- 147 gende als auch auf fallende Kurse , wobei Fremdkapital als Renditehebel verwendet wird. 148 Die Manager dieser am weitesten verbreiteten Strategie kaufen ihrer Meinung nach unterbewertete Aktien (Long-Strategie) und verkaufen gleichzeitig ihrer Meinung nach überbewer- 149 tete Aktien leer (Short-Strategie) . Der Hedgefonds kann den aus dem Leerverkauf erhaltenen Kapitalbetrag für den Kauf seiner Long-Position verwenden. Dadurch kann sich die
144 Vgl. Mager, Ferdinand/Kiehn, Daniela: a.a.O, S. 605
145 Vgl. Bundesverband Alternativer Investments e.V. (Hrsg.): Alternative Investments - Grundlagen, Produkte,
Chancen und Risiken, Bonn 2003, S. 18
146 Vgl. Eling, Martin/Erner, Carsten: Hedgefonds, in: WiSt 7/2004, S. 424-426, S. 425
147 Vgl. Simmert, Diethard B./Hölscher, Klaus: a.a.O., S. 21; Weber, Thomas: a.a.O., S. 72
148 Vgl. Friedrich, Marcus/Bahr, Dietmar H.: a.a.O., S. 105
149 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 131; Weber, Thomas: a.a.O., S. 75 f.; Rutkis, André: a.a.O.,
S. 27
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Long/Short-Strategie, abgesehen von Transaktionskosten, selbst finanzieren und erfordert 150 nicht notwendigerweise zusätzliches Eigenkapital . 151 Ein Positionsübergewicht auf der Kaufseite wird als Long-Bias und ein Übergewicht auf 152 der Verkaufsseite wird als Short-Bias bezeichnet . Besteht das Portfolio des Hedgefonds nur 153 aus Long- oder Short-Positionen, spricht man von direktionalen Strategien , da die Strategie 154 nur auf eine Richtung setzt . In diesen Fällen ist die Strategie nicht, wie beim Handel mit 155 Aktienpaaren, marktneutral ausgerichtet .
Die Long/Short-Equity-Strategien haben eine hohe Korrelation mit den Aktienmärkten, die sich in Boomphasen noch steigert sowie eine geringe bis negative Korrelation zu den Renten- 156 indizes . Der Auswahl der einzelnen Aktien, dem so genannten Stock-Picking, kommt eine besondere Bedeutung zu, denn der Hedgefonds-Manager ist hierbei, wie die Manager traditio- 157 neller Fonds, von der Wertentwicklung einzelner Titel abhängig . Dabei hat er aber den 158 Vorteil, dass er Leerverkäufe tätigen darf .
Darüber hinaus konzentrieren sich immer mehr Long/Short-Hedgefonds auf verschiedene Branchen oder Regionen oder verfolgen einen wertorientierten oder wachstumsorientierten 159 Ansatz .
a) Equity Hedge
Durch den Einsatz von Leerverkäufen und Optionen auf Aktien oder Aktienindizes wird bei der Strategie Equity Hedge (Aktienabsicherung) ein abgesichertes Aktienportfolio aufgebaut, das in Abhängigkeit von der Marklage eine netto long bis netto short Gewichtung aufweisen 160 kann . Es werden Positionen in Titeln gekauft, die sich besser als der Markt entwickeln und Positionen in Titeln leerverkauft, die sich schlechter als der Markt entwickeln werden. Der Manager erwartet beispielsweise, dass in fallenden Märkten die Short-Positionen schneller an 161 Wert verlieren als die Long-Positionen und umgekehrt. Meistens werden fremdfinanzierte 162 Long-Positionen mit einer Short-Position kombiniert, die vor Verlusten schützen soll .
150 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 67
151 bias: engl. für Neigung, Voreingenommenheit
152 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 131
153 engl.: directional trading
154 Vgl. Bundesverband Alternativer Investments e.V. (Hrsg.): a.a.O., S. 19; Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds,
a.a.O., S. 131
155 Vgl. Eling, Martin/Erner, Carsten: a.a.O., S. 425
156 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 131
157 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 132 f.; Friedrich, Marcus/Bahr, Dietmar H.: a.a.O., S. 106
158 Vgl. Simmert, Diethard B./Hölscher, Klaus: a.a.O., S. 21 f.
159 Vgl. Simmert, Diethard B./Hölscher, Klaus: a.a.O., S. 22; Weber, Thomas: a.a.O., S. 72 f.
160 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 133
161 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 80 f.; Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 133
162 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 133
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b) Equity Non Hedge
Manager dieser Strategie verzichten auf eine Absicherung ihrer Anlagen vor fallenden Kur- 163 sen. Sie handeln dadurch ähnlich wie traditionelle Anlagefondsmanager , aber mit dem 164 Unterschied, dass sie Fremdkapital und Derivate zur Nutzung des Hebels einsetzen können .
c) Short Selling
Beim Short Selling, d.h. dem Leerverkauf, werden ausschließlich Leerverkaufspositionen in Aktien oder Derivaten vom Fondsmanager eingegangen, um von fallenden Kursen zu profitieren.
Die Besonderheit liegt darin, dass der Hedgefonds mit einem relativ kleinen Kapitaleinsatz 165 arbeiten kann, da er nur die Leihgebühr sowie eventuelle Margins finanzieren muss . Das
aus dem Verkauf der Wertpapiere erhaltene Kapital stellt für den Verleiher der Wertpapiere eine Sicherheit dar, indem der Hedgefonds entweder Bargeld hält oder festverzinsliche Wert- 166 papiere erwirbt . Dadurch werden zusätzlich Zinserträge generiert, die zur Aufbesserung der Rendite dienen. Für den Hedgefonds entsteht dann eine Hebelwirkung, wenn weniger als 100 167 Prozent des Leerverkaufs als Sicherheit hinterlegt werden müssen . 168 Hedgefonds dieser Strategie setzen sich vollständig dem Leerverkaufsrisiko aus, bei dem 169 das Gewinnpotenzial begrenzt, das Verlustrisiko aber unbegrenzt ist .
Ein Beispiel für die Leerverkaufsaktivitäten von Hedgefonds in Deutschland ist der Kurs- 170 verlust der TUI-Aktie im Sommer 2004 . Hedgefonds spekulierten darauf, dass die Aktie, 171 wegen ihrer schlechten Wertentwicklung aus dem DAX entfernt wird .
d) Pair Trades 172 Eine besondere Form der Long/Short-Strategie ist der Handel mit Aktienpaaren , dabei wird
eine Long-Position in einer Aktie eingegangen und in gleichem Umfang eine Short-Position 173 mit einer zweiten Aktie innerhalb desselben Sektors aufgebaut (Beispiel siehe Anhang 26) .
So entsteht ein von der allgemeinen Marktentwicklung unabhängiges marktneutrales
163 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 82; Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 134
164 Vgl. Cottier, Philipp: a.a.O., S. 122
165 Vgl. Friedrich, Marcus/Bahr, Dietmar H.: a.a.O., S. 101
166 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 109; Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 134 f.; Deutsche
Bundesbank (Hrsg.): a.a.O., S. 35
167 Vgl. Cottier, Philipp: a.a.O., S. 123
168 siehe Kapitel 4 Gliederungspunkt B. II. a) 2.
169 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 110; Weber, Thomas: a.a.O., S. 77
170 Vgl. Balzli, Beat: Gift, a.a.O., S. 76
171 Vgl. Jenkins, Patrick/Atkins, Ralph: Geier-Fonds greifen nach TUI, in: FTD vom 13.08.2004, S. 1; o.V.:
Morgan Stanley springt bei Tui wieder ab, in: BZ vom 11.09.2004, S. 9
172 engl.: pair trade
173 Vgl. Nicholas, Joseph G.: a.a.O., S. 246; Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 131; Friedrich, Marcus/
Bahr, Dietmar H.: a.a.O., S. 105; Weber, Thomas: a.a.O., S. 72; Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 83
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174 Portfolio , bei dem nur die relative Kursentwicklung der beiden gewählten Aktien 175 zueinander von Bedeutung ist .
Der Hintergrund dieser Methode ist, ein Portfolio von systematischen Bewegungen in der Branche durch eine Long-Position in der besten Aktie und einen Leerverkauf in der schlech- 176 testen Aktie der Branche zu isolieren . Die Manager tauschen das ihrer Meinung nach
schwieriger einzuschätzende Gesamtmarktrisiko (systematisches Risiko) gegen das besser einzuschätzende unsystematische Einzelaktienrisiko. Der Gewinn entsteht dabei durch die relative Differenz der Kursbewegung zwischen den beiden Aktien, wobei die Richtung nachrangig ist. Die Strategie erfordert nicht notwendigerweise, dass die Long-Position steigen und die Short-Position fallen muss, sondern es genügt wenn sich die Long-Position immer besser 177 entwickelt, d.h. stärker steigt oder weniger stark fällt, als die Short-Position .
II. Market-Neutral-Strategien
Bei den marktneutralen Strategien, die auch als Relative-Value-Strategien bezeichnet werden, versucht der Hedgefonds, mit Arbitragegeschäften bei Anleihen, Wandelanleihen und Aktien 178 eine Rendite zu erzielen . Als Arbitrage wird an sich das Ausnutzen von Preisunterschieden derselben Wertpapiere an verschiedenen Handelsplätzen zum gleichen Zeitpunkt bezeichnet, 179 wobei die Papiere an der billigeren Börse gekauft und an der teureren verkauft werden . Im
Zusammenhang mit Hedgefonds wird der Arbitragebegriff jedoch für solche Geschäfte ver- 180 wendet, bei denen man nicht mit gleichen Wertpapieren handelt , sondern den Preisunter- 181 schied zwischen ähnlichen Instrumenten ausnutzt . Ein Beispiel hierfür ist die Arbitrage zwischen einer Wandelanleihe und der zugrunde liegenden Aktie.
Kennzeichnend für die marktneutralen Strategien ist die geringe Korrelation zu den Aktien- 182 und Anleihemärkten. Allerdings darf marktneutral nicht mit risikolos verwechselt werden ,
174 Deswegen wird diese Strategie oft auch den marktneutralen Strategien zugerechnet. Im Rahmen dieser Arbeit
wird sie bei Long/Short Equity aufgeführt, da dies der erste von Jones betriebene marktneutrale Ansatz war
(siehe unten II.) kamen erst später hinzu.
175 Vgl. Friedrich, Marcus/Bahr, Dietmar H.: a.a.O., S. 105; Nicholas, Joseph G.: a.a.O., S. 246; Weber, Thomas:
a.a.O., S. 72
176 Vgl. Nicholas, Joseph G.: a.a.O., S. 246
177 Vgl. Nicholas, Joseph G.: a.a.O., S. 227, 246
178 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 135 f.
179 Vgl. Perridon, Louis/Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 13. Auflage, München 2004,
S. 319
180 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 136
181 Vgl. Söhnholz, Dirk: a.a.O., S. 721
182 Vgl. Peetz, Dietmar/Compton, Paul: Wandelanleihenarbitrage: Attraktiv, aber nicht ohne Risiken, in:
Die Bank 3/2003; S. 202-206, S. 205; Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 137
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183 sondern bedeutet die Minimierung oder komplette Ausschaltung des Marktrisikos . Das
unsystematische Risiko des einzelnen Wertpapiers bleibt allerdings bestehen. Da bei Arbitragegeschäften die Preisunterschiede sehr gering sind, wird, um eine akzeptable 184 Rendite zu erwirtschaften, Fremdkapital eingesetzt , dessen Höhe im Extremfall bis zum 185 hundertfachen des Eigenkapitals betragen kann .
Die von Hedgefonds ausgenutzten Ungleichgewichte können sich oft über einen längeren Zeitraum hinziehen. Folglich kann es oft sehr lange dauern, bis der erwartete Gewinn realisiert wird. Deswegen haben Arbitragefonds sehr lange Mindesthaltepflichten, während derer 186 die Anleger ihr Geld nicht abziehen können .
Im Folgenden werden die drei wichtigsten Unterstrategien erläutert.
a) Fixed Income Arbitrage 187 Bei der Anleihenarbitrage werden Arbitragegeschäfte mit Zinswertpapieren und deren 188 Derivaten durchgeführt, wobei Long- und Short-Positionen eingesetzt werden . Dabei wird
auf die Beziehung zwischen zwei Wertpapieren spekuliert und nicht in erster Linie auf die 189 Entwicklung des Rentenmarktes . Da die Bewertung von festverzinslichen Wertpapieren
und deren Derivaten auf einer Vielzahl komplexer Einflussfaktoren wie z.B. Zinsstrukturkurve, Volatilitäten und Bonität des Emittenten beruht, die nicht von allen Anlegern richtig 190 verstanden werden, entstehen Ineffizienzen und somit Anlagemöglichkeiten .
Läuft die historische Korrelation zweier ähnlicher festverzinslicher Wertpapiere auseinander und der Manager ist davon überzeugt, dass sich die Beziehung beider Rentenpapiere wieder 191 dem historischen Zustand annähert, investiert er , indem er das teuere Papier leerverkauft 192 und das billigere im gleichen Umfang kauft . Dadurch werden potentielle Zinsänderungen 193 abgesichert und der Gewinn, der entsteht, wenn sich die Korrelation beider Papiere wieder 194 annähert, hängt nur von der individuellen Entwicklung dieser Rentenpapiere ab .
183 Vgl. Weber, Thomas: a.a.O., S. 79; Simmert, Diethard B./Hölscher, Klaus: a.a.O., S. 24
184 Vgl. Hilpold, Claus/Maaß, Christopher: Hypotheken bieten eine hohe Arbitrage, in: HB vom 06.06.2003, S. B5
185 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 137; Weber, Thomas: a.a.O., S. 83
186 Vgl. Weber, Thomas: a.a.O., S. 82; Simmert, Diethard B./Hölscher, Klaus: a.a.O., S. 25; Schumm, Thomas/
Lang, Roland: Praxisratgeber Hedge Funds, München 2004, S. 82
187 engl.: fixed income arbitrage
188 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 137; Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 85
189 Vgl. Nicholas, Joseph G.: a.a.O., S. 118 f.
190 Vgl. Weber, Thomas: a.a.O., S. 83 f.; Nicholas, Joseph G.: a.a.O., S. 102; Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O.,
S. 86
191 Vgl. Kaiser, Dieter G.: Hedgefonds, a.a.O., S. 137 f.; Nicholas, Joseph G.: a.a.O., S. 101 f.
192 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 85, 87
193 Vgl. Cottier, Philipp: a.a.O., S. 129
194 Vgl. Fano-Leszczynski, Ursula: a.a.O., S. 85 f.
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