S. 2 Matthias Riesch
INHALTSVERZEICHNIS
I. EINLEITUNG 3
II. ITALIENPOLITIK FRIEDRICHS I. 3
A. RECHTSANSPRÜCHE DES KÖNIGS GEGEN DIE DER KOMMUNEN 3
B. KAISERLICHE BESTREBUNGEN UND WIDERSTAND. 5
C. VERHÄLTNIS DER KOMMUNEN UNTEREINANDER. 7
III. ENTSTEHUNG DER WIDERSTANDSBEWEGUNG. 7
A. DER REICHSTAG VON RONCAGLIA UND DIE FOLGEN. 7
B. ROLLE DES PAPSTSCHISMAS 9
C. VORÜBERGEHENDER SIEG UND SELBSTVERSTÄNDNIS FRIEDRICHS 10
IV. DIE LEGA LOMBARDA. 11
A. GRÜNDUNG UND ORGANISATIONSFORM 11
B. RÜSTUNG FÜR DIE KONFRONTATION 12
C. ÜBER DIE BEWEGGRÜNDE 13
V. GELD ODER EHRE? DIE BEWEGGRÜNDE BARBAROSSAS 14
VI. ZUSAMMENFASSUNG 17
QUELLE -N UND LITERATURVERZEICHNIS. 18
A. QUELLEN. 18
B. LITERATUR 18
C ARTIKEL AUS LEXIKA 19
Einleitung S. 3 Matthias Riesch
I. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit Friedrich Barbarossas Italienpolitik in der Zeit nach seiner Krönung zum Kaiser. Welche Ziele verfolgte er und welche Situation lag im Jahr 1154 in Italien vor, als der Kaiser seinen ersten Italienzug unternahm? Schnell wird der Interessenkonflikt deutlich werden, ahand dessen sich die Entstehung der Widerstandsbewegung durch die Kommunen Italiens erklären lässt. Hier soll untersucht werden, welchen Einfluss der Umgamg Friedrichs I. mit den Kommunen, der Reichstag von Roncaglia und die Mitschuld des Kaisers am Pastschisma dazu beigetragen haben, dass es zur Bildung der Lega Lombara, des lombardischen Städtebunds, kommt. Wie war dieser Städtebund verfasst und wie suchte er, sich auf die Konfrontation mit dem Kaiser vorzubereiten? Diesen Fragen gehe ich nach und werde dabei auch die in der gängigen deutschen Literatur weniger stark vertretene Perspektive aus Sicht der italienischen Städte darstellen. Zudem werde ich die verschiedenen Formen des Widerstands gegen die kaiserliche Herrschaft untersuchen. Im Anschluss nehme ich eine Evaluierung der Motive, die hinter den Entscheidungen Friedrichs I. stehen, in Angriff. War es in der Hauptsache die Ehre des Reichs, genannt honor imperii, die Friedrichs Handeln bestimmte oder handelte es sich mehrheitlich doch um materielle, finanzielle und machtpolitische Interessen?
II. Italienpolitik Friedrichs I.
A. Rechtsansprüche des Königs gegen die der Kommunen
Auf der Suche nach den Gründen, die zum Konflikt zwischen Friedrich I. und dem Lombardenbund führen, müssen zunächst die Ausgangslage und die respektiven Positionen des Königs auf der einen sowie der italienischen Kommunen auf der anderen Seite näher betrachtet werden. Ein tiefes Verständnis der Auseinandersetzung kann ohne diese Vorarbeit nicht erreicht werden, aber auch eine Analyse der Motive, die hinter dem Handeln Friedrichs I. stehen, ist ohne Kenntnis der genauen Umstände nicht denkbar.
Der Herrschaftsanspruch, den Friedrich I. in Italien geltend zu machen versuchte, basiert auf dem Recht der Eroberung und stattet den gewählten
Italienpolitik Friedrichs I. S. 4 Matthias Riesch
deutschen König nicht nur im Deutschen Königreich, sondern auch im regnum Italiae mit aller königlichen Gewalt und den kaiserlichen Rechten aus. Das gilt unabhängig davon, ob die Kaiserkrönung durch den Papst bereits erfolgt ist oder nicht 1 . Anders als im übrigen Europa war in vielen italienischen Städten bereits vor der Mitte des 12. Jahrhunderts eine neue, bis dato unbekannte Form der Selbstverwaltung entstanden. Der Historiker spricht von Kommunen, die ohne einen von außerhalb installierten Bischof, der die Position des Stadtherrn ausfüllt, funktionieren und florieren. Insbesondere Mailand wuchs zu einem Zentrum von hohem Einfluß und großer Finanzkraft heran und war in dieser Periode eine der mächtigsten Städte der Welt. Doch auch in anderen Städten der Lombardei, wie Venedig, Verona und Cremona, waren die Forschritte sichtbar, die ohne die neue Ordnung unvorstellbar gewesen wären 2 .
Ihren Ausgangspunkt nahm diese Entwicklung zum Ende des 11. Jahrhunderts hin. Sie geht nicht auf die salischen Herrscher jener Zeit zurück, denn diese vernachlässigten in dieser Phase ihre Pflichten in Reichsitalien und fielen mehr durch ihre Abwesenheit als durch alles andere auf. Erst mit der Übernahme der Herrschaft durch die Staufer in Person von Friedrich I. gelangte die Italienpolitik wieder auf die Agenda eines deutschen Königs 3 - und schon während des ersten Italienzugs war der schwelende Konflikt absehbar: Auf der einen Seite Friedrich Barbarossa, fest entschlossen, das gute alte Recht in Form der direkten Herrschaft des deutschen Königs über Italien wiederherzustellen, auf der anderen Seite die italienischen Kommunen, die sich ihre neu erlangten Freiheiten natürlich nicht widerstandslos nehmen lassen wollten. Auch sie beriefen sich auf eine gültige Rechtsform, nämlich das schon aus der Zeit der Römer bekannte mos maiorum, das Gewohnheitsrecht, das die natürlich gewachsenen Zustände legitimiert 4 und gleichzeitig eine Rechtsform darstellt, die viel älter ist, als das deutsche Königtum per se. Vergegenwärtigt man sich die Situation einmal, wird deutlich, warum es zum Konflikt kommt: Beide Parteien sehen sich im Recht und berufen sich auf eine gültige Rechtsform, demzufolge sieht auch keiner einen Anlass, nachzugeben und von seinen Forderungen abzurücken.
1 Vgl. Heinrich Appelt, Friedrich Barbarossa und die italienischen Kommunen, S. 123.
2 Vgl. Alfred Haverkamp, Der Konstanzer Friede zwischen Kaiser und Lombardenbund (1183),
S. 13.
3 Vgl. Appelt, S. 124.
4 Vgl. Appelt, S. 124.
Italienpolitik Friedrichs I. S. 5 Matthias Riesch
Bei Friedrichs Politik spielte aber nicht nur der honor imperii, die eine der zentralen Leitlinien Friedrichs Politik darstellte und schon seit Beginn des 12. Jahrhunderts die Besitzansprüche des Reichs in besonderem Maße kennzeichnet, eine Rolle 5 . Es waren ebenso finanzielle Interessen, die sein Handeln beeinflussten, denn auch Friedrich waren das schnelle Wachstum und der Reichtum der lombardischen Städte nicht verborgen geblieben. Von der Motivation, die hinter den Handlungen des Königs steckt wird noch im Detail zu sprechen sein, nachdem die Untersuchung dessen, was im Vierteljahrhundert nach der Krönung Friedrichs geschah, abgeschlossen ist.
B. Kaiserliche Bestrebungen und Widerstand
Auch in jenen Quellen, deren Autoren Friedrich und seinem Tun gegenüber einen negativen Standpunkt einnehmen, wird die Tatkraft und Hingabe herausgestellt, mit denen er seine Ziele verfolgt. 6 So verwundert es nicht, dass sein erster Italienzug im Jahr 1154 nicht nur die Kaiserkrone zum Ziel hatte. Quasi im Vorbeigehen wollte er simultan dazu für Frieden zwischen den Kommunen und dafür Sorge tragen, dass alle ihre Abgaben an den Staat pünktlich und in voller Höhe entrichteten und der königlichen Hoheit gegenüber die erwartete Loyalität zeigen. Doch offensichtlich hatten die Städte andere Prioritäten. Der König wurde von ihnen entweder gar nicht ernst genommen oder aber unterschätzt, denn gleich nachdem er die Lombardei verließ, um nach Mittelitalien, später dann zurück nach Deutschland zu ziehen, widmeten die lombardischen Kommunen sich wieder dem Krieg untereinander. Dabei vergaßen sie, dass ein neuer Usurpator direkt vor ihnen stand und die Gefahr, die von ihm ausging, noch lange nicht beseitigt war 7 . Es dauerte vier Jahre ehe Friedrich 1158 erneut nach Italien zog. Anstatt aber willkürlich Zerstörung über diejenigen zu bringen, die ihm im Weg standen, ging er dieses Mal systematischer vor. Aus zweierlei verschiedenen Gründen richtete sich seine Konzentration speziell auf Mailand. Zum einen war es durch seine herausragende Stellung und die Machtfülle, die es in sich vereinte, zum Sammelpunkt für antikaiserliche Strömungen geworden und stellte schon allein aus
5 Art. honor imperii, in: LexMa, CD-ROM-Ausgabe.
6 „rex Fredericus, homo industrius, sagacissimus, fortissimus“, in: Gesta Federici I. imperatoris in
Lombardia auctore cive Mediolanensi, S. 16.
7 Vgl. Gina Fasoli, Friedrich Barbarossa und die lombardischen Städte, S. 160.
Italienpolitik Friedrichs I. S. 6 Matthias Riesch
symbolischen Gründen eine Gefahr da. Zum anderen bestand das Risiko, dass Mailand aus seiner Machtposition heraus kleinere Städte unterdrückt 8 , sie sich zum Vasallen macht und somit seine Vormachtstellung in der Lombardei weiter ausbaut. Friedrich konnte das aus seiner Position heraus nicht tolerieren. Als Mailand sich nicht seinem Willen beugte, verhängte er zunächst den Bann über die Stadt und begann anschließend, sie zu belagern. Gerade hier ist es wichtig, zu betonen, dass Friedrich bei seinen Aktionen gegen die Stadt bemüht war, nach gültigem Recht zu handeln. So hatte er stets Juristen an seiner Seite, die eine beratende Funktion inne hatten. Der Belagerung durch die kaiserliche Armee aber konnte auch die mächtigste Stadt Norditaliens nicht standhalten und hatte keine andere Wahl, als zu kapitulieren. Barbarossa diktierte die Bedingungen des Friedens. Dessen zentrale Inhalte waren der Verzicht auf die Selbstverwaltung einerseits und gleichzeitig die Auflage, seiner zu Ehren einen Kaiserpalast zu errichten. Das war nicht nur teuer und mit viel Aufwand verbunden, sondern hatte vor allem auch eine immense symbolische Bedeutung - der Palast repräsentierte die Herrschaft des Kaisers über die Stadt, in der er stand 9 .
Herauszustellen ist, dass Friedrich hier bereits ein Exempel statuierte und den Kommunen klar zu verstehen gab, sich nicht mit ihm anzulegen oder seine Handlungen in Frage zu stellen. Er ist vollkommen auf den Ausbau seiner Machtposition in Reichsitalien fixiert und zeigt keinerlei Skrupel, auf brutale Weise gegen diejenigen vorzugehen, die ihm im Weg stehen. Sein Ziel war es, ein Gleichgewicht zwischen den Kommunen zu schaffen. Die vorherrschenden und starken sollten ihre Macht nicht durch Unterwerfung kleinerer und schwächerer Kommunen ausbauen können. Jegliche Tendenzen in diese Richtung versuchte der Kaiser schon im Ansatz zu ersticken. Die Methoden aber, die Friedrich wählt, um für ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis zwischen den Städten zu sorgen sind nicht nur aus heutiger Sicht fragwürdig. Diplomatische Bemühungen von Seiten Friedrichs zur Erfüllung seiner Ziele sind in den Quellen, die Auskunft über sein Handeln geben, nicht verzeichnet. Seine Aussage, er möchte eine friedliche Lombardei, wirkt in diesem Kontext betrachtet wie blanke Ironie. Dieser Eindruck verstärkt sich weiter, wenn man Friedrichs Taten von 1162, darunter die vollständige Auslöschung
8 Vgl. Alfred Haverkamp, Das Zentralitätsgefüge Mailands im hohen Mittelalter, S. 196.
9 Vgl. Fasoli, Barbarossa, S. 161
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Matthias Riesch, 2008, Widerstand gegen Friedrich Barbarossas Italienpolitik - der lombardische Städtebund, München, GRIN Verlag GmbH
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