II
Gliederung
Abk ürzungsverzeichnis. III
A. Einleitung. 1
B. Ursachen 1
I. Gesetzliche und charakterliche Grundlagen 1
a) Reaganomics. 1
b) Das Konsumverhalten der US-amerikanischen Privathaushalte 2
II. Immobilienboom und Immobilienblase. 3
a) Der US-amerikanische Immobilienmarkt war überbewertet 3
b) Die Rolle der Fed. 3
c) Das falsche Geschäftsmodell der US-Hypothekenbanken 5
III. Neuartige Verbriefungsvehikel und ihre falsche Risikoeinschätzung. 6
a) Die moderne Verpackungsindustrie und die Folgen der Deregulierung 6
b) Das Versagen der Ratingagenturen. 7
C. Ablauf 8
D. Fazit und Ausblick 11
Anhang. V
Literaturverzeichnis XXI
III
Abkürzungsverzeichnis
ABCP Asset-backed Commercial Papers AIG American International Group ARM Adjustable-Rate Mortgages BIP Bruttoinlandsprodukt CDO Collateralized Debt Obligation CDS Credit Default Swap Corp. Corporation DTI Debt to Income EUR Euro EZB Europäische Zentralbank f. folgend FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung Fed Federal Reserve Bank ff. folgende FICO Fair Isaac Corporation FRM Fixed-rate Mortgage GSE Government Sponsored Enterprise i.d.R. in der Regel IKB IKB Deutsche Industriebank AG LB Landesbank LBBW Landesbank Baden-Württemberg LTV Loan to Value MBS Mortgage-Backed Security Mio. Million(en) Mrd. Milliarde(n) OFHEO Office of Federal Housing Enterprise Oversight RMBS Residential Mortgage-Backed Security S. Seite S&P Standard & Poor's SIV Structured Investment Vehicle SPV Special Purpose Vehicle Tsd. Tausend
IV
US United States USA United States of America USD United States Dollar vgl. vergleiche
1
A. Einleitung
Im April 2007 sahen Konjunkturexperten der Bundesregierung sowie zahlreiche Wirt-schaftsforschungsinstitute und Banken für die deutsche Wirtschaft einen lang anhaltenden Aufschwung in den kommenden Jahren voraus 1 . Heute, im Januar 2009, redet niemand mehr von Aufschwung oder Boom. Der Weltwirtschaft droht eine tiefe und langwierige Rezession 2 . Jede Krise hat ihre Bilder, die dem Betrachter in Erinnerungen bleiben (siehe Anhang 1 und Anhang 2). Die heutige weltweite Krise begann mit der anfangs regional begrenzten Subprime-Krise. Doch wie konnten Zahlungsausfälle US-amerikanischer Schuldner und infolge dessen Pleiten US-amerikanischer Hypothekeninstitute eine solche Krise hervorrufen, die wie ein Flächenbrand über die Welt zog und sogar das Überleben deutscher Landesbanken gefährdete?
Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit liegt daher auf der Darlegung der Ursachen der Subprime-Krise. Der Ablauf ist aufgrund der begrenzten Seitenzahl nur in einem kurzen aber prägnanten Abriss möglich.
B. Ursachen
I. Gesetzliche und charakterliche Grundlagen
a) Reaganomics
Das Ziel der Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten Ronald Reagan war die Steigerung der Kaufkraft und der Investitionstätigkeit der US-amerikanischen Bürger und Unternehmen durch die Senkung der Steuerbelastungen 3 sowie die Deregulierung verschiedener Wirtschaftsbereiche, insbesondere des Bankensektors 4 . Eine Vielzahl der für die Banken geltenden zwingenden Vorschriften wurde gestrichen. Vielmehr sollte die Sicherheit der Branche durch die Selbstkontrolle der einzelnen Banken gewährleistet werden. 5 Zur Förderung des Kaufs von Wohneigentum wurden vom Gesetzgeber Grundlagen geschaffen, die später wesentliche Elemente von Subprime-Krediten darstellen sollten. Staat- 1 Vgl.o.V.: Regierung sieht langen Boom, in: Der Spiegel 15/2007, S. 64
2 Internet-Recherche vom 23.12.2008, http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,587653,00.html, Konjunkturkrise: Weltwirtschaft droht tiefe, langwierige Rezession
3 Senkung des Spitzensteuersatzes in den 1980er Jahren für die Mehrheit der Steuerzahler von 33 % auf 15 %, für Spitzenverdiener von 70 % auf 28 %, für Unternehmen von 48 % auf 34 %
4 Vgl. Adams, Willi Paul: Die USA im 20. Jahrhundert, in: Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Band 29,
2. Auflage, München 2008, S. 111 f.; Heithecker, Marcus: Bushs Reaganomics, in: Die Welt vom 28.06.2004, S. 10
5 Vgl. o.V.: „Selbstkontrolle der Märkte“: Wie der Kapitalismus entfesselt wurde, in: Der Spiegel 42/2008, S.
28
2
lich festgelegte Zinsobergrenzen wurden abgeschafft und eine individuelle Ausgestaltung von Hypothekenkrediten wurde z.B. durch variable Zinssätze und Hypotheken mit negativer Amortisation ermöglicht. 6
b) Das Konsumverhalten der US-amerikanischen Privathaushalte
Die Gesamtverschuldung der Privathaushalte stieg von 2002 bis 2007 um ca. 5,7 Billionen auf über 13 Billionen USD 7 . Etwa 74 % dieser Verbindlichkeiten entfallen auf Hypothekenkredite, die schon seit Jahrzehnten das bevorzugte Finanzierungsmittel der Privathaushalte darstellen und deren Bedeutung seit der Einführung des Tax Reform Act 8 im Jahr 1986 noch gestiegen ist (siehe Anhang 3). Dieses Gesetz stellte für viele Hausbesitzer einen Anreiz dar, ihren Konsum mit Hilfe der Verpfändung von Haus und Grund zu finanzieren. 9
„Man muss besitzen, man darf nicht mieten in Amerika, mieten ist für Versager“ 10 . Im Jahr 2005 wohnten fast 70 % aller US-Amerikaner in den eigenen vier Wänden 11 . Zur Finanzierung des „American Dream“ nahmen viele einen Hypothekenkredit auf ihre neu erworbene oder noch zu bauende Immobilie auf. In vielen Fällen aber mehr als eigentlich zum Erwerb benötigt. In ein neues Haus gehört eine neue TV-Anlage, in die neue Garage nebenan ein neues Auto, war ihre Meinung. Die Umschuldung von bestehenden Konsumenten- oder Hypothekenkrediten wurde häufig gleichzeitig für Nachbeleihungen genutzt. Die steigenden Immobilienpreise machten immer höhere Darlehenssummen möglich 12 . Steigende Kreditkonditionen infolge der Leitzinsanhebungen ab Mitte 2004, insbesondere bei variabel verzinsten Hypothekenkrediten (ARM) schreckten viele Privathaushalte nicht davon ab, auf Investitionen zu verzichten oder sie auf einen späteren günstigeren Zeitpunkt zu verschieben. „Kaufe oder baue heute, denn morgen ist es schon wieder teurer geworden“ 13 .Der Zukunftskonsum wurde in Gegenwartskonsum umgewandelt 14 . Ein Leben auf Pump ist eine typische amerikanische Denkweise 15 .
6 Vgl. Bloss, Michael/Eil, Nadine/Ernst, Dietmar/Häcker, Joachim: Von der Subprime-Krise zur Finanzkrise. Immobilienblase: Ursachen, Auswirkungen, Handlungsempfehlungen, München 2009, S. 23
7 Vgl. Hawranek, Dietmar/Jung, Alexander/Mahler, Arnim/Reiermann, Christian/Reuter, Wolfgang/Steingart, Gabor/Tietz, Janko: Ende eines Zeitalters, in: Der Spiegel, 48/2007, S. 72-87, S. 74
8 Das Tax Reform Act erlaubt den Steuerzahlern, Zinszahlungen für Hypothekenkredite bei ihrer Einkommenssteuererklärung als Aufwand geltend zu machen. Dagegen dürfen Zinsen auf Konsumentenkredite nicht abgezogen werden
9 Vgl. Bloss, Michael/Eil, Nadine/Ernst, Dietmar/Häcker, Joachim: a.a.O., S. 23 f.
10 Balzli, Beat/Brinkbäumer, Klaus/Brenner, Jochen/Fichtner, Ullrich/Goos, Hauke/Hoppe, Ralf/Hornig, Frank/Kniep, Ansbert: Der Bankraub, in: Der Spiegel, 47/2008, S. 44-80, S. 47
11 Vgl. o.V.: Amerika fürchtet eine Immobilienblase, in: FAZ vom 30.08.2005, S. 21
12 Ein gutes Beispiel dafür ist die Familie Smith aus Ohio, USA. Nachzulesen in: Balzli, Beat/Brinkbäumer, Klaus/Brenner, Jochen/Fichtner, Ullrich/Goos, Hauke/Hoppe, Ralf/Hornig, Frank/Kniep, Ansbert: a.a.O., S. 44-80
13 Bloss, Michael/Eil, Nadine/Ernst, Dietmar/Häcker, Joachim: a.a.O., S. 31
3
II. Immobilienboom und Immobilienblase
a) Der US-amerikanische Immobilienmarkt war überbewertet
Durch das Platzen der Dotcom-Blase an den Aktienmärkten wurden Immobilien als Anlage- und Wertsteigerungsinstrument ab dem Jahr 2000 wieder zunehmend attraktiver (siehe Anhang 4) 16 .
Die US-Amerikaner begannen im großen Umfang Häuser zu bauen und zu verkaufen 17 . Der Neubau von Einfamilienhäusern nahm im Vergleich zu 2001 um 50 % zu und lag im Jahr 2005 bei ca. 1,8 Mio. pro Jahr (siehe Anhang 5). Während 1990 ca. 3,7 Mio. Einfamilienhäuser den Besitzer wechselten, wurden im Jahr 2005 8,3 Mio. Hausverkäufe registriert 18 . Jeder fünfte Hauskauf wurde in der Hoffnung auf Spekulationsgewinne als reine Finanzinvestitionen getätigt. Die durchschnittlichen Preise für Wohneigentum stiegen von 1996 bis Ende 2005 um fast 100 %, während sich die durchschnittlichen Mieten im gleichen Zeitraum lediglich um 33 % erhöhten. Allein 2004 war ein Preisanstieg im Vergleich zum Vorjahr von 12 % zu verzeichnen. Im selben Jahr nahm das verfügbare Einkommen pro Kopf lediglich um etwa 5 % zu. 19 Auch im Vergleich zum Bevölkerungswachstum und zur Inflation waren ähnliche Entwicklungen zu beobachten.
Diese Vergleiche zeigen eine deutliche Divergenz auf (siehe Anhang 6) und sind Indikatoren für eine Überbewertung am US-amerikanischen Immobilienmarkt 20 .
b) Die Rolle der Fed
Um einer möglichen Rezession nach dem Niedergang der New-Economy-Branche und den Terroranschlägen vom 11. September 2001 entgegen zu wirken, senkte die Fed den Funds Rate Note von 6,75 % schrittweise auf ein 45-Jahres-Tief von 1 % im Sommer 2003 (siehe Anhang 7) 21 . Zum einen sollten die Banken durch eine günstige Refinanzierung die Wirtschaft mit billigem Geld versorgen. Zum anderen wollte die Fed sicherstellen, dass Finanz-
14 Vgl.Bloss, Michael/Eil, Nadine/Ernst, Dietmar/Häcker, Joachim: a.a.O., S. 32
15 Vgl. Balzli, Beat/Brinkbäumer, Klaus/Brenner, Jochen/Fichtner, Ullrich/Goos, Hauke/Hoppe, Ralf/Hornig, Frank/Kniep, Ansbert: a.a.O., S. 53
16 Vgl. Internet-Recherche vom 01.12.2008,
http://www.kfw.de/DE_Home/Service/Download_Center/Allgemeine_Publikationen/Research/PDF-Dokumente_MakroScope_/MakroScope_22_d.pdf, Ende des Booms an den US-Immobilienmärkten
17 Vgl. Bloss, Michael/Eil, Nadine/Ernst, Dietmar/Häcker, Joachim: a.a.O., S. 15
18 Köhler, Wolfgang: Wall Street Panik - Banken außer Kontrolle: Wie Kredithaie die Weltkonjunktur ins Wanken bringen, Murnau am Staffelsee 2008, S. 17
19 Vgl. Internet-Recherche vom 01.12.2008,
http://www.kfw.de/DE_Home/Service/Download_Center/Allgemeine_Publikationen/Research/PDF-Dokumente_MakroScope_/MakroScope_22_d.pdf, Ende des Booms an den US-Immobilienmärkten
20 Vgl. o.V.: Die Furcht vor einer Immobilienblase in Amerika wächst, in: FAZ vom 02.06.2005, S. 23
21 Vgl. o.V.: Fed sieht weiter Risiken für die Konjunktur, in: FAZ vom 26.06.2003, S. 21
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Alexander Ulm, 2009, Ursachen und Ablauf der Subprime-Krise, Munich, GRIN Publishing GmbH
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