III
Vorwort
Es gibt sehr viele Wege erwachsen zu werden und mindestens genauso viele Gründe, es nicht werden zu können oder sich dagegen zu wehren.
Erwachsen: normenbewusst, eigenständig, mündig, gesellschaftsfähig, unabhängig, verantwortungsbewusst, vernünftig, …. Das sind alles Bezeichnungen für Eigenschaften, die man im Zustand einer gelungenen Sozialisation erlangen kann.
Befindet man sich in der Lebensphase, in der es gerade darum geht, sich innerhalb einer Gesellschaft zu sozialisieren, scheinen diese Eigenschaften keine erstrebenswerten Tugenden zu sein, sondern sinnentleerte Adjektive, die aus dem Kopf eines Pädagogen stammen und sich Tag täglich ihren Weg aus seinem Mund in die eigene Richtung bahnen. Es handelt sich um die Jugendjahre. Eine Phase der zwiespältigen Wahrnehmung der Gesellschaft. In dieser Phase habe auch ich oft Sätze wie, „Später im Berufsleben kannst du nicht einfach so zu spät kommen“ oder „Du musst lernen Verantwortung zu übernehmen“ gehört. Was sie bedeuten und warum sie damals nichts als Schall in meinem Gedächtnis hinterließen, wurde mir erst später bewusst.
Meine Sozialisation ist erfolgreich verlaufen, was ich einer Jugendkultur zu verdanken habe. Als aktive Musikerin habe ich bereits mit 15 Jahren begonnen mich mit HipHop zu beschäftigen und fand meine kleine aber sehr bedeutende Bestimmung darin.
Nach meiner Emigration aus Russland, mit 10 Jahren, in das mir fremde Land, fiel es mir sehr schwer meine Identität zu finden. Falscher Umgang, sowie Drogen, Diebstähle und Vandalismus, waren nicht gerade behilflich um einer Identitätskrise zu entkommen.
Mit dem Wegweiser einer Jugendkultur namens HipHop, deren Werte und Intentionen, habe ich eine neue Weltanschauung vermittelt bekommen, die mir half ein starker, individueller, ehrenvoller und ehrgeiziger Mensch zu werden. Nichts war mir je wichtiger in meiner pädagogischen Arbeit , als diese Grundsätze weiter zu geben.
Ich bin überzeugt davon, dass man mit Hilfe von pädagogisch orientierten Workshop- Programmen im Rahmen der HipHop Kultur, sozial und gesellschaftlich desorientierten Jugendlichen, Werte vermitteln kann, die ihr
IV
soziales Verhalten stärken und ihnen helfen mit ihrer Wut und Unzufriedenheit durch Eigenreflektion gewaltfrei umzugehen.
In dieser Arbeit geht es um die Frage der Effektivität dieser Workshop-Programme. Gleichermaßen bedeutend ist die Entwicklung eines Instruments zur Qualitätssicherung und Messung der pädagogischen Wirksamkeit innerhalb der Workshop- Durchführung.
Für die Unterstützung vor, während und nach Erstellung dieser Arbeit möchte ich mich bei allen Mitwirkenden bedanken. Besonderer Dank richtet sich an, meine Praxisbegleiter Winfried Voget- Wiesen und Rob Mulder für die professionelle Vermittlung von pädagogischem Wissen und die Ermöglichung meiner Interessen- und Ideenverwirklichung innerhalb der Einrichtung, meinen Studiendiplombegleiter Lutz Siemer, das gesamte Kollegium der Janusz Korczak Schule für die herzliche Aufnahme in der Schule und die Unterstützung bei der Forschungsdurchführung, sowie Philip Bischoff für die photographische Mitwirkung am Layout.
V
Inhaltsverzeichnis
Vorwort III
Abk ürzungsverzeichnis VIII
1 Einleitung 1
1.1 Inhalt der Arbeit 1
1.2 Aufbau der Arbeit. 1
2 Theoretische Grundlagen 3
2.1 Einleitung 3
2.2 Begriffsdefinition 3
2.2.1 Einleitung 3
2.2.2 Aggressives Verhalten 4
2.2.3 Sozialisation im Jugendalter 5
2.2.4 Hip Hop Kultur. 6
2.2.5 Zusammenfassung 8
2.3 Problemstellung. 9
2.3.1 Einleitung 9
2.3.2 Situation der Schüler. 9
2.3.3 Aggressives Verhalten der Schüler. 11
2.3.4 Konzept der Janusz- Korczak- Schule 12
2.3.5 Zusammenfassung 13
2.4 Bestehende Erklärungsansätze von Aggression. 15
2.4.1 Einleitung 15
2.4.2 Aggressionstheorien 15
2.4.3 Sozialisation im Jugendalter 19
2.4.4 Zusammenfassung 20
2.5 Zusammenfassung 20
3 „Rapscool“ Workshop 22
3.1 Einleitung 22
3.2 Das Konzept 22
3.2.1 Einleitung 22
VI
3.2.2 Organisatorischer Rahmen 23
3.2.3 Ablauf und Inhalt 24
3.2.4 Zielsetzung 25
3.2.5 Zusammenfassung 26
3.3 Umsetzung 26
3.3.1 Einleitung 26
3.3.2 Pädagogische Grundhaltung des Leiters 27
3.3.3 Rap als Selbstreflektion 28
3.3.4 Methodische Interventionen. 29
3.3.5 Erfolge und Komplikationen 31
3.3.6 Zusammenfassung 32
3.4 Zusammenfassung 32
4 Qualitative Evaluation am „Rapscool“ Workshop. 34
4.1 Einleitung 34
4.2 Forschungsmethode 34
4.2.1 Einleitung 34
4.2.2 Forschungsdesign. 34
4.2.3 Fragebogen 36
4.2.4 Thesenaufstellung. 37
4.2.5 Validität und Reliabilität. 37
4.2.6 Zusammenfassung 38
4.3 Forschungsergebnisse 38
4.3.1 Einleitung 38
4.3.2 Selbstwertgefühl 39
4.3.3 Konzentration und Motivation 40
4.3.4 Provokationstoleranz 41
4.3.5 Gruppenfähigkeit. 41
4.3.6 Aggressives Verhalten 42
4.3.7 Zusammenfassung 43
4.4 Zusammenfassung 43
5 Anwendung der Ergebnisse 45
5.1 Einleitung 45
5.2 Evaluation 45
VII
5.2.1 Einleitung 45
5.2.2 Was macht den Rapworkshop besonders? 45
5.2.3 Ist der Fragebogen als Messinstrument für Qualität einsetzbar? 46
5.2.4 Zusammenfassung 47
5.3 Perspektive. 47
5.3.1 Eileitung 47
5.3.2 Innovative Projekte in der Schulsozialarbeit 48
5.3.3 Weitere HipHop Workshopkonzepte 48
5.3.4 Zusammenfassung 50
5.4 Resümee. 50
Literaturverzeichnis. 51
Internetquellen 54
Anhang 1: Songtexte. 55
Anhang 2: Presseartikel zum Projekt „Rapscool“ 61
Anhang 3: Fragebogen 62
VIII
Abkürzungsverzeichnis
bzgl. bezüglich bzw. beziehungsweise d.h. das heißt et.al. et altera ggf. gegebenenfalls Hrsg. Herausgeber i.d.R. in der Regel o.g. oben genannte(n) o.J. ohne Jahresangabe S. Seite(n) sog. sogenannte(n) u. a. unter anderem u.U. unter Umständen z.B. zum Beispiel
1
1 Einleitung
1.1 Inhalt der Arbeit
Ausgangspunkt dieses Produkts ist die bestehende Problematik aggressiven Verhaltens, jugendlicher Schüler der Janusz- Korczak- Schule, einer Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung 2 . Gegenstand dieser Arbeit ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem pädagogischen Konzept, welches sich jugendkultureller Interessen bedient, um sich so einen Zugang zur Zielgruppe zu verschaffen. In Form eines 7- monatigen Rap-Workshops an der Janusz- Korczak- Schule 1 , habe ich mit 5 Jugendlichen ein Musikprojekt durchgeführt, welches in dieser Arbeit evaluiert wird. Die Zielsetzung dieser Arbeit gestaltet sich zweisträngig. Der erste Schwerpunkt liegt in der Entwicklung eines Instruments für die Qualitätssicherung des Workshop- Programms.
Der zweite Schwerpunkt ist die Evaluation, die sich dieses Instruments bedient, um mit seiner Hilfe die Wirksamkeit der Maßnahme und somit die positive/negative Auswirkung der Workshop- Teilnahme auf aggressives Verhalten der Schüler an der Janusz- Korczak- Schule zu erforschen.
Die Ergebnisse sollen wiederum zur Entwicklung neuer pädagogischer Handlungskonzepte beitragen und im Fall einer erwiesenen Effektivität im Kontext der bestehenden Problematik an weiteren Schulen angewandt werden.
1.2 Aufbau der Arbeit
Die Arbeit ist in fünf grobe Teile gegliedert. An dieser Stelle befindet man sich im ersten Kapitel. Hier werden die Inhalte der Arbeit, sowie der Aufbau dieser präsentiert, um die Orientierung zu erleichtern. Um eine wissenschaftliche Grundlage zu schaffen werden im zweiten Kapitel unter (2.2) die Begriffe „aggressives Verhalten“, „Sozialisation im Jugendalter“ und „Rap in der Hip Hop Kultur“ definiert und differenziert. Im weiteren Verlauf des zweiten Abschnitts (2.3) werden die Problematik der Schüler, ihre komplexe Situation, sowie das Konzept der Schule im Hinblick auf die vorhandenen Entwicklungsschwierigkeiten der Schüler vorgestellt.
2 Janusz- Korczak- Schule in Uffeln (NRW), Förderschule für emotionale und soziale
Entwicklung des Kreises Steinfurt, (www.jk-schule.de)
2
Daran schließen in (2.4) bereits bestehende Erklärungen für die Entstehung aggressiven Verhaltens, worin auch verdeutlicht wird welche Rolle die Sozialisation innerhalb dieser Prozesse einnimmt.
Im dritten Kapitel folgen theoretische wie auch methodische Ausführungen über
den Verlauf des Rap- Workshops. Während in (3.2) das Konzept und seine Zielsetzung erläutert werden, widmet sich der Abschnitt (3.3) der methodischen Umsetzung und der Reflektion des Projekts aus der Beobachtersicht. Im vierten Kapitel wird die Qualitative Evaluationsforschung am „Rapscool“-
Projekt zusammengefasst. Dabei beschäftigt sich der Abschnitt (4.2) mit der Forschungsmethode, dem Forschungsdesign und seiner Durchführung. Die Forschungsergebnisse sind nach der Auswertung der Fragebögen in (4.3) nachzulesen. Hier findet auch eine Analyse statt, die deutlich macht, in wie weit sich das Projekt auf einzelne Faktoren der vorhandene Problematik ausgewirkt hat.
Im fünften Kapitel werden die festgestellten Ergebnisse auf die Gesamtsituation der ergänzenden Projektarbeit an Schulen angewandt. In (5.2) wird die Eignung des Rap Workshops im Sinne pädagogischer Interventionen argumentiert. Zusätzlich findet hier die Klärung der Frage nach der Zweckmäßigkeit des Fragebogens als Instrument für die Qualitätssicherung des Workshops statt. Die Tragweite der Ergebnisse für die zukünftige Schulsozialarbeit, wird in (5.3) zum Fokus der Stellungnahmen. Hier werden die Ergebnisse in pädagogische Perspektiven gelenkt und weitere Projektkonzepte dargeboten. Eine große Rolle spielen in diesem Abschnitt die gesellschaftlichen Aspekte und deren Bezug zu den gewonnen Innovationen.
3
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Einleitung
Nach ausführlicher Beschreibung der enthaltenen Themenschwerpunkte im ersten Abschnitt des vorliegenden Produkts, wird in diesem Kapitel der theoretische Unterbau konstruiert. Den ersten Grundbaustein stellt die Begriffsdefinition dar. Ziel ist es, die zentralen Begrifflichkeiten vor ihrer Verwendung, so prägnant zu definieren, dass sie im Kontextgebrauch ausschließlich in ihrer vordefinierten Eindeutigkeit verstanden werden. Der zweite Grundbaustein legt sein Hauptaugenmerk auf die
Problementstehung und Darstellung. Die schwierigen Situationen und daraus folgende Entwicklungsschwierigkeiten der Workshopteilnehmer werden in Form von Einzelportraits dargestellt, wobei bereits deutlich wird, dass viele Ursachen des bestehenden aggressiven Verhaltens ihren Ursprung in Lebensschicksalen der Schüler finden. Im Anschluss daran wird das Konzept der Janusz- Korczak-Schule und ihr pädagogischer Beitrag zur Reduktion aggressiven Verhaltens der Schüler erläutert.
Der dritte Grundbaustein fokussiert bereits bestehende wissenschaftliche Erklärungen für die starke Ausprägung aggressiven Verhaltens. Hier werden Erklärungsansätze aus verschiedenen Aggressionstheorien und deren Anwendbarkeit auf die gegenwärtige Problematik ins Blickfeld des Lesers gerückt.
2.2 Begriffsdefinition
2.2.1 Einleitung
Die vorliegende Studie möchte analysieren, in wie weit sich soziale und persönlichkeitsspezifische Kompetenzen der Workshopteilnehmer, deren Mangel aggressives Verhalten verstärken kann, während des Workshops stärken lassen. Um die Auswirkungen des Workshops im Bezug auf die Reduktion aggressiver Verhaltensweisen zu ermitteln, soll ein Instrument entwickelt werden.
„Aggressives Verhalten“ ist somit Dreh- und Angelpunkt der Forschung und eins der drei wesentlichen Begriffe der fachlichen Auseinandersetzung.
4
Auf der Suche nach Faktoren, die aggressives Verhalten bedingen, begibt sich die Recherche auch auf Wege der Sozialisation im Jugendalter. Auch dieser Begriff wird in seinem Verständnis präzisiert. Abschließend wenden sich die Ausführungen der Rapmusik, sowie der Hip Hop Kultur, in die sie eingebettet ist zu. Auch hier ist es wichtig einen Kontext zur Herkunft der kulturellen Jugendbewegung und zum Gebrauch der Begrifflichkeiten innerhalb der Arbeit herzustellen.
Dabei verschaffen bereits bestehende Definitionen einen Überblick über die Spannbreite der Wortbedeutungen. Die eigene Interpretation stellt den Bezug zur spezifischen Verwendung und Tragweite der Begriffe innerhalb der Thematik her.
2.2.2 Aggressives Verhalten
Wenn man über aggressives Verhalten spricht, bewertet man das Verhalten der Personen, die in einer Situation agieren. Man empfindet das Verhalten als unangemessen, als Verstoß gegen eine gesellschaftliche Norm, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich aufgefasst wird. Es gibt also keine einheitliche Definition des aggressiven Verhaltens.
…Der Aggressionsbegriff selbst leitet sich von dem lateinischen Verb „adgredi“ ab, was die Bedeutung „herangehen“ und „zuwenden“ hat. Der ursprüngliche Begriff bezeichnet somit ein prosoziales Verhalten, während der Begriff heute eine negative Konnotation beinhaltet…. 3 In den folgenden Ausarbeitungen kommt der Gebrauch des Begriffs „aggressives Verhalten“ der Definition des Brockhaus Multimedial 2003, dem Verständnis nach Merz(1965) und der Auffassung nach Fürntratt (1974) sehr nah. Diese lauten:
“Unter Aggression versteht man ein Angriffsverhalten (körperlich oder sprachlich) gegenüber Sachen oder Lebewesen“ 4
3 Eintrag: Der Aggressionsbegriff. In: Gewalt- Online, Portal zum Thema Gewalt und Aggression
unter Jugendlichen. URL:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Nichtraucherschutz&oldid=42315167 (Abgerufen: 23.
November 2008, 10:41 UTC).
4 Brockhaus Multimedial 2003, Eintrag „Emotionen, Aggression und Motivation“.
5
,,Aggression umfasst jene Verhaltensweisen, mit denen die direkte oder indirekte Schädigung eines Individuums, meist eines Artgenossen, intendiert wird". (Merz, 1965)
,,Unter aggressiven Verhaltensweisen werden hier solche verstanden, die Individuen oder Sachen aktiv und zielgerichtet schädigen, sie schwächen oder in Angst versetzen". (Fürntratt, 1974)
Zusammengefasst heißt es für den hiesigen Gebrauch des Begriffs, dass als aggressives Verhalten, Verhaltensweisen der Jugendlichen bezeichnet werden, die eine direkte oder indirekte Schädigung des anderen Schülers nach sich ziehen oder ihn zielgerichtet schwächen, bzw. in Angst versetzen. Dies kann sowohl in verbaler, wie auch in körperlicher Form geschehen. Aggressives Verhalten wird als eine Störung in der Entwicklung sozialer Kompetenzen verstanden und dementsprechend nicht nur als Leid des Opfers, sondern insbesondere als Last des aggressiven Täters gesehen. Laut Schmidt wird aggressives Handeln als Mittel benutzt, um das negative Selbstwertgefühl wieder aufzubessern und die eigene geschädigte Identität zu „flicken“. „Aggressive Kinder erlebten sich in der Schule regelmäßig als leistungsschwach oder gar versagend“ (Schmidt, 1997, S. 32). Da sich diese Ausarbeitung mit dem aggressiven Verhalten in der Schule beschäftigt, wird aggressives Verhalten an schulspezifischen Indikatoren gemessen. Folglich kann aggressives Verhalten zwar nur in aggressiven Handlungen und Äußerungen beobachtet werden. Die Zu- oder Abnahme des Verhaltens kann jedoch auch durch seine Auswirkungen auf die Konzentration, Motivation, Gruppenfähigkeit und Rückschlüsse auf das Selbstwertgefühl des aggressiven Schülers eingeschätzt werden.
2.2.3 Sozialisation im Jugendalter
Sozialisation (aus dem Lateinischen, sociare = verbinden) bezeichnet den Prozess, in dem ein Individuum sich mit gesellschaftlichen Normen auseinander setzt. Der Brockhaus Multimedial 2007 beschreibt die Sozialisation als einen …Prozess des Hineinwachsens des Menschen in die ihn umgebende Kultur und Gesellschaft sowie die (weitgehende) Übernahme der geltenden Normen und Regeln; auch dessen Ergebnis. 5 …Das Jugendalter fasst die Entwicklungsstufen der Pubertät und Adoleszenz in der Zeit zwischen Kindheit
5 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007, Eintrag „Sozialisation“.
6
und Erwachsenenalter zusammen. 6
Nach Hurrelmann erhält das Individuum während der Jugendjahre (ungefähr zwischen 12 und 20 Jahren) zum ersten Mal die Möglichkeit, eine eigene Ich-Identität zu entwickeln.
Die Schüler der Studie befinden sich gerade im besagten Jugendalter und sind der mehrfachen Belastung, der an sie gestellten Entwicklungsanforderungen ausgesetzt. Ihr Entwicklungsstadium birgt eine hohe Diskrepanz zwischen der Erfüllung gesellschaftlicher Erwartungen und der Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit. Somit äußert sich die Herausforderung der Sozialisation in der Schwierigkeit, die eigene Persönlichkeitsentwicklung mit der Anpassung an gesellschaftliche Denk- und Wertemuster zu kombinieren. Die Ausbildung eines gesunden Selbstwertgefühls spielt hierbei eine große Rolle. Um Kollisionen und Entgleisungen zu vermeiden sind nach Hurrelmann sowohl die Erziehungsberichtigten, wie auch Bildungsstätten gefragt. …“Die Sozialisationstheorie ist intensiv mit dem Problem beschäftigt, welche sozialen Bedingungen gegeben sein müssen, damit Menschen ihre Persönlichkeit frei entfalten und ihre Identität sichern können. Dazu gehören auch Bildung und Erziehung eines Menschen, um ihn in seiner persönlichen, biografischen Entwicklung zu stärken“ (Hurrelmann, 2006, S. 7)….
Unter anderen stellt sich diese Ausarbeitung die Frage, in wieweit Auswirkungen unzureichender Bedingungen für eine gelungene Sozialisation, für die Entstehung aggressiven Verhaltens verantwortlich gemacht werden können.
2.2.4 Hip Hop Kultur
Die Erklärungsversuche der Öffentlichkeit für das Phänomen der Hip Hop Kultur schwanken zwischen der Wertung, Rap- Musik erzeuge einen negativen Einfluss auf die Jugend und der Begeisterung aus Perspektive der Befürworter einer Jugendbewegung, die nicht zuletzt politische Ziele und pädagogische Inhalte transportiert.
Nelson George vermerkt dazu: „Um HipHop völlig verstehen zu können, braucht man vermutlich einen Abschluß in Soziologie, mehrere Knastaufenthalte und ein Gefühl für afrikanische Rhythmen“ (George 2002, S. 10)…. …“Hip Hop entwickelte sich in den siebziger Jahren in den verfallenden Innenstadtgebieten New Yorks. Dort entstanden die Grundtechniken des
6 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007, Eintrag „Jugendalter“.
7
Rappens, und DJs begannen, den Plattenspieler als Musikinstrument einzusetzen. Mit Filzstiften malten junge Künstler die ersten Graffitis an die Wände und der Breakdance feierte seine erste Blüte. Stets zwischen kommerziell erfolgreicher Unterhaltung und politischer Aufklärung changierend, hat sich in den letzten 35 Jahren aus der New Yorker Subkultur eine weltumspannende Kultur gebildet“ (Franke, 2006, S. 9)….
…“Die Subkultur HipHop, die sich aus den Grundelementen Musik (Rap), Tanz (Breakdance) und Bildender Kunst (Graffiti) zusammensetzt, entstand vor ca. 30 Jahren in der Bronx, New York. Aus der Grundidee, einen sozialen positiven Gegenpol zu Ganggewalt, Kriminalität und Drogensucht zu gestalten, entwickelte sich eine eigene Kulturform, in der sich ganz nach dem Fair Play Gedanken, in Wettkämpfen (Battles) die Besten ihres Fachs (DJs, Rapper, Tänzer, Writer) gegenüberstehen, um schließlich den Gewinner in einvernehmlichem Respekt zu akzeptieren“ 7 ….
Die Hip Hop Kultur versteht sich als Jugendkultur, die sich auf vier Säulen errichtet. Rapmusik, DJ- ing, Graffiti und Breakdance, sind 4 Elemente die das Grundgerüst der Kultur bilden und als Ausdrucksformen dieser dienen. Jeder Aktivist der Kultur prägt seinen Lebensstil durch Hip Hop und bedient sich mindestens einer seiner Elemente um einen Beitrag zur Kultur zu leisten und sich künstlerisch vor der Hip Hop Gemeinschaft zu behaupten. Somit gibt’s es nicht nur Aktivisten sondern auch Konsumenten, die sich mit der Kultur mindestens genauso stark identifizieren und sie vertreten. Hierbei geht es nicht um kommerzielle Erfolge und finanzielle Gewinne, sondern um den Transport der Message, die sich in Grundsätzen der Kultur definiert.
Grundsätze 8 der Kultur sind z.B. die Gewaltfreiheit, Akzeptanz und Solidarität, politische Unabhängigkeit, Kampf gegen Diskriminierung, Meinungsfreiheit, Entwicklung des Selbstwertes, um nur einige zu nennen.
7 Auf der Webseite zu Peter Pan's Seminaren & Workshops in Sachen HipHop. „Unterwegs an
Schulen. Wie HipHop Seminare an Schulen Respekt vermitteln.“ Online unter:
http://www.hiphophistory.de/upload/pressetext_unterwegs_an_schulen.pdf (Abgerufen: 29.
November 2008, 15:59 UTC).
8 KRS-One, Afrika Bambaataa und rund 300 weitere Vertreter der HipHop-Kultur legen der U.N.E.S.C.O. in deren Zentrale in New York die »Hip Hop Declaration of Peace« vor und
starten damit eine Etablierung von Hip Hop als internationale Kultur für Frieden und
Aufschwung/Wohlstand! Online unter: http://www.hiphophistory.de/upload/the_hiphop_
declaration_of_peace_deutsche_uebersetzung.pdf (Abgerufen: 13. November 2008,
12:09 UTC).
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Alwina Koop, 2009, Pädagogischer Schlüssel Jugendkultur - HipHop als Brücke zur Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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